 | wgbajohr: Freizeitpark Deutschland |  |
Verfasst am: 11.11.2007, 20:29 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Verehrte Kolleginnen und Kollegen!
In den Kreisen der Politiker und der Bessergestellten wurde vor einiger Zeit voller Begeisterung der Begriff Freizeitpark Deutschland verwendet. Insbesondere dann, wenn irgendeine Gewerkschaft kürzere oder zumindest nicht verlängerte Arbeitszeiten erreichen wollte.
Auf der anderen Seite gibt es Unzählige, die mit ihrer Zeit nicht auskommen, die am liebsten einen zweiten Tag zur Verfügung hätten. Das eine oder andere Mal werden sie belehrt, wir hätten alle vierundzwanzig Stunden. Wer damit nicht auskomme, teile seine Zeit falsch ein, er müsse Prioritäten setzen.
Mich würde interessieren, wie Ihr darüber denkt.
1. Wie berechtigt ist der Vorwurf, Deutschland sei zum Freizeitpark geworden?
2. Jeder habe vierundzwanzig Stunden, wie es heißt. Wie ist Eure Meinung dazu?
Viele Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 11.11.2007, 20:50 |
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| Hakket (Moderator) |
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Au ja, toll! Super Thema!
(Mal eine Frage nebenbei: Ist das mit dem Freizeitpark positiv oder negativ gemeint? Denn wenn dem so ist, ist es doch toll, dass die Regierung so viele Steuern einnimmt, und wir alle trotzdem so viel Freizeit haben. Das wäre doch ein Zustand, der für alle Länder erstrebenswert wäre.)
Mir deucht es irgendwie, dass wir uns alle almählig wieder an mittelalterliche Zeiten gewöhnen sollen.
Ich denke eher das Problem ist die ach so schön genannte "Gewinnoptimierung". Uns wird eingeredet, der Gewinn des Jahres A muss im Jahr B noch getoppt werden. Da aber irgendwann jeder ein Auto hat, jeder einen Fernseher, jeder einen DVD-Player, können die (Groß)Firmen eben nicht mehr so viel verkaufen - zumindest nicht so schnell.
Kurz: Wir sind satt. Und einen satten Menschen kann man schwer davon überzeugen, noch mehr zu essen.
Wirklich nützliche Neuentwicklungen sind rar - es sei denn, eine Firma hat einen Kloreiniger erfunden, den man sowohl für das Klo INNEN als auch AUßEN benutzen kann - toll!
Die Herren und Damen Politiker erzählen ja auch, dass das Wichtigste sei, Arbeit zu haben. Unsinn! Inzwischen wird genügend Arbeit erfunden, nur damit Arbeit da ist, die kein Mensch braucht. Wir Menschen haben verlernt, etwas sinnvolles mit UNS SELBST anzufangen.
OK, das KÖNNTE jetzt zu sehr langen Diskussionen führen. Ich will auch nicht die alte "Neiddebatte" lostreten, aber hier und da wäre doch ein wenig Mäßigung angesagt.
Dass das nicht funktionieren wird, ist mir auch klar.
Nun ja, die Gewinnoptinierung weiter zu treiben ist nicht leicht, weil die Bürger irgendwann gesättigt sind, aber der Wettbewerb ist ja so wichtig, der Konkurrenzkampf alles, also muss man den Bürger/Arbeitern erklären, dass sie nun noch mehr zu leisten haben und es ihnen eigentlich schon viel zu gut geht. Wenn man nicht mehr verkaufen kann, dann muss man eben an anderen Stellen mehr verdienen, und das geht am einfachsten darüber, die Rechte der Arbeitnehmer zu beschneiden.
Der Tag hat 24 Stunden. Die Arbeit muss getan werden. Viele Menschen können wahrscheinlich gar nichts mit sich anfangen, wenn sie Freizeit haben. Ich denke, jeder muss für sich entscheiden, wo er seine Prioritäten setzt. Für mich ist Arbeit wichtig - weil die Entspannung dann doppelt so schön ist.
Jeder Mensch sollte seine 24 Stunden nutzen, wie er es für richtig hält. Die Politiker sehen das wahrscheinlich anders - jeder soll seine 24 Stunden nutzen, wie SIE es für richtig halten. |
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_________________ In jedem Menschen existieren dunkle Orte, für die es keine offizielle Wegbeschreibung gibt. Und wer glaubt, keinen dieser Orte in sich zu tragen, hat den Weg dorthin nur noch nicht gesucht.
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Verfasst am: 11.11.2007, 21:03 |
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| Hakket (Moderator) |
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Nachtrag:
Bei den Verbalblasen, die sich unsere Politiker inzwischen erlauben, erübrigt sich eigentlich jegliche Diskussion.
Wenn Deutschland ein Freizeitpark ist - prima. Ein Freizeitpark bedeutet: Freiheit, Ausgelassenheit, Freude, Spaß, Glücklichsein, mit der Familie zusammen Unternehmungen machen, Lachen, Zuckerwatte lutschen, etc.
Das ist der Aufschwung, den ich mir wünsche! |
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Verfasst am: 12.11.2007, 07:47 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Hakket!
| Zitat: | | Mal eine Frage nebenbei: Ist das mit dem Freizeitpark positiv oder negativ gemeint? |
Ja, wir haben wirklich eine großartige Regierung. Immerhin schafft sie es - wie Du bereits erwähnst - viele Steuern einzunehmen, obwohl wir so viel Freizeit haben.
| Zitat: | | Mir deucht es irgendwie, dass wir uns alle almählig wieder an mittelalterliche Zeiten gewöhnen sollen. |
Ich vermute, Du meinst damit, wir schauen bereits viel zu sehr auf die Obrigkeit.
| Zitat: | | Ich denke eher das Problem ist die ach so schön genannte "Gewinnoptimierung". |
Das ist ein Punkt über den ich mich seit Jahrzehnten ärgere. Ich fand jedoch niemanden, der gewillt gewesen wäre, in mein Klagelied einzustimmen. Eine Firma sagte ihren Mitarbeitern eine Gewinnbeteiligung zu. In dem Jahr machte sie tatsächlich satte Gewinne. Doch statt der Gewinnbeteiligung erhielten die Mitarbeiter ein Schreiben. Darin wurde darauf hingewiesen, dass die Gewinne etwas unter der Gewinnerwartung geblieben waren, deshalb könne es keine Beteiligung geben. Vielleicht noch erwähnenswert, dass in dem Jahr das Bürogebäude auf die doppelte Größe erweitert wurde, dass eine große Lagerhalle gebaut wurde und dass der Geschäftsführer einen neuen superteuren Mercedes erhielt.
Ich finde, Hakket, das ist ein lohnendes Thema. Du solltest damit vielleicht einen Diskussionsthread eröffnen.
| Zitat: | | Inzwischen wird genügend Arbeit erfunden, nur damit Arbeit da ist, die kein Mensch braucht. |
Damit lassen sich Statistiken herrlich manipulieren, sodass sich die Regierung ein Lorbeerblatt auf die Stirn kleben kann.
| Zitat: | | Wenn man nicht mehr verkaufen kann, dann muss man eben an anderen Stellen mehr verdienen, und das geht am einfachsten darüber, die Rechte der Arbeitnehmer zu beschneiden. |
Die Methode hat sich bewährt. Warum sollten Unternehmer davon abweichen?
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Auf die eigentliche Frage nach den 24 Stunden werde ich in ein paar Tagen eingehen, weil ich hoffe, dass sich noch einige äußern werden.
| Zitat: | | Bei den Verbalblasen, die sich unsere Politiker inzwischen erlauben, erübrigt sich eigentlich jegliche Diskussion. |
Gerade dann ist es wichtig, den Verbalblasen einige ernsthafte Gedanken entgegenzusetzen. Wenn wir schon nichts direkt ändern können, wollen wir wenigstens zeigen, dass wir dieses unschöne Spiel mit uns durchschaut haben.
Viele Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 12.11.2007, 13:41 |
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| Hakket (Moderator) |
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Ich gebe dir völlig recht, eigentlich müssten wir alle erbost aufschreien und uns lauthals Luft über diesen Unsinn machen, der da von oben herunterprasselt. (Und damit meine ich nicht das WETTER!)
Eigentlich.
Denn es ist kein Unsinn. Es ist nicht mal falsch. Es ist sogar vollkommen richtig. (Es gibt ohnehin kein richtig und falsch, es gibt nur den Standpunkt.) Richtig für die Menschen, für die diese Politik gemacht wird.
Ändern können wir nichts - endlich mal jemand, der das auch so sieht. Unsere Politiker sind ja eben nicht dumm. Sie WISSEN, dass ihre Politik nicht für den Bürger gemacht ist. Die Aufgabe der Politik ist es, uns zu ERKLÄREN, dass die Politik für die Bürger gemacht wird. Ein guter Politiker ist ein guter Lügner. Und "Lügner" meine ich jetzt nicht einmal negativ. Wenn mich jemand belügt, und ich schnalle das nicht, dann bin ich zwar erstmal sauer, weil ich belogen wurde, aber derjenige hat meine Anerkennung, weil ich die Lüge nicht bemerkt habe. (Vorrausgesetzt er klärt mich dann auf ... wobei das nun wieder kein guter Politiker tun würde, weil er dann ja ein schlechter wäre )
Wie oft sagen mir Menschen der Generation vor meiner: "Ihr müsst aufstehen, ihr müsst dagegen angehen, ihr müsst euch das zurückholen, für das wir gekämpft haben."
Hmh - ja, stimmt eigentlich.
Eigentlich.
Doch wie ist es denn beim G8-Gipfel gelaufen? Da wurden in den Medien irgendwelche demonstrierende - mit Verlaub - Deppen vorgeführt, die überhaupt nicht wussten, was sie da machten - die von Flugblättern ablesen mussten, für was sie eigentlich sind. Die Medien spielten die Beteiligung an Demonstrationen herunter, und ich WEIß - aus sicherer Quelle -, dass vieles anders war, als wie es dargestellt wurde.
Statistiken behaupten 80% der Bürger sind mit der Regierung zufrieden - nur WER da tatsächlich gefragt wurde, wird nicht gesagt ... ich kann es mir denken.
Der Trick ist doch der: Wenn die Medien erzählen, dass niemand etwas macht, sich niemand aufregt, alle eigentlich zufrieden sind (Manipulation von Statistiken) wird sich niemand trauen aufzustehen, weil er meint, alleine könne er eh nichts ändern. Er hält sich für einen Außenseiter. "Warum soll ICH etwas tun, wenn es sonst niemand macht, wenn es sonst allen gut geht - vielleicht bin ich ja ein Spinner?"
DAS ist Demokratie: 80% sind zufrieden - 20% nicht ... war hat also Recht?
DSDS erzählt uns, dass der und der Sänger der Beste Deutschlands sei - und hey, wir glauben es!
Die Agentur für Arbeit sagt, es gibt weniger Arbeitslose - wir glauben es! (Wobei es ja auch wieder stimmt - die Agentur für Arbeit hat ja TATSÄCHLICH weniger Arbeitslose in ihrer Statistik. Dafür wurde das ALG1 ja auch auf ein Jahr beschränkt, damit die Menschen Hartz IV bekommen und somit nicht mehr in der Statistik der Agentur geführt werden.)
Es spielt keine Rolle, ob und wieviele Menschen auf die Straße gehen. Es wird nichts bringen, weil niemand davon erfährt.
Ich habe mich irgendwann dazu entschieden, mit dem Strom zu schwimmen - aber glaub mir - hier und da werde ich einen Zug in die andere Richtung machen.
Politik interessiert mich. Politik macht mich wütend. Politik amüsiert mich. In dieser Reihenfolge.
Es gibt in dem Buch "Globalia" von J.C. Rufin ein tolles Gesellschaftsmodell. Die Politik und die Industrie hat erkannt, dass das nötige Bruttosozialprodukt ausreicht, um ALLE gut davon leben zu lassen. Die Erschaffung von zusätzlicher Arbeit wäre wirtschaftlicher Unsinn. Also wurde den Bürgern freigestellt, ob sie FÜR jemanden Arbeiten wollen, oder nicht. Das Ergebnis war, dass ca 50% der Bürger gearbeitet hat, und 50% der Bürger AN SICH gearbeiten haben. Denen wurde alles zur Verfügung gestellt, um sich und ihren Charakter zu formen und zu bilden. Sie wurden genauso geschätzt, wie die Arbeiter, weil sie ihre Kenntnisse und "weisen" Charaktere ja auch der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt haben. Warum haben sie es der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt? Weil sie genauso GEACHTET wurden und für genauso WICHTIG gehalten wurden, wie die, die arbeiten gingen. Es wurde ihnen die Möglichkeit gegeben, genauso WICHTIG zu sein.
Nun gut, dieses System brach dann auch zusammen, aber ich fand das eine schöne Idee.
Wir (Deutschen) werden seit x Jahrzehnten nur über unsere Arbeit definiert. Du bist nur wer, wenn du Arbeit hast. Hast du keine, bist du nichts - du bist ein Stachel im Fleisch des Staates. So einfach ist das.
Dieser ganze Wettbewerb ist wahrer Irrsinn. Er bringt nur denen etwas, die ihn ankurbeln. Und wahrscheinlich ist der Begriff "Wettbewerb" ohnehin nur ein Alibi, um die Bürger immer weiter auszupressen.
Mir und dir bringt es GAR NICHTS, wenn wir in irgendeinem Wirtschaftszweig besser sind als Uganda. Wer ein japanisches Auto kaufen will, der kauft ein japansiches. Wer einen Benz will, der kauft sich einen Benz.
Weil man die Rechte der Mercedes-Mitarbeiter beschneidet, wird sich der Japan-Fan nicht dazu entscheiden, sich einen Benz zu kaufen.
Wenn ich jetzt noch etwas über die äußerst lustigen Weltverschwörungstheorien loslassen würde (von denen einige erschreckend passen könnten), gäbe es dieses Gesicht:  |
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Verfasst am: 12.11.2007, 23:48 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 562 | | Wohnort | Hamburg |
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Hallo Hakket!
Während ich Deinen Beitrag las, schwankte ich zwischen dem Vergnügen über Deine Art der Schilderung und dem Ärger darüber, dass es Politiker doch immer wieder versuchen, uns vorzumachen, wir müssten vor allem Wirtschaftswachstum haben, bevor wir an eine Besserstellung der Armen und Ärmsten denken können, dass wir sie aber nicht besser stellen dürfen, weil das nämlich sofort das Wirtschaftswachstum vernichten würde. Dabei kam mir nach längerer Zeit wieder einmal ein Bild mit einem Esel in den Sinn.
Der Esel wird vor einen Wagen gespannt und soll ihn nun natürlich ziehen. Esel genießen zwar nicht so ein hohes Ansehen wie die Pferde, dafür sind sie aber etwas schlauer. An wen erinnert mich das nur? Wenn der Esel nicht will, dann wird er stur und rührt sich nicht vom Fleck. Einem raffinierten Kutscherlein gelingt es dennoch, den Esel zu überlisten. Der Esel sieht vor sich, nur wenige Dezimeter vor seinem Maul ein leckeres Haferbüschel. "Teufel noch mal", denkt der Esel, "so ein kleines Labsal käme mir altem Esel gerade recht." Schon macht er einen Schritt nach vorn. Doch was ist das? Dem Haferbüschel ist er nicht einen Zentimeter nähergekommen. "Das kann nicht möglich sein", stellt unser kluges Eselchen fest, "Haferbüschel können nicht laufen, erst recht nicht fliegen." Ehe es ihm so recht bewusst wird, hat er bereits den nächsten Schritt getan. Und wieder das gleiche Ergebnis, das sich seinem ungläubigen Blick bietet. "Ich muss schneller werden. Ich werde mich doch nicht von einem dummen Haferbüschel hereinlegen lassen. Wenn ich laufen will, dann kann ich es auch. Dieser verflixte Hafer wird sich noch wundern." In unserem Esel erwacht nun die Gier nach Ehre und Anerkennung, überwiegend Ehrgeiz genannt. Dieses Mal will er ganz raffiniert vorgehen. Der Hafer wird gar nicht wissen, wie ihm geschieht. In unserem zu allem entschlossenen Esel jubiliert bereits die Siegerhymne. "Er wird gar nicht wissen, wie ihm geschieht", wiederholt er, "und das geschieht ihm recht!" Wie jemand, der am Hafer überhaupt nicht interessiert ist, schaut unser Eselchen zuerst sehr interessiert nach links, dann auffällig langsam den Kopf bewegend nach rechts. Dem Haferbüschel schenkt er nicht die geringste Aufmerksamkeit. "Soll sich doch dieser blöde Hafer, nun ja, leckere Hafer in Sicherheit wiegen. Ich werde ihn lehren, mich herauszufordern. Bin ich etwa ein Pferd?" Er schüttelte sich vor Missbehagen bei dem Gedanken, ein Pferd sein zu müssen. Als er nun sicher ist, die Wachsamkeit des Hafers ausreichend eingeschläfert zu haben, da stampft er mit seinen Hufen und macht einen überraschenden Satz nach vorn. Schon öffnet er sein Maul, und die gierige Zunge ringelt sich bereits in Erwartung kommenden Hafervergnügens. - Ungläubig blickt er nach vorn und kann es nicht fassen. Das Büschel hat zeitgleich mit seinem überraschenden Satz einen Sprung nach vorn gemacht und ist nun wieder genauso weit von seinem Maul entfernt wie zu Beginn. "Ist es möglich, dass Hafer Gedanken lesen kann? Dann hätte ich natürlich keine Chance. Ich könnte mich noch so sehr anstrengen, der Hafer wüsste es sogleich und würde unmittelbar reagieren." Ein paar Versuche will er noch wagen und die Fähigkeiten des Hafers testen. Schließlich gewinnt ein gewaltiges Gefühl in ihm die Oberhand, er muss, koste es, was es wolle, er muss diesen Hafer haben. Wie bereits gesagt, unser Eselchen ist nicht dumm, es merkt, dass es sich in die Fänge der Habgier begibt. "Es ist egal", entscheidet der von Gier gepackte Esel, "irgendwann müssen wir alle Zugeständnisse machen. Anderenfalls bleiben wir ein Niemand, ein Nichts." Ehe es ihm bewusst wird, läuft er bereits dem Haferbüschel hinterher, ohne dass er ihm näherkommt. "Du magst ja genau so schnell laufen wie ich, du verflixter, leckerer Hafer, aber wie ist es mit der Ausdauer? - Ich werde so lange laufen, bis der Hafer aufgibt. Wenn seine Kondition am Ende ist, dann nützt ihm seine Fähigkeit, Gedanken lesen zu können, gar nichts mehr. Es wäre doch wohl gelacht. Ich gebe mich doch keinem Haferbüschel geschlagen, ich doch nicht! Wer bin ich denn?"
Nach etwa einer halben Stunde spürt er die Zügel, der Kutscher gibt ihm das Zeichen, anzuhalten. "Gott sei Dank“, stöhnt unser Eselchen innerlich. „Das ist auch höchste Zeit, bald hätte ich dieses Tempo nicht mehr halten können. Doch nun hat ja der Kutscher eingegriffen und entschieden, den Kampf abzubrechen. Er als Esel hat nicht aufgegeben, er hat vielmehr in allen Ehren ein Unentschieden erreicht." Voller Zufriedenheit lässt er ein jubelndes "I-a" ertönen. Und wieder einmal traut er seinen Augen nicht mehr. Jetzt hat der Hafer wohl seinen Meister erkannt, denn er nähert sich dem Maul des Esels. Der innere Jubel in dem überglücklichen Esel steigt ins Unermessliche. "Jetzt heißt es, nicht übermütig zu werden", ermahnt sich der Esel, "dem Verlierer gilt es, Achtung zu erweisen." Ein paar Sekunden ist unser Eselchen noch der großmütige Sieger, blickt bewundernd auf den köstlichen Hafer, der sich ihm ergeben hat. Ohne einen ausdrücklichen Befehl erhalten zu haben, öffnet sich sein Maul und lässt die Zunge um die ersten Haferähren tänzeln. Unser glücklicher Esel schließt die Augen und lässt den heiß ersehnten Hafer in sein Maul gleiten. Die Zähne machen sich sofort an die Arbeit. Noch immer hat der Esel seine Augen geschlossen, um den Hafer besser genießen zu können. So sieht er auch nicht, dass der Kutscher das Büschel von der Stange löst, die Stange nach hinten in Richtung Wagen schiebt und den Rest des Büschels mit der Hand an den Esel verfüttert.
"Wir Esel müssen zusammenhalten, dann besiegen wir jeden Hafer."
Viele Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 13.11.2007, 12:39 |
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| Hakket (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 14.09.2007 | | Beiträge | 892 | | Wohnort | Bremervörde |
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Tja, es wäre schön, wenn unsere Regierung mit dem Kutscher vergleichbar wäre.
Ist sie aber nicht. Ein Kutscher ist irgendwann an einem Ziel angekommen.
Unsere Regierung wird ihr Ziel nie erreichen, weil es nicht erreichbar ist.
Und noch viel schöner wäre es, wenn wir Bürger auch nur ansatzweise die Intelligenz eines Esels vorzuweisen hätten.
Es wird jedoch alles dafür getan, dass unser geistiger Horizont unterhalb eines Käsebrötchens bleibt (wie gesagt - noch UNTER dem Brötchen, nicht etwa unter dem Käse, denn da wäre ja noch Butter, und die schmiert wenigstens etwas.) Warum? Ganz einfach: Damit sich unsere Politiker beim Lügen nicht so anstrengen müssen.
Warum nähert sich das Fernsehprogramm immer weiter einer geistigen Nullkurve? Weil sich der Zuschauer an das Niveau gewöhnt. Samstagabends den Zuschauer mit Fragen aus der Grundschule belästigen ... HALLOOOO? Frauentausch ... damit klar wird, dass Intolleranz das Maß aller Dinge ist? Gallileo? Eine Wissenschaftsshow ... BITTEEE ("Der Mond hat keinen Einfluss auf die Natur/den Menschen - in der Badewanne gibts ja auch kein Ebbe und Flut ...")?
Warum versauern wohl unsere Bildungssysteme? Weil es gewollt ist! Warum sollen Frauen Kinder kriegen, gleichzeitig arbeiten gehen und den Nachwuchs in staatliche Einrichtungen stecken? Damit DIE Deppen herangezogen werden, die diese Politik braucht, um ihr Ding weiter so durchziehen zu können. Wir brauchen mehr von den drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen - das perfekte Volk.
Ich habe absolut nichts dagegen, wenn eine Frau eine berufliche Karriere anstrebt - absolut nicht. Wirklich. Aber es ist ihnen doch eingeredet worden, dass die "Pflege" der Familie nichts wert sei, und dass frau Karriere machen muss - weil es ihr RECHT ist, das zu tun.
Laotse meinte einmal (sinngemäß): "Wenn du auf dein Recht bestehst, wählst du den Tod - wenn du auf dein Recht verzichten kannst, wählst du das Leben." (Ausgesprochen passend bei der Vorfahrtsregelung an Kreuzungen ...)
Ich stelle mal eine Behauptung auf: Politik und Religion sind die beiden Dinge, die unsere Welt regieren - weil den Menschen meist nichts anderes übrigbleibt, als an eines von beiden/an beide zu glauben (es wird auch alles dafür getan, dass die Menschen davon abhängig werden). Und beide Dinge laufen nach demselben Schema ab: Beide Systeme stellen Regeln auf, die für den normal denkenden Menschen sinnvoll, klug und einsichtig erscheinen. Als Systemleiter verstoße gegen diese Regeln, da es dein Vorteil ist. Damit es aber nicht auffällt, dass du als Regelaufsteller gegen deine eigenen Regeln verstößt, suche dir immer wieder und immer wieder schnell irgendwelche Personen aus dem Kreis der "Abängigen", die - aus welchen Gründen auch immer - an einer Regel gescheitert sind / oder behaupte einfach, dass sie es sind - und stelle sie an den Pranger. Je lauter du über diesen Regelverstoß schreist, desto weniger wird die Masse auf den Gedanken kommen, dass eigentlich Du derjenige bist, der die von dir aufgestellten Regeln unterwandert.
Diese Vorgehensweise kannst du eigentlich auf das gesamte Weltgeschehen ansetzen. Sie SCHEINT überall vertreten zu sein. Und es funktioniert.
Nimm Religionen, nimm Politik, nimm die Medien, nimm die Vorgehensweise von Amerika (präventiver Erstschlag) ... es ist überall dasselbe.
Noch ein schönes Zitat:
"Wir werden von Schildbürgern regiert. Unsere Regierung besitzt einen Schatz. Sie fährt mit dem Schatz aufs weite Meer hinaus, wirft ihn über Bord und markiert sich die Stelle AM BOOT!"
PS: Wir sollten ein Buch über die Sache schreiben .
Lieben, verschwörerischen Gruß! |
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Verfasst am: 15.11.2007, 11:28 |
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| Adriana |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 487 | | Wohnort | Brandenburg/Havel |
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| Hakket hat Folgendes geschrieben: |
Ich denke eher das Problem ist die ach so schön genannte "Gewinnoptimierung". |
Auf jeden Fall.
Denn wenn die Gewinne eines großen Unternehmens in einem Jahr sehr hoch sind und im nächsten Jahr nur ein klein wenig sinken, springen schon die ersten Aktionäre ab, obwohl das Unternehmen überhaupt nicht in die roten Zahlen gerutscht ist.
Das heißt: Gewinn machen allein reicht nicht - man muss ständig immer mehr Gewinn machen. Die Kapitalisten sind längst nicht mehr Herren des erwirtschafteten Kapitals, denn die Börse hat sich längst zum Selbstläufer entwickelt. Der banale Satz "Geld regiert die Welt" ist also leider sehr wörtlich zu nehmen .
Daher auch das Geplapper der Politiker, dass die Wirtschaft ständig wachsen muss, um mit Turbo-Wachstumsländern wie China mitzuhalten. Ein Irrsinn, dessen Folgen der Club of Rome schon in den Siebzigern aufgezeigt hat.
Nun versetzt uns der Klimawandel in Panik - aber kaum jemand spricht aus, wodurch der tatsächlich verursacht wird: Nämlich durch Turbo-Wirtschaftswachstum, vor allem in Ländern wie China.
Sicher, Wachstum schafft Arbeitsplätze - aber nur kurzfristig, möchte ich behaupten. Irgendwann kommt unweigerlich der Punkt, an dem alles rationalisiert wurde, was zu rationalisieren geht, keine "überflüssigen" Beschäftigten mehr rausgeschmissen werden können, die Produktion fast komplett ins Ausland verlagert wurde und der Markt mit dem Ramsch, den man auf die Weise billig produziert, längst übergesättigt ist.
Und was dann? Irgendeine Bruchbude in der Dritten Welt, wo Kinderarbeit an der Tagesordnung ist und Abwässer ungefiltert in den Fluss gekippt werden, produziert trotzdem noch billiger - und die Investoren freuen sich, weil ein neues, wachstumstarkes Unternehmen auf dem Markt ist
Freizeitpark Deutschland? Das war vieleicht mal in den besten Wirtschaftswunderjahren.
Inzwischen kommt doch kaum jemand, der arbeiten geht oder selbstständig ist, ohne Überstunden oder zweiten Job aus, um die Familie über Wasser zu halten.
Bleiben diejenigen, die theoretisch zu viel Freizeit haben, nämlich die Arbeitslosen ... Doch wenn man sagt, die leben im Freitzeitpark, hieße das für mich, dass sie auch FREIZEITANGEBOTE nutzen können. Dürfte aber schwierig werden, wenn man im Monat nur 345 Euro zur Verfügung hat . |
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Verfasst am: 15.11.2007, 11:50 |
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| Hakket (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 14.09.2007 | | Beiträge | 892 | | Wohnort | Bremervörde |
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Hi Adriana.
Es ist schon lustig zu lesen, dass scheinbar Menschen, die sich in irgendeiner Weise mit Literatur beschäftigen, oftmals einen besseren Durchblick haben .
Hm, was die Erderwärmung angeht ... ich will nicht behaupten, dass der Mensch keine Schuld daran trägt. Aber meines Wissens nach wurde der ach so große und wichtige und aufschlussreiche Bericht über die Erderwärmung "in Auftrag gegeben", und zwar mit der Vorgabe, dass der Mensch schuld daran sein MUSS.
Nochmal: ich zweifel nicht daran. Aber Grönland war auch mal grün ...
Genauso verhällt es sich mit dem Gutachten, dass zu dem Ergebnis kommt, wir Deutschen sein die dicksten Europäer. Dieses Gutachten wurde auch in Auftrag gegeben - von der Pharmaindustrie ... nun zähl mal eins und eins zusammen.
Das mit der Gewinnoptimierung stimmt absolut. Und genau das ist ja der Wahnsinn. Es KANN irgendwann keine Gewinnoptimierung mehr geben. Und vielen Menschen ist leider gar nicht genau klar, was das überhaupt ist. Sie denken dann, dass die Firma Verluste gemacht hat.
Porsche hatte - glaube ich - im letzten Jahr ein Plus von 70% erwirtschaftet. Durch mehr Verkäufe? Nein, durch Aktiengeschäfte.
Die unmenschlichen Aktienmärkte werden uns alle umbringen .
345,-€ ... es sind defakto tatsächlich weniger.
Schön in diesem Zusammenhang ist ja auch die politische Aussage, die Menschen hätten es sich "in der Armut bequem gemacht". Ich meine, was kann man denn noch mehr verlangen? |
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Verfasst am: 15.11.2007, 19:55 |
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| Adriana |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 487 | | Wohnort | Brandenburg/Havel |
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Hallo Hakket,
Meines Wissen wurde der Klimabericht wurde von der UNO in Auftrag gegeben.
Natürlich gab es in der Erdgeschichte öfter mal "natürlichen" Klimawandel, Eiszeiten etc. Aber was jetzt passiert, ist nicht mehr normal ...
Wie auch immer - irgendwo gibt es hier noch einen Klimawandel-Thread .
| Hakket hat Folgendes geschrieben: |
345,-€ ... es sind defakto tatsächlich weniger. |
Stimmt, ein Hartz-IV-Empfänger muss ja auch noch Strom und Versicherungen von seinen paar Kröten bezahlen, soviel ich weiß. Insofern ist es da Facto tatsächlich weniger. Reicht gerade zum Überleben. Ich denke jedenfalls nicht, dass ich damit auskommen würde .
| Hakket hat Folgendes geschrieben: |
Schön in diesem Zusammenhang ist ja auch die politische Aussage, die Menschen hätten es sich "in der Armut bequem gemacht". |
Finde ich schon lustig angesichts der Schätzung, dass in Zukunft - wenn die Globalisierung so weiter geht - vielleicht 20% der arbeitsfähigen Bevölkerung ausreichen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.
Was will man bitte mit dem "doofen Rest" machen? Die können sich doch nur "in der Armut bequem einrichten" und mit einer Grundsicherung auf niedrigem Level zufrieden geben, wenn sie nicht chronisch depressiv werden oder den Aufstand proben sollen.
Da denken die Politiker sehr kurzsichtig, wenn sie meinen, dass sich auch die "faulen" Arbeitslosen in das allgemeine Gerangel um die wenigen offenen Stellen einreihen sollen.
Oder sie versuchen mit solchen Statements die Konzerne bei Laune zu halten, damit die nicht ins Ausland abwandern. Nützt aber nix - siehe oben
Die Produktivität unserer Wirtschaft würde im Grunde locker ausreichen, um Deuschland in einen "Freizeitpark" zu verwandeln, wo alle nur noch halbtags arbeiten - wenn überhaupt.
Das ist nur gar nicht im Sinne der Konzerne, die die Masse frustrierte Arbeitsloser als Druckmittel brauchen. Wie sonst ließe sich bei gleichbleibenden oder sinkenden Gehältern immer mehr Arbeitsleistung rausmelken?
Klar, wenn die Leute Angst haben, ihren Job zu verlieren.
Warum? Weil sie dann in die Armut fallen?
Natürlich ist das für viele ein Grund, nicht aufzumucken. Trotzdem hat ein Teil der Geringverdiener unterm Strich weniger als Hartz IV. Aber weil uns permanent eingeredet wird, dass wir nichts wert sind, wenn wir nicht mindestens 8 Stunden am Tag arbeiten, malochen sie weiter uns lassen sich dabei die fiesesten Bedingungen gefallen.
Dabei wird als "Arbeit" nur solche bezeichnet, die der Gewinnmaximierung von unternehmen dient. Dass Hausarbeit, Familie, ehrenamtliche Tätigkeit etc. auch nicht immer Freizeitvergnügen ist, fällt dabei völlig unter den Tisch.
Mein Nachbar, der von einem Zeitarbeitsjob zum nächsten gejagt wird, manchmal 17 Stunden am Stück auf dem Bau schuftet und dabei weniger verdient als ich mit einer Halbtagsstelle ist das beste Beispiel für diesen Wahnsinn. Wenn er gegen die Machenschaften der Zeitarbeitsfirma (die genau genommen illegal sind) protestieren würde, wäre er weg vom Fenster .
Freizeitgesellschaft? HALLO?
Natürlich gibt es auch immer diejenigen, die sich in der sozialen Hängematte ausruhen - aber die Mehrheit ist das nicht. |
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Verfasst am: 15.11.2007, 21:41 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Adriana und Hakket!
Es kribbelt in meinen Fingern, und es knistert unter der Schädeldecke. Mit meinem „harmlosen“ Aufruf, im Zusammenhang mit dem Begriff „Freizeitpark“ und den24 Stunden eines Tages einmal über die Freizeit nachzudenken, hat ja ein gewaltiges Thema hervorgebracht. Wie gesagt, es kribbelt und knistert bei mir und drängt mich, bei der Diskussion eifrig mitzumachen. Doch mit Rücksicht auf eine meiner vielen Schwächen, mich nämlich zu verzetteln, muss ich mich zurückhalten, auch was unser gemeinsames Buch betrifft, geschätzter Hacket. Ich werde mich hart anpacken und meinen Thread mit der Auflösung des Freizeitthemas beschließen. In meiner Pipeline warten etliche Vorhaben auf den Abschluss.
Der Tag hat 24 Stunden, und zwar für jeden. Dagegen ist nichts zu sagen. Doch die üblicherweise als Nächstes folgende Aussage ruft bereits meinen Widerspruch hervor. Zähle ich von den 24 Stunden die Arbeitszeit ab, erhalte ich die Freizeit, das heißt, dem normalen Arbeitnehmer bleiben bei 8 Stunden Arbeitszeit 16 Stunden Freizeit, dem Arbeitslosen sogar 24 Stunden. Was ich nicht verstehe, ist, dass die Massen an dieser Stelle nicht aufschreien, wie sie es tun, wenn bei einem Fußballspiel ein angebliches Tor nicht gewertet wird.
Was heißt eigentlich Freizeit? - Das ist die Zeit, die wirklich völlig frei ist von irgendwelchen Verpflichtungen und nicht nur von Berufstätigkeit. Jede Zeiteinheit, über die ich nicht frei verfügen kann, ist keine Freizeit. Der Weg zur Arbeit und zurück, die Zeit unter der Dusche, das Essen, die Zeit für die Steuererklärung, der Weg zu einer Behörde und vieles andere mehr.
Es gibt Rentner, deren Tag ja angeblich nur aus Freizeit besteht, deren Zeit jedoch zu einem großen Teil für Arztbesuche verbraucht wird. Was bei ihnen unter dem Strich als theoretische Freizeit bleibt, das wird durch den Rückgang der Leistungsfähigkeit und den höheren Zeitbedarf für einzelne Tätigkeiten aufgebraucht.
Ich habe keine Zeit. Das ist eine häufig zu hörende Erklärung, wenn jemand für eine Aufgabe nicht die erforderliche Zeit aufbringen will oder kann. Die übliche Antwort lautet dann: Wir haben alle 24 Stunden. Dass das nur bedingt richtig ist, sollten bereits die vorangehenden Zeilen belegt haben. Auch der Fleißigste schafft nicht immer alles, was ihm täglich auf den Tisch gelegt wird. Er muss folglich Prioritäten setzen. Aber dadurch, dass jemand Prioritäten setzt und so in gewissem Umfang Entscheidungsfreiheit hat, wird die Zeit, über die er verfügt, nicht zur Freizeit. Denn erst die uneingeschränkte Verfügungsgewalt über Zeit macht Zeit zu Freizeit. Legt er dagegen nur fest, dass er zunächst in die Autowerkstatt fährt und erst danach zum Einkaufen, dann sind die beiden Zeiträume mitnichten Freizeit. Selbst Angenehmes, zu dem man gezwungen wird, verhindert, dass Zeit zu Freizeit wird. Essen mag angenehm sein, aber es ist etwas, wozu uns unser Körper drängt: Wir müssen essen, um nicht zu verhungern.
Der Begriff „Freizeitpark Deutschland“ kann nur dann aufkommen, wenn die fehlerhafte Rechnung „24 Stunden minus Arbeitszeit“ als Grundlage genommen wird. Hiermit soll Stimmung gegen die Armen gemacht werden. Das Endziel, so können wir vermuten, ist es wohl, die bereits bei vielen vorhandene Abneigung gegen die materiell und finanziell Ausgegrenzten noch zu verstärken. Uns grüßt der diskriminierende Ausspruch „Wer keine Arbeit hat, ist nur zu faul zu suchen, denn wer wirklich danach sucht, findet auch Arbeit.“ Wenn zwei Drittel der Wählerschaft überzeugt sind, dass es Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern dafür, dass sie nicht arbeiten, viel zu gut geht, dann kann sich das letzte Drittel Arme und Beine ausreißen, es wird einfach überstimmt. Die Ärmsten der Armen haben keine Lobby, denn die übt ihre mehr als zweifelhafte Tätigkeit nicht ohne Bezahlung aus. Und wer kann wohl besonders gut zahlen? Sind es die Ärmsten der Armen oder vielleicht die Reichsten der Reichen?
Hat sich in den Köpfen erst einmal festgesetzt, dass die Ärmsten der Armen ihre finanzielle Lage selbst verschuldet haben, dass es ihnen in der sozialen Hängematte (oder Armutsmatte) trotzdem besser, als eigentlich verdient, geht, dann kommt kein Mitgefühl mehr auf, erst recht kein Bestreben, die Lage dieser Erniedrigten und Beleidigten zu bessern. … und die Wirtschaft im Verbund mit der Politik kann noch mehr aus allen herausquetschen.
So, nun habe ich erst einmal wieder genug Dampf abgelassen.
Viele Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 16.11.2007, 12:02 |
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| Hakket (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 14.09.2007 | | Beiträge | 892 | | Wohnort | Bremervörde |
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Lieber Wolf-Gero,
dass wir uns manchmal verzetteln ist normal. Und es ist auch gut so, alles andere sollte uns Angst machen. (Der Sinn der Philosophie - stelle eine These auf und warte darauf, dass sie widerlegt wird.)
Das mit dem Buch war auch nicht so ernst gemeint, ich würde mich wahrscheinlich mehr über das Thema aufregen, als dass ich zum schreiben kommen würde.
FREIzeitpark. Der Begriff trägt das Wort FREI in sich. Sollte es nicht für einen Staat erstrebenswert sein, dass die Menschen FREI sind?
Ok - Wortklauberei.
"Sie wollen ja gar nicht arbeiten!" ... Ähm, mal ganz im Ernst und absolut objektiv: WER WILL DAS SCHON? Ich meine, wer will seine Zeit anderen Menschen zur Verfügung stellen und dafür einen Lohn bekommen, der ZWINGEND unter dem liegt, was seine Arbeit leistet? Denn wie anders kann es funktionieren? Arbeit, die man für einen Konzern leistet, muss zwangsläufig unterbezahlt sein, sonst würde der Konzern ja keine Gewinne machen. (Ja, ich weiß, das ist populistisches Geschwätz )
Dean Koontz hat in dem Roman "Bote der Nacht" eine philosophische Vereinigung beschrieben, die sich "Bioehtiker" nennt. Diese Leute gibt es tatsächlich. Und sie haben unser Problem erkannt. Es wird früher oder später zu viele Menschen geben, die (berichtigterweise oder unberechtigterweise) ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Das geht natürlich nicht. Unsere Ressourcen werden bald erschöpft sein - sprich, wir sind zu viele. Die Menschen haben keine Feinde - außer sich selbst (von dieser Warte aus gesehen, machen sogar Kriege Sinn).
Also schlagen diese Leute vor,dass alle Menschen, die nicht nachweislich einen Nutzen für die Gesellschaft erbringen, "getilgt" werden. Kinder, die mit Behinderungen auf die Welt kommen, von denen man weiß, dass sie ihr Leben lang betreut werden müssen - weg damit. Ein Fussballstar, der zwar nichts in der Birne hat, aber durch seine Ballfertigkeit die Massen erfreut, hat seine Daseinsberechtigung - solange, bis er vielleicht so schwer verletzt wird, dass er nie wieder spielen kann ... sofort "weg mit ihm". Menschen, die einen IQ von unter 100 haben - weg damit.
Das Ganze ist kein Scherz, und es ist sogar nachvollziehbar. Groteskerweise. Es gibt die natürliche Auslese. Wir Menschen sind so gestrickt, dass wir eigentlich den Schwächeren helfen. Das behindert aber eben diese Auslese, und es behindert diejenigen, die eventuell mehr leisten könnten und die Menschheit damit noch weiter nach vorne bringen könnten. Eine Auslese, die von den intelligentesten Unserereins vollführt wird, sorgt definitiv zu einer Verbesserung derjenigen, die dann noch übrig sind - unbestritten.
Wie gesagt, die Theorie stammt nicht von mir (kommt aus Amerika ), und ich finde sie unmenschlich. Wenn ich mein "Menschsein" jedoch abschalte, ist sie plausibel.
Aber ich habe das Gefühl, dass wir sehr bald in diese Richtung steuern werden, wenn wir es nicht schon tun. Das Problem dabei ist, dass die, die uns "Auslesen" wollen, definitiv NICHT die Intelligenz haben, um das zu tun.
Liebe Adriana,
das mit dem Klimawandel bezweifel ich eigentlich auch nicht. Man muss sich nur fragen, ob wir Menschlein, die ja noch nicht so lange auf der Welt sind, überhaupt erkennen können, was da vor sich geht. Ich glaube, so lange "überwachen" wir das Klima noch gar nicht. Die Gelehrten streiten sich noch immer darüber, was die Dinos ausgelöscht hat und die Eiszeit verursacht hat. Dass es immer mehr Naturkatastrophen gibt ... das mag sein. Oder auch nicht - vielleicht wird es uns inzwischen nur bewusster?
Ich glaube mittlerweile keinem "Gutachten" mehr. Ein "Gutachten" will IMMER etwas bezwecken. Und man sollte sich diejenigen, die es in Auftrag geben, sehr genau anschauen und sich fragen, was die damit bezwecken wollen / haben / könnten?
Das Druckmittel der Wirtschaft gegen die Arbeitslosen - gefühlsmäßig war mir das bewusst, ich hätte es jedoch nicht so treffend ausdrücken können - danke dafür!
Und nochmal: Ich habe mich mit einem Bekannten mal eine sehr lange Zeit mit Verschwörungstheorien beschäftigt. Wenn nur 10% davon stimmen, können wir uns alle die Kugel geben ...
Aber "Kopf hoch"! Solange wir noch leben (dürfen), sollten wir versuchen, Spaß zu haben.
Gruß |
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_________________ In jedem Menschen existieren dunkle Orte, für die es keine offizielle Wegbeschreibung gibt. Und wer glaubt, keinen dieser Orte in sich zu tragen, hat den Weg dorthin nur noch nicht gesucht.
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Verfasst am: 16.11.2007, 16:56 |
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