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Tino Hemmann

BeitragVerfasst am: 22.06.2007, 15:02
Tino
 
Anmeldedatum22.06.2007
Beiträge13
WohnortNaunhof


Tino Hemmann wurde im Februar 1967 in der erst viel später als Heldenstadt bekannt gewordenen Bezirkshauptstadt Leipzig geboren. Damals war alles anders. Zum Beispiel gab es noch die DDR, also Milch in Tüten und Sekundärrohstoffsammelstellen für Flaschen, Gläser, Altpapier. Unsere Brüder und Schwestern aus dem deutschkapitalistischen Ausland kannten wir nur unter der Bezeichnung "Klassenfeind", "Messegast" und von den Weihnachtspaketen. Täglich stand in den Zeitungen, dass der Sozialismus siegen und die Partei ... die Partei ... immer Recht haben würde. In gewissen Sinne war es also auch ein RECHTsstaat. Wir hatten die NVA und die anderen sozialistischen Bruderarmeen, die uns ständig beschützten und wir hatten die Volkspolizei. Außerdem waren wir alle gut organisiert: Jungpioniere, Thälmannpioniere, FDJ, Staatssicherheit, Blockpartei oder SED. Irgendwas ging immer.
Ich besuchte die Kinderkrippe, den Kindergarten (man hatte schließlich werktätige Eltern) und durfte dann 10 Jahre lang die Polytechnische Oberschule genießen.
Mit acht, neun Jahren habe ich meine ersten, frei erfundenen Kindheitserinnerungen aufgeschrieben. Mit zehn entschloss ich mich, den Roman "Silberauge" zu schreiben. Selbstverständlich schrieb ich im Stile von Twain, Stevenson und Verne. Eben in dieser Zeit trat ich in den Klub Schreibender Arbeiter in Leipzig ein. Kurze Zeit später lieh ich mir erstmalig eine riesige, uralte Schreibmaschine aus und schrieb und schrieb. Als Ausgleich besuchte ich nacheinander verschiedene Trainingsleistungszentren im Handball und später im Badminton oder fuhr allein mit dem Fahrrad in einem Ritt an die Ostsee. Mit vierzehn schrieb ich die letzte Seite von "Silberauge". Ein Buch, das über einen kleinen norwegischen Jungen handelt, der um 1850 zum Waisenkind wird und anschließend einmal rund um die Welt kommt.
Damals war Lesen noch "in", schließlich gab es keine Computer, DVDs und es gab viel weniger Fernsehprogramme. Ich las sehr viel.
Nach der Schule beschloss ich, einen Beruf zu lernen. Dass ich Waagenbauer wurde, lag daran, dass ich keine Tischlerlehrstelle bekam. Also reparierte ich Waagen zum Wiegen. Zählwaagen, Kohlenwaagen, Fleischerwaagen, Autowaagen, Schüttgutwaagen, Analysewaagen, Apothekerwaagen, Tafelwaagen ...
Und dann war da noch ... Die Tochter meines Geschichtslehrers kannte ich schon sehr zeitig, wir konnten uns nie besonders leiden. Doch nach dem Motto "Tausenmal berührt ..." kamen wir uns näher. Wir probierten es zusammen zu sein und verlobten uns zwei Jahre später. Dann probierten wir verlobt zu sein und heirateten zwei Jahre später. Nun probierten wir verheiratet zu sein und zwei Jahre drauf wurde meine Tochter Carolin geboren.
Nach der Lehre, das war im Jahre 1985, hatte ich genug von der Wirtschaft und holte mein Abi nach. Um das zu können, willigte ich ein, danach ein Studium bei der NVA zu machen, um mich in Zittau zum Chemieingenieur hochzuarbeiten. Zu DDR-Zeiten musste man Kompromisse schließen. Das hieß fünf Jahre Schnuffi, Sturmbahn und Studium. Immerhin lernte ich so die ersten Grundbegriffe der Programmiersprache BASIC und die Bedienung eines KC85 (so eine Art Computer), als auch Ordnung zu halten und die beste Ausrede zu wissen. Unsere Computer-Spiele programmierten wir uns damals selbst, denn es gab noch keinen Mediamarkt.
Dann kam die Wende und die Kapitulation des Sozialismus vor dem Klassenfeind, obwohl der gar kein Ultimatum gestellt hatte. Wir Soldaten wurden von der Öffentlichkeit getrennt und warteten in Bereitschaft, was wohl passieren würde. Jeden Tag gab es eine neue Ansprache im DDR-Fernsehen. Und jeden Tag gab es eine Überzeugungskampanie unserer Generäle in Sachen Sozialismus. Als ich einen älteren Offizier darauf hinwies, dass sich durchaus etwas verändern müsste, empfahl er mir - kurz vor der Verteidigung der Diplomarbeit - die SED zu verlassen und damit gezwungenermaßen die Armee und die Hochschule. So konnte ich mir wenigstens mein Begrüßungsgeld persönlich abholen.
Über Nacht zerbröselte der Ostblock, es gab keinen Sozialismus mehr, nur noch Marktwirtschaft und Arbeitsämter, Treuhand und Immobilienhändler, ganze KfZ-Schrottplätze wurden in den Osten gelegt und zu Gebrauchtwagenhandelszentren umfunktioniert. Jeder Ossi schnüffelte mal in der Welt herum, solange das Geld reichte.
Ich selbst wollte in die (Volks-)Bildung wechseln, wurde Erzieher an einer Schule und bekam als Lehrer (damals waren die knapp) eine erste Klasse. Das wurde jedoch schlecht entlohnt und so bewarb ich mich in der freien Wirtschaft.
Ich durfte dabei sein, als mein Sohn Bastian geboren wurde und auch 1998 bei unserem Jüngsten Benjamin. Nach jedem neuen Kind zogen wir um.
Ein Digitaldruckmaschinenhersteller stellte mich im Außendienst ein, zehn Jahre verbrachte ich in diesem Unternehmen in der Dienstleistungsbranche, dann beschloss der Konzern, die meisten Läden zu verhökern. Irgendwie gelangte ich mit dem neuen Jahrtausend in die Selbständigkeit im Digitaldruck. Aus dieser Branche löste sich der bedarfsgerechte Buchdruck, mit dem ich eine Chance sah, ohne sinnlose Belastungen für Autor und Verlag ein Buch auf den Markt zu bringen. Heute hat mein Verlag gut 700 Autoren unter Vertrag und ich verbringe jeden Tag 14 bis 15 Stunden damit, die Manuskripte der Autoren für den Buchmarkt vorzubereiten, Verkaufsmarketing zu betreiben, mit Händlern zu reden, Messen zu besuchen. Und manchmal versuche ich für meine Familie dazusein. Und noch manchmaler schreibe ich an meinen eigenen Büchern. Am bekanntesten ist wohl "Der unwerte Schatz" geworden, den jeder Deutsche lesen sollte. In meinen Büchern spielen fast immer Kinder eine Hauptrolle, weil die unser größter Schatz sind.

Anfang 2006 ist der Krimi "Vogelgrippe" fertig geworden. Außerdem habe ich "Die Menschfabrik" komplett überarbeitet. Das Buch ist als zweite Auflage unter dem Titel "Mutanta die Menschfabrik" im Handel. Es war mein zweites Buch nach "Silberauge".
Ende 2006 wurde der al-Qaida-Roman "Und weil die Stunde kommt" veröffentlicht. In dieses Buch habe ich viel Herzblut fließen lassen. Und auch den "unwerten Schatz" habe ich komplett überarbeitet. Das Buch hat vielen die Augen geöffnet. In Leipzig wird für die getöteten Kinder ein Denkmal geschaffen.

Im Dezember 2007 erschien "Leipziger Nächte sind lang", ein Genre-Mischling, der sich mit Kinderschicksalen der Gegenwart auseinandersetzt.



Hemmanns Bücher erschienen bisher alle im von ihm selbst geleiteten Engelsdorfer Verlag. Dieser Verlag gilt als Books on Demand - Verlag, wobei Hemmann aus rechtlichen Gründen den deutschsprachigen Begriff "Bücher auf Bedarf kurz BaB" prägte. In seinem Engelsdorfer Verlag veröffentlichte Tino Hemmann bisher rund 1.200 Bücher für etwa 700 Autoren, von denen gerade zwanzig im Offsetdruck und in höherer Stückzahl hergestellt wurden.

Bisher hat Hemmann außerdem zwei Drehbücher geschrieben.

http://tino-hemmann.de[/url]


Zuletzt bearbeitet von Tino am 14.12.2007, 15:31, insgesamt 2-mal bearbeitet

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 22.06.2007, 16:33
Heiner
Site Admin
 
Anmeldedatum05.04.2007
Beiträge2053
WohnortNorden


Hallo Tino,

willkommen an Bord Very Happy

Grüße

Heiner

_________________
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Sven

BeitragVerfasst am: 23.06.2007, 10:34
Sven
 
Anmeldedatum23.06.2007
Beiträge2


Hallo Tino ich heiße Sven und finde es sehr umfangreich und proffesinell wie du dich vorstellst. Diese Plattform wird sicher mal sehr toll.

Schöne Grüße vom Unfugium
PS: Mann müßte sich mal treffen zu einer gemeinsamen Lesung mit ALLEN?

Re: Sven

BeitragVerfasst am: 23.06.2007, 10:46
Tino
 
Anmeldedatum22.06.2007
Beiträge13
WohnortNaunhof


Sven hat Folgendes geschrieben:
Schöne Grüße vom Unfugium


Tach Sven K. Schön, dass du auch hier bist. Gemeinsame Lesungen sind gut. Zum Beispiel im Stadtpark Papier auflesen oder so.

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 23.06.2007, 14:00
Rita Hajak (Moderator)
 
Anmeldedatum23.05.2007
Beiträge1612
WohnortFehmarn


Hallo Tino,

schön, dass Du jetzt auch zu uns gehörst. Du hast ja einen enormen Werdegang hinter Dir. Auch als Autor hast Du schon einiges geleistet. Mein Kompliment.
Weiterhin viel Erfolg!
wünscht

Rita

_________________
„Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann

www.ritahajak.de Wieder mal neu
Tino Hemmann
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