 | wgbajohr: Verantwortlichkeit - Prolog |  |
Verfasst am: 21.06.2007, 03:15 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Verantwortlichkeit – Prolog
Möglichst vor den übrigen Beiträgen zum Thema Verantwortlichkeit lesen
In den Beiträgen zum Thema „Verantwortlichkeit“ geht es nicht um eine Beschreibung des Ist-Zustandes, sondern darum, wie es nach meiner Vorstellung in einer Gesellschaft mit starken Charakteren sein sollte
„Verantwortlichkeit“ ist Teil einer umfangreicheren Ausarbeitung, in der es um Voraussetzungen für eine gerechtere Gesellschaft geht. Die anderen Teile sind:
„Fähig und bereit, zu kritisieren“;
„Achtung vor dem Andersartigen“;
„Abkehr von jeder Form der Gier“;
„Abkehr von Hass und Neid“
sowie
„Abkehr von jeder Gewalt“
Verantwortlichkeit
Mit diesem Begriff soll eine überaus wichtige Eigenschaft des Menschen in einer von Gerechtigkeit geprägten Leistungsgesellschaft beschrieben, das heißt definiert und von anderen Begriffen abgegrenzt werden
Zur Benennung der geforderten Eigenschaft habe ich mich für den Begriff „Verantwortlichkeit“ entschieden, weil die Definitionen* für die deutsche Gemeinsprache bereits weitgehend das aussagen, was ich mir vorstelle, sodass ich das theoretische Bedeutungsfeld fast unverändert übernehmen kann.
* Duden „Bedeutungswörterbuch“
In Einzelnen werden die folgenden Begriffe
in der jeweils angegebenen Bedeutung verwendet:
sich verantworten: sein Verhalten oder seine Absicht rechtfertigen
verantwortlich: Verantwortung tragend
Verantwortung: Verpflichtung, eine Entscheidung, eine Verhaltensweise, eine Äußerung o. Ä. zu verantworten
sich rechtfertigen: sich verantworten
Wichtiger Hinweis
Im täglichen Gebrauch dieser Begriffe (selbst bei Presse, Funk und Fernsehen) wird häufig von den Definitionen der Gemeinsprache abgewichen, wobei insbesondere verantwortlich in die Nähe von schuldig gerückt wird.
Im Gegensatz dazu gilt in unseren Beiträgen zur Verantwortlichkeit
per definitionem
die strikte Trennung von verantwortlich und schuldig
In den Beiträgen zur Verantwortlichkeit wird dargelegt, wer bei welcher Gelegenheit und warum dem Kreis der Verantwortlichen zugerechnet wird.
Dabei kommt es hin und wieder zu erheblichen Abweichungen
von den allgemein üblichen Zuordnungen,
was leicht zu Irritationen führen kann.
Ohne hier auf Einzelheiten eingehen zu können, sei zumindest die grundsätzliche Zuordnung eines Menschen zum Kreis der Verantwortlichen definiert:
Ein Mensch gehört zum Kreis der Verantwortlichen,
wenn es ihm zumindest theoretisch möglich ist, das Geschehen zu beeinflussen.
Was bedeutet es, zum Kreis der Verantwortlichen zu gehören?
Wer zu den Verantwortlichen gehört, hat die Verpflichtung,
sich vor seinem intakten Gewissen zu verantworten.
Dieses mahnende Gewissen drängt ihn,
im Rahmen seiner Möglichkeiten
alles zu unternehmen,
um etwas so zu beeinflussen,
dass er das Ergebnis
vor seinem äußerst kritischen Gewissen rechtfertigen kann.
Vielleicht etwas konkreter:
Im Rahmen seiner Möglichkeiten ist der Verantwortliche gehalten,
sich um das Vermeiden, Verhindern oder wenigstens Vermindern von
Ungerechtigkeiten zu bemühen.
„Möglichkeiten“ ist naturgemäß der Schlüsselbegriff:
Mancher hat kaum welche oder gar keine, ein anderer viele.
Das Urteil über die Qualität des Eingreifens fällt das eigene Gewissen.
Es sollte deutlich geworden sein, dass man zwar sehr leicht in den Kreis der Verantwortlichen gerät, dass die damit verbundenen Pflichten aber von den persönlichen Möglichkeiten abhängen.
Um auch letzte Zweifel zu zerstreuen,
sei explizit darauf hingewiesen,
dass die Zuordnung zum Kreis der Verantwortlichen
nur innerhalb des eigenen Kopfes stattfindet.
Niemand muss sich vor anderen rechtfertigen,
denn die hier gemeinte Verantwortlichkeit bezieht sich nur auf das eigene Gewissen.
Sollte jemand obendrein schuldig sein, so bleibt die Schuld selbstverständlich eine Aufgabe für Strafverfolgung und Justiz.
Zum Schluss noch ein Gedanke vom Anfang:
Die Eigenschaft, die hier Verantwortlichkeit genannt wird,
ist ein einzelner, wenn auch äußerst wichtiger Teil
eines Entwurfs für eine gerechtere Gesellschaft.
Für sie braucht man Menschen, die über bestimmte Eigenschaften verfügen.
Was das für Eigenschaften sind,
wird in dem Entwurf ausführlich dargelegt.
Hoffnung auf eine Wendung der gesellschaftlichen Entwicklung ergibt sich allerdings erst aus dem harmonischen Zusammenwirken aller oben angeführten Eigenschaften.
Wer sich in unserer von Hass, Gewalt und Gier in ihren vielfältigen Formen geprägten Gesellschaft einen angenehmen Platz erobert hat, wird vermutlich gegen jede Änderung sein, aber wer unsere Gesellschaft für verbesserungswürdig hält und meint, zu dem aktuellen Thema „Verantwortlichkeit“
etwas beitragen zu können,
ist herzlich eingeladen,
seinen Beitrag in den Thread Verantwortlichkeit zu stellen.
Wolf-Gero Bajohr
18.06.2007 |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 18.09.2007, 11:36 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Habe gerade eine aktuelle kuriose Meldung zum Thema "Verantwortlichkeit" gefunden:
| Zitat: | Ernie Chambers, Abgeordneter des Parlaments im US-Staat Nebraska hat Strafanzeige gegen Gott gestellt. Er macht geltend, dass Gott für terroristische Drohungen verantwortlich sei, Angst verbreite und «unter Abermillionen von Erdbewohnern Tod, Zerstörung und Terror» verursacht habe. Eingereicht wurde die Klage im Bezirk Douglas. Chambers hält das dortige Gericht für zuständig, da Gott überall sei.
Der Senator will mit seinem Vorstoß nach eigenen Angaben die abstrusen Seiten des amerikanischen Rechtswesens deutlich machen, in dem jeder jeden verklagen könne. Gott hat er sich ausgesucht, weil er religionskritisch eingestellt ist und während der Parlamentssitzungen die morgendliche Gebetsrunde schwänzt. Gott habe Wirbelstürme, Überschwemmungen und Tornados verursacht, erklärte Chambers. Dies wolle er mit einer Einstweiligen Verfügung stoppen. |
Fällt unter die Kategorie: "IST-ZUSTAND"
LG Grete |
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Verfasst am: 18.09.2007, 20:45 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Grete!
Irgendwie fehlt mir etwas, seit die Diskussionen auf Eis liegen. Um so mehr freue ich mich, wenn dann doch noch der eine oder andere Beitrag erscheint.
Es stimmt, das ist der Ist-Zustand, bei dem Schuld und Verantwortlichkeit in einen Topf geworfen werden. Aber selbst bei Schuld stellt sich die Frage, wie wir Gott vor Gericht stellen wollten.
Zumindest so, wie ich selbst Gott und seinen Gegenspieler mit den zahlreichen Namen verstehe, zwingt keiner von beiden die Menschen zu einem bestimmten Verhalten. Wir selbst entscheiden und bleiben damit verantwortlich.
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 18.09.2007, 21:18 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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Hallo Wolf-Gero,
Gott wird wissen wie er mit seiner Verantwortlichkeit umgeht. Ihn zur Verantwortung zu ziehen, wäre anmaßend. Einen Schudigen muss es geben. Jetzt ist eben Gott dran. Er wird bestimmt nicht widersprechen.
Er hat uns den Weg gezeigt, wir müssen ihn nur gehen.
Jeder für sich alleine. Jeder entscheidet für sich selbst. Wie Du sagst:
Es ist unsere eigene Verantwortlichkeit.
Gruß Rita |
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_________________ „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 20.09.2007, 00:48 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Rita!
Wie man auch immer zu dem stehen mag, was angeblich oder tatsächlich von Gott selbst kommt oder was über Ihn erzählt wird, ein faszinierendes Wesen bleibt Er - zumindest für mich.
Obwohl Er für viele bereits ein Vollkommenes Wesen ist, lässt sich nicht übersehen, dass Er sich verändert hat, und zwar vom Machtwesen im Alten Testament zu einem Gott, der im Neuen Testament reine Liebe verkörpert. Schließen sich Vollkommenheit und Änderung nicht aus? Oder gibt es Erklärungen, die den Widerspruch aufheben?
Eine gute Nacht wünscht
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 20.09.2007, 07:50 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Guten Morgen, Wolf-Gero!
Eine Erklärung, die den Widerspruch aufheben kann, ist die Definition von Macht.
Es ist in der Bibel die Rede von der „Macht der Liebe“ oder auch die „Kraft der Liebe“. Macht muss nicht immer negativ sein. Wenn man davon ausgeht, dass es jede Menge Übersetzungsfehler in der Bibel gibt (und ich tue das, weil ja die Bibel und das Wort Gottes auch von Machtinhabern gezielt missbraucht wurde/wird, um Menschen gefügig zu machen) – , dann kann man das Wort „Macht“ durch das Wort „Kraft“ oder durch das Wort „Energie“ tauschen. Und schon ist der Widerspruch verschwunden. Und die Allmächtigkeit ist wieder vollkommen, wenn man daraus die "allesdurchdringende (Lebens)energie" macht.
LG Grete |
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Verfasst am: 20.09.2007, 14:21 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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Hallo Wolf-Gero,
Gott ist und bleibt allmächtig.
| Zitat: | | faszinierendes Wesen bleibt Er - zumindest für mich. |
Für mich ebenso. Gott ist die Vollkommenheit, reine Energie. Verändert haben sich die Menschen und die Bibel von Zeit zu Zeit immer wieder neu interpretiert. Aber Gott ist so wie er immer war. Für mich jedenfalls gibt es keinen "geänderten Gott".
Gruß Rita
PS. Hiermit verabschiede ich mich für 3 1/2 Wochen. Am Sonntag geht es in den Familienurlaub nach Hessen.  |
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Thomas Mann
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Verfasst am: 23.09.2007, 04:13 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Grete!
| Zitat: | | Macht muss nicht immer negativ sein |
Ich gehe sogar einen Schritt weiter. Nicht anders als ein Messer ist Macht zunächst einmal völlig neutral, erst der Einsatz liefert die Basis für eine Wertung. Verwende ich das Messer zum Schneiden von Brot, wird darin wohl niemand etwas Anrüchiges sehen. Dient das Messer jedoch als Mordwerkzeug, rufen sofort viele, Messer müssen verboten werden. Wer etwas bewirken will, kommt nicht ohne Macht aus. Der Zweck heiligt bekanntlich nicht die Mittel, aber er unterscheidet den Einsatz von Macht. Nutzt ein Regierungschef seine Macht, um Armut und andere Ungerechtigkeiten zu bekämpfen, oder dient sie ihm dazu, seine Finanzpolster zu vergrößern, oder gar dazu, seine Gegner ins Gefängnis zu stecken? Die Antworten werten den Einsatz.
und
Gerade im Zusammenhang mit Liebe nähern sich Macht und Kraft stark an. Wir kennen es mehr oder weniger alle, wie mächtig Liebe sein kann, wie sie einen besonnenen Menschen törichte oder lebensgefährliche Dinge tun lassen, wie sie ihm aber auch Kraft verleiht, Schwierigkeiten zu überwinden.
Soweit kann ich folgen, doch ich sehe nicht, wo Du den Widerspruch zwischen Vollkommenheit und Änderung aufhebst, auch nicht, wenn Du die Energie hinzunimmst. Ich fürchte, dass ich mit meinem eilig hingeworfenen Beispiel den von Dir gewählten Weg provoziert habe, indem ich den alttestamentarischen Gott dem Gott des Neuen Testaments gegenüberstelle. Da stehen Machtdemonstrationen und der Wunsch, die Menschen sollten Ihn fürchten, auf der einen Seite und auf der anderen der Wille, nicht gefürchtet, sondern geliebt zu werden. Liebe und Macht stehen hier nur als Beispiele.
Mein Gedankengang weicht davon ab.
1. Vollkommenheit verbinden wir mit der Behauptung, es gebe nichts zu verändern, denn jede Änderung würde uns von der Vollkommenheit entfernen. Damit sind Vollkommenheit und Veränderung Gegensätze.
2. Die Veränderung ist jedoch da. Wir leben in einer Welt, in der die Veränderung das Konstante ist.
3. Für Vollkommenes bedeutet das aber, dass es nur vorübergehend vollkommen ist, nämlich so lange, bis die Änderungen einen Zustand erzeugt haben, der dem Vollkommenen das Vollkommene nimmt und damit zum Unvollkommenen werden lässt.
4. Damit das ehemals Vollkommene wieder zum Vollkommenen wird, bedarf es einer entsprechenden Änderung.
5. Wir können jetzt behaupten, wirklich Vollkommenes ist nur denkbar, wenn es ihm durch ständige Anpassung an die sich unaufhörlich ändernde Welt gelingt, immer wieder vollkommen angepasst zu sein.
Noch einen angenehmen Rest der Nacht und schöne Träume von Vollkommenheit oder vielleicht doch lieber von Unvollkommenheit (?)
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 23.09.2007, 04:39 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Rita!
| Zitat: | | Verändert haben sich die Menschen und die Bibel von Zeit zu Zeit immer wieder neu interpretiert. Aber Gott ist so wie er immer war. Für mich jedenfalls gibt es keinen "geänderten Gott". |
Ich halte es durchaus für denkbar, dass die Unterschiede zwischen dem Gott des Alten Testaments und dem des Neuen Testaments nur Interpretationsergebnisse sind.
Keine reinen Interpretationsunterschiede sind dagegen die ständigen Veränderungen der Welt. Sie erfordern den Zwang zur Anpassung, sofern das Attribut Vollkommenheit angestrebt wird. (Ausführlicher im vorangehenden Beitrag!)
Viele Grüße (sie erreichen Dich wohl erst nach Deinem Urlaub)
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 30.09.2007, 06:34 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Guten Morgen, Wolf-Gero,
| Zitat: | Mein Gedankengang weicht davon ab.
1. Vollkommenheit verbinden wir mit der Behauptung, es gebe nichts zu verändern, denn jede Änderung würde uns von der Vollkommenheit entfernen. Damit sind Vollkommenheit und Veränderung Gegensätze.
2. Die Veränderung ist jedoch da. Wir leben in einer Welt, in der die Veränderung das Konstante ist.
3. Für Vollkommenes bedeutet das aber, dass es nur vorübergehend vollkommen ist, nämlich so lange, bis die Änderungen einen Zustand erzeugt haben, der dem Vollkommenen das Vollkommene nimmt und damit zum Unvollkommenen werden lässt.
4. Damit das ehemals Vollkommene wieder zum Vollkommenen wird, bedarf es einer entsprechenden Änderung.
5. Wir können jetzt behaupten, wirklich Vollkommenes ist nur denkbar, wenn es ihm durch ständige Anpassung an die sich unaufhörlich ändernde Welt gelingt, immer wieder vollkommen angepasst zu sein.
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Diese Punkte untermauern meiner Ansicht nach meine Theorie. Wobei ich immer wieder dazu sagen muss, die Voraussetzung ist die Definition eines Wortes. Wenn Du z.B. unter Punt 1 schreibst: "Vollkommenheit verbinden wir mit der Behauptung...." Dann gehtst Du davon aus, dass alle die gleiche Vorstellung von Vollkommenheit haben. Nämlich ein Endzustand der ohne Bewegung ohne Lebendigkeit ist. Für diesen Zustand gibt es kein einziges Beispiel in der Naturwissenschaft. Selbst der Felsen verändert sich und die älteste uns bekannte Materie unterliegt dem ständigen Wandlungsprozess: das Universum. Deshalb ist für mein Verständnis die Vollkommenheit kein starrer Endzustand, sondern ein Prozess des Wandels.
Der Vorgang z.B. der Entstehung eines neuen Lebens ist für mich ein Beispiel für Vollkommenheit. Dennoch unterliegt der Prozess einer ständigen Veränderung der äußeren und inneren Form – vom Anfang im Mutterleib / oder Ei – über Geburt, wachsen, altern bis hin zum Vergehensprozess der Materie. Wandel ist nicht gleich Unvollkommenheit. Und Vollkommenheit kann kein Stillstand sein. Alles verändert sich vom Sichtbaren in etwas Nichtchtbares - und es geht nie auf dem gleichen Weg zurück. Was wir davon wissen, ist lediglich, dass alles sichtbare früher oder später mit der sie umgebenden Materie verschmilzt. (Deshalb übrigens ganz am Anfang unserer Diskussionen vor einigen Monaten, mein Einwand, dass es mir nicht möglich erscheint, einzelne Themen vom Ganzen abgespalten zu diskutieren.) Der Prozess ist Vollkommen, weil er sich in ständigem Wandel befindet, der in jedem Augenblick vollkommen ist. Den Prozess in Abschnitte und Zeiteinheiten aufzuteilen, ist ein menschliches Hilfsmittel, das für mein Verständnis den Prozss willürlich stückelt und das Begreifen eher erschwert als erleichtert. Der Wandel selber ist die Energie der Vollkommenheit. Deshalb kann Vollkommenheit für mich nur ständige Veränderung bedeuten. Sollte der Mensch eines Tages sein angestrebtes Ziel der Vollkommenheit erreichen und gottgleich werden, dann wird er nicht mehr sichtbar und vom Wandel und der Veränderung ausgeschlossen sein.
LG Grete |
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Verfasst am: 01.10.2007, 04:24 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Grete!
Danke für Deinen Beitrag. Unabhängig davon, wie weit ich mit den einzelnen Punkten übereinstimme, habe ich mich über die Argumente sehr gefreut. Ich spüre immer wieder, dass Du Dich auf die einzelnen Themen einlässt. Auch wenn wir nicht immer die Zeit und die Geduld haben, jeden Gedanken bis zur Grenze unserer Erkenntnisfähigkeit zu verfolgen, so ist es dennoch etwas, was wir uns häufiger gönnen sollten, denn es bringt uns nicht nur neue Erkenntnisse, es ist überdies ein wahres Stück Lebensqualität, zu denken und sich über das Gedachte und Erdachte mit anderen auszutauschen.
| Zitat: | | Dann gehtst Du davon aus, dass alle die gleiche Vorstellung von Vollkommenheit haben. Nämlich ein Endzustand der ohne Bewegung ohne Lebendigkeit ist. |
Zwar nicht jeder, aber durchaus sehr, sehr viele würden mir zustimmen, wenn ich vollkommen als einen Zustand definiere, an dem nichts mehr zu verbessern ist. Was bei mir erst als Quintessenz des Überlegens herauskommt, dass nämlich Vollkommenheit nichts Unveränderliches sein kann, das stellst Du bereits wie ein Axiom an den Anfang.
| Zitat: | | Selbst der Felsen verändert sich und die älteste uns bekannte Materie unterliegt dem ständigen Wandlungsprozess: das Universum. Deshalb ist für mein Verständnis die Vollkommenheit kein starrer Endzustand, sondern ein Prozess des Wandels |
An dieser Stelle müssen wir zwischen den einzelnen Begriffen deutlicher unterscheiden. Aus dem ersten der beiden zitierten Sätze ist eine Behauptung frei von jedem Zweifel zu ersehen, dass sich nämlich alles verändert. Wie passt nun Vollkommenheit in dieses Geschehen? – Sicherlich nicht als etwas Unveränderliches und ebenso nicht, wie sich gleich zeigen wird, als ein Urteil über unser Sein. Wir sind nicht vollkommen, allenfalls kann unser Verhalten als eine Reaktion auf veränderte Bedingungen in Richtung Vollkommenheit streben. In dieser Bedeutung ist die Negativausfertigung von Vollkommenheit das Unvermögen, auf Veränderungen angemessen zu reagieren.
| Zitat: | Der Vorgang z.B. der Entstehung eines neuen Lebens ist für mich ein Beispiel für Vollkommenheit. Dennoch unterliegt der Prozess einer ständigen Veränderung der äußeren und inneren Form – vom Anfang im Mutterleib / oder Ei – über Geburt, wachsen, altern bis hin zum Vergehensprozess der Materie.
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Über die Entstehung neuen Lebens weichen unsere Auffassungen offensichtlich voneinander ab. Selbstverständlich sehe auch ich etwas Beeindruckendes und Anrührendes darin, dass aus dem Verhalten der Vorgängergeneration neues Leben entsteht. – Aber vollkommen mag ich es trotzdem nicht nennen, denn nach meiner Auffassung hieße das, es gäbe nichts zu verbessern. Es ließe sich jedoch manches verbessern. Ich denke nur an die Schmerzen, die Ihr Frauen während der Entbindung ertragen müsst. Vielleicht ist es tatsächlich eine Folge davon, dass wir von dem Baum der Erkenntnis gegessen haben. Der Wissenszuwachs führte möglicherweise zur Vergrößerung des Gehirns und zugleich zu der des Schädels, was dann wiederum auf die Frauen zurückfiel. Das ist natürlich eine meiner Spekulationen.
| Zitat: |
... mein Einwand, dass es mir nicht möglich erscheint, einzelne Themen vom Ganzen abgespalten zu diskutieren. |
Darauf lässt sich mit einem Ja und einem Nein antworten. Eine Diskussion schwebt ständig in der Gefahr, an der Realität vorbeizugehen, wenn wir das Ganze aus den Augen verlieren. Andererseits wären wir zweifellos überfordert, wollten wir die Gesamtheit aller Probleme in einer einzigen Diskussionsrunde bewältigen. Die große Herausforderung für uns liegt in einem geschickten Herauslösen einzelner Themen. Während wir sie diskutieren, tun wir gut daran, uns gegen unliebsame Überraschungen zu schützen, indem wir in einer Art von Plausibilitätsprüfung das Ganze im Auge behalten.
| Zitat: | | Alles verändert sich vom Sichtbaren in etwas Nichtchtbares - und es geht nie auf dem gleichen Weg zurück. Was wir davon wissen, ist lediglich, dass alles sichtbare früher oder später mit der sie umgebenden Materie verschmilzt. |
Wie ich es sehe, unterscheiden wir uns in einem Punkt nicht allzu sehr von unseren Ahnen. Auch sie waren fasziniert vom Transzendenten. Was ist jenseits der Grenzen menschlichen Verstehens? Was geschieht dort, wo es über unsere Erkenntnisfähigkeit hinausgeht? Das Übersinnliche übt einen nicht zu leugnenden Reiz aus. Vielleicht kommen wir irgendwann einmal dazu, alles zusammenzutragen, was wir in diesem Bereich an Erkenntnissen durch Schlussfolgern gewinnen können. Ich habe eine Ahnung, dass es mehr ist, als wir im Augenblick annehmen. Gegen das Glauben habe ich nichts, aber es sollte erst dort einsetzen, wo das Wissen endet.
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 02.10.2007, 03:50 |
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| Thomas Becks |
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| Ich glaube, es gibt keinen Gott. Dass ausgerechnet wir Menschen einen Gott haben sollen, halte ich für überheblich. Gott ist für mich der Weihnachtsmann für Erwachsene. Wenn Gott eine Erfindung der Jetztzeit wäre, wäre die Verbreitung des Glaubens durch die Bibel oder des Korans unverantwortlich. Man sollte nur einmal an die Märtyrer der ersten Christen und die der heutigen Islamisten denken. Unverantwortlich. Nicht zu verantworten sind auch die Hexen, Ketzer und Judenverfolgungen durch die Kirche gewesen. Missionare handelten in eroberten Ländern ohne Verantwortung. Europäische Ritter vernichteten in Gottes Namen X mal Jerusalem. Es war verantwortungslos, feige und einfach, dafür Gott (den es nicht gibt) als Verantwortlichen zu erklären. |
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Verfasst am: 02.10.2007, 08:41 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Thomas!
| Zitat: | | Ich glaube, es gibt keinen Gott. |
Wir leben in einem Staat, der seinen Bürgern immerhin so viel Freiheit lässt, dass jeder sein eigenes Glaubensbekenntnis äußern kann.
| Zitat: | Dass ausgerechnet wir Menschen einen Gott haben sollen, halte ich für überheblich.
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Meines Wissens wird Gott von seinen Anhängern als Schöpfer der Welt angesehen. Diese Funktion besagt doch, dass er damit der Gott der Welt ist, also Gott der Menschen, der Tiere, Pflanzen und selbst des von uns unbelebte Natur genannten Teils ist.
| Zitat: | | Gott ist für mich der Weihnachtsmann für Erwachsene. |
Diese Ansicht ist ein weiteres Glaubensbekenntnis.
| Zitat: | | Wenn Gott eine Erfindung der Jetztzeit wäre, wäre die Verbreitung des Glaubens durch die Bibel oder des Korans unverantwortlich. |
Bibel und Koran belegen doch gerade, dass Gott keine Erfindung der Jetztzeit ist. Damit ist Deiner Aussage die Grundlage entzogen. Wie Du also tatsächlich zur Verbreitung des Glaubens durch Bibel und Koran stehst, ist demnach völlig offen.
| Zitat: | | Man sollte nur einmal an die Märtyrer der ersten Christen und die der heutigen Islamisten denken. Unverantwortlich |
Mir ist nicht klar, was bei dem Denken an die Märtyrer herauskommen soll. Ebenso unklar ist mir, worauf sich das „unverantwortlich“ bezieht.
| Zitat: | | Nicht zu verantworten sind auch die Hexen, Ketzer und Judenverfolgungen durch die Kirche gewesen. |
Der Ausdruck „etwas nicht verantworten können“ lenkt meines Erachtens manche Menschen in die falsche Richtung, denn jeder muss das verantworten, was er beeinflussen kann. Die Kirche und damit all ihre Anhänger haben sich sehr wohl für die Verfolgung der Hexen, Ketzer und Juden zu verantworten.
| Zitat: |
Missionare handelten in eroberten Ländern ohne Verantwortung. |
Dass jeder für das verantwortlich ist, was er beeinflussen kann, gilt selbstverständlich auch für Missionare.
| Zitat: | Europäische Ritter vernichteten in Gottes Namen X mal Jerusalem. Es war verantwortungslos, feige und einfach, dafür Gott (den es nicht gibt) als Verantwortlichen zu erklären.
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Manche Täter erliegen der Illusion, sie könnten sich von ihrer Verantwortlichkeit befreien, wenn sie vorgeben, im Namen eines anderen zu handeln.
Viele Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 02.10.2007, 15:10 |
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| Thomas Becks |
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| Anmeldedatum | 04.09.2007 | | Beiträge | 64 | | Wohnort | Ruhrgebiet |
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| Zitat: | Zitat:
Man sollte nur einmal an die Märtyrer der ersten Christen und die der heutigen Islamisten denken. Unverantwortlich
Mir ist nicht klar, was bei dem Denken an die Märtyrer herauskommen soll. Ebenso unklar ist mir, worauf sich das „unverantwortlich“ bezieht. | Dass sich Menschen aus reiner Spekulation, auf ein Himmelreich (manche mit 70 Jungfrauen), selber töten oder andere mit in den Tod ziehen. Unverantwortlich ist, diesen labilen Menschen ein schöneres Leben im Paradies vorzugaukeln. Mehr schreibe ich erst einmal nicht, damit dieser Text nicht so gesprengt wird wie der vorherige.
Einen schönen Dienstag,
Thomas |
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Verfasst am: 02.10.2007, 15:52 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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