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Verfasst am: 04.07.2008, 19:52 |
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| LOFI (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 29.04.2008 | | Beiträge | 2877 |
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| Gerhard hat Folgendes geschrieben: | Zoba, wenn es denn eine objektive Beleidigung gibt, wie sieht die aus? Du hast wieder das Strafgesetzbuch zitiert, aber da stehen keine objektiven Beleidigungen drin, sondern dass, was der "Normalbürger" als Beleidigung empfinden (sollte???????). Ich wollte hier auch keine Diskussion über das, was im Gesetzbuch steht, denn dort wird nur eine Norm festgelegt. Ich halte diese Norm teilweise für völlig überzogen.
Was ist z.B. an dem "Autofahrergruß" beleidigend??? Wenn ein Schüler zu mir "Scheiß Lehrer" sagt, kommt von mir, wenn ich schlecht drauf bin, "Scheiß Schüler" (aber dann drehen wieder die Eltern durch), oder ich sage einfach "Depp" und die Sache ist für mich erledigt.
Zoba, könnest du bitte wirklich mal versuchen, mich zu beleidigen? Ich meine das jetzt ernst, denn ich kann mir absolut nichts vorstellen, wo ich dann zu Heiner oder zum Rechtsanwalt rennen würde. Klar gibt es sicher Dinge, die mich kränken würden, aber damit müsste ich klar kommen, denn ich würde das so empfinden. Der andere vielleicht nicht. Also ist es doch mein Problem. Oder sehe ich da jetzt was falsch? |
Wie ich oben bereits erwähnte, "objektiv" gilt im Zusammenhang mit gültigen Werten und ethischen Normen. Darunter fallen auch Gesetze, die die Beleidigung (Leitet sich ja von "Leid zufügen" ab, in diesem Falle psychologisch wirkend, eine Art seelische Leidbeifügung) betreffen. Solch ein Leid kann nun einmal psychologisch gesehen zugefügt werden. Die Wirkung mag unterschiedlich sein, aber die ethische Verletzung ist nun einmal vorhanden.
LG
Lorenz |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 04.07.2008, 19:57 |
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| Gerhard |
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| Anmeldedatum | 07.12.2007 | | Beiträge | 416 |
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| Hakket (Moderator) hat Folgendes geschrieben: | Im Grunde wurde schon gesagt, was auch ich meine:
Es kommt vor allem auf den Empfänger an. Hat der ein dickes Fell, wird er nicht so schnell zu beleidigen sein. Wird der Gegenüber eine als allgemein anerkannte Beleidigung ausprechen, und das "Dicke Fell" fühlt sich nicht beleidigt, könnte man wieder darüber nachdenken, ob die Nichtreaktion auf die Beleidigung eine Missachtung der Person, die die Beleidigung ausspricht, nicht auch schon wieder eine Beleidigung ist.
Missachtung könnte man auch als Beleidigung ansehen, was aber wiederum auf denjenigen ankommt, der missachtet wird.
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Das, finde ich, ist ein unheimlich interessantes Statement. Ich kann also alles so drehen, wie ich will, wenn ich mich beleidigt fühlen will. So sehe ich das auch. Wenn ich aber aus allem eine Beleidigung machen kann ... gibt es dann tatsächlich eine objektive Beleidigung ... und nicht nur eine gesellschaftliche Norm? |
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_________________ Herzliche Grüße
Gerhard
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Die Welt ist anders, als sie uns erscheint.
"Auf der Suche nach der Realität", ISBN 978-3833493294 |
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Verfasst am: 04.07.2008, 20:00 |
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| LOFI (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 29.04.2008 | | Beiträge | 2877 |
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| Gerhard hat Folgendes geschrieben: | | Hakket (Moderator) hat Folgendes geschrieben: | Im Grunde wurde schon gesagt, was auch ich meine:
Es kommt vor allem auf den Empfänger an. Hat der ein dickes Fell, wird er nicht so schnell zu beleidigen sein. Wird der Gegenüber eine als allgemein anerkannte Beleidigung ausprechen, und das "Dicke Fell" fühlt sich nicht beleidigt, könnte man wieder darüber nachdenken, ob die Nichtreaktion auf die Beleidigung eine Missachtung der Person, die die Beleidigung ausspricht, nicht auch schon wieder eine Beleidigung ist.
Missachtung könnte man auch als Beleidigung ansehen, was aber wiederum auf denjenigen ankommt, der missachtet wird.
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Das, finde ich, ist ein unheimlich interessantes Statement. Ich kann also alles so drehen, wie ich will, wenn ich mich beleidigt fühlen will. So sehe ich das auch. Wenn ich aber aus allem eine Beleidigung machen kann ... gibt es dann tatsächlich eine objektive Beleidigung ... und nicht nur eine gesellschaftliche Norm? |
Das hat etwas mit der allgemeinen den meisten Menschen angeborenen menschlichen Fähigkeit der Mitempfindung zu tun, woraus sich diese Objektivität gründet.
LG
Lorenz |
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Verfasst am: 04.07.2008, 20:07 |
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| Thorsten |
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| Anmeldedatum | 07.06.2008 | | Beiträge | 608 | | Wohnort | Saarland |
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Schauen wir uns doch mal das Gegenteil an: das Kompliment.
"Du hast schöne Augen."
"Ach, Blödsinn, hätte viel lieber grüne statt blaue Augen."
In dem Beispiel ist es definitiv ein Kompliment, doch der Empfänger lehnt es ab. Er kann sogar soweit gehen - wie Hakket beschrieben hat - dass er dieses Kompliment dazu benutzt, es als Beleidigung aufzufassen. Sogar absichtlich!
Gegenbeispiel:
"Boah, ich würd dir dringend raten etwas abzunehmen, du gibst doch bestimmt 'ne Menge Geld für deine XXL-Klamotten aus."
"Stimmt. Ich kurbel die Wirtschaft damit an, damit Hungerhaken wie du es sich leisten können, sich etwas zu essen zu kaufen."
Es gibt objektive Beleidigungen/Komplimente in einem gewissen Rahmen (ethisch zB, oder wie Lorenz meinte die angeborene Mitempfindung), aber sie zählen halt nicht für alle Menschen weltweit und in jeder Situation.
Grüße! |
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_________________ Der deutsche Jackie Chan Filmführer | ISBN: 978-3-86858-102-7
Boose-Nacht-Geschichten | ISBN: 978-3-8370-2599-6 |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 04.07.2008, 21:04 |
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| Zoba |
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| Anmeldedatum | 23.11.2007 | | Beiträge | 1308 | | Wohnort | Süden |
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Hi Gerhard,
um dich erfolgreich beleidigen zu können, müßte ich deine Schwachstellen kennen, insbesondere da du ja bereits festgestellt hast, daß dir die üblichen Verdächtigen egal sind. Da ich dich dazu nicht gut genug kenne, brauche ich es unter der Maßgabe garnicht erst zu versuchen
Ich bin mir jedoch absolut sicher, daß ich dich - bei weit besserem Bekanntheitsgrad - "erfolgreich" beleidigen könnte. Ich habe noch keinen Menschen ohne Schwachstellen kennengelernt.
Übrigens vergißt du, daß es auch physische Beleidigungen gibt, nicht nur verbale. Du siehst recht gepflegt aus, es könnte sein, daß dich zum Beispiel etwas auf die Palme bringt, was auch unter Asiaten eher nicht ratsam ist, nämlich dich real anzupissen, oder dich zu veranlassen, dich selbst einzupieseln. Den anderen zu erniedrigen ist Bestandteil von Beleidigung und das Genannte ist in fernöstlichen Kulturen absolut an der Unterkante.
In homophoben Gesellschaften kann die Unterstellung, ein Mann sei schwul, zu ziemlich heftigen Reaktionen führen. In anderen Gegenden reicht eine satte Ohrfeige oder ein Grabscher an den Busen der Frau des Betreffenden oder eine Ehrabschneidung der Mutter völlig aus, um eine tödliche Beleidigung auszulösen.
Oder man packt einen Lehrer bei seiner Berufsehre (der kann nicht mal einem Erstklässler das ABC beibringen) oder seinem Berufs- und privaten Ethos (der kanns nur mit kleinen Schulmädchen).
Möglichkeiten gibts viele, kennt man sein Gegenüber gut genug wird man immer etwas finden, das funktioniert.
| Zitat: | | Ich kann also alles so drehen, wie ich will, wenn ich mich beleidigt fühlen will. So sehe ich das auch. Wenn ich aber aus allem eine Beleidigung machen kann ... gibt es dann tatsächlich eine objektive Beleidigung ... und nicht nur eine gesellschaftliche Norm? |
Beleidigungsnormen sind nicht willkürlich, sie ändern sich mit der Gesellschaft und sind auch abhängig davon, was innerhalb einer sozialen Gruppe Usus ist.
Ein und derselbe Satz kann für den einen ein Kompliment, für den anderen eine fatale Beleidigung sein, obwohl die Worte exakt dieselben sind. Was es ist, ergibt sich u.A. auch aus dem Kontext.
Allgemein als beleidigend anerkannt dürften zumindest in Deutschland Ausdrücke wie Arschl..h, Mutter-/Kinderf...er, Idiot, usw. sein. Auch Unterstellungen von strafbewehrten Dingen oder Dingen, die allgemein in einer Gesellschaft sehr verachtet werden, sind ohne Wenn und Aber beleidigend, auch objektiv gesehen, denn es gibt einige ganz allgemeingültige gesellschaftliche Normen die sich durch viele, teilweise durch (fast) alle Kulturen ziehen.
Und ganz ehrlich - ich nehme dir auch deine erstaunte Fragestellung nicht ab. Als Lehrer wird dir das Wesen der Beleidigung schon bewußt sein.  |
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_________________ Gruß,
Zoba
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"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky |
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Verfasst am: 04.07.2008, 22:35 |
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| Gerhard |
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| Anmeldedatum | 07.12.2007 | | Beiträge | 416 |
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Hi Zoba,
lassen wir zunächst mal die physische Beleidigung weg und kümmern uns nur um die verbale.
| Zitat: | | Allgemein als beleidigend anerkannt dürften zumindest in Deutschland Ausdrücke wie Arschl..h, Mutter-/Kinderf...er, Idiot, usw. sein. Auch Unterstellungen von strafbewehrten Dingen oder Dingen, die allgemein in einer Gesellschaft sehr verachtet werden, sind ohne Wenn und Aber beleidigend, auch objektiv gesehen, denn es gibt einige ganz allgemeingültige gesellschaftliche Normen die sich durch viele, teilweise durch (fast) alle Kulturen ziehen. |
Warum ist Arschloch eine Beleidigung? Warum ist Mutter-/Kinderf***er eine Beleidigung? Warum ist Idiot eine Beleidigung? Das sind für mich lächerlich dämliche Ausdrücke über die ich gar nicht weiter nachdenken würde. Jemand, der mit solchen Worten kommt, der hat für mich jede Glaubwürdigkeit verloren. Aber soll ich wegen dieser dämlichen Sprüche vor Gericht rennen? Was erreiche ich damit? Ich mache meine Nerven während der Verhandlung kaputt, der andere wird vielleicht verurteilt und ist hinterher noch frustrierter und wird mir, ohne dass ich es vielleicht höre, weitere Worte an den Kopf schmeißen. Was habe ich also durch den Gang zum Rechtsanwalt also gewonnen? Was habe ich davon, wenn ich mich beleidigt fühle? Nichts.
Was ist an dem "Autofahrergruß" beleidigend?
| Zitat: | | die allgemein in einer Gesellschaft sehr verachtet werden, sind ohne Wenn und Aber beleidigend, auch objektiv gesehen, denn es gibt einige ganz allgemeingültige gesellschaftliche Normen die sich durch viele, teilweise durch (fast) alle Kulturen ziehen. |
Also wenn etwas allgemein von einer Gesellschaft sehr verachtet wird, ist das noch lange keine objektive Beleidigung, sondern eine gesellschaftlich festgelegte Beleidigung ... und so etwas können wir jederzeit ändern.
Was ich jetzt aus diesem Thread so herausgehört habe, gibt es keine objektive Beleidigung, sondern nur eine gesellschaftliche Norm und Gesetzgebung, was wir als Beleidigung aufzufassen haben. Und hier setzt meine Frage an: Was wäre, wenn wir nichts, absolut nichts, als Beleidigung empfinden würden? Wären da nicht viele unserer zwischenmenschlichen Probleme gar nicht mehr vorhanden?
Ich will dir mal ein Erlebnis schildern: Ich hatte mal Vertretung in einer Hauptschulklasse. Mathe. Wann immer ich mich zur Tafel drehte, wurden kleine Papierkügelchen nach mit geworfen. Ich habe gar nicht auf die Beleidigung (????) reagiert, sagte nur, sie kämen nach dem Unterricht nicht eher in die Pause bis der Boden wieder sauber wäre. Ein paar Minuten wurde noch weiter "geschossen" dann war Ruhe. Die haben gemerkt, dass sie so nicht weiterkommen, dass ich mich nicht provozieren oder beleidigen lasse. Am nächsten Tag hatten wir eine tolle Stunde miteinander. Hätte ich stattdessen wegen der Beleidigungen einen Tobsuchtsanfall kriegen sollen? Was wäre damit gewonnen gewesen?
Meine These: Wenn wir weniger beleidigt wären und weniger von Ehre (was ist das?) faseln würden, gäbe es in der Welt und hier im Forum einige Probleme weniger. Und deshalb kannst du mir glauben, dass der Begriff "Beleidigung" für mich insofern keine Bedeutung hat, als ich vielleicht auf eine vermeintliche Beleidigung nicht so reagiere, wie man vielleicht erwartet. |
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_________________ Herzliche Grüße
Gerhard
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Die Welt ist anders, als sie uns erscheint.
"Auf der Suche nach der Realität", ISBN 978-3833493294 |
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Verfasst am: 04.07.2008, 23:18 |
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| Zoba |
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| Anmeldedatum | 23.11.2007 | | Beiträge | 1308 | | Wohnort | Süden |
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Hi Gerhard,
wenn du in deinem stillen Kämmerlein sitzt, und dich dort jemand Kinderf***er heißt, kannst du ihn angrinsen und mit der Schulter zucken.
Ob du das machst, wenn z.B. während eines Elternabends eine von den anderen Eltern allseits geachtete Mutter aufsteht und sagt "Gerhard, du Kinderf***er, du bekommst nur noch einen hoch, wenn du eine 10-Jährige vor dir hast!", dann glaube ich nicht, daß du dies einfach so wegstecken würdest.
Du versuchst damit zu argumentieren, daß Beleidigungen nichts als völlig unerhebliche Worte sind. Das halte ich, ausgerechnet bei einem Autoren, für ein eher seltsames Ansinnen. Ohne Kontext und Hintergrund vorgetragen sind in der Tat auch Schimpfworte nur Worte, im richtigen Kontext und unter den dazu passenden Umständen können sie deine Ehre so weit abschneiden, daß du beruflich oder privat Probleme bekommst, ganz egal ob du sie ernst nimmst oder nicht.
Und dein Beispiel aus der Schule *ist* physisch. Stell dir doch mal vor, du stehst in einer Klasse voller 16 ode 18-jähriger, du erregst den Unwillen eines der Schüler, er steht auf, wirft dich zu Boden und pißt dir demonstrativ vor versammelter Klasse ins Genick. Vielleicht schießt einer der anderen davon noch ein Handyvideo, das wird dann über YouTube verteilt und deinem Direktor wie auch dem Schulrat Links davon zugesandt.
Du willst mir nun sicher nicht allen Ernstes sagen, daß dir dies seitlich am Hintern vorbeiginge? Wenn ja, dann bist du heiliger als der Dalai Lama oder hättest keinerlei Empfinden für den Wert deiner eigenen Person.
Ich denke jedoch, daß auch du im richtigen Augenblick, vor dem richtigen Umfeld und bei der richtigen Beleidigung auch auf schlichte verbale Beleidigung recht empfindlich reagieren würdest.
Die meisten von der Gesellschaft festgelegten objektiven Maßstäbe lassen sich nicht einfach ändern. Mal abgesehen vom Mehrheitsprinzip ist es wohl kaum sinnvoll, solche Bereiche zu enttabuisieren.
Ich bin mir nicht einmal sicher, ob die Enttabuisierung die bereits stattgefunden hat, so positiv zu sehen ist, wie du sie malst. Genau das was du möchtest geschieht doch momentan mit wachsender Geschwindigkeit.
Noch vor 100-150 Jahren reichte eine fehlende Höflichkeitsfloskel für ein Duell aus, es ist keine 30 Jahre her, da reichte ein "du Blödmann" gegenüber einem Erwachsenen ausgesprochen für eine harte physische Strafe des jugendlichen Beleidigers aus, heute werfen Kids mit Tintenkugeln nicht etwa auf ihresgleichen, sondern auf den Lehrer und die Reaktion ist ein Achselzucken.
Mir fällt dazu diese Sache mit dem berenteten Lehrer in der U-Bahn ein, der zwei Jugendliche aufforderte, das Rauchen einzustellen und dafür fast zu Tode getreten wurde.
Wer zuläßt oder gar fordert, daß Wert und Ehre der Mitmenschen beliebig angetastet werden können, der senkt Hemmschwellen, die nicht nur bei verbalen Attacken und Reaktionen eine Rolle spielen. Der o.e. Rentner beging den Fehler, die Zeitläufte und damit auch diese Jugendlichen falsch einzuschätzen. Zu seinen besten Zeiten wäre es überhaupt kein Thema gewesen, allein das Wort eines Erwachsenen hätte ausgereicht, daß die Zigaretten ausgedrückt worden wären und die beiden sich entschuldigt hätten. Daß heute daraus fast ein Mord wird, hat für mich ganz intensiv auch etwas mit dem Verlust an Ehre und Wert der einzelnen Personen zu tun.
Meine These ist das Gegenteil deiner: ich denke, daß wenn wir größeren Wert auf die Ehre und den Respekt vor unseren Mitmenschen legen würden, wenn Beleidigungen früher und ähnlich intensive Folgen hätten wie noch vor wenigen Jahrzehnten und wenn wir wieder höflich und rücksichtsvoller sein müßten, dann hätten wir weniger Probleme. |
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_________________ Gruß,
Zoba
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"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky |
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Verfasst am: 05.07.2008, 00:27 |
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| Gerhard |
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| Anmeldedatum | 07.12.2007 | | Beiträge | 416 |
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Hi Zoba,
du wirfst da einiges durcheinander. Ich habe extra deine physischen Beleidigungen ausgeklammert, denn eine physische Beleidiung ist für mich ein Angriff auf mein Leben, und darum ging es mir nicht. Mir geht es hier erst mal um die verbale Beleidigung ... und nur um diese. Alle deine Beispiel sind keine Beleidigungen sondern tätliche Angriffe, Aggressionen und Gewalt. Und das ist etwas ganz anderes.
| Zitat: | | Ob du das machst, wenn z.B. während eines Elternabends eine von den anderen Eltern allseits geachtete Mutter aufsteht und sagt "Gerhard, du Kinderf***er, du bekommst nur noch einen hoch, wenn du eine 10-Jährige vor dir hast!", dann glaube ich nicht, daß du dies einfach so wegstecken würdest. |
Was glaubst du, wäre die bessere Reaktion? Die Frau anzuzeigen und vor Gericht zu zerren oder schlicht zu fragen "Woher wissen Sie denn das?". Tut mir leid, wenn ich dich jetzt enttäusche, aber ich wurde noch nie so angegangen und ich würde solche Sprüche tatsächlich mit dem Kommentar beantworten: "Tut mir leid, aber auf diesen Schwachsinn gehe ich jetzt nicht ein." Deeskalation nennt man so etwas. Und eine Mutter, die von allen Seiten geachtet wird, wird solche Sprüche nicht bringen. Insofern ist dein Beispiel ziemlich konstruiert und wirklichkeitsfern.
Eine Mutter hatte eine Kollegin mal mit folgendem Spruch angegangen: "Ihr Lehrer seid doch alles nur faule Säcke." Auf mein Anraten gab meine Kollegin zur Antwort: "Wenn Sie sich wieder beruhigt haben, können wir gerne weiter reden." Hätte meine Kollegin sattdessen lieber einen Rechtsanwalt aufsuchen und die Sache an die große Glocke hängen sollen? Diese Mutter ist heute übrigens sehr höflich und zuvorkommend zu uns.
| Zitat: | | Und dein Beispiel aus der Schule *ist* physisch. Stell dir doch mal vor, du stehst in einer Klasse voller 16 ode 18-jähriger, du erregst den Unwillen eines der Schüler, er steht auf, wirft dich zu Boden und pißt dir demonstrativ vor versammelter Klasse ins Genick. Vielleicht schießt einer der anderen davon noch ein Handyvideo, das wird dann über YouTube verteilt und deinem Direktor wie auch dem Schulrat Links davon zugesandt. |
Brauche ich mir nicht vorzustellen. Ich stehe vor solchen. Aber auch das ist wieder ein tätlicher Angriff und keine Beleidigung. Und mir geht es bei meiner Frage nicht um Gewalt sondern um verbale Beleidigungen. Und eine verbale Beleidigung führt noch lange nicht auch zu Gewalt. Ich behaupte sogar, lieber einen "flotten" Spruch um seinen Frust rauszulassen, als mit den Fäusten zuzuschlagen. Und dein Beispiel ist wieder sowas von konstruiert, zumindest habe ich nicht annähernd solche Probleme mit Schülern. Vielleicht liegt das doch an meiner Art mit deren Frust umzugehen.
| Zitat: | | Du willst mir nun sicher nicht allen Ernstes sagen, daß dir dies seitlich am Hintern vorbeiginge? Wenn ja, dann bist du heiliger als der Dalai Lama oder hättest keinerlei Empfinden für den Wert deiner eigenen Person. |
Ich habe sehr viel Empfinden für den Wert meiner Person und deshalb kann mir niemand mit dummen Sprüchen diesen Wert nehmen.
| Zitat: | | Der o.e. Rentner beging den Fehler, die Zeitläufte und damit auch diese Jugendlichen falsch einzuschätzen. Zu seinen besten Zeiten wäre es überhaupt kein Thema gewesen, allein das Wort eines Erwachsenen hätte ausgereicht, daß die Zigaretten ausgedrückt worden wären und die beiden sich entschuldigt hätten. |
Da stimme ich mit dir völlig überein, aber das ist keine Frage von Beleidigung sondern von dem allgemeinen gesellschaftliche Bild, dass man Probleme heute scheinbar nur mit Gewalt lösen kann. Und wenn du sagst, das früher das Wort "Blödmann" schon zu einem Duell führen konnte, so finde ich, haben wir doch einen großen Schritt nach vorne gemacht, indem "Blödmann" nicht mehr zu Mord und Totschlag führt.
| Zitat: | | Meine These ist das Gegenteil deiner: ich denke, daß wenn wir größeren Wert auf die Ehre und den Respekt vor unseren Mitmenschen legen würden, wenn Beleidigungen früher und ähnlich intensive Folgen hätten wie noch vor wenigen Jahrzehnten und wenn wir wieder höflich und rücksichtsvoller sein müßten, dann hätten wir weniger Probleme. |
Was um Himmels willen ist Ehre? Aber, lassen wir das jetzt mal. Denn gerade diese Ehre wird für viel Gewalt als Entschuldigung benutzt. Wie war das mit den Ehrenmorden? Aber, darum geht es nicht.
Ich sag das jetzt mal ganz kraß: Meinst du, wenn wir für jede Beleidigung als Strafe eine Hand abhaken, wäre unsere Gesellschaft friedlicher? Also für jeden "Autofahrergruß" 40 Stockhiebe auf einem öffentlichen Platz damit auf diese Beleidigung sofort angemessen regiert wird? Ich glaube nicht, dass das unsere Probleme löst.
Aber das ist eigentlich nicht das Thema. Was in unserer Gesellschaft fehlt, ist der Respekt vor den Mitmenschen, da stimme ich dir voll zu. Und Rücksicht natürlich auch. Absolute Übereinstimmung. Aber heißt rücksichts- und verständisvoll nicht auch, nicht gleich scharf zu schießen, wenn der andere mal aus Frust etwas Falsches sagt?
Da fällt mir noch was ein. Dalai Lama! Hast du dir mal die Frage gestellt, warum noch niemand auf die Idee gekommen ist, den Dalai Lama zu beleidigen? Mal von den Chinesen abgesehen ... aber selbst deren verbale Attacken haben ihn nicht zu ähnlichen Attacken verführt. |
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_________________ Herzliche Grüße
Gerhard
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Die Welt ist anders, als sie uns erscheint.
"Auf der Suche nach der Realität", ISBN 978-3833493294 |
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Verfasst am: 05.07.2008, 00:45 |
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| Gerhard |
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| Anmeldedatum | 07.12.2007 | | Beiträge | 416 |
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Zoba,
| Zitat: | | Die meisten von der Gesellschaft festgelegten objektiven Maßstäbe lassen sich nicht einfach ändern. |
Entweder sind sie nun von der Gesellschaft festgelegt oder objektiv. Beides zusammen geht nicht. Ich kann nichts objektiv festlegen.
Aber meine Eingangsfrage war ja, was ist eine Beleidigung? Gibt es objektive Kriterien was eine Beleidigung ist? |
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_________________ Herzliche Grüße
Gerhard
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Verfasst am: 05.07.2008, 06:42 |
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| SandraR |
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| Anmeldedatum | 25.11.2007 | | Beiträge | 349 | | Wohnort | Moskau |
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Gerhard ich wuerde zuerst unterscheiden, Beleidigung eines Menschen x oder Beleidigung von ganzen Staaten, Kontinenten oder ganzen Berufsgruppen.
Beim ersten Fall muss X auch beleidigt sein, beim zweiten Fall gibt es nach meiner Meinung sowohl ethische Massstaebe die man ansetzen kann, als auch einfach intelektuelle Masstaebe.
Ein ganzes Land oder eine Berfusgruppe X kann nicht perse schlecht sein. So etwas sollte einem der gesunde Menschenverstand verbieten. Zudem lehrt ein Blick ins Geschichtsbuch, wo die Beleidigung die in diesem Falle dann nichts als ein Vorurteil ist, endet.
Sandra |
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_________________ russland-buecher.ru |
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Verfasst am: 05.07.2008, 07:23 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 01.05.2007 | | Beiträge | 1733 | | Wohnort | Emden |
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Wenn ein Mensch beleidigt ist, dann steckt dahinter eine subjektive Empfindung darüber, dass er missverstanden oder falsch eingeschätzt wurde. Wer beleidigt ist, ist im Grunde traurig und verletzt.
Die Messlatte dafür ist abhängig von seiner Erziehung, seinen Erfahrungen und seinem Selbstwertgefühl. Ebenso die Reaktion darauf.
Hat er gelernt sich bei psychischen Verletzungen still zurückzuziehen und zu leiden, dann gilt er als beleidigt.
Ein anderer hat gelernt, auf verbale Attacken mit noch härteren Verletzungen zu antworten. Wenige andere dagegen haben den Mut zu sagen: „Die Worte, die Du benutzt, empfinde ich als verletzend und sie machen mich traurig.“
Bewusst eingesetzte verbale Verletzungen laufen nach dem gleichen Muster ab wie physische. Im Grunde sind sie ein Ersatz dafür, dass man jemanden gleich körperlich angreift.
Was für den einen ein lustig kumpelhaftes Schulterklopfen zu sein scheint, ist für den anderen eine Geste der Unterdrückung.
Lernt ein Mensch, dass eine grobe, ironische oder sarkastische Ausdrucksweise ihm Anerkennung bringt, dann wird er sie auch stolz gebrauchen. Trifft er dann auf einen Menschen, der gelernt hat, seine Worte ausgewählt und ohne Kraftausdrücke und unterschwelligen Spitzen zu nutzen und Sprache wörtlich zu nehmen, dann stehen sich zwei Menschen gegenüber, die sich jeweils als Angreifer empfinden. Obwohl sie die gleiche Muttersprache sprechen, versteht keiner des anderen Worte.
Einer von beiden wird irgendwann frustriert sein und sich enttäuscht zurückziehen. Man sagt dann „er ist beleidigt“. Tatsächlich ist derjenige einfach traurig und enttäuscht, weil er sich missverstanden und ungerecht behandelt fühlt. Insofern gibt es tatsächlich keine objektive Form der Beleidigung. Es sei denn, man orientiert sich an den gesellschaftlichen Regeln und reagiert - erwartungsgemäß.
Öffentliche Beschimpfungen empfinde ich persönlich als ein Armutszeugnis für den Sender. Der sich in diesem Fall als hilfloser Choleriker outet. Kein Grund für den Empfänger beleidigt (also traurig) zu sein – es sein denn, darüber, dass er keine Chance sieht, mit dem Sender ein konstruktives Gespräch zu führen.
Langer Rede kurzer Sinn: Beleidigungen sind meiner Ansicht nach eine subjektive Empfindung. Wer sie vermeiden will – als Geber oder Nehmer – tut gut daran, sich achtsam und rücksichtsvoll mit seinem Gegenüber auseinanderzusetzen, gut zuzuhören und lieber einmal mehr als zu wenig nachzufragen, wie eine Aussage gemeint ist.
LG Grete |
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Verfasst am: 05.07.2008, 09:01 |
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| LOFI (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 29.04.2008 | | Beiträge | 2877 |
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| Gerhard hat Folgendes geschrieben: |
Entweder sind sie nun von der Gesellschaft festgelegt oder objektiv. Beides zusammen geht nicht. Ich kann nichts objektiv festlegen.
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Objektivität ist eine Betrachtungsweise, die allgemeine (bewiesene) Gültigkeit hat, unabhängig vom Betrachter. Die Gesellschaft (Allgemeinheit) legt sie vielleicht nicht fest, erkennt sie aber in der Regel an und deswegen ist Objektivität eng mit gesellschaftlicher Anerkennung verknüpft.
LG
Lorenz |
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Verfasst am: 05.07.2008, 09:55 |
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| Thorsten |
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| Anmeldedatum | 07.06.2008 | | Beiträge | 608 | | Wohnort | Saarland |
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Guten Morgen.
Um auf deine Eingangsfrage nochmal zurück zu kommen, Gerhard.
Es gibt keine objektive Beleidigung (weder persönliche, staatliche oder sonstige (ein Staat setzt sich schließlich auch nur aus Menschen zusammen)). Was es allerdings gibt, ist die Norm einer Beleidigung, sprich, wie solch ein beleidiginder Satz zB aufgebaut ist. Und zwar sehe ich immer noch die Respektlosigkeit als Quintessenz darin.
Für mich ist klar: eine Beleidigung - Begriff hin oder her - ist subjektiv zu deuten und darum kann es keine objektive Beleidigung geben (das wäre so, als ob man sagen würde, jeder Mensch auf der Erde esse gerne Erdbeeren).
Auf jeden Fall danke für den Denkanstoß, so genau habe ich über dieses Thema noch nicht nachgedacht. Interessant alle Beiträge zu verfolgen.
Grüße! |
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_________________ Der deutsche Jackie Chan Filmführer | ISBN: 978-3-86858-102-7
Boose-Nacht-Geschichten | ISBN: 978-3-8370-2599-6 |
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Verfasst am: 05.07.2008, 09:56 |
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| Zoba |
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| Anmeldedatum | 23.11.2007 | | Beiträge | 1308 | | Wohnort | Süden |
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Hi Gerhard,
| Zitat: | | Ich habe extra deine physischen Beleidigungen ausgeklammert, denn eine physische Beleidiung ist für mich ein Angriff auf mein Leben, und darum ging es mir nicht. |
Da liegen unsere Definitionen und Empfindungen sehr, sehr weit auseinander.
Man kann ein Anpinkeln genausowenig als einen Angriff auf dein Leben bezeichnen, wie das Werfen von Tintenkugeln. In beiden Fällen wird lediglich deine Kleidung verdreckt. Ob Anpissen, Anspucken oder Tintenkugeln werfen, es wäre Ausdruck der Geringschätzung deiner Person, aber sicher kein Angriff auf dein Leben. Weißt du woher unsere umgangssprachliche Formulierung "piß mich nicht an!" kommt?
Wie Grete korrekt anmerkt, stellt die verbale Beleidigung sehr wohl eine Aggression, einen Gewaltakt dar. Die physische Beleidigung ist die nächste Stufe und das lineare Ende ist die Handgreiflichkeit. Wobei - entsprechend ausgeführt - bereits verbale Ehrabschneidungen zu demselben Resultat wie Handgreiflichkeiten führen können.
| Zitat: | | Was glaubst du, wäre die bessere Reaktion? Die Frau anzuzeigen und vor Gericht zu zerren oder schlicht zu fragen "Woher wissen Sie denn das?". Tut mir leid, wenn ich dich jetzt enttäusche, aber ich wurde noch nie so angegangen und ich würde solche Sprüche tatsächlich mit dem Kommentar beantworten: "Tut mir leid, aber auf diesen Schwachsinn gehe ich jetzt nicht ein." Deeskalation nennt man so etwas. Und eine Mutter, die von allen Seiten geachtet wird, wird solche Sprüche nicht bringen. Insofern ist dein Beispiel ziemlich konstruiert und wirklichkeitsfern. |
Sicher ist es wirklichkeitsfern für deine Person, ich habe nicht versucht etwas zu konstruieren, das wirklichkeitsnah für deinen Fall wäre.
Ich wäre jedoch vorsichtig mit solchen "Deeskalationsmethoden", die Antwort in so einem Fall könnte sein "Weil sich meine Tochter über deine Miniausgabe heute früh halb totgelacht hat" oder "weil du's nicht mal schaffst deine Frau zu befriedigen, sonst müßte sie nicht mit unseren Männern rumhuren". Also sowas mischt ganz schön auf, von einem Elternabend habe ich es noch nicht berichtet bekommen, aber einen (bis dahin sehr noblen ) Tennisclub hat mal was Vergleichbares ganz nett zerschossen und der dazu gehörende Tennislehrer mußte sich seinen neuen Job ziemlich weit entfernt suchen.
Leute die beleidigen haben ein Ziel, sie machen es (eher selten) nur weil es Spaß macht. Dieses Ziel ist aber keineswegs einseitig immer dasselbe. Du scheinst davon auszugehen, daß das einzig mögliche Ziel, die Provokation deiner eigenen Person ist. Das kann ich zwar verstehen, da in den meisten Fällen Beleidigungen gegen Erwachsene im Schulalltag einfach nur den Lehrer aus der Fassung bringen sollen, aber damit verkennst du ganz essentiell die Vielfältigkeit und Realität hinter dem Thema.
Du sagst, dir ginge es nicht um Gewalt und Beleidigungen seien kein Ausdruck von Gewalt. Oha. Da sprichst du aber etwas sehr Falsches sehr gelassen aus. Warum meinst du gibt es in jeder Kultur gesetzliche Einschränkungen von Beleidigungen? Wenn sie so harmlos wären, wie du meinst, dann wäre dies doch garnicht nötig?
Neben dem Ziel eine Person aus der Fassung zu bringen (was übrigens abseits der Schule auch nicht wirklich harmlos sein muß, während eines Wettbewerbs/Leistungserbringung kann dies einen hohen Verlust bewirken und im Mitspiel von Aggression oder Gefahr ist sowas überhaupt nicht witzig)
- gibt es die Beleidigung aus Affekt (das was die von dir zitierte Mutter oder der Autofahrer vom Stapel ließ/läßt), die eher dem Nervenkostüm des Beleidigenden hilfreich ist, als wirklich auf den Beleidigten gezielt zu sein,
- es gibt die Beleidigung mit dem Ziel jemanden aus seinem Umfeld gegen seinen Willen zu entfernen (Mobbing ist die Königsdisziplin dieser Art von Beleidigungen, subtile Beleidigungen gehören ganz essentiell zu Mobbing dazu),
- es gibt die Beleidigung mit dem Ziel jemanden zu diskreditieren (die Gründe hierfür können wie auch die Endziele sehr unterschiedlich sein, selten aber sind sie harmlos oder friedlich),
- es gibt die Beleidigung mit dem konkreten Ziel den anderen so stark zu kränken, daß es ihn psychisch und physisch verletzt (wird gerne in Auseinandersetzungen zwischen Partnern genutzt, kann aber auch einen beruflichen oder privaten Gegner treffen),
- es gibt die Beleidigung aus Vergnügen an der Kränkung des anderen bzw. der Machtausübung über andere (sie gehört in den soziopathisch-sadistischen Themenkreis und ist wie die Beleidigung aus Affekt der Suche nach Wohlbefinden des Beleidigers zuzuordnen, aber bei weitem nicht so harmlos),
um nur ein paar der verschiedenen Formen zu nennen. Die wenigsten lassen sich auf die Weise deeskalieren, die du für die beste Lösung hältst.
Im Falle der von dir zitierten Mutter ist diese Deeskalation deshalb geglückt, weil ihre Beleidigung offenbar eine aus dem Affekt war, sie regte sich auf und machte sich Luft, zuvorderst um sich selbst zu erleichtern. Dein Verhalten empfinde ich in diesem Fall als richtig.
Im Fall der Schüler wäre ich mir nicht so sicher, es mag reine Provokation gewesen sein, aber ich sehe darin durchaus ein gerütteltes Maß von Aggression und ziemlich eindeutig auch viel Raum zur Steigerung. Niemandem meiner Altersstufe in einer normalen Schule (auch Hauptschule) wäre es eingefallen, einen Lehrer mit irgendetwas zu bewerfen, unser Respekt vor deren Integrität und Ehre wäre zu groß gewesen. Je geringer dieser Respekt vor anderen Menschen ist, desto leichter ist es, aggressiv zu agieren.
Deine Reaktion hat in diesem Raum mit diesen Schülern (noch) funktioniert, die nächste Stufe könnte sein, daß sie weiterwerfen und am Ende der Stunde einfach gehen und es könnte dir mit denselben Schülern passieren oder es könnte einen anderen Lehrer treffen, daß diese Schüler nun glauben, daß das respektlose Werfen von Gegenständen auf einen Lehrer ganz okay ist, solange man sie hinterher wegräumt. Die letzte Stufe mag man z.B. in einem solchen absoluten Respektsverlust sehen, wie sie der Fall des getretenen Rentners dokumentiert.
Betrachtet man o.a. Auflistung an verschiedenen Zielen von Beleidigung, dann wird deutlich, an welcher Stelle sie immer objektivierbar wird, nämlich dort wo sie - trotz z.B. gelassener Reaktion des Beleidigten - erfolgreich ist. LOFI hat das sehr gut erklärt.
| Zitat: | | Ich habe sehr viel Empfinden für den Wert meiner Person und deshalb kann mir niemand mit dummen Sprüchen diesen Wert nehmen. |
Aber sicher geht das, ganz praktisch gesehen. Der Wert deiner Person und das Empfinden dafür bemißt sich ja nicht aus und im luftleeren Raum. Du lebst in einer Gesellschaft, u.A. bemißt sich dieser Wert auch in der Wertschätzung der anderen. Diese Wertschätzung, oder mit anderem Wort, die Ehre die dir zugemessen wird, drückt sich auch in den ganz essentiellen Dingen des täglichen Lebens aus: deinem Gehalt zum Beispiel, deiner beruflichen Beschäftigung, der Zuneigung und Freundschaft deiner Mitmenschen usw.. Sie hat ganz konkrete Auswüchse und Resultate. Diese können dir bis zu einem Punkt genommen werden, an dem auch die stärkste Persönlichkeit leidet und irgendwann beginnt an sich selbst zu zweifeln. Ein paar blöde Sprüche werden dafür nicht a | | | | |