 | Auszug aus meinem Projekt |  |
Verfasst am: 18.12.2007, 01:07 |
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| Anmeldedatum | 06.12.2007 | | Beiträge | 16 | | Wohnort | Freigericht |
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Um mal jemand anderes als gute Freunde zu Rate zu ziehen, habe ich hier mal einen kurzen Auszug aus meinem Manuskript, der meinen Stil vielleicht ganz gut darstellt. Ich bitte ausdrücklich um Kritik!
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Simon war die Treppe hinabgestiegen und erkannte ein gewohntes Bild: Die Haltestelle war nicht besonders groß. Nur eine einzige Sitzbank für die Wartenden fand dort Platz. Da man aber nie lange warten musste, hatte das seine Richtigkeit. Simon hatte kaum daran gedacht, sich zu setzen, da hielt auch schon ein SST zischend an. Das Logo der 'Raven Corporation' war auf dem Abteil zu sehen, dessen Türen sich nun vor dem Nachtwächter öffneten.
Simon trat ein und ließ sich auf eine Sitzbank am Fenster fallen. Er sah sich um. Ein Bettler saß in einer Ecke und schlief. In seinen Händen hielt er ein Pappschild mit pessimistischer Aufschrtift: „Das Ende ist nahe.“
Simon schüttelte traurig den Kopf. Welch eine verkrachte Existenz. Offensichtlich kein Geld, scheinbar kaum Verstand und vor allem: Kein Beruf. Simon empfand eine Mischung aus Mitleid und Abscheu für ihn. Er sah aus dem Fenster. Eine Angewohnheit der Menschen: Obwohl bei einem unterirdisch fahrendem Zug keine gute Aussicht zu erwarten ist, ziehen sie es vor, Beton anzustarren, statt einem der anderen Fahrgäste ins Gesicht zu sehen. Warum? Nun, in manchen Fällen wird es sicherlich die Angst vor anderen Menschen sein. Ein falscher Blick, ein peinlicher Moment – das kann vermieden werden. Doch in einigen Fällen hat die Angst ganz andere Gründe. Manche befürchten in den Gesichtern ihres Gegenübers Unglück zu erkennen, das sich bei genauerer Betrachtung als die eigene Angst herausstellt, die einen Tag und Nacht befangen hält: Das Wissen um die Vergangenheit und die Angst vor der Zukunft. Doch solange sie die Gesichter und das sich darin spiegelnde Unglück nicht sehen, können sie in dem Glauben weiterleben, dass sich alles irgendwie zum Guten wenden wird - ohne, dass sie selbst etwas dafür tun müssen.
Simon starrte aus eben jenem Grund die ganze Fahrt über ins Nichts. Erst als seine Station ausgerufen wurde, überkam ihn Erleichterung. Er richtete seine Augen wieder auf den Innenraum, stets darauf bedacht, keinen anderen Blick zu treffen. Dann verließ er den Wagon zusammen mit einigen Anderen und ließ sich von dem kleinen Menschenstrom treiben. Er konnte ihnen beruhigt folgen, denn er wusste, sie hatten das gleiche Ziel wie er: Es war die 'Purple Night Station', die Station der Nachtwächter. Alle Fahrgäste, die den Zug verließen, trugen denselben marineblauen Overall mit dem kleinen, schwarzen 'R C' Logo. Eine stattliche Rolltreppe führte nach oben. Zwischen ihren schwarzen Stufen strahlte rotes Licht, das direkt aus dem Erdinneren zu kommen schien. Simon wusste es besser: Es waren Leuchtstoffröhren, die unter der Treppe befestigt worden waren, nachdem einige Nachtwächter gestürzt und für einige Zeit dienstunfähig geworden waren. Diese vermeidbaren Ausfälle hatte das Unternehmen schnell und effizient ausgeschaltet. Dem Nachtwächter Simon fiel das rote Licht schon nicht mehr auf - er sah es jeden Tag.
Die Menge trug ihn zur Haupthalle, in der ein Informationsschalter seinen Sitz hatte. Das beleuchtete 'i', das den Weg zu Antworten auf belanglose Fragen wies, erhellte den Raum. Simon fand, dass das Licht zu grell war. Es schmerzte in seinen Augen. Er mochte es nicht, wenn Licht plötzlich Dunkelheit ersetzte - in dieser Hinsicht war er wohl empfindlich. Er ging einen Tick schneller als die anderen, um wieder ins gewohnte Halbdunkel zurückkehren zu können. Als ihm dieses Unterfangen geglückt war, hatte er den Rest weit hinter sich gelassen und steuerte zielstrebig die Zeitkontrolleinheit auf derselben Ebene an. Unpünktlichkeit wurde vom Lohn abgezogen. Simon war noch nie zu spät gekommen und er hatte vor, es dabei zu belassen. Er schob seine Personal ID-Card, kurz PIC, in die dafür vorgesehene Öffnung, wartete bis das grüne Lämpchen aufleuchtete und durchschritt dann die entriegelte Schwingtür. Gleich würde er nicht mehr Simon Elias, sondern nur noch NW-10-2-30-0 sein, wie jede Nacht. Er wusste, dass NW für Nachtwächter stand - Simons Welt war voller Abkürzungen, die alles eigentlich nur komplizierter statt einfacher machten – doch wofür die Zahl dahinter stand war ihm ein Rätsel. Ein Rätsel, welches er sicher nicht lösen musste, denn die Corporation hatte sich ja schon ihre Gedanken gemacht. Simons Leben war unkompliziert – trotz Abkürzungen.
Er stand nun vor einem der Arbeiterspinds, seine Hände flogen wie von selbst über die kleine Tastatur, die blinkend nach dem Code zur Entriegelung verlangte. Ein metallisches Klicken folgte und die breite Stahltür schwang auf. Simons Griff zur Dienstmütze war ebenso routiniert wie ein weiterer zur Dienstwaffe – nichts außergewöhnliches, eine einfache 9mm Ravenclaw-6 mit 32 Schuss pro Magazin. Natürlich aus dem Hause 'Raven'...
„Willkommen, NW-10-2-30-0. Die 'Raven Corporation' wünscht Ihnen eine angenehme Arbeitszeit“, verkündete eine weibliche Computerstimme aus dem Lautsprecher an der Decke.
„Danke, die werde ich haben“, antwortete Simon gut gelaunt. Niemand hörte es. Er war wie immer der Erste gewesen. Nachdem er den Raum verlassen hatte, dauerte es fast zehn Minuten, bevor weitere Nachtwächter eintrudelten. Es gab insgesamt zwanzig. Simon wusste nicht, warum soviel Schutz gebraucht wurde, andererseits war 'Raven Corp.' ein sehr sicherheitsbewusstes Unternehmen. Sehr löblich, wie er fand. Simon ging einige Schritte, blieb unter dem Oberlicht eines Ganges stehen und sah auf: Obwohl es schon fast zehn Uhr Abends war, schienen immer noch einige grelle Sonnenstrahlen von oben herab. Er blickte auf. Ein Kilometerlanger, Sonnenschein reflektierender Schacht führte steil nach oben an die Oberfläche. Gleich war es soweit, Simon wartete wie jeden Abend darauf, dass 'es' geschah. Er zählte in Gedanken langsam herunter:
>3... 2... 1... Nacht.<
Und tatsächlich: Auf die Sekunde genau verschwanden die Strahlen, und der zum Oberlicht gehörende Flur lag im Dunkeln. Zwei weitere Sekunden später flackerten schon die Schaltuhr gesteuerten Leuchtstoffröhren in der Decke auf und tauchten Simon in künstliches Licht. Es war ein kaltes Licht - so kalt, wie alles in seiner Welt.
Da dieser Punkt in Simons Tagesordnung abgehandelt war, ging er zum Nächsten über: Dem Wachgang. Er mochte seinen Job. Ruhig und entspannend – fast wie ein bezahlter Spaziergang. Wer sollte auch Interesse an den Technologien einer Genfirma haben? Es gab weder Konkurrenzunternehmen noch private Interessenten. Simon liebte seinen Beruf und er hoffte auf eine weitere ruhige Nacht... Doch das Schicksal war gegen ihn.
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_________________ Die Normalität ist eine gepflasterte Straße; man kann gut darauf gehen - doch es wachsen keine Blumen auf ihr.
Van Gogh |
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Verfasst am: 19.12.2007, 14:52 |
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| Hakket (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 14.09.2007 | | Beiträge | 419 | | Wohnort | Bremervörde |
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Moin Mythologie,
finde ich sehr gut, deinen Text. Der erste Absatz ist sprachlich etwas holprig, vielleicht kannst du ihn noch etwas "eleganter" formulieren. Auch weiß ich nicht 100%ig, um was es sich bei dem Gefährt eigentlich handelt - ich stelle mich jetzt einfach mal so dumm . Möglicherweise könntest du das Gefährt noch besser beschreiben? Was ist ein SST? Wenn du eine "neue" Welt erschaffst, spare nicht mit Erklärungen, halte sie aber kurz und klar.
Die Erklärung für das "aus dem Fenster sehen" finde ich großartig, es ist klar und anschaulich beschrieben, man weiß sofort, was du meinst, und vor allem, man erkennt sich selbst. Und außerdem wird man das Gefühl nicht los, dass du mit der Info noch etwas anderes bezweckst. Auch die Verwendung der Abkürzungen scheinen etwas zu bedeuten. Du beobachtest offensichtlich unsere Welt sehr genau und verarbeitest das, was du siehst in deiner Geschichte. Finde ich wirklich gut.
Da ich davon ausgehe, dass es sich hierbei um einen Auschnitt handelt kann ich sagen, dass es schon interessiert, wie es weitergeht. Du kannst Spannung aufbauen. Und streust Informationen ein, die scheinbar einen gewissen Zweck verfolgen.
Sprachlich gibt es (vom Anfang abgesehen) auch nichts zu meckern.
(Hmmm, ich rate mal ... handelt es sich um einen Verschwörungsroman? )
Also: Prima! Weiter so!
Hakket |
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_________________ In jedem Menschen existieren dunkle Orte, für die es keine offizielle Wegbeschreibung gibt. Und wer glaubt, keinen dieser Orte in sich zu tragen, hat den Weg dorthin nur noch nicht gesucht.
www.tordenfjord.de |
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Verfasst am: 19.12.2007, 16:27 |
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| Mythology |
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Danke sehr
Ja, allerdings, sogar eine Riesenverschwörung, wenn man so will^^
Das mit dem SST ist dumm gelaufen. Mein Auszug hat scheinbar zwei Sätze zu spät eingesetzt. Vorher wird das nämlich sher ausführlich beschrieben^^
"... Eine breitere Treppe führte hinab, zu der Haushaltestelle des Sub-Speed-Trains, kurz SST genannt: Ein unterirdischer Zug mit Anschlussstelle an die Hotels, die Restaurants – also der Zugang für alle Bewohner des Planeten. "
Die weiteren Erklärungen würden zu tief in die Materie gehen.
Um es abzukürzen:
Die Oberfläche ist nicht mehr bewohnbar daher hat sich das Leben sozusagen in den Keller verlagert^^^Und der SST ist die einzige Möglichkeit sich fortzubewegen. Mehr wird noch nicht verraten  |
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