| mogelvogel |
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| Anmeldedatum | 12.05.2008 | | Beiträge | 3 |
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Teil 1
Rolf sieht müde aus.
Rolf IST müde!
Angestrengt bewegt er sich durch die verlassenen Strassen der gepflegten - manche würden weniger
wohlwollend den Ausdruck "spießig" verwenden - Wohnsiedlung des beschaulichen 1000-Seelen-Dorfes. Die
Nacht zuvor ist es, die ihm noch in den Knochen steckt und für sein Zeitlupentempo verantwortlich zeichnet.
Zumindest kommt ihm die Zeit für die reale, in metrischen Einheiten messbare, Entfernung quälend lange vor -
als würde er sich nicht auf Asphalt sondern klebrigem Untergrund fortbewegen.
Der ihn daran hindert, sein Ziel zu erreichen.
Oder ihn davor bewahrt...?
Es war nicht nur die letzte Nacht, auch die Nacht davor, sowie die Nächte vor und hinter und während ... über
... auf ... dahinter und ...
Er konnte nicht mehr sagen, wieviele Nächte er sich schon allein mit seinen Gedanken - die im höchsten Ende
seines Rückgrats Fangen und Verstecken spielten, tanzten im Quadrat, rein und raus, ohne anzuklopfen
oder 'Tschüss' zu sagen - in seiner kleinen Einzimmerwohnung bewegte. Ohne Stillstand,
keinen Schalter
//AUS//
Nicht mal sicher, ob es Nächte oder Tage oder andere, ganz private ... Zyklen waren.
Waren es nicht Zyklen, mehr ein Klumpen Existenz.
Schein und Sein in einer nicht messbaren Zeit.
Er könnte just in diesem Moment seinem Kumpel Horst derbe in die Fresse hauen - war er es doch, der ihn
mit seinem Rat in diese trostlose Blaupause kleingeistiger Bürgerlichkeit entsendete, was seinen ohnehin
schon jämmerlichen Zustand unter Null positionierte. Doch Horst hatte schon oft richtig gelegen und war bei
Problemen immer ein geduldiger Zuhörer und Ratgeber.
Horst hat Rolfs Kopf IMMER aus der Schlinge gezogen und seine Ratschläge sind für Rolf AXIOME.
Müsste Rolf ein Orakel visualisieren, sähe es aus wie Horst!
So hatte Rolf auch kürzlich, den psychischen Kollaps ahnend, einen Notruf an seinen Kumpel gesendet, und
jener stand dann, zuverlässig wie eh und je, eine halbe Stunde (zumindest nach Rolfs Zeitempfinden - was
ist schon Zeit für jemanden wie Rolf?) in seinem Zimmer; mit besorgtem Blick auf den Freund, dessen
Verfassung äußerlich bröckelte, im Inneren eine beunruhigende Verbindung von Schlafentzug, Medikamenten
und paranoiden Visionen brodelte.
Horst fiel erschöpft auf den einzigen Sessel und schaute sich kurz um. Der desolate Zustand von Rolfs
Behausung war ihm vertraut, schließlich waren sie Freunde seit ihrer Kindheit. Der Ratsuchende holte
Geschenke und Opfer - Kaffee und Zigaretten, das Orakel war müde - und drappierte diese auf dem kleinen
runden Tisch, der augenscheinlich nicht darauf vorbereitet war, als Altar zu fungieren; es sei denn
Er/Sie/Es, dem er zur Ehre errichtet, versteht Müll und Kippen als Gaben und Reliquien.
Eine Linie weißen Pulvers, die man ihm kredenzte, verschmähte das Orakel, mehr noch: es wurde mächtig
wütend und schlug wild mit den Fäusten auf den Altar ein, dass Opfer oder Gaben sich der Schwerkraft
unterwarfen. Und im Dickicht eines Teppichflausches integrierten.
Der Tisch war wieder da!
"Dieses Zeug macht dich krank, verstehst Du? Schau Dich an! Probleme, dann Drogen - und irgendwann
bin ich dann Dein letzter Ausweg." brüllte es in Rolfs Rücken, der damit beschäftigt war, Schadensbegrenzung
zu betreiben und den pelzigen Bodenbelag nach Verwertbarem zu durchpflügen.
"Ich hab' Dich gern, aber irgendwann muss ich auch mal an MICH denken, verstehst Du? Du weißt ja
gar nicht, wie krank mich das selbst macht! Kannst Du Dir das vorstellen?"
Rolf blickte auf und warf Horst einen unschuldigen, mitleidsuchenden Blick entgegen, was bei diesem dazu
führte, ruhiger zu werden und sich dem eigentlichen Problem zuzuwenden.
Horst, mittlerweile die Müdigkeit vernichtend geschlagen, legte los:
oder (1): Das Orakel orakelt
oder (2): Die zehn Gebote
1. "Musst für Veränderung sorgen, Mann, das siehst Du richtig!"
2. "Was Du gerade selbst vorgeschlagen hast, ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung!"
3. "Kann Dir nicht garantieren, dass die Richtung richtig ist, wenn Du mich verstehst!"
4. "Aber ich meine, den Schritt zu tun, DAS ist auf jeden Fall gut für Dich!"
5. "Alles, was Du hier gerade tust, ist Selbstkritik, Selbstmitleid und Selbstzerstörung!"
6. "Beweg' Dich, Rolf!"
7. "Ich kenne da jemanden, der Dir dabei helfen kann. Macht das zwar nicht offiziell und für jeden, aber
durch Mundpropaganda und meine Empfehlungen sind schon einige auf ihn aufmerksam geworden!"
8. "Hat sich noch keiner enttäuscht bei mir gemeldet!"
9. "Ich schreib' Dir die Adresse auf!"
Und Schlusswort, Horsts Leitmotiv:
10. "WAS DU HEUTE KANNST BESORGEN, DAS..."
...Orakel hat gesprochen!
Stücke...
Zerstück...?
Scheibchenweise...
Gedankenkreise...
VERPISST EUCH!!!
//AUS//
Rolf nähert sich dem mutmaßlichen Ziel - Dahlienweg 16. Das Haus zuvor hatte eine 30*30 cm große "14" aus
Bronze oder Kupfer ... keine Ahnung von Metallen! ... an der Front. "Understatement scheint nicht gerade
eine Tugend der Dorfbewohner zu sein." murmelt Rolf, im Kopf die verwitterte, schäbige
Idendifikationsnummer an der Fassade seiner Stadtresidenz.
Er steigt marmorgetäfelte Stufen hinauf, an einer rustikalen Holztür endend, welche den Eindruck erweckt, als
würde sie ob Ihrer Wuchtigkeit einem mittelalterlichen Belagerungsgerät standhalten.
"Sicherheit wird großgeschrieben hier, haben die was zu verbergen, die Käuze vom Dorf? Kellerleichen?
Oder lagert man sein Geld statt auf der Bank noch unterm Kissen?" mutmasst Rolf. Wundert sich dabei, wie
solche Impressionen des Alltäglichen am Türsteher vorbei sich mogelnd Einlass in sein Hirn erschleichen
konnten.
Tobt da sonst doch die brutale Schlacht der Emotionen, unterbrochen nur vom Waffenstillstand der
Gedankenleere.
Das Schild an der Klingel aus Messing informiert über die Insassen der Burg, namentlich "Fam. Krall", das
ekelhafte Plastikschild daneben stört das Gesamtbild über Maßen, dass potentielle Gäste auf beissende Hunde
vorbereitet werden, bevor sie wissen, wen sie eigentlich besuchen wollten. Mancher dürfte dadurch die
Dringlichkeit des Besuchs in Frage stellen und sich anderen Familien Kralls zuwenden.
Nichtsdestotrotz ist Rolf nicht hierher gereist, um seine innere Ruhe dadurch zu erlangen, stundenlang in
irgendwelchen Hinterwäldlerkäffern zu flanieren, um dann mit Hinterwäldlerkläffern konfrontiert wieder den
Heimweg anzutreten und dem Ausgangszustand entgegenzustreben.
Nein, Rolf hat eine Mission zu erfüllen. Er klingelt.
SCHÖNE...
Stücke...wieder...
...widerlich!
weich und rot...
Rote Stücke...
Klumpen...
Formen...schöne...
...Tür öffnet sich.
"Schönen Tag!"
Teil 2
"Was kan isch füsitun?" fragt Schnauz genervt.
Die türkische Imbissklitsche ist neu hier, vorletzte Woche war der Laden noch leer. In spätestens einem
halben Jahr wird die Immobilie wieder zu vermieten sein und den Zyklus fortführen.
Die Stadt braucht ihren Rhythmus mit dem sie ihr Siechtum aufrechterhält. Es riecht ranzig. Hier. Im ganzen
Viertel! Der ganzen STADT!
"Ich warte hier auf jemanden. Hat sich wohl verspätet."
"Nix mähr in viddelschdunde, muschdu beeile, weisch du?!"
"Dann geben Sie mal das Schweineschnitzel! Mit Pfeffersosse!"
Wohlwissend, dass diese provozierende Äußerung einem Moslem gegenüber kaum humorvolle Reaktionen,
Ironie und dergleichen sondern eher Wut und Hasstiraden, Kraftausdrücke, NaziSchweineSchnitzel
undsoweiterundsofort hervorbringen wird, stellt sich Horst gelinde lächelnd dem Schnauzlwauzl frontal ins
Gesichte blickend entgegen.
Die Theke markiert die Front,
noch ist das Essen kalt.
Der Krieg auch. Horst hasst Türken. Für ihn sind sie der Untergang der deutschen Kultur und Horst ist zwar
kein Dichter oder Denker und hat selbst kaum etwas zu seiner nationalen Identität beigetragen, doch Stolz
erfüllt sein Herz, er tapeziert die Wände seiner Gestalt mit Haken und Kreuzen und Runen und dicken 600-
Tage-Bärten mit Männern dranhängend auf denen Hörner gedeihen. Und er ist sich sicher, das Reich, das Dritte
Deutsche, hatte einen Frühstart, zirka sechzig Jahre später wär' es wichtiger gewesen!
Er hat mal in einem Reisebüro gearbeitet und wurde nach 5 Tagen wieder vor die Tür gesetzt - nicht wegen
Unpünktlichkeit, Inkompetenz oder Äußerlichkeiten, nein, Horst war gescheit und gescheitelt ...
GESCHEITERT.
So machte er sich einen Spass daraus, statt Kreuzfahrten Kreuzzüge in die Türkei anzupreisen, gestaltete
zuhause Werbeplakate um, druckte Flugblätter und pries 'Erlebnisurlaub KZ' an, natürlich mit
authentischem Abschluss...
...this ist the end, my only friend the END... (The Doors)
...LöSUNG?
Er wurde deswegen angeklagt, kam aber an einen verständnisvollen Weggefährten als Richter, der ihn sogar
nach dem Freispruch zum Essen in sein Schloss einlud.
Horst schaffte es dann doch ein stückweit auf die Karriereleiter, sich im Mittelfeld einigermassen
einzupendeln, und musste sich aus diesen Gründen von seiner Ideologie verabschieden - zumindest auf
deren stolze Präsentation verzichten.
Damals - es war die Zeit, als altbacken plötzlich "retro" war, weil die Menschheit keine Visionen mehr hatte,
zu feige gegen die Norm zu rebellieren, Träume verboten! - hat er Rolf zufällig wieder getroffen, den kleinen
Rolf, der mit ihm die Grundschule besuchte und der ihm jedesmal in der Pause sein Brot gab, um nicht vom
viel grösseren, stärkeren Horst eine gescheuert zu kriegen.
Er entdeckte ihn wieder auf einer Veranstaltung, hier in Berlin, jedenfalls konnte er ihn sofort an seiner
Stromlinienform - viel zu große Nase und ängstlich vor Konfrontation fliehendes Kinn - erkennen. Und an
seinem Bild, dass er nach aussen hin vermittelte - den Blick nach vorne verlierend, duckmäuserisch durch
das Leben sich quälend - hätte er ihn in zwanzig Jahren immer noch erkannt.
Wenn er in 20 Jahren noch leben würde...
Horst geht nach draussen zu seinem Wagen, den er hier am Paul-Lincke-Ufer vor der türkischen
Kaschemme abgestellt hatte. Er holt einen gusseisernen Radschlüssel aus dem Kofferraum, steckt ihn in die
Innentasche seines Mantels, der durch das Gewicht nun linkslastig ist.
Linkslastig! Das ihm, Gauleiter Horst!
Schnauzl, den er so nannte, weil ihm nichts besseres einfiel, hatte derweil nichts sinnvolleres zu tun, als
den Laden abzuschliessen, wobei der Krieg noch gar nicht begonnen hatte, ja noch nicht mal angewärmt
war. Natürlich hätte er jetzt den Guss ... das Eisen ... nutzen können, um sich Einlass zu verschaffen, doch wäre
das keine angemessene Kriegserklärung für einen Deutschen. Wobei, er befand sich schon im Feindgebiet,
doch der Feind hat sich feige verkrochen und Horst weiss aus Erfahrung, dass unsichtbare Feinde keine
fairen Gegner sind. Wahrscheinlich wäre Schweineschnitzel noch in der Lage, die Polizei zu rufen,
die DEUTSCHE Polizei!
Macht alles keinen Sinn. Keine Lust auf Konfrontation mit den Welteroberungsplänen des Islam, kein Bock
mehr auf Warten weder auf Sodom noch Gomorrha und auch nicht auf Kurt. Wollten die beiden doch nur
mal kurz Rolfs Wohnung inspizieren; Rolfs halbdämlicher Bruder, falsch: dämlicher Halbbruder, hatte die
Schlüssel und wollte um zehn hier sein.
Vor drei Wochen war es, als er ihn nachts drogenumnebelt aus dem Schlaf gerissen zu sich nach Hause
bestellt hatte, seitdem war Rolf verschwunden. Weg!
Horst blickt auf die teure Cartier am Handgelenk, 23.55 Uhr! Er beschliesst, nach Hause zu fahren.
Schon lange wohnt er nicht mehr in Berlin, hat sich ein Haus auf dem Land gekauft. Er hasst Städte wie
diese ...
*Sündenpfuhl, stinkender Lurch, was könntest Du jetzt sein?
Was hat man aus Dir gemacht?
Es gibt vielleicht 3 Restaurants ... Gaststätten ... die hier ein vernünftiges Schweineschnitzel auftischen.
Demgegenüber stehen gefühlte 100.000 Höllenschlunde mit Spiessen mit Fleisch. Kein Schwein. Das essen
will. Weil's stinkt. Nach Gammel.
HAMMEL!
Germania ade! Mania willkommen!*
Die Strasse ist leer, zu leer für diese Zeit. Die Scheinwerfer ertasten wie leuchtende Hände den Hügel, der sich
mitten aus dem Asphalt erhebt,
*das Land kotzt endlich seine Dämonen aus. Dämonenritter, heilige Retter unserer, meiner Kultur. Kämpfer
wider der stinkenden Fäulnis und Übelkeit der Natur.*
Bremse quietscht ... Wagen steht!
Eine ... zwei ... drei ...
sec
//tic// //tac// //tic//
Horst steigt aus, betrachtet den Tierkadaver, der noch gar keiner ist,
zieht den GUSS ... das EISEN ...
aus
Dem. Mantel. Heraus. SCHLÄGT.
ZU:
EINS... ZWEI. DREI...
Atmet. Durch!
pfffffffffffff.....ppphhhhhhhhh........hhhhhhh....
NOCH EINS...
JETZT ist der Kadaver einer!
Er hatte dieses seltsam flaue und drückende Gefühl im Magen, in der Seele und ihm wurde schlecht,
KOTZTE auf die Strasse - und er WUSSTE...
...er wusste dass er seinen Freund nicht wiedersehen würde!
Teil 3
(piano)
"Du bist gekommen, um mit mir zu reden?" misstrauisch mustert er Rolf.
Der Türöffner trägt einen Schlafanzug. Halb drei. Nachmittag. Nichts besonderes, alte Männer mit Schlafanzügen sind nichts aussergewöhnliches hier. Solche Männer können alles. Vor allem sich meinen Problemen zuwenden. Schamanen und dergleichen MÜSSEN sogar diesen besonderen Style haben. So wie Designer flippig sein müssen und keine Marlboros - zu ordinär! - sondern Nil, Players, meinetwegen Luckies rauchen. Oder Cigarillos. Oder Pfeife. Hauptsache oft und Kette.
Oder Zuhälter dicke Schlitten fahren. Mit goldenen Klunkern protzen. Schönen Frauen die nur sie f**** dürfen. Hauptsache oft und ... Kette.
" Wenn sie Zeit haben, gerne! Hat Horst Ihnen Bescheid gegeben?"
Nein. Ich will in dein Wohnzimmer scheissen. Deshalb bin ich hier.
Glatte Übertreibung wenn nicht gar Lüge war das "gerne" . "Gerne" tut Rolf zurzeit gar nichts. Nicht mal den Konsum. Von Ampethamin. Kokain. Wenn das Geld es denn erlaubt. Nicht mal davon kann er behaupten, dass er "gerne" solche Substanzen durch die Nase inhaliert. Alles was er macht im Leben. Entzieht sich seiner Kontrolle. Funktioniert. Auf Befehl.
Des Administrators.
Seines Hirns.
OPEN ROLF (C):\PROGRAM FILES\LIFESTYLE\DRUGS\COCAINE.exe
"Nicht direkt, wir reden schon lange nicht mehr miteinander, Horst und ich. Es gibt nichts mehr zu sagen zwischen uns beiden. Er ... äh ... du weisst schon wie ich meine ... informierte mich nur über deinen Besuch..." ... soso, sie reden nicht mehr ... worüber soll ICH dann mit ihm reden? wir könnten uns über sinnvolle Freizeitkleidung an sinnlosen Tagen. Sinnlosen Anlässen. Sinnlosen Verabredungen. unterhalten. Oder über braune Masse auf Wohnzimmerteppichen ... und WAS weiss ich schon was ER meint. Müssen diese seltsamen Vögel immer in Rätseln sprechen?
"Wo hast du den Wagen geparkt?" wollte der schlaffe Schlafanzugspenner wissen, "kannst' ihn in die Garage fahren, da passiert nichts."
"Ich besitze keinen Wagen!"
Nicht mal einen Führerschein. Trottel. würden sie mir geben. und WAS bitte soll schon hier passieren? Ein Vogel könnte drauf scheissen. oder so.
"Oh, stimmt. Horst hat aber seinen noch? Na dann, worauf wartest du? Komm rein. Martha hat Pflaumenkuchen gebacken für uns. Dazu gibt es Pfefferminztee. bevor er kalt wird..." pass nur DU auf, dass DU nicht gleich kalt wirst ... wo kommen die nur her. die Aggressionen. Kenn ich sonst. Doch nur von Horst
Der Flur des Hauses - eine Wendeltreppe schlängelt sich nach oben - ist übersät mit Köpfen. Köpfe toter Tiere, ausnahmslos bedauernswerte Geschöpfe mit Hörnern und Geweihen hängen an den Wänden. Paarhufer säumen den Weg zum Himmel. Empor. Es riecht streng. Das ist kein Pflaumenkuchen.
Das, was der Alte Martha nennt sitzt im Wohnzimmer auf dem kackbraunen Sofa, welches schon älter sein muss als er selbst. Ein flauschiger Teppich mit Hirschen drauf und anderem Getier bedeckt den Boden. Dämpft den Raum. Man erahnt welchen Platz der Arsch des Alten bevorzugt. Und welcher Martha vorbehalten war. Komischer Kuchen mit Pflaumen drauf sowie Pfefferminztee stehen auf dem Glastisch. Martha lächelt verhalten Richtung Pyjamamann. Dieser nickt verstehend. Erneuter Einsatz Martha: gequält. gezwungen. schenkt sie. Rolf ein ...
modriges Lächeln. und dazu noch. TEE.
"Setz dich doch! Hab' deinen Lieblingskuchen gebacken. den mit den Streuseln drauf."
Woher weiss die Schlampe denn, welchen Kuchen ich esse. OB ich überhaupt Kuchen esse. Und warum zum Teufel DUZEN die. MICH?
Was hat Horst dem Alten erzählt? Dem Alten. Mit dem er NICHT MEHR REDET!.
Angewidert irgendwie. Vom Ambiente des Zimmers. Des Hauses. Martha. WIEHIESSDERALTENOCHMALs Schlafanzug - war da nicht sogar ein Pissfleck im Schritt - setzt sich Rolf auf den Sessel gegenüber der braunen Couch, auf der Martha und hoffentlich auch bald der Alte Platz ...Wo ist eigentlich der Hund. der Beisser? ... gemacht haben.
Martha schneidet den Kuchen.
"Wie geht's dir? Besser? Was machst du so den ganzen Tag?" fragt sie um der Situation die Spannung zu nehmen. mehr Würze zu geben. Oder um sie
mit Schwachsinn zu befüllen ... wie sie mich mit Kuchentee betanken möchte.
"Was kann ich für dich tun, mein Sohn?" fragt Herbertkarlheinzgustavheiner.
So langsam reicht's mit der Vertrautheit! Ich BIN kein Sohn. Schon gar nicht DEINER.
Teil 4
(forte)
"Halt' endlich ma die Luft an, Mann. DU fragst MICH was du für mich tun kannst? MEINE Frage ist das! ICH frag' DICH:
Was kannst du für mich tun? WER ist der Patient? DU? SIE? oder ICH?
Was soll die ganze Zeit dieses verfickte Geduze? Weisst du überhaupt Bescheid was in mir vorgeht?
Soll ich jetzt anfangen meine Geschichte aufzutischen? Wie Kuchen? SCHEISS AUF KUCHEN! Soll ich zwei Wochen hier verbringen?
Weiss' nicht warum ich hier bin! Würd' ich's wissen, wär ich zum Arzt gegangen. In Berlin. Nicht raus in dieses gottverdammte. Stinkende. Kaff. DU bist der DRUIDE!
... Horst hat mich zu dir geschickt. Damit du mir hilfst, dann HÖR AUF HORST. Und frag nicht lang rum.
... Du scheinst ihn nicht zu kennen. Du WIRST ihn aber kennenlernen. Wenn die Therapie so weiterläuft.
... und überhaupt. was hat die alte Fotze damit zu tun?"
Als hätte diese Explosion seiner Gedanken was bewirkt,
gelingt es dem Alten.
Oder Martha.
Rolfs Stromkreis.
abzuschalten.
//AUS//
Schwärze legt sich über sein Empfinden.
SICHT
//AUS//
GEHÖR(N)
//AUS//
GEHIRN.
zum Glück noch ...
//AN//
ach so...
... KINO!
deshalb dunkel.
er lehnt sich entspannt zurück.
ins Leere. Geniesst den FILM.
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... FILM AB!
... Schlacht. Hof. Weisse. Wände.
ROT besudelt. Schlachter oder ... heisst es.
Schlächter. schlechter. mit krassen Klingen.
zerlegen halbtotes zuckendes Fleisch. die KLUMPEN. in schöne FORMEN.
Klumpen hier sieht aus wie Martha.
MUTTER.
Klingen. scharfe. schälen
brutal elegant. FLEISCH vom Knochen.
Oh. Das war das Bein. Gebein. haha!
Das GEHBEIN!
weiter. SCHNITT. Nicht Messer sondern FILM.
eingeweihte EINGEWEIDE hängen. quellen.
... Stücke ... rote ...
... Rolf versucht wegzusehen
... Licht einzuschalten
... tastet nach Schalter
... findet.
NICHTS.
FILM GEHT WEITER.
irgendwann. später. viel später?
doch noch ...
//AN//
Alle Maschinen. Volle Fahrt.
Schnell hier raus. runter. weg.
erleichtert öffnet Rolf die Tür ins Freie. Die Befreiung.
muss jetzt Horst sprechen. Bericht erstatten.
holt Kumpel Nokia aus der der Tasche. Wählt.
((((( o ))))) ... los
((((( o ))))) ... nun mach' schon
((((( o ))))) ... geh endlich RAN
((((( o ... nimmt nicht ab!
ABER HORST GEHT IMMER ANS TELEFON!
Horst ist IMMER da. War IMMER da. Für ihn.
HORST IST WEG!!!
Verzweiflung breitet sich aus. Mit wem sonst...
ausser Horst kann er JETZT.
GERADE JETZT reden.
ER war es doch.
... ihm ist schlecht
... er kennt dieses Gefühl nicht und doch war es ihm vertraut.
... Rolf wusste in diesem Moment, er WUSSTE.
... dass er seinen Freund nie wiedersehen würde.
Er war verzweifelt und erleichtert. Hatten seine Probleme jetzt ein Ende?
Tat Horst ihm NICHT GUT? Hat ER es erkannt? Natürlich! Auf ihn war Verlass!
UND JETZT LÄSST ER MICH ALLEIN. Weil ich ihn nicht mehr BRAUCHEN werde.
Horst: -
Stimmen: -
Eltern: auch nicht mehr
Probleme: gelöst
Schon wieder dunkel. draussen. nacht.
Rolf sieht müde aus. Rolf IST müde! Angestrengt bewegt er sich durch die verlassenenen Strassen des 1000-Seelen-Kaffes...
dessen Namen er nicht kennt. Das Kaff in dem seine Eltern wohnen. Klebrige Schritte führen ihn zum Bahnhof. das was man hier Bahnhof nennt.
Schreitet immer noch zäh. Langsam auf ein Wartehäuschen zu. Ein altes Mütterchen sitzt auf der Bank und strickt.
Sie wird ihn nicht aufhalten ... gelegentlich grabe ich grobe löcher leer ... sei still! und mach' jetzt endlich die verfickte wolle weg!
Ein letztes mal kramt er Kumpel Nokia aus dem Mantel. Wählt.
"Ja, hallo, Krall ist mein Name ... richtig ... Horst Krall. können sie nächste Woche bei meinen Eltern vorbeischauen?
... genau ... wegen der Teppichreinigung. Ich bin sicher, der Teppich hat das nötig ... ja ... bringen sie ruhig Kataloge mit ... gut ... danke. Wiedersehen". Legt auf. Wirft Nokia ins Gebüsch. Er wird ihn nicht mehr brauchen. Er nähert sich den Gleisen
... genau genommen ist es nur eingleisig hier. Zieht den Mantel aus. Weil ihm warm ist. Warm im Herz. Er wartet. Noch...
Aus der Innentasche des Mantels rutscht
der Radschlüssel.
heraus.
... der Guss.
das Eisen.
sie sind jetzt.
ROT. |
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