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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Schreibwerkstatt » Schreibübung gefällig? Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
Hier klicken, um Mitglied zu werden  Hier klicken, um Mitglied zu werden Die Hocke • 2. Kleine Schreibübung

Schreibübung gefällig?

BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 16:59
dbs
Gast
 


Tach & Hallo zusammen!

Hier in der Schreibwerkstatt ist ja bislang sehr viel "theoretisiert worden". Das lässt sich ändern! Very Happy

Eine sehr beliebte Schreibübung aus den Kursen, an denen ich teilgenommen habe, war immer das »Umschreiben« bekannter Geschichten. Natürlich nicht der ganzen Geschichte, sondern nur eine bestimmte (aber wichtige!) Szene daraus.

Wer also Lust hat, der möge doch einfach mal auf folgenden sehr bekannten Anfang einer Geschichte seinen eigenen Anfang machen: den Anfang eines Spannungsromanes (Krimi, Thriller oder so was).
Nicht länger als eine Seite (max. also 30 Zeilen)!
Ziel: den Leser in die Geschichte holen, und zwar so, dass er das Buch nicht wieder aus der Hand legen kann ... cheezy grin

Alles klar?

Nun, dann mal los ...

Hier ist der Anfang, wie er bisher bekannt ist:

Code:

Die Bremer Stadtmusikanten

Es war einmal ein Mann, der hatte einen Esel. Dieser hatte schon so viele Jahre Säcke zur Mühle getragen, dass seine Kräfte langsam zu Ende gingen. Schließlich konnte er nicht mehr arbeiten. Sein Herr beschloss, den Esel nicht weiter zu füttern. Hungern und sterben aber wollte der Esel nicht, deshalb lief er eines Tages fort. Er wollte nach Bremen, um dort Stadtmusikant zu werden.


Viel Spaß dabei!

Grüße
Siegfried

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 19:24
julia07
 
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Hallo Siegfried,

es ist lustig, aber genau diese Spielart habe ich in meinem brandneuen Buch beschrieben, das (hoffentlich) in den nächsten Tagen erscheint. Da vertreiben sich die beiden (E-Mail schreibenden) Protagonisten exakt damit die Zeit.

Nachtrag
Sorry, habe eben erst gesehen, dass ein Krimi verlangt wurde. Das habe ich glatt verpennt. Mea culpa, mea maxima culpa ...
Crying or Very sad

Deine Idee hat mich zu dieser spontanen Variante hier animiert:

Paul Kahlke aus Niederknuddelsdorf bei Plattstetten, galt seit Jahrzehnten als DER Exot im Dorf. Dafür gab es zwei Gründe: zum einen war er der einzige Irre weit und breit, der ausgerechnet in diesem Landstrich Getreide anbaute, natürlich nur mit mäßigem Erfolg, denn sonst gedieh hier ja nur Strandhafer; zum anderen beförderte er seine magere Ausbeute auch noch mit einem Esel in die zwei Stunden entfernte Mühle und das Mehl anschließend wieder retour nach Niederknuddelsdorf.

Den Esel hatte er einmal von einem Schiff gerettet, das auf dem Weg von Griechenland nach St. Petersburg vor der Küste gestrandet war. Er nannte das dankbare Tier Clemens, da gerade Wochen zuvor sein Weib Clementine verstorben war. Clemens war zwar ebenso stur wie sein Weib, aber ansonsten eine ganze Ecke weniger anspruchsvoll und zumindest als Hilfe beim Schleppen hatte er in ihm auch einen prima Ersatz gefunden.

Clemens hatte ein schönes Leben bei seinem neuen Herren, denn dieser war Schiffsbauer und hatte nicht wirklich eine Verwendung für ihn. Ab und zu musste er Holz oder ein Fass Teer transportieren und einmal im August eben den Sack mit dem Getreide, ansonsten streifte er eigentlich nur über die Deiche.

Da sowohl er, als auch sein Herr inzwischen in die Jahre gekommen waren, sollte dieses Jahr ihr letzter Marsch zur Mühle kommen. Clemens schwante Arges, denn nun gab es wohl gar keine Daseinsberechtigung mehr für ihn und am Futter sparte sein Herr in letzter Zeit auch schon gewaltig. Wie oft hatte er nun schon mit knurrendem Magen abends im Stroh gelegen! Wie sollte das erst werden, wenn Paul gar kein Getreide mehr anbaute?

Als sie nun in diesem August ihre letzte Getreideernte zur Mühle nach Knattersdorf gebracht hatten, hörte Clemens dort eine seltsame Geschichte, während er im Schatten unter der Dorflinde wartete. Sein Herr gönnte sich derweil im Dorfkrug nebenan zwei Becher von dem köstlichen Gerstensaft, den der Wirt regelmäßig braute.

Die alten Weiber, die auf der Bank unter der Linde saßen und ausgiebig klönten, während ihre Enkel vor ihnen im Dreck Kaufmann spielten, erzählten von einer merkwürdigen Kapelle, die gerade in Bremen die Leute belustigte. Das waren nämlich nicht etwas Mitglieder eines fahrenden Volkes, sondern Tiere aus den umliegenden Dörfern, die ihren Bauern einfach so davon gelaufen waren, um ihre Rente auf einem Austragshof bei Salzburg zu verbringen! Da ihnen aber das nötige Geld für die weite Reise fehlte, taten sie sich zusammen und verdienten sich mit ihrer Musik jeden Tag auf dem Marktplatz ein paar Taler für ihr langsam anwachsendes Reisesäckchen.

Clemens verdrehte vor Sehnsucht die Augen. Er erinnerte sich gleich an sein Dorf in Griechenland, wo in der untergehenden Abendsonne die Männer auf dem Dorfplatz Sirtaki tanzten und wo er, selbst nach mühevoller Arbeit im Winter, seine Knochen nie so spürte, wie jetzt hier. Er witterte sofort seine Chance, dachte kurz nach, und machte sich leise aus dem Staub. Er wollte die Abreise dieser lustigen Gesellen auf keinen Fall verpassen.

Die alten Weiber berichteten später, dass er irgendwie leichtfüßig von dannen gezogen war...

BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 19:36
Bärentante
 
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Ich habe so etwas noch nie gemacht, aber spontan gleich losgeschrieben:

Konzentriert setzte er einen Huf vor den anderen. Es war sehr wichtig, lebenswichtig, jedes Geräusch zu vermeiden. Schritt für Schritt tastete er sich langsam vorwärts. Er hatte diese Nacht mit Bedacht gewählt. Der Mond stand als schmale Sichel am Himmel, der Feldweg lag in absoluter Dunkelheit. Die idealen Bedingungen für seine Flucht. Niemand sollte ihn fortschleichen sehen und durch einen Alarm sein Vorhaben vereiteln.
Trotz aller Vorsicht stapfte er in einen Kaninchenbau. Sein linkes Vorderbein knickte ein. Im letzten Moment konnte er sich gerade noch abfangen. Er durfte sich nichts brechen. Das wäre eine Bestätigung für seinen Herrn, dass er wirklich ein zu altes Tier war – und sein sicheres Todesurteil.
Dieser verführerische Duft. Beim Straucheln hatten sich seine Nüstern den Grasbüscheln am Wegesrand genähert. Aber er durfte sich jetzt keine Rast erlauben, musste bei Tagesanbruch weit vom Hof entfernt sein. Tapfer ignorierte er seinen Hunger. Drei Tage hatte er von seinem Herrn kein Futter mehr bekommen. Sein Leben lang war er unermüdlich zur Mühle getrabt, hatte Sack für Sack befördert, Jahr um Jahr. Diese Schinderei hatte zwar mit der Anschaffung eines jungen Esels endlich ein Ende gefunden, aber ein Gnadenbrot gab es für ihn nicht.
Langsam, leise, Schritt für Schritt, vorsichtig. Immer wieder orientierte er sich an den in der Ferne schimmernden Lichtern der Stadt.
Für die tägliche Arbeit hatten seine Kräfte nicht mehr ausgereicht, aber er fühlte sich noch stark genug, diesen langen Marsch zu bewältigen. Sein Rücken, seine Gelenke schmerzten, aber der Überlebenswille und Tatendrang war so stark wie noch nie zuvor in seinem Leben. Er würde es allen zeigen. Er war zwar ein verschlissener alter Esel, aber seine Stimmbänder hatte nicht gelitten. Es musste doch eine Möglichkeit geben ...


Zuletzt bearbeitet von Bärentante am 27.08.2007, 23:14, insgesamt 2-mal bearbeitet

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Liebe Grüße
Christel

BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 19:48
julia07
 
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Hallo Christel,
ja so stellt man sich eher eine Aufsehen erregende Flucht vor Wink
Du warst nicht nur spontan, sondern auch weniger romantisch als ich Very Happy
Dafür war ich ERSTER .... cheezy grin
LG, Julia

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 19:53
Bärentante
 
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julia07 hat Folgendes geschrieben:
Du warst nicht nur spontan, sondern auch weniger romantisch als ich Very Happy


Ich denke mal, da kommen noch viele verschiedene Versionen zum Vorschein. Ich habe das spontan geschrieben, um mich nicht im Hinterkopf an anderen Beispielen zu orientieren. Wink

Und Dein Text, Julia, ist viel schöner als meiner. Crying or Very sad

_________________
Liebe Grüße
Christel

...

BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 23:01
g.c.roth (Moderator)
 
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Na, da starte ich doch auch mal einen Versuch... Wink



Geduckt und mit tief hängendem Kopf schleppte der Grauhaarige sich durch den dämmrigen Morgen. Er hatte kaum die Kraft sich vorwärts zu bewegen, geschweige denn, den schweren Sackzu schleppen, den der Chef ihm wieder einmal zum Wegschaffen aufgebürdet hatte. Doch er musste weiter. Der kostbare Inhalt des Jutebeutels sollte unter Dach und Fach sein bevor es hell wurde. So war es abgesprochen. „Das ist das letzte Mal, dass ich für den Alten die Drecksarbeit mache!“ schimpfte er schnaufend. Die Worte kamen nur stoßweise zwischen seinen schaumtriefenden Lippen heraus. „Immer bin ich der Dumme und er geht mit dem Hauptanteil nach Haus! Schluss, Aus, heute kann er sehen, wie er das Ding alleine zu Ende bringt. Ich werd mich vom Acker machen.“ Er wusste genau, dass der Boss ihn suchen würde um ihn mit Gewalt an der Flucht zu hindern. Doch er hatte vorgesorgt und sein Plan war lange vorbereitet. Nach Bremen wollte er und dort ein neues Leben beginnen . . .

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BeitragVerfasst am: 29.08.2007, 10:54
Bärentante
 
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Keine neuen Eselsgeschichten. Crying or Very sad Crying or Very sad

Ich war so gespannt auf weitere Versionen. book

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Liebe Grüße
Christel

BeitragVerfasst am: 29.08.2007, 11:52
g.c.roth (Moderator)
 
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Ja, schade, vor allem, weil sich gerade eine dramatische Entwicklung abzeichnet, wie ich soeben erfahren habe!

Der Grauhaarige hatte sich kurzentschlossen mitsamt der Beute aus dem Staub gemacht. Weil er sonst nichts mitnehmen konnte auf seiner Flucht, wollte er das weiße Gold am nächsten Morgen gegen etwas Eßbares eintauschen. Am Abend erreichte er einen Wald und fand dort ein Plätzchen im dichten Gestrüpp um sich einige Stunden auszuruhen. Gerade war er im weichen Moos eingenickt, als er im Traum einen Hund bellen hörte. Das Gebell wurde immer lauter, sodass er schweißgebadet aus dem Traum aufschreckte. "Das ist kein Traum!" stieß er im Flüsterton aus. Leise schob er einige Zweige beiseite und tatsächlich - er sah, wie ein riesiges wolfsähnliches Tier sich seinem Versteck näherte! Im Schlepptau hatte er den habgierigen Unmenschen vor dem der Graue auf der Flucht war. Dieser war bewaffnet mit seinem Jagdgewehr. "Scheiße, dem Hund kann ich nicht davonlaufen", dachte der Graue, während er sich hektisch nach einem besseren Versteck umsah. In dem Augenblick hörte er den Habgierigen fluchen da er augenscheinlich über seine eigenen Füße gestolpert war und jetzt am Boden lag und sich vor Schmerzen krümmte. Die Leine an der er seinen Hund hielt, war ihm aus der Hand gerutscht. Jetzt lag er auf dem Bauch, schimpfend und schreiend als er sah, dass der Hund mit großen Sätzen davon sprang. Er lief direkt auf den Grauen zu und rief ihm entgegen: "Ich weiß wo Du steckst, hab dich längst gerochen. Ich werde dir helfen! Lauf los, ich werde mit Dir flüchten! Der Kerl hat mich so oft getreten, dass ich lieber verhungern will als noch einen einzigen Tag nach seiner Pfeife zu tanzen!" Der Graue traute seinen Ohren nicht, doch als er sah, dass der Hund an seinem Versteck vorbei rannte, zögerte er nicht mehr, schnappte den Sack mit der Beute und rannte hinter dem neuen Freund her. Eine Weile hörten sie noch das Fluchen und Brüllen ihres ehemaligen Peinigers. Dann hörten sie nur noch das Pochen ihrer Herzen und den schnellen schweren Atem und nur ein Gedanke trieb sie voran: "Freiheit! Ich laufe in meine Freiheit!" Nachdem sie fast zwei Stunden gallopiert und gehechtet waren, erreichten sie eine Wiese auf der einige Kühe friedlich grasten. Dort ließen sie sich einfach ins Gras fallen und schliefen auf der Stelle beide ein.

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BeitragVerfasst am: 29.08.2007, 17:11
Rita Hajak (Moderator)
 
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Also ich probiere es auch einmal!


Von lautem Gekreische wurden sie schließlich geweckt. Der Hund fing an zu jaulen,weil seine Ohren schmerzten. „Was ist das für ein schrecklicher Lärm.“ „Lass uns nachsehen, ich glaube das kommt vom See,“ sagte der Esel. Bedächtig und ohne Eile schlenderten sie, den kleinen Waldweg hinab, zum See. Irgendetwas zappelte im Wasser herum und versuchte verzweifelt an Land zu schwimmen. „Ich glaube, dass ist eine Katze“, meinte der Hund. „Soll ich ihr helfen?“, fragte er den Esel. Dieser nickte. „Ich denke unter uns Tieren sollte man schon Hilfe leisten. Mit einem großen Sprung landete der Hund direkt neben dem Tier. Er schnappte es mit seinem Maul im Knick und schwamm ans Ufer. Dort lag er nun, der schwarz-weiß, gefleckte Kater, mehr tot als lebendig, und keuchte: „Ich danke euch sehr. Alleine hätte ich es nicht geschafft. Nicht mit der schweren Büchse an meinem Schwanz.“ Der Esel und der Hund schauten verwundert. „Wer war das?“, fragte der Graue. „Das hat mir mein Herr angetan, weil nicht mehr genügend Mäuse fresse und sie überhand nehmen. Aber ich bin nicht mehr der jüngste, mein Appetit hat nachgelassen.“ „Wir sind auch unserem Herrn entwischt, er war nicht gut zu uns“, schnaubte der Esel. „Wir wandern nach Bremen.“ Die Katze blickte interessiert. „Dürfte ich mich euch anschließen, bevor es hier Mord und Totschlag gibt?“, fragte sie liebenswürdig. „Kein Problem. Wir sollten uns schnellsten auf den Weg machen“, bestimmte der Esel. Zu dritt marschierten sie weiter.

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„Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
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BeitragVerfasst am: 29.08.2007, 19:13
g.c.roth (Moderator)
 
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Wahrscheinlich steht demnächst unter meinem Text: "Thema verfehlt", aber ich stell ihn trotzdem mal dazu, wenn's mir halt dazu einfällt...



Er wäre nur ein kleiner dummer Esel. Es gäbe noch viel größere als ihn, hatte seine Mutter stets gesagt. Und obwohl sie wusste, dass er nur ein kleiner dummer Esel war, hatte sie immer wieder von ihm verlangt, dass er all die viele Arbeit im und am Haus allein verrichten sollte.

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. „Wie schön du bist, Mama“, flüsterte er sanft in ihr Ohr und strich mit dem Zeigefinger eine herabhängende blonde Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Sie hatte das manchmal mit einer schnellen ungeschickten Bewegung auch bei ihm getan. Die meiste Zeit allerdings verbrachte sie rauchend und Wein trinkend auf dem Sofa.

Dieses Sofa war ihr alleiniger Thron. Nicht ein einziges Mal hatte der kleine Esel mit ihr auf diesem Thron sitzen dürfen. Jetzt kniete er wie so oft vor dem heiligen Thron und streichelte liebevoll über den rot gefärbten Bezug. Er fühlte sich noch warm an und feucht. Das Blut färbte seine Hand rot und wieder musste er lächeln. Er sah auf und strich mit zwei Fingern über die bleichen Wangen der Mutter. Wie friedlich sie war. Endlich einmal. Und wie still es war, wenn der Fernseher nicht lief. Sein Atem ging tief und entspannt ein und aus.

Er schaute sich im Zimmer um. Ein letztes Mal wollte er sich alles genau einprägen. Es wurde Zeit zu gehen. Sein einziger Freund, der kleine ‚Bastard’ stand schon aufgeregt hechelnd an der Tür und wedelte mit dem Schwanz.

„Ich gehe jetzt Mama“, sagte er langsam und wandte sich noch einmal ihrem friedlichen Gesicht zu. „Du weißt, ich muss es tun. – Da draußen sind noch viele kleine dumme Esel die ich befreien kann. Auch sie haben schöne Mütter, in deren Körper dieser böse Saft fließt.“ Langsam stand er auf, griff ehrfurchtsvoll nach dem blutverschmierten Küchenmesser das in ihrer Brust steckte und riß es mit einer unverhofft heftigen Armbewegung heraus. Sein Lächeln verschwand aus seinem Gesicht, streng sah er sie an und sagte mit harter Stimme: „Du kannst es nicht behalten, Mama. Ich brauche es für die anderen...! Dann verbeugte er sich einmal - so wie er es immer hatte tun müssen, nachdem er seiner Mutter zu Diensten gewesen war. Drei vier Sekunden verharrte er in gebückter Stellung, dann schnellte er hoch, machte ein halbe Drehung und rief freudig: „Komm Bastard, wir sind frei! Lass uns gehen!“

Er steckte das Messer in seine Manteltinnentasche, ging zur Tür, öffnete sie und verließ die Wohnung ohne sich noch einmal umzudrehen. Groß fühlte er sich. Und stark fühlte er sich. Unbesiegbar war er geworden. Er hatte die Mutter erlöst! Sie befreit von dem Gift das in ihren Adern floss. Er war ein Held. Endlich einmal hatte sie nicht geschimpft. Er hatte alles richtig gemacht! Er war nicht mehr der kleine dumme Esel. Er war ein großes kluges und starkes Maultier geworden. Fast schwebte er die Straße entlang und ein Glücksgefühl durchströmte seinen ganzen Körper.

„Und du“, sagte er fröhlich zu seinem kleinen Hund, „Du sollst auch neu sein. Ich werde Dich nicht mehr Bastard nennen. Abrupt stoppte er seinen beschwingten Gang, blieb stehen, beugte sich zu dem Vierbeiner hinunter, nahm seinen Kopf in die Hände, blickte ihm fest in die Augen und sagte: „Merk es Dir gut. Dein neuer Name ist „Katzer“! Und deine Aufgabe ist es von nun an, die Katzenmütter dieser Welt zu erlösen. So wie es meine Berufung ist, die Menschenmütter zu erlösen.“

Cool [i]Du lieber Himmel, irgendwie gehen mir die Pferde durch... [/i]shocked eyes

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BeitragVerfasst am: 29.08.2007, 19:20
julia07
 
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sehr schön, dein Text, Grete!
Was das mit dem Thema verfehlen angeht, wären wir dann ja schon ZWEI Wink

Übrigens, hast du dich nicht vertippt, von wegen: "... gehen mir die Pferde durch ..." Muss das nicht Esel heißen cheezy grin

LG, Julia

BeitragVerfasst am: 29.08.2007, 19:28
g.c.roth (Moderator)
 
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Hallo Julia,
irgendwie muss es aber doch mit dem Thema zu tun haben, sonst wär ich nicht drauf gekommen. Es handelt sich auch hier um ein Individuum, das schlecht behandelt wurde und sich einen Weg sucht um aus dem Dilemma raus zu kommen. Und er findet einen Weg. Den ersten Gefahrten, seinen Hund nimmt er gleich mit und jetzt machen sie sich auf den Weg, um die nächste Gefährtin zu treffen: Die Katze. Meine Helden sind vielleicht nicht unbedingt die Symphatieträger der Originalgeschichte, aber nur brav ist ja langweilig... Twisted Evil
LG Grete

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BeitragVerfasst am: 29.08.2007, 19:59
Rita Hajak (Moderator)
 
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Ja Grete,

Deine Geschichte hat einen harten Kern und einen groben Ton. Was einer Kriminalgeschichte eher nahe kommen würde. Hätte die Geschichte so angefangen, hätte ich sie in dieser Art weitergeschrieben. Soll doch ein Krimi werden oder bin ich da jetzt falsch informiert? Ansonsten ist für die vorher gegangenen Geschichtsabläufe, das Thema verfehlt.
Gefällt mir aber trotzdem. thumb up

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BeitragVerfasst am: 30.08.2007, 02:24
Judith
 
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Düster aber gut, Grete!

Sagt mal, wo ist eigentlich der Hahn geblieben?

Habe leider gerade keine Zeit, nach ihm zu suchen.

Grüßle,
Judith

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BeitragVerfasst am: 30.08.2007, 07:05
g.c.roth (Moderator)
 
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Hallo Judith,
dank für dein Lob. Merkwürdig, dass der Text so düster rüber kommt, da befreien sich gerade zwei aus einer trostlosen Situation... dozey

Der Hahn stößt später zu den Akteuren. Es ging in der Aufgabe um den Anfang der Geschichte, der umzuschreiben war. Also erst der Esel, dann der Hund, die Katze und zum Schluß der Hahn, wenn ich mich recht erinnere. Es taucht zum Ende auch noch eine Räuberbande auf, an der die vier dann zeigen können, was in ihnen steckt!

Wie ich feststelle, eine ganz tolle Übung, aus der man eine Menge mehr rausholen kann, als es auf den ersten Blick aussieht . . .

LG Grete

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