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Getarnte Werbug und mögliche Auswirkungen

BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 12:11
julia07
 
Anmeldedatum22.05.2007
Beiträge1316
Wohnort87700 Memmingen


Hallo zusammen,
an anderer Stelle haben wir eine Diskussion dazu angefangen, die ich hier noch einmal aufgreifen möchte, weil jeder von uns davon betroffen sein kann. Ein reales Beispiel:

In einem regionalen Hochglanzmagazin für Frauen, sind, neben der üblichen Werbung, ausschließlich informative Beiträge über regionale Themen abgedruckt, die primär Frauen interessieren - meinen jedenfalls die Macher. Da das Magazin unglaublich aufwändig auf sehr dickem Papier produziert wird (ähnlich solcher Blätter wie Vogue und Madame) und für schlappe Euro 15,20 zu haben ist, kann man annehmen, dass es nicht gerade für die Landfrau gemacht ist.

In der letzten Ausgabe stand ein redaktioneller Beitrag zum Thema Zahnimplantate, in welchem diese Methode aufs höchste gelobt wurde, alles zum Thema Risiken weggelassen wurde und zum Preis, bzw. den Kassenleistungen glatte Lügen verbreitet wurden. Mit anderen Worten, es fand Null Recherche statt!

Nun las diesen Bericht eine (gut betuchte) Bekannte von mir und begab sich zu einem dafür spezialisierten Zahnarzt, über den zeitgleich ein Werbeartikel in der Tageszeitung stand. Dieser erzählte ihr viel Gutes, ohne sie über die exakte Vorgehensweise, geschweige denn die möglichen Risiken aufzuklären. Am Ende fragte sie nach einem möglichen Termin, um das Ganze anzugehen. Diesen Termin sollte sie an der Empfangstheke bekommen.

Dort legte man ihr einen Packen Papier vor, auf dem sie mehr als fünf Unterschriften leisten sollte. Bei näherem Hinsehen entpuppte sich das Ganze als Behandlungsvertrag. Die Dame verließ (ohne Unterschrift)sofort die Praxis und erzählte ihr Erlebnis jedem, den sie traf, auch mir.

Mit dieser Geschichte möchte ich noch einmal darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, redaktionelle Beiträge auch immer mit einem kritischen Auge zu betrachten, besonders, wenn nur "Gutes" zu lesen ist. Auch bei uns ist diese getarnte Werbung verboten, man findet sie aber überall. Besonders anfällig dürften aber die regionalen Druckwerke sein, denn die können sich selten der journalistischen Ressourcen bedienen, die einer FAZ, SZ usw. zur verfügung stehen.

Damit schließt sich auch wieder der Kreis zu uns Autoren und unseren Büchern. Hans hat irgendwo gesagt: "Mich interessieren vor allem Bücher, die sehr unterschiedlich bewertet wurden..."

Mir geht es genauso. Nichts gegen sachliche Inhaltsbeschreibungen, aber Werturteile sind naturbedingt sehr heikel.

LG, Julia

_________________
www.julia-fargg.de
www.cornelia-oehlert.de

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 13:39
hwg (Moderator)
 
Anmeldedatum24.04.2007
Beiträge3930
WohnortA 8786 Rottenmann


Das hier genannte Beispiel ist leider signifikant für deratige "Hochglanz"-Produkte. Allerdings verschwinden viele von diesen wieder bald vom Markt, wie die Auflagenkontrolle (jedenfalls in Österreich) zeigt.

Für solche Zeitschriften zu schreiben, kann für den Autor einige Zeit lang sehr lukrativ sein, deshalb sind auch Pseudonyme stark gefragt Laughing . Ich kenne einige "literarisch" anerkannte Schreiber, die sich - zumindest vorübergehend - durch Atikel in derartigen Publikationen ein "Körberlgeld" verdienen.

Ehrlich gesagt - warum auch nicht? Einem echten "Profi" darf nichts "zu schwer" sein, Amateurschreiber haben in "diesem Geschäft" ohnehin kaum Chancen, dazu fehlt es ihnen (meistens gewollt, wie man gerne liest) ohnehin an der grundlegenden Absicht.

Was mich bloß stört, ist deren "Herabschauen" auf Autoren, die mit ihrer Arbeit Geld verdienen wollen - und auch müssen, haben sie nicht Einnahmenquellen aus wohlhabenden Familien oder einen "normalen" Beruf (vielfach sind es ja Beamte in irgendwelcher Form) zur Verfügung.

Damit will ich keinem aus unserem Pool zu nahe treten, doch eine andere Meinung darf wohl auch hier zur Diskussion stehen?!
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