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Verfasst am: 01.07.2007, 11:36 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 01.05.2007 | | Beiträge | 1733 | | Wohnort | Emden |
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Hallo Rita,
das ist wohl der springende Punkt. Theoretisch ist alles möglich. Da kann man sich auch die besten Voraussetzungen schaffen.
Da wir ja im Grunde die Meinung von Wolf-Gero teilen, - wie vermutlich auch noch andere im Forum, -denen es nur zu müßig ist darüber zu diskutieren, bleiben wir einfach bei unseren Möglichkeiten. Familie, Freunde, Arbeit, Schule, Sportverein etc. Das ist schwer genug manchmal. Und schon da sind es immer die Gleichen, die sich bemühen und immer die Gleichen die am Ende die Schelte bekommen von denen, die einfach andere haben machen lassen. Der Mensch ist einfach zu solcher Größe nicht fähig. Gleichwohl kann man sich das Ziel setzen, so nah wie möglich daran zu kommen. Und das Generation für Generation für Generation. .... Hoffentlich wird es noch so viele geben... bin da skeptisch.
LG Grete
(Werde heute Nachmittag ein Stück Torte für Dich mitessen)  |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 01.07.2007, 11:39 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 23.05.2007 | | Beiträge | 1669 | | Wohnort | Fehmarn |
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Hallo Grete,
da kann ich zu Deinen Äußerungen nur zustimmen.
Lass Dir die Torte schmecken!!!
Schönen Sonntag noch
Rita |
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_________________ „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
www.ritahajak.de Wieder mal neu |
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Verfasst am: 01.07.2007, 15:02 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 601 | | Wohnort | Hamburg |
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Hallo Grete!
Danke für Deine ausführlichen Zeilen. Entgegen meinen Gepflogenheiten werde ich mit meiner Antwort ausnahmsweise am Ende anfangen.
Grete schreibt:
| Zitat: | | Grundsätzlich bin ich Deiner Meinung, aber erwachsenen Menschen ein neues Weltbild zu vermitteln, habe ich ehrlich gesagt aufgegeben. |
In dem Punkt bin ich völlig Deiner Meinung; deshalb verläuft mein Gedankengang etwas anders. Das Endziel jeder Änderung im Verhalten des Menschen ist selbstverständlich die Verhaltensänderung. Doch da liegt der wunde Punkt. Es reicht nicht, das Wissen zu vermitteln, wie es sein sollte. Wir selbst entdecken wieder und wieder, dass wir etwas auf die eine Art machen, obwohl wir wissen, dass es eigentlich anders sein sollte. Gedankenlosigkeit, Trägheit oder Verkennung der Bedeutung, was es auch immer sei, wir sind nicht frei davon. Bei uns sind es gewiss nur relativ harmlose Kleinigkeiten, zumindest aus unserer Sicht. Ob die betroffenen Menschen das ebenso sehen, wage ich zu bezweifeln. Dennoch, es ist kein Grund zum Verzweifeln. Das Wissen zu vermitteln ist der erste Schritt. Wenn er erfolgreich ist, sei es auch erst nach einigen Generationen, dann haben wir bereits etwas gewonnen. Der nächste Schritt ist die Umsetzung des Wissens in das Verhalten. Und an der Stelle, liebe Grete, bist gerade Du ein Musterbeispiel. Was Du hin und wieder an Bemerkungen über Deine jüngste Tochter und über Deine Enkelkinder einstreust, das macht doch Mut zum Weitermachen. Ich bin mir zwar bewusst, dass leider nicht alle Menschen sind wie Du. Aber vielleicht hinterlässt Du mehr Wirkung, als Du heute vermutest.
Blicken wir zurück zu dem im Nebel liegenden Anfang der Menschheit, wo der Mensch zwar seine instinktgesteuerten Verwandten verlassen hatte, aber bei dem kostbaren Ersatz, dem Menschen, der, von Verantwortungsbewusstsein geleitet, frei entscheidet, noch nicht angekommen war und bis heute noch nicht angekommen ist. Trotz dieser Einschränkung meine ich, feststellen zu können, dass wir Fortschritte gemacht haben, kleine, sehr kleine, aber sie sind da. Es wird zwar nach wie vor gemordet, geplündert, geraubt und vergewaltigt, aber heute werden diese Verbrechen begleitet vom Unrechtsbewusstsein. Am Anfang wurde das gemacht, was im Augenblick nützlich zu sein schien. Dass es sich oft um Taten handelte, die wir heute zu den Verbrechen zählen, das war den ersten Menschen sicherlich nicht bewusst. Wenn wir außerdem berücksichtigen, dass die Entwicklung des Menschen nicht geradlinig verläuft, dass auf Fortschritte auch Rückschritte folgen können, dann lässt sich mancher barbarische Rückfall in finstere Zeiten besser einordnen in ein theoretisches Modell. Verstehen oder gutheißen wird das niemand können, was Hitler, Stalin, Idi Amin oder Pol Pot angerichtet haben, aber es ist leider nicht unmenschlich, es ist immer noch im Menschen verankert. Gott sei Dank, setzt wohl doch die überwältigende Mehrheit der Menschen ihre Ethik entgegen, auch wenn sie das Wort noch nie gehört hat. Legen wir jetzt einmal ein Lineal in die Entwicklungslinie des Menschen, dann erhalten wir den Trend, und er ist meiner Überzeugung nach positiv, nur leicht, aber doch deutlich genug, um Mut zu machen. Ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen von heute weder töten noch getötet werden wollen. Ihnen fehlt jedoch das gefestigte Wissen, dass sie sich für alles, was sie tun, verantworten müssen, viele glauben daran, dass sie sich keine Gedanken zu machen brauchen, wenn ein mächtiger Mensch ihnen den Befehl erteilt. Was leider gegen eine Verbesserung des menschlichen Verhaltens spricht – Du hast es bereits erwähnt –, ist das Anwachsen der Weltbevölkerung. Schon prozentual betrachtet ist mit einer Zunahme von Verbrechen zu rechnen. Umso mehr kommt es auf Menschen an, die um der Zukunft willen nicht aufgeben. Ich möchte hier einmal Luther zitieren:
Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.
Auf meinen Satz, wir Menschen seien sehr stolz, dass wir den Tieren überlegen sind, wendest Du ein:
| Zitat: | | Das trifft auf mich nicht zu. |
Ohne dem, was Du noch zusätzlich schreibst, widersprechen zu wollen, glaube ich doch, dass der Mensch den Tieren überlegen sein könnte. Ich habe es jetzt bewusst etwas anders formuliert. In der Tat hat der Mensch von der Natur, von Gott, von wem auch immer ein sehr, sehr kostbares Geschenk erhalten, ein Geschenk, das die Tiere nach meinem Wissensstand nicht erhalten haben. Nur, viele oder sogar die meisten Menschen ahnen nicht einmal, was ihnen für ein wunderbares Geschenk in den Schoß gefallen ist. Es ist die Entscheidungsfreiheit. Der Begriff wird oft verwendet, aber selten in seiner Bedeutung verstanden. Vor Jahren habe ich mich einmal damit auseinandergesetzt. Wenn ich die Notizen relativ schnell finde, setze ich vielleicht einen Beitrag ins Forum.
Eigenzitat:
| Zitat: | | Ich bin davon überzeugt, dass es in der Entwicklung des Menschen einmal eine Zeit gab, zu der es durchaus sinnvoll sein konnte. andere Menschen zu töten. |
Grete wandte ein:
| Zitat: | | Das sehe ich nicht. Welchen nachvollziehbaren anderen Grund als heute sollten Menschen gehabt haben, um sich gegenseitig umzubringen? |
Davon überzeugt zu sein, das ist in der Tat zu hoch gegriffen, ich halte es für möglich oder denkbar, ich schließe es nicht aus, das träfe meine Vermutung eher. Den ersten Menschen halte ich zugute, dass sie wirklich noch nicht wussten, was sie taten. Manch eine Tötung könnte man als vorweggenommene Verteidigung ansehen. Wenn ich ihn nicht erschlage, dann erschlägt er mich. Dieser Tatbestand trifft wohl heute nur äußerst selten zu, sodass alle Tötungsdelikte, die darauf zurückgehen, eigentlich verschwunden sein sollten.
Mit Deiner kritischen Haltung der Technik gegenüber läufst Du im Grunde offene Türen bei mir ein. Ich führe viele Übel allein darauf zurück, dass den Fortschritten auf dem Gebiet der Technik, Wissenschaft und Wirtschaft Priorität eingeräumt wird. Wo bleibt der Fortschritt in der Entwicklung des Menschen selbst? Wer legt überhaupt wert auf einen guten Charakter? – Was bringt er ein? – Wie bitte, außer einem anstrengenderen Leben nur ein gutes Gewissen? Ja, bin ich denn bescheuert? An der Börse zu spekulieren, dass ist anstrengend genug. Und nun lass mich in Ruhe!
Viele Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 01.07.2007, 16:27 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Rita!
Danke für Deine Zeilen und dafür, dass Du einen Teil umformuliert hast, Jetzt verstehe ich ihn und kann ohne Einschränkung sagen, dass er exakt in das theoretische Konzept passt.
Rita schreibt:
| Zitat: | | Verantwortlichkeit heißt auch, dass wir bei gelungenen Ergebnissen keinen Anspruch auf Belohnung erheben sollen. Sondern freien Herzens dort eingreifen, wo wir es für nötig halten. |
Verantwortlich zu sein heißt, verpflichtet zu sein, im Rahmen seiner Möglichkeiten einzugreifen, um ein Ergebnis zu erzielen, das vor dem eigenen Gewissen Bestand hat. Wer einer Verpflichtung nachkommt, hat für gewöhnlich keinen Anspruch auf eine Belohnung.
Rita schreibt:
| Zitat: | | Deine Ausführungen sind alle richtig, aber theoretisch. Praktisch gesehen kann jeder einzelne nur das tun, was im Rahmen seiner Möglichkeiten, getan werden kann. |
Um einmal Grete zu zitieren, „Einspruch, Euer Ehren!“ Was Du praktische Seite nennst, das wird von der Theorie ebenfalls abgedeckt. „…verpflichtet zu sein, im Rahmen seiner Möglichkeiten …“. heißt es bei uns. Du siehst, die Möglichkeiten sind bereits im Konzept enthalten
Rita schreibt:
| Zitat: | | Die jenigen die Menschen töten und meinen sie handeln im Namen Gottes, sind von ihrer Tat überzeugt. |
Wir müssten die Menschen, die im Namen Gottes zu töten glauben, davon zu überzeugen, dass der Befehl nicht von Gott kommen kann. Wer dennoch glaubt, einen Befehl Gottes auszuführen, der sollte sich zu seinem eigenen Schutz, den Befehl von Gott bestätigen lassen. – Allerdings wird sich wohl kaum jemand überzeugen lassen. Sie werden viel eher unsere durchdachten Argumente als Werk und Worte Satans verwerfen.
Rita schreibt:
| Zitat: | | Man könnte stundenlang diskutieren über eine bessere Welt, aber eben nur theoretisch. |
Diskutieren kann man natürlich auch praktisch, aber wenn überhaupt etwas herauskommt, dann ist es zunächst nur blasse Theorie. Da hast Du selbstverständlich recht. Häufig hängt das Urteil über ein Ziel vom Ausgangspunkt ab. Gehen wir einmal von der Gegenwart aus, wo nicht einmal der bescheidenste Versuch, eine gerechtere Lösung zu erarbeiten, zu erkennen ist. Ist es unter solchen Umständen nicht doch ein schwacher Trost, dass es wenigstens die theoretische Möglichkeit gibt? Wenden wir darauf das etwas verbogene Law Murphy's an: Wenn etwas geschehen kann, dann geschieht es auch irgendwann - und schon glimmt am Horizont ein Hoffnungsschimmer.
Liebe Grüße und ebenfalls einen schönen Sonntag
Wolf-Gero |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 03.07.2007, 03:46 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Guten Morgen Grete!
Mit der Antwort auf Deine Zeilen zum Thema „Biografie“ hatte ich bereits angefangen. Dabei wurde ich durch etwas oder von jemandem unterbrochen, und danach habe ich es – ehrlich gesagt – vergessen. Nun ist es mir doch noch eingefallen.
Auf das Thema Biografie wollte ich getrennt vom anderen eingehen. Was Dein Vater Dir überreicht hat, ist ein großartiges Geschenk, ein wahrer Schatz, wie Du ja auch selbst erkannt hast. Leider kann ich auf derartige Zeugnisse nicht zurückgreifen. Meine Mutter ist mit ihren fast achtundachtzig Jahren zwar körperlich und geistig fit, (sie ist seit zwanzig oder sogar dreißig Jahren bei keinem Arzt mehr gewesen, nur beim Tierarzt mit ihrem Kater oder später mit einem Hund), aber sie hat dennoch inzwischen vieles vergessen. Namen und Zeiten fallen ihr oft nicht mehr ein. Aus den Bruchstücken versuche ich dann durch Rückschlüsse und relative Zuordnungen und viel Recherche Ereignisse zu rekonstruieren. Ich staune schon jetzt, was ich alles herausgefunden habe. Sobald ich aber eine Frage geklärt habe, tauchen etliche neue Fragen auf. Es scheint ein Fass ohne Boden zu sein. Ich vermute, dass ich wohl ebenfalls ein Jahr brauchen werde, um das alles so zusammenzustellen, dass ich damit leben kann. Hattest Du eigentlich auch so vieles zu klären, oder war Deine Mutter noch mit allen Daten und Fakten vertraut? Zumindest einen Unterschied gibt es zwischen uns – natürlich gibt es in Wirklichkeit sehr, sehr viele –, Du berichtet in der Biografie über Kriegserlebnisse Deiner Mutter und Deines Vaters, ich kann zum Teil auch eigene Erlebnisse einfließen lassen kann. Ich wurde während der Flucht zwar erst vier Jahre alt, sodass nicht allzu viel vorhanden ist, aber einige Schlüsselszenen sind mir noch gegenwärtig.
Deinem Resümee über die Grausamkeit des Menschen ist wohl nichts hinzuzufügen.
Nun ja, wir werden sehen, was dabei herauskommt. Auf eine gewisse Art gibt es mir auch etwas, ich weiß, dass einige Familienerlebnisse aus der Heimat nicht völlig verloren sind.
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 03.07.2007, 09:15 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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Guten Morgen Grete und Wolf-Gero,
Menschen in unserem Alter werden wohl alle von ihren Eltern einige Erlebnisse des schrecklichen Krieges erfahren haben.
Meine Mutter hat mir die letzten Monate während ihrer schweren Krankheit viel erzählt. Z.B.über ihre Mutter, die sich zu Tode hungerte, weil sie glaubte ihr Sohn käme aus dem Krieg nicht wieder zurück.
Die Zeit meines Vaters im Krieg und anschließender Gefangenschaft in Rußland usw. Viel gäbe es zu berichten über diese grauenhafte Zeit.
Mein Vater selbst hat den ersten Weltkrieg ebenfalls, als Kind, miterlebt.
Ich trage mich auch mit dem Gedanken einige Aufzeichnugen, wenn auch nur für die Familie, zu machen.
Grüße an Euch
Rita |
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_________________ „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
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Verfasst am: 03.07.2007, 09:59 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Guten Morgen Wolf-Gero!
| Zitat: | | Was Dein Vater Dir überreicht hat, ist ein großartiges Geschenk, ein wahrer Schatz, wie Du ja auch selbst erkannt hast. |
Das ist mir auch bewusst! Er hat mir hunderte von Fotos, Zeichnungen (er war ein toller Zeichner!) und Tagebücher übergeben mit den Worten: "Da weiß ich, dass sie in guten Händen sind." Unter anderem habe ich einige Gebrauchsgegenstände die er sich in der Gefangenschaft aus dem Blech von Flugzeugwracks gebastelt hat. Mein Lieblingsstück ist eine Zigarettendose aus dem Aluminium eines Tragflügels. Von Hand geformt mit Unterteil und Deckel. Auf den Deckel hat er mit einem Nagel(!) eine Zeichnung von Skoplje (Mazedonien) und seine Initialen eingeritzt.
| Zitat: | | Hattest Du eigentlich auch so vieles zu klären, oder war Deine Mutter noch mit allen Daten und Fakten vertraut? |
Meine Mutter war mit ihren 85 Jahren zwar körperlich gebrechlich aber der Kopf funktionierte noch einwandfrei. Zwar haben wir auch das eine oder andere Ereignis zunächst falsch datiert, was sich aber relativ einfach klären ließ, anhand anderer Ereignisse, die nur davor oder danach stattgefunden haben konnten. Wenn man sich über so eine lange Zeit intensiv mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt, da kommt vieles wieder hoch, was längst vergessen schien.
| Zitat: | | Nun ja, wir werden sehen, was dabei herauskommt. Auf eine gewisse Art gibt es mir auch etwas, ich weiß, dass einige Familienerlebnisse aus der Heimat nicht völlig verloren sind. |
Das kann ich sehr gut nachempfinden. Auch wenn ich erst nach dem Krieg geboren bin. Die eigenen Wurzeln finden und spüren ist ein großartiges Gefühl und gibt Vertrauen und Geborgenheit. Kann man aber wohl nur nachempfinden, wenn man sich wirklich damit auseinandersetzt. Die Beschäftigung mit meinen Ahnen hat sie mir so vertraut gemacht, dass sie keine Fremden mehr sind. Eine bemerkenswerte und erstaunliche Erfahrung.
LG Grete |
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Verfasst am: 04.07.2007, 11:14 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Ich schaue auf die Uhr, es ist bereits nach 12.00 Uhr, und das bedeutet:
Guten Tag liebe Rita, und guten Tag liebe Grete!
Zum Thema "Biografie" möchte ich noch ein paar Bemerkungen loswerden. Wenn Du Dich mit dem Gedanken trägst, Rita, Biografisches festzuhalten, dann möchte ich Dir mit allem was ich habe dazu raten. Es bringt dem Biografen erheblich mehr, als sich die Biografierten vielleicht vorstellen.
Der zweite Punkt betrifft die Erinnerung der biografierten Person. Bei meiner Mutter stelle ich fest, dass sie einige Ereignisse, die ihr vielleicht unangenehm werden könnten, einfach verdrängt, und zwar so gründlich, dass sie wohl selbst an die neue Wahrheit glaubt. Bei einer Begebenheit war sie derart entsetzt, dass sie mich am Telefon fassungslos fragte, woher ich das hätte, es sei ein Märchen, ich hätte vermutlich geträumt. Wir kennen diese Phänomene von Menschen, denen etwas Schreckliches zugestoßen ist, ihr Unterbewusstsein oder wer auch immer entfernt das Etwas aus dem Bewusstsein, sodass der Betreffende relativ die Wahrheit sagt, wenn er behauptet, er wisse nichts davon. Mich würde interessieren, Grete, ob Du diese Blockaden auch beobachtet hast.
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 04.07.2007, 11:18 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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1. Verantwortlichkeit 9
Manche Übel beginnen äußerst unscheinbar
Wahlen sind für den Menschen auf der Straße, so haben wir erkannt, eine Gelegenheit, um Parteien mit unlauteren Zielen den Zugang zur Macht zu versperren, sie sind jedoch nicht die einzige Möglichkeit für ihn, das menschliche Miteinander zu verbessern. Im Kampf gegen ein Übel ist der direkte Weg allerdings nicht immer der richtige. Hin und wieder empfiehlt es sich, zunächst das Umfeld eines Übels zu verändern. Anschließend lässt sich das eigentliche Übel besser erkennen und auch leichter beseitigen. Das folgende Beispiel soll erläutern, was wir damit meinen.
Von Zuträgern erfährt die Polizei, dass während einer Kundgebung ein Attentat auf den Regierungschef verübt und dafür ein Maschinengewehr benutzt werden soll. Ist nun die Chance, den potenziellen Attentäter rechtzeitig zu finden, größer, wenn alle Teilnehmer Maschinengewehre tragen, oder dann, wenn der Attentäter der einzige ist? Wie bei einer rhetorischen Frage üblich, steht die Antwort natürlich bereits fest. Trägt außer dem potenziellen Attentäter niemand sonst ein Maschinengewehr, unterscheidet er sich äußerlich erkennbar von den Menschen seiner Umgebung, sodass ihn die Polizei relativ leicht entdecken kann.
Als wichtigen Ansatzpunkt für unseren Menschen auf der Straße sollten wir festhalten, dass auch ein sehr negativ beurteiltes Gebaren eines einzelnen Menschen erst dann auffällt, wenn es sich vom allgemein üblichen Verhalten deutlich unterscheidet. In einer Welt voll lügender und betrügender Menschen kann sich ein einzelner Schurke sehr gut verstecken, sofern er seine Schurkereien nicht gerade extrem übersteigert. Seine volle Tragweite zeigt dieser Zusammenhang spätestens dann, wenn wir ihn auf das Hauptübel der Menschheit übertragen, auf die Gewalt gegen Menschen. Indem wir die Möglichkeit beseitigen, sich in einer Menge gewaltbereiter Menschen zu verstecken, erschweren wir es einem Einzelnen, Gewalt gegen andere zu verüben und dabei unentdeckt zu bleiben.
Es mutet uns an wie eine Erfindung des Teufels, dass Gewalt häufig nicht nur äußerst unauffällig und scheinbar völlig harmlos beginnt, sondern auch in derart winzigen Stufen wächst, dass wir die Zunahme sehr leicht übersehen können und plötzlich vor dem Ausbruch eines neuen Krieges stehen. Fassungslos fragen wir dann, wie es dazu kommen konnte.
Solange wir uns allein an die Realität halten, können wir eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass der Kampf Mensch gegen Mensch ein fester Bestandteil unseres Lebens ist. Haben wir uns also mit diesem Übel abzufinden? Ist es vielleicht sogar eine von Gott verhängte Strafe, wie doch tatsächlich einige meinen? Auf heftigen Widerspruch sollte dieser Gedanke zumindest bei all den Menschen stoßen, für die Gott untrennbar verbunden ist mit der Liebe zu Seiner Schöpfung. Wem Gottes Wort nichts bedeutet, kann sich der Einsicht ohnehin nicht verschließen, dass wir Menschen für die Gewalt verantwortlich sind. Diese Einsicht sollte uns jedoch keineswegs niederdrücken, vielmehr rechtfertigt sie die Hoffnung, die Gewalt zwischen Menschen irgendwann und irgendwie einschränken zu können; denn das, wofür Menschen verantwortlich sind, können sie auch beeinflussen.
Weil die einzelnen Stufen der Gewalt dicht beieinanderliegen, sodass wir häufig erst dann aufmerksam werden, wenn bereits größerer Schaden entstanden ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als nach dem Ursprung der Gewalt zu suchen. Er liegt genau dort, wo der Unterschied zwischen zwei Stufen eindeutig auszumachen ist, wo es nur ein Ja oder Nein gibt. Damit wir dereinst vielleicht sogar Kriege verhindern können, haben wir bei der Frage zu beginnen, ob sich etwas gegen Menschen richtet oder nicht. Wir gelangen auf diese Weise zu Handlungen, die so harmlos erscheinen, dass ein unkritischer Mitmensch ihren Aggressionsgehalt nicht einmal dann bemerkt, wenn sie unverhüllt mit dem Begriff „Kampf“ bezeichnet werden. Das ist exakt der Punkt, wo die in diesem Zusammenhang wichtigste und wahrscheinlich am schwersten fallende Neuorientierung gelingen muss. Nicht die Anzahl Verletzter oder Toter entscheidet, ob ein Kampf positiv oder negativ zu werten ist, der Unterschied ergibt sich allein daraus, ob er für Menschen geführt wird oder gegen sie.
Unserer Einschätzung, Menschen werde das erforderliche Umdenken schwer fallen, widerspricht vermutlich niemand, sobald wir verraten, welche Kämpfe hier gemeint sind. Es geht um populäre Kampfspiele, wie Fußball, Tennis, Boxen, Autorennen, um nur einige zu nennen. Allen ist gemeinsam, dass dabei Menschen gegeneinander kämpfen, um Zuschauer zu belustigen und um die Teilnehmer am Ende in Gewinner und Verlierer aufteilen zu können. Unser Mensch auf der Straße empfindet es für gewöhnlich nicht als ein echtes Opfer, auf das Töten von Mitmenschen zu verzichten; auf völliges Unverständnis und entschiedene Ablehnung trifft dagegen unser Vorschlag, für eine friedlichere Zukunft die beliebten Kampfspiele zu opfern. Trotz oder sogar gerade wegen dieser persönlichen Schwierigkeiten sollte sich jeder einmal fragen, was für einen Gewinn die Menschheit aus dem Umstand ziehen könnte, dass die Fußballmannschaft A die gegnerische Mannschaft B in einem Spiel besiegt. Nimmt das Übel Gewalt auch nur um eine Winzigkeit ab? Im Gegenteil, diese Kampfspiele stützen die gefährliche Behauptung, der Kampf Mensch gegen Mensch sei fester Bestandteil unseres Lebens, und damit sorgen sie für das Umfeld, in dem sich aggressive Menschen leicht verstecken können. Sicherlich werden wir den Kampf Mensch gegen Mensch in überschaubarer Zeit aus unserem Leben nicht verbannen können. Doch schon heute darf er niemals ein Grund zur Freude sein oder der Unterhaltung dienen. Jeder auch noch so harmlos wirkende Kampf zwischen Menschen ist letztlich ein kleiner Bruder des Krieges.
Selbst einen anscheinend unvermeidbaren Kampf dürfen wir nicht einfach hinnehmen und ihn erst recht nicht als positiv werten, vielmehr müssen wir in ihm einen Beweis dafür sehen, dass wir als Gemeinschaft bei dem Versuch versagt haben, eine bessere Lösung für ein Problem zu finden. Das gilt umso mehr, als sich der für unvermeidbar gehaltene Kampf von anderen Formen im Wesentlichen nur durch einen vermeintlich guten Zweck unterscheidet. Sobald wir aber den Zweck in die Bewertung eines Kampfes einbeziehen, wird die Bedeutung des Kampfes relativiert, denn sie hängt nun von der subjektiven Beurteilung des Zwecks ab. Nicht mehr der Kampf an sich ist das zu verdammende Übel, sondern der subjektiv als falsch angesehene Zweck. Doch gerade hier, wo es um die Angabe eines als positiv zu wertenden Zwecks geht, erweist sich der Mensch, wie die Geschichte zeigt, als äußerst erfindungsreich. Befreiungskrieg , religiös motivierter heiliger Krieg, Vaterländischer Krieg und sogar Großer Vaterländischer Krieg können als Beispiele wahrer Meisterwerke gelten.
Obwohl es nur langsam, viel zu langsam vorangeht und außerdem wieder und wieder Rückschläge zu verkraften sind, sollte kein verantwortungsbewusster Mensch nachlassen, sich um ein besseres, das heißt friedlicheres Miteinander der Menschen zu bemühen. Das gilt erst recht, wenn die Wurzeln der Gewalt so populär sind wie die heutigen Kampfspiele; denn dabei hängt das Ergebnis nicht von der Entscheidung irgendwelcher dem Volk entrückter Politiker ab, sondern davon, wie sich der Einzelne entscheidet. Popularität garantiert keine Unantastbarkeit, was nicht zuletzt sogar für die im antiken Rom überaus beliebten Gladiatorenkämpfe galt: Sie sind seit Langem verschwunden.
Viele Grüße
wgbajohr
Beim nächsten Mal geht es um Werbung als Ursprung von Fehlentwicklungen |
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Verfasst am: 04.07.2007, 15:04 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 23.05.2007 | | Beiträge | 1669 | | Wohnort | Fehmarn |
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Schönen guten Tag, Wolf-Gero,
noch kurz eine Bemerkung Zum Thema "Biografie":
In der Situation, in der sich meine Mutter befand, war es ihr ein Bedürfnis, sich alles noch einmal von der Seele zu reden. Von einer "Blockade" konnte ich nichts erkennen. Wir hatten ein sehr vertrautes und absolut ehrliches Verhältnis zu einander, dass das Gesagte der Wahrheit entsprach. Wobei meine Mutter mehr gefühlsmäßige und seelische Momente zu verarbeiten hatte. Mein Vater hingegen musste das Kriegsgeschehen, Verwundung und Gefangenschaft sowie die Ungerechtigkeit die er erfahren hatte, bewältigen. Seine Erzählungen waren von einer gewissen Zurückhaltung begleitet.
Nun zum nächsten Übel:
Gewalt erzeugt Gewalt, das ist bestimmt jedem inzwischen klar geworden.
Ich meine diejenigen die sich überzeugen lassen.
Will man einen Verbrecher dingfest machen, muss man sich ihm unauffällig nähern. Also nicht eine ganze Kompanie von bewaffneten Männern. Umso natürlicher und unauffälliger sich das Umfeld bewegt, umso leichter wird man z.B. einen Attentäter entdecken.
Du schreibst:
| Zitat: | | Haben wir uns also mit diesem Übel abzufinden? |
Das wäre schlimm. Aber dennoch ist es meine Meinung, dass man eine bessere Welt nur von den nachfolgenden Generationen erwarten kann, wenn ihnen die notwendige Erziehung erteilt wird. Mit Kleinstkindern fängt es an. Immer wieder miteinander Reden, diskutieren und auch ihnen eine gewisse Meinungsfreiheit einräumen.Sie müssen das von uns Gehörte verstehen und verarbeiten. Meine beiden Söhne sind glücklicherweise mit gesundem Menschenverstand ausgerüstet. Sie sind beide über Dreißig. Den Entschluss, den Wehrdienst zu verweigern, war ihre eigene Entscheidung. Sie sagten: "Wir werden ohnehin keine Waffe in die Hand nehmen, dann brauchen wir da auch nicht hin." Sie haben eine gesunde Einstellung für die Probleme dieser Welt und verhalten sich sehr korrekt.
Die Kampfspiele, die man im Internet findet, sind ein großes Übel. Besonders für charakterschwache Jugendliche. Sie verlieren den Blick für die Realität und werden mit den Computerfiguren eins. Da läge es doch Nahe, dass die Regierung ein Machtwort spricht und diese Spiele verbietet. Doch da würde die Industrie wieder dagegen wettern.
Ich sehe wirklich nur die einsige Möglichkeit, unseren Nachkommen unsere Agumente glaubhaft zu machen und sie zu einem besserer Mensch zu erziehen. Dann könnte sich die Hoffnung auf eine friedliche, gerechtere Welt vielleicht irgendwann bewahrheiten.
Gruß Rita |
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_________________ „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
www.ritahajak.de Wieder mal neu |
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Verfasst am: 04.07.2007, 17:50 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 601 | | Wohnort | Hamburg |
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Hallo Rita!
Es ist für mich eine interessante Erfahrung, eigentlich bereits eine echte Überraschung. Ich schrieb in meinem Beitrag, wir müssten das Umfeld „säubern“, damit Übeltäter besser erkannt werden können.
Ein Gedankenexperiment: Auf geheimnisvolle Weise erreichen wir, dass sich die Kleidung eines Menschen nach seinem Charakter richtet, sodass die mehr oder weniger Guten grau bis weiß trügen und die Bösesten der Bösen tief schwarz. Die Bösewichter würden wir sofort an ihrer dunklen Kleidung erkennen. – Stimmt das eigentlich? – Es stimmt! - Allerdings nur bedingt. Es trifft nämlich nur dann zu, wenn die Mehrheit helle Kleidung trägt, dann fällt jede dunkle Kleidung sofort auf. Ist aber die Umgebung dunkelgrau bis tiefschwarz gekleidet, kann sich der einzelne Übeltäter sehr gut verstecken.
Diese Zauberkleidung gibt es nicht, sodass auch der schlimmste Übeltäter weiß tragen kann. Hineinzusehen in einen Menschen ist uns ebenfalls nicht gegeben. Wie schaffen wir es dennoch, dass das Umfeld möglichst hell ist? Da gibt es natürlich keine Universal-Lösung. Für jede Eigenschaft müsste eine gesonderte Lösung gefunden werden. Ich habe das Beispiel Gewalt gewählt, weil es zum Hässlichsten gehört, was ein Mensch einem anderen zufügen kann, und weil ich meine, dass gerade hier die Erfolgschancen gar nicht so schlecht sind. Wir Menschen sollten nur wollen. Wenn sich die große Mehrheit zur Gewaltlosigkeit bekennt und sich entsprechend verhält, dafür auch einige Opfer bringt, dann ist den Unverbesserlichen die Möglichkeit zum Verstecken genommen.
Jetzt aber zu der Überraschung. Du hast dieses Verfahren, das Umfeld so zu gestalten, dass der Bösewicht auffällt, gleich weiterentwickelt, indem Du vorschlägst, die Polizei und ähnliche Institutionen müssten sich selbst so anpassen an die Umgebung, dass sie möglichst nicht auffällt, zumindest nicht, bevor sie den Übeltäter gefangen haben. Was kann ein Ideengeber mehr erwarten, als dass mit seiner Idee bereits gearbeitet wird. – Großartig!
Was meinst Du aber zu der Stärke des Menschen auf der Straße? Wird er Fußball, Tennis, Boxen … um einer besseren Welt willen aufgeben? Um wegzukommen von der Haarspalterei über die Frage, ob ein genannter Zweck akzeptiert werden kann oder nicht. Diese brutalen Internetspiele – wie ich höre und lese, ich kenne selbst keine, bin auch keine Spielernatur – sind eine fürchterliche Zeiterscheinung, aber ich glaube, dass der Mann auf der Straße eher bereit ist, auf sie zu verzichten und ebenso darauf zu achten, dass auch die Kinder mitmachen, eher jedenfalls, als auf Fußball, Tennis und Boxen zu verzichten.
Ich will jetzt nicht Deinen gesamten Beitrag zitieren; deshalb beschränke ich mich auf Hinweise. Dass wir in unserer Generation nicht ans Ziel kommen, dass es vielmehr einige Generationen dauern würde, zum Ziel zu gelangen, das erwarte ich auch, alles andere wäre Zauberei. Aber bevor wir nicht den ersten Schritt wagen, bleibt das Ziel unendlich weit von uns entfernt. Wir müssen wenigstens anfangen, was Du offensichtlich bereits mit Deinen Söhnen gemacht hast. Du hast ihnen Werte vermittelt, die sie wiederum dazu gebracht haben, auf staatlich sanktionierte Gewalt zu verzichten, den Wehrdienst zu verweigern.
Du erinnerst Dich gewiss, dass wir über Ausnahmen diskutiert haben und dass ich meine Einstellung, keine Ausnahmen zuzulassen, nicht nachvollziehbar genug erklären konnte. Im Grunde hatte ich vor allem Gewalt im Auge, wenn ich auf meiner Überzeugung beharrte. Von polizeilicher Gewalt, die vollkommen rechtmäßig abläuft, einmal abgesehen, müssen wir auf jeden Kampf gegen einen Menschen verzichten, auch auf den Kampf zweier Tennisspieler. Lassen wir hier Ausnahmen zu, geht es bei Diskussionen nicht mehr um die Ächtung der Gewalt, sondern nur noch darum, ob die spezielle Form eine Ausnahme ist oder nicht.
Es fängt so harmlos an und schreitet in winzigen Schritten voran, sodass wir es vielfach gar nicht bemerken. Wenn wir es dann endlich doch bemerken, dann ist es häufig schon zu spät.
Ich bin gespannt auf alle Reaktionen.
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 04.07.2007, 18:45 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 23.05.2007 | | Beiträge | 1669 | | Wohnort | Fehmarn |
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Hallo Wolf-Gero,
es ist schon wieder Abend geworden. Wie doch die Zeit vergeht. Am PC besonders schnell.
Zum Thema:
Sport an sich ist ja nichts schlechtes. Es gab ihn schon immer und dient in gewisser Weise auch der Unterhaltung des Zuschauers. Ich halte z.B. Fußball, Handball oder Tennis nicht unbegingt für schädlich. Es ist ein Ballspiel. Auch Kinder spielen mit dem Ball und man verbietet es schließlich nicht. Es ist schwer, hier radikal eine Grenze zu ziehen, denn Sport an sich ist ja gesund und lenkt so manchen Jungendlichen von anderen "Dingen" ab. Wollen wir mal von den Randalen, hauptsächlich beim Fußball, absehen, denn die gibt es überall. Traurigerweise schickt man sich beim Fußball an, dem anderen in die Beine zu treten, um an den Ball zu kommen. Das sind die Auswüchse auf die wir eben verzichten könnten. Boxen, Fechten und andere Kampfsportarten lehne ich allerdings ab. Ich sehe keinen Sinn darin sich körperlich so zurichten zu lassen, nur um festzustellen wer der Stärkere ist. Absoluter Blödsinn. Aber leider sind auch die "harmlosen Zuschauer" begeistert, wenn um so mehr drauf geschlagen wird. Kaum zu begreifen, aber wahr.
Ich kann nur wiederholen, was ich schon erwähnte. Die jüngere Generation ist unsere Rettung. Sie müssen kapieren worum es geht und Schritt für Schritt in eine "Bessere" Richtung gehen.
Schönen Abend noch
Rita |
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_________________ „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
www.ritahajak.de Wieder mal neu |
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Verfasst am: 04.07.2007, 20:54 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 601 | | Wohnort | Hamburg |
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Hallo Rita!
Zitat:
| Zitat: | | Sport an sich ist ja gesund und lenkt so manchen Jugendlichen von anderen "Dingen" ab. |
Das ist völlig richtig. Nur, die nächste Frage lautet dann: Was ist Sport?
Das englische Substantiv „sport“ ist eine Kurzform von „disport“, das Zerstreuung, Vergnügen bedeutet.
Sport ist ein beliebter Euphemismus, eine Maske, hinter der sich anderes verbirgt, genauer gesagt, etwas Unschönes oder wenig Edles.
Von dem, was heutzutage alles unter Sport verstanden wird, erinnert kaum noch etwas an die ursprüngliche Bedeutung des Wortes, sich nämlich um der Zerstreuung und des Vergnügens willen oder aus Freude an Bewegung und Spiel oder auch zur körperlichen Ertüchtigung anzustrengen. Wie wir unschwer erkennen, ist der Zweck das entscheidende Kriterium. Der Begriff „Berufssportler“ ist daher eine völlig absurde Wortzusammensetzung. Läuft zum Beispiel jemand in seiner Eigenschaft als Profifußballer über ein Fußballfeld, ist er nicht mehr berechtigt, sich Sportler zu nennen, als ein Paketbote, der in das sechste Stockwerk eines Hochhauses steigen muss, um ein Paket zu übergeben; denn beide gehen nur ihrem Beruf nach, und die körperliche Anstrengung ist Bestandteil ihrer beruflichen Tätigkeit.
Zitat:
| Zitat: | | Es [Fußball] ist ein Ballspiel. Auch Kinder spielen mit dem Ball und man verbietet es schließlich nicht. |
Kinder spielen miteinander Ball, zumindest sollte es so sein, und dann entspricht es der Definition von „Sport“. Treffen sich jedoch die hoch bezahlten Fußballer von Hamburg und von München, dann wollen sie nicht miteinander Ball spielen, sie wollen gegeneinander kämpfen, wollen die gegnerische Mannschaft schlagen.
Zitat:
| Zitat: | | Aber leider sind auch die "harmlosen Zuschauer" begeistert, wenn um so mehr drauf geschlagen wird. Kaum zu begreifen, aber wahr. |
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