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BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 10:30
matthiasgerschwitz
Gast
 


SandraR hat Folgendes geschrieben:
@Matthias, Glauben gehoert in die Kirche:)warum solltest Du mir also irgendetwas "glauben muessen"Smile)). Natuerlich hast Du das Recht RTL zu schauen und Bloed zu lesen und ich aber das Recht dies unertraeglich zu finden. Nennt sich dann Demokratie.


Ach Sandra - diesen Beitrag muss ich komplett zitieren, weil ich mich herzlich amüsiert habe. Bitte lies mein Posting noch einmal und antworte erst, wenn Du es verstanden hast, okay?

Alles wird gut.
Matthias

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 10:35
Zoba
 
Anmeldedatum23.11.2007
Beiträge1296
WohnortSüden


Hi,

@Arno:

Dich habe ich sicher nicht als Einzelperson gemeint, sondern bereits die Diskussion und ihre generelle Tendenz an sich. Diese schlägt, wiegesagt meiner Erfahrung von mehreren Jahrzehnten Ausland nach, im Ausland ganz einfach mehrheitlich eine andere Richtung ein. Auf das Thema U vs. E kommt sie mit solcher Häufigkeit nur im deutschsprachigen Raum. Wie die einzelnen Diskutanten zu U oder E stehen, das spielt dabei eigentlich keine Rolle.

Wenn - übrigens - dann wäre es der Gegensatz zwischen "rationalem deutschen Denken" und "irrationalem westlichen". "Ernste" Literatur würde ich nicht der Irrationalität zuordnen. Ich glaube jedoch kaum, daß dies etwas mit Rationalität des Denkens zu tun hat, sondern eher mit Dünkel und/oder mit verquaster Moral.

@SandraR:

Postman hat, teilweise, Recht. Ob er dies aufgrund der korrekten Annahmen hat, steht auf einem anderen Blatt. Seine generelle Technikkritik ist auf jeden Fall überholt, ebenso seine Einseitigkeit.

Allerdings steht in meinen Augen jemand, der Konsalik liest, sicherlich weit entfernt von jemandem, der tagein-tagaus Privatsender sieht.

Über Konsaliks sprachliche Fähigkeiten kann man sich streiten (es liegt mir eher fern, ihn hier zu verteidigen), seine Themen und deren exakte Ausarbeitung aus der eigenen, zwiespältigen Erfahrung heraus, gehören dennoch eigentlich garnicht zum Leichtfuttrigen und sind auch nicht das, was man trivial bezeichnen könnte. Für die Kriegsgeneration war er nicht wirklich leicht zu lesen.

Es erschreckt auch mich, was das Ergebnis reinen TV-Konsums, abseits weiterer Informationsquellen, ist, insbesondere da zwischenzeitlich auch unser Fernsehen, selbst das ö-r, desinformativ und gleichgeschaltet daherkommt. Zusätzlich sind die Sendungen vor 20.00 selten an Schwachsinn zu überbieten und arbeiten eher auf eine Art geistigen Diabetes hin, denn tatsächlich echte Unterhaltung. Ich halte dies jedoch für Absicht und nicht Bedienung oder reinen Gelderwerb.

@Julia und Gerd:

Ich stimme Gerd zu, hierbei handelt es sich um Zensur, die in meinen Augen übrigens stetig zunehmend um sich greift, auch innerhalb der Kunst.

Bzgl. des Urteils gegen Billers Buch sehe ich jedoch weniger das Thema Erotik an sich tangiert, sondern den speziellen Fall, daß Biller - bei heutiger Gesetzgebung zum Schutz der Persönlichkeitsrechte - diese verletzte bzw. die Richter der Auffassung waren, er habe dies getan. Ich halte dies für eine andere Baustelle.

@matthias:

Wo Postman Weitblick zeigt, ist bei Betrachtung jener zu sehen, die nur oder weitgehend ausschließlich das Medium Fernsehen benutzen und diese Gruppe ist heute größer denn je. Sie sind propagandistisch beeinflußbarer denn je. Sind sie in der Lage, Kurse zur geistigen Selbstverteidigung, z.B. an den Volkshochschulen, zu belegen? Da liegt des Pudels Kern einer seiner Aussagen, der etwas umfassender begründet auch von anderen zugestimmt wurde.

Seine Stoßrichtung war einseitig, aber nicht bar der Wahrheiten, was wir über die Augen aufnehmen, das hat - und das ist egal wie man zu Postman steht unbestritten - eine weit größere Gewichtung, als das was wir über unsere anderen Sinne aufnehmen. Wäre dem nicht so, gäbe es auch keine Bestrebungen, klapperdünnen Models den Job zu verbieten.

In diesem Zusammenhang: Glaubst du, daß sich die ehemals zwei höchsten Gebäude der Welt so perfekt wie bei einer kontrollierten Demontage in ihre Sockel zusammenfalten konnten, obwohl spätestens der Einsturz des ersten für nicht identische statische Verhältnisse für das zweite sorgte? Welchen Einfluß auf die Annahme, daß dies möglich, ja völlig natürlich sei, hatten die Bilder die du davon gesehen hast?

_________________
Gruß,

Zoba

-----------
"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky

BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 11:29
PvO
 
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Laura hat Folgendes geschrieben:
Wenn es um Erotik ging, ist es nur logisch, dass der Lektor eine volljährige Protagonistin verlangt hat.
Laura, da bist du aber sehr wenig belesen. Sieh dich um, in der erotischen Literatur, dann bist du schlauer.
Was wird dann aus einem Stoff, wo ein Autor schildert, wie eine 14 o. 15-jährige ihren Körper und die Lust entdeckt und der Verleger/Lektor verlangt, dass man da eine 18-jährige draus macht. Dann kann man den Titel auch gleich ändern in: „Die Spätzünderin" und damit wird die ganze Story unglaubwürdig. Das sexuelle Einstiegsalter geht doch immer weiter zurück. Sex unter 18 ist doch heute eher die Normalität als denn die Ausnahme. Ich gehe mal davon aus, dass diese Jugendlichen weder ihre Eltern noch die Politiker fragen werden.
Wieso logisch?
Das ist kein Lektor, sondern ein Zensor! 100 Punkte, Gerd.
gemäß derer es sogar strafbar sein soll, wenn man darüber schreibt, dass Minderjährige miteinander Sex haben etc. Julia, du hast ja schon die Richtung des Schrittes angedeutet. Ich würde vorschlagen, dass man denen, die das erwarten und verlangen, ihre Telefone und Handys wegnimmt. Sie können ihre Nachrichten dann trommeln...

_________________
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BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 11:37
hwg (Moderator)
 
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Ein Unterschied besteht allerdings: Jeder hat das Recht, einen ihm als Pornografie erscheinenden Text, sobald darin ein strafrechtlich relevanter Tatbestand geschildert wird, zur Anzeige zu bringen. Dann hat ein Richter das Wort (bei uns gibt es dafür eigene "Presserichter").

Es gibt eben Redaktionen und Verlage, die aus lauter Vorsicht das Risiko einer möglichen Verurteilung hintanhalten wollen. Denn sobald eine Veröffentlichung im Druckverfahren vorhanden ist, trägt der (allerdings "richtige") Verleger für den Textinhalt die Hauptverantwortung.
Lediglich bei BoD-Produkten und Druckkostenzuschussunternehmen bleibt
diese dem Autor vorbehalten.

Das hat nichts mit Zensur im herkömmlichen Sinn zu tun, allerdings mit einer angesichts der Praktiken unter jungen Leuten offenbar veralteten Gesetzgebung.

Verfasst am:
 


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BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 11:45
PvO
 
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Genau so sehe ich das auch, hwg. Ich hab jetzt mal `n bisschen gestöbert und wurde fündig.
Zitat:
die Frage wird in den §§ 174, 176 und 182 des Strafgesetzbuches eindeutig beantwortet.
Das Schutzalter liegt bei 14 Jahren (Kinder).
Sexuelle Kontakte mit 14- bis 16-järigen (Jugendlichen) sind nur strafbar, wenn sie unter Ausnutzung einer Zwangslage, gegen Entgelt oder unter Ausnutzung der fehlenden Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung geschehen.
Bei Jugendlichen über 16 Jahren sind sexuelle Handlungen nur noch strafbar, wenn es sich um sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen handelt.

Somit war also das Umschreiben völlig sinnlos und mein damaliger Protest berechtigt. Ich vermute mal, dass einige Verleger da auf Nummer sicher gehen wollen, andere sehen das wohl nicht so eng. So erklärt sich auch das Vorhandensein entsprechender Literatur.

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BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 11:48
hwg (Moderator)
 
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Das Schutzalter ist jedoch in vielen Ländern unterschiedlich, bei uns sind es 17, im Vatikan zwölf Jahre... Laughing
Und da Bücher aus D auch exportiert werden, kommt das Recht im jeweiligen Land zur Anwendung.
Gibt es in D eigentlich noch die "Prüfungskommission" für sexuelle oder gewaltverherrlichende Schriften?

BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 11:59
PvO
 
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Zitat:

Gibt es in D eigentlich noch die "Prüfungskommission" für sexuelle oder gewaltverherrlichende Schriften?

Bin mir nicht sicher, würde aber eher denken, dass es sie nicht mehr gibt. Könnte mir vorstellen, dass man das auf die Verlage abgewälzt hat und das daher diese übertriebene Vorsicht herkommt.

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BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 12:09
hwg (Moderator)
 
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Bei uns gibt es noch so etwas wie eine "Prüfungsstelle für jugendgefährdende Schriften", die von einer katholischen
Kommission besetzt ist, allerdings ohne rechtsverbindlichen
Charakter.

Soviel ich weiß, werden die von ihr ausgehenden
Empfehlungen nur noch von wenigen Verlagen befolgt.
Und Verlage mit christlichem Hintergrund machen ihr Ge-
schäft ohnehin nur mit Büchern "frommen" oder wertkonser-
vativen Inhalten (wogegen ja überhaupt nichts zu sagen ist Laughing ).

Die manchmal angeheizte Hysterie hinsichtlich erotischer
und/oder pornografischer Literatur ist ohnehin schwachsinnig,
schließlich wissen schon Kids heutzutage viel mehr über
Sexualität als früher ein (auch "abgebrühter") Erwachsener
auch nur zuzugeben bereit war. Oder liege ich total falsch?

BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 12:12
PvO
 
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Zitat:
Oder liege ich total falsch?

Das ist genau das, was ich oben gemeint habe, mit Einstiegsalter und so.

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BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 12:14
matthiasgerschwitz
Gast
 


hwg (Moderator) hat Folgendes geschrieben:
... schließlich wissen schon Kids heutzutage viel mehr über Sexualität als früher ein (auch "abgebrühter") Erwachsener
auch nur zuzugeben bereit war. Oder liege ich total falsch?

Überhaupt nicht - allerdings mit einem kleinen Unterschied.
Die Kids heute wissen mehr von der Technik der Sexualität, aber weniger von den damit potenziell verbundenen Gefühlen...

Matthias

BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 12:18
hwg (Moderator)
 
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Matthias, da kann ich Dir beipflichten.
Doch an Gefühlen mangelt es oft
auch bei den "Großen", oder ? Wink

Andererseits gibt es Jugendforen,
in denen Sexualität oft überraschend
"gefühlvoll" - und natürlich auch
fragend - zum Ausdruck kommt
(falls die jeweiligen Altersangaben
der User zutreffen).

BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 12:19
PvO
 
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...und Gefahren.

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BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 12:21
hwg (Moderator)
 
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...so wie das Leben nun mal spielt.
Wie hat Kästner so schön geschrieben? Laughing

BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 12:22
matthiasgerschwitz
Gast
 


Kästner schreibt IMMER schön ... thumb up

BeitragVerfasst am: 28.12.2007, 12:22
julia07
 
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Beiträge1252
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@ Zoba

Bei dem Beispiel "Biller-Urteil" ging es mir natürlich nicht um seine Beschreibung von Erotik, sondern um dem Umstand, dass man das mit dem Persönlichkeitsrecht seitens Justiz offenbar in Zukunft sehr viel restriktiver handhaben wird, was für jede Art von Autoren Kosequenzen haben kann.

LG, Julia

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