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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Prosa » Stock-steif …
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Stock-steif …

BeitragVerfasst am: 09.05.2008, 19:26
skipteuse
 
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Also, wer das Stöckchenwerfen erfunden hat, bekäme von mir nicht einmal den Hundeverdienstkeks - so blöd find ich dieses Spiel. Da trabt man gemächlich durch den Wald, schnüffelt hier ein bisschen, markiert dort ein wenig; sprich, man denkt an nichts Böses und plötzlich ertönt ein schriller Pfiff. “Columbo, hierher!” Ich wende den Kopf nach meinem Frauchen, welches eben noch in Gedanken versunken hinter mehr her lief. Meine liebste Mitbewohnerin ist stehen geblieben und grinst selbstzufrieden, als habe sie gerade eine grandiose Idee. Ich ahne auch schon welche… Schnell dreh ich mich um und tue so, als habe ich sie gar nicht gehört und nur zufällig kurz in ihre Richtung geschaut. Doch sie lässt nicht locker; der Pfiff ertönt erneut in meinem Rücken. Mit konzentrierter Miene gebe ich angestrengt vor, ein Eichhörnchen zu beobachten. Mit gespitzten Ohren lausche ich hinter mich; ich höre nur Schritte. Doch heut gibt es kein Entrinnen. Schon zerreißt der dritte Pfiff die friedliche Stille des Waldes. Diesem folgt ein ungeduldiger Ruf. Ui, sie benutzt das “Sofort”-Wort; d. h. höchste Eisenbahn. Gehorsam trotte ich meinem Frauchen entgegen, das auffordernd einen dicken Stock schwingt. Ok, jeder Widerstand zwecklos, jetzt heißt es mitspielen. Ich gebe also Schwanz wedelnd vor, mich tierisch auf das bevorstehende Spielchen zu freuen und hüpfe ein bisschen nach dem Stock. Natürlich ohne die ernsthafte Absicht, ihn tatsächlich zu erhaschen. Dann wäre das Ritual zu früh beendet und mein enttäuschtes Frauchen würde wieder von vorn anfangen. Ich springe ein paar Mal absichtlich neben ihre wild zuckende Hand mit dem Holzstück und freue mich insgeheim über das Lächeln auf ihrem Gesicht. Zumindest sie scheint Freude daran zu haben…

Als mir schon langsam die Puste auszugehen droht, reißt sie mit einem Mal die Augen auf, raunt mir ein “Sitz” zu und setzt zum Wurf an. Mit weit ausholender Armbewegung schleudert sie den glitschigen Stock weit ins Gebüsch. Wenigstens kann sie hier keine Autos oder Laternen treffen, wie sie es sonst gern tut, wenn sie in einer leeren Seitenstraße aufgeregt “Hol das Stöckchen” ruft… Ich spiele motiviert meine Rolle und nehme wie ein geölter Blitz die Verfolgungsjagd auf. Mein Frauchen feuert mich lauthals an. Nachdem ich mich durch ein Brennnesselfeld den halben Berg hinauf kämpfen musste, erreiche ich endlich schnaufend die Stelle, an der das verdammte Wurfgeschoss gelandet sein muss. Mit gesenktem Kopf inspiziere ich mäßig begeistert den umliegenden feuchten Boden. Hm, welches Stöckchen war es denn nun, eigentlich egal, wahrscheinlich würde mein Frauchen den Unterschied eh nicht bemerken. Aber halt, da ist es, eindeutig. Brav nehme ich das unappetitliche Holzding in meine Schnauze und mache mich auf den Rückweg. Dabei fällt mir der Eingang zu einem Hasenbau auf, jo, Stelle merken für später… Erwartungsvoll lehnt mein Frauchen an einem mächtigen Stamm und klatscht vergnügt in die Hände, als ich ihr meine Beute vor die Füße fallen lasse. “Ja, fein.” Sie dehnt das “ei” ungewöhnlich beim Sprechen und tätschelt mir stolz den Kopf. “Gut gemacht.” Ich grinse. Was sie daran nur so toll findet, einen abgebrochenen Ast aus dem Gestrüpp zu holen…? Das könnte sie doch auch. Und dann nimmt sie das ersehnte Stöckchen nicht einmal mit, sondern lässt es achtlos auf dem Weg liegen. Aber schön, wenn es den Menschen solchen Spaß macht, kann man das ja ab und zu mitmachen. Mit erhobener Rute und zufrieden, wieder eine gute Tat vollbracht zu haben, nehme ich meine Fährte Richtung Hasenbau wieder auf. Da geschieht es abermals - der Pfiff klingt mir den Ohren. “Nicht schon wieder”, stöhne ich innerlich… Langsam, ganz langsam schaue ich mich um und erblicke das Bild des Schreckens: Nur wenige Meter von mir entfernt, fuchtelt mein allerliebstes Frauchen schon wieder mit einem noch schwereren Ast umher. Mit roten Wangen flötet sie lächelnd: “Na komm her Columbo, Stöckchen holen.” Stocksteif verharre ich in meiner Position und bete, dass der “Stock” an mir vorübergehen möge… zwinker

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BeitragVerfasst am: 09.05.2008, 22:26
Jocelyne Lopez
 
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Very Happy

Ich habe aber den seltsamen Eindruck beim Lesen Deiner Geschichte gehabt, dass ich von Dir schon mal beim Stöckchenspielen beobachtet wurde... Kann es sein? Wink

hmm... Aber jetzt bin ich völlig verunsichert und werde nie wieder glauben können, dass es meinem Hund Spaß macht, das hast Du nun angestellt. Sad

Na ja, vielleicht doch, weil die einzige Unstimmigkeit in Deiner Geschichte ist, dass mein Hund nicht Columbo heißt. Laughing

Liebe Grüße
Jocelyne

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BeitragVerfasst am: 10.05.2008, 12:06
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Liebe Jocelyne!
Hm, gut möglich, dass wir euch gesehen haben - Luftlinie ... ein paar Kilometer... Wink
Keine Angst, unsere Hunde sind doch so unterschiedlich wie wir Menschen und meiner kann nicht genug bekommen vom Stöckchen-werfen oder er ist ein begnadeter Schauspieler.

Viel Spaß weiterhin beim Hu(nd)manoiden "Zusammenspiel",

beste Grüße von Barbara cheezy grin

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BeitragVerfasst am: 10.05.2008, 13:08
Bärentante
 
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Ich gehöre zwar nicht zu den Stöckchenwerfern, kann das aber recht gut nachvollziehen. Ich überlege mir immer, was das Wutzchen wohl denken mag, wenn wir im Winter durch den Garten rennen. Um ihr etwas Bewegung zu verschaffen, damit sie nicht den ganzen Tag in ihrem Körbchen faul herumdöst, rennen wir den Weg hinunter, es gibt für sie ein Stückchen Apfel. Dann sausen wir zurück zum Haus, holen Nachschub, den es aber erst wieder am anderen Ende des Weges gibt. Da überlegt sie doch sicher: Warum kann ich eigentlich das Leckerchen nicht gleich im Haus futtern? cheezy grin

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Liebe Grüße
Christel

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BeitragVerfasst am: 10.05.2008, 13:09
Claire
 
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@ Barbara und Jocelyne

Schön, dass ich nicht die einzige bin, die so ab und an das Gefühl hat, dass sie von den eigenen Tieren für blöd gehalten wird. Very Happy Manchmal frage ich mich nämlich auch: Wer bespaßt wen? Confused

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LG Claudia
Jede Katze ist ein kleiner Druide! Sie leben im Hier und Jetzt. Wir sollten uns ein Beispiel daran nehmen! Wir müssen ja nicht unbedingt schnurren.

BeitragVerfasst am: 10.05.2008, 16:50
Birgit Fabich
 
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Tiere haben viel Geduld mit ihren humanoiden Mitbewohnern cheezy grin

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BeitragVerfasst am: 10.05.2008, 18:28
skipteuse
 
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Liebe Christel, herrlich eure Apfel-Kunststückchen, müsste man direkt einbauen ... Wink

Ich war gerade baden mit dem pelzigen Kerl - und mein Hund war auch dabei ..., grins Wink jedenfalls hat der sich wieder köstlich angestellt, als mein Freund und ich abwechselnd Stöckchen ins Wasser geschmissen haben ... (Mach schon Notizen...)

Claudia und Birgit - ich denke auch: So viel Mensch wie Tier müsste man mal sein ...
angle

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BeitragVerfasst am: 10.05.2008, 19:44
Claire
 
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@ Barbara

Zitat:
So viel Mensch wie Tier müsste man mal sein ...


Dann wären wir perfekt! Laughing

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LG Claudia
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BeitragVerfasst am: 11.05.2008, 20:27
skipteuse
 
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Ja, nur perfekt gibt's nicht - leider oder Gott sei Dank ... Wink

Also bleibt uns doch nur der Versuch des Verstehens (des menschlichen wie des tierischen ...)

hüpf

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