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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Schreibwerkstatt » rhetorische Stilmittel Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4
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BeitragVerfasst am: 03.02.2008, 15:59
dbs
Gast
 


Poät hat Folgendes geschrieben:
Komisch, ich habe meinen "Vergleich" aus einem Buch von Stephen King (für Autoren), wo er ausdrücklich als Beispiel für eine Metapher heran gezogen wird. Da muß sich der King wohl getäuscht haben ( mit seinen 30 Bestsellern), schätze ich. Gruß Poät


ich habe die Stelle in dem Buch von Stephen King mal nachgelesen und komme zu einem ganz anderen Ergebnis. Aber lassen wir die Zeilen des Buches selbst sprechen:

Stephen King, Das Leben und das Schreiben, Ullstein Verlag, Seite 200 hat Folgendes geschrieben:

Wenn ein Vergleich oder eine Metapher nicht funktioniert, ist das Ergebnis manchmal lustig und manchmal unglaublich peinlich. Vor kurzem las ich folgenden Satz in einem bald erscheinenden Roman, den ich lieber nicht nennen möchte: "Gleichmütig saß er neben der Leiche und wartete so geduldig auf den Leichenbeschauer wie ein Mann auf ein Truthahnsandwich." Wenn es hier etwas Erhellendes gab, so habe ich es nicht mitbekommen. Ich habe das Buch auf der Stelle zugeklappt und keine Zeile weitergelesen. Wenn ein Autor weiß, was er tut, lasse ich mich von ihm führen. Wenn nicht ... nun, ich bin jetzt in meinen Fünfzigern, und es gibt eine Menge Bücher. Ich habe keine Zeit, um sie mit den schlecht geschriebenen zu verschwenden.

Der schiefe Vergleich ist nur einer der möglichen Fallstricke bildlicher Sprache. Am häufigsten - und wieder kann man nur den Lapsus auf mangelnde Leseerfahrungen zurückführen - kommt natürlich die Verwendung von abgegriffenen Vergleichen und Metaphern vor Er rannte wie ein Besessener, sie war schön wie ein Sommertag, der Typ war eine heiße Nummer, Bob kämpfte wie ein Tiger. Verschwenden Sie nicht meine Zeit (und die anderer!) mit solch abgedroschenen Kamellen. Dadurch wirken Sie entweder faul oder dumm. Und keine dieser Darstellungen wird ihrem Ruf als Schriftsteller von großem Nutzen sein.


Ich kann da beim besten Willen nicht erkennen, dass der Satz mit dem Truthahnsandwich von King eindeutig als Metapher bezeichnet wird.

LG
Siegfried

P.S.: Fünf Seiten zuvor befasst sich King mit dem Thema der Adjektive.
Stephen King, Das Leben und das Schreiben, Ullstein Verlag, Seite 195 hat Folgendes geschrieben:

Viel wichtiger als die äußerliche Beschreibung der Figuren sind meiner Meinung nach Schauplatz und Umgebung, um den Leser in die Geschichte hereinzuziehen. Und nie kann die äußerliche Beschreibung einer Figur eine Charakterstudie ersetzen. Ersparen Sie mir also bitte die intelligenten blauen Augen und das entschlossen vorgestreckte Kinn des Helden; ebenso die arroganten Wangenknochen der Heldin. Das ist schlechte Technik und Faulheit, nichts anderes als diese ermüdenden Adverbien."


Und jetzt? Lassen wir die Worte eines ehemaligen Forummitgliedes aus einem anderen Thread sprechen:

Und wer ist Stephen King, dass er die allein seligmachende Definition gefunden haben will?

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 03.02.2008, 17:22
Poät
Gast
 


Hallo adriana,
beim schreiben an sich (wenigstens ist es bei mir so) folgt man seinen Eingebungen und setzt die Stilmittel eher spontan ein. Man fragt sich nicht lange, ist das nun ein Vergleich, eine Metapher oder was auch immer...
Du hast schon recht: Wenn es funktioniert, isses okay. Die Bezeichnung, was das nun genau ist-was man da eingesetzt hat-, sollte man getrost den Germanisten überlassen. Die knobeln das gerne unter sich aus.
Gruß, Poät.

BeitragVerfasst am: 04.02.2008, 04:09
mtg
 
Anmeldedatum04.02.2008
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WohnortBerlin


Guten Tag allerseits,

ich habe bislang ja gedacht, mit meiner Schulbildung käme ich ordentlich weit. Aber bei den Begriffen, die in der Thread-Eröffnung gefallen sind, und bei den Beispielen, die bislang gepostet wurden, komme ich ins Zweifeln. Deshalb folgende Beispiele, Ideen und Fragen:

"Über seinen Schatten springen" - halte ich für eine Metapher, weil diese Formulierung ein abstraktes - weil nicht realiter umsetzbares - Bild zeigt. Da niemand über seinen Schatten springen kann, bedeutet diese Formulierung meiner Auffassung nach "etwas ganz Außergewöhnliches tun".

Sind Metaphern also Bilder, die abstrakt sind?

Anderes Beispiel: "Durch die Liebe ihres Mannes blühte Claudia auf." Menschen können nicht blühen - aber der Vergleich mit einer Blume sagt aus, was mit der jungen Dame passiert. Genauso abstrakt - also eine Metapher. (?)

Wenn ich in einem Roman lese "Sie errötete", ist das eine Beschreibung. Aber ist "puterrrot", "krebsrot", "giftgrün", "aschfahl" eine Metapher oder ein Vergleich? Hier bin ich überfragt. Ich tendiere zum Vergleich ... aber sicher bin ich nicht...

Spannend wird es für mich beim Sport. Wenn ein Fußballkommentator sagt "Es ist ein Tor gefallen" - was ist das? Das Tor - als Tor - steht ja noch, also ist es keine Beschreibung. Ist es also eine Metapher? Und was ist mit der wunderbaren Formulierung von Marcel Reif vor vielen Jahren, als er bei einem Länderspiel gegen eine afrikanische Fußballmannschaft das 5:0 mit den Worten kommentierte "Die Tore fallen heute wie die reifen Früchte des Affenbrotbaumes" ... ist das ein Vergleich ("wie") oder eine Metapher (das Tor steht ja noch)? Ich gebe zu: Mich amüsiert diese Formulierung. Aber einsortieren im Sinne des Thread-Themas kann ich sie nicht. Kann jemand helfen?

Mir macht die Beschäftigung mit diesem Thema deutlich, dass wir - wie schon ausgeführt - viele Formulierungen in der Alltagssprache haben, die man unter "rhetorische Stilmittel" fassen kann, die aber schon so sehr Alltag sind, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt.

Ich glaube aber unabhängig von den oben gestellten Fragen, dass solche Stilmittel mit Bedacht verwendet werden sollten. Wichtiges Kriterium: Versteht meine Zielgruppe, was ich mit diesem oder jenem Stilmittel (hier: Bild in welcher Form auch immer) aussagen möchte? Und: Ermüde ich vielleicht meine Zielgruppe, weil ich zu oft in Bildern spreche, die vom eigentlichen Thema ablenken?

Auf Antworten hoffend
Matthias

BeitragVerfasst am: 04.02.2008, 10:43
PvO
 
Anmeldedatum21.10.2007
Beiträge479
WohnortOstseebad Prerow


Zitat:

Und wer ist Stephen King, dass er die allein seligmachende Definition gefunden haben will?

Das isses, genau das und das trifft nicht nur auf King zu, sondern auf alle anderen auch. Es ist die Meinung eines Einzelnen, es ist aber nicht DIE Meinung! Ich hab auch das Buch von King gelesen, fand es amüsant aber ich ging lange nicht mit allem konform, was King da geschrieben hat.

_________________
Im November 07 hab ich einen Vertrag unterschrieben. Somit wird eines meiner Bücher auf dem amerikanischen Markt erscheinen.

www.peters-buchladen.de

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 04.02.2008, 11:48
Adriana (Moderator)
 
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WohnortBrandenburg/Havel


mtg hat Folgendes geschrieben:

"Über seinen Schatten springen" - halte ich für eine Metapher,
Anderes Beispiel: "Durch die Liebe ihres Mannes blühte Claudia auf."


Stimmt, eindeutig Methaphern thumb up.

mtg hat Folgendes geschrieben:

Aber ist "puterrrot", "krebsrot", "giftgrün", "aschfahl" eine Metapher oder ein Vergleich?


Hier bin ich überfragt und werde puterrot redface.

mtg hat Folgendes geschrieben:

Spannend wird es für mich beim Sport. Wenn ein Fußballkommentator sagt "Es ist ein Tor gefallen" - was ist das? Das Tor - als Tor - steht ja noch, also ist es keine Beschreibung. Ist es also eine Metapher?


Oh je, ich glaube, jetzt sind wir in der Twilight Zone der deutsche Sprache angelangt, wo sich Literaturwissenschaftler heute noch um den richtigen Kurs durch den Nebel streiten (geile Methapher, nicht? cheezy grin).

Genauso, wenn wir sagen: Eine Entscheidung fällt.
Ja, warum fällt sie denn? Confused

mtg hat Folgendes geschrieben:

Und was ist mit der wunderbaren Formulierung von Marcel Reif vor vielen Jahren, als er bei einem Länderspiel gegen eine afrikanische Fußballmannschaft das 5:0 mit den Worten kommentierte "Die Tore fallen heute wie die reifen Früchte des Affenbrotbaumes" ... ist das ein Vergleich ("wie") oder eine Metapher (das Tor steht ja noch)?


Nach meiner bescheidenen Meinung eindeutig ein Vergleich.

@poät:
Es kann nicht schaden, als Autor dieses Grundwissen zu haben. Auf jeden Fall hilft es, Stilmittel bewusst einzusetzen.
Andererseits gibt es eine Menge Autoren, die solche Stilmittel eher unbewusst einsetzen und nicht darüber nachdenken, ob sie dem Leser nun eine Methapher oder eine Allegorie um die Ohren hauen. Sie haben ein Bild im Kopf und setzen es gefühlsmäßig ein. Komischer Weise funktioniert das öfter mal auch Wink.

_________________
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BeitragVerfasst am: 04.02.2008, 11:56
hwg (Moderator)
 
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Beiträge2585
WohnortA 8786 Rottenmann


Würde jeder Autor alle Regeln der Poetik wissen und korrekt anwenden, gäbe es garantiert viel weniger Laughing .
Wer jedoch behauptet, a l l e Regeln zu beherrschen, dem glaube ich das einfach nicht. Selbst Lektoren, Literaturwissenschafter und Germanisten haben hin und wieder damit zu kämpfen.
Und - Autoren wollen ja ihre Leser "beglücken". Und darunter gibt es
(hoffentlich) nicht nur Literaturwissenschafter... Laughing
Wer fehlerlos ist, werfe den ersten Stein!!!

BeitragVerfasst am: 04.02.2008, 12:03
mtg
 
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WohnortBerlin


Adriana (Moderator) hat Folgendes geschrieben:
Sie haben ein Bild im Kopf und setzen es gefühlsmäßig ein. Komischer Weise funktioniert das öfter mal auch Wink.

Ich halte das gar nicht für komisch. Komisch, was? cheezy grin

Aber im Ernst: Sprache - egal ob gesprochen oder geschrieben - ist immer ein Code, der dann funktioniert, wenn der Sender und der Empfänger die gleiche Dechiffriermaschine im Kopf haben. Wenn ich ein Bild im Kopf habe und es verwende, wird derjenige, der ähnlich "gestrickt" ist, dieses Bild sofort entschlüsseln können. Genauso funktioniert das mit allen rhetorischen Stilmitteln.

Interessant wäre das Gegenteil: Warum funktionieren diese Stilmittel bei dem Einen, aber bei dem Anderen gar nicht? Das liegt m. E. daran, dass man beim Lesen eines Textes, Buches, Artikels o.ä. sehr schnell un(ter)bewusst erkennt, ob dieser Text in einem Code abgefasst ist, den man versteht oder verstehen will. Ob er Stilmittel enthält, auf die man "kann" oder nicht. Wer sich einer blumenreichen Sprache bedient, sollte lieber kein Sachbuch schreiben - außer vielleicht eines über Blumen? cheezy grin

Schließlich wird nach meiner Meinung auch die Kompetenz eines Autors oder vergleichbaren Berufsstandes daran gemessen, ob er seinen Leser erreicht. Ob - und welche - Stilmittel dazu eingesetzt werden, ist zunächst sekundär - viele Wege führen nach Rom. Aber wer sich für Stilmittel entscheidet - da stimme ich einer hier bereits geäußerten Meinung zu - der sollte sie bewusst und wissend verwenden ... und nicht "auf Teufel komm raus".

@hwg ... meine Steine sind eh alle Smile

Matthias

_________________
Beste Grüße, Matthias

Die Würde des Menschen ist unfassbar.

BeitragVerfasst am: 04.02.2008, 12:28
Versailles
 
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Beiträge650
WohnortHagen


Zitat:
mtg hat Folgendes geschrieben: Aber ist "puterrrot", "krebsrot", "giftgrün", "aschfahl" eine Metapher oder ein Vergleich?

Zitat:
Hier bin ich überfragt und werde puterrot
.


Könnte es ein vergleichendes Adjektiv sein??

_________________
"carpe diem, quam minimum credula postero"
(Horaz, 65-8 v. Chr.)

www.comtesse-heloise.de

www.diecomtesse.blogspot.com

BeitragVerfasst am: 04.02.2008, 15:26
Rita Hajak (Moderator)
 
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Beiträge1098
WohnortFehmarn


... und was hat es mit diesen Aussagen aufsich?


"Das Maß ist voll"
Du hast "das Fass zum Überlaufen gebracht"
"Mir läuft die Galle über"

sind das Metapher oder Redensarten oder beides? dozey

_________________
„Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann

www.ritahajak.de

BeitragVerfasst am: 05.02.2008, 20:14
Adriana (Moderator)
 
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Beiträge454
WohnortBrandenburg/Havel


Metaphern, die zu Redensarten geworden sind, behaupte ich mal. cool

_________________
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rhetorische Stilmittel
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