Autoren - Forum Für Books on Demand bzw. BOD Autoren
Login    Mitglied werden    Suchen    Hilfe    Mitglieder    Startseite

Hier kostenlos werben...
Hier kostenlos werben?
buchpool: Buchshop für Autoren...

Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Prosa » Der Jäger
Hier klicken, um Mitglied zu werden  Hier klicken, um Mitglied zu werden Wie machen das die Chinesen? Satire • Über-Leben, Glosse

Der Jäger

BeitragVerfasst am: 06.06.2007, 00:00
Joana
 
Anmeldedatum26.05.2007
Beiträge129
WohnortWien


Der Jäger


Sie fuhr die Küstenstrasse entlang und bewunderte wieder einmal die herrlichen Klippen und die dunkle Farbe des Meeres.
Nach der Biegung tauchte das kleine Dorf auf. In jedem Jahr veränderte sich etwas, nichts Gravierendes oder Entscheidendes: Es entstanden kleine neue Häuser mit einem Vorgarten davor oder in einem der Gärten wurde ein Pool eingebaut.
Sie freute sich auf die Ruhe und Besinnlichkeit. Die Hektik der Großstadt hatte sie hinter sich gelassen und nur ein paar Bücher und einige CDs mitgenommen.
Sie fuhr die Hauptstraße entlang und entdeckte bekannte Gesichter. Doch heute wollte sie noch keinen Kontakt aufnehmen, sondern vorerst in aller Ruhe ihre Sachen ins Haus bringen und sich den ersten Abend „einwohnen“. Das bedeutete, alle Dinge an ihren Platz stellen; die Stühle und kleinen Möbelstücke wieder so zu rücken, dass man es gemütlich hatte; die Bett-Decken entlüften und auf den Balkon hängen und sich bei einer Tasse Tee und einem guten Buch für die erste Nacht vorbereiten.
Als sie von der Hauptstraße abbog, sah sie IHN.
Er stand am Gehsteig. Als er ihrer ansichtig wurde, lächelte er und nickte ihr zu. Sie fuhr weiter, ohne sein Lächeln zu erwidern und spürte, wie ihr das Blut in den Kopf stieg.
Die Ampel vor ihr sprang auf Rot; Sie musste scharf bremsen.

Vor drei Jahren hatte es begonnen.
Damals hatten sie einander das erste Mal gesehen, in einem Lokal an der Küstenstraße. Sie war mit einer größeren Gesellschaft zum Essen gekommen. Er saß bereits da, umgeben von einigen Freunden. Ihre Blicke begegneten sich und kreuzten sich von da ab immer wieder. Er lächelte ihr offen zu, sie deutete ihr Lächeln nur an, doch er intensivierte Blicke und Lächeln.
Die Gesellschaft um ihn löste sich allmählich auf und schließlich verließ auch er das Lokal. Doch sie konnte sehen, dass er gegenüber unter der Laterne wartete.
Als sie sich von ihren Freunden nach Hause bringen ließ, fuhr er hinter ihnen her und parkte seinen Wagen in einiger Entfernung von ihrem Haus.
In Erinnerung an diesen Abend musste sie nun doch lächeln.
Er stand damals noch lange vor dem Haus…

Lautes Hupen holte sie in die Wirklichkeit zurück. Es war inzwischen Grün geworden.

Im Laufe des Abends vergaß sie ihn. Sie hatte einige Mühe, das Gepäck ins Haus zu schaffen und Ordnung zu machen.
Nachdem sie ihren Tee getrunken hatte, löschte sie die Lichter im Untergeschoß, stieg die Treppe hinauf und legte sich mit einem Buch bäuchlings aufs Bett.
Doch sie war müde, spürte, wie ihr die Buchstaben vor den Augen verschwammen und der Kopf schwer wurde. Deshalb löschte sie das Licht und stand nur noch einmal auf, um das Fenster halb zu schließen.
Das sah sie ihn auf der gegenüberliegenden Straßenseite in seinem kleinen roten Auto sitzen. Sie beobachtete ihn hinter dem Vorhang. Er blieb im Wagen, sah unverwandt zu ihrem Fenster hinauf und zündete sich eine Zigarette an.
Es war wie vor drei Jahren...
Damals fuhr er täglich am Haus vorbei, blieb manchmal gegenüber stehen, zündete sich eine Zigarette an, um dann nach einer Weile weiterzufahren. Er besuchte ihr Stammlokal, wo sie sich das erste Mal gesehen hatten, und lächelte ihr zu. Am Strand lag er einige Meter von ihr entfernt im Sand und sah zu ihr hinüber.
Von Unbehagen ergriffen, beschloss sie, ihn anzusprechen. Er gab unumwunden zu, dass er sie sehr bewundere und bat sie um ein Rendezvous.
Es wurde eine heftige und leidenschaftliche Affäre, die zwei Wochen andauerte. Er versicherte ihr, ohne sie nicht mehr leben zu wollen und sie glaube es ihm.
Ihr Urlaub war noch nicht zu Ende, als er von einem Tag zum anderen nicht mehr zum vereinbarten Treffpunkt kam. Sie rief ihn an, aber er nahm das Gespräch nicht an. Als sie abreiste, war sie völlig verwirrt.
Auch von zu Hause aus rief sie ihn an. Nach ein paar Telefongesprächen schlief die Verbindung wieder ein. Es war eben nur eine Episode, tröstete sie sich schließlich und im Laufe der Zeit verschwand jeder Gedanke an ihn.
Doch im darauf folgenden Jahr wiederholte sich das Spiel. Er beobachtete sie, stand dem Haus gegenüber, tauchte immer wieder in ihrem Gesichtsfeld auf. Am Strand sprach er sie dann erneut an. Sie wollte ihn abblitzen lassen; er ließ nicht locker, war charmant, fand für sein Verhalten im letzten Jahr glaubwürdige Ausreden. Sie unterlag bald seinem Charme und erlebte das Gleiche: Er blieb gegen Ende ihres Urlaubes aus.
Sie war wütend: nicht auf ihn, sondern auf sich selbst. Wie hatte sie ihm wieder glauben können? Er war wie ein Jäger, der ein Wild erspähte. Er jagte und erlegte es und blies das Halali. Es war schmerzlich gewesen zu erkennen, dass sie das erlegte Wild war.

Sie entfernte sich vom Fenster, legte sich aufs Bett und starrte zur Decke hinauf.
Diesmal würde sie ihm nicht gestatten, sie wie ein erlegtes Wild zu behandeln.
Sie drehte sich auf die Seite und kuschelte sich in die Polster hinein: Sollte er bis zum Morgen da unten stehen!
Natürlich war er am nächsten Morgen nicht mehr da. Doch sie war sicher, ihn überall dort auftauchen zu sehen, wo sie sich aufhielt. Und irgendwann würde er auch eine Möglichkeit finden, sich ihr zu nähern.
Beim Frühstück blätterte sie im Telefonbuch und da kam ihr eine wunderbare, böse Idee.
Es wohnten noch Freundinnen aus der Schulzeit in der Stadt. Sie rief einige an und vereinbarte mit ihnen ein Treffen am Silberstein. Dort stand eine Hütte, hoch oben am Berg, zu der man nicht mit dem Auto fahren konnte, sondern mühsam aufsteigen musste. Die Freundinnen sagten zu. Sie waren neugierig auf die Überraschung, die sie ihnen versprach. Alle sollten gemeinsam eintreffen, machte sie zur Bedingung!
Dann rief sie ihn an.
Er war erfreut, dass sie so plötzlich Kontakt mit ihm aufnahm. Sie vereinbarte auch mit ihm zum gleichen Termin ein Treffen am Silberstein. Allerdings sprach sie von einem Beisammensein zu zweit. Er solle es für sie beide in der Hütte vorbereiten: mit Blumen, gut gekühltem Wein, romantischer Musik. Empfangen möge er sie in einem leichten Hausmantel.
Er sagte begeistert zu.
Sie legte den Hörer auf und lächelte zufrieden.
Sie selbst würde an diesem Tag die Heimreise antreten und sich dabei sein peinliches Zusammenreffen mit ihren Freundinnen, seine Erklärungsnot, das schadenfrohe Gelächter der Frauen, das Tuscheln über ihn im Dorf in allen Facetten vorstellen….
Diesmal würde der Jäger das erlegte Wild sein.

_________________
Erst die kleinen Dinge erfreuen die Seele

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 06.06.2007, 08:09
hwg (Moderator)
 
Anmeldedatum24.04.2007
Beiträge3788
WohnortA 8786 Rottenmann


Guten Morgen Joana!

Deine Geschichten sind absolut druckreif. Wahrscheinlich hast Du viele davon ohnehin bereits veröffentlicht.

Überdies, sind wir nicht beide im "Sackblatt" als Autoren vertreten?

Lieben Gruß!
H. W. Grössinger

Der4 Jäger

BeitragVerfasst am: 06.06.2007, 11:38
Joana
 
Anmeldedatum26.05.2007
Beiträge129
WohnortWien


Hallo, ja du hast Recht, wir schreiben beide im Sackblatt, ist ja ein ungeheurer ZUfall, lachh Das freut mich wirklich sehr!

Ja, du hast auch damit Recht, dass diese Geschichte schon veröffentlicht wurde.
Ich habe im letzte Jahr an einigen Anthologien teilgenommen und diese Geschichte ist in einem dieser Bücher veröffentlicht worden.

"Mein Verlag", wo die meisten Veröffentlichungen waren ist der
Verlag Wendepunkt in Weiden. Allerdings geben die immer ein Thema vor und daran muss man sich halten. Aber ich bin sehr vielseitig mit meinen Themen und habe immer was, das gerade passt.

Da ist die einzige Bedingung, dass man 5 Bücher abnimmt, das mache ich gerne.

Ich wurde schon von einigen Verlagen angesprochen, doch verlangen die alle eine Druckkostenbeteiligung (Gothe-Verlag in Frankfurt sogar Euro 10.000.-- !!!) und ich schreibe ja gerne, sehe es als Hobby an und bin nicht gewillt, soviel Geld zu zahlen, nur um mein Ego zu befriedigen. Lach

Wenn aber hier eine Anthologie im PLanen ist, mölchte ich mich gerne beteiligen.
LG Joana

_________________
Erst die kleinen Dinge erfreuen die Seele

BeitragVerfasst am: 07.06.2007, 07:11
hwg (Moderator)
 
Anmeldedatum24.04.2007
Beiträge3788
WohnortA 8786 Rottenmann


Guten Morgen Joana!

Die Freude über unsere "internette" Bekanntschaft und die Kollegenschaft im "Sackblatt" ist auch auf meiner Seite. Diese Zeitschrift ist die einzige, in der ich ohne Honorar veröffentliche, weil sie mir gut gefällt.

Seinerzeit habe ich auch für den "Watzmann", eine leider verblichene Satire-Zeitschrift in Salzburg, geschrieben.

Der Wendepunkt-Verlag ist mir ein Begriff, werde mich demnächst näher mit ihm befassen.

Meine ins Netz gestellten Texte sind alle bereits einmal gedruckt worden.
Etliche Literaturforen "füttere" ich deshalb damit, weil mich eventuelle Kollegen- und Lesermeinungen interessieren.

Einen angenehmen Feiertag und herzlichen Gruß!

Verfasst am:
 


SPREADY.net - News and More

Der Jäger
  Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Prosa
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde  
Seite 1 von 1  

  
  

Powered by phpBB, advisormap.de, SPREADY.net, SEO by SEO-united.de
flini.de & ostsee-suche.com & nordsee-suche.de & boomarank.de & staytubed.de
Literaturtipps Literaturseiten Banner & Buttons Impressum & Rechtliches