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Forum für Books on Demand bzw. BOD Autoren » Meinungspool » wgbajohr: Fähig und bereit, zu kritisieren Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3
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BeitragVerfasst am: 26.08.2007, 05:28
wgbajohr (Moderator)
 
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Noch einmal:
Hallo Grete!

Du schreibst:

Zitat:
Ich denke, das Wort 'Kritik' ist einfach negativ besetzt.


Von diesem Image wollen wir Kritik mithilfe unserer Diskussion befreien.

Zitat:
Ich gehe natürlich davon aus, dass eine Kritik ein Werkzeug ist, dass mir die Möglichkeit gibt etwas zu verändern / verbessern.


Darin sehe ich ein Ziel, zumindest aufrichtige Kritik nicht als Kränkung, sondern als eine besondere Form von Hilfe zu sehen.

Zitat:
Meckern ist Energieverschwendung und führt zu nichts.


Treffend formulierte Analogie! Wenn ich Energie aufwende und nichts davon zu etwas Positivem führt, dann ist die Energie verschwendet. Meckern bringt tatsächlich außer Ärger nichts ein.

Liebe Grüße
Wolf-Gero

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Die Veränderung der Welt beginnt bei jedem Einzelnen
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Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 26.08.2007, 05:55
wgbajohr (Moderator)
 
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Hallo Rita!

Du schreibst:

Zitat:

Aber ich denke auch, dass jeder Mensch einen Menschen hat, von dem er sich gerne kritisieren lässt. Manchmal ist es auch einfach ein Nörgeln.


Meinst Du wirklich sich gern kritisieren lassen, oder meinst Du sich Kritik gefallen lassen?

Zitat:
Aber ich denke auch, dass jeder Mensch einen Menschen hat, von dem er sich gerne kritisieren lässt. Manchmal ist es auch einfach ein Nörgeln.


Den Zusammenhang verstehe ich allerdings nicht.

Du schreibst:

Zitat:
Diesen unfehlbaren Menschen möchte ich kennenlernen.


Was Du auf Deinem Weg treffen wirst, sind nicht unfehlbare Menschen, sondern solche, die sich dafür halten. Sie sind keine Bereicherung für den Freundeskreis. Fast bin ich versucht, zu sagen, lies Gretes Gedicht ebenfalls dreimal hintereinander, dann steht der angeblich unfehlbare Mensch vor Dir.

Liebe Grüße
Wolf-Gero


Zuletzt bearbeitet von wgbajohr (Moderator) am 26.08.2007, 17:59, insgesamt einmal bearbeitet

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BeitragVerfasst am: 26.08.2007, 06:04
wgbajohr (Moderator)
 
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Hallo Rita!

Der Wandel der Zeit war mir zum Schluss entgangen.

Gerade weil sich ständig etwas ändert, müssen wir auch unsere Urteile ständig überprüfen, denn ewige Wahrheiten gibt es nicht.

Einen schönen Sonntag
und liebe Grüße
Wolf-Gero


Zuletzt bearbeitet von wgbajohr (Moderator) am 26.08.2007, 16:28, insgesamt einmal bearbeitet

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BeitragVerfasst am: 26.08.2007, 07:18
g.c.roth (Moderator)
 
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Hallo Wolf-Gero
Zitat:
Hast Du das Gedicht eigentlich extra für unser Diskussionsthema geschrieben, oder ist es unabhängig davon entstanden?


Es ist ganz spontan entstanden, als ich den letzten Beitrag von Dir las.
Natürlich als Satire gedacht, aber durchaus auch die Erfahrung, dass es so ist. Was man sich selbst zugesteht, dass darf noch längst nicht der Nachbar. Wer mit sich selbst ehrlich ist, der hat das sowohl bei sich als auch bei anderen schon bemerkt. Wäre jeder mit jedem so nachsichtig wie mit sich selbst, dann sähe es - ich sag mal 'anders' aus in der Welt. Ob es tatsächlich besser sein würde - müsste man mal durchspielen.


Zitat:
Läuft diese Methode, wie von Dir geplant? Da Kritik durch Fremde und Selbstkritik einander ergänzen sollten, ist das, was Du bei Euch eingeführt hast, natürlich ein sehr guter Weg.


Von 'laufen' kann nicht die Rede sein. Ich muss das Feuer ständig füttern, d.h. ich muss fragen und bohren und erinnern. Dann funktioniert es hin und wieder. Mit der einen Person mehr mit der anderen weniger und wieder andere in der Familie habe ich dermaßen erschreckt, dass sie mir die Freundschaft gekündigt haben (die allerdings schon vorher keine echte war).
Einzig bei meiner großen Tochter und mir läuft das sehr gut. Wir sind sehr verschieden und reden uns gern stundenlang die Köpfe heiß. Das sind wundervolle Stunden in denen wir beide sehr viel lernen und das Wichtigste: Wir gehen nie im Streit auseinander, sondern immer mit dem Gefühl, dass wir immer noch wir selber sind, aber ganz viel voneinander bekommen haben. Wir können uns spiegeln und aneinander wachsen. Das hört sich vielleicht jetzt sehr rosig an, ist aber durchaus manchmal sehr schmerzhaft, denn es kommt eben alles auf den Tisch. So stelle ich mir Idealbeziehungen zwischen Menschen vor. Dass ist allerdings nur möglich, wenn alle Parteien 100% sicher sind, dass keiner dem anderen etwas Böses will. Für Erwachsene die es nicht gewohnt sind, dass man Klartext spricht miteinander - eine riesige Herausforderung - die (meine Erfahrung) kaum einer sich zutraut. Tiefes Misstrauen und Angst bis Aggression sind oft die Reaktion. Nur, wenn man einmal Blut geleckt hat, dann ändern sich die Ansprüche an Freundschaften und Partnerschaften schon sehr. Mit Kindern ist es dagegen oft einfacher. Sie spüren noch, wenn jemand etwas 'Echtes' von sich gibt und steigen sofort in den Zug ein. Das heißt sie sind offen für neue Ideen und Anregungen und haben auch keine Angst zu sagen: "Nö, will ich nicht, find ich doof, will ich aber anders, weil... " Und sie liefern Vorschläge auf die ein Erwachsener gar nicht mehr kommt. Das sind dann die schrecklichen Kinder, die in der Schule die Lehrer zur Weißglut bringen, weil sie immer so 'komische' Fragen stellen. Meine Kleine Tochter erprobt das auch gerade... cool und muss erfahren, dass ein kritisches Verhalten sowohl bei Mitschülern als auch bei Lehrern manchmal auch einsam macht. Und dass es außerordentlich befremdlich auf andere wirkt, wenn sie um kritische Unterstützung und Betrachtung bittet.

Lieben Gruß
Grete

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Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 26.08.2007, 16:26
wgbajohr (Moderator)
 
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Hallo Grete!

Zitat:
Wäre jeder mit jedem so nachsichtig wie mit sich selbst, dann sähe es - ich sag mal 'anders' aus in der Welt. Ob es tatsächlich besser sein würde - müsste man mal durchspielen.


Mit großer Wahrscheinlichkeit sähe die Welt anders aus. Auf diesen einen Punkt bezogen, wäre sie wohl auch besser. Das Problem, vor dem wir immer wieder stehen, ist, dass der von einem Problem befreite Raum sehr schnell von einem neuen Problem besetzt wird. Da wir es aber nicht kennen, ist es reine Spekulation, wie die Welt dann aussehen könnte.

Hiermit hast Du zugleich eine grundsätzliche Frage aufgeworfen. Sollen wir aufhören, bekannte Probleme zu beseitigen, weil das, was danach kommt, vielleicht um vieles größer ist?

Meine spontane Antwort lautet eindeutig: "Nein!" Das, was wir maximal von einem Menschen erwarten können, ist, dass er sich mit den ihm zugänglichen Fakten auseinandersetzt und dann seine Entscheidung fällt. Selbstverständlich ist es möglich, dass es später noch ärger kommt, als es jetzt ist. Solange wir aber nicht wissen, was das kommt, können wir es nicht berücksichtigen und brauchen es auch nicht zu tun.


Zitat:
Meine Kleine Tochter erprobt das auch gerade... cool und muss erfahren, dass ein kritisches Verhalten sowohl bei Mitschülern als auch bei Lehrern manchmal auch einsam macht. Und dass es außerordentlich befremdlich auf andere wirkt, wenn sie um kritische Unterstützung und Betrachtung bittet.


Mit dem, was Du in Deiner Familie sowie im Verwandten- und Bekanntenkreis erprobst, bist Du meiner zeitlichen Planung weit voraus. Ich muss gestehen, dass Du größere Anforderungen an die Welt stellst, als ich es wagen würde.

Ich stelle mir eher einen sanften Übergang vor. Übergangszeiten sind stets schwierig. Das Neue ist noch nicht völlig wirksam, und das Alte hat seine Herrschaft noch nicht ganz aufgegeben. Wenn der Wechsel sogar noch von x auf das Gegenteil von x vollzogen werden soll, dann sind Probleme vorprogrammiert.

Was ich mir als Erwachsener zutrauen kann, das weiß ich, und ich weiß vor allem, was ich verliere, wenn ich nicht meinen Wertmaßstäben entsprechend handle, wenn ich mich also selbst verrate. Vielleicht unterschätze ich aber die Kraft anderer, insbesondere der Kinder. Das wäre eine Form der Arroganz, worüber ich einmal ernsthaft nachdenken muss.

Mag sein, dass es mutigen Vorreitern aus allen Altersgruppen besser gelingt, das einzuführen, was wir für gut halten. Mein Weg basiert dagegen auf der Erkenntnis, dass der Einzelne eher zu Neuem bereit ist, wenn andere mitmachen. Dieser Einzelne ist natürlich noch nicht der starke Mensch, der am Ende der Umgestaltung entstanden sein sollte.

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Ich bewundere jeden, der trotz möglicher Nachteile mutig und stark genug ist, an dem festzuhalten, was er für gut hält. In meinem tiefsten Inneren wünsche ich mir, dass diese Mutigen Erfolg haben.

Noch ein paar schöne Sonntagsstunden und liebe Grüße
Wolf-Gero


Zuletzt bearbeitet von wgbajohr (Moderator) am 27.08.2007, 00:51, insgesamt einmal bearbeitet

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BeitragVerfasst am: 26.08.2007, 17:13
Rita Hajak (Moderator)
 
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Hallo Wolf-Gero,
eine kurze Antwort:

Zitat:
Zitat:

Aber ich denke auch, dass jeder Mensch einen Menschen hat, von dem er sich gerne kritisieren lässt. Manchmal ist es auch einfach ein Nörgeln.


Zitat:
Meinst Du wirklich sich gern kritisieren lassen, oder meinst Du sich Kritik gefallen lassen?


Die beiden Sätze neben einander sind schlecht gewählt. Dazwischen bitte einen Absatz denken.

Gefallenlassen muss ich mir Kritik wohl von einem Vorgesetzten etc. vorausgesetzt sie ist gerechtfertigt.
Gerne kritisieren lass ich mich, in der Tat, von meinem Mann und meinen Kindern. Ich bitte sie sogar darum, denn sie sind meist zu faul und sagen, ich wäre o.k. wie ich bin. Aber das lasse ich nicht gelten und bohre weiter. Wenn sie jedoch mit ihrer Kritik beginnen, - es gibt immer mal was zu kritisieren- weiß ich, dass sie es ehrlich meinen.
Das mit dem Nörgeln, meine ich allgemein. Ich will mich da nicht ausschließen. Aber ich habe es mir abgewöhnt, weil es nichts mit Kritik zu tun hat.

Gretes Gedicht habe ich mehrmal gelesen und ihren Worten doch bereits zugestimmt.

Gruß Rita

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„Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann

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BeitragVerfasst am: 26.08.2007, 20:01
wgbajohr (Moderator)
 
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Hallo Rita!

Du schreibst:

Zitat:
Gretes Gedicht habe ich mehrmal gelesen und ihren Worten doch bereits zugestimmt.


Ich fürchte, da habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt.

Dein Satz:

Zitat:
Diesen unfehlbaren Menschen möchte ich kennenlernen.


Meine geänderte Antwort:

Was Du allenfalls kennenlernen wirst, sind keine unfehlbaren Menschen, denn sie gibt es nicht. Dafür triffst du vielleicht auf Menschen, die sich für unfehlbar halten und die den Menschen ähneln, die Grete in ihrem Gedicht beschreibt.

Gruß Wolf-Gero

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BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 19:42
wgbajohr (Moderator)
 
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Hallo!

2. Fähig und bereit, zu kritisieren – 4

Heute geht es um das, was uns vom Kritisieren abhalten kann.

Was behindert oder verhindert das Kritisieren?

Obwohl es unabdingbar ist, zu kritisieren, sofern wir unser Verantwortlichsein ernst nehmen, schrecken wir allzu oft davor zurück. Woran liegt das? Die zuvor angesprochene Angst vor dem Ungewissen ist nicht der einzige Grund, so viel können wir verraten. Was für Gründe es außerdem gibt und warum sie uns vom notwendigen Kritisieren abzuhalten vermögen, das wollen wir im Folgenden erkunden.

Abhängigkeit von dem zu Kritisierenden

Wem kommt die in einigen Filmen verwendete Szene nicht bekannt vor, in der jemand seinem Gegner oder sogar Feind die Hand reicht, um ihn dadurch vor dem drohenden Sturz in die Tiefe zu bewahren? Im wahrsten Sinne des Wortes hängt eines Menschen Leben vom guten Willen des Feindes ab. Wäre es nicht mehr als weltfremd, wollten wir erwarten, ein vom Tode bedrohter Adam würde in einer derartigen Situation an seiner berechtigten Kritik festhalten und damit riskieren, dass ihn der Kritisierte fallen lässt? Es ist doch wohl um einiges wahrscheinlicher, dass Adam einzig und allein vom Willen, zu überleben, beseelt ist und daher überhaupt keinen Gedanken darauf verwendet, ob er es moralisch verantworten kann, auf das notwendige Kritisieren zu verzichten. Unsere Abhängigkeit von dem zu Kritisierenden erreicht sicherlich nur äußerst selten dieses extreme Ausmaß, was natürlich zu begrüßen ist. Andererseits sollte es uns bedenklich stimmen, dass uns bereits weitaus schwächere Abhängigkeiten davon abbringen, jemanden zu kritisieren.

Wir wollen, wohlgemerkt, nicht der Frage nachgehen, ob es im Einzelfall richtig ist, ein Übel anzuprangern, denn die Antwort darauf steht bereits fest: Der uneingeschränkt verantwortungsbewusste und infolgedessen notwendigerweise auch kritische Mensch wird dem, was seine Überzeugung ihm gebietet, stets einen höheren Rang einräumen als seinem persönlichen Wohlergehen. Wie die im vorangehenden Absatz beschriebene Filmszene uns aber verdeutlicht haben sollte, überschreitet eine solche Maximalforderung zweifellos die Charakterstärke Adams, unseres durchschnittlichen Menschen also.

Aufrichtig bemüht, uns unter keinen Umständen von dem verhängnisvollen Alles-oder-Nichts-Prinzip versklaven zu lassen, anerkennen wir jeden gelungenen Versuch Adams, seinem Gewissen selbst dann zu folgen, wenn er bereits im Voraus weiß, dass es ihm zum Nachteil gereicht. Aber nicht die Extremsituationen sind es, die Adams Bereitwilligkeit, zu kritisieren, besonders leicht herabsetzen, es sind die sogenannten Normalfälle. Über diese Behauptung mögen wir zunächst erstaunt sein, sie wird jedoch nachvollziehbar, sobald wir unsere Entscheidungsfindung als einen Kampf mit dem Gewissen betrachten. Die Bedrohung des eigenen Lebens ist ein derart gewichtiges Argument für den Verzicht auf das Kritisieren, dass eine entgegengesetzte Forderung des Gewissens mit größter Wahrscheinlichkeit überhaupt nicht gehört, geschweige denn erfüllt wird. Andererseits ist das Gewissen aber durchaus fähig, sich so vehement zu melden, dass sogar die natürliche Angst vor dem eigenen Tod in den Hintergrund gedrängt wird. Um das Leben seiner Kameraden vielleicht retten zu können, widerspricht ein Soldat einem in seinen Augen unsinnigen Befehl eines Vorgesetzten und riskiert dadurch, wegen Befehlsverweigerung oder Feigheit vor dem Feind standrechtlich erschossen zu werden.

Wenden wir uns nun von den Ausnahmesituationen ab und richten unser Augenmerk auf all die Fälle, in denen Sieg oder Niederlage des Gewissens nicht im Voraus erkennbar ist: Für das Kritisieren sprechende Argumente des Gewissens und mehr oder weniger überzeugende Gründe, die zum Verzichten aufrufen, halten einander annähernd die Waage … und unser Adam muss einen inneren Konflikt bewältigen. Trügerischer Hoffnung vorbeugend, wir könnten den arg bedrängten Adam aus diesem Gewissenskonflikt befreien, lassen wir keinen Zweifel daran aufkommen, dass nur Adam selbst entscheiden kann, ob er seinem Gewissen folgen oder die Abhängigkeit als Entschuldigung nutzen will, auf die gebotene Kritik zu verzichten. Nach gutem altem Brauch gesellt sich zu jeder schlechten Nachricht auch eine gute: Zwar können wir Adam das Entscheiden nicht abnehmen, aber das heißt keineswegs, dass wir ihn völlig sich selbst zu überlassen gedenken.

Was für Abhängigkeiten sich hinter den sogenannten Normalfällen verbergen, das werden wir beim nächsten Fall untersuchen.

Viele Grüße
Wolf-Gero

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BeitragVerfasst am: 30.08.2007, 13:09
Rita Hajak (Moderator)
 
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Hallo Wolf-Gero,

Zitat:
Was behindert oder verhindert das Kritisieren?


Was Adam vom Kritisieren abhalten könnte, wäre die Unsicherheit darüber, vielleicht selbst auch die falsche Entscheidung zu treffen. Wenn wir verantwortlich handeln wollen, müssen wir sicher sein, dass unsere Kritik einen Zweck erfüllt und etwas zum Guten wendet. Auch bestimmte Gesellschaftsschichten könnten uns am Kritisieren hindern, weil wir eventuell denken, wir seien nicht kompetent genug.

Zitat:
Abhängigkeit von dem zu Kritisierenden


Ich kann mir vorstellen, dass jeder normal denkende Mensch, der nicht gerade verbrecherische Absichten hat, jedem die Hand, in der Not, reicht. Was ihn allerdings nicht daran hindern wird, weiterhin kritisch und feinselig, dem Geretteten gegenüber zu stehen. Wie man auch in Filmen erlebt, geht die Schlägerei, nach einer Rettung, gleich weiter.

Man wird wohl vorsichtig mit Kritik umgehen, wenn das eigene Leben bedroht ist. Ich kann mit vorstellen, dass ich mich dann zurück halte. Es sei denn, es ginge um das Leben meiner Kinder. Da würde ich auch mein eigenes riskieren. Aber man kann nicht von vornherein beurteilen, was man tun würde. Das ergibt sich sicherlich aus der jeweiligen Situation.

Ich werde mit Kritik sparsam umgehen, da ich festgestellt habe, dass kaum einer darauf eingeht oder daran interessiert ist. Diese Menschen allerdings üben die meiste Kritik, können jedoch selbst keine vertragen. Kritisieren werde ich nur noch, wenn es seinen Sinn erfüllt.


Grüß Rita

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BeitragVerfasst am: 30.08.2007, 23:33
wgbajohr (Moderator)
 
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Hallo Rita!

Im Bereich des Kritisierens scheint es keine gravierenden Unterschiede zwischen unseren Auffassungen zu geben; deshalb picke ich einmal ein paar einzelne Punkte heraus.

Du schreibst:

Zitat:
Wenn wir verantwortlich handeln wollen, müssen wir sicher sein, dass unsere Kritik einen Zweck erfüllt und etwas zum Guten wendet.


Man kann auch in gutem Glauben falsch handeln, sodass ich das „sicher sein“ gegen ein „überzeugt sein“ eintauschen möchte, denn ich meine, es wiegt weniger schwer als „sicher sein“.

Du schreibst:

Zitat:
Auch bestimmte Gesellschaftsschichten könnten uns am Kritisieren hindern, weil wir eventuell denken, wir seien nicht kompetent genug.


Da sprichst Du einen wichtigen Punkt an. Ich weiß zwar nicht, wie weit wir mit unserer Diskussionsserie kommen werden, aber so viel kann ich bereits verraten, dieser Punkt taucht in etlichen Verkleidungen immer wieder auf: Dass extrem übersteigertes Selbstbewusstsein verheerende Folgen haben kann, hat Hitler uns bewiesen, dass aber ein Mangel an Selbstwertgefühl ebenfalls Negatives hervorbringen kann, ist weniger bekannt. Es kommt sogar vor, dass ein nach außen gezeigtes übersteigertes Selbstbewusstsein die Folge eines Mangels an Selbstwertgefühl bedeutet. Das vorgeführte Ich dient dem tatsächlichen Ich als Schutz vor der Entdeckung.

Du schreibst:

Zitat:
Man wird wohl vorsichtig mit Kritik umgehen, wenn das eigene Leben bedroht ist. Ich kann mit vorstellen, dass ich mich dann zurück halte. Es sei denn, es ginge um das Leben meiner Kinder. Da würde ich auch mein eigenes riskieren.


Hier sehe ich zwei Möglichkeiten, die ich einmal trennen und dadurch deutlicher hervortreten lassen möchte.
1. Ich unterstelle einmal, dass Du noch zurückhaltender bist, wenn das Wohl und Wehe Deiner Kinder von dem Objekt Deiner Kritik abhängt.
2. Wenn Du andererseits Deine Kinder vor dem Tod retten kannst, indem Du das Objekt Deiner Kritik kritisierst, obwohl Du in seiner Hand bist und damit Dein eigenes Leben riskierst, dann überwiegt vermutlich der Mutter- oder Vaterinstinkt

Du schreibst:

Zitat:
Aber man kann nicht von vornherein beurteilen, was man tun würde. Das ergibt sich sicherlich aus der jeweiligen Situation.


Auch hierin stimme ich Dir zu. Wir können noch so viele wunderbare theoretische Gebäude errichten, wenn die Praxis kommt und uns vor die Wahl stellt, dann entscheiden wir uns nicht selten anders als geplant.

Du schreibst:

Zitat:
Ich werde mit Kritik sparsam umgehen, da ich festgestellt habe, dass kaum einer darauf eingeht oder daran interessiert ist. Diese Menschen allerdings üben die meiste Kritik, können jedoch selbst keine vertragen.


An der einseitig positiv ausgerichteten Kritik sind sie schon interessiert, doch dafür sollten wir uns nicht hergeben. Denn im Endeffekt erweisen wir dem Kritisierten damit keineswegs einen Gefallen. Wie soll er sich weiterentwickeln, wenn er immer nur hört, wie wunderbar er ist. Wir kommen noch zu dem Begriff „Feigheit vor dem Freund“. Damit meine ich die seltsame Hemmung davor, einen nahestehenden Menschen offen zu kritisieren.

Kritisieren und kritisiert werden, das sind keine leichten Übungen, über die wir so einfach hinweggehen können.

Gruß Wolf-Gero

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BeitragVerfasst am: 01.09.2007, 10:10
wgbajohr (Moderator)
 
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Hallo Kolleginnen und Kollegen!
Aus Zeitgründen wird dieses Diskussionsthema bis auf Weiteres eingestellt.
Gruß wgbajohr

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BeitragVerfasst am: 10.09.2007, 08:46
g.c.roth (Moderator)
 
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Gerade von Wilhelm Busch gefunden.
Passt einfach zu gut ins Thema cheezy grin

Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich,
So hab' ich erstens den Gewinn,
Daß ich so hübsch bescheiden bin;

Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp' ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;

Und viertens hoff' ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Daß ich ein ganz famoses Haus.

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BeitragVerfasst am: 10.09.2007, 16:08
wgbajohr (Moderator)
 
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Grete schreibt:
Zitat:
Passt einfach zu gut ins Thema

... dem kann ich nur beipflichten.
Als hätte Busch dieses Gedicht eigens für unsere Diskussionsrunde geschrieben ...

Gruß wolf-gero

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