 | Von wegen drüsenkrank! |  |
Verfasst am: 24.05.2008, 08:16 |
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| julia07 |
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| Anmeldedatum | 22.05.2007 | | Beiträge | 1348 | | Wohnort | 87700 Memmingen |
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Nachdem ich gestern, inklusive Anstehen an der Kasse, eine geschlagene Stunde im Gartencenter verbracht hatte, huschte ich auch schnell bei Feinkost-Aldi rein, um nachzusehen, ob noch ein paar Flaschen von dem köstlichen Amarone übrig sind, den ich dort kürzlich mitgenommen hatte. Ich hatte Glück, denn der war offenbar so teuer, dass nicht alles gleich weg ging. So packte ich die letzten vier verbliebenen Exemplare in meinen Wagen, nahm im Vorbeigehen noch ein Paket Küchentücher und zwei Rollen Alufolie mit, denn wir wollte ja Grillen und da gehen solche unbedeutenden Utensilien bekanntermaßen ja oft und völlig überraschend zur Neige.
An der Kasse wurde mein schneller Durchmarsch durch die anstehende Schlange gebremst. O.K., das machte mir nur für ein paar Sekunden Verdruss und ich rechnete im Geiste schon einmal zusammen, was ich zu zahlen hatte. Der anschließende Blick ins Portemonai verriet mir, dass der darin verblieben 50-iger gerade ausreichen würde und ich so das Prozedere mit Geldkarte, PIN und Warten auf die gnädige Bestätigung, dass ich genug Kohle auf dem Konto habe, umgehen konnte.
Das Förderband der Kasse war leider noch nicht in Reichweite und so konnte ich auch noch nichts aufs Band legen. Es blieb nur das geduldige Warten übrig. Dabei streifte mein Blick umher und ich fuhr die herumstehenden Regale und Stellagen ab – vielleicht hatte ich ja doch noch etwas vergessen. Nein, es gab nichts, wo ich jetzt noch hätte schwach werden müssen. Dann erst nahm ich die junge Familie vor mir wahr. Vater, Mutter und kleiner Sohn von circa drei Jahren. Das Kind war sehr brav und mühte sich mit einem großen Eimer Popcorn ab, den es offenbar nicht aus der Hand geben wollte.
Sofort dachte ich amüsiert: »Na hoffentlich ist das nicht das Einzige, was er zum Essen bekommt!« Dann betrachtete ich die Eltern und da wurde ich erst richtig aufmerksam. Sie mochten so Mitte 20 sein und waren beide übergewichtig, sie mehr als er. Kurz sah ich an mir herunter und verglich dann schnell die Oberschenkel dieser jungen Frau mit den meinen. Ich war zufrieden, aber nur was mich betraf. Als ich in dem Alter war, trug ich Kleidergröße 36 und sie war jetzt sicher schon bei 42 angelangt! In diesem Moment ging es wieder etwas vorwärts und die Familie fing damit an, den Inhalt ihres Wagens aufzulegen. Mit großem Interesse sah ich mir an, was da alles so zum Vorschein kam. Die Hälfte davon, hatte ich selbst noch nie in meinem Leben meiner eigenen Familie vorgesetzt.
Wozu brauchten sie vier kleine Plastiktöpfchen mit Schokopudding, wenn es ein winziges Papiertütchen mit Pulver und ein Liter Milch auch tun? Beim Anblick der fertig gegrillten Schweinshaxe und den Nürnberger Schweinswürstchen aus dem Kühlregal dachte ich an unseren eigenen Grillabend und als dann die beiden Klarsichtdosen mit fertigem Kartoffelsalat daneben gelegt wurden, musste ich mich gleich schütteln. Immerhin lagen da auch noch jede Menge Käsesorten, allerdings nur fetter Camembert, Brie und mehrere Sorten Scheibenkäse. Essen die nie einen deftigen Handkäse mit Essig, Öl und vielen Zwiebeln oben auf und richtig leckerem Graubrot dazu? Ach ja Brot. Das lag da inzwischen auch. Ausschließlich helles Mischbrot (fix und fertig geschnitten) und zwei riesige Tüten mit Laugensemmeln – offenbar zum Einfrieren. Von der 6er-Packung Orangenlimonade und dem Karton Multivitaminnektar durfte nur je ein Exemplar aufs Band, der Rest wartete geduldig im Wagen. Die beiden Flaschen Puffbrause (billiger Sekt ) hatten es da besser. Sie durften auf dem Band mitfahren. Jetzt kam noch eine ganze Kollektion an Wurstsorten und ein Stück Pfälzer Leberwurst zum Zug. Zum Schluß legten sie vier Schalen mit Huelva-Erdbeeren auf das Band. Aha, dazu gehörte also die Spraydose mit der Sahne, die weiter vorne stand. Bevor er das Trennhölzchen auf das schwarze Band platzierte, angelte sich der junge Vater noch zwei Zigarettenschachteln aus dem Metallgitter.
Während ich mir diesen Haufen an Lebensmitteln besah, musste ich an die Diskussion denken, die wir gerade vor ein paar Tagen im Internet bei autorenpool.info zum Thema gesunde Nahrung führten. Leute, wir haben da ein Problem...
Julia Fargg - 2008 |
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Verfasst am: 24.05.2008, 14:13 |
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| Fabula |
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| Anmeldedatum | 09.01.2008 | | Beiträge | 246 | | Wohnort | Arnsberg |
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Hallo Julia!
Obwohl der Inhalt eigentlich eine traurige Situation darstellt, ist es Dir gelungne, ihn durch Deinen Schreibstiel etwas abzumildern.
Diese "Kunden" kann man natürlich in jedem Supermarkt treffen.
Wenn die Ware nicht verlangt würde, wäre sie nicht im Regal.
Gruß
Fabula |
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_________________ Von allen Geistern die verneinen,
ist mir der Schalk am wenigsten zur Last
(Goethe, Faust ) |
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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Textvorstellung: Prosa
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