 | Irgendwann muss man sie loslassen... |  |
Verfasst am: 09.08.2007, 20:44 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 01.05.2007 | | Beiträge | 1733 | | Wohnort | Emden |
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Irgendwann muss man sie loslassen
Wir steh’n am Zug,
Du sagst: „Bis dann“,
hebst Deinen Arm
und wendest Dich der Zugtür zu –
während ich bemerke,
dass Du mich dieses Mal
nicht in den Arm nimmst,
kein Abschiedskuss,
kein verschlucktes Wort
und keine Tränen mehr.
Ein wenig unsicher,
doch entschlossen,
steigst Du die hohen Stufen ‚rauf,
fließt ein, in die Masse Mensch um Dich herum,
die scheinbar Dich begleiten darf.
Ich bleibe mit angehaltenem Atem,
tapfer lächelnd zurück.
An welchem Fenster wirst Du sitzen?
Willst Du überhaupt, dass ich warte?
Suchend gehe ich die Fenster ab –
Finde Dich –
Du setzt Dich grad, öffnest nicht das Fenster,
für ein letztes bedeutungsloses Wort,
einen Händedruck
oder ein schweigend verlegenes Lächeln.
Die Scheiben sind blind,
ich kann Dich kaum sehen.
Stattdessen fällt mir auf,
wie warm der Wind ist, trotz Mitte November.
Dennoch ist mir kalt, nicht auf der Haut -
an diesem Platz, an dem ich stehe,
Dich begleite und schmerzlich begreife,
dass ich auch dies nur noch
in kleinsten Schritten kann.
Wozu also noch stehen bleiben?
Worauf noch warten?
Ich fass mir mein Herz,
steige Dir nach, bis ins Abteil,
in dem Du sitzt,
um dir zu sagen, dass ich jetzt gehe.
Finde Dich sitzend –
zwischen all den Fremden,
auf dem Weg in die Fremde.
Möchte Dich greifen –
Dich hinausziehen –
Doch wohin?
Diese Platzkarte hast Du Dir gekauft
Auf Deinem Weg in Dein Leben.
Ich will nur fort von diesem Bahnsteig,
der mir die Nähe, die wir fanden,
aus jeder Pore saugt.
Hier sind wir Fremde.
Dich gehen zu lassen
fällt unendlich schwer,
in unserer Sprachlosigkeit,
mit allem, was wir uns schuldig sind.
Und doch – bei allem Schmerz –
Du gibst mir wortlos Trost,
Bin stolz auf Dich,
dass Du aus meinem Chaos,
Deinen geraden Weg gefunden hast.
Im Autroradio dann,
hör ich „Deine“ Musik
fahre singend mit „Udo“
ohne Dich nach Haus’,
fahre schneller als sonst,
weine lauter als sonst.
Steigt aus der Tiefe der Schmerz
dass unser „Wir“ hier endet.
Später zu Hause -
alles still - dein Zimmer leer –
fand ich noch ein Geschenk,
das Du mir zurückgelassen hast:
Zeit und Raum – nur für mich.
Wahrscheinlich werd’ ich beides sprengen.
Du hast Dich rechtzeitig in Sicherheit gebracht.
In Liebe Mama.
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Verfasst am: |
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 | Re: Irgendwann muss man sie loslassen... |  |
Verfasst am: 09.08.2007, 21:09 |
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| Phosphorkeule |
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| Anmeldedatum | 08.05.2007 | | Beiträge | 62 | | Wohnort | Wanne Eickel |
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Hallo Grete!
Super, Superstark. Mir fehlen die Worte. Absolut Klasse geschrieben. Ich war mit dabei, und stand neben dir. Hast total Klasse diese Bahnsteig- Atmosphäre rüber gebracht.
Großes Lob von mir!
LG Norbert |
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_________________ Da ich weiß, das ihr nicht schnell lesen könnt, werde ich langsam schreiben... grins !!!
Viel Spaß mit meinen Gedichten und Kurzgeschichten
eure
Phosphorkeule - Norbert van Tiggelen |
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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Poesie
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