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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Poesie » Stein und Feuer
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Stein und Feuer

BeitragVerfasst am: 06.05.2007, 20:17
g.c.roth (Moderator)
 
Anmeldedatum01.05.2007
Beiträge1692
WohnortEmden


Eine Fabel

Stein und Feuer

Es war einmal ein gewaltiger grauer Felsen. Er stand mitten in der Wüste unter der sengenden Hitze der Sonne. Nur wenige niedrige Gewächse hatten sich auf ihm angesiedelt. Und weil er so einsam und so unbeweglich war, fror er den ganzen Tag und selbst die Sonne vermochte ihn nicht zu wärmen.

Eines Tages fiel während eines Gewitters ein großes Feuer vom Himmel direkt auf den Felsen. Es blieb dort liegen und flackerte heiß und fröhlich. Das Feuer brannte und wärmte den Stein. Durch die Wärme des Feuers, wurde der Fels fröhlich und voller Tatendrang. Er konnte sich mit Hilfe des Feuers zwar nicht von der Stelle rühren, doch in seinem Inneren begannen Atome zu tanzen und zu hüpfen.

Dem Felsen gefiel das und er war glücklich, so bat er das Feuer, bei ihm zu bleiben. Und er versprach dem Feuer, dass es sich an dem, was auf ihm wächst, gütlich tun dürfe, damit es ewig brennen sollte. Dem Feuer wiederum gefiel es, so hoch oben auf dem Felsen zwischen Himmel und Erde zu lodern. Es hatte schon viel von der Welt gesehen und wollte gern bei ihm bleiben. So schlossen die beiden Freundschaft und viele Monate nährte der Felsen das Feuer mit seinem kargen Gestrüpp und das Feuer wärmte den Felsen.

Eines Tages aber sagte das Feuer: „Stein, mir geht es nicht gut. Ich habe großen Hunger und fühle mich schon ganz schwach. Gib mir Nahrung, sonst kann ich nicht brennen.“ Der Felsen erschrak und sagte: „Aber Feuer, ich habe Dir doch gesagt, dass ich Deine Nahrung sein will. Ich bin ein so großer Felsen und es macht mir nichts, wenn Du einen Teil von mir für Dich verbrennst!“ Das Feuer sah sich um, aber es fand keine Nahrung mehr. So blähte es sich noch einmal kräftig auf und versuchte sich mit aller Kraft in den Fels zu graben. Aber vergeblich, das Feuer konnte den Stein nicht verbrennen. „Stein!“, rief es jetzt jeden Tag aufs Neue: „Stein, gib mir Nahrung, ich kann Dich sonst nicht mehr wärmen. Täglich werde ich kleiner und schwächer und bald muss ich sterben!“ Der Fels aber wusste nicht, was er tun sollte und sagte: „Ich bin ein Stein und als Stein kann ich nicht mehr tun, als einfach nur da sein. Ich bin was ich bin.“

Das Feuer wurde kleiner und es bemühte sich, mit der kargen Nahrung, die es noch fand, auszukommen. Doch immer öfter kamen Tage, an denen es sich kaum noch auf dem Fels halten konnte. „Stein, gib mir Nahrung, sonst kann ich nicht bei Dir bleiben!“ flehte es.

„Ich bin nur ein Stein, und habe nichts anderes für Dich“, gab der Stein immer öfter genervt zur Antwort Aber auch ihm ging es nicht gut, denn er spürte, dass das Feuer kleiner geworden war, dass er immer öfter fror und dass auch seine innersten Atome nicht mehr fröhlich hüpften. Dennoch wollte er das Feuer bei sich behalten. "Du kannst jammern und trotzdem bei mir bleiben, dann frieren wir eben gemeinsam. Ich bin nur ein Felsen und so ist das eben mit mir."

Dann kam der Tag, an dem das Feuer spürte, dass es keine drei Tage mehr brennen würde, wenn es nicht endlich Nahrung bekäme. Das Feuer war es Leid geworden um Nahrung zu betteln und als es Abend wurde und der Nachtwind sich sanft aus dem Sand erhob, da war es klein und leicht geworden, nur noch ein flackerndes Flämmchen, und mit dem nächsten kleinen Windhauch sprang das Feuerchen mit letzter Kraft auf den Rücken des Windes und ließ sich davontragen. Weit fort über die Wüste bis in den nächsten Wald. Völlig ermattet ließ es sich über den Wipfeln des Waldes einfach fallen und landete ganz sanft und weich im trockenen Moos …

Der Felsen aber konnte gar nicht glauben, dass das Feuer einfach davon geflogen war. Und er begann zu frieren und ängstigte sich und rief: „Feuer, mein Feuer, komm zurück, Du hast mir Dein Wort gegeben!“ Doch niemand hörte sein Rufen. Da begann der Fels zu weinen und er weinte 1000 Tage und Nächte bis seine Tränen ein Ende hatten. Ganz und gar ausgetrocknet war er vom vielen Weinen und seine Ecken und Kanten begannen zu bröckeln und rieselten einfach von ihm ab. Der Wind kam hin und wieder vorbei und wirbelte feinste Sandkörnchen von seiner einst festen Haut. Langsam begriff das alte Gestein, dass es nicht mehr lange ein Felsen sein würde, sondern sich einfach in ganz gewöhnlichen Sand verwandeln würde. Keine Spur wäre mehr von ihm zu finden.

Bei dem Gedanken packte den alternden Felsen ein nie gekanntes Gefühl. Ganz tief unten in seinem steinernen Bauch regte sich ein winziges goldenes Licht, es begann zu flackern und zu wachsen und aus dem goldenen Licht wurde ein kleines Flämmchen. Es wuchs von Tag zu Tag, es begann zu kochen und zu brodeln. Der Stein wusste gar nicht wie ihm geschah, das Feuer fraß sich durch sein Herz hindurch und machte es weich und biegsam. Unter großen Schmerzen und Geschrei, wurde das Innere des Steins immer heißer und flüssiger. Und die Schmerzen wandelten sich in Lust und die Lust wurde zum Lachen und das Lachen zerriss dem Felsen die harte Schale. Und mit Getöse und Gebrüll schleuderte der Fels all seine Wärme und verlorenen Träume die in ihm verborgen waren, hoch in flirrende Wüste hinaus.

Und der Schmerz flog davon, und das Lachen schallte durch die Wüste und die Erde bebte unter seiner gewaltigen Lebenslust und Freude, die er so viele Millionen Jahre nicht herausgelassen hatte. So ging es sieben Nächte und sieben Tage, dann wurde es wieder still in der Wüste. Ganz langsam verklang das Grollen und in der Mitte des Felsen hatte sich ein unergründliche Tiefe gebildet. Erschöpft und glücklich schlief der Felsen ein. Er schlief viele Jahre und während er schlief, kamen des nachts dunkle schwere Wolken und warfen ihre Tropfen über ihm ab. Immer mehr Wasser sammelte sich in dem großen tiefen Krater bis er eines Tages überlief. Das Wasser lief den Fels hinunter, tränkte den heißen Sand und machte die Wüste rund herum fruchtbar. Gräser und Bäume begannen zu wachsen und es entwickelte sich ein herrlicher grüner Wald in dem sich schon bald auch Tiere tummelten.

Eines Tages erwachte der alte morsche Felsen. Mit erstaunten Augen sah er sich lange um - und lange dachte er nach über das, was er sah. Dann tat er einen tiefen, tiefen Seufzer und eine letzte goldene Träne floss langsam über sein Gesicht.

Und er flüsterte: „Feuer, ich hab' jetzt Nahrung für Dich.“

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Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 06.05.2007, 20:34
wgbajohr (Moderator)
 
Anmeldedatum08.04.2007
Beiträge572
WohnortHamburg


Dazu fällt mir spontan die Frage ein: Was ist gewaltiger als die Liebe? - Nichts. - Sie kann sogar in einem Stein das Feuer entfachen.

Hallo Grete!
Deine Geschichte hat mir gut gefallen.
Viele Grüße
wgbajohr

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Die Veränderung der Welt beginnt bei jedem Einzelnen
Für etwas verantwortlich sein heißt, dieses Etwas beeinflussen können
http://www.leistung-und-gesellschaft.de/
Stein und Feuer
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