 | Ein Roman ohne Beschreibungen? |  |
Verfasst am: 09.03.2008, 15:53 |
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| Weasel |
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| Anmeldedatum | 09.02.2008 | | Beiträge | 525 | | Wohnort | Tönisvorst |
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Hallo zusammen,
Glaubt ihr, es ist möglich, einen Roman zu schreiben und dabei auf jegliche Beschreibungen von Personen, Orten etc zu verzichten? Somit würde sich jeder Leser etwas anders vorstellen und es wäre deutlich schwieriger, ihn zu lenken. Auf der anderen Seite aber könnte der Leser diese Freiheit begrüßen, da ihn der Autor nicht in seine Vorstellung der Story zu zwängen versucht.
Ich habe diese Idee schon etwas länger (vielleicht gibt es das auch schon, keine Ahnung?), einmal einen Roman zuschreiben und dabei auf jegliche Beschreibungen zu verzichten.
Anlass dafür waren so ziemlich alle Romane, die ich bisher gelesen habe, jüngstes Beispiel: Krieg der Welten (ja, das gaaanz alte Teil):
Zuerst beschreibt Wells (das ist der Autor), dass Kriegsmaschinen der Marsleute durch die Stadt marschieren. Punkt. Jeder Leser wird sich jetzt schon seine Gedanke machen, wie diese Maschine wohl aussehen könnte. In den nächsten Sätzen folgt dann die Beschreibung des Autors: Dreibeiniges Ding mit Kessleartigem Kopf und Tentakelartigen Armen. Mhhh...wohl so ziemlich jeder Leser wird sich etwas anders vorgestellt haben und wird daher die Beschreibung des Autors entweder ignorieren und seine eigene Vorstellung weiterhin benutzen (so wie ich es immer mache) oder er versucht krampfhaft die Vorstellung des Autors zu übernehmen. Aber so oder so schlägt es dem Leser übel auf (meiner Meinung nach)
GLaubt ihr, dass es möglich ist, einen Roman gänzlich ohne Beschreibungen von Personen, Orten etc zu schreiben. Wie wäre die Wirkung?
Ich für meinen Teil brauche keine Beschreibungen: Egal, ob ich einen Namen, oder was auch immer höre, ich habe sofort eine Vorstellung davon, auch ohne eine Beschreibung des Autors.
Lg Weasel |
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_________________ Hör auf das, was über diesem Strich hier steht. Es sind weise Worte. |
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Verfasst am: 09.03.2008, 16:36 |
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| Thorolf |
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| Anmeldedatum | 03.03.2008 | | Beiträge | 53 | | Wohnort | Elbe-Weser-Dreieck |
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Klar hat jeder sofort eine Beschreibung im Kopfe parat, er liest's ja schließlich und sortiert alles oben ein.
Aber ich denke, es würde sich sehr schwer lesen lassen und -mit Verlaub gesagt- langweilig sein.
Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen! |
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_________________ Ich weiß nicht, wie Du das siehst, wahrscheinlich anders, denn Du bist anders!
Wie schön!
Stelle Dir nur mal vor, alle Menschen wären gleich!
Wie langweilig!
www.thorweil.de |
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Verfasst am: 09.03.2008, 16:42 |
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| Weasel |
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| Anmeldedatum | 09.02.2008 | | Beiträge | 525 | | Wohnort | Tönisvorst |
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Ja, das ist ja gerade die Frage, ob es langweilig wäre oder nicht. Auf jeden Fall würde es ein Buch vom Umfang her um einiges verkürzen.
Vielleicht würde es ja auch das Gegenteil bewirken und die Handlung spannender machen, da alles gestrafft wird... |
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_________________ Hör auf das, was über diesem Strich hier steht. Es sind weise Worte. |
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Verfasst am: 09.03.2008, 16:51 |
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| Birgit Fabich |
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| Anmeldedatum | 23.10.2007 | | Beiträge | 733 | | Wohnort | Füchtorf |
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weasel,
eine Idee, die mir beim Lesen gerade kam,
war, dass man ein Buch versuchsweise wie ein Selbstlerngang aufbaut, in 2-3 Teilen jede Seite und dann, nach dem Muster,
wenn Du das denkst, geht es weiter auf Seite 7,
willst Du darüber mehr wissen, geht es weiter auf Seite 15,...
wobei ich denke, ganz ohne Beschreibungen, die meine Phantasie anregen, auch wenn ich mir etwas ganz anderes vorstelle, als sich der Autor gedacht hat, finde ich merkwürdig, ein wenig so, als ob sich der Autor gar keine Mühe gegeben hat, ich ihm nicht mal ein wenig Input wert bin.
Gerade das Zusammenspiel von Beschreibung, Handlungen, Personen, meinen Vorstellungen, Spannung und Auflösung macht ein lesenswertes Buch aus. Lese ich ein Buch aus Südamerika brauche ich die blumigeren, ausführlicheren Beschreibungen, die dann schon fast den langsamen Rhythmus des Tanzens und Gehens symbolisieren.
Lese ich eine Geschichte aus der Arktis, soll es so kalt sein, dass ich die Geschichte nur in einer heißen Badewanne lesen kann.
Nicht nur der Inhalt ist wichtig, für mich muß die Einheit stimmig sein, darum lese ich gern die Bücher im original, laß mich auf den entsprechenden Sprachductus und Rhythmus ein und kann dann wirklich abtauchen ins Geschehen, baue mit an der Kathedrale, schwitze in Südamerika und sehe die Frau im Baum...
Ist aber nur meine Meinung
Gruß Birgit |
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Verfasst am: 09.03.2008, 16:54 |
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| Birgit Fabich |
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| Anmeldedatum | 23.10.2007 | | Beiträge | 733 | | Wohnort | Füchtorf |
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Spannender kannst Du es auch machen, in dem Du den Tathergang aus verschiedenen Sichten schreibst, die manchmal ja so unterschiedlich sind, dass man denkt, es sind unterschiedliche Geschichten, weil jeder eine andere Sichtweise hat und die Ereignisse anders bewertet,
habe ich ausprobiert in einer kurzen Geschichte
Sans souci (das Buch kommt erst im November raus, ich quäle mich noch mit dem passenden Bild gerade zu dieser Geschichte)
Gruß Birgit |
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Verfasst am: 09.03.2008, 18:46 |
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| CeKaDo |
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| Anmeldedatum | 15.11.2007 | | Beiträge | 313 | | Wohnort | Schwelm |
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Ein wichtiges Merkmal guter Fantasiereisen ist es, dem Reisenden allen Freiraum zu lassen, sich seine Welt selbst zu gestalten.
Ich kann sagen "Vor Dir siehst Du ein Haus." und der Film im Kopf des Hörenden gestaltet ein Haus, wie eben er es sich vorstellt.
Ich kann auch sagen "Vor Dir siehst Du ein großes Haus mit vielen weißen Fenstern und einer geschwungenen Auffahrt." Damit ist zwar noch immer Freiheit gegeben, doch ist sie gegenüber der ersten Variante schon arg eingeschränkt.
Es wäre mir eine Freude, einmal einen Roman zu lesen, den ich gedanklich selbst gestalte und nur leicht vom Autoren geführt werde. Interessant, kein Frage! |
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Verfasst am: 10.03.2008, 07:33 |
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| Claire |
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| Anmeldedatum | 07.12.2007 | | Beiträge | 453 | | Wohnort | Bochum |
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Weasel hat geschrieben:
| Zitat: | | In den nächsten Sätzen folgt dann die Beschreibung des Autors: Dreibeiniges Ding mit Kessleartigem Kopf und Tentakelartigen Armen. Mhhh...wohl so ziemlich jeder Leser wird sich etwas anders vorgestellt haben |
Genau das war einer der Gründe, warum sich die Filmindustrie so schwer tat mit der Verfilmung. Es gibt ja einige Versionen, aber keine wirklich gute, weil es nicht gelingt, die Vorstellungen der Leute unter einen Hut zu bringen.
Ob man ganz ohne Beschreibungen auskommen kann, weiß ich nicht, aber zumindest könnte man sie minimieren. Das könnte sehr spannend werden.
LG Claudia |
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_________________ LG Claudia
Jede Katze ist ein kleiner Druide! Sie leben im Hier und Jetzt. Wir sollten uns ein Beispiel daran nehmen! Wir müssen ja nicht unbedingt schnurren. |
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Verfasst am: 10.03.2008, 07:51 |
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| hwg (Moderator) |
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Es gibt ja auch Romane, die beinahe nur aus Dialogen bestehen.
Aus diesen können beim Leser durchaus Vorstellungen über die
handelnden Personen und deren Umfeld geweckt werden. |
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Verfasst am: 10.03.2008, 12:18 |
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| Weasel |
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Kannst du mal ein Beispiel nennen, hwg? Wäre nett, ich kenne nämlich keinen Roman, der so geschrieben ist.
Liebe Grüße
Weasel |
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_________________ Hör auf das, was über diesem Strich hier steht. Es sind weise Worte. |
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Verfasst am: 10.03.2008, 12:28 |
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| hwg (Moderator) |
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Ein Beispiel, weil ich dieses Buch gerade ausgelesen habe:
Thomas Glavinic, "Das bin doch ich", Hanser-Verlag.
Ein fiktives Selbstporträt eines österreichischen Schriftstellers, Jahrgang 1972.
Es besteht nicht n u r aus Dialogen, doch in den zahlreich vorhandenen kommt das lokale (Wien) und regionale (Steiermark u.a.) Kolorit gut zum Ausdruck.
Werde in meiner Bibliothek nach weiteren Beispielen stöbern, ad hoc sind meine Gedanken beim Tippen von Presseberichten, der Montag, Dienstag und Mittwoch sind diesbezüglich meine "Stress-Zeiten".  |
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Zuletzt bearbeitet von hwg (Moderator) am 10.03.2008, 12:33, insgesamt einmal bearbeitet |
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Verfasst am: 10.03.2008, 12:30 |
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| Weasel |
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Ah, okay, danke für die Infos! Werd ich mir bei Gelegenheit bestimmt mal näher anschauen.
(Irgendwie wusste ich, dass ich nicht der erste mit dieser Idee bin )
Lg
Weasel |
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_________________ Hör auf das, was über diesem Strich hier steht. Es sind weise Worte. |
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Verfasst am: 10.03.2008, 12:34 |
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| hwg (Moderator) |
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Vorhin habe ich vergessen, das Wort Kolorit zu tippen. Hab's nachgeholt.
Das kommt vom Hudeln!  |
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Verfasst am: 13.03.2008, 22:44 |
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| frangsen |
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Was ist denn bitte "Hudeln"?
Herumtorfen bzw. Dösbaddeln?
Wie dem auch sei. Viele Dialoge gibt's auch in Tennessee Williams, A streetcar named desire (Endstation Sehnsucht).
Frank |
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Verfasst am: 13.03.2008, 23:03 |
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| ChrisK |
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| frangsen hat Folgendes geschrieben: |
Wie dem auch sei. Viele Dialoge gibt's auch in Tennessee Williams, A streetcar named desire (Endstation Sehnsucht).
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Das könnte daran liegen, dass das ein Theaterstück ist.
Gruß
Chris |
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Verfasst am: 13.03.2008, 23:06 |
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| CeKaDo |
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Mich gruselt es vor Büchern, die aus Dialogen bestehen oder so unendlich dialoglastig sind. Die meisten davon scheinen von Frauen zu stammen. Was wiederum in meine Lebenserfahrung passt.
Reden, reden, reden, niemals handeln.  |
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