| floatexpert |
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| Anmeldedatum | 16.03.2008 | | Beiträge | 203 | | Wohnort | Singen |
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Hunger
Theresa musste sich beeilen.
Sie hatte verschlafen. Dabei hatte sie extra ihren Wecker auf sieben Uhr gestellt. Wie jeden Mittwoch.
An diesen Mittwochen stand sie früh auf, trank zwei Tassen dünnen Kaffe, zog ihre beste Hose und Schuhe an, kämmte sorgfältig ihr Haar und verließ gegen neun Uhr das Haus.
Mit schnellen Schritten nahm sie jede der achtzig Stufen im Treppenhaus. Sie wohnte im vierten Stock. Der Fahrstuhl war seit Jahren außer Betrieb. Kein Geld, hatte der Vermieter gesagt.
Theresa hatte sich daran gewöhnt. Gewöhnen konnte sie sich nur nicht an die verschiedenen Gerüche im Haus, die sie zwangen mit angehaltenem Atem die Treppen hinunter zu hasten. Erst vor dem Hauseingang atmete sie gierig die saubere Luft ein. Meistens wurde ihr kurz schwindelig, dabei stütze sie sich an die Hauswand, um dem Gefühl des Umfallens zu entgehen.
Sobald das Karussell in ihrem Kopf nachließ ging sie mit schnellen Schritten Richtung Stadtmitte.
Selten traf sie auf ihrem Weg jemanden den sie kannte. Sah Theresa doch ein bekanntes Gesicht, straffte sie die Schultern, hob den Kopf etwas höher und grüßte in aller Freundlichkeit. Manchmal kam ihr Gegenüber direkt auf sie zu, fragte, wie es ihr gehen würde. Theresa lächelte dann, antwortete, mir geht es bestens, um danach schnell weiter zu laufen. Sie hatte keine Zeit zu vergeuden.
Je näher sie ihrem Ziel kam, um so nervöser wurde sie. An der Ecke des großen Supermarktes blieb sie für einen Moment stehen, sah sich nach allen Seiten um, senkte den Kopf und wandte sich nach rechts.
Ein Glücksgefühl durchschoss ihren dünnen Körper. Noch zwanzig Meter bis zum Eingang und keiner stand davor. Sie war heute die Erste! Vor Aufregung bekam sie rote Flecken auf dem Gesicht. Schneller als sonst lief sie die letzten paar Meter.
Sie war da.
Urplötzlich verließ sie jeglicher Funken Energie. Ihre Schultern sackten nach vorne, eine aschgraue Farbe überzog ihr Gesicht und eine einzelne Träne löste sich aus dem rechten Augenwinkel.
Ein großes Schild hing an der Tür.
„Heute aus Mangel an Lebensmittelspenden geschlossen“.
Theresa weinte still…und hatte Hunger. |
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