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Die Schattenseiten des Autor/inn/en-Daseins

BeitragVerfasst am: 16.10.2007, 21:46
Leilah
 
Anmeldedatum15.10.2007
Beiträge233
WohnortKassel


Im Zusammenhang mit meinem anderen thread in dieser Kategorie, bei dem es um die Peinlichkeit (oder Nicht-Peinlichkeit) des Autogramme-Verteilens geht, bin ich gerade so ins Grübeln darüber gekommen, was an unserem Job/ Hobby noch derart unangenehm ist, dass man manchmal alles hinschmeißen möchte.

Mir ist dabei leider so einiges eingefallen, was mich manchmal schier (ver)zweifeln lässt. (Dass der Beruf auch wunderschöne Seiten hat, steht natürlich außer Frage, sonst würde man ihn ja nicht wählen!)

Ich wüsste wirklich sehr gerne, was Euch da am meisten belastet und mache einfache mal den Anfang einer Auflistung:

- Pseudo-"Literaturwissenschaftler" als Gast bei Lesungen. Jene, die einem mit Brille auf der Nasenspitze wortgewaltig die eigenen Texte sezieren und erklären, nach dem Motto: "Sie wollten mit ihrem Gedicht doch wohl folgendes aussagen... und Ihre Intention war eindeutig...". Erstaunlich, was für abgedrehte Dinge man in den harmlosesten Text hineindeuteln kann.

- Sehr unangenehm bei der Presse: Wenn die Arbeit entweder vom Volontär/ Praktikanten besprochen oder nur überflogen und dann gänzlich falsch berichtet wird, weil inhaltliche oder biografische Fakten nicht stimmen. Außerdem: Wenn die Privatadresse vom Autor im Bericht erscheint und plötzlich Kaufwillige vor der Hautür stehen. (Genau so erlebt!)

- Schlecht organisierte Lesungen, bei denen der Veranstalter zuerst nicht kommunikativ genug ist, die wichtigsten Fragen zu klären und sich dann nicht einmal an die grundlegenden Absprachen hält, wie zum Beispiel die Bereitstellung eines Mikrofons für Lyrikvorträge.

- Anfänger-Lesungen, bei denen manchmal erwartet wird, dass man sein Honorar persönlich am Eingang kassiert oder nach der Veranstaltung einsammeln geht. Grausam! Superpeinlich!

- Lesungen in Cafés oder Lokalen, bei denen ständig andere Gäste ins angemietete Hinterzimmer hinein poltern und mit den Worten: "Ach, Literatur, so ein Krampf. Da bin ich wohl falsch."wieder hinaus schlurfen. Ab einem gewissen Alkoholpegel ist das Schild mit der Aufschrift "Geschlossene Gesellschaft" wohl schwer zu entziffern...

Was macht Euch so richtig fertig?

Eure Leilah

_________________
HörBuchKunst - Filmmusik - Prosa und Lyrik: Lauschen, schauen, staunen unter www.leilah-lilienruh.de!

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 16.10.2007, 23:15
Bärentante
 
Anmeldedatum30.05.2007
Beiträge821
Wohnortbei Frankfurt/M.


Huhu Leilah,

ich habe schon bei der Autogramm-Geschichte lange überlegt, was ich dazu schreiben könnte, es fiel mir leider nichts ein, da ich genau Deiner Meinung bin. Ich liebe zwar meine gesammelten Autogramme, auf das von Lex Barker und die von einigen nicht mehr tätigen Rennfahrern bin ich stolz, könnte mir aber wirklich nicht vorstellen, wer MEIN Foto haben möchte. cheezy grin

Über Deine Erfahrungen bei Lesungen musste ich jetzt aber laut lachen. Selbst das Geld hinterher einsammeln, wirklich peinlich. Rolling Eyes

Ich habe mich - als Hobbyautor - auch ein klein wenig geärgert:

Einem Magazin hatte ich ein Buch und einen Artikel dazu geschickt. Den Text genau auf die Erfordernisse, Länge, Stil angepasst. Und was hat man geschrieben? Drei Sätze, die ich absolut nicht nachvollziehen konnte, bis heute nicht verstehe. Rolling Eyes

Wenn mich so ca. ein Mal im Monat Leute auf der Straße ansprechen und sagen, dass mein Buch schön geschrieben wäre, es ihnen gefallen hätte. Auf meinen ungläubigen Blick (ich habe seit zwei Jahren kein Exemplar mehr verkauft) kommt immer die Antwort: XY hat es mir geliehen. Rolling Eyes

Und dann wollte mich letzte Woche eine Freundin überzeugen, dass ich Blablabla geschrieben hätte, in dem Kapitel mit dem Ausflug nach X. Nööö, das habe ich nie geschrieben und müsste es doch eigentlich wissen. cheezy grin Sie bestand aber darauf, will die Stelle suchen und mir zeigen. Da bin ich ja mal neugierig.

_________________
Liebe Grüße
Christel

BeitragVerfasst am: 17.10.2007, 05:04
roland_lange
 
Anmeldedatum23.07.2007
Beiträge124
WohnortKatlenburg-Lindau


da fällt mir spontan diese eine Lesung zusammen mit meinem Schriftstellerkollegen Albrecht Gralle ein:
Ort: Hardegsen, Kellergewölbe der Burg. Sehr schönes Ambiente, sogar der Holzklotz, auf dem man früher die armen Sünder (wahrscheinlich auch Autoren) enthauptet hat, stand da provokativ im Zentrum.
Veranstalter: Gemeinde Hardegsen (glaube ich). Werbung: Nullkommanix. Die rechneten damit, auch ohne Werbung die Hütte voll zu bekommen. Zahlende Gäste: 1 (in Worten: eins)
Der arme Mann war durch irgendwelche Verwandtschaftsbeziehungen zu einem Verantwortlichen auf Seiten der Veranstalter auf die Lesung aufmerksam geworden. Er hat dann aber, unter Rückgabe des Eintrittsgeldes, den Rückzug angetreten.
Die Autoren Lange und Gralle haben dann, unter Entgegennahme des Honorars (das haben wir natürlich voll ausgezahlt bekommen), auch den Rückzug angetreten und nicht gelesen. Stattdessen ist das Honorar wenige Minuten später bei einem nahegelgenen Chinesen wieder draufgegangen.
Alles in Allem eine runde Veranstaltung mit allen Vorteilen auf Seiten der Autoren Wink

Gruß
Roland

P.S. Natürlich ist so ein Vorfall für mich als Autor absolut peinlich, auch wenn ich mir nichts vorzuwerfen habe. Aber wenn ich in diesem "Beruf" eins gelernt habe, dann das: "Don't worry, be happy!"

_________________
So lang' der Bauch noch in die Hose passt, wird keine Arbeit angefasst Wink
www.rolands-schreibstube.de

BeitragVerfasst am: 17.10.2007, 07:28
g.c.roth (Moderator)
 
Anmeldedatum01.05.2007
Beiträge1733
WohnortEmden


Hallo,
wie tröstlich, dass man sich nicht allein fühlen muss mit derartigen Geschichtchen.
Ich hatte für eine Lesung einen befreundeten Gitarristen gefragt, ob er Lust hätte, meine Lesung (heitere Kurzgschichten aus dem Alltag!) mit zu gestalten. Er ist ein richtig guter Gitarrenstpieler und ich war froh, dass er sofort bereit war mich musikalisch zu unterstützen. Mein Büchlein hatte ich ihm im Vorfeld geschenkt, damit er passende Musikstücke aussuchen konnte.
Ich habe ihm da voll vertraut .... und mich nicht nach seiner Auswahl erkundigt. angle War für mich selbstverständlich: Zu fluffigen Storys gehört fluffige Musik.
Tatsächlich kam es ber so, dass er meine Lesung doch lieber nutzen wollte um zu zeigen, was er auf der Gitarre drauf hat. Er spielte mit ernster und wichtiger Mine nach jeder lustigen Kurzgeschichte, die die Gemüter der Hörer entspannen sollte, ein schwermütiges Gitarrensolo aus der tiefsten theatralischen Ecke, - gekonnt gespielt wohlgemerkt - aber absolute Stimmungskiller in dieser Situation. Und statt einer sonst sich entwickelnden netten Unterhaltung mit dem Publikum, breitete sich peinliches Schweigen aus - man hat eben nicht zu lachen, wenn einer ernste Musik spielt... cool silber
LG Grete

_________________
Individuelle Buchcover zu fairen Preisen: http://www.satzstudio-roth.de

Verfasst am:
 


Re: Die Schattenseiten des Autor/inn/en-Daseins

BeitragVerfasst am: 17.10.2007, 08:38
dbs
Gast
 


Hi!

Leilah hat Folgendes geschrieben:
Ich wüsste wirklich sehr gerne, was Euch da am meisten belastet und mache einfache mal den Anfang einer Auflistung:

- Pseudo-"Literaturwissenschaftler" als Gast bei Lesungen. Jene, die einem mit Brille auf der Nasenspitze wortgewaltig die eigenen Texte sezieren und erklären, nach dem Motto: "Sie wollten mit ihrem Gedicht doch wohl folgendes aussagen... und Ihre Intention war eindeutig...". Erstaunlich, was für abgedrehte Dinge man in den harmlosesten Text hineindeuteln kann.


Ich liebe solche Leute. Weil man die in Diskussionen extrem gut auflaufen lassen kann. Macht mir ungeheuer Spaß (aber dafür muss man wohl auch eine entsprechende Ader haben)

Leilah hat Folgendes geschrieben:

- Sehr unangenehm bei der Presse: Wenn die Arbeit entweder vom Volontär/ Praktikanten besprochen oder nur überflogen und dann gänzlich falsch berichtet wird, weil inhaltliche oder biografische Fakten nicht stimmen. Außerdem: Wenn die Privatadresse vom Autor im Bericht erscheint und plötzlich Kaufwillige vor der Hautür stehen. (Genau so erlebt!)


Wenn es um Fakten geht, eine Richtigstellung verlangen (keine "Gegendarstellung" - die ist das Papier nicht wert, auf dem sie steht).

Ansonsten niemals die eigene Privatadresse herausgeben.

Leilah hat Folgendes geschrieben:

- Schlecht organisierte Lesungen, bei denen der Veranstalter zuerst nicht kommunikativ genug ist, die wichtigsten Fragen zu klären und sich dann nicht einmal an die grundlegenden Absprachen hält, wie zum Beispiel die Bereitstellung eines Mikrofons für Lyrikvorträge.

- Anfänger-Lesungen, bei denen manchmal erwartet wird, dass man sein Honorar persönlich am Eingang kassiert oder nach der Veranstaltung einsammeln geht. Grausam! Superpeinlich!


Solche Dinge im Vorfeld klären und ggf. mit Abbruch der Veranstaltung drohen - und dies auch den Besuchern deutlich machen. Wenn ich einen Vortrag vor einer größeren Gruppe halte, beginne ich immer mit dem Satz: "Sollte während meines Vortrages auch nur ein einziges Handy klingeln, breche ich meinen Vortrag sofort ab!" (Die Handy-Klingelei ist das, was mich am meisten nervt). Es ist immer wieder erstaunlich, wie fix die Leute ihre Handys ausschalten.

Leilah hat Folgendes geschrieben:

- Lesungen in Cafés oder Lokalen, bei denen ständig andere Gäste ins angemietete Hinterzimmer hinein poltern und mit den Worten: "Ach, Literatur, so ein Krampf. Da bin ich wohl falsch."wieder hinaus schlurfen. Ab einem gewissen Alkoholpegel ist das Schild mit der Aufschrift "Geschlossene Gesellschaft" wohl schwer zu entziffern...


Auch das ist ein Versäumnis des Veranstalters. Er hat dafür zu sorgen, dass während der Veranstaltung keine Störer auftauchen (etwa durch einen Türsteher draußen). Ansonsten auch hier mit Abbruch drohen.

Ob technische Ausstattung, Honorarzahlung oder geschlossene Gesellschaft - das sind alles planbare Bausteine einer Veranstaltung, die im Vorfeld geregelt sein sollten. Mit der Faust auf den Tisch schlagen und die Regelungen einfordern.

Darüber hinaus sollte man die eigenen Fähigkeiten trainieren, mit Störungen umzugehen (Stichwort: Schlagfertigkeit). Der richtige Satz zur richtigen Zeit wirkt Wunder. Wer mal in den Genuss einer Lesung von Hape Kerkeling ("Ich bin dann mal weg") gekommen ist, der weiß, wie man so etwas in den Griff bekommt.


Grüße
Siegfried

BeitragVerfasst am: 17.10.2007, 14:24
Versailles
 
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Beiträge836


Nun, ich bin zwar erst seit kurzem dabei und mir ist es selbst als Vorlesender nicht passiert, aber ich finde es grausam, wenn jemand in den gebührenden Applaus hineinlamentiert "Was ich noch sagen wollte..." und dann persönlich wird. Es gibt immer wieder Menschen, die zwischen dem Autor und seinem Protagonisten nicht unterscheiden können (das gleiche Leid haben wohl Schauspieler sehr oft zu ertragen?).

Auch die Formulierung "ganz nett" finde ich nervig. "Ganz nett" heisst nämlich die böse Schwester von "okay" und "scheisse" Twisted Evil
und ist nicht geeignet, ein Schriftwerk auch nur annähernd zu beschreiben.

Zitat:
Lesungen in Cafés oder Lokalen, bei denen ständig andere Gäste ins angemietete Hinterzimmer hinein poltern und mit den Worten: "Ach, Literatur, so ein Krampf. Da bin ich wohl falsch."wieder hinaus schlurfen. Ab einem gewissen Alkoholpegel ist das Schild mit der Aufschrift "Geschlossene Gesellschaft" wohl schwer zu entziffern...

>>> Auch das ist ein Versäumnis des Veranstalters. Er hat dafür zu sorgen, dass während der Veranstaltung keine Störer auftauchen

Das sehe ich genau so!
Es liegt allerdings auch an mir als Autor, ob ich einer Lokalität zusage. Wenn basics wie eben ein geschlossener Raum oder "geschlossene Gesellschaft" nicht gewährleistet werden können, lasse ich es lieber sein.

_________________
"carpe diem, quam minimum credula postero"
(Horaz, 65-8 v. Chr.)

www.comtesse-heloise.de

Autorenphoto von J. Nemeth, Photostudio Kannengiesser, 58095 Hagen

BeitragVerfasst am: 17.10.2007, 16:08
chiquitita
 
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zu mir kam einmal eine Lokalreporterin, um über mein Buch "Es kommt mir alles spanisch vor" einen Artikel zu schreiben. Nun beinhaltet der Titel ja schon eine gewisse Assoziation zu Spanien. Die Begrüßung seitens der Reporterin war: "also ich würde Ihr Buch nicht kaufen, ich bin nämlich Italienfan". Daraufhin war ich sehr verunsichert, was sie wohl schreiben würde. Die Nachfrage meinerseits bei der Zeitung, ob ich den Bericht vor Veröffentlichung lesen könnte, wurde negativ beschieden (da könnte ja jeder kommen). Ich war zwar mit dem Artikel nicht sehr zufrieden, nur die Tatsache, dass der Verkauf kurzfristig etwas stieg, versöhnte mich dann wieder. Es werden einem schon manche Worte im Mund herumgedreht von der Presse.

_________________
die Erklärung
Auswandern nach Spanien? Lies hier!

BeitragVerfasst am: 17.10.2007, 17:06
Leilah
 
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WohnortKassel


Hallo, Ihr Lieben,

wie mir scheint, hat da fast jeder schon so seine skurrilen Erfahrungen gemacht.

@Roland und Grete: Köstliche Geschichten! Ich denke mal, im Nachhinein kann man sich selbst ein Schmunzeln nicht verkneifen. Nur, wenn man gerade drinsteckt im Schlamassel, au Backe...

Als gelernte Zeitungsredakteurin sind mir persönlich übrigens die Gepflogenheiten der Presse nicht ganz fremd, was aber nicht bedeutet, dass man dort mit mir besser umspringt oder dass ich die redaktionellen Hürden leichter meistern könnte.
Im Gegenteil: Zu wissen, wie das im Detail in der Redaktion läuft (aus personellen Gründen manchmal auch laufen muss), deprimiert einen teilweise sehr. Das wäre aber ein sehr komplexes, ganz neues Thema, über das man sehr ausführlich sprechen könnte. (War selbst irgendwann mal "dumme" 19 Jahre jung, frisch von der Schule, Volontärin und hatte in einer Feuilleton-Redaktion Romane, Theateraufführungen, Kunstausstellungen etc. zu besprechen. Von dieser Stelle aus ein demütiges Pardon an alle Künstler, die mir damals zugeteilt wurden.)

Das mit der Schlagfertigkeit bei Störungen und mit dem Durchsetzungsvermögen gegenüber dem Gastgeber ist, zumindest für mich, ein echtes Problem. Da arbeite ich dran. Wurde womöglich zu übertriebener Höflichkeit und Artigkeit erzogen; das hängt einem lebenslang nach.

Da fällt mir übrigens noch eine ganz andere "Schattenseite" des kreativen Arbeitens ein: Die nächtlichen Einfälle! Während mein lieber Ehemann gemütlich eingekuschelt seinen Nachtschlaf genießt, ereilen mich zu später Stunde die besten Einfälle, die natürlich danach verlangen, auf der Stelle notiert zu werden, um nicht wieder ins Dunkel des Vergessens zu entschwinden. Was bleibt der bedauernswerten Literatin, die ihren Gatten nicht durch Beleuchtung aufwecken möchte, anderes übrig, als auf leisen Sohlen aus dem Schlafgemach zu entschwinden und schleunigst eine beschreibbare Unterlage zu beschaffen. (Nein, ich habe keinen Block auf dem Nachttisch liegen. Ich besitze nicht mal einen wirklichen Nachttisch.
Wink)
Ein Kollege von mir erzählt, dass er hierfür schon mal den Kajalstift seiner Frau und den Badezimmerspiegel benutzt habe. Bei mir war es auch schon einmal Kajal - allerdings auf Toilettenpapier, was nun hoffentlich keine Schlussfolgerungen über die inhaltliche Qualität der Aufzeichnungen provoziert Wink.

LG

Leilah

_________________
HörBuchKunst - Filmmusik - Prosa und Lyrik: Lauschen, schauen, staunen unter www.leilah-lilienruh.de!

BeitragVerfasst am: 17.10.2007, 17:27
hwg (Moderator)
 
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WohnortA 8786 Rottenmann


Da ich "auf beiden Seiten" aktiv bin,
unterstütze ich jeden steirischen Autor
und somit Kollegen bei seinem Bemühen,
vor allem das Erstlingswerk in Buchform
bekannt zu machen.

Das geschieht durch
Berichte, Interviews oder Buchrezensionen
in den regionalen Printmedien.

Da ich relativ gut bekannt bin, bekomme ich die
Exemplare an meine Privatadresse und
nehme dann den persönlichen Kontakt zum
Autor auf.

Direkt an die Redaktionen geschickte
Bücher werden ebenfalls (manchmal) an
mich weiter geleitet, "verschwinden" aber
nicht selten in irgend einer Schublade
(nicht in böser Absicht, sondern
aus Zeitmangel, denn die Redaktionen
sind personell vielfach unterbesetzt).

Gerade gestern hat mir eine Romandebütantin
erzählt, dass die Veröffentlichungen über ihr
Buch und damit ihre Person auch die Verkaufs
zahlen empor schnellen haben lassen.
Ich kann und will das nicht überprüfen Laughing ,
aber weshalb sollte sie mir ein "Märchen"
auftischen?

Fazit: Also, nichts wie ran mit Deinem Buch
an die "Zeitungsfritzen", es bringt schon
etwas!

@ Leilah :-)

BeitragVerfasst am: 18.10.2007, 16:40
Versailles
 
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Hallo book

Zitat:
Da fällt mir übrigens noch eine ganz andere "Schattenseite" des kreativen Arbeitens ein: Die nächtlichen Einfälle! Während mein lieber Ehemann gemütlich eingekuschelt seinen Nachtschlaf genießt, ereilen mich zu später Stunde die besten Einfälle, die natürlich danach verlangen, auf der Stelle notiert zu werden, um nicht wieder ins Dunkel des Vergessens zu entschwinden.


Oh jaa, die "Schatten"-Seite kenne ich nur zu gut Wink

Zitat:
Bei mir war es auch schon einmal Kajal - allerdings auf Toilettenpapier, was nun hoffentlich keine Schlussfolgerungen über die inhaltliche Qualität der Aufzeichnungen provoziert
köstlich!!!
Ich bin mal am Standstreifen stehen geblieben und habe auf die Rückseite einer Quittung geschrieben. Das war dann so viel und dabei so klein geraten, dass ich es später mit einer Lupe entziffern musste.

Gute Ideen zu allen Tageszeiten wünscht dir - und allen Pool-Nutzern -
Amalia

_________________
"carpe diem, quam minimum credula postero"
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BeitragVerfasst am: 18.10.2007, 17:09
chiquitita
 
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Zitat:
fällt mir übrigens noch eine ganz andere "Schattenseite" des kreativen Arbeitens ein: Die nächtlichen Einfälle! Während mein lieber Ehemann gemütlich eingekuschelt seinen Nachtschlaf genießt, ereilen mich zu später Stunde die besten Einfälle, die natürlich danach verlangen, auf der Stelle notiert zu werden, um nicht wieder ins Dunkel des Vergessens zu entschwinden.

zu dem Thema fällt mir eine Glosse ein, die ich vor längerer Zeit für die Monatszeitschrift des FDA (freier deutscher Autorenverband), dessen Mitglied ich bin, geschrieben habe. Ich kopier sie hier einfach rein, weil sie zu schön passt:

Ein Schriftsteller hat’s schwer
Wer jemals versucht hat, sich schriftstellerisch zu betätigen, der weiß wovon ich rede.
So einem armen Schriftsteller kommen immer die besten Einfälle im unpassendsten Moment. In seiner Wohnung türmen sich überall Schreibblöcke und Kugelschreiber, damit bloß kein guter Gedankenblitz verloren geht.
Nachts, wenn auch ein Schriftsteller schlafen sollte, kommen die Superideen. Schnell aufschreiben, bis morgen früh ist die Idee wieder weg! Und dann sitzt der arme Kerl putzmunter in seinem Bett und könnte die ganze Nacht durchschreiben. Wäre da nicht noch im Nebenbett das getreue Ehegespons, das solche Aktionen überhaupt nicht nachvollziehen kann. Von dieser Seite kommt dann nur ein verständnisloses, brummiges „Was ist denn los?“
Früher oder später wird unser armer Schreiber dann aus dem ehelichen Schlafzimmer ausgewiesen. Dann kann er aber wenigstens hemmungslos in seinem eigenen Kämmerchen seiner Leidenschaft frönen.

Beim Autofahren ist das Aufzeichnen von Beobachtungen äußerst ungeschickt, wenn nicht lebensgefährlich. Aber, unser Schriftsteller hat vorgesorgt. Auf dem Beifahrersitz liegt immer ein Diktiergerät griffbereit. Wenigstens stichwortartig hält er seine Eingebungen fest, wenn er auch daheim die Superformulierung, die er beim Fahren im Kopf hatte, nie wieder so hinkriegt.

Bei Familienausflügen wünscht er sich inständig, dass er bei der Betrachtung einer bezaubernden Landschaft einfach nur - wie alle anderen um ihn herum - „ist das schön!“ ausrufen könnte, ohne zu grübeln, wie er dieses Panorama und all die anderen Eindrücke literarisch umsetzen könnte.
Umfassende Personenstudien deuten die von ihm angestarrten Charakterköpfe oftmals falsch, und er wird verdächtigt, ein gieriger Gaffer zu sein.
Ein gemütlich geplanter Fernsehabend artet darin aus, dass er die Dialoge studiert und meint, dieses oder jenes besser formulieren zu können. Ein Buch liest er nicht einfach so banal dahin, nein, er analysiert, wie der Autor die Geschichte aufgebaut und welche Stilform er verwendet hat.

Weibliche Schreiberlinge haben Supereingebungen beim Geschirrspülen und Bügeln. Da es sich bei diesen beiden Tätigkeiten um eine sehr stupide Angelegenheit handelt, läuft offensichtlich der Geist zur Hochform auf. Spätestens, wenn der Ehemann nach Hause kommt und das Geschirr halb sauber, halb schmutzig noch in der Küche steht, und die gute Frau fiebernd am Schreibtisch sitzt, muss sie sich fragen lassen: „Hast du wirklich nichts anderes zu tun?“

Eigentlich müssten sich alle Vertreter der schreibenden Zunft eine Zusatzeinrichtung implantieren lassen. Es gibt fremde Herzen, gespendete Nieren, eingeschraubte Gebisse, warum nicht einen Gehirn-Ein- und Ausschalter für Schriftsteller? EIN... die Produktion läuft. AUS... die Wahrnehmung wird auf ein normales Maß zurückgefahren. Dann entfiele vielleicht auch das Problem, dass die Hand schreiben könnte, aber die Gehirnwindungen gerade ein Blackout melden. Schalter umlegen, EIN ...

Ja, so ein Schriftsteller hat’s schwer, liebe Leute.

Mein Geschirr steht übrigens im Moment auch noch halbfertig in der Küche, aber mein Man kommt erst in einer Stunde nach Hause.
Noch mal Glück gehabt!

_________________
die Erklärung
Auswandern nach Spanien? Lies hier!

BeitragVerfasst am: 18.10.2007, 17:53
hwg (Moderator)
 
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Eine nette Schmunzelglosse - jetzt weiß ich,
weshalb ich gerne solo wohne! Laughing

Bei mir läuft es allerdings etwas anders ab.
Da ich für meine Texte meistens einen durchs
Layout streng vorgegebenen Platz habe, muss
ich die Anzahl der Anschläge ziemlich exakt
einhalten (plus minus 120 bis 240).

Also "arbeite" ich schon von Beginn an auf einen
hoffentlich pointierten Schluss zu. Das schränkt
einerseits zwar die "dichterische Freiheit" ein,
erfordert andererseits jedoch "phantasievolle Disziplin".

Und was (für mich jedenfalls) ebenfalls nicht
schlecht ist, sind die eng gesetzten Abgabetermine.
Hätte ich diese nicht vorgegeben, wäre ich
garantiert viel schreibfauler Laughing .

BeitragVerfasst am: 18.10.2007, 17:57
Leilah
 
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Beiträge233
WohnortKassel


Liebe Amalia, liebe Chiqitita,


wie wahr, wie wahr, wie wahr! Was tut es gut, sich unter "Leidens"genossen wieder zu finden, die genau wissen, wovon man spricht und die nicht verständnislos den Kopf schütteln, wenn man solches berichtet.

Hier noch eine Schattenseite des Berufes: Klassentreffen! Am schlimmsten mit der ehemaligen Abiturklasse. Alle sitzen gemütlich beisammen und berichten von ihrem Werdegang. Da gibt es erfolgreiche Kaufleute, Ärzte, Anwälte oder auch fleißige Handwerker und strebsame Beamte... Tja, und dann gibt es noch uns. Ein schüchternes, argloses "ich bin Künstlerin geworden, Autorin", und plötzlich verstummt die Runde und alle Augen sind auf dich gerichtet. Viele mitleidige Blicke. "Oh Künstlerin, aber du warst doch ganz gut in der Schule. Und Redakteurin hast du auch gelernt. Wie ist denn das dann gekommen?"

Nur in diesen Augenblicken, wirklich nur in diesen Augenblicken wäre ich gern Steuerberaterin.

_________________
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BeitragVerfasst am: 18.10.2007, 22:41
Judith
 
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Wenn ich euch so lese, stelle ich fest, dass ich wohl doch noch keine Autorin bin, sondern Tanzpädagogin. Allerdings ist es bei mir auch kaum noch so, dass ich in allen Lebenslagen oder immer wenn ich Musik höre choreographieren muss. Im Laufe der mehr als 15 Berufsjahre habe ich gelernt, einen Ausschalter zu finden. Nur im Theater ist es häufig anders: Ich sehe ein Musical oder Ballett, aber dazwischen fehlt mir dann immer eine halbe Stunde, weil mir dann - inspiriert durch das Gesehene - eine eigene Idee kommt, die ich mir dann intensivst durch den Kopf gehen lassen muss. Rolling Eyes Einfach nur genießen geht dann schwer.

Ich weiß von einigen Autoren, dass sie bestimmte Zeiten haben, in welchen sie arbeiten. Das halte ich auch für sehr wichtig, denn man muss auch mal abschalten können. Und andersherum braucht man die Zeiten, um konsequent dranzubleiben. Aber klar, wenn man super Beobachtungen macht oder die genialen Einfälle hat, muss man die schon mal notieren. Arbeitszeit hin oder her.

Grüßle,
Judith

_________________
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BeitragVerfasst am: 19.10.2007, 10:00
Versailles
 
Anmeldedatum22.05.2007
Beiträge836


Hallo zusammen

Uschi, dein Buch ist jetzt übrigens auf dem Weg nach Madrid.

Aber zurück zum Thema
Zitat:
Eigentlich müssten sich alle Vertreter der schreibenden Zunft eine Zusatzeinrichtung implantieren lassen. Es gibt fremde Herzen, gespendete Nieren, eingeschraubte Gebisse, warum nicht einen Gehirn-Ein- und Ausschalter für Schriftsteller? EIN... die Produktion läuft. AUS... die Wahrnehmung wird auf ein normales Maß zurückgefahren. Dann entfiele vielleicht auch das Problem, dass die Hand schreiben könnte, aber die Gehirnwindungen gerade ein Blackout melden. Schalter umlegen, EIN ...
Das wäre wirklich wünschenswert Wink

Zitat:
Nur in diesen Augenblicken, wirklich nur in diesen Augenblicken wäre ich gern Steuerberaterin
oder Neurochirurgin oder Astronautin cheezy grin Zum Glück habe ich noch einen Brotberuf.
Aber diese mitleidigen Blicke von Ex-Schulkollegen kenne ich auch sehr gut. "Du schreibst. Ja, schön. Aber du hattest doch Bio im Leistungskurs, oder? Ach, da hinten ist ja XY, den habe ich auch lange nicht gesehen..."
Ich habe mir für's nächste Treffen 2008 eine Retourkutsche für alle "ich-führe-ein-erfolgreiches-kleines-Familienunternehmen"-Muttis parat gelegt: "Ach so, drei Kinder inzwischen? Die Älteste gerade in der Pubertät, oh Mann. Man könnte sie ja manchmal an die Wand klatschen, aber man mag sie nicht mehr hergeben, oder?" (ich hoffe, es fühlt sich jetzt keiner hier auf die Füße getreten!)

_________________
"carpe diem, quam minimum credula postero"
(Horaz, 65-8 v. Chr.)

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