| floatexpert |
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| Anmeldedatum | 16.03.2008 | | Beiträge | 207 | | Wohnort | Singen |
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Peter arbeitete seit zwanzig Jahren in der Metallfabrik Eisenwerk als Maschinenschlosser. Um nicht in der jährlich steigenden Kündigungswelle mitschwimmen zu müssen, hatte er mehrere Lehrgänge absolviert und sich damit zum Spezialisten hochgearbeitet. Seine Schichten wurden dadurch zwar nicht kürzer, aber sein Status im Familien- und Freundeskreis war durch seinen Vorarbeiterposten mächtig gestiegen.
Seine Familie. Diese bestand aus seiner Frau und seinen Eltern. Für eigene Kinder war nie der passende Zeitpunkt gewesen. Anfangs ging es um den Nestbau: Eine schöne, große Wohnung mit schicken Möbeln, die Familienkutsche in der Garage. Dann die Reisen. Peter wollte möglichst viel von der Welt sehen. Seine Frau war die ersten Jahre immer mit von der Partie, doch irgendwann meinte sie, man könne ja nicht jedes Jahre ein oder zweimal in der Weltgeschichte herum fliegen. So flog er eben alleine und fühlte sich in den zwei bis drei Wochen pudelwohl.
Meist lebte er in den Tag hinein, passte sich an den jeweiligen Rhythmus der Menschen in Kuba, Neuseeland, Afrika oder andere Länder an. Diese wenigen Wochen im Jahr fühlte sich Peter einfach nur frei.
Zurück in seiner Heimat überfiel in jedes Mal das Gefühl gefangen zu sein. Arbeiten zu müssen, damit am ersten des Monats die Kosten beglichen werden konnten. Pünktlich zu Hause zu sein, weil seine Frau mit dem Essen oder ihren Sorgen auf ihn wartete. Die sonntäglichen Besuche bei seinen Eltern.
Mit jedem Zurückkommen fiel es Peter immer schwerer diesen Zustand des Gefangenseins, dem Gefühl fremdbestimmt zu leben und keine Luft zu bekommen, auszuhalten. Durchzuhalten bis zur nächsten Reise in die Freiheit.
Keiner verstand ihn oder wollte ihn auch gar nicht verstehen. Manchmal fragte er seine Freunde „fühlst du dich nicht eingesperrt in diesem, deinem Leben?“, aber jeder verneinte. Im Gegenteil. Als Antwort bekam er „du hast doch alles. Was willst du denn?“ Wenn Peter dann erwiderte „meine Freiheit“ schüttelten sie verständnislos die Köpfe.
Seine Frau sagte ihm er wäre undankbar, in der Midlife-Crises, die sicher bald vorübergehen würde.
Letzte Woche begann sein Urlaub. Seine Frau wollte nicht mit „was soll ich denn in Kuba, da waren wir doch schon“.
Peter hatte wie stets seinen alten Reisekoffer gepackt, sich von ihr, seinen Eltern, den Arbeitskollegen verabschiedet. Drei Wochen sollte die Reise diesmal gehen. Und nur er allein wusste er würde nicht mehr zurückkehren.
Er hatte seine Freiheit gefunden. |
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