autorenpool.info: Forum Für Books on Demand Autoren
Login    Mitglied werden    Suchen    Hilfe    Mitglieder    Startseite

Homepage der Autorin Vera Klee
Hier kostenlos werben?
buchpool: Unterstützen Sie unser Forum...

Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Prosa » Das zeitlich begrenzte Vorzugsangebot Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
Hier klicken, um Mitglied zu werden  Hier klicken, um Mitglied zu werden Ein wichtiger Spezi • Olivers Schwester

Das zeitlich begrenzte Vorzugsangebot

BeitragVerfasst am: 29.04.2008, 23:04
Versailles
 
Anmeldedatum22.05.2007
Beiträge650
WohnortHagen


Nachdem ich innerhalb weniger Tage wieder einmal drei dieser fürchterlichen Telefonate abbügeln musste, kam mir die Idee zu diesem kurzen Text. Bin gespannt, wie er auf euch wirkt - Koorektur/Feedback erwünscht. Lieben Dank thumb up


Das zeitlich begrenzte Vorzugsangebot

Weshalb rufen sie an, wenn ich absolut keine Zeit habe?

Wenn sich die Bügelwäsche bis unter das Kinn stapelt, wenn ich die Tür hinter mir zuziehen möchte oder wenn – wie gerade jetzt – „Highlander“ im Fernsehen läuft? Der Wäscheberg kippt auf das Bett, die Tür wird unsanft aufgestoßen und gerade jetzt taucht Sean Connery auf.

Weshalb eile ich zum Hörer, wenn ich etwas Wichtiges zu tun habe? Nun, es könnte jemand sein, der mir noch etwas Wichtigeres mitzuteilen hat als die Information, dass es nur Einen geben kann. Ich nehme den Hörer aus der Basisstation, melde mich – leicht genervt – mit meinem Nachnamen und … warte. Mein Blick ist auf die Mattscheibe gerichtet. Dann. Plötzlich. Eine Stimme. Aufgekratzt. Gekünstelt. Sie sagt fünf Worte: „Spreche ich mit Nadine Schmitz?“
Meine erste Reaktion: „Nein, dies ist der Anrufbeantworter. Bitte piepsen Sie nach den Sprech.“ Doch die Reflexe siegen und statt einer abgedroschenen Phrase antworte ich „Am Apparat.“
„Schön, dass ich sie gleich erreiche.“ Schön ist anders, denke ich, während meine Stimmbänder ein Ja formen und die Buchstaben über die Lippen in den Hörer jagen. Verräter. Schön ist der Film, dessen Vorstadtkulisse einer imposanten Kamerafahrt über die Highlands weicht.
„Sie haben an einem Gewinnspiel teilgenommen. Dazu drücke ich Ihnen die Daumen.“
„Ohje, und deshalb rufen Sie mich an?“ Ich möchte das Gespräch unterbrechen. Jetzt.
„Nicht nur“, antwortet die Stimme. Meine Gedanken sind bei Heather und bei Connor McLeod.
„Um Ihnen die Zeit bis zur Gewinnvergabe zu verkürzen, darf ich Ihnen heute ein Geschenk zusenden.“
„Okay“. Connor hält seine Heather in den Armen und nimmt ihr das Versprechen ab, jedes Jahr eine Kerze in ihrem Gedenken zu entzünden. Heather wird sterben, während ihr Highlander solange lebt, bis ihm jemand den Kopf von den Schultern trennt.
„… eine Zeitschrift“, sagt die Stimme. „Zwei Monate kostenlos. Wäre das etwas für Sie?“
Ich schüttele den Kopf, doch das kann er nicht hören. Ich sage Ja.
„Welche Zeitschrift darf es sein? Lesen Sie gern?“
Was für eine blöde Frage ist das denn? Zu spät bemerke ich, dass ich laut gedacht habe. Die Stimme reagiert prompt. „Natürlich. Entschuldigen Sie. Wie wäre es mit einer Fernsehzeitschrift?“
F e r n s e h z e i t s c h r i f t ? Ich presse die Lippen aufeinander, um den nächsten Gedanken um jeden Preis bei mir zu behalten. „Ich sehe kaum fern“, erwidere ich. Dauernd ruft jemand an und stört, denke ich. Freddie Mercury singt „Who wants to live forever?“
„Oder wie wäre es mit einer Frauenzeitschrift?“ säuselt die Stimme.
Der Goldene Schuß? Frau im Koma? Mist. Ich habe schon wieder laut gedacht!
„Nein, diese Hefte haben wir nicht. Aber…“
„Lassen Sie es gut sein“, unterbreche ich ihn. „Gartenpflege. Etwas Historisches. Haben Sie so etwas im Programm?“ Ein paar Sekundenlang ist es still in der Leitung.
„Ja. Also, wir senden Ihnen die Zeitschrift ein Jahr lang zu. Zwei Monate sind kostenlos. Kann ich jetzt bitte ihre Bankverbindung haben?“
„Moooment“, bremse ich den übereiligen Kollegen. „Nicht so hastig. Wofür bitte brauchen Sie meine Bankverbindung?“ Connor McLeod muss jetzt ohne mich kämpfen. Meine Konzentration gilt dem Gesprächsnerver an der anderen Leitung.
„Sie erhalten das Vorzugsangebot für ein Jahr. Plus zwei weitere Monate umsonst. Für die Abbuchung benötige ich die Bankdaten.“
„Ich will kein Abo!“ Meine Stimme ist fest und spiegelt meine unbeugsame Überzeugung.
„Aber das ist doch kein Abonnement.“ erwidert die Stimme sofort. „Es ist ein zeitlich begrenztes Vorzugsangebot.“ Ich lache in den Hörer. Kurz, knapp und knackig. Ha! Haha. Das muss reichen.
„Ich will kein Vorzugsangebot“, sage ich und beginne, im Wohnzimmer auf und abzugehen. Bewegung baut angeblich Streß ab.
„Ich könnte Ihnen statt der Gratishefte ein Handy schenken, Frau Schmitz.“ Die Stimme gibt nicht auf.
„Okay“, sage ich.
„Und die Zeitschrift für sechs Monate. Sie müssen nicht kündigen. Das Vorzugsangebot endet automatisch. Sie erhalten in drei Wochen ein Schreiben, in dem noch einmal alles notiert ist, was wir heute besprochen haben und …“
„Ich will kein Abo!“
„Das ist kein Abonnement“, wiederholt die Stimme. „Vergessen Sie das Wort. Streichen Sie es jetzt aus ihrem Wortschatz. Es ist ein zeitlich begrenztes Vorzugsangebot.“
„Auch das will ich nicht.“ Ich klinge hoffentlich so verärgert, wie ich mich inzwischen fühle.
„Wollen Sie wirklich auf die Gelegenheit verzichten?“ Ich presse wieder die Lippen aufeinander. Ja, ich verzichte auf die Gelegenheit, Connor McLeod das Schwert zu entreissen und die Nervensäge hinzurichten. Ich verzichte darauf, die Stärke dieses Gegners zu absorbieren.
„Ich kann auch darauf verzichten“, erwidere ich. „Entweder erhalte ich mein Geschenk, von dem Sie sprachen, oder das Gespräch ist beendet.“
„Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.“ Die Stimme klingt geschäftig und im nächsten Moment ist das Gespräch tatsächlich unterbrochen. Ich starre auf den Hörer. Mit weit aufgerissenen Augen. Mein Mund steht offen. Tonlos. Der Film ist ebenfalls unterbrochen. Von einem Werbeblock.

„Greifen Sie sofort zu – rufen Sie jetzt an – nur noch wenige Exemplare erhältlich – lassen Sie sich die einmalige Chance nicht entgehen …“

Jetzt reicht’s!
Es wird für mich nur noch Einen geben: diesen Abend, ohne Störung. Ich knipse den Fernseher aus, ziehe den Telefonstecker, schalte das Handy ab und versinke in der Badewanne. Das ist keine Mogelpackung mit den ersten 20 Litern umsonst und den Weiteren auf Raten, und zeitlich begrenzte Vorzugsangebote in Gestalt einer Tafel Schokolade unterbreite ich mir am liebsten selbst.

© Amalia Koslowski
April 2008

_________________
"carpe diem, quam minimum credula postero"
(Horaz, 65-8 v. Chr.)

www.comtesse-heloise.de

www.diecomtesse.blogspot.com

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 29.04.2008, 23:42
Judith
 
Anmeldedatum05.08.2007
Beiträge1719
WohnortSchwobaländle


Mitten aus dem Leben! Confused Laughing
Der letzte Satz gefällt mir persönlich irgendwie nicht so recht, passt m.E. nicht so gut zum sonst eher knackigen Stil.

Grüßle,
Judith

_________________
Du willst mehr wissen? Bitte hier - meine Website.

@ Judith

BeitragVerfasst am: 30.04.2008, 08:12
Versailles
 
Anmeldedatum22.05.2007
Beiträge650
WohnortHagen


Danke dir.
Zitat:
Der letzte Satz gefällt mir persönlich irgendwie nicht so recht, passt m.E. nicht so gut zum sonst eher knackigen Stil.
Habe den Text gerade mit der Distanz einer Nacht gelesen und stimme dir zu. Er wirkt so ... naja ... wie der letzte Satz, den man getrost streichen kann.

Nach einiger Überlegung präsentiere ich ein neues Ende:
Zitat:
Es wird für mich nur noch Einen geben: diesen Abend, ohne Störung. Ich knipse den Fernseher aus, ziehe den Telefonstecker, schalte das Handy ab und versinke ohne Connor McLeod in der Badewanne.

_________________
"carpe diem, quam minimum credula postero"
(Horaz, 65-8 v. Chr.)

www.comtesse-heloise.de

www.diecomtesse.blogspot.com

BeitragVerfasst am: 30.04.2008, 09:09
mtg
 
Anmeldedatum04.02.2008
Beiträge568
WohnortBerlin


thumb up thumb up thumb up

Köstlich - wie treffend beschrieben! Ich habe mir ja angewöhnt, ab einer bestimmten Uhrzeit zu sagen, dass es mich nicht mehr gibt - und tagsüber frage ich die Leute einfach so lange nach ihrer Telefonnummer (die ja nicht angezeigt wird), bis sie entnervt aufgeben. Denn mit einer Telefonnummer kann man rechtlich gegen diese Art von (verbotenen) Anrufen vorgehen.

Aber in einem Punkt gebe ich Dir recht: Die Badewanne ist und bleibt das Vorzugsangebot der Wahl... Smile

_________________
Beste Grüße, Matthias

Die Würde des Menschen ist unfassbar.

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 30.04.2008, 09:30
Fabula
 
Anmeldedatum09.01.2008
Beiträge128
WohnortArnsberg


Guten Morgen Versailles!

Danke für die amüsante Erzählung.

Im zweiten Absatz steht kurz hintereinder zweimal "etwas Wichtiges".
Bei bremse den "übereiligen Kollegen" gefällt mir das Wort "Kollege" in diesem Zusammenhang nicht besonders gut. Ansosnten super!

Gruß
Fabula

_________________
Von allen Geistern die verneinen,
ist mir der Schalk am wenigsten zur Last
(Goethe, Faust I)
www.leichte-feder.de

BeitragVerfasst am: 30.04.2008, 12:01
Bärentante
 
Anmeldedatum30.05.2007
Beiträge619
Wohnortbei Frankfurt/M.


So ein Anruf hat mich heute aus dem Bett geholt. Boah, ich hätte den Kerl umbringen können. Twisted Evil

Der Text gefällt mir sehr, nur mit dem Titel habe ich Probleme, der klingt so "nüchtern".

_________________
Liebe Grüße
Christel

BeitragVerfasst am: 30.04.2008, 12:19
Birgit Fabich
 
Anmeldedatum23.10.2007
Beiträge733
WohnortFüchtorf


ich finde den Text klasse,
jeder kennt diese Anrufe anscheinend

vor allem finde ich es nett, wenn ich - mit vollem Namen gemeldet -
gefragt werde ob ... da ist.
Dann sage ich nein, und daß ich nicht wüßte, wann sie wieder da ist, ob ich ihr etwas ausrichten könnte....
Auf der einen Seite tun mir die Leute zwar leid, sie haben einen S.job, aber auf der anderen Seite finde ich die Belästigung schier unerträglich. Twisted Evil

Die sache mit der Telefonnummer finde ich klasse, werde ich mal austesten.
Gruß Birgit cheezy grin

_________________
www.birgitfabich.de
www.blix-derneueselbstverlag.de

BeitragVerfasst am: 30.04.2008, 12:25
skipteuse
 
Anmeldedatum30.05.2007
Beiträge509
WohnortPotsdam


Ich find deinen Text sehr unterhaltsam. Meine Lieblingsstelle: " Der Goldene Schuß? Frau im Koma?" Supi ,-))!!

Besten Gruß, babs

_________________
www.hunde-buch.com
www.blog-haus.com

BeitragVerfasst am: 30.04.2008, 13:08
Claire
 
Anmeldedatum07.12.2007
Beiträge453
WohnortBochum


Amalia thumb up thumb up

Wirklich mitten aus dem Leben!
Bei mir haben sich diese Anrufe stark minimiert. Irgendwie mögen die mich nicht mehr. angle cheezy grin
Stark finde ich auch die Typen, die so unvermittelt an der Tür stehen. Ich hatte mal so'n Tattergreis hier, der mich fragte, ob ich Alice kennen würde. Ich beantwortete die Frage höflich mit ja, aber die würde im Fernsehen doch reichlich anders aussehen. Ich weiß nicht warum, aber er machte auf dem Absatz kehrt. angle

LG Claudia

_________________
LG Claudia
Jede Katze ist ein kleiner Druide! Sie leben im Hier und Jetzt. Wir sollten uns ein Beispiel daran nehmen! Wir müssen ja nicht unbedingt schnurren.

BeitragVerfasst am: 30.04.2008, 13:09
Versailles
 
Anmeldedatum22.05.2007
Beiträge650
WohnortHagen


Lieben Dank für Euer Feedback.

@ Christel, was könnte dir als Titel besser gefallen? Ich glaube, das Wort "Vorzugsangebot" oder "Das Vorzugsangebot" kann als Titel reichen? Ich wollte nicht zuviel vorweg nehmen Wink

@ Fabula:
Zitat:
Im zweiten Absatz steht kurz hintereinder zweimal "etwas Wichtiges".
Das erste "Wichtiges" werde ich ersatzlos streichen, obwohl es eigentlich eine Steigerung sein sollte.

Zitat:
Bei bremse den "übereiligen Kollegen" gefällt mir das Wort "Kollege" in diesem Zusammenhang nicht besonders gut.
bremse ich den übereiligen Telefonisten/Mitarbeiter/Angestellten?
Zitat:
Ansosnten super!
Danke.

@ Matthias, dein Tip ist klasse - den probiere ich gleich mal aus. Wann rufen die denn wieder an??? Wink Very Happy
Ich finde, bei solchen Anrufen kann man sich nur noch ärgern oder einfach nicht mehr ernst bleiben.

Aus dem Nähkästchen: neulich wollte jemand meinen Mann sprechen, der tatsächlich nicht da war. Auf meine (noch) höfliche Rückfrage, worum es ginge, wurde geantwortet, die Info sei nur für ihn. Darauf habe ich "der Stimme" gesagt, und dass ich seine Ehefrau sei und sie müsse schon an mir vorbei, wenn sie auch nur ein Wort mit meinem Mann wechseln wolle.
Mein persönlicher Rekord: Ein Anruf kam abends um 21:45 Uhr. Da habe ich wortlos wieder aufgelegt und nachträgliches Klingeln ignoriert.

Die jeweils korrigierte Fassung findet ihr übrigens im Blog www.diecomtesse.blogspot.com

Herzlichst
Amalia


Zuletzt bearbeitet von Versailles am 30.04.2008, 13:21, insgesamt einmal bearbeitet

_________________
"carpe diem, quam minimum credula postero"
(Horaz, 65-8 v. Chr.)

www.comtesse-heloise.de

www.diecomtesse.blogspot.com

@ Babs und Claire

BeitragVerfasst am: 30.04.2008, 13:20
Versailles
 
Anmeldedatum22.05.2007
Beiträge650
WohnortHagen


@ Babs,
Zitat:
Supi ,-))!!
das war ein sehr heller Moment cheezy grin Ich bin wahrlich keine Freundin dieser "Frauenmagazine" mit (Zitat eines Telefonisten) "geheimen Einblicken in die Welt der Stars". Mich beschleicht da immer die Sorge, ich könnte nach der Lektüre eines Heftes weniger IQ als eine Scheibe Toastbrot haben. Ich hoffe, ich trete hier niemandem auf die Füße angle

@ Claire:
Zitat:
Ich hatte mal so'n Tattergreis hier, der mich fragte, ob ich Alice kennen würde. Ich beantwortete die Frage höflich mit ja, aber die würde im Fernsehen doch reichlich anders aussehen
LACH cheezy grin cheezy grin der war gut!!! cheezy grin

_________________
"carpe diem, quam minimum credula postero"
(Horaz, 65-8 v. Chr.)

www.comtesse-heloise.de

www.diecomtesse.blogspot.com

BeitragVerfasst am: 30.04.2008, 18:44
g.c.roth (Moderator)
 
Anmeldedatum01.05.2007
Beiträge1101
WohnortEmden


Hallo Amalia,
sehr schön! Dein Text gefällt mir sehr gut, haben wir ja alle mit zu kämpfen cool silber

Ich ärgere mich eigentlich nicht mehr über diese Anrufe. Wenn ich Zeit habe, dann lasse ich mich richtig lange beraten bevor ich dankend ablehne. Mit einem Telefonterroristen, der angeblich gern in Ostfriesland Urlaub macht, hatte ich über Monate hinweg immer wieder lustige Gespräche - es fiel mir schon auf, wenn er mal zwei Wochen nicht anrief - irgendwann hat er dann doch aufgegeben - oder seinen Job verloren, keine Ahnung.

Gut kommt auch immer bei Zeitschriftenwerbung, wenn man sagt, dass man Analphabet ist.

Einem Staubsaugervertreter, der mir kostenlos einen Teppich saugen wollte, habe ich eine Fußmatte zu Vorführzwecken gegeben (Bei mir ist alles zum Wischen). Macht inzwischen viel Spaß so etwas!

LG Grete

_________________
Was nur der Totengräber weiß: http://www.wortschmiede-roth.de (nicht unbedingt ein Mitbringsel für den Muttertag)

BeitragVerfasst am: 30.04.2008, 19:51
chiquitita
 
Anmeldedatum21.09.2007
Beiträge249
WohnortAllgäu


thumb up thumb up Amalia,
genau diesen Gedanken hatte ich auch schon einmal zu einer Glosse, die auch veröffentlicht wurde, verarbeitet. Hier die Geschichte, und noch ein paar Argumente zum Abwimmeln:

Ruft mich nicht an !

Werden Sie auch des öfteren von unbekannten Leuten angerufen, die Ihnen irgendetwas verkaufen wollen? Wie eine Epidemie breiten sich in den Telefonnetzen die anonymen Anbieter von Dienstleistungen jeder Art aus. Meine Freundin Inge meinte, sie würde immer sofort auflegen, wenn sie ungebetene Anrufer belästigten. Das mache ich nicht. Vielleicht bin ich zu gut erzogen. Ich stelle mir bei diesen Anruferinnen (denn es sind sehr oft Frauen) immer ein armes Geschöpf vor, das vom Ehemann verlassen wurde und nun verzweifelt an ihrem Küchentisch sitzt und fremde Leute anruft, um mühsam ein paar Euros zu verdienen. Ich hatte schon sehr nette Gespräche auf diese Weise. Zum Beispiel, die nette Dame, die mir ein Lotterielos schmackhaft machen wollte und mich sogar damit lockte, dass ich eventuell zu Günter Jauch ins Fernsehen kommen und fünf Millionen Euro gewinnen könnte. Ihr blieb, glaube ich, die Sprache für ein paar Sekunden weg, als ich sagte: „Bloß nicht!“ Ich erklärte ihr, dass sie damit mein Leben zerstören würde. Alle Leute, die mich im Fernsehen gesehen hätten, würden dann Geld von mir haben wollen. Freundschaften würden zerbrechen, Familienbande zerstört werden. Nein, Danke. Selbst ihre gut einstudierten und von Psychologen durchdachten Argumente konnten mich nicht überzeugen. Ich will arm bleiben und meinen Seelenfrieden behalten. Das ist vielleicht unverständlich, wenn man abends am Küchentisch sitzt und für ein paar Euros wildfremde Menschen anrufen muss.
Die freundliche Frau, die mir ein Abonnement für eine Fernsehzeitschrift verkaufen wollte, spulte ihren Text gebetsmühlenartig herunter und endete mit der Frage: „Das wäre doch sicher etwas für Sie. Die Zeitschrift XY für nur 55,90 Euro im Jahr“. Ein Satz genügte, um sie sprachlos im Regen stehen zu lassen. „Ich habe gar keinen Fernseher“, sagte ich. Das stimmt zwar nicht, aber welches Gegenargument hätte sie da noch bringen sollen?
Ein Unternehmensberater ging die Sache – oder besser gesagt, mich – ganz forsch an. „Sie möchten doch sicher auch Steuern sparen?“ war seine provozierende Frage. Wer möchte das nicht, aber irgendwie war ich an jenem Tag nicht zu einem freundlichen Gespräch bereit, weil er bereits der Dritte war, der mir in dieser Woche meine Zeit raubte. Es kam mir also gerade gelegen, meinen Frust an ihm abzureagieren. „Hören Sie mal, wo kämen wir denn hin, wenn jeder nur Steuern sparen wollte. Der arme Finanzminister weiß nicht, wie er den Staatshaushalt in den Griff bekommen soll und Sie wollen mich dazu animieren, unseren Staat zu ruinieren. Wer soll denn bitteschön den Straßenbau finanzieren oder Schulen und Kindergärten unterhalten? Wie war doch bitte noch mal Ihr Name?“ Er hat aufgelegt und ich bin sicher, er wird noch in zehn Jahren an seinem Stammtisch von dieser Irren erzählen, die ihn total vollgequatscht hat. Mich hat er mit Sicherheit von seiner Liste gestrichen.

_________________
Es kommt mir alles spanisch vor
hier geht's zu meiner Homepage

BeitragVerfasst am: 30.04.2008, 20:28
mtg
 
Anmeldedatum04.02.2008
Beiträge568
WohnortBerlin


lol @ Uschi...

Noch ein Tipp: Wenn Euch jemand ein Steuersparmodell oder eine todsichere Investition oder so etwas verkaufen will, fragt ihn doch einfach, mit wieviel Kapital er/sie selbst beteiligt ist und welche Erfahrungen er/sie weitergeben kann. Üblicherweise kommt ein "Also iiicccchhhhhh kann mir das gar nicht leisten" - worauf ich antworte "Ich nämlich auch nicht...."

_________________
Beste Grüße, Matthias

Die Würde des Menschen ist unfassbar.

BeitragVerfasst am: 30.04.2008, 23:09
Versailles
 
Anmeldedatum22.05.2007
Beiträge650
WohnortHagen


Ihr seid ja alle richtig goldig cheezy grin

Zitat:
Gut kommt auch immer bei Zeitschriftenwerbung, wenn man sagt, dass man Analphabet ist.
Wink

Zitat:
Zum Beispiel, die nette Dame, die mir ein Lotterielos schmackhaft machen wollte und mich sogar damit lockte, dass ich eventuell zu Günter Jauch ins Fernsehen kommen und fünf Millionen Euro gewinnen könnte.
das habe ich mal erlebt! Ich hatte damals wohl einen besonders hellen Moment und immer wieder gesagt, dass ich den Kerner noch nie leiden konnte. Irgendwann ist die Dame am tel. verzweifelt bei dem Versuch mir zu erklären, welche Sendungen Jauch und Kerner machen.

Ich glaube, es wirkt auch, wenn man während des Telefonats irgendwelche Sätze nach hinten ruft: "Schatz, lässt du wohl die Handschellen dran. Ich komme ..." - "Brutus, lass' den Postboten los. Neeeein, nicht schon wieder an die Kehle....". Dagegen ist die Trillerpfeife Kindergarten Wink

Ich wünsche euch allen einen telefonstörungsfreien 1. Mai!

Danke auch für alle bisherigen Tipps, Korrekturhilfen und Empfehlungen!!

Herzlichst
Amalia

_________________
"carpe diem, quam minimum credula postero"
(Horaz, 65-8 v. Chr.)

www.comtesse-heloise.de

www.diecomtesse.blogspot.com
Das zeitlich begrenzte Vorzugsangebot
  Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Prosa
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde  
Seite 1 von 2  
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter