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| Anmeldedatum | 24.03.2008 | | Beiträge | 25 | | Wohnort | Westhofen |
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STEHEN. EINFACH NUR STEHEN - eine kurze Erzählung des Menschen wegen.
Ich stehe hier. Einfach so stehe ich in der Gegend herum und das einzige, was ich besitze, ist die Möglichkeit der zeit- und teilweisen Beeinflussung des Menschen. Ich konnte, was ich können wollte, sollte und es genügte mir. Musste es ja schließlich. Selbst wenn ich von Zeit zu Zeit die Lust an der mir zugeteilten Aufgabe verlor und mir mein Aussehen in letzter Zeit nicht mehr gefiel. Aber ich war ja schließlich auch nicht mehr die Jüngste. So muss man das ja auch mal sehen.
Klick. Stimmungs- und somit Farbwechsel meinerseits. Der Mensch setzt sich mit einer kurzen Verzögerungszeit in Bewegung, setzt sich mit einem kurzen Blick nach links, rechts und ein weiteres Mal links fort. Habe ich ja eigentlich nie verstanden dieses Ritual, aber man muss ja wohl nicht allwissend sein, stimmt's?
Nunja. Einen winzigen Augenblick später hinterlässt er eine Leere und ist auch schon in weite Ferne gerückt. Seine Existenz hier scheint nicht von Dauer zu sein und den Platz, den er hinterlässt, füllen bereits wenig später andere Wesen der Gattung Mensch.
Nun: Die Lücke, die übrigens nicht allzu groß erscheint, wird durch einen Menschen gestopft - egal ob männlich oder weiblich. Was relevant ist, ist das ständige Gehen und Verschwinden. Das ständige Stehen und Fortbewegen. Der Zwiespalt zwischen Stoppenmüssen und Weiterwollen. Weshalb letzteres so ist, wie es ist? Einfach nur, weil ich hier bin. Weil ich existiere und beeinflusse. Hier auf meiner kleinen Verkehrsinsel. Ja, so ist das. Irgendwie durchaus paradox. Parodox im Sinne von seltsam. Seltsam, dass etwas, das sich niemals bewegen wird, die Bewegung anderer steuert.
Doch vielleicht soll es auch so sein, vielleicht braucht dieser sich ständig fortbewegende Mensch einfach eine Institution. Etwas, das ihn durch eine Regel beeinflusst, damit er mal zur Ruhe kommt und sich auf sein Handeln und nicht nur die Folge besinnt. Dieses Geld, so heißt es, sei für die Menschen ein wichtiger Bestandteil.
Achherje, bin ich froh, dass wir uns unter meinesgleichen nicht damit beschäftigen müssen. Alles, was wir brauchen, ist bereits da. Alles, was der Mensch braucht, ist bereits da.
Nur hat er es scheinbar für sich entdeckt, wirtschaftlich zu handeln. Auch wenn er, so erklärte zuletzt ein Mann mit Aktentasche, Anzug und "Handelsblatt" in der Hand seinem Kumpanen, meist die "Ausbeutung", die ihn zu einem "Spielball" mache, nicht erkenne. Nein, nein, es erscheint mir nicht gerade allzu positiv zu sein dieses Geld. Geradezu bedrückend wirke es auf die Menschen ein, erklärte der Mann weiter, ehe er nach einem "Klick" blitzschnell in einen riesigen Mercedes auf der gegenüberliegenden Straßenseite stieg. Irgendwie durchaus paradox. Parodox im Sinne von seltsam. Seltsam, dass ein Mensch, der über das Nichterkennen der Ausbeutung spricht und sie als negativ darstellt, auch gleichzeitig Profit aus dieser schlagen kann.
Huch. Die aufgehende Sonne steht blutrot am Himmel, mein Kreislauf kommt in Bewegung und Strom durchfließt mich. Hm. Mein Arbeitstag beginnt scheinbar und ich werde nun leider die Kommunikation einstellen müssen. Klick - grün. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Das erfordere die Industrialisierung, heißt es. Klick - rot. Wenn's die Leute sagen, wird's wohl so sein ..
"Es könnte doch sein, dass es den Kapitalismus ab morgen nicht mehr gibt.
Dass die Menschen sich rausstellen und einmal das System betrachten - anstatt zur Arbeit zu gehen."
- Peter Licht: Aus einem Interview der TAZ |
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