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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Prosa » Doch, doch, ich bin schon tolerant, meistens, irgendwie…
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Doch, doch, ich bin schon tolerant, meistens, irgendwie…

BeitragVerfasst am: 22.03.2008, 20:26
Leilah
 
Anmeldedatum15.10.2007
Beiträge223
WohnortKassel


Mini-Satire zum Thema Nachbarschaft / Teil einer kleinen Serie

Der, der neben mir wohnt, ist anders als ich. Ich meine nicht „ein bisschen anders als ich“ so wie mein Mann anders ist als ich. Und der ist schon ziemlich viel anders als ich. Und das ist auch gut so. Ich meine: Der, der neben mir wohnt, ist völlig anders.
Das wäre normalerweise total egal, auch mir, gerade mir, denn ich bin ja furchtbar tolerant. Ich gebe mir auch irrsinnig viel Mühe, es mir egal sein zu lassen – aber wenn er doch so völlig anders ist...
Der Mann ist so, dass er mich damit von meiner Arbeit ablenkt. Ich sitze an meinem Schreibtisch und will einen Bestseller schreiben, aber es geht einfach nicht, weil ich ständig aus dem Fenster zu ihm hinüber starren muss. Kaum habe ich es geschafft, mich für zwei Minuten auf einen Text zu konzentrieren, da kleben meine Augen schon wieder an ihm fest.
Ich stehe auf, ziehe die Vorhänge zu …und sehe ihn weiter vor mir, vor meinem Inneren Auge. „Das, was er da tut, kann er doch unmöglich wirklich machen!“, geht mir immer und immer wieder durch den Kopf bis ich aufstehe, die Vorhänge wieder zurückziehe und mich vergewissere, dass er es schon wieder tut.
Der, der neben mir wohnt, kniet mit einem Spezialwerkzeug auf seiner riesengroßen Englischen Rasenfläche und murkst einen einzelnen Löwenzahn ab. Dabei guckt er wütend und strengt sich so an, dass er schwitzt. Gleich wird er ihn erwischt haben und triumphierend in die Luft halten, damit die, die neben mir wohnt, seine Frau, es auch sieht. Da! – Ich sag’ s doch. Wedel, wedel, der elende Unkräuterich ist erlegt. Das wusste ich, weil er das immer so macht, also sagen wir mal so einmal pro Woche.
Und daher weiß ich auch, dass er nun die Flasche mit dem Totenkopf öffnen und eine gehörige Portion auf den betreffenden „Schandfleck“ im Rasen kippen wird. Gluck, gluck…fertig. Er putzt sich die Hände an der Arbeitshose ab, schaut noch einmal kritisch zu Boden und entfernt sich zufrieden grinsend mit dem bösen Kraut in Richtung Biotonne.
Also ehrlich: Der, der neben mir wohnt, ist mir irgendwie unheimlich.

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HörBuchKunst - Filmmusik - Prosa und Lyrik: Lauschen, schauen, staunen unter www.leilah-lilienruh.de!

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