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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Prosa » Soldat der Heilsarmee
Hier klicken, um Mitglied zu werden  Hier klicken, um Mitglied zu werden Der Hochsitz des Poeten • „... seitdem ich blond bin, habe ich keine Angst mehr!“

Soldat der Heilsarmee

BeitragVerfasst am: 10.05.2007, 14:06
Franz Manser
 
Anmeldedatum05.05.2007
Beiträge7
WohnortCH Minusio


Soldat der Heilsarmee


Vorwort

Die Heilsarmee auch (Salutisten) genannt
sind für viele eine fromme oder eine religiöse Sekte
oder gar Fanatiker
Eine Religion ist die Heilsarmee aber nicht,
vielmehr ist sie eine Vereinigung,
eine internationale Bewegung.
Sie hilft - und sie hilft wirksam und ohne viel zu fragen
über das Wieso und Warum.
Ein besonderes Erlebnis in London bestätigt dies.
Dieses möchte ich nun als Geschichte
der interessierten
Leserin und dem interessierten Leser erzählen:

Wie die Heilsarmee meine Sympathie gewann

Für ein Jahr wollte ich in London arbeiten und dabei Englisch lernen. Als Jungkoch fand ich eine Stelle in einem französischen Luxusrestaurant fast mitten in London und im Bankenviertel nahe der Westminster Abbey.
Um zur Sprachschule zu gelangen, musste ich mit der berühmten Underground fahren, quer durch die City. Wo das genau war, kann ich heute, nach fast fünfzig Jahren nicht mehr beschreiben.
Sofort nach Arbeitsschluss, um 14 Uhr am Nachmittag fuhr ich hin und um 17 Uhr wieder zurück, um meine Arbeit im Betrieb wieder aufzunehmen.
Die Rückfahrt allerdings gestaltete sich äusserst schwierig, weil sie genau in die Rush Hour fiel. Keine Hand hätte man zwischen die, wie Sardinen stehenden Menschen schieben können, so voll waren diese Züge um diese Zeit. Alle wollten nur eines, so schnell wie möglich nachhause. Mein Problem, ich wollte so nahe wie möglich an der Türe zu stehen, damit ich auf meiner Haltestelle aussteigen konnte.
Gegenüber der Schule stand eine grosse Kaserne der Heilsarmee. Das Gebäude sah wirklich nach Militär aus, so trist, kahl und unfreundlich stand dieser graue Block zwischen andern, zwar auch nicht viel freundlicheren Gebäuden.
Aufmerksam aber wurden wir, als sie plötzlich Musik zu spielen begannen. Schneidige, flotte Marschmusik ertönte aus dem Übungssaal. An eine Fortführung des Unterrichts war nun wirklich nicht mehr zu denken, zu schmissig und mitreissend waren die Rythmen, die ins Schulzimnmer drangen. Es musste eine sehr grosse Band sein und wirklich militärisch straff organisiert dazu.
Kurzum, uns machte das natürlich sehr viel mehr Spass als trockenes Englisch zu büffeln. Und wie sie musizierten, diese blauuniformierten Leute. Das hätte ich denen nun wirklich nie zugetraut. Zwar kante ich die Heilsarmee von der Topfkollekte bei der sie speziell vor Weihnachten auf den Plätzen der Städte aufspielte. Das waren aber nur kleine Grüppchen mit einigen Musikinstrumenten wie Gitarre, Handharmonika oder seltener mit einer wehleidig stöhnenden Geige. Dazu sangen sie mit eher dünner Stimme fromme Lieder. Vor dem Grüppchen stand ein Topf, in den freigebige Passanten ein Geldstück hinein werfen konnten.
Oder sie fanden sich in den Kneipen der Stadt ein, stellten sich in einer freien Ecke auf und begannen zu singen. Derweil verteilte ein Mitglied der Gruppe den "Kriegsruf." Wer wollte und mochte, durfte ein Geldstück dafür geben. Die Gotteskrieger nahmen alles immer sehr dankbar an.
Sie sind auch dafür bekannt, dass sie in Armenviertel Suppenküchen und Notschlafstellen betreiben und so in der gröbsten Not aushelfen.
Dass sie aber so schneidige Weisen spielen und dazu noch in einer grossen, straff und gut organisierten Band, das war mir neu.
Noch nicht lange lebte ich London, kannte mich mit den vielen öffentlichen Verkehrsmitteln noch nicht gut aus, besuchte ich eine Bekannte. Mit der Underground fuhr ich hin, irgendwo draussen in einem Aussenquartier. Beim Zurückkehren fand ich die Station nicht mehr. Nach längeren umherirren und krampfhaften Suchen fand ich dann endlich dennoch zur Haltestelle. Doch es fuhren keine Züge mehr - es war schon weit nach Mitternacht. Was nun?
Verloren stand ich auf nächtlicher Strasse, nur noch wenig Verkehr herrschte in diesem abgelegenen Stadtteil. Da, endlich zwei Scheinwerfer die sich durch die Nacht tasteten. Entschlossen hielt ich den rechten Arm hoch und winkte etwas zaghaft. Wird das Auto wohl stoppen und mich vielleicht, wenn ich ganz viel Glück hatte, mitnehmen? Schwierig wird es ohnehin werden, denn ich wohnte in einem Aussenquartier weit ausserhalb der Londonercity. Der Wagen hielt wirklich an.
Darin erblickte ich im Dämmerlicht der Strassenbeleuchtung einen Mann in blauer Uniform. Ein Polizist? Dann hätte ich noch Glück gehabt, der würde mich sicher auf irgend eine Art und Weise nach Hause befördern. Mir war es gleich, wie. Mit ihm in seinem Wagen, in einem Polizeiauto oder auch mit der grünen Minna, alles wäre mir recht gewesen.
Ja, was ist denn, fragte der Mann am Steuer? Nun, ich habe mich verlaufen und möchte nach Arlingtons Garden wo ich zu Hause bin. Ja, sie guter Mann, lachte dieser; das geht quer durch die ganze Stadt, denn wir befinden uns gerade auf der Gegenseite von Arlingtons Garden. Mein eben entfachtes Mütchen sank wieder zu einem jämmerlichen Hoffnungsschimmerchen zusammen. Ja, dann, erwiderte ich kläglich, was soll ich jetzt tun, wie weiter? Kein Problem, meinte er, ich fahre sie hin, einsteigen und los geht es. Da liess ich mich natürlich nicht zweimal bitten. Während der langen Fahrt erzählte ich ihm von meinem Missgeschick. Als er vernahm, dass ich aus der Schweiz kam und als Koch in einem Londoner Restaurant arbeite, begann er von diesem schönen Land mit den hohen Schneebergen zu schwärmen.
So verging die lange, nächtliche Fahrt quer durch eine fast schlafende Stadt im Nu. An meinem Wohnort angekommen, fragte ich, was ich denn nun schuldig sei? Nichts meinte er, ich arbeite ja für Gotteslohn und lachte. Er wollte wirklich nichts annehmen. Er war die Bescheidenheit in Person. Wo gibt es denn heute noch so etwas?
So blieb mir die Heilsarmee in sehr guter und dankbarer Erinnerung.

Einige Jahre später...

wieder zu Hause in meiner Heimat, führte ich ein Restaurant in einem mittelgrossen Industrieort. Viele Arbeiter und Angestellte der umliegenden Fabriken und Geschäfte waren meine lieben und geschätzten Gäste.
Oftmals kamen auch die frommen Leute der Heilsarmee abends vorbei, stellten sich an einem freien Platz auf und begannen ihre Lieder zu singen. Und wie überall verteilten sie an den Tischen den Kriegsruf. Niemand hatte etwas gegen diese kleine Störung.
Nun stand aber eine Musikbox im Lokal und anstandshalber stellte die Serviertochter den Kasten ab während die Heilsarmeeleute ihre Lieder vortrugen. Das löste allerdings bei einigen Gästen Unmut aus. Verständlich, ein Geldstück warf man für das geliebte Musikstück in den Automaten und das ging durch das Ausschalten verloren. Auch konnten es einige Grobiane nicht unterlassen, die frommen Diener Gottes anzupöbeln, was andern wiederum peinlich war.
Meine Überlegung war: Die Gruppe kommt um Geld anzuschaffen um damit Gutes zu tun. Sie leisten also eine sinnvolle Arbeit. Wie kann ich da nun dafür sorgen, dass sich niemand übergangen oder beleidigt fühlt?
Nach einer Lösung suchend ging auf ihren Stützpunkt in unserem Ort und unterbreitete ihnen folgende Offerte. In Zukunft sollten sie unser Restaurant auf ihrer Tour auslassen und dafür erhielten sie monatlich fünfzig Franken von mir im Namen des Restaurants.
Sie waren damit einverstanden und nahmen das Angebot dankend und gerne an. So war beiden Seiten geholfen

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 10.05.2007, 14:44
hwg (Moderator)
 
Anmeldedatum24.04.2007
Beiträge4013
WohnortA 8786 Rottenmann


Gut geschildert. Gratulation!

Bei uns gibt es keine Heilsarmee.
Dafür rennen uns die Zeugen
Jehovas die Türen ein. Sie wollen
jedoch keine Spenden, sondern nur
unsere Seelen retten. Smile

BeitragVerfasst am: 11.05.2007, 15:18
Franz Manser
 
Anmeldedatum05.05.2007
Beiträge7
WohnortCH Minusio


Danke hwg für Deine anerkennenden Zeilen.
Sehr gefreut haben sie mich.

Ps. Wir haben hier das selbe Problem. alle zwei, drei Wochen stehen die vor der Haustür und wollen uns zu besseren Menschen bekehren (wo wir doch schon so brav sind! Smile

Mit herzlichen Gruss, Franz
Soldat der Heilsarmee
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