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Verfasst am: 22.12.2007, 15:58 |
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| hawepe |
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| Anmeldedatum | 15.04.2007 | | Beiträge | 1978 | | Wohnort | Berlin |
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Hallo Grete,
| g.c.roth (Moderator) hat Folgendes geschrieben: | | Elternabende finden zwei- bis dreimal jährlich statt und dauern für gewöhnlich von 20.00 bis höchsten 22.00 Uhr. Macht vier bis höchstens fünf Stunden im Jahr, in denen man sich das als Eltern für sein Kind antun muß. Wenn beide Eltern gehen, können sie sich auch noch abwechseln. Und das soll nicht möglich sein? Viele dieser Eltern, die so kaputt von der Arbeit kommen, hängen bis um 23-24 Uhr vor der Glotze. (das macht auch müde und kaputt). |
Vor allem sind es oft gerade nicht die Eltern, die beruflich besonders schwer und viel zu arbeiten haben, sondern die anderen, die nicht zum Elternabend kommen.
Oder wenn es um schulische Aktivitaeten geht, wer hilft und wer konsumiert nur? Die am meisten belasteten Eltern sind oft auch hier die aktivsten.
| Zitat: | | Wenn ich als Mutter meinem Kind vermittele, dass ich das, was es täglich in der Schule zu leisten hat, nicht wichtig finde und mich weder für den Stoff noch für die Schwierigkeiten interessiere, die das Kind mit Lehrstoff, Lehrern, Mitschülern hat ... Wie kann ich dann erwarten, dass das Kind die Lehrer oder die Ausbildung für wichtig hält? |
Voll unterschreib.
| Zitat: | | Interesse für bestimmte Themen sind zum einen abhängig von Talenten. Aber grundsätzlich kommen Kinder zunächst neugierig auf die Welt. Es sind die allerersten Jahre, wo Kinder zu einer Haltung geprägt werden die man grob aufteilen kann in: "Was machst Du denn da schon wieder, laß den Scheiß" oder "Da hast Du ja eine tolle Idee gehabt!" |
Oder: "Lernen? Igitt"
Wir wollten, dass unsere Kinder die Grundschule besuchten, die gleich um die Ecke der Kita lag. Bei einigen Eltern gab es allerdings einen Aufschrei, die Schule stelle an die Kinder viel zu hohe Anforderungen und lasse die Kinder nicht mehr Kinder sein.
Von hohen Anforderungen war dann allerdings wenig zu merken. Mal ein kurzes Gedicht lernen und den Eltern vortragen, viele Exkursionen in Museen, Betriebsbesichtigungen, Fruehenglisch. Klar, im Museum oder in einem Betrieb kann man nicht umhertoben, dafuer gab es aber viele Fragen der Kinder an die Lehrer und abends an die Eltern. Bei uns hatte das zur Folge, dass wir erst einen Fernseher kauften, als unser Sohn keine Lust mehr hatte, die Bundesliga immer nur im Radio verfolgen zu koennen.
| Zitat: | Sie brauchen Eltern, die ihre Begeisterung für ihre Entdeckungen teilen können - auch wenn es so manches Mal mit Arbeit, Nerverei oder materiellen Verlusten hinterher verbunden ist . |
Oder mit kleineren Blessuren. Mir wird jetzt noch ganz schlecht, wenn ich daran denke, wie unsere Tochter beim Mandeln schneiden mit dem Spitzmesser abgerutscht ist. Aber die ersten von ihr selbst hergestellten Mandelsplitter waren es ihr wert.
| Zitat: | | Ich lasse meine Tochter regelmäßig zu Hause kleine Texte abschreiben, weil die Kids in der Schule nur noch Zettelchen zum Ankreuzen und Ausfüllen bekommen. |
Multiple choice
Unsere Kinder sind bei solchen Arbeiten immer ganz begeistert. Vom Thema brauche man eigentlich ueberhaupt keine Ahnung zu haben, es reiche ein wenig Logik, dann wisse man, wo man sein Kreuzchen hinzusetzen habe. Trotzdem schafften es einige, solche Arbeiten noch zu verhauen.
So, jetzt wende ich mich aber erfreulicheren Dingen zu, naemlich der adventlichen Kaffeestunde
Beste Gruesse,
Heinz. |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 22.12.2007, 22:22 |
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| Arno Abendschön |
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| Anmeldedatum | 31.10.2007 | | Beiträge | 151 | | Wohnort | Bad Bevensen |
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Die Diskussion hat sich zuletzt einem Spezialfall von Ehre zugewandt, der Berufsehre (des Lehrers), hier verwandt mit Ethos, Image, Prestige. Der Gehalt des etwas außer Gebrauch gekommenen Wortes Ehre ist also noch da. Ich behaupte, das Gefühl für das, was Ehre bezeichnet, ist ungebrochen. Die schulischen Probleme und Missstände würde ich anderen Ursachen zuordnen, sie sind ja hier teilweise auch berührt worden.
Zurück zu Ehre und Frau. Wenn Frau von Ehre auch befremdlich klingt, so gibt es doch das schöne alte Wort Frauenehre, vielleicht eine noch engere Ideenverbindung, daher in einem Wort geschrieben. Heinrich Böll erkannte sogar einer Titelheldin Ehre zu: "Die Ehre der Katharina Blum".
Sprachforscher, das wäre doch mal eine lohnende Aufgabe: Der Begriff Ehre im Wandel der Zeit. Vorab neige ich zu der Auffassung, dass Begriffsinhalte eine Tendenz zum Wandel haben, der dahinter stehende Gehalt im Herzen der Menschen (Herz, auch so ein altmodischer Begriff) jedoch ziemlich fest verankert ist. Unsere Beobachtung konzentriert sich naturgemäß mehr auf den Wandel als auf das unverändert Gebliebene.
Mein Fazit: Anstand, Ehre, Gewissen - alles noch da. Man muss es nur erkennen. |
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Verfasst am: 22.12.2007, 22:33 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 01.05.2007 | | Beiträge | 1571 | | Wohnort | Emden |
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Hallo Arno!
| Zitat: | Der Begriff Ehre im Wandel der Zeit. Vorab neige ich zu der Auffassung, dass Begriffsinhalte eine Tendenz zum Wandel haben, der dahinter stehende Gehalt im Herzen der Menschen (Herz, auch so ein altmodischer Begriff) jedoch ziemlich fest verankert ist. Unsere Beobachtung konzentriert sich naturgemäß mehr auf den Wandel als auf das unverändert Gebliebene.
Mein Fazit: Anstand, Ehre, Gewissen - alles noch da. Man muss es nur erkennen. |
Das gefällt mir gut. Insgesamt sollten wir vielleicht wieder lernen mehr mit dem "Herzen zu sehen" als mit dem Kalkül, dann würde sich manches anders gestalten. Nicht alles was aus der Mode ist, ist zwangsläufig überflüssig - man kann leere Behälter auch neu füllen.
LG Grete |
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Verfasst am: 22.12.2007, 23:02 |
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| Arno Abendschön hat Folgendes geschrieben: | | Heinrich Böll erkannte sogar einer Titelheldin Ehre zu: "Die Ehre der Katharina Blum". |
Hallo Arno,
Böll hat es sogar noch dramatisiert, denn der Titel heißt "Die verlorene Ehre der Katharina Blum".
Beste Grüße
Matthias |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 22.12.2007, 23:19 |
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| Arno Abendschön |
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| Anmeldedatum | 31.10.2007 | | Beiträge | 151 | | Wohnort | Bad Bevensen |
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Danke, Matthias,
für den exakten Titel. Schön, wenn jemand aufpasst. Vermutlich war's eine Fehlleistung. Ich will ja eben nicht, dass der Gehalt von Ehre verschwindet, egal mit welchem Wort man ihn bezeichnet.
Gruß
Arno |
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Verfasst am: 23.12.2007, 11:16 |
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| Arno Abendschön hat Folgendes geschrieben: | | Ich will ja eben nicht, dass der Gehalt von Ehre verschwindet... |
Hallo Arno,
mit der Ehre ist es wie mit den meisten Dingen im Leben: Man lernt sie erst zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind...
Insofern beklagen wir ja auch gerne den Verfall der guten Sitten - nur, dass sich die meisten auf das Beklagen beschränken, aber nur wenige die guten Sitten hochhalten...
Beste Grüße
Matthias |
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Verfasst am: 23.12.2007, 11:24 |
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| hwg (Moderator) |
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| Wenn ich bloß wüsste, was ich unter "Ehre" und "guten Sitten" tatsächlich verstehen sollte... - sind es die Moralverständnisse der Herrschenden? |
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Verfasst am: 23.12.2007, 11:42 |
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| hwg (Moderator) hat Folgendes geschrieben: | | ... - sind es die Moralverständnisse der Herrschenden? |
Solange man alles auf "die Herrschenden" bezieht, wird sich niemand bemüßigt fühlen, etwas zu ändern, weil "man kommt gegen die da oben doch nicht an".
"Gute Sitten" sind das Schmieröl, das eine Gesellschaft in Bewegung hält. Wo sie nicht mehr existieren, kommt alles ins Stocken.
Man sollte insofern differenzieren, als dass man JFK noch mal ins Gedächtnis ruft, mit seinem Satz "Frage nicht, was der Staat für dich tun kann, frage, was Du für den Staat tun kannst". Es muss nicht immer "der Staat" sein, denn wenn wir das mal auf das "Zwischenmenschliche" herunterbrechen, kommt etwas ganz einfaches dabei raus - nämlich ein Sammelsurium an Zitaten, Aphorismen, Sprüchen, die wir alle (zu) kennen (glauben) - aber an die sich die Wenigsten halten, z.B.:
- Was Du nicht willst, was man Dir tu - das füg' auch keinem Anderen zu.
- Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.
- Die persönliche Freiheit endet dort, wo sie die Freiheit eines Anderen beeinträchtigt.
- Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus.
- Der Ton macht die Musik.
Und so weiter und so fort.
Ich finde es bedenklich, sich immer auf die "Herrschenden" oder den "Staat" zu kaprizieren. Hat irgendjemand schon mal diesen Hansl, der "Staat" heißt, gesehen? Man muss nur morgens in den Spiegel schauen, da steht einem ein Teil dieses Staates gegenüber. Und solange sich der Einzelne nicht auf die Grundregeln des Zwischenmenschlichen einlässt, wird es der "Staat" erst recht nicht tun ...
Bevor jetzt eine Diskussion über "Regeln" und "wer sie aufstellt" und "für wen sie gemacht sind" und "warum" ausbricht: Wo mehr als eine Person ist, muss es Absprachen und Kompromisse geben. Wieviele sind dann erst bei (in Deutschland) 80 Millionen Personen notwendig. Wenn sich die Menschen von sich aus auf die Kompromiss-Notwendigkeit einlassen würden, wären viele "Regeln" oder "Normen" obsolet...
Beste Grüße
Matthias |
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Verfasst am: 23.12.2007, 11:49 |
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| Arno Abendschön |
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| Anmeldedatum | 31.10.2007 | | Beiträge | 151 | | Wohnort | Bad Bevensen |
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Hallo hwg,
das ist ja das Problem, dass die Begriffe durch Missbrauch diskreditiert sind, doch die Substanz sowohl vorhanden ist als auch benötigt wird. Was ist meine persönliche "Ehre" - mich meinem persönlichen Ethos verpflichtet fühlen. Man muss nicht mit Kants ewigem Sittengesetz unter dem Arm herumlaufen ... Saul Bellow drückt es am Ende seines Romans "Mr. Sammlers Planet" so aus und lässt Sammler am Totenbett seines Neffen die Totenklage so schließen: "Denn das ist die inneliegende Wahrheit - dass wir alle wissen, Gott, dass wir wissen, dass wir wissen, wir wissen, wir wissen." Es sind noch andere Ableitungen möglich, z.B. scheint sich mir aus der Annahme universeller Menschenrechte auch die Annahme universeller individueller Pflichten zu ergeben, schon aus der Tatsache heraus, dass die Rechte nicht durchgehend vom Gesetzgeber allein garantiert werden können.
Fazit: Dass positive Werte unverzichtbar sind, mag man, hoffe ich, einsehen. Indessen bleibt das Problem: Wie nähert man sich ihnen, wer definiert sie? Darum sollte die Diskussion gehen.
Gruß an Felix Austria
Arno |
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Verfasst am: 23.12.2007, 12:23 |
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| rigoberto |
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Salut Leute,
so kurz vor Weihnachten eine spannende Diskussion. Mit fällt zu guten Sitten und Ehre nur ein Zitat ein, das ich niemanden auf die Schnelle zuordnen kann.
Freiheit ist auch die Freiheit der anderen.
Ich glaube, damit lassen sich Handlungsmaxime umschreiben, die auch mit Anstand, Sitte und Ehre zu tun haben.
Beste Gr üße
aus dem vereisten Baden |
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_________________ Es grüßt herzlich
Christoph |
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Verfasst am: 23.12.2007, 12:24 |
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| rigoberto hat Folgendes geschrieben: | | Freiheit ist auch die Freiheit der anderen. |
Rosa Luxemburg: "Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden" |
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Verfasst am: 23.12.2007, 12:45 |
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| hwg (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 24.04.2007 | | Beiträge | 3801 | | Wohnort | A 8786 Rottenmann |
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Was die individuellen Auslegungen Einzelner betrifft, stimme ich ja zu.
Doch die Allgemeinbegriffe von "Ehre" und "guten Sitten" werden ja
von der Obrigkeit in Vorschriften und Gesetze gefasst und von staat-
lichen Stellen auf deren Einhaltung überprüft. Und über die "Ethik"
gibt es in den verschiedenen Staaten höchst unterschiedliche Vor-
stellungen.
Darauf bezieht sich mein Hinweis - und nicht auf das
"zivilisierte" Verhalten von Personen(gruppen) mit- und untereinander.
Ich habe ja das Glück, mir meine menschliche Umgebung einigermaßen
auswählen zu können. Doch kann (und will) das ein jeder? Und sind
nicht gerade die "Moralapostel" jene, denen es eine Bedürfnis ist,
die Freiheit anderer einzuschränken? |
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Verfasst am: 23.12.2007, 12:53 |
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| Zoba |
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| Anmeldedatum | 23.11.2007 | | Beiträge | 1296 | | Wohnort | Süden |
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Hi,
wie wärs mal - zum Abstand nehmen vor dem Diskutieren - mit den Definitionen der Begriffe, wie sie sich in den einschlägigen Lexika wiederfinden:
| Zitat: | Ehre: 1) die einer Person aufgrund ihres Menschseins und der damit verbundenen Würde von Natur aus zukommende, durch Worte und Handlungen bekundete Achtung; 2) innere, auf der Selbstachtung beruhende Haltung (sittliche Würde); 3) das Ansehen, das einer Person aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung, ihrer Lebensführung oder hoch bewerteter Leistungen zugebilligt wird. – Die Ansichten darüber, was mit der Ehre verträglich oder durch sie gefordert sei, sind kulturell verschieden. Konflikte der Ehre mit anderen hohen Gütern, z. B. der Liebe, bildeten zu allen Zeiten ein Hauptthema der Dichtung.
Rechtlich ist die Ehre das Maß an Achtung, das jedem unbescholtenen Menschen zukommt. Sie ist Ausfluss der in Artikel 1 GG garantierten Unantastbarkeit der Menschenwürde, außerdem strafrechtlich geschützt (Beleidigung). Bei schuldhafter Verletzung der Ehre besteht ein zivilrechtlicher Anspruch auf Schadensersatz und Unterlassung (§§ 823, 824, 826 BGB). |
| Zitat: | | Gute Sitten: die in einer bestimmten Rechtsgemeinschaft herrschenden moralischen Grundanschauungen. |
| Zitat: | | Sitte: Form der sozialen Norm, die in einer Gesellschaft in ihrem Geltungsanspruch und der damit verknüpften Durchsetzbarkeit durch alltägliche Anwendung (Verinnerlichung) verankert und durch Verweis auf Tradition, Brauch und moralische und/oder religiöse Gebote legitimiert ist; bezeichnet als Mussnorm sowohl die übergeordnete Kategorie des gesellschaftlich geforderten und erwarteten Mussverhaltens als auch die einzelnen dazu zählenden Verhaltensweisen (z. B. Regeln zum Verhalten der Geschlechter und der Lebensalter, Heiratssitten, Verhaltensregeln für Todesfälle, aber auch Tischsitten und Grußformen). |
Daß eine Gesellschaft Normen aufstellen muß, die das zwischenmenschliche Leben regeln, und daß dies ab einer gewissen Anzahl an Menschen in einer Gemeinschaft notwendig ist, ist sicher ein Fakt. Daran würde ich zumindest jedoch keine automatische Wertschätzung (der Normen und damit zusammenhängenden Folgen, wie z.B. der dadurch definierten Form von Ehre) anhängen.
Noch vor wenigen Jahrzehnten widersprach es den guten Sitten und auch dem Ehrbegriff z.B. homosexuell zu sein und dies auszuleben. Schwule wurden per Gesetz mit dem Wohlwollen all dieser anständigen und gesitteten Menschen, die diese Sitten und Normen aufstellten, verfolgt, verprügelt, verurteilt, geschasst, verstoßen.
In einigen fernen Ländern dieser Erde gehört es immer noch zur guten Sitte, Sklaven zu halten, Neugeborene zum Sterben auszusetzen oder Wirbeltiere bei lebendigem Leib zu verspeisen. Es gehört dort zum Normalen (den guten Sitten bzw. den gesellschaftlichen Normen) streunende Hunde zu treten, zu erschießen oder auch lebendig am Ast aufzuknüpfen um qualvoll zu verrecken. In anderen Ecken des Planeten ist es die Norm der Gesellschaft, Frauen zu verschleiern, ihnen die Scham zu vernähen (und ein grober Verstoß gegen Ehre und Anstand, dies zu verweigern) oder sie für eine Liebelei zu steinigen. Wieder in anderen Ecken dieser Welt werden jungen Männern die Vorhäute ohne Betäubung entfernt, oder gleich die ganzen Hoden, sie werden je nach Schuldenstand der Familie versklavt, dabei zwangsverweiblicht oder zum töten anderer Menschen gezwungen.
Das meiste davon empfinde ich als widerlich, schließlich habe ich einen Großteil der hiesigen Normen und der Auslegung von Ethik und Moral in mich aufgenommen. Aber genau so wie ich diese Dinge als widerlich empfinde, empfinden manche aus eben diesen Ecken, das, was wir tun, auch als zutiefst unehrenhaft, sittenwidrig und unmoralisch.
Allgemeingültige Normen?
Ich denke nicht, daß es diese gibt. Alles ist eine Frage des Standpunkts, und für mich stelle ich fest, daß ich bereits mit der Mehrzahl hiesiger Normen meine Schwierigkeiten habe, da fällts mir denn doch schwer, behaupten zu wollen, wir hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen  |
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_________________ Gruß,
Zoba
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"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky |
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Verfasst am: 23.12.2007, 13:42 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 01.05.2007 | | Beiträge | 1571 | | Wohnort | Emden |
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Hallo Zoba,
| Zitat: | wie wärs mal - zum Abstand nehmen vor dem Diskutieren - mit den Definitionen der Begriffe, wie sie sich in den einschlägigen Lexika wiederfinden:
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Mir ging es nicht um das, was in Lexika geschrieben steht, sondern ausschließlich um die Assoziationen, die diese alten Begriffe in der heutigen Zeit hervorrufen. Dass wir darüber ins Diskutieren kommen, finde ich spannend und interessant. Warum schlägst Du vor von der lebhaften Diskussion Abstand zu nehmen?
Dass die Definition aus dem Lexikon erklärungsbedürftig ist, hast Du festgestellt, sonst hättest Du nicht so viele Beispiele aufgeführt, die sie erklären sollen. Auch für mich ist es nicht vorstellbar, dass man diese Begriffe allgemeingültig erklären kann. Aber jede Diskussion und jedes Nachdenken darüber ist ein Schritt in Richtung 'miteinander'. Noch spannender wäre es natürlich, wenn man Diskutanten finden würde, die eben diese gravierend unterschiedlichen Vorstellungen von Ehre, Anstand und Gewissen vertreten und mit denen man heraus bekommen könnte, ob es vielleicht doch irgendwo gemeinsame Nenner gibt.
| Zitat: | da fällts mir denn doch schwer, behaupten zu wollen, wir hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen Very Happy
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Verlangt das jemand?
LG Grete |
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Verfasst am: 23.12.2007, 13:52 |
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| g.c.roth (Moderator) hat Folgendes geschrieben: | | Mir ging es nicht um das, was in Lexika geschrieben steht, sondern ausschließlich um die Assoziationen, die diese alten Begriffe in der heutigen Zeit hervorrufen. |
Sehr richtig, Grete!
Allgemeingültige Formulierungen kann kein Mensch finden, denn - wie Zoba so richtig ausführt - sind die Vorstellungen, die sich mit den Begriffen verbinden, von Kontinent zu Kontinent - von Land zu Land - ja: auch von Mensch zu Mensch verschieden, da jeder in einer sehr eigenen Lebenssituation steckt. Schon die Sichtweise, ob es verwerflich sei, als Fußgänger bei "Rot" die Ampel zu überqueren (und damit ein schlechtes Beispiel zu geben, was sich Generationen weiter noch auswirken kann), zeigt, wie unterschiedlich Menschen denken. Deshalb ist hier in der Tat besser der Trend zur eigenen Meinung gefragt...
Beste Grüße
Matthias |
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