 | Faust 1: Brauche eure Hilfe |  |
Verfasst am: 19.04.2007, 19:48 |
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| guzador |
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| Anmeldedatum | 19.04.2007 | | Beiträge | 2 |
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Hallo zusammen
wie schon im titel erwähnt brauche ich eure hilfe, weil ich am montag einen test über das buch "faust" schreiben muss. da ich die letzen beiden tests im deutsch total versifft habe, konnte ich für meinen faust-test die prüfung eines schüler auftreiben, der den test letztes jahr schon geschrieben hat. allerdings brauche ich noch bei den folgen fragen euren input:
1. erörtere das zitat "zwei seelen wohnen, ach! in meiner brust " (1112) indem du die beiden seelen definierst.
2. erörtere das thema "schuld" im zusammenhang mit den beiden folgenden textstellen und liste eine dritte auf. "es irrt der mensch, sonlang er strebt" (317), "ein guter mensch in seinm dunklen drange / ist sich des rechten weges wohl bewusst" (328/9)
3. faust hat erkannt "dass wir nichts wissen können", trotzdem verlangt er nach einem wissen, das geeignet ist, "die menschen zu bessern und zu bekehren".
a) welches "wissen" ist hier gemeint?
b) wieso reicht dies wissen nicht bei der beantwortung der berühmten gretchen-frage?
4. welchen stellenwert had das "magische" - erkläre dieen hinsichtlich der formalen und inhaltlichen bedeutung im drama
5. gretchen ist am schluss von faust 1 "gerettet"?
a) wie deutest du diese formulierung?
b) und was ist mit faust? nenne ein passendes adjektiv und begründe deine wahl.
vielen dank für eure hilfe
gruss guzador |
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Verfasst am: |
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 | Re: Faust 1: Brauche eure Hilfe |  |
Verfasst am: 19.04.2007, 23:55 |
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| guzador hat Folgendes geschrieben: | Hallo zusammen
wie schon im titel erwähnt brauche ich eure hilfe, weil ich am montag einen test über das buch "faust" schreiben muss. da ich die letzen beiden tests im deutsch total versifft habe, konnte ich für meinen faust-test die prüfung eines schüler auftreiben, der den test letztes jahr schon geschrieben hat. allerdings brauche ich noch bei den folgen fragen euren input:
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Es ist völlig logisch, dass man seine Tests in Deutsch verhaut, wenn man zu bequem ist, sich mit der Materie auseinanderzusetzen und sich, statt eigene Arbeit zu investieren, bei anderen bedient. Mein Rat: „Faust“ lesen, oder „Faust“ sich als Hörbuch besorgen und anhören, oder „Faust“ auf der Theaterbühne oder als Film anschauen (z. B. die Fassung von 1960 mit Quadflieg als Faust und Gründgens als Mephisto - sehr, sehr gut!), damit man wenigsten halbwegs weiß, worüber man geprüft wird.
| guzador hat Folgendes geschrieben: |
1. erörtere das zitat "zwei seelen wohnen, ach! in meiner brust " (1112) indem du die beiden seelen definierst.
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Faust pendelt zwischen zwei Extremen: der Wissenschaft auf der einen Seite, das Leben auf der anderen. Wissenschaft sind jene Fakten, die man messen kann; das Leben sind jene Dinge, die über das Messbare hinaus gehen und sich nicht in Maße oder Formeln darstellen lassen, wie etwa Glauben oder Liebe.
| guzador hat Folgendes geschrieben: |
2. erörtere das thema "schuld" im zusammenhang mit den beiden folgenden textstellen und liste eine dritte auf. "es irrt der mensch, sonlang er strebt" (317), "ein guter mensch in seinm dunklen drange / ist sich des rechten weges wohl bewusst" (328/9)
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Zuerst muss man wissen, dass der Satz „es irrt der Mensch, solang er strebt“ nicht von Faust kommt, sondern von Gott (Gott und Mephisto gehen in der Szene eine Wette ein, ob es Mephisto gelingt, Faust vom rechten Wege abzubringen). Von daher gibt der Satz eine Bewertung Gottes wieder. Die Menschen suchen nach der absoluten Erkenntnis, werden diese aber nie finden, da sie eben nur Menschen sind. Daher ist das Scheitern des Menschen nach absoluter Erkenntnis bereits vorbestimmt.
Verse 328/9 sind von Gott an Mephisto gerichtet, der ihn damit warnt, dass sein (Mephistos) Tun scheitern kann, da der Mensch die Wahl hat, welchen Weg – gut oder schlecht – er einschlägt. Diese Wahlfreiheit stellt somit die Verantwortung des Menschen für sein eigenes Leben dar.
Als dritte Textstelle kann man Verse 340-343 nehmen, wo Gott den Menschen als bequem bezeichnet und ihm als Anreiz, etwas zu tun, den Teufel zur Seite stellt. Die Details dazu kannst du im „Faust“ selbst nachlesen.
| guzador hat Folgendes geschrieben: |
3. faust hat erkannt "dass wir nichts wissen können", trotzdem verlangt er nach einem wissen, das geeignet ist, "die menschen zu bessern und zu bekehren".
a) welches "wissen" ist hier gemeint?
b) wieso reicht dies wissen nicht bei der beantwortung der berühmten gretchen-frage?
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Faust zweifelt am Sinn der Wissenschaft, weil sie nicht alles erklären kann, insbesondere nicht die Frage nach dem Innersten, was die Welt zusammenhält. Der zweite Teil der Frage „die Menschen zu bessern und zu bekehren“ ist fälschlich aus dem Zusammenhang gerissen. Es geht mit diesem Vers nicht um den Wunsch Fausts nach mehr Wissen, sondern um seine eigene Unzulänglichkeit, Wissen an andere weiter zu geben. Die Verse 372/3 lauten nämlich:
„Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren, die Menschen zu bessern und zu bekehren.“
Da Faust mit der Wissenschaft die in ihm brennenden Fragen nach dem, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, nicht beantworten kann, wendet er sich der Magie und der Mystik zu.
Für b) muss man erst einmal die Gretchenfrage kennen. Die Gretchenfrage – an Faust gerichtet - findet sich in Vers 3415 „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“, um in Vers 3426 auf den definitiven Punkt gebracht zu werden: „Glaubst du an Gott?“. Die Frage zwingt Faust, seinen eigenen Lebensentwurf zu hinterfragen. Faust als Wissenschaftler stellt die Religion in Frage, kann aber gleichzeitig seinen eigenen Glauben nicht mit wissenschaftlichen Methoden untermauern (deshalb heißt es ja auch „Glauben“ und nicht „Wissen“). Statt mit einem einfachen "Ja" oder "Nein" zu antworten (ein "Ja" wäre ein Bruch mit seiner rein wissenschaftlichen Lebensphilosophie, ein "Nein" würde zu einer notwendigen Begründung führen, die er wissenschaftlich nicht leisten kann), windet sich Faust um eine Antwort herum.
| guzador hat Folgendes geschrieben: |
4. welchen stellenwert had das "magische" - erkläre dieen hinsichtlich der formalen und inhaltlichen bedeutung im drama
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Das Magische ist für Faust der Schlüssel zur finalen Erkenntnis. Da die Wissenschaft als Methode der Erkenntnis nach Ansicht von Faust ausgeschöpft ist, er aber bei bestimmten Fragen noch immer auf Antworten hofft, sucht Faust in der Magie nach den letzten Antworten. Er benutzt dazu ein Buch von Nostradamus und schwört damit den Erdgeist herbei.
| guzador hat Folgendes geschrieben: |
5. gretchen ist am schluss von faust 1 "gerettet"?
a) wie deutest du diese formulierung?
b) und was ist mit faust? nenne ein passendes adjektiv und begründe deine wahl.
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Gretchen und Faust stellen ihre jeweilige Entscheidung dar, in in den Versen 328/9 (s.o.) bereits genannt wurden. Die Zellentür der Kindsmörderin steht offen, die Ketten, die Gretchen gefangen hielten, sind von ihr abgefallen, die Wächter ausgeschaltet – doch wer jetzt die Schwelle der Zellentür überschreitet, der entscheidet sich, Mephistopheles zu folgen. Gretchen erkennt dies und weigert sich zu fliegen. Sie, in der Welt bereits zum Tode verurteilt, überantwortet sich dem Gericht Gottes und steht damit zu ihrem Glauben. Trotz des Mordes an ihrem Kind ist ihre Seele daher gerettet (siehe dazu Mephisto „Sie ist gerichtet.“ und die korrigierende göttliche Stimme von oben: „Ist gerettet.“)
Faust hingegen lässt Gretchen in ihrer Zelle zurück – die Liebe zu ihr ist ganz offensichtlich nicht ausreichend, um bis zu ihrem Ende bei ihr zu bleiben oder gar ihr Schicksal zu teilen – und folgt Mephisto. Er entscheidet sich für das Verlassen des rechten Weges, was die göttliche Stimme mit dem mahnenden Ruf seines Namens quittiert: "Heinrich! Heinrich!". Faust ist verdammt.
| guzador hat Folgendes geschrieben: |
vielen dank für eure hilfe
gruss guzador |
Nochmals mein dringender Rat: selber lesen und am Text arbeiten! Irgendwann fliegst du mit der Methode, andere für dich arbeiten zu lassen, ganz böse auf die Klappe. Was machst du, wenn du mündlich zu dem Thema geprüft wirst?
Grüße
Siegfried |
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 | Re: Faust 1: Brauche eure Hilfe |  |
Verfasst am: 20.04.2007, 08:30 |
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| hawepe |
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Hallo,
| dbs hat Folgendes geschrieben: | | Nochmals mein dringender Rat: selber lesen und am Text arbeiten! Irgendwann fliegst du mit der Methode, andere für dich arbeiten zu lassen, ganz böse auf die Klappe. |
Vielleicht, vielleicht auch nicht. Hier hat es doch auch schon ganz gut geklappt. Wenn sich noch ein oder zwei Forenmitglieder bequemen und eine kuerzere Abhandlung zu den Fragen schreiben, reicht es mit Sicherheit.
Und mit ein wenig Redetalent sollte sich auch eine muendliche Praesentation ueberstehen lassen. Die Zensur ist dann zwar vermutlich nicht ueberwaeltigend, aber dafuer mit minimalstem Kraftaufwand gewonnen.
Beste Gruesse,
Heinz.
PS: Ich bin gerne bereit, zu den Themen etwas zu schreiben - wenn es konkrete Fragen gibt, die eigene Ueberlegungen erkennen lassen. |
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Verfasst am: 20.04.2007, 13:48 |
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| guzador |
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| Anmeldedatum | 19.04.2007 | | Beiträge | 2 |
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| danke für deine hilfe dbs. |
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Verfasst am: |
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 | Re: Faust 1: Brauche eure Hilfe |  |
Verfasst am: 20.04.2007, 15:48 |
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Hallo!
| hawepe hat Folgendes geschrieben: | Und mit ein wenig Redetalent sollte sich auch eine muendliche Praesentation ueberstehen lassen. Die Zensur ist dann zwar vermutlich nicht ueberwaeltigend, aber dafuer mit minimalstem Kraftaufwand gewonnen.
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Das mach mir mal vor.
Den "Faust" nicht gelesen, und soll dann in der mündlichen Prüfung über den "Osterspaziergang" referieren. Wie machst du das?
Grüße
Siegfried |
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Verfasst am: 20.04.2007, 16:01 |
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| Heiner |
| Site Admin |
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Hallo,
ich glaube, von mündlich war gar keine Rede . Aber etwas mehr als `...danke ich bin weg´ hätte es schon sein können.
Aber so ist die Jungend heutzutage; hat es faustdick hinter den Ohren...
Grüße
Heiner |
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Verfasst am: 21.04.2007, 05:43 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Siegfried!
Obwohl ich Faust 1 während meiner Schulzeit mit großer Begeisterung durchforstet und mich über jede inzwischen zur Redewendung gewordene Stelle gefreut habe, hätte ich die Antworten auf die Fragen nicht so einfach aus dem Ärmel schütteln können. Ich bin beeindruckt. Du bist nicht zufällig Deutschlehrer?
Deine Ermunterung, selbst zu lesen und die Gedanken von Dichtern und Denkern unmittelbar aufzunehmen, unterstreiche ich voll und ganz.
Viele Grüße
wgbajohr |
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Verfasst am: 21.04.2007, 13:03 |
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| wgbajohr hat Folgendes geschrieben: | Du bist nicht zufällig Deutschlehrer?
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Nein, bin ich nicht - ganz sicher nicht!
Aber ich habe in den letzten na sagen wir mal 15 Jahren eine Vielzahl von Kursen zum Thema Literatur/Schreibhandwerk/Dramaturgie besucht und gehe daher mittlerweile ganz anders an Bücher (und Filme!) heran. Mitunter passiert es mir, dass ich parallel zur Lektüre des Buches bereits die Analyse läuft. Ganz schlimm ist das bei Filmen, etwa im Fernsehen. Wenn man die benutzten dramaturgischen Techniken kennt, bekommt man sehr schnell mit, wie die Auflösung am Ende aussehen wird - ganz besonders bei Krimis!!!).
Grüße
Siegfried |
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Verfasst am: 21.04.2007, 14:39 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Siegfried!
| Zitat: | | Wenn man die benutzten dramaturgischen Techniken kennt, bekommt man sehr schnell mit, wie die Auflösung am Ende aussehen wird - ganz besonders bei Krimis!!!). |
Es gibt kein Oben ohne ein Unten.
Deine Beiträge zeugen von einem Schreiber, der weiß, worüber er schreibt. Ich bin immer beeindruckt, wenn jemand sein "Handwerk" versteht und dieses "Handwerk" nichts Ehrenrühriges ist. Ich verkneife mir Beispiele für Ehrenrühriges, weil die, die mir spontan einfallen, sehr, sehr schrecklich sind.
Viele Grüße
wgbajohr |
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