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Heimatdichter

BeitragVerfasst am: 14.09.2007, 17:55
hwg (Moderator)
 
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Beiträge3410
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Weil's mir g'rad in den Sinn kommt:

Wie steht Ihr zum Begriff "Heimatdichter"?

Ich denke dabei nicht an Autoren aus vergangenen Blut- und Boden-Zeiten, sondern an Euch hier im "Pool".

Die Diskussion ist eröffnet! Very Happy

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 14.09.2007, 18:42
g.c.roth (Moderator)
 
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Beiträge1463
WohnortEmden


Lieber Hans,
dort wo ich lebe, ist das Land unglaublich flach und grün soweit das Auge reicht. Einzig der Blick in Seerichtung wird unterbrochen durch einen kilometerlangen grünen Hügel, der sich Deich nennt. Du kannst dort stundenlang spazieren gehen und Dich mit einem Blick nach links, der seine Grenze erst am Horizont auf dem Wasser findet, erfreuen. Oder mit einem zweiten Blick nach rechts, deine Augen sich an der nicht enden wollenden Grünfläche satt sehen lassen.

Über Dir erstreckt sich ebenso grenzenlos ein wunderbarer blauer Himmel, an dem sich die Deichschafe, die im Sommer ihr Lämmer großziehen, zu spiegeln scheinen.

Ein besonderes Geschenk gibt es ganz früh morgens, wenn die Nebelbänke über den Weiden schweben und Bäume, Sträucher und Weidetiere in eine gespenstische Atmosphäre zaubern. Die dadurch entstehende Stille ist unbeschreiblich schön und beruhigend. Wer sich auf diese Stimmung einlässt, bekommt vielleicht eine Ahnung von seiner eigenen Größe und von dem Raum der ihn umgibt. Merkwürdigerweise vermitteln diese Dimensionen Geborgenheit und nicht wie man vielleicht vermuten könnte, Verlorenheit.

Und wer glaubt, hier sei es langweilig, der irrt. Denn unverhofft geschieht es, dass sich wie auf Kommando Tausende von Graugänsen aus dem Deichvorland erheben und als riesiger Schwarm direkt über Dich hinwegfliegen. Sie sind so nah, dass Du ihnen in die Augen schauen kannst und das Rauschen ihrer Flügel vermittelt Dir das Gefühl, mitten unter ihnen zu sein.

Auch für Langschläfer hält die ostfriesische Küste noch ein Betthupferl bereit: Die Sonnenuntergänge die ich vom Deich aus erlebt habe, stehen denen der vielbeschriebenen Sonnenuntergänge der südlichen Länder in nichts nach! Oft kann ich von meinem Fenster aus beobachten, dass verliebte Touristen mit Decken und Picknickkorb bewaffnet – es sich allabendlich auf der Deichkrone bequem machen – um auch ja nicht eine einzige Minute zu verpassen, in der sich der Himmel blutrot über dem Wasser verfärbt – um nach einem gewaltigen Farbenspiel sanft im Meer zu versinken....

Meintest du so etwas???
LG Grete

_________________
Individuelle Buchcover zu fairen Preisen: http://www.satzstudio-roth.de

BeitragVerfasst am: 14.09.2007, 19:20
julia07
 
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Hans, da kam Dir etwas sehr Sinnvolles in den Sinn... Wink

Ich bin ein überzeugter Anhänger heimatverbundener Autoren und es gibt ja auch eine Menge davon. Dabei interessieren mich besonders diejenigen, die sich "gehaltvoll" mit Gebräuchen, Örtlichkeiten, Personen, oder bestimmten Zeiträume etc. befassen. Diese Art von unterhaltsamer, beschreibender Literatur finde ich ungeheuer wichtig, denn sie ist ein Teil unserer Kultur.
Aber auch die zumeist verspotteten, bzw. bestenfalls belächelten Heftchenromane nach Art des "Bergdoktors", "Försters", "Fischers" oder der "Almliesl" haben nicht nur eine Daseinsberechtigung, sondern sie schliessen eine echte Lücke.

Früher habe ich ganz anders über dieses Genre gedacht und es aus Dummheit, Arroganz, Unwissenheit, Schubladendenken etc. regelrecht verachtet. Wie viele andere auch, bin ich lieber ausgeschwirrt in alle Welt und habe mich sogar unter die Pinguine in der Antarktis gemischt (die stinken übrigens ganz entsetzlich), anstatt mich mal intensiv mit unserer hiesigen Situation zu befassen. Als ich vor fünf Jahren mehrere Wochen in Neuseeland war, hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben Heimweh. Dort, in diesem wunderschönen Naturparadies, war mir aufgefallen, dass ich nie woanders, als "bei uns daheim", wohnen will.

Bereits vor einem Jahr kam mir dann die Idee, "Heimat"-Geschichten zu schreiben. Und jetzt, wo ich beinahe alle meine angefangenen Projekte abgearbeitet habe, nehme ich das auch in Angriff. Allerdings werden es keine Krimis sein, denn das tut schon ein anderer Allgäu-Autor. Sehr erfolgreich übrigens! Ob ich dann allerdings wirklich eine ernstzunehmende Heimatdicherin werde.... cheezy grin

Vielleicht wäre es ja einmal eine nette Idee, eine Anthologie zu diesem Thema herauszubringen - lauter Geschichten um das Thema Heimat.

LG, Julia

BeitragVerfasst am: 14.09.2007, 20:24
Rita Hajak (Moderator)
 
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WohnortFehmarn


Hallo Hans,

Ich mag "Heimat-Geschichten" sehr gerne. Die Geschichten wirken glaubwürdig, weil über die Menschen selbst direkter geschrieben wird.
Man kann viel geheimnisvolles erfahren und hat das Gefühl ein Teil von einer Geschichte zu sein. Ich liebe das Buch "Der Schimmelreiter".
Habe es bestimmt schon 5 mal gelesen. book
Hier im Norden werden viele Geschichten erzählt, die wahr oder erfunden sein können. Den Unterschied merkt man nicht.
Die Landschaft hier ist beinahe genauso wie Grete sie beschreibt. Allerdings gibt es hier keine Hügel und keinen Damm. Nur flaches Land und weite Wiesen und Felder sowie das Meer. Morgens wird man hauptsächlich von dem Gekreiche der Möven geweckt. Man gewöhnt sich daran.
Ja, ich könnte auch solche Geschichten schreiben. Habe hier in den sechs Jahren auf der Insel schon einiges erlebt. Eine gute Idee von Dir.


Gruß Rita

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aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann

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Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 15.09.2007, 07:02
hwg (Moderator)
 
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Guten Morgen!

Euren Kommentaren stimme ich vollinhaltlich zu! Danke!

Bei uns ist "Heimatdichter" eher negativ besetzt. Nicht deshalb, weil regionale Eindrücke in die Handlung einfließen, sondern weil die Beschreibungen - besonders in Gedichtform - manchmal besonders
"einfältig" sind.

Stets "lacht die Sonne vom Himmel" (von woher denn sonst? Laughing ) "blühen die Blumen", "spingt das Herz vor Freude" usw. usf.
Und so etwas wird dann auch noch "zu karitativen Zwecken" in Altersheimen und Seniorenklubs vorgetragen - und die meist weiblichen Verfasser solcher "Werke" wähnen sich auch noch als "anerkannte Dichter" und lassen - natürlich von Druckkostenzuschussunternehmen - Büchlein drucken.

Oft geheucheltes Lob seitens der dörflichen "Kulturfunktionäre" unterstützen die "Dichter" dann noch in ihrer "Selbstaufwertung", welche sie veranlasst, Werke anderer Autoren, die nicht dieser "Verblödungssucht" unterliegen, in Misskredit zu bringen.

Diese Zeilen wollen bloß ein Denkanstoß für weitere Kommentare sein.
Also, bitte, lasst den Schreibeifer walten! thumb up

BeitragVerfasst am: 15.09.2007, 12:22
Judith
 
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Oh, Hans, ich habe mal auf dem Dachboden ein Heftchen mit meinen Gedichten gefunden, die ich mit 11 Jahren geschrieben hatte. Laughing Eines davon unkorrigiert):

Herbstzeit

Es ist nun wieder Herbsteszeit.
Wir sind im Frühling schon bereit,
sie wieder zu empfangen.
Im Herbst da fallen die Blätter ab.
Sie sterben - und bekommen doch kein Grab.
An Bäumen sie nun prangen.
Wenn sie noch nicht abgefallen sind,
von dem kalten hauch - dem Wind.

Doch nun liegt der Boden voll.
Und die Farben, die sind toll.
Auch die Äpfel und Birnen reifen
und die Drachenbastler pfeifen
wenn sie ihre Arbeit tun.
Nein, in der Herbstzeit kann man nicht ruhn.


Damals war ich stolz drauf. redface Laughing


Man muss auch noch dazu sagen, dass ich in der Stadt aufgewachsen bin und vom Landleben nicht wirklich viel Ahnung hatte... Wink

Grüßle und einen schönen Tag,
Judith

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BeitragVerfasst am: 15.09.2007, 13:26
hwg (Moderator)
 
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Hallo Judith !

Für ein elfjähriges Mädchen gut formuliert. Würden doch auch heute Mädchen in diesem Alter noch Gedichte schreiben oder lesen - ich fürchte, es gibt nur noch ganz wenige. Die meisten Girls haben - zum Unterschied von früher, denke ich, ganz etwas anderes im Kopf Laughing . Vielleicht unterliege ich diesbezüglich aber auch einem "männlichen" Irrtum.

Überhaupt denke ich, Autoren, die etwas veröffentlicht haben - egal wie und wo - , und zumindest versuchen, für ihre Arbeit "entlohnt" zu werden (durch Buchverkauf, Lesungen), sollten sich nicht als "Hobbydichter" bezeichnen. Damit ernten sie bei manchen Lesern - und auch bei den "Profis" - eine eher geringe "Wertschätzung"

Auch nebenberufliche Autoren sind, jedenfalls was den Inhalt ihrer Werke anbelangt, durchaus auch "Profis". Deshalb sollten sie ihr Selbstwertgefühl stärken (aber nicht selbstgefällig werden). Dann kommt auch die erwünschte Anerkennung seitens der Leser und Kollegenschaft.

Das betrifft ja nicht Dich, es sind bloß so allgemeine Gedanken von mir zum Thema.

Gruß Hans

BeitragVerfasst am: 15.09.2007, 14:17
Rita Hajak (Moderator)
 
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Hallo Judith,

für Dein damals junges Alter super gut geschrieben. Kompliment! Laughing


Gruß Rita

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BeitragVerfasst am: 15.09.2007, 20:59
Judith
 
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Danke, Rita, aber ich kann darüber heute nur schmunzeln. Laughing
Man muss auch dazu sagen, dass ich vom 11. - 13. Lebensjahr an einer Privatschule war, in dem man das Fach "Rezitation" hat. Wir lernten Gedichte auswendig (damals vor allem Balladen) und wurden für den Vortrag benotet (abgelesen und gut vorgetragen gab eine Zwei, auswendig und gut vorgetragen eine Eins). Ich liebte dieses Fach. Und natürlich inspirierte es mich auch dazu, es selbst mit Gedichten zu versuchen.

Später wechselte ich zur Realschule. Ich freute mich, als wir ein Gedicht lernen sollten und meldete mich gleich freiwillig, es vorzutragen. Die Lehrerin fand es vermutlich total eingebildet, wie ich es aufsagte, da es nicht vorgeleiert war, wie bei den anderen der Klasse gewohnt. Es zählte nur, ob man es auswendig konnte, nicht der Vortrag. Es war meine erste und (zum Glück) einzige Lehrerin, bei der ich eine Drei in Deutsch hatte. Seit dem Gedicht war ich bei ihr untendurch. Sad

Hans, ich selbst bezeichne mich nicht als Hobby-Autorin, aber leider hat die Presse es so in die Richtung formuliert. Bildunterschrift: "Hat einfach Spaß am Schreiben".

Nun, ich bin von mir überzeugt (wenn ich auch gestern Abend sehr zweifelte), und mein Mann auch. Dass er sagt, ich könne schreiben, ist für mich sehr aufbauend, denn er liest extrem viel (von Milchpackungen bis Shakespeare). Er ist auch mein bester Kritiker. cheezy grin

Grüßle,
Judith

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BeitragVerfasst am: 16.09.2007, 18:05
Rita Hajak (Moderator)
 
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Jawohl Hans,

wir sind alle Autoren, die gerne schreiben. thumb up


... und Judiths Leseproben haben mir gefallen. Bin halt auch ein Kinderbuchfan.
Laughing

Gruß Rita

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BeitragVerfasst am: 18.09.2007, 08:37
nila
 
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Also ich finde den Text von Judith auch nicht schlecht. Nochdazu für dieses Alter. Meine Nichte ist 13 und besucht ein Kulturgymnasium. Aber ich denke mal, so ein Gedicht bekommt sie nicht "gebacken".

Ich mag Kinderbücher auch total gerne. Besonders die, wo viel Fantasie drinnen steckt. Bei 3 Nichten hab ich auch schon so manches Buch von ihnen durchgeschmöckert. cheezy grin book
Heimatdichter
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