 | „... seitdem ich blond bin, habe ich keine Angst mehr!“ |  |
Verfasst am: 12.05.2007, 09:16 |
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Das Untergeschoss des U-Bahnhofes war auch in dieser Nacht zunächst menschenleer. Endlich vernahm Werner die Fahrgeräusche aus der Tunnelröhre und spürte auch den kalten Luftzug aus ihr, der die Ankunft des letzten U-Bahn-Zuges an diesem Tag ankündigte.
Plötzlich wurde Werner hinterrücks von starken Fäusten gepackt. Die beiden vermummten Männer hielten ihm den Mund zu, hoben den schmächtigen Mann hoch, trugen ihn zur Bahnsteigkante und stießen den Hilflosen auf die Geleise. Dann flüchteten sie.
Wahnsinnig vor Schmerzen versuchte Werner sich aufzurichten. Doch mit einem Aufschrei fiel er wieder vornüber. Beide Handgelenke waren gebrochen.
In Todesangst wälzte sich der Mann nun seitwärts von den Schienen und erreichte gerade noch rechtzeitig den Personenschutzbereich unter dem Bahnsteig. Da rauschte die U-Bahn auch schon an ihm vorbei. Kam erst in Höhe der Rolltreppen mit kreischenden Bremsen zum Stehen.
Den Hilfskräften gelang es nur durch langes und gutes Zureden Werner aus dem Schutzbereich bergen zu dürfen. In Todesangst hatte er sich wie ein Igel zu einer Kugel zusammengerollt und war zunächst nicht zu bewegen den Sicherheitsbereich zu verlassen.
Nach längerem Krankenhausaufenthalt gestand der Mann: „Seit diesem Unglück habe ich Angst vor jeglicher Art von Bahnsteigen, vor Dunkelheit, vor späten Abendstunden und vor Männern, die mir paarweise entgegenkommen. Auch am Tag.“
Wochen später konnte die Polizei die Täter fassen, die Werner auf die U-Bahn-Geleise geworfen hatten. Sie hassten nicht nur dunkelhäutige Menschen, sondern ganz allgemein auch schwarzhaarige.
„Deutsch sei blond“, meinten sie. „So wie wir!“
Nach diesem Geständnis begab sich Werner zu seinem eigenen Schutz sofort zum Friseur und ließ seine Haare blond färben. Mit diesem neuen Aussehen verlor er plötzlich auch seine Angst vor Bahnsteigen, vor Dunkelheit, vor späten Abendstunden und vor Männern, die ihm paarweise entgegenkamen. Auch am Tag. Klar! Jetzt war er ja „deutsch“, weil blond.
Wenn Werner aber auf sein neues Aussehen angesprochen wurde, erklärte er: „... ist mein Beitrag zur Vermeidung von Gewalttaten!“. |
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Verfasst am: 12.05.2007, 17:03 |
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| hwg (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 24.04.2007 | | Beiträge | 2851 | | Wohnort | A 8786 Rottenmann |
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Pointiert formuliert.
Zwar lichten sich bei mir schon die einst dunkelbraunen Haare, doch mit den NDP-Glatzkopfen oder ähnlichen Charakteren möchte ich keinesfalls
verglichen werden...
...und meine restliche Haarpracht blond zu färben, zahlt sich, so denke ich, nicht mehr aus.  |
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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Prosa
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