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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Prosa » Realitätsverdrängung
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Realitätsverdrängung

BeitragVerfasst am: 24.05.2008, 16:57
floatexpert
 
Anmeldedatum16.03.2008
Beiträge205
WohnortSingen


Claus, Monika, sowie ihre Kinder Patrick und Mathias wohnten seit zwei Jahren in dem kleinen Dorf nähe der Universitätsstadt Konstanz.

Seit achtzehn Jahren waren Claus und Monika bereits verheiratet und fast genauso lange hatten sie einen gemeinsamen Traum verfolgt: Ein Haus im Grünen, genug Platz für die Kinder, einem Garten in dem sie mit Freunden und Nachbarn Grillfeste feiern konnten.
Die Stadt war ihnen zu laut und zu eng geworden, für die Kinder gab es kaum Fläche zu toben und die Natur schien ausgesperrt worden zu sein.
Nach einem Jahr der Suche nach einem geeigneten Bauplatz wurden sie dann endlich fündig. 1000- Seelen zählte die Gemeinde, bis zum Bodensee waren es nur zehn Minuten zu Fuß, Felder und Wiesen umgaben das Dorf.
Nach knapp eineinhalb Jahren Bauzeit, in der beide kräftig mit angepackt und Stunden auf der Baustelle verbracht hatten, konnten sie voller Stolz einziehen.

Innerhalb kürzester Zeit hatten sich alle bestens eingelebt und fühlten sich sehr wohl. Monika hatte alle Hände voll zu tun, Langeweile kannte sie nicht ernsthaft. Da war nun das große Haus und der Garten zu versorgen, die Kinder mussten durch die Gegend kutschiert werden um alte Freunde zu besuchen oder in ihren Sportvereinen ihrem Hobby nachzugehen. Monika war zufrieden mit dem Leben. Meistens zumindest. Durch den Umzug war der Kontakt zu ihren Freundinnen so gut wie abgebrochen, denen es zu weit war um sie zu besuchen, zumal jede ihren Job hatte und Zeit knapp war. Mit den vergangenen Monaten hatte sie sich daran gewöhnt und sich ihre Tage entsprechend eingerichtet.

Eher störend empfand sie, dass sie ihren Mann Claus noch weniger als früher sah. Seine Arbeitsstelle in der Stadt hatte er ja beibehalten und neben den vielen Überstunden kam nun auch die tägliche Fahrerei dazu. Selten war er vor zwanzig oder einundzwanzig Uhr daheim. Monikas Einstellung war, dass man nun mal nicht alles im Leben haben könne und arrangierte sich mit dem Zustand so gut sie eben konnte. Immerhin genossen sie beide jede freie Minute miteinander, machten mit den Kindern Ausflüge in die nahe Natur und saßen stundenlang in ihrem Garten, den Monika so liebevoll pflegte.

Vor etwa drei Monaten bekam Monika allerdings ein ungutes Gefühl. Irgendetwas stimmte mit Claus nicht! Nur was genau konnte sie bisher noch nicht in Worte fassen. Oft schien er weit entfernt zu sein, sein Blick unruhig und eine permanente Nervosität ausstrahlend.
Claus, sonst um jede Minute froh die er seine kleine Familie sehen konnte, verzog sich immer öfter in sein Arbeitszimmer. Er hätte Arbeit für zuhause mitgebracht, ein neues Projekt, hatte er ihr erzählt. Nun ja, sie konnten jeden Cent gebrauchen, denn die monatlichen Bankraten waren schon weitaus höher als ihre vorherige Miete und seit sie aus der Stadt weggezogen war fehlte ihnen auch der Aushilfslohn den Monika jeden Monat heimgebracht hatte. Hier auf dem Dorf gab es keine Möglichkeit um etwas nebenbei zu verdienen.
Doch merkwürdig war es für Monika schon, dass er bis nachts um zwei oder drei Uhr in seinem Zimmer saß, demzufolge morgens kaum aus dem Bett kam und ständig jeden anschrie, wenn er dann mal in der Küche oder im Garten war.
Auch sexuell hatte sich einiges verändert. Nicht dass Monika und Claus ein sehr aufregendes Liebesleben gehabt hätten, aber regelmäßige Schmusestunden hatten sie immer gehabt und auch sehr genossen. Doch damit war es nun vorbei. Claus lehnte jede Annäherung von Monika ab, er wäre zu müde oder hätte zuviel zu tun, gab er ihr dann zur Antwort. Resigniert gab Monika ihre Liebesversuche auf.

Monika wusste nicht mehr was sie tun sollte. Selbst die Kinder hatten es aufgegeben ihren Vater zu fragen ob er mit ihnen spielen wolle oder wie vorher auf Tour zu gehen. Und wenn er daheim war schlichen sie leise durch das Haus, nur damit er nicht mit ihnen zu schimpfen anfing. Alles nervte Claus.

Der vierte Monat seit der Veränderung hatte begonnen.
Claus saß nur noch vor seinem Computer, was genau er damit machte wusste Monika nicht, da er sie nicht in sein Zimmer ließ.
Heute morgen kam ein Brief von der Bank, Monika dachte es wäre die neue Zinsberechnung. Nachdem sie den Briefumschlag geöffnet hatte, wurde sie kreidebleich und musste sich setzen. Die Bank schrieb, drei Wochen später solle die Zwangsversteigerung des Hauses sein. Seit einem Jahr waren keine Raten eingegangen und die Bank könne nun nicht mehr tatenlos zu sehen. Monika konnte das nicht verstehen, Claus brachte doch ein gutes Gehalt nach Hause!
Schwankend lief sie zu seinem Zimmer, klopfte an seine Tür. Er reagierte nicht, selbst als Monika ein paar Mal seinen Namen rief. Langsam drückte sie die Türklinke hinunter, öffnete langsam und schrie…Claus hing auf seinem Stuhl, leblos und merkwürdig verrenkt. Vor ihm flimmerte der Monitor des Computers. Die später gerufene Polizei schloss nach der ersten Untersuchung die Website mit dem Namen www.ichtötemichselbst.de

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Wer nicht mehr fühlen kann hat aufgehört zu leben.
www.seeautorin.lima-city.de

Verfasst am:
 


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