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| Anmeldedatum | 08.09.2007 | | Beiträge | 20 |
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Titel: Im Feuer der Sterne
Autor: Elke Meyer
Verlag: Sieben-Verlag
ISBN: 978-3940235213
Seiten: 188
Preis: 14,90 €
Der Autor über das Buch:
Die Mayas, ihre Kultur und ihr astronomisches Wissen faszinieren mich seit Jahren. Jedes Buch dazu wurde von mir verschlungen. Mehrere Male reiste ich durch Mexiko an deren Kultstätten.
Das alles inspirierte mich zu diesem Roman, der in das Genre Romantic Suspense fällt.
Wissenschaftlich/ historischer Hintergrund mit einer Liebesgeschichte.
LG Pandora
Klappentext:
Als Kind erlebt Katharina wie ihr Vater, ein angesehener Archäologe, wegen seiner revolutionären Theorien von anderen Wissenschaftlern verspottet wird.
Jahre später arbeitet sie selbst als Archäologin in einem Ausgrabungscamp in Mexiko, bemüht den Ruf des Vaters zu rehabilitieren. Katharina entdeckt ein steinernes Fragment mit unbekannten Maya-Glyphen. Nach alter Maya-Legende sagt dieser Fund eine Wende im Leben voraus.
Diese zeichnet sich wenig später ab, als sie im Tal der Kakteen einen Fremden aus einem Feuer rettet. Kian ist nicht nur ein faszinierender Mann, sondern beeindruckt sie mit seinem Wissen über die Mayas. Ist er der Schlüssel zu den Glyphen?
Eine Liebe entflammt, aber sie steht unter keinem guten Stern. Kian kann nicht bleiben ...
Ein packender Roman um das Wissen der Mayas, dem Ursprung der Menschheit und der Macht der Gefühle.
Inhalt:
Leseprobe:
Leseprobe „Im Feuer der Sterne“
1. Buch Moses, Vers 6
Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter
geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen
waren und nahmen sich Frauen, welche sie wollten.
Zu der Zeit und auch später noch, als die Gottessöhne zu den Töchtern der
Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus die Riesen auf Erden. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten.
1.
Katharina ballte ihre Hände hinter dem Rücken zu Fäusten. Sie
schloss für einen Moment die Augen, als könnte sie die ausgehende
Kraft des Talismans fühlen. Sie hielt die Miniatur eines Maya-
Kalenders in Händen, den ihr Vater in Mexiko für sie hatte anfertigen
lassen. Der medaillengroße Glücksbringer aus Ton, trug indianische
Zeichen, kunstvoll auf beiden Seiten eingraviert. Wenn sie traurig und
allein war, was oft vorkam, spendete er Trost und Mut. Heute sollte
er allerdings dem Vater beistehen. Sie erinnerte sich an den Moment,
als er ihn ihr schenkte.
„Dieser Kalender ist etwas ganz Besonderes, Kathi, weil er Wahrheit
und Kraft in sich vereint.“ Ehrfurcht lag in seiner Stimme, als er
ihn ihr überreichte. „Er ist die Verbindung zu einer anderen Welt.
Schau hinauf zu den Sternen. Dort oben liegt der Ursprung der Menschen
und dieser Kalender hilft uns, ihn zu finden.“ Mit leuchtenden
Augen zeigte er zum sternklaren Himmel.
„Kannst du die Plejaden erkennen, die ich dir neulich gezeigt habe,
mein Schatz? Weißt du noch, worauf sie verewigt worden sind?“
„Ja, Papi, auf der Himmelsscheibe von Nebra.“ Sie merkte sich
immer alles, was er ihr erklärte.
„Braves Kind. Du hast meine Worte nicht vergessen und viel gelernt.
Die Plejaden haben das Schicksal der Maya entscheidend beeinflusst,
und auch das unsere. Eines Tages werde ich allen Menschen
beweisen, dass ich Recht habe. Und wenn ich es ihnen erzähle, dann
wirst du mich begleiten, Kathi.“
Er tippte mit seinem Zeigefinger sanft auf Katharinas Brust und sie
nickte. Voller Stolz drückte er sie an sich und gab ihr einen Kuss auf
das leuchtend rote Haar.
Wie konnte er nur glauben, sie könnte seine Worte vergessen haben?
Katharina sah zum Podium hinauf.
Gemeinsame Momente mit dem Vater bedeuteten eine Seltenheit,
denn er verbrachte Monate in Mexiko. Als angesehener Historiker
und Archäologe verweilte er am Ausgrabungsort und verbrachte nur
wenig Zeit mit seiner Familie. Wie gern hätte Katharina ihn in das
exotische Mexiko begleitet. Sie bettelte, flehte ihn jedes Mal an, sie
mitzunehmen.
„Wenn du älter bist, wirst du mich begleiten. Mit zehn Jahren bist
du zu jung und außerdem braucht Mama dich. Sei mein braves Mädchen
und freu dich auf unser nächstes Wiedersehen.“ Seufzend fügte
sich Katharina in ihr Schicksal, selbst wenn es ihr noch so schwer fiel
und die Zeit dazwischen endlos erschien.
Und wenn er dann aus Mexiko zurückkehrte, war ihre Freude grenzenlos
und sie lauschte gebannt seinen Worten. Was er berichtete,
klang abenteuerlich und geheimnisvoll. Die spannenden Geschichten
um das fremde Land regten ihre Fantasie an. Eines Tages, nahm sie
sich vor, würde sie dort auch als Archäologin arbeiten.
Noch immer hallten seine Worte in Katharinas Ohren. Nun schien
sich am heutigen Tag sein Traum endlich zu erfüllen.
Sie saß neben ihrer Mutter Inge in der ersten Reihe des Münchner
Kongresssaales, der bis auf den letzten Platz besetzt war und verfolgte
Vaters Vortrag.
Konrad Richter stand auf dem Podium, die Arme auf das Rednerpult
gestützt und sein Blick glitt über die Reihen der zahlreichen Zuhörer,
bis er auf Katharina verweilte, die zurück lächelte.
Die Hände hinter dem Rücken verschränkt, schlenkerte sie mit den
Beinen. Mutters schmale Hand legte sich auf Katharinas Knie, begleitet
von einem warnenden Blick. Sofort verstand Katharina die Aufforderung,
lehnte sich auf dem Stuhl zurück und stellte die Beine artig
nebeneinander.
Katharina beobachtete aus dem Augenwinkel, wie Mutter den Rücken
straffte und die schlanken Beine überschlug. Dabei rutschte die
Handtasche von ihren Knien zu Boden, was Vater einen missbilligenden
Blick entlockte. Katharina wollte die Tasche aufheben, wurde
aber mit einer Geste von Mutter zurückgewiesen. Katharina bemerkte
die Röte, die Mutters Gesicht überzog, während diese hastig die Tasche
aufhob. Mutter war attraktiv, mit blondgefärbten, kurzen Haaren.
Sie trug auf Vaters Wunsch das dunkelblaue Kostüm.
Doch sie wirkte nervös, strich sich immerzu Haarsträhnen hinter die
Ohren und zupfte am Pony herum. Ihre Körperhaltung drückte Anspannung
aus. Fest umschloss sie den Bügel der Handtasche und
nickte Katharina zu. Dann hüstelte sie und hielt die Hand vor die
grellrot geschminkten Lippen. Ein fast unmerkliches Muskelzucken
in Vaters Gesicht verriet, dass ihm diese erneute Störung nicht entgangen
war. Für einen weiteren Moment unterbrach er, beugte sich
nach vorn über das Mikrofon, nippte am Wasserglas, das vor ihm
stand, räusperte sich und begann den Vortrag fortzusetzen. Katharina
hasste die Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen ihren
geliebten Eltern, die sie ängstigten.
Sie bemerkte glänzende Schweißperlen auf Vaters Halbglatze und
verglich ihn mit dem Vater von Indiana Jones, genauso klug und
wissend, aber ebenso zerstreut. Der anthrazitfarbene Nadelstreifenanzug,
das weiße Hemd mit der roten Fliege und die Nickelbrille
unterstrichen diesen Eindruck. Lampenfieber ließ ihn immer wieder
die Brille zurechtrücken und seinen Schnurrbart erzittern.
Vater wiederholte noch einmal die Textpassage aus dem 1. Buch
Moses, Vers 6. Katharina kannte sie auswendig. Er hatte sie ihr oft
genug vorgesprochen. Danach klappte er die Bibel zu, um sich an die
Zuhörer mit den erwartungsvollen Mienen zu wenden.
„Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie fragen sich sicherlich,
weshalb ich Ihnen eine Passage aus der Bibel vorlese, und was es
mit den Gottessöhnen auf sich hat. Ich möchte Ihnen meine Theorie
dazu erklären, die aus jahrelanger, intensiver Forschung resultiert.
Zum besseren Verständnis muss ich ein wenig ausholen. Darwin war
davon überzeugt, der Mensch habe sich aus dem Affen entwickelt.
Unsere Wissenschaft spricht heute von gemeinsamen Vorfahren. Die
Evolution des Menschen verlief jedoch anders, als bei den übrigen
Primaten. Nach derzeitig gültigen Theorien liegt die Wiege der
Menschheit in Afrika, wo das Leben unserer Vorfahren auf den
Bäumen begann. Später wechselte es in die Savanne, was den aufrechten
Gang zur Folge hatte. Doch das will ich nicht im Detail erläutern.
Das wissen Sie ebenso gut wie ich. Unsere Vorfahren hießen Homo
habilis, Homo erectus. Bitte entschuldigen Sie, wenn ich sie nicht alle
benenne. Diese Menschenarten unterscheiden sich vor allem vom
heutigen Menschen durch die Größe des Gehirns und das abstrakte
Denkvermögen. Die Evolution ist ein langsamer Prozess, der durch
Anpassungen an die Umwelt erfolgt, bei dem so genannte Zwischenstadien
den Übergang bilden. Das bedeutet, dass es dazwischen eine
Spezies gegeben hat, die Eigenschaften zwei verschiedener vereinte.
Aber weshalb haben wir bislang keine Zwischenstadien der menschlichen
Entwicklung gefunden? Bis heute fehlen die entscheidenden
Skelettfunde.
In unseren Lehrbüchern lesen wir vom Cro-Magnon-Mensch und
seinem plötzlichen Erscheinen. Er ist unser Urvater. Da stellen sich
mir die Fragen: Woher kam er so plötzlich? Wie konnte er sich derart
schnell entwickeln? Welche Zwischenstufe gab es? Welche Umstände
veranlassten diese fortgeschrittene Entwicklungsstufe? Fragen über
Fragen, doch keine Antworten. Wir wissen es einfach nicht. Die Spur
unseres Vorfahren verliert sich im Dunkel der Vergangenheit.
Was teilen uns die alten Überlieferungen einzelner Völker über das
Entstehen der Menschen mit? Und da komme ich zu meinem Spezialgebiet,
den Mayas. In ihren Schriften berichten sie von Göttern, die
die Welt und den Menschen erschufen. Überall auf der Welt wurde
von Göttern gesprochen, die vom Himmel herab gestiegen waren. In
der Bibelstelle, die ich eben zitierte, stand, deren Söhne hätten sich
mit den Menschentöchtern vermischt. Die Götter werden nicht nur
in der Bibel erwähnt, sondern sie ziehen sich wie ein roter Faden
durch alle Kontinente und Religionen. Aber wer waren diese Götter
und woher kamen sie? Sind sie reine Fiktion oder existierten sie tatsächlich?
Immer wieder deuten Artefakte auf das Siebengestirn hin,
auch Plejaden genannt oder das Sternbild Orion. Denken Sie an die
Himmelsscheibe von Nebra oder an den Kalender der Mayas, der die
Bewegung des Sieben-Gestirns erwähnt und Menschenopfer rechtfertigte.
Ich behaupte, die Götter waren keine Erfindung der Menschen,
sondern kamen aus den Tiefen des Alls. Vielleicht aus einer anderen
Dimension, und wir sind ihre Kinder. Jawohl, ich glaube, wir selbst
sind die Außerirdischen auf diesem Planeten.“
Im Kongresssaal herrschte Stille. Eine ungeheure Spannung lag in
der Luft. Katharinas Herz klopfte zum Zerspringen. Irgendetwas
stimmte hier nicht, das konnte sie spüren. Ängstlich richtete sie den
Blick auf Mutter, die mit angespannter Miene zum Rednerpult starrte.
Dann brach ein Sturm der Empörung los.
Katharina und Mutter saßen starr auf ihren Plätzen, während die
Wissenschaftler um sie herum aufsprangen und Vater wüst beschimpften.
Drohgebärden folgten, einige stürmten sogar Kopf
schüttelnd aus dem Saal.
Irgendjemand brüllte in den Raum: „Früher hätte man Ketzer wie
ihn verbrannt!“ Wieder andere riefen, der Vortrag wäre eine Schande
für die wissenschaftliche Welt.
Vater stand noch immer am Rednerpult und versuchte mit seiner
Stimme den Lautstärkepegel zu übertönen, was kläglich misslang, da
das Mikrofon versagte. Er versuchte mit Gesten die aufgebrachte
Menge zu besänftigen.
Da flog etwas über die Köpfe der Zuhörer in den ersten Reihen,
vorbei an Katharina und direkt auf Vater zu. Ein Ei klatschte in sein
Gesicht, zerbrach, und der zähe Brei floss seine Wange hinab. Tränen
der Scham schossen in Katharinas Augen.
Mutter erhob sich zitternd und bleich, umfasste grob Katharinas
Arm und zog sie in Richtung Ausgang. Katharina wollte nur noch so
schnell wie möglich diesen Ort verlassen. Wütende Rufe begleiteten
sie. Sie konnte nicht verstehen, weshalb die Leute auf Vater so zornig
waren.
Katharina lag unter der Bettdecke und lauschte in die Dunkelheit.
Vater war noch immer nicht nach Hause gekommen. Das gleichmäßige
Ticken des Weckers begann zu nerven. Mutter saß bestimmt
noch im Wohnzimmer und wartete auf ihn. Katharina wäre gern an
ihrer Seite geblieben, wurde aber ins Bett geschickt. Sie hörte, wie
Mutter flüsternd telefonierte. Sie konnte kein Wort verstehen, aber
das Flüstern klang aufgeregt.
Unruhig wälzte Katharina sich im Bett hin und her. Irgendwann
hörte sie das Aufschließen der Haustür; Vater kam nach Hause. Endlich!
Laute Stimmen drangen aus dem Wohnzimmer herüber. Die Eltern
stritten sich wieder. Immer wenn Vater Zuhause war, gerieten sie in
einen heftigen Streit.
Dann war es plötzlich still. Schleppende Schritte näherten sich dem
Kinderzimmer. Die Tür wurde leise geöffnet, und Vater steckte den
Kopf herein, wie er es jeden Abend tat, um ihr noch eine gute Nacht
zu wünschen. Er lächelte sie müde an.
„Na, meine Prinzessin? Du schläfst ja noch nicht.“
„Ich habe dich gehört, Papa. Gibst du mir noch einen Gutenachtkuss?“
„Natürlich, Kathi“, antwortete er und trat ein. Er setzte sich auf die
Bettkante und ergriff ihre Hand.
„Papa, warum waren die Leute böse auf dich? Sie haben mir Angst
gemacht.“ Katharinas Stimme zitterte, genau so wie ihr Körper.
Er seufzte und legte seine warme Hand auf die ihre. Es dauerte einen
Moment bis er antwortete.
„Sie waren nicht böse. Sie wollten mir nur nicht glauben. Als Galileo
Galilei den Menschen damals erzählte, die Erde sei rund, haben
sie ihm auch nicht geglaubt. Er wurde ausgelacht und verspottet.“
„Aber er hatte Recht, Papa, so wie du. Bestimmt werden die anderen
das erkennen, und dann bist du auch berühmt wie Galilei.“
„Galilei musste für seine Theorien büßen. Heute wird jede neue
Theorie zuerst belächelt oder als Lüge bezeichnet. Da muss ich schon
einen stichhaltigen Beweis erbringen und das ist nicht so ganz einfach,
weil ich nicht weiß, wo ich suchen soll.“
„Du arbeitest doch in dem großen Ausgrabungscamp in Mexiko
und wirst es bestimmt finden“, antwortete sie mit Überzeugung. Vater
wirkte traurig, sie musste ihn aufheitern.
„Mexiko ist riesig, viel größer als Deutschland und die Suche gleicht
der nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Oft dauert es sehr
lange bis man das entscheidende Indiz findet.“
„Was ist denn ein Indiets?“
Vater lachte auf. „Indiz, Kathi-Schatz. Ein Indiz ist ein Beweisstück.“
„Ach, so wie der Kalender?“ Katharina setzte sich im Bett auf.
„Ja, wie der Kalender.“
„Aber dann hast du doch den Beweis!“
„Leider nicht ganz. Auf diesem Kalender befinden sich wichtige Informationen
aber nicht der absolute Beweis. Ich brauche einen genauen
Hinweis über die Herkunft der Götter oder alte Aufzeichnungen
der Mayas. Verstehst du? Doch es wurde nichts gefunden, was
mir helfen könnte.“
Katharina seufzte. „Das ist aber kompliziert. Wenn ich mit dir nach
Mexiko reise, dann finden wir zusammen den Beweis, Papa!“
„Später, Kathi, wenn du erwachsen bist. Dann verspreche ich dir,
mit dir zusammen nach Mexiko zu reisen und danach zu suchen. Es
ist schon spät. Jetzt musst du schlafen.“
Katharina verspürte keine Lust mehr vertröstet zu werden, aber sie
war zu müde, um zu widersprechen. „Ja, Papa, dann fahren wir gemeinsam.
Und morgen sprechen wir weiter.“ Sie rieb sich die Augen
und gähnte herzhaft.
„Ich glaube, das müssen wir für eine Weile verschieben.“
„Warum denn?“ Katharina ahnte, was dahinter steckte. Immer wieder
verschob Vater wichtige Gespräche. Sein leerer, nach vorn gerichteter
Blick verriet ihr, wie sehr er sich in Gedanken weit entfernte.
„Weil ich morgen bereits nach Mexiko zurückfliege.“
„Nein, Papi, bitte nicht“, bettelte Katharina mit weinerlicher Stimme.
„Aber ich muss doch den Beweis finden.“
„Aber ich möchte, dass du noch bei mir bleibst. Du bist doch erst
vorgestern angekommen. Ich wollte dir noch mein Buch zeigen, das
Mami mir geschenkt hat. Du …“
„Später, Kathi, später, wenn ich wieder Zuhause bin“, unterbrach
er und tätschelte ihre Hand.
Immer wieder verschob er alles auf später. Tränen stiegen in Katharinas
Augen, die sie fortblinzelte. Noch ein weiteres Mal versuchte
sie Vater vom Bleiben zu überzeugen, jedoch erfolglos. Er versprach
ihr aber, noch eine Weile am Bett sitzen zu bleiben, bis sie einschliefe.
Nach wenigen Minuten verlangte der Schlaf sein Recht und ließ
Katharinas Augen zufallen. Sie kuschelte sich in die Kissen.
Konrad Richter erhob sich und sah auf seine Tochter hinab, die wie
ein rothaariger Engel im weißen Bett lag. Ihr Haar schimmerte wie
Kupfer und umgab ihren Kopf wie ein ausgebreiteter Fächer. Die
langen schwarzen Wimpern warfen Schatten auf ihre zartrosa Wangen.
„Vielleicht ist es mir nicht vergönnt, den Beweis zu finden. Ich liebe
dich mein Kind, auch wenn ich nicht immer bei dir sein kann“,
flüsterte er.
Er beugte sich hinab und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn, bevor
er das Licht löschte. |
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