 | Azalea |  |
Verfasst am: 01.01.2008, 13:13 |
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| greatK |
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| Anmeldedatum | 29.12.2007 | | Beiträge | 64 | | Wohnort | Kleve |
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Titel: Azalea
Autor: Kevin Winterberg
Verlag: BoD
ISBN: 978-3-8370-1727-4
Seiten: 220
Preis: 12,99€
Der Autor über das Buch:
Es ist mein Erstling und es steckt viel Kraft, Geduld und Durchhaltevermögen drin. Ich möchte mit meiner etwas abstrakteren Fantasygeschichte zum Nachdenken anregen, aber es ist kein Muss. Man kann auch ohne großes Gedankenwälzen der Geschichte folgen.
Klappentext:
"Ihre Tochter ist tot."
Erst im Tod bekommt die junge Melissa die Chance,
über ihr völlig aus den Fugen geratenes Leben
nachzudenken und endlich zu begreifen, was „Leben“
wirklich bedeutet. Bloß wie ist sie gestorben, was
erwartet sie im Leben nach dem Tod und wie kann sie
mit sich selbst Frieden schließen?
In der Welt nach dem Tod will Melissa gänzlich neu
beginnen und vertraut sich Fremden, u. a. der Katzenfrau
Valentina und dem lockeren Freigeist Nico, an, die
bald zu treuen Freunden werden.
Doch auch dieses Leben gleitet ihr, ohne dass
Melissa es realisiert, zunehmend aus der der Hand und
droht ein tragisches Ende zu erleiden ...
Inhalt:
Prolog
„Ihre Tochter ist tot.“
Als wenn dies nicht schon die absolut schlimmsten vier Wörter
für ein junges Elternpaar wären. Worte, die sich gnadenlos ins Hirn
brennen, auf Lebzeiten stetig Schmerzschübe ins Herz pumpen und
jegliches temporäre Glück zu zerstören vermögen. Nein, sie sind noch
unerträglicher, wenn sie von einem betagten, schon längst emotional
abgestumpften Polizeichef locker und trocken, lauwarm einem direkt
ins Gesicht genuschelt werden. Ohne Frage, jeder noch so einfühlsame
und sympathische Mensch würde, wenn er oder sie dazu auserkoren,
eine dermaßen schreckliche Nachricht zu überbringen, in den Augen
der Empfänger das größte Arschloch auf Lebzeiten sein und diesen
Titel als Brandzeichen direkt auf der Stirn tragen, aber dieser besagte
Polizist ließ nun wirklich nichts anbrennen und versuchte nicht einmal,
leichtes Mitgefühl zu heucheln.
„Sie wurde in einem Straßengraben nahe der B9 gefunden. Zu diesem
Zeitpunkt war sie bereits tot. Unsere Gerichtsmediziner haben die
Vermutung, dass Ihre Tochter hoch alkoholisiert Auto gefahren ist und
so den Unfall geradezu provoziert hat.“ Bevor der Polizeichef seinen
Monolog fortführte, machte er eine kleine, dramatische Pause, die von
der Zeit her locker einen Schluck aus einer imaginären Kaffeetasse hätte
bedeuten können. „Meine Kollegen werden sich um Sie kümmern, eine
psychologische Begleitperson ist auch auf dem Weg. Ich muss leider weg.
Weitere Pflichten rufen.“ Die verdutzten Blicke von Herr und Frau
Mozart verdeutlichten, dass sie der Situation bisher keinen Glauben
geschenkt hatten, als wären sie in einem schlechten Traum gefangen.
Einem verdammt schlechten Traum. „Ach ja, mein Beileid“, fügte der
nette Polizist im Vorbeigehen noch hinzu und verschwand reifenquietschend
in die Dunkelheit.
Auszug aus dem 3. Kapitel
„Oh Gott, was ist denn das?“ Melissa hob ihr Haupt dem
Himmel entgegen, sofern man die trübe Atmosphäre „Himmel“
nennen konnte, um die majestätisch wabernde und gigantische
Wasserblase sehen zu können. Sie schwebte völlig frei
in der Luft, schimmernd blau reflektierte die spannungsvolle
Oberfläche die Umgebung samt Melissa und ihrem Begleiter.
Ihr Atem stockte, so etwas Bezauberndes hatte sie noch nie
gesehen, nicht einmal zu Lebzeiten. „Ist sie nicht wunderschön?“,
antwortete Nico. „Es ist natürlich kein Zufall, dass
ich dich hierhergeführt habe; ich wollte dir unbedingt diese
wasserähnliche Blase zeigen. Also, das „Leben“ hier ist schon
sehr geheimnisvoll und abstrus, aber dieses Objekt dort oben
ist wohl mit Abstand das beeindruckendste und spannendste.
Mh, wie soll ich dir das verdeutlichen? Also, wir gehen davon
aus, dass es der Ursprung dieser Welt ist. Vergleichbar mit
der Sonne und der Erde. Gäbe es die Sonne nicht, hätte sich
niemals Leben auf der Erde entwickelt bzw. wäre die Sonne
versunken, hätte dies die Folge gehabt, dass alles Leben auf
der Welt vernichtet worden wäre. Nun, ich weiß, es klingt
bescheuert und ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich dieser
Vorstellung, dass unser Leben nach dem Tod erst durch diese
Blase ermöglicht wurde, Glauben schenken kann, aber ...
Naja, so ist „Glauben“ nun mal.
Alles Unerklärbare wird so erklärbar und begreifbarer. Das
lässt uns weniger unwissend dastehen. Mögen viele Menschen
irgendwie nicht, ‚unwissend zu sein‘, obwohl sie genau wissen,
dass sie im Prinzip nichts wissen.“ Melissa schaute ihn
nur noch mit großen, fragenden Augen an. „Oh, Entschuldigung,
falls ich dich jetzt zunehmend mehr verwirrt habe.“
„Nein, ist schon okay, aber scheinbar teilst du nicht so hundertprozentig
die Theorien der Blase, die du gerade erörtert
hast. Was glaubst du denn, was es ist?“, fragte Melissa wissbegierig.
„Ehrlich gesagt, auch das weiß ich nicht so recht. Im
Grunde ist es mir aber auch gleichgültig. Wenn diese Blase
für unser Leben verantwortlich ist und auch diese Landschaft
hier geformt hat, ist dies höchst respektabel und interessant.
Wenn es hingegen nur einem bedeutungsloser, aber absolut
schöner Himmelskörper darstellt, reicht mir auch. Das mag
für viele Anhänger der zuerst genannten Theorie enttäuschend
sein, weil sie mehr erwartet hätten, eben weil sie sich
einer Täuschung hingaben und ihnen bewusst wird, dass sie
Fehler machen und nicht allwissend sind, aber das ist dann
ihr Problem. Ein Problem, das man hätte vermeiden können,
weil man sich schon sehr oft in vergleichbaren Situationen getäuscht,
komischerweise aber nicht daraus gelernt hat. Naja,
es gibt aber noch viel mehr über die Blase zu wissen.“ „Ja?“
durchfuhr Melissa ihn. „Schau, als Zeitmesser fungiert sie
zum Beispiel. Technische Geräte haben wir schließlich nicht
mehr und auch keine Sonne. Demnach besitzen wir nichts
Vergleichbares, was der Funktion einer Uhr nahe käme. Da
hier aber viele nicht auf so etwas verzichten wollen, haben
kluge Leute erkannt, dass die Wasserblase auch als Uhr fungiert.“
„Wie soll das denn funktionieren?“ „Nun, Melissa, die Blase
steigt immer periodisch von Bodennähe in die Luft hinauf
und wieder zurück. Dieser Vorgang kommt uns wie gefühlte
zwei Tage Erdzeit vor. Daher haben wir beschlossen, dass
ein Weg der Kugel ungefähr 48 Stunden beträgt. Ich gebe es
zu, die Zeitrechnung ist etwas kompliziert und schwammig,
aber du gewöhnst dich schnell daran. Oder aber du kommst
komplett ohne aus.“ Kurzzeitig lag Schweigen über dem Ort.
Melissa lief zu der Blase und stellte sich exakt unter sie. Ihr
Blick musterte erst diese und suchte anschließend das Gesicht
von Nico. „Du sagtest, die Blase kommt in Bodennähe.
Heißt das, sie ist von hier erreichbar? Kann ich sie dann auch
berühren?“ Nicos Augen rissen panisch auf, unmittelbar beruhigte
er sich wieder und verdeutlichte in einem ruhigen
Ton: „Ja, kannst du. Wenn du sterben willst ...“ Melissa zuckte,
reagiertedarauf völlig empört: „Was?“ Nico aufklärend: „Das
erklär ich dir später, aber was du unbedingt befolgen musst:
Du darfst diese Blase niemals, absolut niemals berühren. Obwohl
es sehr verführerisch bleibt, wirst du jedoch vermutlich
nie die Chance bekommen, denn wenn sich die Blase dem
Boden nähert, werden hier Wachleute positioniert und für
Ruhe und Sicherheit sorgen. Aber selbst wenn nicht, denke
bitte an meine Worte, falls du in die Versuchung gerätst, sie
anfassen zu wollen.“ Er schaute Melissa respekteinflößend
an und began sich von der Blase Richtung Rückweg wieder
zu entfernen. Verwirrt tapste sie ihm hinterher und lugte ein
letztes Mal über ihre linke Schulter ,den funkelnden Himmelskörper
betrachtend.
Eingeschüchtert von der überraschenden Ernsthaftigkeit
von Nico fiel es Melissa schwer, ihre nächste, unmittelbar
anschließende Frage zu formulieren und letztendlich vorzutragen.
Sie bemerkte gigantische Baummassen am Horizont,
die wuchtig wie eine Wand wirkten, vergleichbar mit einer
natürlichen Grenze. Jedoch etwas Silbernes schimmerte zwischen
den vielen Stämmen. Es musste kolossal gewesen sein,
immerhin konnte sie es noch von Weitem erkennen, unmög
lich aber einer klaren Einschätzung zuordnen. Als sie soeben
Nico darauf ansprechen wollte, fiel er ihr ins Wort: „Wir machen
uns auf den Rückweg, oder? Für den Moment solltest
du nun deine ersten Impressionen verdauen, bevor wir uns
einmal die anderen Gebiete anschauen. Ich möchte dir bei
unserer Ankunft noch ein paar Leutchen vorstellen. Also,
falls du das möchtest. Ich verstehe durchaus, wenn du dir
vielleicht erst eine kurze Auszeit gönnen magst.“ Nico schaute
Melissa verständnisvoll in ihre braunen Augen. Melissa
nickte einvernehmlich und verdeutlichte, dass es ihr nichts
ausmachen würde.
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Wie gefällt's euch? Würde mich über Kritik sehr freuen.
-OUT NOW-
Darüber hinaus würde ich demnächst noch weitere Auszüge hier veröffentlichen.
Gruß, Kevin |
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Zuletzt bearbeitet von greatK am 26.01.2008, 14:00, insgesamt einmal bearbeitet |
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 | Einfühlsam |  |
Verfasst am: 08.01.2008, 03:12 |
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| El Creeco |
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| Anmeldedatum | 08.01.2008 | | Beiträge | 82 | | Wohnort | nähe Frankfurt |
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Hallo,
ich finde es immer gut, wenn eine Leseprobe vom Buch dabei ist, damit man sich als Leser erst einmal ein Bild machen kann.
Den Stil, in dem das Buch geschrieben ist, finde ich gut.
Es handelt sich, wenn ich es richtig verstanden habe, um ein sehr empfindliches Thema, den Tod einer Tochter. Ich finde es toll, wenn jamand den Mut hat, ein solches Thema anzuschneiden und dabei noch eine positive Seite, wie in diesem Fall das Leben nach dem Tod des Mädchens, einzubringen. Das Buch macht auf jeden Fall neugierig.
liebe Grüße
El Creeco |
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_________________ Wo Licht ist, muss der Schatten weichen |
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Verfasst am: 26.01.2008, 14:03 |
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| greatK |
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| Anmeldedatum | 29.12.2007 | | Beiträge | 64 | | Wohnort | Kleve |
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| Und endlich, als Nachtrag, das Cover: |
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Verfasst am: 02.02.2008, 23:50 |
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| julia07 |
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| Anmeldedatum | 22.05.2007 | | Beiträge | 1058 | | Wohnort | 87700 Memmingen |
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Hallo Kevin,
Deine Homepage ist wirklich sehr ansprechend und ein echter Hingucker. Da kann man nur gratulieren
Angeregt durch diese ausdrucksvolle Präsentation, habe ich mich dann später, weil sehr lang und nichts für's "schnelle Drüberlesen", an die Leseprobe gemacht.
Mir gefällt Deine Geschichte und dein Stil liegt mir auch, weil er "frisch von der Leber weg" ist.
Einige werden mich für das, was jetzt kommt, wahrscheinlich steinigen, aber ich sage es trotzdem.
Zunächst eine Frage:
Auf der Homepage gibst Du sogar den Namen der Lektorin an, was ich noch nie gesehen habe. Da wir kürzlich eine sehr lange Diskussion über den Sinn und Wert von Lektoren hatten, interessiert es mich brennend, wie Du zu "Deiner" Lektorin gekommen bist, denn ich glaube, dass sie einige Verbesserungsvorschläge unterschlagen hat.
Wie gesagt, Story und Schreibstil finde ich gut, aber sehr viele Fehler, vor allem die Satzzeichen, mindern den Lesegenuß ganz erheblich.
In Deinem Fall tut mir das richtig weh, denn Du hast ein sehr gutes Gesamtkonzept und da wäre sehr viel mehr drin.
Überlege Dir, ob Du nicht noch einmal kritisch über den Text gehst und an eine zweite Auflage denkst. Ich habe das auch gemacht, weil mein erster (versehentlicher) Upload so voller Fehler war, dass ich vor Scham im Boden hätte versinken können.
Wie gesagt. Ich erwarte die Steine, versichere Dir aber hoch und heilig, dass ich weder Dich noch andere mit meiner Anmerkung ärgern oder kränken will.
LG,
Julia |
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Verfasst am: 03.02.2008, 13:13 |
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| greatK |
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| Anmeldedatum | 29.12.2007 | | Beiträge | 64 | | Wohnort | Kleve |
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Hallo Julia,
zunächst bück ich mich und hebe einen dicken, großen Stein auf ...
Schöner Stein, oder? -und lasse ihn wieder fallen.
Denn Kritik ist mir wichtig und überhaupt freue ich mich, dass du dich mit der Leseprobe auseinandergesetzt hast.
Also, "meine" Lektorin ist eine Arbeitskollegin, daher kenne ich sie. Wir sind mehr oder weniger eine Redaktion, ich bin Azubi zum Mediengestalter und sie ließt u.a. Korrektur.
Mein Buch war von Beginn an mehr ein Spaßprojekt, um zu gucken, ob ich soetwas auf die Beine bekommen kann. Erst wo ich dem Ende des Schreibprozesses nahe war, habe ich vorsichtig gefragt, ob sie mal drüberschaut. Das hat sie auch getan, unentgeldlich und in ihrer äußerst knappen Freizeit. Sicherlich haben es einige Fehler noch ins fertige Buch geschafft, was ich äußerst ärgerlich finde, vor allem wenn man bedenkt, wie viel Zeit das Fehlerfinden und -ausmerzen gekostet hat, aber ich kann und will ihr keine Vorwürfe machen. Sie hat tolle Arbeit geleistet und mir absolut geholfen. Trotz Fehler, hat sie deutlich die Qualität gesteigert und letztlich war und bin ich derjenige, der die Fehler verbockt hat.
Was ich bisher an Feedback zurückbekommen habe (soviel sei gesagt: nicht viel), sind die Fehler nicht sonderlich störend empfunden worden.
Nach meiner Prüfung sind die meisten Fehler auch dummerweise zu Beginn des Buches, wo auch die Leseprobe heraus stammt.
Eine zweite Auflage wäre natürlich interessant, aber ob sie sich auch lohnt, bezweifel ich, eben weil die Nachfrage mehr in meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist, und die werden sicherlich das Buch nicht 2x kaufen.
Nochmal, Danke für deine Kritik und das Lob.
Gruß
Kevin |
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Verfasst am: 08.02.2008, 20:08 |
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| greatK |
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| Anmeldedatum | 29.12.2007 | | Beiträge | 64 | | Wohnort | Kleve |
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Wer mag und Zeit hat, hier noch ein recht umfangreichrer Ausug aus Azalea. Wie gehabt, über jedes Feedback wäre ich sehr glücklich.
19. Eine gesellige Runde
(...)
Neben Mellssa nahmen ihre Großeltern väterlicher Seite
Platz, wobei das vom Alter gezeichnete Paar nicht ganz
schlüssig zu sein schien, wer von den beiden näher an der
Türe sitzen sollte. Drohender Durchzug konnte äußerst unangenehme
Folgen haben. Melissa nahm nur gelassen einen
Schluck von ihrer eiskalten Cola, das prickelnde Zuckerwasser
kühlte sofort ihren ohnehin fröstelnden Körper ab und
stellte die dünnen Armhärchen auf.
Rechts neben ihr war noch ein Stuhl frei, für den letzten
Gast im Bunde, dahinter saßen ihre Tante, ihr Onkel und
sogar ein Kind. Dieses hatte sie vorhin im Begrüßungsritus
gänzlich übersehen. Dabei hatte sie Julian, so heißt der Sohn
ihrer Tante, recht lieb, ab und an babysittete sie ihn sogar.
Die restlichen beiden Sitze füllten die üppigen Hinterteile
der ‚Buskows‘, das angeblich super befreundete Paar. Diese
würden wohl angesichts ihrer doch unübersehbaren Körperfülle
die Köche am heutigen Abend ins Schwitzen bringen,
vermutete Melissa. „Was das hier wohl kosten wird.“, schoss
ihr durch den Kopf. Unwichtig, Herr Papa hatte hoffentlich
seine Kreditkarte im Portemonnaie eingesteckt.
„Was möchten Sie trinken?“, fragte der freundliche Kellner
Frau Buskow, sie und ihr Mann waren etwas später als
die übrigen gekommen und hatten noch kein Getränk auf
der übertrieben gestärkten Tischdecke vor sich stehen. „Ein
großes Bier, bitte.“, sagte sie. „Für mich auch.“ Herr Buskow
antwortete erst, als die Bedienung fertig geschrieben hatte
und zu ihm blickte. Alle Augenpaare bis auf die von Julian
und Melissa waren nun auf ‚Dick und Doof‘ gerichtet. Für
eine Fete blieb es bisher äußerst ruhig und bedächtig.
„Ja, fangen wir erst mal klein an, Zeit für Wodka Lemon
haben wir später immer noch!“, scherzte Dick, also Frau Buskow.
Anscheinend musste die Aussage witzig gewesen sein,
immerhin lachten alle, nur nicht Melissa. Sie gab weiterhin
selbstversunken allen Anwesenden Spitznamen. Dick und
Doof waren jetzt also schon vergeben. Bohnenstange, Mr
Kleinbei oder Adolf boten sich nun aufdringlich an. Als endlich
das irgendwie flache Gruppenlachen langsam abklang,
nahm Dick erneut das Wort an sich: „Ja, dann mal ein kräftiges
‚Cheers’ an unseren Gastgeber Chris. Mögest du nach
deiner Beförderung noch erfolgreicher und geiziger werden.“
Plötzlich prosten sich alle Anwesenden zu. „Ja, das sollte wieder
lustig sein, aber wenn die meinen Vater wirklich kennen
würden, wüssten sie, dass er tatsächlich geizig ist. Aber das
hat mit vernünftigem Sparsamsein nichts mehr zu tun: Angeschimmeltes
Brot essen, nur um kein neues zu kaufen, obwohl
man fast stolze 3000 Euro Netto verdient, kann einfach
nicht normal sein.“, grübelte die Zweitjüngste am Tisch. „Na
ja, aber niemand kennt hier den anderen wirklich, man meint
es vielleicht, doch wenn der Abend vorbei ist und alle Wege
sich wieder für lange Zeit trennen, wird erst das tatsächliche
Gesicht zum Vorschein gebracht. Egal.“
„Vielen lieben Dank, ha ha, und natürlich werde ich noch
knauseriger. Ihr dürft heute alles selbst bezahlen. Nein,
Quatsch. Nur ein Scherz. Wer fehlt eigentlich noch?“, fragte
Melissas Vater, er stand kerzengrade, damit alle ihn uneingeschränkt
gut sehen konnten. „Uwe.“ (Melissas zweiter Onkel,
seine Frau starb bei einem fürchterlichen Zugunglück. Seitdem
leidete der Hinterbliebene unter traumatischen Depressionsphasen.)
„Klar, Uwe, wie immer, der ist soo unpünktlich.“
„Hach, der ist immer unpünktlich, verlasse dich niemals auf
ihn, dann hast du schon verloren.“, hallte es aus allen Ecken
der Tischrunde. Das Eis war gebrochen.
Alle redeten kreuz und quer, begannen belanglose Themen
und schweiften zum nächsten nicht minder belanglosen über.
Melissa beteiligte sich nicht am Gesprächsfluss, belief sich
sowieso immer nur auf Fußball, Mode, Fernsehen und, wenn
sich der Abend gänzlich absurd entwickelte, Religion, sie
blickte lieber auf die kleinen hinabkullernden Regentropfen
am Fenster, sie zogen künstlerische Bahnen und beim Aufprall
mit einem weiteren Tropfen verschmolzen sie zu einem
und rasten noch schneller zu Boden. „Sehr beruhigend, wäre
doch der Klangteppich im Lokal schwachbrüstiger.“, dachte
sie wehmütig.
Unvermittelt öffnete sich die Außentüre und der heiß erwartete
Uwe schritt regendurchnässt ins Licht hinein. „Entschuldigung,
kurz bevor ich meine Wohnung verlassen wollte,
riss eine Ärmelnaht meines Hemds, mein Lieblingshemd.“,
rechtfertigte er sich beim Ablegen seiner tropfenden Jacke
und lächelte verschmitzt. Sofort folgte die Antwort von Dick:
„Ach, kein Problem, wir sind auch gerade erst hier.“ „Ja, nicht
schlimm, kommst ja sonst immer pünktlich.“, hieß es von
wem anderen. Beruhigt nahm Uwe dann auf dem freien Platz
neben Melissa Platz und begrüßte sie ganz herzlich: „Na?“
„Na.“, Melissa spielte Papagei. „Natürlich, das Hemd ist in
jenem tragischen Moment gerissen, klar. Ich würd’ mal vermuten,
dass -uns- Uwe wieder mit dem halben Bein im Grab
stand. Ich möchte gar nicht wissen, wie seine geschundenen
Unterarme wohl gerade unter dem überlangen Hemdärmel
ausschauen. Gerissene Hemdnaht ... Die depressivsten Menschen
lachen in Gesellschaft stets am lautesten, aber wenn sie
wieder zu Hause alleine sind ...“ Melissa dachte nicht weiter
darüber nach.
Zunehmend stieg die Stimmung, Bier und Doppelkorn sei
Dank. Das Essen schmeckte gut, die Gäste aßen brav ihre
mit Steaks, Pommes und Krautsalat gefüllten Teller leer. Nur
Melissa haderte jetzt noch vorm bestellten Schweinefilet mit
Bratkartoffeln. Irgendetwas, nein irgendwer zerstörte gehörig
ihren ohnehin bescheidenen Appetit. Dieser wer war Dick,
also Frau Buskow.
Wie zum Beginn des Abends glänzte Melissa fortwährend
durch apathische Stille, was sollte sie auch bei den uninteressanten
Themen beisteuern? Aus dem lauthals öffentlich
hinausposaunten Ehestreit der noch vermählten Tante und
Onkel hielt Melissa sich besser heraus. Ihr tat nur Julian leid,
der jedes demütigende Wort seiner Eltern mitanhören musste.
Auch er sprach diesen Abend nur das Nötigste. Im Minutentakt
wuchs die Erkenntnis, an diesem Tisch fehl am Platze
zu sein. Melissa mochte ihren Familienkreis nicht, auch dieser
Abend änderte an diesem Umstand nichts. Dann zerriss es
ihre geistige Abwesenheit.
„Na, wo ist denn dein Freund, Melissalein? Seid ihr nicht
mehr zusammen?“ „Melissalein?! Dreht diese dicke Tussi
jetzt endgültig am Rad?“ Melissa antwortete nicht auf Dicks
unterprivilegierte Frage. Sie konnte auch gar nicht, die einzelnen
Silben drangen mit todsicherer Lichtgeschwindigkeit in
sie ein und rissen neue Wunden ins rasend pochende Herz.
Die ausgehenden Schmerzschübe breiteten sich radial über
jede Ader und jede Nervenbahn aus, es fühlte sich wie ein
kalter Schauer aus Urin an, der brechreizerregend über Schultern,
Arme und dann in alle Poren floss. Vorgestern hatte sie
mit ihren inzwischen vierten Typen Schlussgemacht. Lächerliche
sieben Tage dauerte die Beziehung an, bis ein weiterer
Schicksalsschlag auf Melissa einhämmerte, und erneut geriet
ihre kleine, zerbrechliche Welt aus den Fugen.
Als Frau Buskow schließlich diese Frage stellte, schmerzte
es in Melissa, als hätte ein Irrer ihr ohne Betäubung einen
Zahn mit purer Gewalt aus dem Gebiss herausgezogen und
nun im entstandenen Loch herumgepult. Jedem ergeht es
ähnlich, nachdem eine Beziehung unschön in die Brüche
gegangen ist, sind Fragen und Anmerkungen über die oder
den Ex wie ein Ritt auf hauchdünnen Nervensträngen, doch
Melissa hing keineswegs mehr an diesem oder irgendeinem
Kerl. Liebe spielte längst keine Rolle mehr in ihrem Leben.
Angebliche Liebe war die Quelle der Schuld, was Melissa nun
dermaßen verzweifeln ließ.
„Ich möchte nicht darüber reden.“, entgegnete die überraschend
gelassene Melissa ihrer unfreiwilligen Gesprächspartnerin.
Auf ihrer glatten Wange bildete sich langsam ein roter
Schimmer, man konnte vermuten, kleinste Äderchen platzten
im Moment zu Tausenden unter der Hautoberfläche. „Was ist
das denn für eine Antwort, ich werde doch mal kurz fragen
und eine gescheite Antwort erwarten können.“, so die Frau.
Ein zickiger, in Melissas Sprachgebrauch ‚angepisster’ Unterton
erfüllte ihre krächzende, von Zigarettenqualm behinderte
Stimme. „Nein, wir sind nicht mehr zusammen, aber ich habe
absolut keine Lust, darüber zu sprechen.“, erneut erzwang
sich Melissa eiserne Disziplin, ihr Gegenüber nicht zusammenzustauchen.
„Warum isst du nicht? Schmeckt es dir etwa nicht?“, möchte
ihre Stiefmutter in Erfahrung bringen, endlich jemand, der
von Dick ablenkte. „Doch, aber ich habe keinen Hunger. Bin
mal eben auf Toilette.“ Sie schob ihren Stuhl zurück und
fragte die Bedienung nach der Lokalität. Hilfsbereit zeigte
eine junge Dame ihr den Weg bis dorthin. Am Tisch zurückgelassen
regte sich Frau Buskow immer noch über die abweisende
Haltung von Melissa auf. Feinfühligkeit war scheinbar
nicht ihre Stärke: „Lässt sogar das teure Essen stehen. Tz,
diese Jugend von heute.“
Weiße quadratische Kacheln umgaben Melissa wie ein
Gefängnis, vor ihr ein riesiger, sauber polierter Spiegel, der
die gesamte Wand einnahm. Darunter zwei Waschbecken aus
trübweißer Keramik und hinter ihr ebenfalls zwei Toilettenkabinen
mit dunkelblauen Türen. Aus dem Heißwasserhahn
floss kaltes Wasser, welches Melissa sich ins Gesicht spritzte.
Eine Wohltat. Anschließend blickte sie sichtlich mitgenom175
men in den Spiegel und sah ihre blasse Haut. Die Gedanken
überschlugen sich, zu dick saß der akute Ärger über ihre
nervtötende Verwandtschaft im Hals. Jedoch viel schlimmer
war die nun aufgebrochene Erinnerung an die letzte Beziehung.
Schnell musste sie diese wieder verdrängen, bevor Melissa
noch tiefer in deren verwurzelten Gedankenzirkel eintauchen
und weinend zusammenbrechen würde. Sollte dies
geschehen und ihre Verwandtschaft die blutunterlaufenden
Augen bemerken, wäre sie Mittelpunkt des Interesses aller
Anwesenden, wie ein Angeklagter vorm Richter hätten sie
mit aller Macht die Wahrheit aus ihr herausgepresst. Herausgeprügelt,
falls nötig.
Was störte Melissa eigentlich an ihrer Familie?
Sie konnte nicht mit ihnen reden. Egal ob mit dem evolutionär
im Mittelalter stehen gebliebenen Vater, der kitschigen
Stiefmutter oder mit der stink- wie arbeitsfaulen Tante. Zu
oberflächlich, zu seicht, zu konservativ, zu verschlossen für
ihre Ansichten, Probleme und Gefühle, sie vermittelten Melissa
das Gefühl, von niemandem richtig verstanden zu werden.
Folglich wurde sie zum verschlossenen Eigenbrötler, der
mit seinen Problemen selbst klarkommen musste. Kontinuierlich
löste Melissa den Kontakt zu den Verwandten, traf sie
nur auf feierlichen Anlässen wie dem heutigen und schämte
sich für sie. Zusätzlich verabscheute Melissa die herrschende
Falschheit. Erst hetzt man über Person A, sobald diese aber
anwesend ist, wird heile Welt wir-verstehen-uns-so-prächtig
gespielt oder töricht mit A über Person B gelästert. Unzählige
weitere Faktoren oder passende Szenarien spielten sich unter
Melissas bebender Schädeldecke ab, vielleicht übertrieb sie,
aber zwei sich gegenseitig abstoßende Pole versinnbildlichten
ihre Situation perfekt.
Der Blick wanderte nervös zur Türe und wieder zurück in
den Spiegel, beide Arme stützten ihren schweren Körper am
Waschbecken. Die Adern quollen etwas hervor.
„Verdammt, scheiß auf die Verwandtschaft, scheiß auf alles.
Dieser Mistkerl hat mich vermutlich mit Aids infiziert. Mit Aids!
Verflucht, verflucht, verflucht.“, ihr Herz schlug hämmernd
gegen den Brustkorb, der Körper heizte sich höllisch auf,
doch die Haut blieb eisig. Zum Glück konnte sie den Tränenfluss
unterbinden, das änderte aber nichts daran, dass sie
sich sicher war, bereits vom Erreger eingenommen geworden
zu sein. Sobald er zur vollen Stärke gefunden hätte, würde er
Melissa mit Sicherheit von Innen her zerstören. Furchtbar.
Als Trost spukte in ihr der Sinn nach Vergeltung. Wie gesagt,
der Abend war noch kindlich jung ... |
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Verfasst am: 06.04.2008, 14:09 |
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| greatK |
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| Anmeldedatum | 29.12.2007 | | Beiträge | 64 | | Wohnort | Kleve |
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Verfasst am: 06.04.2008, 17:02 |
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| Judith |
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| Anmeldedatum | 05.08.2007 | | Beiträge | 1719 | | Wohnort | Schwobaländle |
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Hallo Kevin,
sieht gut aus und liest sich (so kurz mal durchgesehen) nicht schlecht.
Grüßle,
Judith |
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Verfasst am: 28.04.2008, 11:00 |
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| Alina |
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| Anmeldedatum | 22.04.2008 | | Beiträge | 64 | | Wohnort | Rhein-Main Gebiet |
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Hi,
eine echt tolle Website hast Du da. Sieht optisch sehr professionell aus. *thumbs up* Leider hat Dein Webdesigner irgendwie die Scrollbalken abgeschalten (?). Ich komm mit dem Firefox von der Startseite nicht auf die Folgeseiten. Das gelingt mir erst, wenn ich in den Vollbildmodus wechsel. Erst dann sehe ich das Menü unten.
Außerdem meine Frage: deine Website gefällt mir vom Design her echt prima. Aber Dein Buchcover paßt vom Stil her so gaar nicht dazu.... Schaaade...
Ich wünsche Dir aber super viel Erfolg damit. Eine interessante, nicht alltägliche Geschichte ist es auf jeden Fall. Halt uns doch mal auf dem Laufenden! |
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Verfasst am: 01.05.2008, 19:24 |
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| greatK |
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| Anmeldedatum | 29.12.2007 | | Beiträge | 64 | | Wohnort | Kleve |
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Danke Alina. Dein Kritikpunkt ist mir bestens bekannt und ich arbeite dran. Bald bekommt die Seite sowieso ein Mini-UpDate, dann wird der Fehler endlich Geschichte sein.
Gruß
K |
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