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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren -> Jungautoren » Geschichten » Blutsbande
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Blutsbande

BeitragVerfasst am: 13.12.2007, 23:18
BellaMuerta
 
Anmeldedatum13.12.2007
Beiträge4


EDIT:
Aaaalsoo...da ich mir nicht sicher bin, wo genau ich mich vorstellen soll, mach ich das halt einfach mal hier...=))
Name: BellaMuerta
(textstelle aus einem song von my chemical romance, heißt eigentlich BellaMuerte, wurde von mir dummerweise falsch übernommen =))
Alter: 15 Jahre (9.8.1992)


Titel: Blutsbande
Autor: BellaMuerta
Genre: Fantasy
Warning: Tode
Abgeschlossen: Nein
Teil: 1/?
Inhalt: Das Mädchen Satura ist in einem kleinen Bauerndorf am Fluss aufgewachsen. Als ihre Mutter von Unbekannten ermordet wird, schließt sie sich Söldnern auf der Durchreise an. Zum ersten Mal sieht sie mehr von der Welt und merkt bald, was es bedeutet, auf sich allein gestellt zu sein. Sie erfährt mehr über Götter und Geister, und über die sagenumwobenen Elfen, die schon lange niemand mehr zu Gesicht bekommen hat, die sich fernab zurückgezogen haben und die von den Menschen verhasst sind.
Als ein alter Mann kurz vor seinem Tod seltsame Dinge zu ihr sagt, keimt die Frage nach ihrer Abstammung in ihr, und ihr kommen Zweifel an der Geschichte über ihren Vater, der angeblich schon vor ihrer Geburt verstarb. Doch die Suche nach ihrem Ursprung wird alles andere als einfach, denn es scheint immer jemand versuchen, ihre Nachforschungen zu behindern. Doch die Blutsbande sind die stärksten Bande überhaupt, niemand kann sie durchtrennen und niemand kann sie einem nehmen.



Blutsbande

Blutsbande
sind wie Seile
wie Taue
wie Lianen
bloß kann sie niemand durchtrennen
keiner
nicht mit dem schärfsten Messer
nicht mit dem stärksten Beil
nicht mit dem magischsten Schwert
sie sind wie Seile, nur stärker
wie Taue, nur dicker,
wie Lianen, nur feiner in ihrer Faserung
unendlich
da
bis in den Tod




Prolog

Fürst Lanuiyan blickte erneut zum Eingang des Ratsgebäudes. Nein, er hatte lange genug gewartet. Er würde nicht mehr kommen, dessen war er sich sicher. Gleichgültig wandte er sich ab. Er hatte längst aufgehört sich zu ärgern.
Lanuiyan wendete seine Aufmerksamkeit dem Ratsherrn zu, der in seiner nachtblauen Robe vor dem Rednerpult mit dem Zeremoniehammer stand. Bald würde er die Sitzung eröffnen. Die Steinstufen, die sich kreisförmig um die runde Stelle mit dem Rednerpult zogen, waren bereits voll von den Fürstenfamilien besetzt. Noch kaum ein leerer Platz war zu sehen. Kühl schaute Lanuiyan auf den Sitz rechts neben ihm.
Da erhob sich der Ratsherr, er nahm den Zeremoniehammer und schlug dreimal halblaut auf das Pult.
„Fürst Suenion hat diese Sitzung beantragt. Hiermit erteile ich ihm das Wort“, eröffnete er knapp.
Suenion erhob sich. Der alte Elf lebte schon sehr lange, er hatte viel Erfahrung und wurde von allen hoch geschätzt.
„Die Geschöpfe der Dunkelheit breiten sich immer weiter aus. Sie brandschatzen, morden und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Wir müssen etwas unternehmen. Sonst haben sie bald das ganze südliche Gebiet verdorben“, begann er.
„Ich weiß. Sie haben sich fast alle dorthin zurückgezogen. Was mir zu schaffen macht, sind die Menschen, die dort Leben. Die Menschen sind schwach. Die Orks plündern ihre Städte und sie haben kaum eine Aussicht, zu gewinnen. Sie werden sie ausrotten. Es heißt, es ziehen schon Flüchtlingszüge gen Norden“, erzählte Ofengur, ein noch junger Elf. Sein Reich war von Menschensiedlungen umgeben und er hatte am meisten mit ihnen zu tun.
„Was kümmern uns die Menschen? Es ist, wie du sagst, sie sind schwach. Die Schwachen vergehen, so war es schon immer“, meldete sich Issyllon zu Wort. Lanuiyan stöhnte innerlich, ließ sich aber nichts anmerken und zuckte mit keiner Wimper. Issyllon war untersetzter, unausstehlicher Elf, wahrscheinlich die einzige hässliche Kreatur, die die Elfen jemals hervorgebracht hatten. Unglücklicherweise hatte er großen Reichtum und großen Einfluss.
„Aber sie sind keine Wesen der Dunkelheit. Wir könnten ihnen helfen, sie unterstützen, wir…“, begann jemand aus der Familie Ofengurs.
„Die Menschen sind keine Geschöpfe der Dunkelheit. Aber sie sind auch keine Wesen des Lichts. Sie sind Wesen der Erde, und somit ist es nicht unsere Verpflichtung, sie zu schützen. Es gab nie ein Abkommen zwischen Menschen und Elfen.
Außerdem sind sie mir zu unzivilisiert“, fuhr ihm Issyllon über den Mund. Ebenfalls höchst unzivilisiert, wie Lanuiyan fand.
„Wenn wir ihnen jetzt helfen, werden sie es uns auf immer danken. Wer weiß, was uns das noch nützen kann“, bemerkte einer aus der Familie Suenions.
„Womit wollen uns die Menschen danken? Sie haben nichts, was wir nicht haben, können nichts, was wir nicht können, außer sich unzivilisiert verhalten“, ging Issyllon sofort dazwischen, „wobei…es bei uns auch einige gibt…“ Dabei streifte Issyllons Blick Lanuiyan und blieb an dem leeren Platz rechts neben ihm hängen. Lanuiyan erwiderte seinen Blick kühl und die Fassade wahrend. Redet er von sich selbst?, dachte er zynisch.
„Was ist mit ihren Göttern? Was, wenn wir ihren Zorn…“, begann schließlich die Fürstin Maroyevee zu sprechen, natürlich nicht ohne von einer von Issyllons abschätzigen Bemerkungen unterbrochen zu werden.
„Der Zorn der Menschengötter?“, lachte der auf, „sie fürchtet sich vor dem Zorn der Götter der Menschen! Glaubst du tatsächlich, die Holzfigürchen, die sie anbeten, könnten irgendetwas ausrichten?“
„Zügele dich!“ Lanuiyan stand auf und erhob nun selbst das Wort. „Niemand weiß, was es mit den Göttern auf sich hat. Die Figuren sind Abbilder von ihnen. Keiner weiß um ihre Macht.“
Issyllon strich wütend sein langes Haar zurück. Geringschätzig beobachtete Lanuiyan ihn, selbstverständlich ohne dass dies irgendeine Wirkung auf seinem ebenmäßigen Gesicht zeigte. Nicht einmal seine Emotionen konnte dieser Elf verbergen. Dieses Wesen stand wie ein Paradebeispiel für den Niedergang einer Hochkultur.
Gerade als Issyllon den Mund zu einer Bemerkung öffnete, schlug der Ratsherr mit dem Zeremoniehammer einmal auf das Rednerpult.
„Nicht die Macht der Menschengötter sondern die Ausbreitung des Ungeziefers ist unser Thema! Darüber diskutieren wir“, sagte er. „Wohl an, nun.“
„Wir müssten einen Weg finden, sie alle zu vernichten. Die Welt wäre schöner“, machte sich eine melodische Stimme bemerkbar. Es war Teopnyen, ein Fürst und darüber hinaus der bekannteste unter den Dichtern und Sängern.
„Jetzt fängt er wieder an, zu philosophieren! Die Menschen interessieren mich nicht. Die Orks werden es nicht wagen, uns anzugreifen“, sagte Issyllon schlicht.
In dem Moment öffnete sich das Tor zum Ratsgebäude.
„Entschuldigt die Verspätung“, sagte ein sehr junger Elf. Sein braunes Haar trug er nicht so lang wie die übrigen Elfen, und obwohl es ihm ein leichtes gewesen wäre, dies zu beheben, stand es in alle Richtungen ab. Als der junge Elf mitten durch den Saal schlenderte und sich rechts von Lanuiyan niederließ, huschte ein kurzes Zucken über dessen sonst so unberührtes Gesicht.


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Wenn du hier bist - danke fürs Lesen!
Ich bitte um Kommentare und Kritik aller Art.

lg Bella


Zuletzt bearbeitet von BellaMuerta am 16.12.2007, 19:49, insgesamt einmal bearbeitet

_________________
Ama et Fac quod vis

If life ain't just a joke...then why are we laughing?

...check into the hotel Bella Muerte...

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 14.12.2007, 00:25
Judith
 
Anmeldedatum05.08.2007
Beiträge1718
WohnortSchwobaländle


Hallo Bella,

es wäre schön, wenn du dich zunächst vorstellen könntest, z.B. wie alt du bist, wie du zu deinem Nickname gekommen bist...

Grüßle und ein Willkommen von
Judith

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Du willst mehr wissen? Bitte hier - meine Website.

BeitragVerfasst am: 19.03.2008, 15:29
BellaMuerta
 
Anmeldedatum13.12.2007
Beiträge4


Nun denn, kap1. If anybody's interested? *fragend umguck* Smile

Kapitel 1

Satura schlug die Augen auf. Nervös blickte sie in ihrem Zimmer umher, ihre Augen wanderten über die Holzdecke aus alten Eichenbrettern und von ihrer geliebten Kommode aus dunklem Eschenholz zu der Tür, die ihr kleines Gemach vom Rest des Langhauses abtrennte, in dem sie zusammen mit ihrer Mutter wohnte. Ihr Vater war im Krieg gestorben. Wie viele andere Männer aus dem Dorf hatte er sich den Truppen König Tareds angeschlossen, um in al’Djon gegen die Orks, Goblins und all die anderen dunklen Geschöpfe zu ziehen, die dort erneut Siedlungen niedergebrannt und das ganze Gebiet unsicher gemacht hatten. Die Krieger hatten den Kreaturen eine schwere Niederlage bereitet, doch ihr Vater war nicht mehr zurückgekehrt. Das war vor Saturas Geburt gewesen, ihre Mutter hatte ihr davon erzählt. Diese arbeitete in ihrem Dorf als Wäscherin und verdiente dadurch genug, um über die Runden zu kommen.
Satura versuchte sich zu erinnern, was sie geweckt hatte. Es hatte wie ein Schrei geklungen, wie ein erstickter Schrei, doch sie war sich nicht sicher, ob sie diesen noch in ihrer Traumwelt oder bereits in der Realität vernommen hatte. Sie entzündete die Kerze, die zu diesem Zwecke neben ihrem Bett lag und schlich barfuss über den kalten Dielenboden, sie war nur mit ihrem dünnen Leinen-Nachtkleid bekleidet. Sie fröstelte, der Winter hatte sich noch nicht ganz vom Sommer verdrängen lassen und die Nächte waren immer noch sehr kalt. Im Flur spürte sie einen leichten Luftzug, der Wind, der wohl durch ein offenes Fenster hereindrang, spielte mit ihrem langen, blonden Haar.
Sie schlich zum Schlafraum ihrer Mutter, vorsichtig drückte sie die Tür auf.
„Mutter?“, rief sie leise in das dunkle Zimmer, die Kerze erhellte das Gemach soweit, dass sie schemenhaft die Umrisse des Bettes erkennen konnte. Vom Bett her hörte sie ein leises Stöhnen.
„Tut mir Leid, wenn ich dich geweckt habe“, sagte Satura und setzte sich zu ihrer Mutter ans Bett. Sie strich die Decke ihrer Mutter glatt, da spürte sie Nässe an ihren Fingern. Verwundert hielt sie ihre Hand in den Schein der Kerze und ihr Herz blieb fast stehen: Ihre Hand war voll Blut. Erschrocken blickte sie zu ihrer Mutter und leuchtete mit der Kerze, der Schaft eines Pfeils ragte aus ihrer Brust. Entsetzt ließ Satura die Kerze fallen, diese fiel mit einem dumpfen Geräusch zu Boden und erlosch sofort.
„Mutter…“
„Satura…“, flüsterte ihre Mutter mit zitternder Stimme und fasste nach Saturas Hand.
Schneller als Satura schauen konnte ragte ein weiterer Pfeil aus der Kehle ihrer Mutter, die Frau erstarrte mitten im Wort. Satura schrie auf, entsetzt schlug sie die Hand vor den Mund, was sie sofort bereute, da sie sich so das Blut ihrer Mutter ins Gesicht schmierte.
Panisch versuchte sie auszumachen, woher das Geschoss gekommen war, sie folgte der Richtung des Pfeilschafts und ihr Blick wanderte zum Fenster. Die Vorhänge waren zerfetzt, und die Vasen und Tontöpfe, die auf dem Brett gestanden hatten, waren allesamt zerschlagen und überall im Raum lagen Scherben.
Sie hastete zur Tür, als ein stechender Schmerz ihren Fuß durchfuhr, sie war auf eine Scherbe getreten. Sie unterdrückte einen Schrei und zog sich das scharfkantige Stück mit zusammengebissenen Zähnen aus dem Fuß, Blut quoll aus der Wunde, doch ihre Angst verdrängte den Schmerz.
Sie rannte zur Eingangstür, die stand einen Spalt offen, dahinter konnte sie den Schein von Fackeln erkennen. Wer auch immer da draußen war, er hatte sicher nichts Gutes im Sinn. Satura machte kehrt und rannte zurück zu ihrem Zimmer und geradewegs hindurch zum Fenster, dabei schnappte sie den Beutel von der Kommode, den sie wenige Tage zuvor beim Fischen dabei gehabt hatte. Sie riss das Fenster auf und dankte ihrer Göttin Proeta stumm, dass es heute einmal nicht klemmte. Sie sprang und landete unsanft auf ein paar Baumwurzeln, ignorierte aber den stechenden Schmerz ihrer Fußverletzung. Schnell rappelte sie sich auf und rannte blindlings davon, nicht den Weg entlang, sondern in den nahen Wald. Sie rannte. Und rannte. Über Wurzeln und Laub, Äste und Zweige. Immer wieder blickte sie ängstlich umher. Hielt Ausschau nach den unbekannten Mördern ihrer Mutter und ihren möglichen Verfolgern. Sie rannte, bis sie vor Erschöpfung beinahe zusammenbrach. Schwer atmend erreichte sie eine Lichtung, dort setzte sie sich ins Laub und lehnte sich an einen Baumstamm.
Da drang das gerade erlebte langsam zu ihr und sie begann zu weinen.

*

Gedämpfte Stimmen drangen an Saturas Ohren, und über den Waldboden zuckten die Schatten der Laubbäume. Sie war eingeschlafen und in der Nähe hatte jemand ein Feuer entfacht. Der Baum, bei dem sie rastete, befand sich in einer kleinen Senke im Boden, deshalb war sie wohl nicht entdeckt worden.
Steif saß Satura da, noch immer an den Baumstamm gelehnt, ihren Beutel hatte sie krampfhaft an sich gedrückt und ihre Füße und Hände waren starr vor Kälte. Sie fröstelte, noch immer trug sie nur ihr dünnes Nachtkleid. Langsam bewegte sie ihre Zehen und sofort zuckte ein brennender Schmerz durch ihren Fuß. Er war voll von verkrustetem Blut; Dreck und kleine Laubteilchen hatten sich darunter gemischt.
Sie öffnete ihren Beutel. Zumindest eine Weste und einen Schal fand sie darin, außerdem ein Fischmesser und ein Stück Schnur. Sie zog sich ihre Weste an, sie war aus Schafwolle und gab ihr ein wenig Wärme.
Ich muss aufstehen, dachte Satura. Ich muss fort von diesen Stimmen, fort von den Mördern meiner Mutter.
Doch sie war unfähig, sich zu rühren. Das Erlebte überforderte ihren Geist, es nagelte sie fest, sie war unfähig, einen Gedanken zu fassen.
In ihrem kleinen, friedlichen Dorf am Großen See hatte sich niemals Ähnliches zugetragen. Wer hatte auch Interesse am Leben von armen Bauern und Fischern? Fremde kamen nur ins Dorf, um Steuern oder Wehrpflichtige für König Tared einzuziehen.
Ein Lachen wehte zu Satura herüber, es musste von der Gruppe am Feuer kommen – das Lachen einer Frau. Der Gedanke an das warme Feuer, das ganz in ihrer Nähe munter prasselte, ließ sie noch mehr frieren.
Vorsichtig rutschte sie an den Rand der Vertiefung heran und spähte vorsichtig darüber. Sie konnte vier Gestalten erkennen, die um ein Lagerfeuer saßen und sich wärmten. Es waren junge Leute, zwei alberten miteinander herum, ein anderer briet sich an einem Stock etwas über dem Feuer. Die vierte Person saß im Halbdunkel an einen Baum gelehnt, wachsam spähte sie im Wald umher. Plötzlich zuckte sie zusammen.
Satura zog sich sofort zurück. War sie gesehen worden. Und selbst wenn…die Mörder ihrer Mutter waren diese vier sicher nicht. Trotzdem war sie sehr erschrocken. Sie drehte sich um und lehnte sich am Abhang an, um ihren Herzschlag zu beruhigen. Müde schloss sie die Augen.
Da spürte sie, wie sich von hinten kaltes Metall an ihre Kehle legte.

„Beweg dich nicht“, zischte eine Stimme in ihr Ohr. „Zeig mir deine Hände.“
Langsam hob Satura die Hände.
„Und jetzt steh auf. Langsam.“
Satura erhob sich langsam, sie merkte schnell, dass sie nicht auftreten konnte und stand so fast nur auf einem Bein.
Jäh leuchtete ihr eine Fackel ins Gesicht, das plötzliche helle Licht blendete sie.
„Nur ein Mädchen“, sagte die zu der Fackel gehörende Stimme beinahe enttäuscht.
Ihre Augen gewöhnten sich langsam an das Licht und sie konnte einen jungen Mann mit braunem, längerem Haar erkennen, so etwa um die zwanzig Winter alt. In der Hand hielt er eine Fackel, an seiner Seite baumelte ein Schwert.
„Scaevol!“, rief die Stimme in ihrem Nacken empört, es war eine Frauenstimme, „was soll das? Woher weißt du, dass im Gebüsch nicht noch jemand lauert, den sie mitgebracht hat?“ Doch Satura spürte, wie der Druck an ihrem Hals nachließ.
„Mit deinem Leichtsinn wäre ich schon siebenunddreißigmal getötet worden…“
Die Frau nahm das Messer von ihrem Hals und steckte es in ihren Gürtel, packte sie jedoch grob am Arm und zog sie zu sich herum.
Satura blickte ins Antlitz einer jüngeren Frau, ihr schwarzes, langes Haar hatte sie mit einem Band am Hinterkopf verknotetet.
„Komm!“, sagte sie barsch.
„Ich kann nicht laufen…“, stammelte Satura und sah sich Hilfe suchend um.
„Stell dich nicht so an“, sagte ein junger Mann mit dunklem, kurzem Haar und einem kurzen Bart, der plötzlich hinter den beiden aufgetaucht war. Er schien älter zu sein als die beiden anderen.
Satura machte vorsichtig einen Schritt vorwärts. Wenn sie mit dem rechten Fuß nur auf den Zehen ging, kam sie ganz gut voran. Die Frau mit dem schwarzen Haar führte sie zum Feuer und setzte sie dort auf einen Stein.
„Wer bist du, woher kommst du, wohin gehst du?“
„Ich heiße Satura, ich komme aus Ardûs und…ich gehe nirgendwo hin. Meine Mutter…ist tot, und…ich weiß nicht, wo ich hin soll.“
„Sie könnte doch mit uns kommen“, sagte der Junge mit den längeren Haaren, der Scaevol hieß, sofort.
„Natürlich. Sie ist ja auch bestens für einen langen Marsch ausgerüstet“, sagte der Mann mit dem kurzen Bart und ließ den Blick über Saturas Kleidung schweifen. „Nein. Sie wäre nur eine Belastung. Es ist schon genug, dass ihr beide“, er deutete auf Scaevol und ein Mädchen mit kurzem schwarzen Haar, das wohl etwas jünger war als dieser, „dass ihr beide dabei seid. Ihr seid viel zu jung, um Söldner zu sein. Über bewaffnete Frauen und Frauen im Krieg will ich ja gar nichts reden“, sagte er, und schaute zu Veturia, die seinen Blick scharf erwiderte.
„Willst du sie denn einfach hier liegen lassen, Etru? Sieh doch, sie ist verletzt. Allein kommt sie nicht weit“, widersprach Scaevol den harten Worten.
„Du bist verletzt?“, fragte das Mädchen mit dem kurzen schwarzen Haar. „Lass mich nach der Wunde sehen.
Ich kenne mich damit aus“, sagte sie, als sie Saturas verunsicherten Blick sah.
Das Mädchen nahm behutsam Saturas Fuß und hielt ihn in den Schein des Feuers. „Das sieht nicht besonders gut aus, der Schnitt ist völlig verdreckt, mal sehen was sich machen lässt.
Ich heiße übrigens Menea“, fügte sie hinzu, „das sind Scaevol und Etru, und das“, sie deutete auf das schwarzhaarige Mädchen, „ist Veturia.“
Satura war von der plötzlichen Freundlichkeit so irritiert, dass sie nicht wusste, was sie sagen sollte.
„Hallo“, sagte sie deshalb einfach und riss nervös einige Halme aus, die neben dem Stein wuchsen, auf dem sie saß.
Menea nahm ihren Trinkschlauch und ein Stück Stoff und machte sich daran, die Wunde zu reinigen. Das tat sie in einer Weise, die vermuten ließ, dass sie einige Erfahrung mit Verletzungen und deren Versorgung hatte. Trotzdem fing der Schnitt unter ihren Händen wieder an zu schmerzen, doch Satura biss die Zähne zusammen.
„Scaevol, hast du noch etwas von dem Branntwein?“, fragte Menea, ohne sich zu dem Jungen umzudrehen.
„Hm“, brummte der, „aber geh sparsam damit um“, und warf ihr einen kleinen Lederflachmann zu.
Menea entkorkte diesen und gab etwas von der klaren Flüssigkeit auf die Wunde.
„Das ist, damit der Schnitt sich nicht entzündet“, erklärte sie Satura, als sie deren verblüfften Blick bemerkte. „Der Alkohol reinigt die Wunde. Es kann sein, dass es ein wenig brennt.“
Menea teilte das Stück Stoff in mehrere längliche Streifen, damit umwickelte sie den Fuß und befestigte das Ganze mit einem Lederriemen.
„Schön und gut, aber was machen wir jetzt mit ihr?“, fragte Etru, der Satura keinen Moment aus den Augen gelassen hatte.
„Das werden wir sehen“, sagte Veturia und gähnte, „wer weiß, was der Morgen bringt. Wir sollten schlafen, morgen haben wir noch genug Zeit, uns Sorgen zu machen.
Hast du Gepäck?“, richtete sie sich an Satura.
„Mein Beutel liegt noch bei dem Baum…“, sagte Satura und wandte sich um.
„Ich hole ihn“, meinte Scaevol, sprang auf und verschwand im Halbdunkel des Waldes. Gleich darauf wurde Saturas Gepäck aus dem Dunkel heraus auf die Gruppe zu geschleudert, Menea fing den Beutel mit Leichtigkeit im Flug ab.
„Nicht gerade das Passende, um einsam umherzureisen und eine Nacht mitten im Wald zu verbringen“, sagte sie, nachdem sie einen Blick hinein geworfen hatte.
Satura wusste, dass sie Recht hatte, aber bei ihrem überstürzten Aufbruch hatte sie wohl kaum die Möglichkeit gehabt, groß zu packen. Und zurück in das Dorf und in das Haus, das sie mit so schrecklichen Erinnerungen verband, wollte sie auch unter keinen Umständen.

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