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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Prosa » An Jocelyne
Hier klicken, um Mitglied zu werden  Hier klicken, um Mitglied zu werden Die Geschichte vom DU • *Kneipengespräche*

An Jocelyne

BeitragVerfasst am: 20.04.2008, 09:16
Fabula
 
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Beiträge128
WohnortArnsberg


An Jocelyne

Lange habe ich überlegt,
sag ich was zu dem was steht
in deinem Beitrag, wohl kein Scherz,
dass wir für Fremde ohne Herz.

Es mag ja sein, in all den Jahren,
dass du das hier und da erfahren,
doch wenn a l l e sind gemeint,
dann wär auch ich dein Herzensfeind.

Das bin ich wirklich keineswegs,
und obendrein bemüh ich stets
mich immerzu tagaus, tagein,
recht vielen Menschen Freund zu sein.

Und außerdem – als kluge Frau –
weißt du bestimmt es sehr genau,
wie schrecklich Vorurteile sind.
Vergiss sie bitte, ganz geschwind.

Fabula

_________________
Von allen Geistern die verneinen,
ist mir der Schalk am wenigsten zur Last
(Goethe, Faust I)
www.leichte-feder.de

Verfasst am:
 


Re: An Jocelyne

BeitragVerfasst am: 20.04.2008, 15:48
Jocelyne Lopez
 
Anmeldedatum15.04.2008
Beiträge18
WohnortHamburg


Fabula hat Folgendes geschrieben:
An Jocelyne

Lange habe ich überlegt,
sag ich was zu dem was steht
in deinem Beitrag, wohl kein Scherz,
dass wir für Fremde ohne Herz.

Es mag ja sein, in all den Jahren,
dass du das hier und da erfahren,
doch wenn a l l e sind gemeint,
dann wär auch ich dein Herzensfeind.

Das bin ich wirklich keineswegs,
und obendrein bemüh ich stets
mich immerzu tagaus, tagein,
recht vielen Menschen Freund zu sein.

Und außerdem – als kluge Frau –
weißt du bestimmt es sehr genau,
wie schrecklich Vorurteile sind.
Vergiss sie bitte, ganz geschwind.

Fabula



Nun, jetzt habe ich keine Wahl und ich muß es auch mal versuchen…

Leg Dir meine Worte nicht ans Herz
Das war natürlich nur ein Scherz


Mehr kann ich leider nicht reimen, das ist doch schon eine gute Leistung, oder? Laughing

Aber jetzt im Ernst: Natürlich war das nur als Scherz gemeint!

Ich habe übrigens allgemein bei den Deutschen keine stärkere Ausländerfeindlichkeit festgestellt als bei den Franzosen. Und Franzosen gegenüber sowieso nicht, eher Interesse, Offenheit und Sympathie, sogar bei den Vorkriegsgenerationen - was man von den Franzosen manchmal leider nicht immer behaupten kann. Ich habe nach Deutschland geheiratet, aber mein Mann wurde auch ohne jegliche Vorurteile in meine Familie aufgenommen, genauso wie ich in seine auch aufgenommen wurde. Nur eine kleine Bemerkung von einer meiner Omas hatte mich damals erstaunt: „Musste es ein Deutscher sein?“. Aber es war ohne persönliches Ressentiment gemeint und eigentlich ganz harmlos. Bei den Nachkriegsgenerationen in Frankreich sind auch wie in Deutschland keine Ressentiments und Vorurteile zwischen Deutschen und Franzosen nach meiner Sicht festzustellen. Ich fühle mich in Deutschland wohl, ich liebe dieses Land (und auch seine schwierige Sprache Wink), das auch irgendwie meine zweite Heimat geworden ist. Ich wurde 1948 geboren und meine ganze Ausbildung in der Schule ist von den damaligen gezielten Bemuhungen der beiden Regierungen von Frankreich und Deutschland geprägt worden, die Vergangenheit zu verarbeiten und die neue Nachkriegsgeneration mit den Gedanken der Versöhnung aufzuziehen. Sie haben es recht getan.

Man kann es nämlich auch falsch machen, wie es möglicherweise in Holland passiert ist, falls ich es an eine kleine Erfahrung in meiner Jugendzeit beurteilen kann: Ich habe mit 16 mal in einem Campingplatz an der Côte-d’Azur Ferien gemacht und war in einer Gruppe von Jugendlichen in meinem Alter angeschlossen, um sich am Strand zu treffen und gemeinsam was zu unternehmen. In der Gruppe waren auch Gebrüder aus Holland mit 13 und 16 Jahren. Einmal haben zwei deutschen Jugendlichen sich in unsere Gruppe angeschlossen und sie wurden auch nett aufgenommen. Jedes Mal wenn sie am Strand zu uns kamen, sind aber die zwei jungen Holländer ohne ein Wort aufgestanden und sind weggegangen. Bei Nachfragen sagten sie uns mürrisch und stur: „Wir sprechen nicht mit Deutschen und bleiben nicht, wenn die Deutschen da sind“. Wir Franzosen waren ganz platt und auch entsetzt von dieser Reaktion. Wie schlimm, dumm und auch lächerlich, Kinder so zu erziehen, oder?

Liebe Grüße
Jocelyne

BeitragVerfasst am: 20.04.2008, 16:30
Haifischfrau
 
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Liebe Jocelyne,
ich glaube kaum, dass jemand aufgrund einiger persönlicher Erfahrungen über derart komplexe Dinge urteilen kann.
Ich bin ebenfalls nicht in Deutschland aufgewachsen und als ich nach Deutschland ging, war mein Vater entsetzt. Er hatte gute Gründe dafür!

Heute sind wir Jahrzehnte weiter und die Erlebnisse und Erinnerungen aus der Jugendzeit sind vorbei.

Fremdenfeindlichkeit ist unschön und es gibt sie nahezu überall.

Niemand sollte darauf warten oder gar vertrauen, dass sie von oben, durch die Politik oder so abgebaut wird, sondern sich selbst damit auseinandersetzen und sein Verhalten überprüfen und ggf. ändern.

Historische Geschehnisse lassen sich nicht einfach abschütteln. Deshalb finde ich deine relativ unkommentierte Erfahrung (von vor vielen Jahren) mit den Jugendlichen aus Holland bedauerlich, weil es schon einigen Insiderwissens bedarf, um diese Haltung heute nachzuvollziehen. Ich vermute einfach mal, dass diese damals jungen Leute heute in unserem Alter sind und sich nun ganz anders verhalten.

Viele Grüße
Maryanne

_________________
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BeitragVerfasst am: 20.04.2008, 16:39
Fabula
 
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Eine andere Haltung, liebe Jocelyne, hätte mich auch verwundert, obwohl man nie genau wissen kann, welche Erfahrungen jemand gemacht hat, der sich auf diese Weise äußert. Scherz ist angenommen.

Als ich Kind war, habe ich mit meinen Eltern und Geschwistern einige Jahre in Österreich gelebt. Wir wurden dort auf dem Schulweg als „Saupreußen“ beschimpft, obwohl wir aus dem Rheinland kamen und Hitler sein Vaterland schon dem großdeutschen Reich einverleibt hatte. (Daas soll nicht heißen, dass es die 'richtigen' Preußen verdient hätten.Verstanden haben wir das nie und es hat uns sehr verletzt. Aber ich hatte deswegen niemals Rachegefühle.

Es ist eine große geschichtliche Tat, dass sich Frankreich und Deutschland versöhnt haben. Die jüngeren Menschen, die wie du erst nach dem Krieg aufgewachsen sind, können sich zum Glück gar nicht vorstellen, dass wir man „Erzfeinde“ waren.

Viel schwerer ist es, dass sich Deutschland Ost und West wirklich vereinigt. Aber in diesem Fall geht es wohl auch um Geld. Mit Frankreich war das zur Zeit der diesbezüglichen Verhandlungen im großen und ganzen ausgestanden. Es dauert bestimmt noch mindestens eine Generation, bis unser Land gesamt funktioniert.

Du beschreibst die deutsche Sprache als schwer. Ich wäre froh, ich könnte so gut französisch, wie du deutsch kannst. Mir gefällt vor allem die Musikalität deiner Muttersprache. Leider hatte als Kind keine Gelegenheit es zu lernen und später hatte ich vollauf mit meiner Familie zu tun. Außerdem fehlt mir die Begabung, der feste Wille und der Ehrgeiz. (Dumme Entschuldigung, wahrscheinlich ist es nur Faulheit.)

Liebe Grüße
Fabula

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Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 20.04.2008, 16:51
Haifischfrau
 
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Hallo Fabula, verrätst du uns dein Geburtsjahr?
In Österreich wird man immer noch schnell zum Saupreißn (in Bayern übrigens auch), ich glaube das ist eine andere Kategorie.

Jocelyne hat Recht: Deutsch ist verdammt schwer. Und dummerweise machen es die Deutschen noch schwerer, indem sie Anglizismen hinzufügen, die völlig unnötig sind, weil sie eh weder richtig ausgesprochen noch verwendet werden.

Sänk ju for trävveling wiss deutsche bahn.

maryanne

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BeitragVerfasst am: 20.04.2008, 20:07
Judith
 
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WohnortSchwobaländle


Hallo Fabula,

ich kenne es - wie Haifischfrau - auch von den Bayern. Alles was nicht Bayerisch (oder zumindest Österreichisch) spricht, is a "Saupreiß".

Pfiade,
Judith

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BeitragVerfasst am: 20.04.2008, 20:07
Jocelyne Lopez
 
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Hallo Maryanne,

Zitat:
ich glaube kaum, dass jemand aufgrund einiger persönlicher Erfahrungen über derart komplexe Dinge urteilen kann. Ich bin ebenfalls nicht in Deutschland aufgewachsen und als ich nach Deutschland ging, war mein Vater entsetzt. Er hatte gute Gründe dafür!
[…] Deshalb finde ich deine relativ unkommentierte Erfahrung (von vor vielen Jahren) mit den Jugendlichen aus Holland bedauerlich, weil es schon einigen Insiderwissens bedarf, um diese Haltung heute nachzuvollziehen. Ich vermute einfach mal, dass diese damals jungen Leute heute in unserem Alter sind und sich nun ganz anders verhalten.


Mir ist die Komplexität dieses Themas bewusst, deshalb habe ich auch den Bericht über diese Erfahrung, die mich damals und auch die französischen Mitglieder dieser kleinen Gruppe von Jugendlichen doch sehr erstaunt bzw. verprellt hatte, unter Vorbehalt geschrieben, als einzelnes persönliches Erlebnis und nicht als Verallgemeinung der Haltung von damaligen holländischen Jugendlichen oder Erwachsenen zu Deutschen. Ich kann und möchte hier auch nur von meinen eigenen persönlichen Erlebnissen und Empfindungen berichten, und zu meiner Zeit waren die erwähnten Bemühungen zur Wiedererstellung der Verständigung und zur Versöhnung zwischen Franzosen und Deutschen, sowie zur Pflege der deutsch-französischen Freundschaft doch auch ein Teil der Erziehungsmaßnahmen der Nachkriegsgeneration in der Gesellschaft und im öffentlichen Bildungssystem (initiiert glaube ich von Adenauer und de Gaulle), so dass so eine Reaktion für uns sehr aus dem Rahmen fiel.

Dass Dein Vater entsetzt war, als Du nach Deutschlang ging ist auch eine gleichwertige persönliche Erfahrung, und sie ist vor allem dann zu nachvollziehen, wenn er – nach Deiner Andeutung – persönlich unter den Kriegsgeschehnissen sehr gelitten hat. Kriegstraumata lassen sich nicht so leicht verarbeiten und prägen oft einen Menschen fürs Leben.



Zitat:
Niemand sollte darauf warten oder gar vertrauen, dass sie von oben, durch die Politik oder so abgebaut wird, sondern sich selbst damit auseinandersetzen und sein Verhalten überprüfen und ggf. ändern.


Völlige Zustimmung! Wobei wie gesagt die politische Haltung in der Gesellschaft oder im Bildungssystem die Auseinandersetzung und das Verhalten zweifellos beeinflussen kann.

Liebe Grüße
Jocelyne

BeitragVerfasst am: 20.04.2008, 21:32
Jocelyne Lopez
 
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Hallo Fabula,

Zitat:
Scherz ist angenommen.


Kannst Du ohne Vorbehalt annehmen: Ich habe mich überhaupt nicht daran gestört, dass meine deutschen Kollegen über meine sprachlichen Versprecher gelegentlich gelacht haben. Das war nie hämisch gemeint. Und jeder ist ein Ausländer, fast überall. Ich habe sowieso immer nette Kollegen gehabt und von den habe ich auch vorwiegend Deutsch gelernt - ich habe Deutsch erst als Erwachsene gelernt, nach einem Anfängerkurs beim Goethe-Institut meiner Heimatstadt Marseille.

In der Kategorie der Fehlurteile (oder Vorurteile) über sogenannte „Mentalitätsunterschiede“ zwischen Deutschen und Franzosen habe ich noch in Erinnerung, als ich in Frankreich bei meinen französischen Kollegen angekündigt habe, dass ich nach Deutschland ziehe, dass sie mich alle „gewarnt“ und gesagt haben: „Du arme, da wirst Du nicht jeden Tag bei der Arbeit in Deutschland lachen, dort herrscht „Arbeit Arbeit, Disziplin Disziplin“, da wirst Du nicht jeden Tag lachen...“. Davon habe ich wiederum nichts gemerkt – und gelacht mit meinen deutschen Kollegen habe ich auch jeden Tag. Smile



Zitat:
Es ist eine große geschichtliche Tat, dass sich Frankreich und Deutschland versöhnt haben. Die jüngeren Menschen, die wie du erst nach dem Krieg aufgewachsen sind, können sich zum Glück gar nicht vorstellen, dass wir man „Erzfeinde“ waren.


Ja, das ist eine große geschichtliche Tat, das hast Du schön gesagt. Und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass sich jetzt Deutschen und Franzosen bekriegen könnten. Das verleiht Zuversicht für die Zukunft und für andere heute verfeindete Völker.



Zitat:
Du beschreibst die deutsche Sprache als schwer. Ich wäre froh, ich könnte so gut französisch, wie du deutsch kannst. Mir gefällt vor allem die Musikalität deiner Muttersprache.


Mark Twain sagte auch sinngemäß: Englisch lernt man in 1 Monat, Französisch in 1 Jahr und Deutsch in 30 Jahren. Wink

Was die Musikalität der deutschen Sprache anbelangt muß ich zugeben, dass ich sie am Anfang vor lauten Schwierigkeiten - vor allem mit der Aussprache - sie nicht wirklich wahrgenommen habe, sie klang für mich anfänglich, wie wohl für jeden Muttersprachler einer lateinischen Sprache, hart und abgehackt. Aber die deutsche Sprache gewinnt sehr viel davon, gelernt zu werden, finde ich. Dann hat man auch Zugang zu ihrer Melodie, sie kann auch unglaublich weich und anmutig klingen, vor allem eben bei Gedichten. Ich weiß noch, dass mein Mann mir manchmal Gedichte von Goethe oder Schiller vorgelesen hat, zu einer Zeit, wo ich sie noch nicht wirklich verstehen konnte, aber doch, die Melodie der Sprache habe ich schon damals wahrgenommen und genossen. Vielleicht liegt es an die vielen Töne mit „ei“, "eu" und „au“, die sehr sanft klingen und in der deutschen Sprache sehr oft vorkommen (dafür gar nicht oder sehr selten in der französischen Sprache), ich weiß es nicht.

Liebe Grüße
Jocelyne

BeitragVerfasst am: 20.04.2008, 22:06
Haifischfrau
 
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Liebe Jocelyne,
es waren nicht nur Kriegstraumata, die die Nazi-Zeit hinterlassen hat!
Mitunter kommt es mir auch so vor, als würdest du die deutsch-französische Annäherung (damals in erster Linie ein Bündnis gegen den Kommunismus) etwas idealisieren. Bitte nimm es nicht persönlich, wenn ich hier darauf hinweise, dass Marseille ja "frei" sprich: nicht besetzt war. Manche haben anderes erlebt. Mord und Deportation von Zivilisten - sei es wegen ihrer politischen Haltung oder ihrer sogenannten rassischen Zugehörigkeit - haben nicht unbedingt mit dem Krieg zu tun (der Krieg hat es lediglich vereinfacht).

Ich kann mir im Moment auch nicht erklären, warum deine Postings diese Emotionen in mir hervorrufen, ich denke einfach nur, Schönreden hat bisher noch nie genutzt!

Meine Aussagen richten sich übrigens nicht gegen ein Land oder eine Nation, sondern gegen Nazis, Nazizeit und deren willigen Helfer. (bzw. gegen alle, die heute und jetzt Menschen unterdrücken, Hass schüren usw.).

Schöne Grüße
maryanne

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BeitragVerfasst am: 20.04.2008, 22:39
Jocelyne Lopez
 
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Hallo Haifischfrau,

Haifischfrau hat Folgendes geschrieben:
Liebe Jocelyne,

es waren nicht nur Kriegstraumata, die die Nazi-Zeit hinterlassen hat!
Mitunter kommt es mir auch so vor, als würdest du die deutsch-französische Annäherung (damals in erster Linie ein Bündnis gegen den Kommunismus) etwas idealisieren. Bitte nimm es nicht persönlich, wenn ich hier darauf hinweise, dass Marseille ja "frei" sprich: nicht besetzt war.


Marseille wurde auch besetzt, obwohl später als die obere Hälfte Frankreichs. Zerbombt wurde Marseille auch (von Italienern und Amerikanern).


Zitat:

Manche haben anderes erlebt. Mord und Deportation von Zivilisten - sei es wegen ihrer politischen Haltung oder ihrer sogenannten rassischen Zugehörigkeit - haben nicht unbedingt mit dem Krieg zu tun (der Krieg hat es lediglich vereinfacht).

Ich kann mir im Moment auch nicht erklären, warum deine Postings diese Emotionen in mir hervorrufen, ich denke einfach nur, Schönreden hat bisher noch nie genutzt!


Ich kann mir auch im Moment nicht erklären, warum meine Postings, die über reine persönliche Erfahrungen und Empfindungen berichten, "Emotionen bei Dir hervorrufen". Ich "rede nichts schön", ich berichte über persönliche Erfahrungen in Deutschland und Frankreich und über die deutsch-französische Freundschaft, die eine Tatsache und eine erlebte und erlebbare Erfahrung ist, nicht nur bei mir, sondern bei Millionen von Menschen. Wühlt Dich diese Freundschaft und dieses friedlichen Miteinander auf? Warum das denn? Hast Du lieber Krieg, Verachtung, Haß, Mord und Gräuel? Ich nicht.

Über die Naziherrschaft, Deportationen und rassistische Verfolgung weiß ich so gut wie Du Bescheid und ich habe mich vermutlich genauso viel wie Du damit persönlich auseinandergesetzt, Du bringst mir dabei nichts Neues, was glaubst Du denn? Ich verabscheue es zutiefst. Soll das hier mein Thema sein? Warum das denn? Wenn das Dein Thema sein sollte, dann kannst Du einen eigenen Thread eröffnen.

Viele Grüße
Jocelyne

BeitragVerfasst am: 21.04.2008, 08:57
Haifischfrau
 
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Hallo Jocelyne,

die Emotionen kommen vermutlich daher, dass du von deiner negativen Erfahrung mit den jungen Holländern berichtest. Es war nicht meine Absicht, dir "Neues beizubringen", sondern lediglich anzumerken, dass andere Menschen andere Erlebnisse hatten bzw. anders betroffen waren.

Schöne Grüße
Haifischfrau

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BeitragVerfasst am: 21.04.2008, 09:14
mtg
 
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Ganz kurz mein Kommentar:

Es hat in den Niederlanden über lange Jahre eine Deutsch-Feindlichkeit auf Grund des II. Weltkrieges gegeben. Diese wurde dann allerdings späterhin - als man hätte "gutnachbarlich" miteinander umgehen können, durch Horden und Kohorten von unsensiblen Urlaubern aus Deutschland wieder geweckt. Mittlerweile hat sich das nach meinen Erkenntnissen deutlich gelegt - aber beweist das immer wieder mal, dass man mit seinen Aktionen mitschuldig ist an (auch unerwünschten) Reaktionen.

Die Österreicher haben die Deutschen weniger als "Saupreißn" denn mehr als "Piefkes" beschimpt - aber erst, wenn die D-Mark-Urlauber wieder weg waren. Auch das hat sich gelegt. Was ich allerdings viel schlimmer finde, ist die Tatsache, dass bis vor wenigen Jahren (viele Österreicher haben es mir bestätigt) der "Anschluss" 1938 in den Schulen und den Medien als "feindlicher Überfall" gebrandmarkt wurde. Außerdem wurde Mozart als Österreicher (Das Erzbistum Salzburg war zu Mozarts Zeiten Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation) und Hitler als Deutscher (Braunau ist nach wie vor da, wo es immer schon war) dargestellt. Seit auch die Österreicher angefangen haben, sich ihrer Vergangenheit kritischer zu stellen, hat sich das Verhältnis gottseidank erheblich verbessert.

Und was das Verhältnis Frankreich-Deutschland betrifft, muss mal deutlich gesagt werden, dass - wenn man will - es auch kann. De Gaulle und Adenauer haben weiland die ersten erfolgreichen Schritte auf dem Weg raus aus der "Erbfeinschaft" gemacht.

Trotzdem ist man vor Einzelfällen nie gefeit. Da haben wir auch in Deutschland genügend (negative) Beispiele...

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Beste Grüße, Matthias

Die Würde des Menschen ist unfassbar.

BeitragVerfasst am: 21.04.2008, 09:19
Jocelyne Lopez
 
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Hallo Maryanne,

Haifischfrau hat Folgendes geschrieben:


die Emotionen kommen vermutlich daher, dass du von deiner negativen Erfahrung mit den jungen Holländern berichtest.


Über negative Erfahrungen, die einem aus der Jugendzeit in Erinnerung bleiben darf man auch gelegentlich reden. Falls Du aus Holland kommst und Dich dabei verletzt fühltest, tut es mir leid, das war überhaupt nicht meine Absicht jemanden zu verletzen. Ich betone noch einmal, dass meine kleine Berichtserstattung ein sehr punktuelles, persönliches Erlebnis war, reichlich harmlos, und keinerlei als Verallgemeinerung oder Werturteile über die damaligen oder jetzigen Holländer zu verstehen war.

Ist alles ok jetzt mit uns beiden? Ich hoffe es sehr. Smile

Liebe Grüße
Jocelyne

BeitragVerfasst am: 21.04.2008, 10:46
Haifischfrau
 
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Hallo Jocelyne,

nein, ich komme nicht aus Holland und fühle mich auch nicht verletzt.
Matthias hat sehr gut auf den Punkt gebracht - in Bezug auf Holland -
was ich denke.
Mal abgesehen von der schrecklichen Nazi-Zeit und ihren Folgen vermute ich (beobachte ich), dass aufgrund des historischen Fehlens wirklicher, einträglicher Kolonien Deutschland zum einen in einigen Nachbarländern
kolonialistisch eingefallen ist, friedlich zwar, aber eher als Eroberer denn als Gäste UND es immer noch Leute gibt, die sich in anderen Ländern im Urlaub nicht wie Gäste, sondern wie Eroberer aufführen. Nun möchte ich nicht so weit gehen und dieses Verhalten als typisch deutsche Eigenschaft bezeichnen - es fällt halt hin und wieder auf.

Viele Grüße
maryanne

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BeitragVerfasst am: 21.04.2008, 10:52
mtg
 
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WohnortBerlin


Haifischfrau hat Folgendes geschrieben:
Nun möchte ich nicht so weit gehen und dieses Verhalten als typisch deutsche Eigenschaft bezeichnen - es fällt halt hin und wieder auf.

Was das Urlaubsverhalten betrifft, sind wie Deutschen da wirklich nicht alleine... Smile

_________________
Beste Grüße, Matthias

Die Würde des Menschen ist unfassbar.
An Jocelyne
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