| Fabula |
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| Anmeldedatum | 09.01.2008 | | Beiträge | 128 | | Wohnort | Arnsberg |
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Ein wichtiger Spezi
Keine Frage, er gehört zweifelsfrei zu der Spezies: „Außenseiter“.
Sein Doppelname sagt das schon aus: Strichpunkt.
Er ist also ein Typ, der sich nicht entscheiden kann, weder Fleisch noch Fisch und die Bezeichnung ist auch nicht korrekt, denn es ist doch wohl kein Strich, sondern ein Komma gemeint.
Weil sich der Punkt oberhalb befindet, müsste er eigentlich Punktstrich, nicht Strichpunkt, heißen.
So würden es wohl Logiker handhaben.
Aber es nicht meine Aufgabe, einen längst eingebürgerten Sprachgebrauch zu verändern. Womöglich weiß dann niemand mehr, was damit gemeint ist.
Ich habe auch keine Lust herauszufinden, wer für seine Entstehung verantwortlich ist. Adam Riese kann es nicht sein, er hatte andere Zeichen im Kopf.
Es ist sehr lange her, dass er mir auf einem beschriebenen Blatt begegnet ist. Es sei denn, dass ich mich zuviel auf das „Blindschreiben“ verlassen habe und er plötzlich, ganz unbeabsichtigt, erschien.
Er jagte mir bei seinem Auftauchen Verwunderung ein, denn ich war mir seiner Existenz nicht mehr bewusst. Er kann nichts dafür, ist er doch auf jeder Tastatur zu finden. Er veranlasste mit seinem Erscheinen, dass ich mich mit ihm beschäftigte und über ihn nachdachte.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ihn sehr vernachlässigt habe. Dabei ist er durchaus nicht ohne Bedeutung. Es wäre eine interessante Aufgabe für Sprachforscher, ihn wieder in das Bewusstsein zu bringen.
Statistiker hätten eine nutzbringende Tätigkeit, wenn sie die Häufigkeit seiner Anwendung herausfinden würden.
Was will er eigentlich aussagen?
Er steht für eine Sache, die noch nicht ganz abgeschlossen ist.
Optimisten würden sagen:
„Es gibt noch Hoffnung, dass die Dinge sich zum Guten wenden.“
Andererseits ist er ein Synonym für Menschen, die sich nur schwer entscheiden können. Ich meine diese Verfechter von ’jein’, einem Wort, über das hier besser nicht geredet wird. Schließlich ist es noch nicht einmal im Duden zu finden.
Wie herzerfrischend ist dagegen die Aussage eines einfachen Fußballtrainers.
Die Bedeutung des Strichpunktes ließ sich enorm steigern, wenn er medientauglich gemacht werden könnte. Er würde jede Talkshow bereichern, besonders, wenn die Kandidaten an der Richtigkeit der Aussage Zweifel hätten.
Ich denke an werbewirksame Sprechblasen, die über den Köpfen der Redner zu sehen wären. Aber bitte in Farbe, nicht in schwarz-weiß!
Noch wirksamer wäre es, ein Komponist würde sich seiner annehmen und eine Melodie auf ihn schreiben. Jedes Mal, wen jemand über einen Entwurf spricht, könnte sie erklingen und uns auf diese Eigenschaft hinweisen.
Sehr hilfreich ist er in der Hand von Schriftstellern, die bei der Recherche geschludert haben.
Ich bin mir sicher, dass ihn die Wissenschaftler in ihren Veröffentlichungen häufig anwenden. Stellt sich dann evtl. doch ein Fehler heraus, könnte man sich auf ihn berufen und wäre aus dem Schneider.
Es scheint mir eine wichtige Frage: Wie soll man seine Bedeutung sprachlich ausdrücken? Beim Punkt senkt man die Stimme, beim Komma hebt man sie. Aber wie verhält man sich beim Strichpunkt?
Schauspielschulen könnte man konsultieren, um eine Lösung zu finden.
Ein neuer Gedanke tut sich auf: War der Strichpunkt Inhalt der Pisa-Studie? Leider habe ich keinen Kontakt zum Schulministerium um das herauszufinden. Es wäre interessant zu erfahren, ob den Schülern seine Bedeutung in aller Gründlichkeit vermittelt wird. Vielleicht war die Unkenntnis über ihn ja der Grund für das schlechte Abschneiden in den einzelnen Bundesländern.
Nicht hinweg zu denken ist er für eine beginnende Beziehung. Wenn die Angebetete sich noch ziert und immer wieder mit einem „vielleicht“ antwortet, könnte der Betreffende die Frage stellen, ob mit oder ohne Strichpunkt. Falls mit, könnte er dem Werbenden noch Hoffnung machen.
Ich jedenfalls, werde mich in Zukunft bemühen seinen Gebrauch wenigstens zu erwägen.
Pardon;
©Fabula |
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