| ilse |
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| Anmeldedatum | 16.04.2007 | | Beiträge | 5 | | Wohnort | Österreich |
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Ich möchte euch mein Buch
"Petticoat und Pferdeschwanz - Bodenteicher Tagebücher 1956-1964
Als Omi ein Teenager war"
vorstellen, obwohl ich mir dadurch nicht erhoffe, den Umsatz zu steigern. – Es handelt sich um die gekürzte Abschrift meiner Jungmädchentagebücher, die ich im Alter von 12-20 Jahren geschrieben habe.
Es ist alles wahr und nur einige Namen sind geändert. – Wer die Lüneburger Heide kennt, oder sich dafür interessiert, dort Urlaub zu machen, sollte wissen, was damals in Bodenteich tatsächlich passiert ist... es gibt sogar noch das Haus in der Hauptstraße 15.
Meistens werden bei Leseproben die ersten Seiten angeboten, ich möchte es anders machen und Euch das Ende meines Buches lesen lassen:
Montag, 15.6.64
Ich habe heute an meine Mutter nach England geschrieben, daß wir leider erst im August kommen können.
Als ich ihren Brief nochmals durchgelesen habe, fiel mir auf, daß sie geschrieben hat: Im März 1949 erfuhr ich, daß meine Tochter von einem niedersächsichen Ehepaar adoptiert wurde. - Ich habe lange überlegt, ob ich sie wohl fragen dürfte, warum sie dann nicht weiter nachgeforscht hat. Ich habe Angst, daß es wie ein Vorwurf aussehen könnte. -
Trotzdem habe ich sie im letzten Satz gefragt: "Wußtest du, wo ich war?"
Mittwoch, 17.6.64
Die letzten Arbeitstage waren so hektisch, da konnte ich den heutigen freien Tag gut gebrauchen. Nachmittags hatten wir uns am Rathausplatz verabredet. Fritz kam mit seinem Sohn, der mich wider Erwarten sofort erkannte. Da merkten wir, wie unvorsichtig unser Treffen ist. Der kleine Knirps könnte zu Hause erzählen, daß der Papi mit einer Tante mit Brille und braunen Haaren zusammen war. Also trottete ich wieder nach Hause und die beiden Männer vergnügen sich nun für den Rest des Tages, während ich mich abgeschoben fühle, wie eine Aussätzige, die versteckt werden muß.
Ich kann nichts tun, nur heulen und warten.
Falls ich mal eine Tochter haben werde, und die mir sagt, daß sie mit einem verheirateten Mann zusammenlebt, dann schieße ich sie zum Mond!
Freitag, 19.6.64
Heute in einer Woche ist der Scheidungstermin.
Meine Nerven liegen bloß. Ich gehe jeden Abend in die Kirche und bete.
Ich esse kaum etwas.
Sonntag, 20.6.64
Zu Besuch bei Familie Boettcher. Ich würde schlecht aussehen, meinten sie.
Montag, 21.6.64
Die Zeitbombe tickt!
Morgen kommen seine Schwiegereltern aus Wien angereist.
Dienstag, 22.6.64
Ich habe abgekaute Fingernägel, verkratzte Haut, - bringe Unterlagen durcheinander, verpasse Liefertermine, und bin heute morgen fast vor den Bus gelaufen.
Mittwoch 23.6.64
Fritz hat mich angerufen und mir gesagt, daß er mich wahnsinnig lieb hat...
Donnerstag, 24.6.64
Morgen! - Ich werde noch verrückt!
Freitag, 25.6.64 , 18 Uhr
Um 11 Uhr hat Fritz von Lüneburg angerufen, daß alles vorbei ist. "Vorbei?" hab ich in den Hörer geschrien, weil ich es anders verstanden hatte.
"Ja, es ist vorbei, und es fängt neu an! Alles o.k. Ich komme heute abend zu dir und erzähle alles."
Wäre mein Chef in der Nähe gewesen, ich hätte ihn abgeküßt!- Ich heulte und lachte gleichzeitig, wischte mir die Tränen ab und liebte plötzlich meinen Arbeitsplatz:
Die Aktenordner strahlten mich an, das Telefon sang, die Lieferscheine lächelten, die elektrische Schreibmaschine schrieb das, was ich wollte, - die Dosen im Lager haben nie so geglänzt und die Klospülung war noch nie so melodiös, - die Sonne schien ins Fenster und ich streckte immer wieder die Arme in die Höhe und jauchzte: "Juchhu! Ich liebe ihn!"
Gleich wird er hier sein, liebes Tagebuch, morgen schreibe ich weiter...
Sonnabend, 26.6.64, 5 Uhr morgens.
Fritz schläft noch neben mir, - m e i n Mann, er gehört mir jetzt g a n z , zu 100 %, zu 24/24 vom Tag, total! - Ich bin glücklich, glücklich, glücklich, - lieber Gott, ich danke dir!
Wir müssen 10 Jahre lang Unterhalt für seine Frau bezahlen,
bis zum Ausbildungsende für seinen Sohn.
Wir haben einen Riesenberg Schulden bei den Rechtsanwälten,
viele, viele Auflagen, Verpflichtungen, - man hat mich enterbt,
aber wir haben u n s ! Das Leben ist herrlich! - Schluß, ich schreibe nicht mehr, ich kuschele mich wieder unters Federbett.
Montag, 28.6.64
Es war ein wundervolles Wochenende.
Dienstag, 29.6.64
Eben gerade habe ich von meiner Mutter eine unglaubliche Nachricht erhalten. Sie hat mir zum Geburtstag gratuliert und auf meine Frage im letzten Brief geschrieben:
"Oh ja, ich wußte, wo du warst. - Man hatte mir die Adresse deiner Adoptiveltern mitgeteilt.
Ich bin sofort mit meinem Mann nach Deutschland geflogen, Frankfurt-Hannover, dann mit dem Zug nach Bodenteich. Wir sind die Bahnhofstraße hinunter gelaufen - ich sehe es heute noch alles vor mir, - und da haben wir zwei Damen gefragt nach der Familie Brandt. - Sie haben wohl gehört, daß Jim Engländer ist , und haben es gleich in englisch erklärt.
Dann kamen wir in das Fahrradgeschäft und ich habe mich vorgestellt.
Herr Brandt hat gesagt, daß du nicht da bist, du wärest bei Verwandten. -
Dann kam Frau Brandt und ich erzählte ihr, wie ich dich verloren habe und daß ich Dich wenigstens einmal sehen möchte.
Da hat sie gesagt: "Und dann wollen Sie Ilse wieder haben! Die kriegen sie nicht zurück. Ilse ist unser Ein und Alles. Bevor ich das Kind wieder hergeben muß, springe ich mit ihr vom Kirchturm!"
Und nach einer Weile fügte sie hinzu:
"Verschwinden Sie, der Vertrag ist perfekt. Das Kind gehört jetzt uns. Lassen Sie sich nie wieder hier blicken, oder ich schmeiß mich mit dem Kind vor'n Zug!"
Herr Brandt hat uns zur Tür hinausgeschoben und dann haben sie hinter uns abgeschlossen.
Ich habe nie wieder einen Versuch gemacht.
Ich konnte Frau Brandt ja verstehen, - es hat mich getröstet, daß sie dich lieb hatten und daß es dir offensichtlich gut ging. Es wäre dir in England nie so gut gegangen, Jim ist ja nur ein kleiner Schuhverkäufer.
Wenn deine Adoptiveltern dir erzählt haben, daß ich dich weggegeben habe, tut mir das weh, aber ich kann es ja jetzt nicht mehr ändern. - Um so mehr freue ich mich, daß wir uns doch noch gefunden haben. „
Da wurde mir klar, daß die Legende, ich sei von einem englischen Soldaten, nur von diesen zwei Frauen entstanden sein kann, die den Beiden auf der Bahnhofstraße den Weg gesagt haben.
Langsam klärt sich so vieles auf.
Heute sind wir Arm in Arm zum Französischunterricht gegangen.
Dienstag, 30. Juni 1964
Fritz hat mich mit einem ganz liebevollen Geburtstagskuß aus dem Schlaf geholt.
20 rote Rosen standen vor unserer Matratze...
" Für Geschenke habe ich kein Geld mehr
aber du hast all meine Liebe! Jetzt und in alle Ewigkeit!“
"Ab heute bin ich kein Teenager mehr... " seufzte ich und kuschelte mich ganz dicht an ihn.
"Nein, du bist meine Frau!"
" Noch nicht! "
"Aber bald!"
P.S. Wir sind seit 1965 verheiratet! |
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