| floatexpert |
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| Anmeldedatum | 16.03.2008 | | Beiträge | 205 | | Wohnort | Singen |
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Sehnsucht und Hoffnung
Wochenende. Endlich.
Carina steht wie jeden Freitag am Fenster, sieht wartend auf die Straße und lässt ihre Gedanken schweifen.
Wie viele Wochenenden hatte sie hier schon an der gleichen Stelle gestanden? Sie kann sie inzwischen nicht mehr zählen. Und sie ahnt, dass noch viele weitere folgen werden.
Obwohl sie weiß, dass es in absehbarer Zeit keine andere Möglichkeit gibt, hat sie gelernt die Freitagabende zu lieben und die Sonntagabende zu hassen. Jedes Mal wird ihr das Herz schwer, gerade so als ob eine eiserne Faust es umklammern würde. Im Hals wartete ein dicker Tränenkloß darauf sich in einem Strom von Tränen bis zu den Augen hocharbeiten zu können. Mit feuchten Augen und einem hilflosen Lächeln wiederholte sich stets die gleiche Abschiedsszene.
Marco.
Wie sehr sie ihn doch liebt.
Seit zehn Jahren waren sie nun ein Paar und sie kann bis heute nicht genug davon bekommen ihn zu sehen, zu riechen und zu fühlen.
Marco ist einen Kopf größer als sie, was ihr die Gelegenheit gibt ihren Kopf an seine Brust zu schmiegen und dabei seinem beruhigenden Herzschlag zu lauschen. Liegt sie so an seiner Brust legt er sanft seine Arme um sie, lässt sein Kinn sachte auf ihrem Kopf aufliegen. Sein Atem verursacht ein angenehmes Kribbeln, welches ihr bis in die Fußspitzen geht und wohlige Schauer über den Rücken treibt.
Liebevoll berührt sie mit den Fingerspitzen einen seiner muskulösen Unterarme, fährt die hervorstehenden Adern entlang und verliert sich in ihren Träumen.
Sein Geruch. Sie ist einfach verrückt danach. Eine Mischung aus leicht herbem Aftershave und seinem ureigenen ausströmenden männlichen Duft ergab eine Mixtur die sie immer wieder dazu verführte mehrmals an seiner Halsbeuge tief einzuatmen. Jedes Mal durchfährt sie ein Gefühl für das sie noch keinen Namen gefunden hat.
Carina liebte Marco mit jeder Faser ihres schlanken Körpers.
Vor einiger Zeit hatte Marco seinen Arbeitsplatz verloren. Stellenabbau. Anfangs genossen sie die viele gemeinsame freie Zeit, zumal Carina nur halbe Tage arbeitete. Mit der Zeit veränderte sich Marco. Bedrückt in Anbetracht der finanziellen Enge und dem Gefühl der Nutzlosigkeit sprach er kaum noch, das zärtliche Miteinander schlief gänzlich ein und über ihrem Alltag lag eine erdrückende Spannung.
Vor sechs Monaten hatte er eine neue Anstellung gefunden, zweihundert Kilometer weit von ihrer Stadt entfernt. Zu Beginn waren sie noch euphorisch und beide waren geradezu erleichtert. Doch einige Wochen später zeigte sich das Ausmaß ihrer Wochenendbeziehung.
Im Alltag ist Carina auf sich alleine gestellt, die Abende und Nächte ohne Marco eine einzige Qual. Jede Faser ihres Körpers vermisst ihn schmerzhaft.
Am Wochenende kommt er nach Hause und ist meist müde von der aufreibenden Arbeit auf der Baustelle und der langen Heimfahrt.
Wenn er durch die Tür kommt herrscht einige Minuten die innige Vertrautheit der gemeinsamen Jahre. Doch dann schleicht sich ein fader Beigeschmack ein. Zwei Tage sind viel zu kurz um alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen. Zudem überschattet meist der gegenseitige Erwartungsdruck die wenigen Stunden. Gute Laune zu zeigen, sexuelles Begehren ausleben…
Marco ist erneut verändert. Er liebt Carina und doch fühlt er sich eingesperrt und erdrückt von ihr und ihren Gefühlen, noch mehr von ihren stillen Erwartungen.
Unter der Woche arbeitet er zehn bis zwölf Stunden, selten geht er mal in eine Kneipe. Freundschaften hat er an beiden Orten keine, als Pendler Beziehungen aufzubauen und auch zu pflegen ist ein schwieriges Unterfangen.
Ist er daheim belegt ihn Carina mit Beschlag. Merkwürdigerweise verspürt er unter der Woche eine Sehnsucht nach ihr und auch die Lust auf ihren sehr weiblichen Körper, der nach frischen Mimosen roch, schwirrt in seinem Kopf und Lenden umher. Schmerzhaft die Entfernung die zwischen ihnen liegt. Doch kaum ist er Freitags zu Hause fallen diese Sehnsüchte in sich zusammen und selbst ihre zärtliche Hand auf seinem Arm stört ihn.
Eine Lösung dieser Situation wissen beide nicht. Was bleibt ist die Sehnsucht ihre Liebe wieder tief leben zu können, ohne Druck, ohne Trennung. Und die Hoffnung, dass der Alltag nicht weiter Gefühle sterben lässt die zehn Jahre bestehen. |
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