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Die vielfarbigen Wolken

BeitragVerfasst am: 12.03.2008, 01:22
Sven84
 
Anmeldedatum12.03.2008
Beiträge6


Auf Bitte hin eine kleine Inhaltsangabe:
Ein böser Zauberer verhext ein glückliches kleines Land und die glücklichen kleinen Leute werden alle unglücklich. Doch ihr tüchtiger Präsident sucht unermüdlich nach einer Lösung und auch der einfache Bürger hat seinen wertvollen Beitrag zu leisten. Das Happy End fällt schließlich etwas anders aus als erwartet.


Die vielfarbigen Wolken

Ein Lagerfeuermärchen


Erster Teil

Es ist ein Land, da leben die Leute glücklich und rund und alle essen, was immer sie wollen. Und alle sagen „Hey!“ wenn sie sich begegnen und „Hey!“ wenn sie sich verabschieden.
Da kommt ein böser Zauberer und macht, dass alle Gase farbig sind und zwar jedes Gas nach seiner Fason. Der böse Zauberer ist nämlich auf strenger Diät, seit ihm sein Zauberbrunnen diese verordnet hat weil das gut für den bösen Zauberer sei. Und weil er auf strenger Diät ist darf er nur noch Kraut und Ampfer verzehren. Und dass das nicht besonders schmecken kann, das weiß jeder im glücklichen runden Land, wo alle essen was immer sie wollen. Das heißt: So genau wissen sie das gar nicht, denn Kraut und Ampfer hat noch niemals irgend jemand von ihnen je gegessen.
Der böse Zauberer nun, nachdem er seinen Fluch gesprochen hat, lacht sich hämisch eins und zieht sich, gerade als die Sonne untergeht, in seinen hohen Turm zurück, der weit weg in den tiefen Wäldern an der Grenze des Landes steht.

Am nächsten Morgen steht Wammso Guckdibus auf und isst sein Frühstück: Mozzarella-Pizza mit Apfel-Streusel-Kuchen und Zitroneneier und gebratenen Speck und Schoko-Müsli. Dann klopft er sich auf seinen runden Bauch und geht hinaus, um einen Besorgungs-Spaziergang in die Stadt zu machen. Auf dem Weg kommt ihm Holger Marzipan entgegen und Wammso denkt: „Prima! Holger Marzipan! Dem werd' ich „Hey!“ sagen!“ Und mit einem fröhlichen Lachen im Gesicht und doppelt so großen Schritten schreitet er weiter.
Doch was ist das? Hinter Holger Marzipan zieht sich eine komische Spur aus vielfarbigen Wölkchen durch die Landschaft, ganz so als wäre Holger eine kleine Lokomotive. Nur dass die Wölkchen nicht aus seinem Schornsteinrohr kommen sondern – ja es scheint fast so – aus seinem Hinterteil. Puff... Puff. Wölkchen um Wölkchen befreit sich aus Holger Marzipans Hose. Grün, gelb, himmelblau, rosa, grau-blau. Könnte das etwa – nein wie peinlich!
Jetzt haben sich Wammso Guckdibus und Holger Marzipan fast erreicht und normalerweise würde Wammso jetzt zur Begrüßung „Hey!“ zurufen und Holger würde zurückrufen: „Hey!“. Und dann würde Wammso zum Abschied „Hey!“ sagen und Holger würde antworten: „Hey!“ Weil aber Wammso so peinlich berührt ist von den bunten Pupsen, die der Holger Marzipan da in die Luft macht, sagt Wammso gar nichts und tut stattdessen so als würde er den Holger gar nicht bemerken.
Und was merkwürdig ist: Der Holger scheint den Wammso auch nicht zu bemerken. Die zwei gehen einfach aneinander vorbei, den Blick überall hin, nur nicht zum anderen gerichtet, und sie sagen nicht „Hey!“ „Hey!“ „Hey!“ „Hey!“ zueinander.
Und als Wammso schon ein Stück an Holger vorbei ist, da dreht er sich vorsichtig um, um zu sehen, was denn mit dem Holger los sei. Im gleichen Moment dreht sich auch der Holger um und beide gucken schnell wieder weg. Aber in dem Kurzen Augenblick musste Wammso feststellen, dass auch er eine vielfarbige Wolkenspur hinterlässt, genau wie der Holger. Nur sind die Farben von Wammsos Pupsen anders: Braun-gelb, lila, rot, sonnengelb, dunkelbraun und orange. Und das ist Wammso Guckdibus noch viel viel peinlicher.
Um es kurz zu machen: Als Wammso in der Stadt ankommt, sieht er, dass alle Leute dort vielfarbige Pupsspuren machen. Pupse bestehen nämlich aus Gas und das hat der böse Zauberer ja verzaubert. Wammso sieht aber nicht viele Leute, denn allen ist die Sache ganz schön peinlich und darum trauen sie sich kaum noch auf die Straße.
Auch Wammso kauft schnell das Nötigste ein und macht sich dann auf dem schnellsten Weg nach hause. Als er die Stadt verlässt sind die Straßen bereits wie leer gefegt. Nur langsam verwehende vielfarbige Pupsspuren zeugen noch von den in ihren Häusern verschwundenen Leuten.

So gehen die Tage dahin. Die Menschen bemerken mit der Zeit, dass die Farben ihrer Pupse von dem Essen abhängt, das sie vorher gegessen haben. Vanille-Pudding macht hellgelbe Pupse, Schoko-Kuchen blau-braune, Milchnudeln weißlich-pinke, Käsenudeln rot-orange, Eierkuchen mit Apfelmus kräftige lila Pupse und so weiter und so weiter. Nur die Pupse von Kraut und Ampfer sind fast nicht zu sehen. Sie hinterlassen nur ein mattes, stumpfes blass-grün, das kaum auffällt.
Und deshalb fangen die Leute nach und nach an, immer mehr Kraut und Ampfer zu essen, statt der leckeren Sachen, die sie vorher aßen, und sie trauen sich wieder auf die Straße und bald essen alle Leute nur noch Kraut und Ampfer und das Leben verläuft wieder in seinen gewohnten Bahnen.
Nur die Fröhlichkeit ist aus den Gesichtern der Leute gewichen und sie sind auch nicht mehr so rund sondern eher dünn. Und sie sagen nicht mehr „Hey!“, wenn sie sich begegnen oder „Hey!“, um sich zu verabschieden sondern sie gehen nur noch schweigend aneinander vorbei.
Und über den Städten und Dörfern hängt alle Zeit, kaum merklich, eine große, matte, stumpfe, blass-grüne Wolke.


Ende erster Teil


Zweiter Teil

In einer Schenke in einem kleinen Dorf sitzen in mattem, stumpfem, blass-grünem Dunst Osmald Riemschmalz, Obgus Fimmbaus und Goldo Ginsburg an einem Tisch und trinken Kraut-Tee und knabbern dazu Ampferstangen. Mit am Tisch sitzt auch noch der dumme Ollo. Alle gucken sie missmutig in die Runde und denken an alte Zeiten, wo sie hier noch fröhlich Bier tranken und dazu deftige Speisen zu sich nahmen wie Steak-Kuchen oder Rinderspätzle oder Wildganspastete.
Osmald Riemschmalz und Obgus Fimmbaus und Goldo Ginsburg seufzen tief und lang und schwer. Der dumme Ollo fragt: „Warum gibt’s denn heute keinen Steak-Kuchen?“
„Weil er uns nicht mehr schmeckt“, antwortet ihm Osmald Riemschmalz mit trauriger Stimme. Der dumme Ollo überlegt. „Mmh... Aber warum essen wir denn dann nicht Rinderspätzle?“
„Weil die so ungesund sind“, erwidert Obgus Fimmbaus schweren Herzens.
„Ja, und warum nehmen wir dann nicht einfach die gute Wildganspastete?“ fragt der dumme Ollo.
„Ach, du dummer Ollo...“ seufzt mit niedergeschlagenen Augen Goldo Ginsburg. „Ach, du dummer Ollo...“

Im Haus von Präsident Gümmerlich herrscht Hochbetrieb. Schon seit dem Tag, an dem die vielfarbigen Wolken aufgetaucht, herrscht hier Hochbetrieb. Ununterbrochen kommen hektisch Leute in das Haus herein zu den vielen Leuten in den vielen Zimmern und verlassen es hektisch wieder. Und die vielen Leute im Haus in den vielen Zimmern laufen hektisch zu anderen Leuten im Haus in anderen Zimmern. Und die anderen Leute laufen hektisch zu anderen Leuten in anderen Zimmern und die laufen zu Leuten, die zu Leuten laufen, die zu Präsident Gümmerlich laufen. Und Präsident Gümmerlich sagt den Leuten darauf etwas, worauf die wieder zu anderen Leuten laufen, die zu Leuten laufen und so weiter und so weiter, und das ganze ist ein ganz schönes Tohuwabohu.
Und wozu dieses ganze Tohuwabohu? Weil Präsident Gümmerlich zusammen mit all den Leuten nach einer Lösung für das Problem „Vielfarbige Wolken“ sucht. Gerade redet er mit Gobumba Bobbelhump, seiner Privatsekretärin.
„Also, Fräulein Bobbelhump, so kann das nicht weitergehen. Jetzt haben wir schon so vieles ausprobiert. Und nichts funktioniert. Wir haben ein allgemeines Pupsverbot erlassen. Aber meine Bürger halten sich einfach nicht daran.“
„Selbst nachdem wir die Strafe für unerlaubtes Pupsen drastisch erhöht haben, wurden die Leute nicht einsichtig.“, wirft Gobumba Bobbelhump ein.
„Dann haben wir eine Steuer auf Kraut und Ampfer eingeführt – aber meine Bürger kaufen es weiter“, fährt Präsident Gümmerlich fort.
„Nicht einmal nachdem wir die Steuerabgaben für Kraut und Ampfer verdoppelt haben, hörten die Leute auf, es zu kaufen“, ergänzt Gobumba Bobbelhump.
„Und der Steuererlass für Bürger, die vielfarbig pupsen, hat natürlich auch nichts genützt. Kein einziger Bürger will vielfarbig pupsen“, stellt Präsident Gümmerlich fest.
„Nichts genützt. Kein einziger“, seufzt Gobumba Bobbelhump.
„Möchten Sie noch etwas Ampfer-Tee, Fräulein Bobbelhump?“ fragt Präsident Gümmerlich.
„Nein, danke sehr, Herr Präsident“, antwortet Gobumba Bobbelhump.
„Nein, ich hab auch genug“, seufzt Präsident Gümmerlich.

Osmald Riemschmalz und Obgus Fimmbaus und Goldo Ginsburg und der dumme Ollo sitzen immer noch in der Schenke im kleinen Dorf und seufzen ab und zu und gucken trübsinnig in ihre halb vollen Gläser mit Kraut-Tee und zerbrechen ihre Ampferstangen in immer kleinere Stücke.
Der dumme Ollo fragt: „Warum trinken wir denn immer Kraut-Tee?“
„Weil er uns schmeckt“, seufzt Osmald Riemschmalz.
„Und warum knabbern wir Ampferstangen?“ fragt der dumme Ollo.
„Weil sie so gesund sind“, antwortet ihm schwer ausatmend Obgus Fimmbaus.
Der dumme Ollo überlegt. „Und warum trinken wir dann fast gar nichts von dem Kraut-Tee und zerbröckeln die Ampferstangen nur?“
„Ach, du dummer Ollo...“ sagt traurig Goldo Ginsburg. „Ach, du dummer Ollo.“

Im Haus von Präsident Gümmerlich herrscht Hochbetrieb. Die vielen Leute sind sind mittlerweile so erschöpft und verwirrt vom vielen Hin- und Herlaufen, dass langsam alles durcheinander gerät. Präsident Gümmerlich liest gerade ein paar frisch fertig gestellte Pläne zur Beseitigung des Vielfarbige-Wolken-Problems.
„Fräulein Bobbelhump, was hat denn das hier zu bedeuten? Hier steht, dass wir den Kraut- und Ampferbauern mehr Geld geben sollen, damit sie mehr vielfarbige Wolken produzieren können.“
„Ja, da muss etwas durcheinander gekommen sein, Herr Präsident“, antwortet Gobumba Bobbelhump.
„Und hier, Fräulein Bobbelhump. Hören Sie: Große Säcke in die Mützen ein nähen, damit die Ohren keine vielfarbigen Töne mehr hören können“, ruft Präsident Gümmerlich.
„Also wie das passieren konnte ist mir ein Rätsel, Herr Präsident“, erwidert Gobumba Bobbelhump.
„Ja also das ist doch die Höhe!“ donnert Präsident Gümmerlich. „Hier steht: Alle Staubsauger im Land auf Umkehrschub stellen, damit die vielfarbigen Wolken überall herumwirbeln. Wie erklären Sie sich das, Fräulein Bobbelhump?“
„Ja, darauf weiß ich nun wirklich keine Antwort, Herr Präsident“, entgegnet kopfschüttelnd Gobumba Bobbelhump.

Und in der Schenke im kleinen Dorf sitzen Osmald Riemschmalz und Obgus Fimmbaus und Goldo Ginsburg und der dumme Ollo und starren in ihre halb vollen Gläser mit Kraut-Tee und schieben die Ampferstangenkrümel vom Tisch.
Und der dumme Ollo sagt: „Also wenn's hier keinen Steak-Kuchen und keine Rinderspätzle und keine Wildganspastete gibt, dann kann ich ja auch in den Wald gehen.“
„Ja, dummer Ollo“, seufzt Osmald Riemschmalz, „das kannst du wohl tun.“
Der dumme Ollo geht nämlich sehr gern in den Wald und macht dort oft tagelange Wanderungen, manchmal bis tief in die Wälder, und auch die Grenzen des Landes hat er dabei schon erreicht. Der dumme Ollo sagt: „Da gibt es auch nicht diesen komischen matten, stumpfen, blass-grünen Dunst.“
„Nein, dummer Ollo“, erwidert Obgus Fimmbaus traurig, „den gibt es dort nicht.“
Im Wald leben nämlich fast gar keine Menschen und deshalb gibt es dort auch kaum jemanden, der matte, stumpfe, blass-grüne Wolken macht.
Der dumme Ollo sagt: „Bis auf den Zauberturm vom bösen Zauberer. Bei dem schwebt auch immer so eine matte, stumpfe, blass-grüne Wolke ums Zauberturmdach.“
Als der böse Zauberer das Land verfluchte, schloss nämlich sein Fluch auch ihn selbst nicht aus.
„Ja, dummer Ollo, bis auf den Zauberturm vom bösen Zauberer“, will Goldo Ginsburg schon sagen aber mitten im Satz stutzt er. „Beim bösen Zauberer also auch?“ fragt er den dummen Ollo.
Ja, beim bösen Zauberer also auch“, antwortet ihm der dumme Ollo.
„Der könnte sich doch einfach durch irgendeinen teuflischen Zauber von diesen matten, stumpfen, blass-grünen Wolken befreien“, ruft Obgus Fimmbaus.
„Wahrscheinlich stören sie ihn gar nicht“, vermutet Osmald Riemschmalz. „Der ist doch selber so ein blass-grüner Halunke!“
„Vielleicht könnte er ja für uns machen, dass die Wolken weggehen“, schlägt der dumme Ollo vor.
Osmald Riemschmalz, Obgus Fimmbaus und Goldo Ginsburg springen von ihren Plätzen auf. „Was sagst du da?“ rufen alle drei zur selben Zeit.

Im Haus von Präsident Gümmerlich läuft Präsident Gümmerlich in seinem Präsidentenzimmer hektisch auf und ab. Dabei redet er auf Gobumba Bobbelhump ein.
„So kann das nicht weitergehen, Fräulein Bobbelhump. Die letzten Lösungsvorschläge sind allesamt nicht zu gebrauchen.“
„Ja, Herr Präsident, ja ja“, versucht Gobumba Bobbelhump den Präsidenten zu beruhigen. Da kommt Ökman Öbbel in das Zimmer und sagt zu Präsident Gümmerlich: „Da sind vier Bürger, die sie sprechen möchten, Herr Präsident.“ Ökman Öbbel ist auch irgendwie so etwas ähnliches wie ein Sekretär.
„Sind diese Bürger denn wichtige Leute?“ fragt Präsident Gümmerlich Ökman Öbbel.
„Nein, Herr Präsident“, antwortet dieser.
„Dann kann ich nicht mit ihnen sprechen. Ich spreche nur mit wichtigen Leuten“, sagt der Präsident mit wichtiger Stimme.
„Der Präsident spricht nur mit wichtigen Leuten“, sagt Gobumba Bobbelhump mit noch wichtigerer Stimme.
„Diese vier Bürger sagen aber, es sei wichtig, Herr Präsident“, merkt Ökman Öbbel an.
Präsident Gümmerlich überlegt. „Mmh... Wenn es wichtig ist, dann kann ich vielleicht doch mit ihnen reden. Vielleicht macht das diese Bürger ja wichtig, wenn es wichtig ist, was sie mit mir besprechen wollen. Was meinen Sie, Fräulein Bobbelhump?“
„Das könnte durchaus sein, Herr Präsident“, antwortet Gobumba Bobbelhump. „Es könnte aber auch nicht so sein.“
Der Präsident überlegt wieder. Nach einer langen Überlegpause sagt er schließlich zu Ökman Öbbel, der schon ganz unruhig von einem Fuß auf den andern tritt: „Also gut. Wenn es wichtig ist, dann schicken Sie die vier Bürger mal herein.“
„Jawohl, Herr Präsident“, antwortet Ökman Öbbel erleichtert und verlässt das Zimmer wieder. Gleich darauf treten Osmald Riemschmalz, Obgus Fimmbaus, Goldo Ginsburg und der dumme Ollo ein.
„Ja, meine lieben Bürger, was gibt es denn wichtiges?“ fragt Präsident Gümmerlich die vier in väterlichem Ton. Diese sind etwas verlegen weil sie ja noch nie beim Präsidenten im Haus waren und schon gar nicht in seinem Zimmer.
„Ja also...“ beginnt zögernd Osmald Riemschmalz.
„Das ist so...“ ergreift beherzt Obgus Fimmbaus das Wort, weiß dann aber nicht mehr, was er sagen wollte.
„Wir...“ fängt Goldo Ginsburg an und hört wieder auf.
Präsident Gümmerlich blickt ratlos in die Runde. „Meine lieben Bürger, was wollt ihr mir denn nun mitteilen?“
„Wir –“ „Also –“ „Ähm –“ sagen Osmald Riemschmalz, Obgus Fimmbaus und Goldo Ginsburg fast gleichzeitig und schweigen wieder. Da redet der dumme Ollo.
„Wir wollen vorschlagen, zu dem bösen Zauberer zu seinem Zauberturm zu gehen und ihn zu fragen, ob er für uns die Wolken wegzaubern kann.“
Präsident Gümmerlich haut mit der flachen Hand auf seinen großen Schreibtisch, dass alle sich erschrecken und ruft: „Das ist ja unglaublich. Wie heißt du, mein braver Bürger?“ fragt er den dummen Ollo.
„ich bin der dumme Ollo“, antwortet der.
„Fräulein Bobbelhump, wie ist das möglich?“ ruft Präsident Gümmerlich. „Die gesamte Regierung beschäftigt sich seit Tag und Nacht mit dem Problem „vielfarbige Wolken“ und kommt zu keiner brauchbaren Lösung, und dann kommt der dumme Ollo daher und weiß genau, was zu tun ist!“
„Also, Herr Präsident, das müssen wir erst einmal gründlich analysieren und kalkulieren und verklauseln, bevor wir dazu etwas sagen können“, erwidert Gobumba Bobbelhump.
„Es war nicht nur die Idee vom dummen Ollo“, rufen Osmald Riemschmalz, Obgus Fimmbaus und Goldo Ginsburg.
Und der Präsident tönt mit vornehmer Stimme: „Natürlich, meine braven, lieben Bürger. Auf zum bösen Zauberer!“
Und alle im Zimmer machen sich in Windeseile auf zum weit entfernten Zauberturm in den tiefen Wäldern an der Grenze des Landes. Es kommen noch viele wichtige Leute aus dem Haus des Präsidenten mit, die unbedingt dabei sein müssen, wie Präsident Gümmerlich sagt, und auf dem Weg durch die Hauptstadt schließen sich ihnen noch viele Bürger an.

Nach ein paar Tagen kommt die große Gruppe endlich total erschöpft beim Zauberturm an. Alle waren nämlich so überstürzt aufgebrochen, dass sie ganz vergessen hatten etwas zu essen mit zu nehmen oder die richtigen Wanderschuhe und einen Wanderstock, und schlafen mussten sie alle unter freiem Himmel, nur von den großen Bäumen überschattet. Sogar der Präsident hatte lediglich ein kümmerliches Zelt für sich, das die wichtigen Leute aus ihren Jacken und Mänteln angefertigt hatten. Nachdem sie nun also durch das Land und durch die großen Wälder gewandert sind und dabei viele Abenteuer erlebt haben, die so aufregend waren, das man darüber eine eigene Geschichte erzählen könnte, stehen sie schließlich müde und hungrig im Hof des bösen Zauberers vor dem verschlossenen Eingangstor des großen Zauberturmes.
Der Turm ist wirklich sehr hoch. So hoch, dass er nur durch Magie vorm Umstürzen bewahrt wird, und er ist aus großen, grauschwarzen Steinen erbaut. Im Hof steht auch der Zauberbrunnen, der dem bösen Zauberer die Diät verordnet hat.
Präsident Gümmerlich, der während der Reise als einziger einigermaßen etwas gegessen hat – einige Bürger hatten zufällig noch etwas Kraut und Ampfer in ihren Taschen gehabt – fühlt sich als einziger kräftig genug zum Rufen. Und da er ohnehin der Präsident ist und das deshalb seine Aufgabe ist, ruft er den Turm hinauf: „Sehr geehrter böser Zauberer, wir möchten gern mit dir reden!“
Eine Weile passiert gar nichts und die Bürger und die wichtigen Leute und Gobumba Bobbelhump und Ökman Öbbel und Osmald Riemschmalz und Obgus Fimmbaus und Goldo Ginsburg murmeln unruhig durcheinander. Nur der dumme Ollo guckt in der Luft herum, als würde er an gar nichts denken, was wahrscheinlich sogar stimmt. Er ist weite Wanderungen ja gewohnt und außerdem hat er auch den großen Zauberturm schon gesehen und außerdem macht er sich eigentlich nie viele Sorgen um irgend etwas.
Dann öffnet sich endlich ein kleines Fenster, ungefähr eine Haushöhe über den Köpfen der großen Gruppe, und der böse Zauberer schaut heraus. Mit kratziger, gehässiger Stimme ruft er herunter: „Ruhe da unten! Was fällt euch ein, meinen Grund und Boden zu betreten!“
Sofort sind alle im Hof mucksmäuschenstill. Präsident Gümmerlich bemüht sich, sein Würde zu bewahren und ruft mit leicht zitternder Stimme zum bösen Zauberer herauf.
„Hoch geschätzter böser Zauberer, wir sind von weit her gekommen und haben eine beschwerliche Reise hinter uns und wir möchten dich gern um einen Dienst für das Vaterland bitten.“
Der böse Zauberer lacht laut und hämisch. „Ha ha ha! So, um einen Dienst für's Vaterland wollt ihr mich bitten. Und worin bestünde dieser Dienst, wenn ich fragen darf?“
Präsident Gümmerlich räuspert sich laut und ausgiebig und ruft dann: „Wir möchten dich freundlichst bitten, Herr Zauberer, die vielfarbigen Wolken weg zu zaubern.“
Wieder lacht der böse Zauberer und zwar so gemein und widerlich, dass alle unten im Hof erschrocken zusammen zucken.
„Das könnte euch so passen, ihr Fresssäcke! Wohl damit ihr euch wieder dick und rund fressen könnt mit all dem ungesunden, köstlichen Zeug, das ihr den ganzen Tag in euch rein stopft. Aber das könnt ihr euch hübsch abschminken. Ich habe besseres mit meiner Zeit anzufangen.“
Und nachdem der böse Zauberer diese Worte gesprochen hat beißt er in einen Kraut-und-Ampfer-Riegel, verzieht das Gesicht und kaut das Stück herunter, und man sieht, dass es ihm gar nicht schmeckt. Und obwohl keiner von der Gruppe im Hof Kraut-und-Ampfer-Riegel auch nur ein bisschen leiden mag, läuft jedem das Wasser im Mund zusammen, so hungrig sind sie.
„Großer, gütiger böser Zauberer“, beginnt Präsident Gümmerlich von neuem, „wir haben für die Reise zu dir einige Tage gebraucht und haben die ganze Zeit über fast gar nichts gegessen. Hättest du vielleicht zumindest ein wenig zu essen für uns übrig?“
„Essen? Das könnt ihr haben“, ruft der böse Zauberer herunter. „Hier habt ihr Essen, das habt ihr doch so gern!“
Darauf murmelt er einen Zauberspruch und vom Himmel fallen Unmengen der köstlichsten Speisen wie man sie sich verlockender nicht vorstellen kann: Karamellpudding, Schoko-Eis mit doppelt Schokolade und Schoko-Glasur, Dampfnudeln mit Preiselbeersoße, knusprige, gebackene Hühnchen, Hot-Dogs mit dreifach Käse, Salami-Ananas-Pizza, Nudelauflauf, Pfannkuchen mit Blaubeersirup, Pommes Frittes mit Ketchup, Bratwürste mit Senf, Schwarzwälder Kirschtorte, Streuselschnecken mit Zuckerguss und noch unzählige andere wunderbare Gerichte, so viele, dass ich sie hier gar nicht alle aufzählen kann. Und alles landet im Hof des bösen Zauberers vor den Füßen der hungrigen Gruppe. Der böse Zauberer lacht noch einmal hämisch und verschwindet dann im inneren des Zauberturmes.
Die im Hof zurückgelassenen schauen gierig auf all die leckeren Sachen, auf die sie schon so lange verzichten müssen. Schon greift Gobumba Bobbelhump nach einer köstlich duftenden Zimtschnecke, da tönt eine tiefe Stimme.
„Was muss ich da sehen? Lauter ungesundes Zeug? Hier im Hof des Zauberers?“
Alle im Hof fahren erschrocken zusammen. Präsident Gümmerlich fragt ängstlich mit leiser Stimme: „Bitte, wer spricht denn da?“
„Ich bin der Zauberbrunnen“, tönt die tiefe Stimme zurück, und jetzt bemerken die Leute im Hof auch, dass die Stimme tatsächlich aus den Tiefen des Zauberbrunnens heraus zu schallen scheint. Der Zauberbrunnen spricht weiter. „Ich hatte dem Zauberer doch strenge Kraut-und-Ampfer-Diät verordnet. Wie kommt es da, dass jetzt plötzlich all dieses zähne- und magenverderbende Zeug hier im Hof herum liegt?“
Präsident Gümmerlich fragt den Zauberbrunnen vorsichtig: „Dann isst der böse Zauberer also schon immer bloß Kraut und Ampfer?“
„Seit ich ihm die Diät verordnet habe, ja“, antwortet der Zauberbrunnen. „Zumindest dachte ich bisher, dass er die Diät ernst nimmt. Wo er doch extra dafür gesorgt hat, dass alle Gase farbig werden damit jeder immer gleich sehen kann, wenn jemand etwas ungesundes gegessen hat. Aber jetzt, wo ich all dieses ekelhafte, ungesunde Essen hier sehe, muss ich wohl mal ein ernstes Wörtchen mit dem Zauberer reden.“
Da rufen die Leute im Hof empört aus: „Was? Der böse Zauberer ist für die vielfarbigen Wolken verantwortlich? Und wir wollten ihn um Hilfe bitten! Dieser Schuft! Und der Zauberbrunnen ist an allem schuld! Wegen ihm können wir nie mehr alle diese Köstlichkeiten genießen!“
Und sie alle werden darüber so wütend, dass sie ganz vergessen, wie erschöpft sie sind und sich jeder etwas von den Köstlichkeiten greift und es in den Zauberbrunnen schleudert. Der Zauberbrunnen fängt daraufhin an zu brodeln und zu beben, denn er kann ja all diese Köstlichkeiten nicht ausstehen. Die Leute weichen ängstlich vor dem zitternden, krachenden Kostverächter zurück. Und kaum sind alle in Deckung gegangen, da explodiert der Zauberbrunnen mit lautem Getöse und hinterlässt eine große, unendlich vielfarbige Wolke.
Der dumme Ollo ruft: „Ach, sieht das schön aus!“ Und nach einigem Zögern bemerkt jemand aus der Menge: „Schön? Ja, der dumme Ollo hat Recht!“ Und jemand anderes ruft: „Die vielfarbigen Wolken sind wunderschön!“ Und einer nach dem anderen stimmt ihnen zu und alle fangen an zu jubeln. Und Präsident Gümmerlich ergreift das Wort und alle anderen schweigen und hören zu.
„Meine lieben, braven Bürger. Ich erlasse hiermit ein Gesetz, dass die wunderschönen bunten Wolken ausdrücklich erwünscht sind, und jeder Bürger muss so viel leckere Dinge essen wie er nur möchte, um durch möglichst farbenprächtige Wolken das Landbild zu verschönern. Ich wünsche euch allen einen guten Appetit!“
Alle applaudieren und und jubeln und freuen sich ausgelassen. Und dann stürzen sie sich auf die übrig gebliebenen Köstlichkeiten, die nicht im Zauberbrunnen gelandet sind, und das sind noch immer eine ganze Menge, die ausreicht, um sie alle zehn mal papp-satt zu machen. Osmald Riemschmalz schnappt sich ein Zwiebel-Tomaten-Käse-Gewürz-Omelett, Obgus Fimmbaus verbeißt sich in einen dampfenden Honig-glasierten Schweinebraten, Goldo Ginsburg stopft sich Unmengen Mouse au Chocolat mit Himbeerstreuseln in den Mund, der dumme Ollo kaut genüsslich an einer riesigen, bunten Zuckerstange, Ökman Öbbel taucht seinen Kopf in eine Apfel-Zimt-Pastete, Gobumba Bobbelhump hält schmatzend ein riesen Vanille-Schoko-Erdbeer-Karamell-Joghurt-Sahne-Stachelbeer-Banane-Zitrone-Blaubeer-Eis in den Armen, Präsident Gümmerlich versucht, seinen weit geöffneten Mund um einen fünfstöckigen Hamburger zu schließen und alle anderen Bürger und alle wichtigen Leute mampfen und stopfen und schmatzen und schlemmen schlingen und schlucken und schnabulieren, was das Zeug hält.
Nach ein paar Stunden liegen alle fröhlich verdauend und kugelrund im Hof des bösen Zauberers im Schatten einiger Bäume und halten ein Nickerchen. Und langsam steigen die ersten bunten Wolken auf, und bald ist die Luft erfüllt von den buntesten Farben, und wer nicht schläft, der erfreut sich des Anblicks.
Später, nachdem sich alle erholt haben und frisch und ausgeschlafen und satt sind, packen sie die restlichen Köstlichkeiten als Proviant ein und machen sich auf den Weg zurück nach hause.


Ende zweiter Teil

Dritter und letzter Teil

Es sind bereits einige Wochen vergangen, seit die Reisegruppe um Präsident Gümmerlich glücklich zu hause angekommen und das neue Gesetz bekannt geworden ist. Der dumme Ollo erhielt einen großen, schweren Orden vom Präsidenten, den er immer tragen sollte. Aber er wusste nichts rechtes damit anzufangen und deshalb schenkte er ihn Osmald Riemschmalz, Obgus Fimmbaus und Goldo Ginsburg. Die drei stritten sich zunächst, wer denn von ihnen den Orden tragen dürfe. Am Ende einigten sie sich darauf, dass jeder ihn immer eine Woche lang haben sollte. Und so schreitet nun jede Woche ein anderer von ihnen mit stolz geschwellter Brust und schmerzendem Nacken (der Orden ist ja so schwer und zieht so stark am Hemd) durch die Straßen und Gassen und gibt, wenn die drei und der dumme Ollo zusammen in der Schenke sind, immer für die anderen lauter leckere Sachen aus. Denn wer den Orden trägt, der ist ein wichtiger Mann und wichtige Männer lassen sich nicht lumpen.

Die Sonne ist vor einigen Stunden aufgegangen und nun steht auch Wammso Guckdibus auf, um sich sein Lieblingsfrühstück zu machen: Mozzarella-Pizza mit Apfel-Streusel-Kuchen und Zitroneneier und gebratenen Speck und Schoko-Müsli. Dann klopft er sich auf seinen runden Bauch und geht hinaus, um einen Besorgungs-Spaziergang in die Stadt zu machen. Auf dem Weg kommt ihm Holger Marzipan entgegen und Wammso denkt: „Prima! Holger Marzipan! Dem werd' ich „Hey!“ sagen!“ Und mit einem fröhlichen Lachen im Gesicht und doppelt so großen Schritten schreitet er weiter.
Und als sich die beiden näher kommen sieht Wammso Guckdibus wie Holger Marzipan – puff, puff – eine Kette aus fröhlichen, bunten Wolken hinter sich lässt. Leuchtend gelb, rosa, himmelblau, ziegelrot, türkis.
„Hey Holger!“ ruft Wammso. „Deine Pupswolken sind ja heute besonders prächtig! Lass mich raten: Es gab Mandelrouladen im Speckmantel und zum Nachtisch Wassermelone.“
„Hey Wammso!“ antwortet Holger. „Knapp daneben. Schnitzel mit Mandelkruste und Honigmelonen-Creme. Na und bei dir – braun-gelb, lila, rot, sonnengelb, dunkelbraun und orange – da gab's wohl wieder mal dein Leibgericht, was?“
„Erraten!“ erwidert Wammso. „Dann mach's mal gut, Holger. Bis bald, hey!“
Und Holger antwortet: „Ja, Wammso, du auch. Hey!“
Und beide gehen ihres Weges und die Sonne scheint und es ist ein schöner Tag. Und über den Städten und Dörfern und über dem ganzen Land schweben fröhlich und weithin sichtbar viele große, weite, bunte Wolken.

Tief im Wald an der Grenze des Landes sitzt in seinem großen, grau-schwarzen Zauberturm der böse Zauberer. Würde ihn jemand durch das Fenster des fünfzehn Meter hoch gelegenen Speisezimmers beobachten können, er würde sehen wie der böse Zauberer laut schmatzend vor einer großen Schüssel sitzt. Die Schüssel aber ist gefüllt mit Knusper-Reis und Sahne-Pilz-Soße, die der böse Zauberer genüsslich in sich hinein schlingt.
Jetzt wo der Zauberbrunnen zerstört ist kann der dem bösen Zauberer nämlich keine gemeinen Diäten mehr verordnen. Und deshalb isst der böse Zauberer nun endlich wieder nach Herzenslust, was er möchte. Und er ist dabei so glücklich, dass er gar keine bösen Pläne mehr schmieden möchte. Zumindest nicht in der nächsten Zeit...


Ende


Zuletzt bearbeitet von Sven84 am 13.03.2008, 02:27, insgesamt einmal bearbeitet

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 12.03.2008, 11:02
Weasel
 
Anmeldedatum09.02.2008
Beiträge525
WohnortTönisvorst


Hey, ein kleiner Tipp meinerseits:

wenn du so extrem lange Texte einstellst, wäre es schön, wenn du vorher eine kurze Inhaltsangabe liefern könntest.

Liebe Grüße
Weasel

_________________
Hör auf das, was über diesem Strich hier steht. Es sind weise Worte.

BeitragVerfasst am: 13.03.2008, 02:28
Sven84
 
Anmeldedatum12.03.2008
Beiträge6


ok hab eine inhaltsangabe eingefügt obwohl ich die persönlich nicht leiden kann. ich lass mich lieber von der geschichte selbst ins thema einführen. aber ich sehe den sinn ein. danke

BeitragVerfasst am: 13.03.2008, 10:34
Weasel
 
Anmeldedatum09.02.2008
Beiträge525
WohnortTönisvorst


Ja, danke, so weiß ich, was mich erwartet. Ich werde deinen Text, wenn ich Zeit dazu finde, mal überfliegen.

Gruß Weasel

_________________
Hör auf das, was über diesem Strich hier steht. Es sind weise Worte.

Verfasst am:
 


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