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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Prosa » Spinnenvolk
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Spinnenvolk

BeitragVerfasst am: 03.07.2007, 10:20
Randall Flagg
 
Anmeldedatum27.05.2007
Beiträge31
WohnortNRW


Hier ist eine kleine Kurzgeschichte, die ich vor etwas mehr als einem Jahr geschrieben habe. Viel Spaß Wink







Spinnenvolk



„Hier ist es“, sprach der Mann. „Hier, unter dieser Falltür. Wenn Ihr unten seid, dürft Ihr euch etwas von ihren Fäden mitnehmen.“ Der Mann trug eine primitive Bekleidung, die nur aus Tüchern und einer alten roten Stoffweste bestand. Er trug einen alten schwarzen Zylinder und hatte weiße Tatoos im Gesicht. Es sah wirklich bizarr aus.
„Dann wollen wir mal!“, sprach der Mann neben ihm. Er bildete das Gegenteil zum ersten Mann. Blue Jeans grünes Hawaii Hemd und fettige Haare. Aber wo soll man sich auch mitten im Südamerikanischem Regenwald ordentlich die Haare waschen?
Er und sein Freund, ein recht großer Mann mit verschwitztem Unterhemd und löchriger Shorts, machten sich dran die Falltür zu öffnen. Als sie die Tür öffneten, kam ihnen ein feuchter und modriger Geruch in die Nase.
„Mann, ist das ein Gestank!“, sagte Alan, der Typ im Unterhemd und hielt sich die Hand vor das Gesicht.
„Hier unten war ja auch schon seit gut zwanzig Jahren keiner mehr drin.“, sagte Dave und hielt sich ebenfalls die Nase zu. „Nach dir.“
„Ne danke, DU wolltest das Zeug, nicht ich!“
„Nur mal so ne Frage, Priester“, wandte sich Dave an den Schamanen mit dem Zylinder. „Ist das Vieh giftig? Oder aggressiv?“
„Keine Sorge, momentan ist Brutzeit. Da wird sie sich nicht sehr weit von ihrem Nest bewegen. Aber Ihr solltet trotzdem vorsichtig sein: Wenn sie bemerkt wie Ihr ihr an ihrem Netz rumspielt, wird sie Gefahr wittern und euch angreifen!“
„Na super. Das hab ich mir schon immer gewünscht, als Spinnenfutter zu enden!“ Dave rollte die Augen und stieg durch das Loch im Boden, welches von einem großen Zelt geschützt wurde. Alan folgte ihm.
Unten war es stockfinster. Sie befanden sich in einem langen, engen Gang, dessen Ende man nicht ausmachen konnte. Doch ein paar Meter weiter konnte Dave eine leichte Lichtquelle von der rechten Wand ausgehend erkennen.
„Dahinten, Alan, ich glaub da ist es“
„Meinst du nicht wir sollten Licht machen oder so?“
„Nein, es ist besser wir lassen es. Ich will nicht wissen was sich unter unseren Füßen tut. Ich glaube, wenn ich das sehen müsste, würde ich anfangen zu kotzen.“
„Wie du meinst“
Sie näherten sich der Lichtquelle und erkannten, dass es sich dabei um eine in der Wand eingemeißelte Nische handelte, aus der das sonderbare Licht kam. Als sie sich direkt vor der Nische befanden und sahen was sich darin befand, drehte Alan sich um und erbrach sich. Auch Dave stand kurz davor sich zu übergeben. Sein Magen verkrampfte sich. In dieser Nische, die vielleicht einen halben Meter Hoch, breit und tief war, befand sich ein riesiges weißes Netz mit vielen Kokons, die rhythmisch pulsierten. Man konnte nicht sehen woher dieses verfluchte Licht kam. Das widerlichste befand sich in der Mitte des Netzes. Eine Spinne, so groß wie eine Katze, hing mit ausgestreckten Beinen in der Mitte. Sie war durchgehend weiß, hatte keine Haare, wie größere Spinnen sie normalerweise hatten, sondern einen harten, weißen Panzer. Ihre Beine, ihre Farbe und ihre Form hatten mehr Ähnlichkeit mit einer riesigen Krabbe als mit einer Spinne. Vor ihrem Gesicht zuckten ab und zu die kleinen Augen. Dave schüttelte sich vor Ekel und dachte darüber nach, wie er unbemerkt an einen Teil des Spinnengewebes gelangen konnte, ohne das ihn dieses... Ding berührte.
„Alan, willst du vielleicht...?“
„Vergiss es, sonst kotze ich ab, Mann!“
„Also gut“ Dave atmete tief durch.
Er streckte seine Hand in die Nische und berührte das Netz. Es fühlte sich einfach nur widerlich an, wie Wolle über die man verdammt viel Klebstoff geschüttet hatte. Wenn es nicht wirklich notwendig gewesen wäre, wäre Dave erst gar nicht hier herunter gegangen, sondern hätte seinen Urlaub fortgesetzt.
Nur durch Zufall hatten er und Alan einen halb verdursteten Mann im Dschungel gefunden und ihm das Leben gerettet. Der Mann, ein Angehöriger eines primitiven Eingeborenenstammes, hatte sie in sein Dorf geführt und sie zum Dorfältesten gebracht. Der Dorfälteste wiederum hatte sie zum Schamanen gebracht. Als Dave und Alan durch das Dorf geführt wurden, sahen sie einen alten Mann mit dunklen Flecken auf dem Bauch. Dave wusste was diese Flecken für den Mann bedeuteten: Hautkrebs. Er fühlte leichten Mitleid für den Mann, da er wusste dass sich der Krebs in fortgeschrittenem Stadium befand und man nun nichts mehr tun konnte. Doch man belehrte ihn eines besseren. Eine Frau, vermutlich die Ehefrau des kranken Mannes, strich etwas weißes und fasriges auf die Flecken. Innerhalb kürzester Zeit waren die Flecken verschwunden und hatten gerötetes Fleisch hinterlassen.
Als Dave den Schamanen gefragt hatte, was es mit der weißen Substanz auf sich hatte, erklärte dieser ihm dass sein ganzes Volk es der heiligen Spinne zu verdanken habe dass sie dieser Krankheit entgegenwirken können, die schon so lange seinem Volk zugesetzt hatte. Dave wunderte sich da Hautkrebs nicht ansteckend war und kam zu dem Schluss, dass diese Leute einfach nur Pech hatten. Er fragte den Schamanen ob er vielleicht etwas von dieser Substanz mitnehmen dürfe, damit er sie untersuchen könne. Dave war Biologe und vermutete dass dieses Gewebe ein paar Bakterien beinhalte die den Hautkrebs in Windeseile vernichteten.
Nun war er hier unten und war gerade dabei den Grundstein der Krebsheilung zu legen. Die Spinne rührte sich noch nicht. Möglicherweise schlief sie, was Dave aber nicht glaubte.
Am besten erledige ich das hier wie mit einem Pflaster. Ich ziehe es ganz schnell ab damit es nicht so richtig schmerzhaft wird.
Er zog an dem Stück Netz und schaffte es, es abzuziehen. Die Spinne, die vorher ruhig in ihrem Netz weilte, zuckte zusammen. Mit einer enormen Geschwindigkeit sprang sie aus der kleinen Nische heraus, doch Dave konnte gerade noch ausweichen.
„Lass uns hier raus!“, rief er zu Alan, doch er hörte nur ein röcheln. Er drehte sich zu Alan, zog sein Feuerzeig und sorgte für Licht. Was er sah würde ihm noch Jahre in Erinnerung bleiben. Die Spinne hing in Alans Gesicht, der widerum auf dem Boden lag und sich nicht bewegte. Die Spinne hatte ihre Klauen in Alans Hals gerammt. Aus den Wunden floß nun Blut.
Nachdem sich Dave wieder gefangen hatte, holte er mit dem Fuß aus und trat das Monster aus Alans Gesicht.
„Scheiße, ich kann mich nicht bewegen. Das Gift des Viehs muss mich irgendwie gelähmt haben“, sagte Alan leise. „Sieh zu dass du hier raus kommst!“
„Vergiss es Mann, du kommst mit.“
Aus der Dunkelheit hörte Dave ein leises Zischen. Er wusste, die Spinne war wieder auf den Beinen und nicht gerade in guter Laune.
„Ich hab hier noch ne Dose Deospray“, sagte Alan leise und hustete. „In der Seitentasche der Hose.“
Dave bückte sich schnell und kramte in der Seitentasche der Hose von Alan. Es war zwar eine kleine Dose, aber sie würde ihren Zweck schon erfüllen. Er schraubte die Kappe ab und richtete sie in die Richtung, aus der das Zischen kam. Dann hielt er das Feuerzeug vor die Dose, zündete das Feuerzug und drückte auf den Zerstäuber des Deodorants. Als er eine sah, wie eine Feuerkugel durch den Untergrund rannte und ein schreiendes Zischen von sich gab, sattelte Dave, mit einem beruhigten Blick auf die brennende Spinne, Alan so auf seinen Schultern, dass er beide Hände für den Notfall frei hatte, und ging zurück zur Falltür.




Mit Alan auf den Schultern erreichte Dave den Ausgang. Viele Dorfbewohner hatten sich schon um den Ausgang versammelt und beobachteten die beiden interessiert, aber auch ein bisschen ängstlich.
„Habt Ihr, was Ihr wolltet?“, fragte der Schamane.
„Ja, das haben wir“, sagte Dave zögernd.
„Gab es Probleme? Dein Freund ist verletzt“
„Eure verfluchte Spinne hat ihn mit ihren riesigen Klauen attackiert.“
„Ciem ba! Wie geht es ihr?“
„Oh, die schmort in der Hölle!“, sagte Dave und hielt das Feuerzeug und das Deospray hoch.
„Ihr habt sie getötet?“, frage der Schamane erschrocken.
„Tut mir Leid, wir hatten keine andere Wahl“
„Ihr habt sie getötet?“, wiederholte er.
„Ich weiss, sie war wertvoll für euch, aber sie hat uns fast-“
„Hathra Ru!“
Die Eingeborenen richteten ihre Speere auf Dave und Alan, den Dave über der Schulter trug.
„Ihr werdet für euren Frevel sterben! Ihr habt unsere Göttin getötet. Wisst Ihr, was das für uns bedeutet? Sie gab uns Medizin, das Fleisch Ihrer Nachkommen diente uns als Fleisch. Ihre Nachkommen werden ohne sie sterben! Wir werden alle sterben. Aber“, flüsterte er, „... Es gibt noch eine Möglichkeit. Ich werde-“
In diesem Moment hob Dave das Deospray und schleuderte eine Flammenzunge in das Gesicht des Voodoo-Priesters. „Du wirst gar nichts!“
Als er aufhörte, lag der Schamane auf dem Boden und hielt sich die Hände vor das Gesicht. Er schrie wie am Spieß. Doch das schreien verwandelte sich in ein Lachen. Die Speerträger unternahmen nichts. Der Schamane nahm die Hände vom Gesicht und Dave konnte das verkohlte Gesicht des Schamanen sehen. Nun war es komplett schwarz. Dunkle Reste verkohlter Haut bröckelten von den Mundwinkeln ab und machten verbranntem Fleisch platz. Dave konnte es riechen. Der Schamane lachte immer noch.
„Ihr könnt nicht fliehen. Lauft wenn ihr wollt, aber Ihr werdet zurückkommen! Das verspreche ich Euch! Ein Teil von euch wird zurückkommen!“
Dave lief los. Er hastete durch die primitiven Bauten, die die Bewohner Häuser nannten. Hinter einer Palme konnte Dave das Heck des Jeeps erkennen, mit dem sie hierher gekommen waren. Er hatte angst. Angst vor diesem Mann, der über schwere Verbrennungen lachte. Angst vor dem was er gesagt hatte.
Ihr werdet wiederkommen.
Er rannte zum Jeep. Anscheinend folgte ihm niemand. Er legte Alan auf den Beifahrersitz, setzte sich daneben und fuhr los.
Ein Teil von Euch wird zurückkommen.





Im Dorf ging der Voodoo Schamane in seine Hütte. In der Mitte war ein großer Kessel, aus dem dichter Rauch austrat. Rechts war ein Regal mit vielen gefäßen, Spinnenblut, Schlangengift und Ähnlichem. Er nahm sich einen kleinen Behälter, so groß wie ein Pfefferstreuer, und setzte sich an einen kleinen Tisch, auf dem je ein Foto von Dave und von Alan lag. Er griff in das Gefäß und streute etwas von dem Inhalt, blauem Pulver, auf das Foto von Alan.




„Das war verdammt knapp, was Alan?“
Alan hustete.
„Allerdings“
„Keine Sorge, ich bringe dich in ein Krankenhaus. Wir kriegen dich schon wieder hin. Und dann werden wir diese Netzreste überprüfen. Wir werden ein Heiden Geld machen!"
Dave lachte.


Der Schamane verteilte das Pulver sorgsam über das Foto.
„Vuko a! Schpidra umkhra! Dafo! Dafo! Dafo!“


„Dave, ich habe Bauchschmerzen“
„Keine Sorge, Mann, das vergeht. Ist nur der Schock“


„Dafo! Dafo! Dafo!“


„Verdammt, es wird immer schlimmer!“
„kack mir blos nich ab, Mann!“


„DAFO!“
Das Pulver löste sich Rauch auf und das Foto verblich. Zurück blieb nur absolute Schwärze
„DAFO!“


Dave hörte ein leises Blubbern neben ihm. Er blickte zu Alan. Dieser fing an zu schreien. In der nächsten Sekunde spürte Dave etwas warmes an seiner rechten Wange. Er wusste, dass es Blut war. Aber trotzdem war er so erschrocken, dass er in die Bremsen trat. Er wollte aussteigen, denn das, was er sah, war nicht mehr normal.
Alans Bauch war aufgeplatzt und anstelle eines Hemdes befand sich ein gut und gerne vierzig Zentimeter durch messendes Loch in seinem Bach. Dave wusste, dass Alan nun endgültig tot war. Gedärm hing von allen Seiten herab. Aber das war es nicht, was Dave so schockierte. Es war viel mehr das, was sich in seinem Bauch befand, was ihn so fertig machte.
Eine weiße zischende Kugel erhob sich aus Alans ehemaligem Bauch. Und hob die Pranken. Seine acht blutigen Krebsbeine erhoben sich langsam aus dem Inneren Alans.
„Nein“, flüsterte Dave. „Nein“

Der Schamane befreite Alans verblichenes Foto von dem blauen Pulver und streute eine zweite Brise auf das Foto Daves. Auch diesmal verteilte er alles sorgfältig.
„Vuko a! Schpidra umkhra! Dafo! Dafo! Dafo!“



Dave rannte durch den Dschungel in der Hoffnung das ihn die Spinne, die früher mal Alan Springstone gewesen war, nicht folgte.
Ihr werdet wiederkommen. Ein Teil von Euch wird zurückkommen.
Nach ein paar Metern stoppte er an einer Palme, lehnte sich an sie an und atmete tief durch. Es war schon lange her, dass Dave so schnell und so lange gelaufen war. Und in diesem Dschungel war es auch so schon schwer, bei dieser feuchten Luft und dieser Hitze
Wir werden alle sterben. Aber... Es gibt noch eine Möglichkeit.
Dieser verfluchte Voodoo Bastard!!

Er wollte gerade wieder anfangen zu laufen, als er fühlte, wie sich etwas in seinem Bauch bewegte. Er krümmte sich und hielt sich den Bauch.
Er hatte Bauchschmerzen.

_________________
Meine Homepage: www.bad-dreams.de.gg

Verfasst am:
 


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