 | Chilenische Mineralien |  |
Verfasst am: 17.07.2007, 21:06 |
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| Michael Oestreicher |
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| Anmeldedatum | 15.04.2007 | | Beiträge | 9 | | Wohnort | Rosenheim |
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Chilenische Mineralien
Als ich den Fuß setzte
auf die Erde des Großen Nordens,
durchfuhr mich ein jähes Beben.
Das Gebirge erzitterte,
der Fels ächzte
auf schwankendem Grund.
Die Luft vibrierte,
ein machtvolles Brausen
kam von den Gipfeln herab.
Der Sturm zog vor mich her,
und eine Stimme rief:
Folge auf meinem Pfad!
Ich fühlte das Gestein pulsieren
in den Adern des Epidotit.
Die schwarze Pupille des Turmalin
schaute fragend zu mir auf.
Die grüne Iris des Kronquit
blickte mich fordernd an.
Da erscholl der Ruf:
Komm herunter von den Zinnen
der kupfernen Bergketten!
Tauche ein in das Leben
meiner Brüder, meines Volkes,
dort unten in meiner Stadt!
Vergeblich suchte ich dort
den Glanz des Metalls.
Sein Licht erlosch
im Staub der steilen Straßen.
Verlor sich in grauen Nebeln
zwischen Wellblech und Lehm.
Die Stimme führte mich zurück
zu den ehernen Thronen.
Stand mir treu zur Seite
in brennenden Einöde.
Ließ mich schauen den Zauber des Onyx,
den vollendeten Kristall aus Pyrit.
In lodernder Wand gedieh
die rote Blüte des Pathioklas.
Wuchs prall heran
die purpurne Frucht des Zinnober.
Bald der Fremde mahnte mich:
Geh fort in eine neue Stadt!
Auf hellem Coprit fielen Schatten
im furchigen Gesicht des Bergmanns.
Das fein polierte Silber floh
von seiner vernarbten Hand.
Und verdarb, ward scheel
in den sauren Schwaden der Fabrik.
Tiefer noch in Atacamas Feuer
geleitete mich der Ruf.
Die glühende Spur überquoll
vom gleißenden Salz.
Der Unsichtbare wartete nicht:
Brich auf in eine dritte Stadt!
Schwärze entstieg
ihrem zerissenen Antlitz.
Ein Tuch aus Asche
lag auf entblößten Baracken.
Der Strahl des Erzes
ging unter in der Finsternis.
Da stieß der Pfad
in das Herz des Landes,
in die Wüste des Salpeters.
Nach Äonen des Komas
dem Todesschlaf entrissen
einen Augenblick.
Laut rief die Stimme
zwischen verlassenen Werkshallen.
Schwoll an das Stakkato
unter zerfallenen Transformatoren.
Vervielfachte sich zu hundert Stimmen,
zu tausend, zu dreitausend.
Die einst hier schufteten für Plastikgeld,
bis eines Tages sich zusammenfanden:
Chilenen, Peruaner, Bolivianer,
Weiße, Mestizen, Aymarás.
Und singend nach Iquique zogen,
um dort zu fallen, um dort zu sterben.
Und die Dreitausend sprachen:
Geh heim zu deinen Brüdern,
Tue kund unser Leiden!
Entreiße dem Vergessen
unser Verlangen, unser Dürsten,
nach der Flamme der Gerechtigkeit! |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 18.07.2007, 06:27 |
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| hwg (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 24.04.2007 | | Beiträge | 3930 | | Wohnort | A 8786 Rottenmann |
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Der Text verrät Dein berufliches Wissen, welchem ich nicht zu folgen vermag. Wohl aber der sprachlichen Qualität, die mich anspricht.
Deine Homepage ist ebenfalls interessant.
Gruß aus der Steiermark! |
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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Poesie
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