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Verfasst am: 12.06.2007, 05:16 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 01.05.2007 | | Beiträge | 1692 | | Wohnort | Emden |
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Lieber Wolf-Gero,
so ganz habe ich leider immer noch nicht verstanden, was Du vor hast.
Sollen wir Deine "Behauptungen" zu denen Du ja eigentlich schon Antworten bekommen hast, nun bestätigen oder widerlegen?
| Zitat: | | Denn das Idealziel, das wir erreichen könnten, wäre, das die Menschen, nach Verantwortlichkeit gefragt, mit dem Ergebnis unserer Diskussion antworten, und zwar spontan, also ohne lange zu überlegen. Unser Ergebnis sollte den Menschen sozusagen in Fleisch und Blut übergehen. |
Das würde bedeuten, dass Du das Ergebnis dieser Diskussion schon kennst und erwartest.
Ich finde es auch unglücklich, dass Du einzelne Begriffe definieren willst indem Du dazugehörende Begriffe in ein neues Thema sortierst. Für mich sind Verantwortlichkeit und Entscheidung und Konsquenz oder Ursache und Wirkung - keine Begriffe die ich als Einzelthemen diskutieren kann. Es greift immer eines ins andere und das Aufspalten führt meiner Ansicht nach dazu, dass die Dinge ihre Bedeutung verlieren. Es geht Dir auch hier scheinbar um die Widersprüchlichkeiten des Daseins? Die kann ich - wie gesagt - nicht voneinander trennen, weil sie eben zusammen ein Ganzes bilden.
LG Grete |
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Zuletzt bearbeitet von g.c.roth (Moderator) am 12.06.2007, 08:48, insgesamt einmal bearbeitet _________________ Individuelle Buchcover zu fairen Preisen: http://www.satzstudio-roth.de |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 12.06.2007, 08:42 |
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| Zitat: | | Denn das Idealziel, das wir erreichen könnten, wäre, das die Menschen, nach Verantwortlichkeit gefragt, mit dem Ergebnis unserer Diskussion antworten, und zwar spontan, also ohne lange zu überlegen. Unser Ergebnis sollte den Menschen sozusagen in Fleisch und Blut übergehen. |
Welch grauenvolle Vorstellung - nachbeten, statt selber denken |
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Verfasst am: 12.06.2007, 08:54 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Hallo Susanne,
das wäre allerdings grauenvoll - vor allem, wenn es "die Menschen" alle tun.
Gott sei Dank sind wir noch nicht wieder so weit, obwohl es Tendenzen in unserer Gesellschaft gibt, wo dies wieder angestrebt wird -und - das ist das Fatale - auch dankbar angenommen wird.
LG Grete |
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Verfasst am: 12.06.2007, 09:30 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Liebe Grete,
Du hast mich auf ein großes Versäumnis aufmerksam gemacht. Ich hätte Euch auf jeden Fall über meine Zielvorstellung und über das, was ich mir von Euch erhoffe, besser informieren müssen. Ich werde das auch nachholen. Allerdings wird es voraussichtlich erst heute Abend etwas, da ich jetzt sofort aus dem Haus muss und erst am Abend wiederkomme.
Bis dahin
LG Wolf-Gero |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 12.06.2007, 09:35 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Susanne!
Wie Du das offensichtlich aufgefasst hast, wäre es auch für mich eine grauenvolle Vorstellung. Ich bin aber davon überzeugt und auch zuversichtlich, Euch von meinen redlichen Absichten überzeugen zu können, dass das, was ich wirklich anstrebe, keinen redllichen Menschen erschrecken kann.
Nun muss ich aber wirklich aus dem Haus.
Heute Abend geht es weiter.
Viele Grüße
wgbajohr |
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Verfasst am: 13.06.2007, 02:14 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Liebe Grete!
Es ist nun doch später geworden, als ich dachte. Wenn es jetzt auch schon weit nach Mitternacht ist, so möchte ich dennoch versuchen, das nachholen, was ich versäumt hatte.
Grete schrieb:
| Zitat: | so ganz habe ich leider immer noch nicht verstanden, was Du vor hast.
Sollen wir Deine "Behauptungen" zu denen Du ja eigentlich schon Antworten bekommen hast, nun bestätigen oder widerlegen? |
Die Frage lautet: Was habe ich vor?
Ich machte mir in der Vergangenheit zu etlichen Themen intensive Gedanken, und zwar so lange, bis ich zu einem Ergebnis kam, für das ich selbst aussagen kann: Der Weg dorthin ist (aus meiner Sicht) widerspruchsfrei, und ich finde das Ergebnis so gut, dass ich es als Maxime für mich gelten lassen kann.
Der einzige, aber auch gewichtige Nachteil ist, dass die Diskussion weitestgehend nur in meinem Kopf stattgefunden hat. Indem ich Euch jetzt an meinen Überlegungen und Folgerungen teilhaben lasse, kommt mein gesamtes Gerüst auf den Prüfstand. Gelingt es Euch, meine Argumente in der Luft zu zerreißen, und mir gelingt es nicht, Eure Bedenken zu zerstreuen, dann gehört das Zerrissene auf den Müll, nicht wert, ihm eine einzige Träne nachzuweinen. Gerade dann, wenn es darum geht, Widersprüche zu finden, erweist sich eine größere Gruppe engagierter Diskussionsteilnehmer als sehr hilfreich für ein tragbares Endergebnis.
Bei meiner Vorgehensweise geht es also nicht darum, Euch mein persönliches Endergebnis unvorbereitet vorzulegen. Zwar halte ich es durchaus für denkbar, sogar für wahrscheinlich, dass wir gemeinsam zu dem Ergebnis kommen, das ich mir bereits überlegt habe, aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit kann ich ebenso davon ausgehen, dass die Diskussion anders verläuft. Wir alle sind auf jeden Fall Gewinner, wenn Falsches verworfen wird und sich Neues als widerspruchsfreier Ersatz erweist.
Ich möchte Euch auf jeden Fall alle Etappen durchlaufen lassen. Bei jeder Etappe habt Ihr Gelegenheit, Widersprüche aufzuzeigen und neue Wege in die Diskussion einzubringen. Wo ich eine Möglichkeit dazu sehe, werde ich zu jedem Ergebnis oder Zwischenergebnis eine Erklärung oder Begründung mitzuliefern versuchen.
Grete schreibt in etwa:
| Zitat: | | Ich finde es auch unglücklich, dass Du einzelne Begriffe definieren willst indem Du dazugehörende Begriffe in ein neues Thema sortierst. Für mich sind Verantwortlichkeit und Entscheidung und Konsequenz oder Ursache und Wirkung - keine Begriffe die ich als Einzelthemen diskutieren kann. |
Wenn es erforderlich ist, verwende ich selbstverständlich auch andere Begriffe, um einen Zusammenhang aufzuzeigen oder etwas zu belegen. Diese Begriffe sind dann stets nur willkommene Diener und keine eigenständigen Diskussionsthemen, sie stehen stets im Zusammenhang mit dem eigentlichen Thema, beleuchten vielleicht einen Teilaspekt. Ich bin sicher, dass sich dieser Punkt mit Fortschreiten der Diskussion von selbst klärt.
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 13.06.2007, 07:57 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Guten Morgen!
| Zitat: | Behauptung 01:
„Ich bin für alles verantwortlich,
was meinem Einfluss unterliegt,
unabhängig davon,
ob ich meinen Einfluss geltend mache oder nicht.“ |
Grundsätzlich gebe ich Dir Recht, aber wie sieht es mit diesem Beispiel aus:
Ich kann auf eine Sache Einfluss nehmen – z. B. wenn eine Gruppe einen Vorsitzenden wählt. Ich kann aus einer Überzeugung heraus für oder gegen diesen Vorsitzenden stimmen. Teilt der Rest der Gruppe meine Meinung nicht und es wird eine Entscheidung getroffen, die meiner Überzeugung entgegen steht, - wie kann ich für das, was aus der Entscheidung der Mehrheit resultiert die Verantwortung übernehmen?
Ich habe vorab die Möglichkeit, andere von meiner Sicht der Dinge zu überzeugen. Gelingt mir dies nicht, kann ich auch keine Verantwortung übernehmen für das, was die Mehrheit entschieden hat und für die Konsequenzen, die die Wahl nach sich zieht - obwohl ich augenscheinlich die Möglichkeit hatte, Einfluss zu nehmen.
| Zitat: | Behauptung 02:
Per Definitionem gibt es eine Verbindung zwischen einer Ursache und der von ihr hervorgerufenen Wirkung. |
Da gibt es wohl nichts zu diskutieren? Ursache und Wirkung bedingen sich. Im Grunde wieder eine Gegensätzlichkeit die ein Ganzes ergibt...?
LG Grete |
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Verfasst am: 13.06.2007, 13:32 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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1. Verantwortlichkeit 2
Entscheiden und verantworten gehören zusammen
„Über sein Können hinaus ist niemand verpflichtet“, so lautet die abgewandelte Form eines Rechtsgrundsatzes aus dem antiken Rom. Diese alte Regel erscheint so eingängig, dass wir sie ohne weiteres übernehmen würden, wenn uns das Wort „Können“ nicht davon abhielte. Es löst ein leichtes Unbehagen in uns aus. Woran liegt das? – Der Grund dafür ist unsere Unsicherheit über die Bedeutung der Aussage, jemand könne etwas nicht. Es gibt nämlich zwei klar voneinander abzugrenzende Bedeutungen: In dem einen Fall verbirgt sich dahinter, dass es jemandem selbst bei größter Anstrengung unmöglich ist, eine Aufgabe zu erfüllen, zum Beispiel die Naturgesetze außer Kraft zu setzen. In anderen Fällen wird „können“ aber verwendet, um darüber hinwegzutäuschen, dass jemand etwas nicht will oder nicht mag, weil er vielleicht die Unbequemlichkeit oder die Anstrengung scheut. Diese Unsicherheit hält uns leider davon ab, den oben genannten römischen Rechtsgrundsatz als verbindlich anzuerkennen, obwohl uns aus einem bestimmten und bald erkennbaren Grund daran gelegen ist. Wir sollten uns deshalb darauf verständigen, dass „können“ in dem hier gemeinten Zusammenhang bedeutet, jemandem ist es möglich und auch zumutbar, eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen.
Verknüpfen wir den nunmehr genauer gefassten römischen Rechtsgrundsatz mit dem Begriff „Verantwortlichkeit“, dann kommen wir zu dem vorläufigen Schluss, ein Mensch sei für etwas nicht verantwortlich, wenn es ihm weder möglich noch zumutbar ist, dieses Etwas zu beeinflussen. Ebenfalls nur vorläufig anerkennen wir die Existenz von Umständen, die jemanden a priori jeder Verantwortlichkeit entheben, wie beispielsweise geistige Umnachtung.
Die Konsequenz davon muss allerdings sein, dass die befreienden Umstände auch zu einem Verbot führen, über irgendetwas zu entscheiden. Diese Forderung betrifft keineswegs nur solche Menschen, denen es wegen Geisteskrankheit unmöglich ist, die Folgen ihres Handelns vorherzusehen, sondern auch all die Menschen, die in ihrer Entwicklung noch nicht weit genug vorangeschritten sind, um den Zusammenhang zwischen ihrem Tun und möglichen Folgen realistisch einschätzen zu können: unsere Kinder.
Entscheiden und verantwortlich sein gehören zusammen. Auch das ist wahrhaftig keine neue Erkenntnis, vielmehr liegt sie bereits dem Kinderreim „Messer, Gabel, Schere, Licht dürfen kleine Kinder nicht“ zugrunde. Mit seiner Hilfe versuchen Mütter seit Generationen, ihren nach Erkenntnissen drängenden und experimentierfreudigen Nachwuchs von allzu frühem und infolgedessen unverantwortbarem Umgang mit gefährlichen Haushaltsgegenständen abzuhalten. Den Müttern geht es aber nicht um dauerhafte, sondern ausschließlich um zeitlich begrenzte Verbote. Sie werden nach und nach gelockert und verschwinden schließlich völlig, und zwar abhängig davon, wie die Kinder vorherzusehen lernen, was für Folgen eine falsche Anwendung haben kann. Der Reifegrad unserer Kinder gibt demnach vor, was ihnen schon erlaubt werden darf und was noch nicht. Zwar verfügen wir über kein Messgerät, mit dem die Entwicklungsstufe zweifelsfrei festgestellt werden könnte, aber für gewöhnlich wissen Mütter den Reifegrad ihrer Kinder sehr genau einzuschätzen, um danach entscheiden zu können, ob sie ein Verbot aufheben dürfen oder nicht.
Jetzt haben wir allerdings zu fragen, ob eine Mutter ihrer Verantwortlichkeit enthoben sein sollte, falls sie nach sorgfältigem Abwägen überzeugt ist, ihr Kind sei für eine neue Freiheit reif genug, und deshalb ein Verbot lockert. Eine Besonderheit der Kindheit ist, dass sie als eine Zeit des Übergangs betrachtet wird. Zwischen totalem Verbot und uneingeschränkter Erlaubnis, eigenverantwortlich zu handeln, muss sich der junge Mensch vortasten, vieles ausprobierend und dabei Erfahrungen sammelnd, manchmal zwei oder drei Schritte auf einmal nehmend, dann wieder einen Schritt zurückgedrängt und anschließend erneut vorwärtsstürmend. Auf der einen Seite rebelliert der Heranwachsende gegen fortbestehende Verbote, weil er sich schon für reifer hält, als ihn seine Erzieher einschätzen, auf der anderen Seite quittiert er manche Lockerung mit Unbesonnenheit und nährt dadurch den Verdacht, ein Verbot sei zu früh aufgehoben worden. Kinder und Jugendliche sind, wie man weiß, noch keine gefestigten Persönlichkeiten, von denen wir zu Recht erwarten dürfen, dass sie sich ihrer Grenzen bereits bewusst sind. Um diese Grenzen überhaupt kennen lernen zu können, ist Kindern auf ihrem Weg zu gereiften Persönlichkeiten die Gelegenheit zu geben, ihre eigenen Grenzen auszuloten. Hierbei lässt sich nicht immer vermeiden, dass sie auch einmal die eine oder andere Grenze überschreiten. Heranwachsende sollten zwar durchaus spüren, wie belastend es sein kann, sich für einen Fehler verantworten zu müssen, aber niemals dürfen wir übersehen, dass sie sich in einer Phase des Lernens befinden, in der erfolgreiche und misslungene Versuche einander ablösen. In dieser Zeit sind Erzieher ihren Kindern das, was für einen Hochseilartisten das aufgespannte Netz ist: unverzichtbar, weil die ärgsten Folgen einer Fehlhandlung verhindernd. Zu der am Anfang des Absatzes gestellten Frage zurückkehrend, können wir nun die Antwort formulieren: Eine Mutter ist nicht nur für das verfrühte Aufheben eines Verbotes verantwortlich, sie ist zudem mitverantwortlich, wenn ihr Kind eine gerade erst gewonnene Freiheit missbraucht.
Indem wir uns Gedanken darüber machen, wie wir unseren Kindern mit größter Aussicht auf Erfolg zur erforderlichen Reife verhelfen, damit sie mit allen sich ihnen bietenden Möglichkeiten verantwortungsbewusst umgehen, können wir gar nicht eindringlich genug darauf hinweisen, wie wichtig diese Aufgabe ist. Tagtäglich wird uns vor Augen geführt, dass sich der Menschheit mehr Möglichkeiten eröffnen, als ihr nach ihrem Reifegrad zuzugestehen wären. Vermutlich ist das eine Folge der recht einseitigen Ausrichtung auf das Erreichen von Fortschritten im wirtschaftlichen sowie im technisch-wissenschaftlichen Bereich, wohingegen der Persönlichkeitsbildung des Menschen offensichtlich keine besondere Bedeutung beigemessen wird. Inzwischen sollten aber mehr und mehr Menschen erkennen, dass eine wirkliche und dauerhafte Verbesserung der Lebensbedingungen einzig durch Änderung der inneren Einstellung möglichst jedes Einzelnen erreichbar wird.
Vorläufiger Schluss: Ein Mensch ist für etwas nicht verantwortlich, wenn es ihm weder möglich noch zumutbar ist, dieses Etwas zu beeinflussen.
Vorläufig: Wir anerkennen die Existenz von Umständen, die jemanden a priori jeder Verantwortlichkeit entheben, wie beispielsweise geistige Umnachtung.
Eine Mutter ist nicht nur für das verfrühte Aufheben eines Verbotes verantwortlich, sie ist zudem mitverantwortlich, wenn ihr Kind eine gerade erst gewonnene Freiheit missbraucht.
Da diese Diskussionsrunde angetreten ist, Vorurteilen den Garaus zu machen, seid Ihr alle eingeladen, jede Behauptung zu hinterfragen. Schließlich wollen wir ja nicht erreichen, dass ein Vorurteil lediglich durch ein anderes ersetzt wird.
Beim nächsten Mal geht es um Befehlsketten.
Viele Grüße
wgbajohr |
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Verfasst am: 13.06.2007, 14:23 |
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| Bärentante |
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| Anmeldedatum | 30.05.2007 | | Beiträge | 789 | | Wohnort | bei Frankfurt/M. |
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| wgbajohr hat Folgendes geschrieben: |
„Über sein Können hinaus ist niemand verpflichtet“, so lautet die abgewandelte Form eines Rechtsgrundsatzes aus dem antiken Rom. |
Was heißt in diesem Falle "abgewandelte Form"?
Ich habe vor einiger Zeit ein Gerichtsurteil gelesen. 12-jährige Jungs hatten mit Feuerzeugen gespielt und eine Scheune abgefackelt. Hier wurden die Eltern nicht zur Verantwortung gezogen, da die Jungen in diesem Alter nicht mehr rund um die Uhr beaufsichtigt werden können oder gar sollen. Das ist ein Beispiel aus der Praxis und berechtigt. Alle Jugendlichen machen Unsinn, und wenn etwas verboten ist, natürlich umso lieber. Oder aus Unkenntnis der Folgen. Deshalb kann die Mutter aber nicht bis zur Volljährigkeit hinter ihnen herlaufen, um die Verantwortung für alles Tun zu tragen. Eine unbeschwerte Jugend ohne Verbote, im Freien herumstreunen, das ist doch wohl das Ideal, aber auch ein anderes Thema.
Apropos Mutter - warum schreibst Du nicht über die Verantwortung der Eltern, sondern nur der Mütter? Ich bin jetzt keine Feministin, aber das fällt mir schon auf.  |
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_________________ Liebe Grüße
Christel |
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Verfasst am: 13.06.2007, 15:16 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 572 | | Wohnort | Hamburg |
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Hallo Grete!
| Zitat: | Behauptung 02:
Per Definitionem gibt es eine Verbindung zwischen einer Ursache und der von ihr hervorgerufenen Wirkung. |
| Zitat: | | Da gibt es wohl nichts zu diskutieren? Ursache und Wirkung bedingen sich. Im Grunde wieder eine Gegensätzlichkeit die ein Ganzes ergibt...? |
Sehr schön! - Davon kann man meistens nur träumen, dass man Argumente findet, bei denen die meisten wohl sagen, das verstehe sich von selbst. Am liebsten hätte man nur derartige Argumente. Die Gedankengebäude, die darauf aufgebaut werden, sind sehr sicher.
Es ist einfach zu ärgerlich! Ich hatte einen ausführlichen Beitrag zusammengestellt und wollte gerade die unterschiedlichen Farben vergeben, da stürzt mein Rechner ab und nahm alles mit in das Nirwana. Natürlich fällt mir nicht alles wieder ein.
Manchmal durchläuft etwas eine eigenartige Entwicklung. Nehmen wir unser jetziges Thema: "Ich bin für alles verantwortlich, was meinem Einfluss unterliegt." Beim ersten Anblick fragte ich mich, welcher anständige Mensch habe wohl daran etwas auszusetzen. Schaut man jedoch näher auf das Thema, kommen doch die unterschiedlichsten Bedenken. Was ist, wenn dies ..., was ist, wenn das ... und überhaupt. In dieser Diskussionsrunde werden wir alle "dies" und "das", die mir eingefallen sind, aufgreifen und auf belastbare Aussagen "abklopfen". Im Idealfall kommt trotz der vielen Bedenken zum Schluss eine möglichst schlichte Aussage heraus, hinter der jeder stehen kann, der an der Diskussion teilgenommen und alle Zwischenergebnisse und alle Schlussfolgerungen "abgesegnet" hat. In dem Fall ist das gemeinsam erarbeitete Endergebnis nicht nur Gedankengut und Überzeugung der Gruppe, sondern jedes einzelnen Teilnehmers. Wenn nun einer dieser überzeugten Teilnehmer dieses ethisch einwandfreie Ergebnis als Maxime für sich annimmt, dann kann man ihm meines Erachtens nicht vorwerfen, er bete nach, statt selbst zu denken. Ein gerechtfertigter Vorwurf dieser Art würde unsere Absicht, Vorurteile zu bekämpfen, ad absurdum führen
Welch grauenvolle Vorstellung - nachbeten, statt selber denken
Es bleibt, wenn wir dort angekommen sind, eigentlich nur ein Aufruf übrig: Auch nach einer noch so intensiven Diskussion erwirbt das Ergebnis nicht den Status, sakrosankt oder ein Tabu zu sein. Was gestern noch als wahr galt, kann schon morgen falsch sein. Jeder muss sich und seine Ansichten jeden Tag aufs Neue infrage stellen.
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 13.06.2007, 16:30 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 572 | | Wohnort | Hamburg |
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Liebe Christel Bärentante!
a) | Zitat: | | Was heißt in diesem Falle "abgewandelte Form"? |
Ich zitiere aus Büchmann „Geflügelte Worte“
jüngerer Celsus (100 n.Chr.):
Original: Impossibilium nulla obligatio est
Zu Unmöglichem gibt es keine Verpflichtung
Abgewandelte Form:
Ultra posse nemo obligatur
Über sein Können hinaus ist niemand verpflichtet
b) Kleine Feuerteufel: Die Gemeinsprache unterscheidet nicht in der Schärfe zwischen Verantwortlichkeit und Schuld, wie wir es hier müssen, weil es wirklich nur um Verantwortlichkeit geht. Schuld ist das Steckenpferd der Juristen, und kann sich von Land zu Land, von Zeit zu Zeit und manchmal sogar von Richter zu Richter wandeln sich.
Zum Teil gerade wegen der unscharfen Abgrenzung des Adjektivs „verantwortlich“ von „schuldig“ habe ich diese Runde angestoßen. Hier hast Du tatsächlich einen Punkt berührt, der vielen Schwierigkeiten bereitet, weil sie sich bei verantwortlich nicht von dem Gedanken an Schuld lösen können. In der weiteren Diskussion werden ich noch einige sehr krasse Beispiele bringen, die zumindest im ersten Augenblick manchen entrüsten. Doch sie müssen trotzdem so krass sein, weil sie erst dann auch dem Zuhörer auf der letzten Bank keinen Zweifel mehr daran lassen, was verantwortlich sein heißt. Das Beispiel mit der Mutter zeigt bereits einen Hauch davon. Man mag die Mutter oder die Eltern von Schuld völlig frei sprechen, an ihrer Verantwortlichkeit ändert das nichts. Es gibt keine Verantwortung mildernde Umstände. Doch jetzt greife ich bereits etwas vor.
c) Warum ich nicht von der Verantwortung der Eltern, sondern nur von der Verantwortlichkeit der Mutter spreche, hat einen ganz simplen Grund, der aber leider hier nicht sichtbar wird. Die Gedanken über Verantwortlichkeit sind nur ein kleiner Teil eines umfangreicheren Buches. Dort behandle ich unter anderem die Funktionen in einer Familie. Ohne Rücksicht darauf, wer es letztlich ausübt, ist die Mutter die Hauptbezugsperson der Kinder. In vielen Familien wird es wohl auch die Mutter sein, in anderen ist es vielleicht der Vater, in noch anderen die Großmutter. Wie Du siehst, hat dieses alles nichts mit Kampf gegen Emanzipation zu tun.
Ich hoffe, Du beteiligst Dich weiterhin!
Viele Grüße
wgbajohr |
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Verfasst am: 13.06.2007, 18:05 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 01.05.2007 | | Beiträge | 1692 | | Wohnort | Emden |
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| Zitat: | | Eine Mutter ist nicht nur für das verfrühte Aufheben eines Verbotes verantwortlich, sie ist zudem mitverantwortlich, wenn ihr Kind eine gerade erst gewonnene Freiheit missbraucht. |
Einspruch! Euer Ehren!
Kein Elternteil auf der Welt kann Voraussehen was in den Köpfen von Kindern vorgeht! Selbst bei uns auf dem Land ist es zwei Kindern im Alter von 5 und 6 Jahren eingefallen, in einer unbeobachteten halben Stunde mit einem Nagel die schönsten Kinderzeichnungen nebst Schreibübungen, in sieben (!) Autos der Nachbarschaft zu ritzen. Nur das Auto der Mutter - das haben sie verschont.
Also war sehr wohl das Bewusstsein vorhanden, dass man das nicht darf. (Verantwortung der Mutter: lässt die Kinder unbeobachtet spielen, im Vertrauen, dass sie wissen, dass man keine Autos zerkratzt!). Diese Kinder haben vorher nie irgendwelche Dinge anderer Leute mutwillig beschädigt. Sie haben einfach Schule gespielt mit einem großen Nagel, der zufällig an dem Tag auf der Straße lag und der als Kreide diente - und mit vielen Autos, die als Tafel dienten. Was sie angerichtet hatten, begriffen sie erst, als das Gezeter der Erwachsenen losbrach. Die Kinder waren immer lieb und ordentlich. (... also im normalen Rahmen. . . ) Kann man dafür wirklich der Mutter die Verantwortung aufbürden? Ich finde nicht. Die Mutter konnte das nicht ahnen. Sie hat die Kinder lediglich eine halbe Stunde unbeobachtet gelassen, weil dies die Umgebung (Gefahrenquellen) erlaubte. Es gibt einfach Grenzfälle – wo so ein Satz nicht greift.
Für den den’s interessiert: Die Versicherung hat am Ende alle Schäden bezahlt!
LG Grete |
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Verfasst am: 13.06.2007, 18:28 |
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| Bärentante |
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| Anmeldedatum | 30.05.2007 | | Beiträge | 789 | | Wohnort | bei Frankfurt/M. |
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| wgbajohr hat Folgendes geschrieben: | Zu Unmöglichem gibt es keine Verpflichtung
Abgewandelte Form:
Über sein Können hinaus ist niemand verpflichtet |
Dann ist die Urversion doch eigentlich viel klarer, Deine Ausführung über das Können, Wollen, Vermögen entfällt damit. Wenn etwas "unmöglich" ist, hat das beispielsweise mit Unlust nichts zu tun. Fakt ist, dass es der Person nicht möglich ist, unabhängig vom Wille, Unlust, etc.
(Hoffentlich schreibe ich jetzt keinen Unsinn, hätte eigentlich schon vor 10 Minuten aus dem Haus gehen müssen.) |
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_________________ Liebe Grüße
Christel |
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Verfasst am: 14.06.2007, 04:38 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 572 | | Wohnort | Hamburg |
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Liebe Christel Bärentante!
Ich bin begeistert. Ich freue mich, dass Du und Grete in meine Argumentation stecht. Sie kann nur gewinnen. Entweder zeigt sich der Teil als nicht sturmfest, dann wird er ausgewechselt, oder er zeigt seine Widerstandsfähigkeit, dann darf er natürlich bleiben.
Bärentante schreibt:
| Zitat: | | Hoffentlich schreibe ich jetzt keinen Unsinn |
Selbstverständlich nicht!
Bärentante schreibt weiter:
| Zitat: | | Dann ist die Urversion doch eigentlich viel klarer, Deine Ausführung über das Können, Wollen, Vermögen entfällt damit. Wenn etwas "unmöglich" ist, hat das beispielsweise mit Unlust nichts zu tun. Fakt ist, dass es der Person nicht möglich ist, unabhängig vom Wille, Unlust, etc. |
Dass ich die abgewandelte Version gewählt habe, hat einen ganz banalen Grund, ich kannte die Urversion gar nicht. Die abgewandelte Form ist wohl bekannter, vielleicht deshalb, weil sie juristisch besser einzubringen ist - aber das ist natürlich reine Spekulation, denn ich bin kein Jurist.
Es ist zwar richtig, dass ich mir die Ausführung über Können hätte ersparen können, aber dafür wären Ausführungen über Unmögliches erforderlich gewesen. So eindeutig, wie es im ersten Augenblick scheint, ist der Begriff leider auch nicht. Jemand verweigert etwas mit dem Argument, es sei ihm unmöglich, denn es würde seine Kinder das Leben kosten. Ist das unmöglich oder nicht? Nein, unmöglich ist es nicht, aber es ist selbstverständlich unzumutbar. Ich glaube mit meiner Wahl, habe ich den einfacheren Weg gewählt - was nicht immer der richtige sein muss.
Ich freue mich auf die nächsten Argumente.
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 14.06.2007, 05:05 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 572 | | Wohnort | Hamburg |
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Liebe Grete!
Grete klopft auf den Tisch und ruft mit lauter Stimme:
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