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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Prosa » Beginn "Das zweite Ende einer langen Geschichte"
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Beginn "Das zweite Ende einer langen Geschichte"

BeitragVerfasst am: 24.03.2008, 13:35
solastyear
 
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Eine kleine Einleitung zu einer kurzen Geschichte, für die ich nun mit dem Schreiben begonnen habe. Noch keine endgültige, bearbeitete Version, einfach nur ein wenig geschrieben.

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DAS ZWEITE ENDE EINER LANGEN GESCHICHTE

Eigentlich hatte er nie den Traum des ewigen, glücklichen Lebens. Den Traum des in einer Zauberwelt stehenden sprudelnden Jungbrunnens, der ihn langsam, leise - ja, fast schon mit erschreckender Unbekümmertheit - unsterblich werden ließ. Er hatte schließlich aus der Vergangenheit gelernt, früh erkannt, was es bedeutet, Mensch zu sein. Realistisch zu sein.

Doch jetzt, da er einfach nur so im Raum lag, sehnte er sich fast schon nach diesem eigentlich nicht vorhandenen Gefühl der Macht über den Tod. Er erhoffte sich, endlich diesem beruhigenden Feengesang lauschen zu können, den er mit dem Konsum des Brunnenwassers verband.

Platsch, der Wind trug ihm große Regentropfen heran, zog an seinem kleinen Hauptquartier inmitten der Stadt Bad Nauheim vorbei und riss ihn plötzlich aus seiner Welt. Ich sage bewusst nicht Traumwelt, denn mittlerweile lebte er fast schon nicht mehr in jener zu zwei Dritteln mit Wasser bedeckten Erde, die wir allzu gut kennen.
Er brauchte es einfach, brauchte diese Ablenkung - verdammt! Er musste dieses Elixier haben, das längst zu einem essenziellen Bestandteil seines träumerischen Alltags geworden war.

Seit Wochen hatte er sich heimlich von seinem Arzt Morell untersuchen lassen, welcher stets eine Röntgenaufnahme für dringend erforderlich hielt, von ihm aber zurückgewiesen wurde.
Was sollte er damit? Hatte ein Quaksalber für Harn- sowie Geschlechtskrankheiten ihm zu sagen, was er tun sollte? Ihm, der führenden Kraft eines großen Systems?
Nein, nein, nein. Das Bild des gesunden Mannes würde er auch weiterhin an die Öffentlichkeit tragen! Vielleicht war diese Einstellung auch die Wurzel seines Übels - er wusste es nicht, wollte es auch gar nicht wissen. Er war zu schwach, um wirklich gegen seine Syndrome anzukämpfen, doch nicht zu schwach für die Agonie, die in zweierlei Hinsicht bevorstand. Er wollte stark sein, musste stark sein, denn er hatte schließlich seine äußere Haltung zu wahren!


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Ihr aber lernet, wie man sieht statt stiert
Und handelt, statt zu reden noch und noch
So was hätt einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Dass keiner uns zu früh triumphiert
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!
- Bertolt Brecht - Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui

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WEITERSCHREIBEN? JA / NEIN?

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 05.04.2008, 15:40
Arno Abendschön
 
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Die Frage am Schluss kannst nur Du selbst Dir beantworten. Es kommt auf die gesamte Konzeption an und wie viel Dir am Gegenstand liegt. Habe ich es richtig verstanden: Ein Schwerkranker, vielleicht moribund, eine Person des öffentlichen Lebens, bisher nicht am Thema Unsterblichkeit interessiert, erhofft sich während einer Kur doch etwas in der Art oder wenn schon nicht Unsterblichkeit, dann wenigstens eine öffentlich präsentable Haltung dem Tod gegenüber? Das ist ein lohnendes Motiv. Würde mir viel Mühe machen. Ich muss jetzt an das Ende des Fürsten in Tomasi di Lampedusas "Der Leopard" denken. Da geht es u.a. auch um den Zerfall eines stolzen Menschenexemplars in der Agonie. (Wenn ich Deinen Text falsch verstanden habe, gibt Dir das vielleicht auch einen Fingerzeig.)

Arno Abendschön

_________________
"Viel ist hingesunken uns zur Trauer und das Schöne zeigt die kleinste Dauer." (Heimito von Doderer)

BeitragVerfasst am: 06.04.2008, 18:47
solastyear
 
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Nene, du hast schon Recht mit dem, was du sagst. Vielleicht findest du ja sogar heraus, wer diese Person ist. (Stichwort: Morell!)

BeitragVerfasst am: 06.04.2008, 20:14
Arno Abendschön
 
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Oho, nun weiß ich, wer Dr. Morell war und kenne auch seinen prominenten Patienten. Aber ich verrate es hier natürlich nicht. Ist ja ein weltbewegender Stoff. Bin gerade etwas knapp mit der Zeit, werde mich demnächst mal genauer mit diesem Hintergrund beschäftigen.

Arno Abendschön

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"Viel ist hingesunken uns zur Trauer und das Schöne zeigt die kleinste Dauer." (Heimito von Doderer)

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 06.04.2008, 20:19
solastyear
 
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DAS ZWEITE ENDE EINER LANGEN GESCHICHTE


Eine Geschichte darüber, was passiert, wenn ein sich selbst als perfekt
darstellender Mann seine "Perfektion" verliert..


Eigentlich hatte er nie den Traum des ewigen, glücklichen Lebens. Den Traum des in einer Zauberwelt stehenden sprudelnden Jungbrunnens, der ihn langsam, leise - ja, fast schon mit erschreckender Unbekümmertheit - auf Ewigkeit gesund sowie unsterblich werden ließ. Er hatte nunmal aus der Vergangenheit gelernt, früh erkannt, was es bedeutet, Mensch zu sein. Realistisch zu sein.

Doch jetzt, da er nur so im Raum lag, sehnte er sich nach diesem nicht vorhandenen Gefühl der Macht über Krankheiten und sogar den Tod. Er erhoffte sich, diesem beruhigenden Feengesang lauschen zu können, den er mit dem Konsum des Brunnenwassers verband.

Platsch. Der Wind trug ihm große Regentropfen heran, zog an seinem Hauptquartier inmitten der Stadt Bad Nauheim vorbei und riss ihn aus seiner Welt.
Längst war es keine Traumwelt mehr, denn er lebt mittlerweile nicht mehr in jener zu zwei Dritteln mit Wasser bedeckten Erde, die wir allzu gut kennen.
Er brauchte sie, brauchte diese Ablenkung und er musste dieses Elixier haben, das zu einem essenziellen Bestandteil seines träumerischen Alltags geworden war.

Seit Wochen hatte er sich heimlich von seinem Arzt Morell untersuchen lassen, welcher stets eine Röntgenaufnahme für erforderlich hielt, von ihm aber zurückgewiesen wurde.
Was sollte er bloß damit? Hatte ein Quaksalber für Harn- sowie Geschlechtskrankheiten ihm zu sagen, was er tun sollte? Ihm, der führenden Kraft eines großen Systems?
Nein, nein, nein. Das Bild des gesunden Mannes würde er auch weiterhin an die Öffentlichkeit tragen! Vielleicht war diese Einstellung auch die Wurzel seines Übels - er wusste es nicht, wollte es auch gar nicht wissen. Er war zu schwach, um wirklich gegen sein Syndrom anzukämpfen, doch nicht zu schwach für die Agonie, die in zweierlei Hinsicht bevorstand. Er wollte stark sein, musste stark sein, denn er hatte seine äußere Haltung zu wahren.

Ein Zucken. Sein linker Arm machte sich selbstständig. Wiedermal. Ein weiteres Mal. Zum verfluchten tausendsten Mal! Angst, Wut und Verzweiflung das waren Gefühle, die seinem momentanen Zustand mit Leichtigkeit zuzuordnen waren. Bilder zogen an ihm vorbei - Krieg und Kampf, Niederlage und Neuanfang, wachsende Stärke und Sieg und dann dieser Anschlag.
Dieser hinterhältig geplante Anschlag. Selbst, wenn er scheinbar Glück und einen Schutzengel besaß, war ihm klar, dass mit jenem Attentat auf seine Person die Schwierigkeiten entstanden, mit denen er nun zu kämpfen hatte. Er legte seinen rechten auf den gegenüberliegenden Arm, packte fest zu und verharrte in dieser Haltung, bis das nun nahezu unsichtbare Zucken verschwand.
So, wie es immer war. Der immer gleich ablaufende Teufelskreis.
Er konnte seine Krankheit lange verstecken, konnte sie meist vertuschen, aber es würde ihm nicht ewig möglich sein.

Und was wäre dann?
Was würde passieren, wenn ein sich selbst als perfekt darstellender Mann seine Perfektion verliert?

Er wusste es, hatte er doch die Gesellschaft im Hier & Jetzt geprägt. Damals schwor sie ihm ewige Treue, doch er war ja nicht mehr er selbst, war lediglich eine von Anfällen und Ängsten gesteuerte Hülle, die auf Besserung hoffte.


Ihr aber lernet, wie man sieht statt stiert
Und handelt, statt zu reden noch und noch
So was hätt einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Dass keiner uns zu früh triumphiert
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch
- Bertolt Brecht: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui

BeitragVerfasst am: 09.04.2008, 20:21
solastyear
 
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niemand?

BeitragVerfasst am: 09.04.2008, 20:48
Arno Abendschön
 
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Doch, habe die Ergänzung schon vorgestern Abend gelesen und finde sie passend. Das Detail mit dem zuckenden Arm hatte ich schon vergessen. Gut, wenn er entdämonisiert wird. Die Geschichte soll für sich sprechen. Das wird sie umso stärker tun, je deutlicher die Akteure als mittelmäßige Individuen zu erkennen sind. Vgl. "Banalität des Bösen".

Arno Abendschön

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"Viel ist hingesunken uns zur Trauer und das Schöne zeigt die kleinste Dauer." (Heimito von Doderer)

BeitragVerfasst am: 09.04.2008, 20:52
solastyear
 
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Dankeschön!
Beginn "Das zweite Ende einer langen Geschichte"
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