Verfasst am: 07.07.2007, 11:15 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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Hallo Wolf-Gero,
ich finde auch, eine Pause könnte nichts schaden. Ich weiß nicht wie Grete darüber denkt. Warten wir mal ab. Ich schließe mich der Allgemeinheit an.
Es ist ohnehin traurig, dass sich so weinige an unserer Diskussion beteiligen. Heute kommt unsere Bärentante aus dem Urlaub zurück.
Vielleicht nimmt sie wieder daran teil.
In diesem Sinne ein schönes Wochenende und Grüße an Deine Frau
Rita |
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_________________ „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
www.ritahajak.de Wieder mal neu |
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Verfasst am: 07.07.2007, 11:18 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 01.05.2007 | | Beiträge | 1692 | | Wohnort | Emden |
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Hallo Wolf-Gero,
die Covergestaltung kostet zwar Zeit, aber sie füllt natürlich nicht die Zeit. Und im Augenblick ist in der Richtung abwarten angesagt.
Nur, es ist schon so, dass ich nebenbei auch mal ein Brötchen verdienen muss, sonst verhungere ich hier noch vor dem PC!
Von daher wäre es schon schön, wenn wir die Diskussionen nicht so forsch betreiben würden!
LG Grete
N.S. Wünsch Dir intensive Stunden mit Deiner Biografiearbeit! |
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Verfasst am: 07.07.2007, 14:28 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Rita und hallo Grete!
Wie ist das mit dem Signal zum Weitermachen?
Ich könnte beispielsweise an jedem Wochenende nachfragen, ob wir fortfahren wollen. Was haltet Ihr davon?
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 07.07.2007, 15:27 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Wolf-Gero, du bist wirklich ein gutwilliger Mann - ein richtiges Herzchen!
Ich denke nicht, dass du jedes Wochenende nachfragen solltest!
Leg doch für jedes Thema einen Zeitraum von 10 Tagen fest, dann folgt das nächste. Wenns dann mal knapp wird mit dem Antworten, kann man das ja kurz sagen.
Ich denke, das ist für Dich dann auch einfacher, oder?
LG Grete
NS: Guck doch mal bitte in deine PN. Dort liegt noch ein Text bezüglich Biografie und eine Info für Deine Internetseite! |
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Verfasst am: 07.07.2007, 17:13 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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Lieber Wolf-Gero,
es ist wirklich nicht nötig, das so streng zu sehen. Machen wir es, wie Grete es vorschlägt. Mir ist das Recht. Wenns mal eng wird, heben wir sicherlich rechtzeitig den Finger. Bei zu langen Pausen verlieren wir das Thema möglicherweise aus den Augen.
Gruß Rita |
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aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
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Verfasst am: 07.07.2007, 19:59 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Grete und hallo Rita!
Wie Ihr es vorgeschlagen habt, so machen wir es.
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 11.07.2007, 10:52 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Liebe Diskutantinnen und liebe Diskutanten und liebe Leserschaft!
Am 15. Juli 2007
gibt es den nächsten Beitrag zum Thema
"Verantwortlichkeit".
Viele Grüße
wgbajohr |
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Verfasst am: 15.07.2007, 00:42 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo liebe Mitautorinnen und Mitautoren!
Ich hoffe, Ihr findet die Zeit, die Beiträge und die Dikussion darüber zu lesen. Selbstverständlich ist jeder eingeladen, auch etwas dazu zu schreiben. Es fällt mir - ehrlich gesagt - nicht leicht, daran zu glauben, jemand habe gar nichts dazu zu sagen, nicht einmal etwas Kritisches. Vielleicht überrascht Ihr mich einmal.
1. Verantwortlichkeit 11
Teil 1 von 2
Wörter, die sich hinter einer Maske verstecken
Ganz und gar nicht neu ist die Neigung des Menschen, als anstößig oder unangenehm empfundene Wörter verhüllend und beschönigend zu umschreiben. Der Fachausdruck dafür lautet Euphemismus. Er ist sozusagen eine Maske, hinter der sich Wörter verstecken können. Bereits die Römer der Antike tarnten ihre Absicht, einen Feind anzugreifen, mit dem Kompositum „aggredi“, das eigentlich nur herangehen bedeutet. Dieses Beispiel aus der Antike zeigt nicht nur, wie sich ein völlig harmlos klingendes Wort verhüllend vor ein anderes stellen kann, sondern auch eine bemerkenswerte und höchst erfreuliche Eigenschaft der Euphemismen: Ihre verhüllende Wirkung ist nicht von Dauer. Da die Kriege der Römer noch zum großen Teil aus Kämpfen Soldat gegen Soldat bestanden, mussten die Soldaten selbstverständlich an den Feind herangehen, um gegen ihn kämpfen zu können. Erteilte nun ein Heerführer einen solchen Befehl, dann wusste auch außerhalb des Militärs sehr bald jeder, dass kein Soldat an den Feind heranging, um ihm die Hand zu schütteln oder Blumen zu überreichen, sondern in der eindeutigen Absicht, anzugreifen. Die verhüllende Wirkung ist nun schon seit Langem geschwunden. Wer denkt bei dem Wort „aggressiv“, das auf „aggredi“ zurückzuführen ist, tatsächlich noch an die harmlose Bedeutung „herangehen“? Heute lässt sich niemand mehr über die Absichten aggressiver Menschen täuschen. Man weiß, dass sie sich nicht nähern, um jemanden liebevoll zu umarmen. Dennoch, für eine gewisse Zeit können verhüllende Begriffe sehr wohl Menschen irreführen; und genau das ist der Grund, weshalb wir hier auf sie eingehen wollen.
Entsprechend der Grundregel, nach der es sich niemand nehmen lassen sollte, alles zu beeinflussen, wofür er sich ohnehin verantworten muss, erscheint es konsequent, seinen Einfluss möglichst wirkungsvoll gestalten zu wollen. Daher richten wir unser Augenmerk vor allem auf die Euphemismen, die sich zu richtiggehenden Modewörtern entwickelt haben. Wegen ihres häufigen Gebrauchs können wir gerade bei ihnen nicht ausschließen, dass sie auf irgendeine Weise Schaden anrichten. In Anlehnung an eine uns vertraute lateinische Redewendung formuliert: Periculum in frequentia – Gefahr liegt in der Häufigkeit. Verhallt die Stimme eines Rufers ungehört in der Wüste, kann ein Euphemismus kaum schaden. Anders verhält es sich dagegen, wenn er durch Fernsehen, Rundfunk sowie Presse verbreitet und schließlich an jedem Stammtisch unreflektiert verwendet wird; dann kann nämlich die bloße Behauptung sehr schnell zur scheinbaren Wahrheit werden.
Worin genau besteht nun eigentlich die Gefahr, anders gefragt, inwiefern kann es tatsächlich schaden, wenn sich bestimmte Wörter tarnen, zumal es ihnen doch ohnehin nur für begrenzte Zeit gelingt? – Die Antwort ergibt sich aus der Verknüpfung von entscheiden und verantwortlich sein. Entscheidungen sind umso sicherer, je zuverlässiger die zu berücksichtigenden Fakten sind. Sie zu finden, sollte der Mensch auf der Straße stets anstreben, sofern er sein Verantwortlichsein ernst nimmt. Eben das wird dem bewusst und erst nach sorgfältigem Abwägen aller Für und Wider entscheidenden Menschen aber unnötig erschwert, wenn ihm Euphemismen den Blick auf die wahren Fakten versperren.
Ein solcher in Mode gekommener Euphemismus – zunächst nur von materiell Bevorzugten verwendet, inzwischen jedoch schon ebenso von resignierenden Benachteiligten – ist der Ausdruck „Besserverdienende“. Sehen wir uns diesen Begriff genauer an: Er setzt sich zusammen aus dem Bestimmungswort „besser“ und dem Grundwort „verdienende“, Partizip Präsens zu verdienen. Das Besondere an diesem Verb ist die durch allgemeines Sprachverständnis gestützte Vorstellung, dass das, was jemand verdient, gerechtfertigt und gleichfalls angemessen sei, gleichgültig, ob es dabei um die Belohnung für eine Leistung oder die Strafe für ein Verbrechen geht. Der Begriff „Besserverdienende“ suggeriert folglich, dass Bezieher eines höheren Einkommens dieses tatsächlich durch entsprechend große Leistung verdient hätten, und zugleich, andere würden zu Recht benachteiligt. Aus der Gehaltshöhe schließen wir auf die Leistung eines Menschen und stellen das Ergebnis als vermeintliche Wahrheit hin. Tatsächlich hat diese Schlussfolgerung jedoch keine höhere Qualität als eine unbewiesene Behauptung. Denn für gewöhnlich steht lediglich fest, dass manche mehr bekommen als andere, sodass sie sicherheitshalber auch nur Mehrbekommende genannt werden sollten. Fraglos gibt es unter den Mehrbekommenden Besserverdienende und im Kreis der Wenigerbekommenden auch Schlechterverdienende, aber gar nicht selten trifft eben das Gegenteil zu. Will daher ein verantwortungsbewusster Mensch den Befürwortern geschlossener Gesellschaftssysteme nicht leichtfertig das Wort reden, wird er es sich gewiss reiflich überlegen, bevor er einen Mehrbekommenden gleich als Besserverdienenden bezeichnet und damit alle Menschen herabsetzt, die zu den Wenigerbekommenden zählen.
In nächster Umgebung des Begriffes „Besserverdienende“ treffen wir häufig auf die ebenfalls in Mode gekommene und etwas seltsam anmutende Wortschöpfung „Leistungsträger“. Leistungen werden üblicherweise geboten, gezeigt, erzielt oder auch erbracht, aber im Grunde nicht getragen. Dachten die Schöpfer des Ausdrucks vielleicht an einen Menschen, dem die ihm aufgebürdete und von ihm zu tragende Last aus Arbeit und Verantwortung allzu schwer wird und ihn deshalb bereits glauben lässt, er leiste mehr als andere und habe daher auch Anspruch auf ein entsprechend hohes Einkommen? Da gerade Mehrbekommende, die sich natürlich zugleich für Besserverdienende halten, mit Vorliebe von sich selbst als den Leistungsträgern sprechen, ist es nicht unbillig, eine Absicht zu vermuten, die Ausdrücke „Besserverdienende“ und „Leistungsträger“ als fest zusammengehörend hinzustellen. Anzunehmen ist außerdem, dass es nicht allein darum geht, bei dem Wort „Leistungsträger“ sofort an Besserverdienende zu denken, was sich ja noch rechtfertigen ließe, vielmehr soll uns bei dem Euphemismus „Besserverdienende“, und zwar ohne die Verknüpfung zu hinterfragen, sogleich der Begriff „Leistungsträger“ in den Sinn kommen. Der aufmerksame Mensch weiß jedoch, wie schwierig es für gewöhnlich ist, jemanden zu loben oder zu tadeln, ohne dadurch ebenfalls etwas über andere auszusagen. Wer also in jedem Mehrbekommenden einen Leistungsträger sieht und ihn daher zu einem Besserverdienenden erklärt, unterstellt zugleich den Wenigerbekommenden, und zwar unausgesprochen, sie wären keine Leistungsträger. Die unbewiesene, gleichsam automatisch ablaufende Verknüpfung von Mehrbekommenden mit Besserverdienenden und schließlich sogar noch mit Leistungsträgern diskriminiert somit jeden Leistungsträger unter den Wenigerbekommenden.
Der nächste Euphemismus, der unser Augenmerk auf sich lenkt, lautet Führungsqualitäten. Mit diesem Begriff hat es seine eigene Bewandtnis. Seltsamerweise wird auf diese Führungsqualitäten vor allem dann verwiesen, wenn sie bei einer Führungskraft nur unzureichend oder überhaupt nicht vorhanden sind, während sie im entgegengesetzten Fall oft gar nicht erwähnt werden. Woran liegt das? Bevor wir diese Frage beantworten, wollen wir uns Gedanken darüber machen, was für Qualitäten wir bei einer – guten! – Führungskraft zu finden hoffen.
Gefragt, was eine gute Führungskraft auszeichnet, wird an erster Stelle häufig die Fähigkeit genannt, Mitarbeiter zu motivieren, sie also für ihre Arbeit zu begeistern. Zu erreichen ist das aber nur dann, wenn möglichst viele der zu bewältigenden Aufgaben auf die dafür jeweils am besten geeigneten Arbeitskräfte verteilt werden. Erst nachdem ein Mitarbeiter überwiegend mit den Tätigkeiten betraut worden ist, für die er sich seinen Neigungen und Fähigkeiten nach besonders gut eignet, ist er wirklich motiviert und findet an seiner Arbeit vielleicht sogar Gefallen … und eben dann dürfen wir auch auf große Leistungen hoffen. Damit es aber einer Führungskraft gelingt, unterstellte Arbeitskräfte in dieser Weise zu motivieren, muss sie deren Schwächen und Stärken richtig einschätzen können, was nicht allein ein beträchtliches Maß an Menschenkenntnis erfordert, sondern ebenfalls solides Fachwissen. Es sollte wenigstens in dem Umfang vorhanden sein, dass es einem Vorgesetzten möglich ist, die fachlichen Leistungen der Mitarbeiter realistisch zu bewerten. Denn obwohl sich normalerweise jeder über ein Lob von Zeit zu Zeit freut, vermag es trotzdem Verärgerung und Unzufriedenheit auszulösen, wenn jemand für eine geringe Leistung überschwänglich gelobt wird, während bedeutendere Leistungen unbeachtet bleiben, ganz zu schweigen von einer damit heraufbeschworenen Gefahr. Mitarbeiter könnten sich nämlich dazu verleiten lassen, sich verstärkt leichten und zugleich publikumswirksamen Aufgaben zuzuwenden und dafür schwierige oder aufwendige Tätigkeiten zu vernachlässigen; wer möchte sich schon anstrengen, wenn er ohne Anstrengung mehr Anerkennung erfährt?
Leider zählt es in unserer gegenwärtigen Gesellschaft nicht zu den üblichen Eigenschaften von Vorgesetzten, wir erachten es vielmehr als ausgesprochenen Glücksfall, wenn einmal eine Führungskraft im Umgang mit ihren Mitarbeitern nicht auf die in sogenannten Führungsseminaren eingeübten Verhaltensregeln zurückgreifen muss, sondern das ist, was meistens als eine wirkliche oder natürliche Persönlichkeit bezeichnet wird. Im Berufsleben stellen diese Menschen die größten Forderungen an sich selbst, arbeiten vorbildhaft, sind fast immer ausgeglichen, haben für die Probleme ihrer Mitarbeiter stets ein offenes Ohr. Sie streben aufrichtig danach, jedem mit Gerechtigkeit zu begegnen.
Zusätzlich zu den bereits erwähnten Qualitäten gibt es selbstverständlich noch weitere, und keine von ihnen ist ohne Bedeutung für jemanden, der Mitarbeitern ein wirklich guter Vorgesetzter sein will. Im Berufsalltag erwarten wir jedoch sogar von einer als gut bewerteten Führungskraft nur, dass sie möglichst viele der für positiv befundenen Merkmale aufweist. Völlig unrealistisch wäre es dagegen, mit allen denkbaren Vorzügen zu rechnen. Genau dieser Eindruck wird allerdings erweckt, wenn einem Mitarbeiter gänzlich unspezifiziert Führungsqualitäten angedichtet werden. Natürlich stellt sich hier die Frage nach dem Warum. – Manchmal sollen die wahren Beweggründe für eine Beförderung verschleiert werden, weil die Entscheidungsträger lästige Diskussionen befürchten. Denn sie ließen sich gewiss nicht vermeiden, wenn offiziell bekannt wäre, dass die Beförderung als Belohnung für beispielsweise extreme Unterwürfigkeit oder Zuträgerdienste gedacht ist. Will den Entscheidungsträgern nichts einfallen, was wenigstens den Anschein einer Rechtfertigung liefern könnte, dichten sie dem Beförderten Führungsqualitäten an, die selbstverständlich nicht weiter spezifiziert werden, sehr wohl wissend und in Kauf nehmend, dass die tatsächlichen Beweggründe ohnehin jedem bekannt sind. Keine Grenzen scheint die Unverfrorenheit zu kennen, wenn die Entscheidungsträger auf angeblich vorhandene Führungsqualitäten verweisen, obwohl der Beförderte kurze Zeit vorher von Führungsaufgaben entbunden werden musste, nachdem alle ihm unterstellten Mitarbeiter gegen ihn als Vorgesetzten rebelliert hatten.
Viele Grüße
wgbajohr
Am 25. Juli 2007 folgt der zweite Teil von zwei
Beim nächsten Mal geht es um so genannte „Berufssportler“ und „Übernahmen“ |
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Verfasst am: 20.07.2007, 12:08 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 01.05.2007 | | Beiträge | 1692 | | Wohnort | Emden |
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Hallo Wolf-Gero.
Die Zeit rennt und ich kann kaum mit ihr mithalten. Ein paar Worte aber kann ich Deinem Beitrag noch hinzufügen. Zum Einen kann ich Deine Wahrnehmung - bezüglicher unserer gedankenlosen Verwendung von unglaublich diskriminierenden und verschleiernden Begriffskreationen - nur bestätigen. Zum Anderen teile ich Deine Erläuterungen hinsichtlich Führungskräften und Führungsqualitäten. Ich habe in früheren Jahren verschiedene Berufe ausgeübt und eine ganze Reihe dieser Führungsmenschen kennen gelernt. Es war kaum jemand dabei, der sich mit seiner Rolle so auseinander gesetzt hat, dass Mitarbeiter tatsächlich motiviert wurden. Im Gegenteil, die meisten dieser Menschen „in gehobener Stellung“ sahen es als ihre Aufgabe an, den Menschen, die „unter ihnen“ die Arbeit verrichten sollten, möglichst geschickt in eine Lage zu versetzen, dass sie augenscheinlich gewisse Verantwortung hätten (gib dem Affen Zucker, damit er tanzt), tatsächlich aber schon im Vorfeld, die Möglichkeiten derart eingegrenzt hatten, dass am Ende nur das geschehen konnte, was „von oben“ gewünscht war. Ich habe Chefs kennen gelernt, mit einer hochmotivierten Mannschaft, die Tag und Nacht bereitstand sich für die Firma krumm zu legen, die eigene Strategien entwickelt hatten um Arbeitszeit und Arbeitseinsatz effektiver zu gestalten, was zur Folge gehabt hätte, dass tatsächliche Identifikation und Erfolg sowohl für die Firma als auch für die Mitarbeiter das Ergebnis gewesen wären. Doch meine Erfahrung ist, dass die sog. Führungskräfte es nicht zulassen, dass so etwas umgesetzt wird. Das würde beweisen, dass ihr Job eigentlich überflüssig ist. Meine Konsequenz daraus war, dass ich mich selbständig gemacht habe und ausschließlich in einem Netzwerk von Selbständigen arbeite.
Andererseits ist es mit der Bereitschaft Verantwortung für sich zu übernehmen in unserer Bevölkerung nicht weit her, so dass „Führungskräfte“ auch mit wenig Leistung und wenig effektiver Arbeit – immer wieder dankbar von den Menschen angenommen werden. Hin und wieder bekomme ich z.B. Anfragen von Arbeitssuchenden. Wenn ich ihnen dann erkläre, dass ich ihnen die Möglichkeit bieten kann, sich einen eigenen Arbeitsplatz selbständig bei mir zu erarbeiten - nämlich auf gleicher Ebene, schrecken die meisten zurück. Es ist ja zudem noch so, dass es den meisten Angestellten finanziell besser geht als ihrem Chef! Der hat nämlich keinen Vertrag in der Schublade, in dem steht, dass er jeden Monat sein volles Gehalt bekommt und dieses zur Not auch noch irgendwo einklagen kann. Und von einem festen Stundenlohn kann der nur träumen. Ich spreche dabei vom Klein- und Mittelstandsunternehmer. Spätestens bei diesem Argument, zucken die meisten Bewerber zurück.
Die Mehrheit der Menschen ist gar nicht in der Lage, Verantwortung für sich zu übernehmen. Ich denke, das ist eine Folge der gesamten gesellschaftlichen und technischen Entwicklung. Ein einfaches Beispiel: Wie viele sagen sich, ‚was soll ich mir Gemüse auf dem Wochenmarkt besorgen, das muss ich noch putzen und kochen und abschmecken, das kostet mich Zeit und macht Arbeit’. Dann greifen sie zum gefrorenen Fertiggericht und sind am Ende auch satt. Was ihnen allerdings dabei verloren gegangen ist: Der kreative Prozess, sich selbst Nahrung zu beschaffen und zuzubereiten. Ein höchst befriedigendes Ergebnis allein zu Wege zu bringen und dazu noch satt zu werden! Da kommen dann Argumente wie: „Kochen liegt mir nicht!“, „Ich habe keine Zeit mich damit zu beschäftigen.“ Tatsächlich ist es aber nur eine Möglichkeit, Verantwortung abzugeben. Ist das Fertiggericht dann mal mit Salmonellen verseucht, kann man die Verantwortung auch gleich wieder abschieben. Nur, dass wir selber dafür sorgen, dass es so ist, dass wird schlicht ignoriert.
Wir leben in einer Gesellschaft, die sich selbst abhängig gemacht hat durch die Weigerung Verantwortung zu übernehmen. Und das seltsame ist, dass zwar viele darüber jammern und sich beklagen, wenn ihnen wieder ein Stückchen Selbstbestimmung abgenommen wird, dass aber kaum einer aufsteht und sagt: Bis hierher und nicht weiter. Die Masse Mensch liegt satt und müde auf dem Sofa und jammert über ihr Schicksal. Können wir uns ja auch immer noch leisten, noch werden ja die meisten satt. Selbst für die, die nichts mehr haben – werden Fütterungsstationen eingerichtet, damit sie ja nicht aufbegehren. Nach dem Motto: Wir haben zwar immer mehr Menschen, die nicht mehr genug Geld haben um sich selbst zu ernähren, aber es gibt ja die „Tafeln“ in allen größeren Städten, da kann jeder satt werden. Statt diesen Menschen Möglichkeiten zu schaffen sich durch Eigenleistung ihr Leben wieder leisten zu können, werden sie in noch tiefere Abhängigkeit gedrängt und zudem noch geächtet.
Schnell noch ein Beispiel in Richtung alleinerziehende Mütter: Es ist vielen Frauen, die gern arbeiten möchten, nicht möglich einen Arbeitsplatz zu besetzen, weil die Öffnungszeiten der Horte und Kindergärten sich nicht mit den Arbeitszeiten in der Wirtschaft decken. Da wird vom Staat lieber für jede Mutter und jedes Kind jeden Monat 1000 Euro gezahlt um ihnen irgendwie ein Überleben zu ermöglichen. Stattdessen wäre es wesentlich günstiger, eine weitere Arbeitskraft in Kindergärten einzusetzen, die nur 3000 Euro mtl. kostet und dafür 6-7 Kinder, zu benötigten Arbeitszeiten betreut. Dann könnten die Mütter wieder für sich und ihre Kinder selber sorgen und der „Vater?“ Staat könnte Milliarden sparen!
So, ich schreib mich hier gerade wieder in Rage. Muss aber noch ein bisschen arbeiten. Ich denke, meine Einstellung ist aber klar geworden.
Schönes Wochenende wünsch ich!
LG Grete |
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Verfasst am: 20.07.2007, 22:55 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 23.05.2007 | | Beiträge | 1612 | | Wohnort | Fehmarn |
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Guten Abend, Wolf-Gero,
eigentlich, gibt es Deinen und Gretes Ausführungen nichts mehr hinzuzufügen. Aber einige Worte habe ich auch noch, um zu zeigen, dass ich Deine Diskussionen aufmerksam verfolge.
Deinem ersten Abschnitt über "Euphemismus" stimme ich zu. Desweiteren finde ich es eigentlich traurig, wenn man mit viel Motivation, eine Arbeit annimmt, die maßlos beschönigt wird, und sich dann, als Gegenteil herausstellt. So ging es mir beruflich zweimal. Ich habe die Zähne zusammengebissen und mich bemüht, alles so gewissenhaft, voller Interesse und Bereitschaft auszuführen, was aber letztendlich niemand interessiert hat. Meine jeweiligen Chefs meinten, ich solle mich beschränken, auf das was sie verlangen. Darüber hinaus erwarteten sie nichts. Sie wollten ihr Führungsgehabe auf keinen Fall aufgeben. Ich kann solche Strategien nicht verstehen. Nach einiger Zeit habe ich eingesehen, dass eine Zusammenarbeit, mit solch einem Unverstand, mir nicht möglich ist und die Konsequenzen gezogen. Nur nach deren Hochzeit, wollte ich nicht tanzen. Aber es geht auch anders. Bei meiner letzten Beschäftigung, als Sekretärin hatte ich das große Los gezogen.
Das Sekretariat und eine Hilfe dazu, gehörten mir. Das war mein Arbeitsbereich, in dem ich walten und schalten konnte. Mein Chef hatte großen Respekt, immer ein offenes Ohr, für die Belange seiner Mitarbeiter. Ein großes Lob muss ich da aussprechen. Diese Art von Führungskräften kann man sich nur wünschen. Auch hin und wieder unbezahlte Mehrarbeit war kein Thema mehr. Wichtig ist auch eine Art von Gleichberechtigung für die Mitarbeiter. Jeder leistet in seinem Arbeitsbereich das was er kann. Ein Miteinander ist wichtig und nicht diese Besserwisserei von Leuten, die von den einzelnen Fachgebieten keine Ahnung haben. Führungskraft heißt nicht automatisch: alles wissen. Auch da hilft Diplomatie von Seiten, der Verantwortlichen.
Eine Führungskraft muss über viele Qualitäten verfügen, besonders im menschlichen Bereich. Gespräche führen, Mitbestimmungsrecht der Angestellten, Verständnis und Vertrauen. Das stärkt die Motivation.
Ich kann nur aus Erfahrung sprechen und freue mich, dass ich es erleben durfte.
Doch die meisten Menschen sind einfach zu bequem. Schnell mal die Arbeit gemacht und ab nach Hause. So ist es auch, wie Grete erwähnte, mit dem Essenmachen. Ein bisschen Kreativität schadet doch nicht, in unserer technisch überladenen Welt. Eigenständigkeit bewahren, selbst etwas Schaffen. Wenn mein Mann und ich jünger wären, würden wir sofort den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Doch dieser Zug ist abgefahren, was nicht heißt, dass wir nur faul herum sitzen. Wir haben eine Möglichkeit gefunden dies oder das zu tun. Es gibt immer Menschen die auf Hilfe warten.
In diesen Sinne, eine gute Nacht, und ein schönes Wochenende
wünscht
Rita |
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_________________ „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
www.ritahajak.de Wieder mal neu |
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Verfasst am: 22.07.2007, 01:47 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 572 | | Wohnort | Hamburg |
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Hallo Grete!
Grete:
| Zitat: | | ich schreib mich hier gerade wieder in Rage |
Wie gut ich Dich doch verstehen kann. Diese Stimmung brachte mich vor vielen Jahren einmal dazu, mir Gedanken über Verantwortlichkeit zu machen. Dass die Menschen, denen es unter diesem ungerechten Gesellschaftssystem ausnehmend gut geht, wenig Interesse daran haben, etwas zu verändern, das kann ich verstehen, nicht gutheißen, aber verstehen. Kein Verständnis bringe ich jedoch für die Getretenen auf, die weiterhin darauf warten, getreten zu werden. Mit welcher Begründung machen sie das? Es könnte doch einmal geschehen, dass sie in eine Position gelangen, in der sie andere treten können, und auf dieses befriedigende Gefühl wollen sie nicht verzichten. Ich machte mich einmal daran, mit einem Körperbehinderten auf der untersten hierarchischen Stufe über diese Problematik zu sprechen. Von seinen sogenannten Kollegen wurde er täglich auf widerlichste Weise verspottet. Ich hatte erst wenige Sätze von mir gegeben, als er mich unterbrach und ernsthaft fragte, wer das, was ich von mir gab, gesagt habe. Ich war derart verblüfft, weil ich mit allem Möglichen gerechnet hatte, aber nicht damit, dass jemand mit dem Argument kommt, nur die höheren Chargen hätten das Recht und die Fähigkeit, derartige Probleme anzusprechen. Eigentlich fehlte nur noch das Argument, das Denken den Pferden zu überlassen, schließlich hätten sie den größeren Kopf. Was sagt man jemandem, der sich in völliger Hörigkeit von seinen Vorgesetzten alles gefallen lässt? Im Grunde kann man nur hoffen, dass wir nicht wieder eine Diktatur erhalten, wo solche Kleingeister dann in bescheidenem Umfang Karriere machen und dann als Blockwart die Nachbarn drangsalieren.
Und dennoch, ansetzen muss man trotzdem ganz unten, denn es sind nicht alle so zerstört, aber, wie auch Du beobachtest hast, sie alle haben eine gewaltige Furcht davor, für ihr Tun und Lassen ihre Verantwortung zu erkennen. Sie träumen immer noch den gefährlichen Traum, sie seien für nichts verantwortlich, solange sie nur Befehle anderer ausführen; deshalb jagen sie förmlich Vorgesetzten hinterher, selbst wenn die sich als äußerst negative Menschen demaskieren.
Ich kann mir gut vorstellen, wie entgeistert die Arbeitssuchenden waren, wenn Du ihnen das großzügige Angebot gemacht hast, ihnen beim Weg in die Selbstständigkeit behilflich zu sein.
Allerdings gilt es bei den Einmann-Selbstständigen einen Punkt zu berücksichtigen. Es gibt zumindest zwei Arten. Die eine agiert wie ein echter Unternehmer, indem sie sich um Aufträge bemüht, die andere Art ist nur ein Scheinselbstständiger. Er ist, was die Negativpunkte betrifft, nicht besser gestellt als ein Angestellter, aber bei der Einkommenshöhe und dem regelmäßigem Einkommen sieht man in ihm den Selbstständigen. Der Weg, den Du beschritten hast, ist nur für den Menschen eine Möglichkeit, der fähig ist, Aufträge zu besorgen. Wenn er darüber hinaus auch noch gute Arbeitsergebnisse bietet, dann kann er sich ein selbstbestimmtes Leben aufbauen. Doch nimm mich, ich würde nicht einen Auftrag an Land ziehen, wenn mir nicht gerade der Zufall einen in den Schoß fallen ließ. Nicht etwa, weil ich zu faul, zu dumm oder sonst etwas zu sehr bin, irgendetwas in mir sträubt sich an den unpassendsten Stellen. Ich habe es ja nicht einmal geschafft, ein einziges Buch zu verkaufen. Werbung mochte ich nicht, und ohne Werbung wissen potenzielle Käufer nichts von meinem Buch. Vielleicht zieht es mich deshalb sehr stark zu Themen, von denen ich persönlich nichts habe, jedenfalls keinen materiellen Vorteil. Da kann ich sehr wohl die Pauke bedienen. Wenn ich manchmal in den Spiegel sehe, dann sage ich mir selbst, was ich für ein verrückter Kerl bin. Aber noch verrückter ist, dass ich nicht anders sein möchte.
In diesem Sinne wünsche ich Dir einen erholsamen Sonntag.
Liebe Grüße
Wolf-Gero
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Verfasst am: 22.07.2007, 02:27 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 572 | | Wohnort | Hamburg |
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]Hallo Rita!
Rita:
| Zitat: | | Meine jeweiligen Chefs meinten, ich solle mich beschränken, auf das was sie verlangen. Darüber hinaus erwarteten sie nichts | .
Es ist schon fürchterlich genug, wenn man ahnt oder sich sogar ziemlich sicher ist, dass der Vorgesetzte diese Einstellung hat, in einem quasi nur einen Fußabtreter sieht. Das aber ohne Hemmungen offen ausgesprochen, das trifft selbst den Menschen, der es gewohnt ist, schwere Geschosse abzuwehren.
Da ich schon gerade bei Kleingeistern war, kann ich nur unterstreichen: Nach der Pfeife eines solches Kleingeistes zu tanzen, das überfordert für gewöhnlich einen Menschen, der von der Natur selbst einen Verstand zum Denken bekommen hat und sich dieses kostbare Geschenk nicht von derart armseligen Wesen nehmen lassen will.
Erfreulicherweise hast Du beide Seiten kennen gelernt, sodass Du davor geschützt bist, alles nur einseitig auszulegen. Um ein guter Vorgesetzter zu sein, ist etliches erforderlich, wie Du es bereits anführst, aber hinter allem, auch bei dem guten Vorgesetzten, steht zunächst die Erkenntnis, für all sein Tun und Lassen verantwortlich zu sein. Fehlt diese Erkenntnis, ist es wie mit Genies, die über eine Brücke gehen wollen, die plötzlich nicht mehr da ist. All die Genialität nützt nichts, wenn die Grundlage fehlt – und sie ist das Bewusstsein für alles verantwortlich zu sein, was man beeinflusst oder beeinflussen könnte. Bis jetzt ist es tatsächlich so, dass diese Behauptung wieder und wieder bestätigt wird. Vielleicht wäre es ja sogar einfacher, eine gerechtere Gesellschaft einzuführen, wenn man auf die Verantwortlichkeit verzichten könnte. Doch selbst wenn es möglich sein sollte, stellt sich die Frage, wie man jemandem trauen kann, der sich seiner Verantwortlichkeit nicht bewusst ist. Nein, um die Verantwortlichkeit kommen wir nicht herum.
Ich wünsche einen erholsamen Sonntag auf Fehmarn.
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 22.07.2007, 07:37 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 01.05.2007 | | Beiträge | 1692 | | Wohnort | Emden |
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Hallo Wolf-Gero,
| Zitat: | | Was sagt man jemandem, der sich in völliger Hörigkeit von seinen Vorgesetzten alles gefallen lässt? |
Meine Erfahrung: Argumente sind dort fehl am Platz. Wer sich in einer solchen Lebenssituation befindet, der hat auch nie etwas anderes kennengelernt. Wer es nicht gelernt hat, seine Bedürfnisse und Ansprüche geltend zu machen, und wer nie ernst genommen wurde, dem kann man noch so viel erklären, es wird immer ein „aber“ kommen, denn dieses Verhalten wird von Angst bestimmt. Ein Mensch der sich derart leiten lässt, wird erst dann anfangen zu handeln, wenn er mit dem Rücken an der Wand steht (das kann dann aber auch eine vernichtende Handlung sein).
Was ein Mensch in dieser Situation braucht: Einen Begleiter, der ihn zu dem Punkt führt, wo er sich traut, seine eigenen erlernten Grenzen zu überschreiten. So wie man Kinder an die Hand nimmt und alles mögliche mit ihnen übt, bis sie plötzlich die Hand nicht mehr wollen und sagen: „ich kann das schon alleine“.
| Zitat: | | Ich kann mir gut vorstellen, wie entgeistert die Arbeitssuchenden waren, wenn Du ihnen das großzügige Angebot gemacht hast, ihnen beim Weg in die Selbstständigkeit behilflich zu sein. |
Das hat gar nichts mit Großzügigkeit zu tun, lieber Wolf-Gero. Ich trage durchaus keinen Heiligenschein. Es ist so, dass ich z.B. an den eingereichten Arbeiten sehe, ob jemand wirklich gute Sachen macht und da sehe ich natürlich auch Potenzial für mein Unternehmen: Neue Ideen, neue Stilrichtungen, breitere Angebotspalette etc. Frischer Wind ist immer gut. Außerdem arbeitet es sich wesentlich entspannter, wenn man weiß, der Partner gibt sein Bestes, weil er die gleichen Interessen verfolgt und auf jeden Fall Erfolg haben und Fehler möglichst vermeiden möchte, weil sie ihm die gleichen Unannehmlichkeiten bringen wie mir.
| Zitat: | | Allerdings gilt es bei den Einmann-Selbstständigen einen Punkt zu berücksichtigen. Es gibt zumindest zwei Arten. Die eine agiert wie ein echter Unternehmer, indem sie sich um Aufträge bemüht, die andere Art ist nur ein Scheinselbstständiger. Er ist, was die Negativpunkte betrifft, nicht besser gestellt als ein Angestellter, aber bei der Einkommenshöhe und dem regelmäßigem Einkommen sieht man in ihm den Selbstständigen. Der Weg, den Du beschritten hast, ist nur für den Menschen eine Möglichkeit, der fähig ist, Aufträge zu besorgen. Wenn er darüber hinaus auch noch gute Arbeitsergebnisse bietet, dann kann er sich ein selbstbestimmtes Leben aufbauen. |
Das ist genau eines der Argumente, das ich oft höre: „Das kann ich nicht, Aufträge besorgen!“ Auch ich habe früher fest geglaubt, dass das etwas ist, was ich nicht kann und das war mit ein Punkt, dass ich viel zu lange gezögert habe, den Schritt in die Selbständigkeit zu gehen. Tatsächlich ist aber auch das nur ein Lernprozess. Wenn man von seiner Sache überzeugt ist, dann kann man sie auch anbieten. Natürlich stolpert man zunächst ein wenig herum und es kostet Überwindung. Man beginnt seinen eigenen Weg auch hier zu suchen und zu finden. Man kann genauso, wie man los geht und sich irgendwo bewirbt (Werbung für sich macht) - losgehen und den Menschen sagen: „Guck mal, ich habe hier eine Möglichkeit die sieht so und so aus... Du brauchst das doch hin und wieder (man muss sich natürlich schon vorher mit den Dingen beschäftigen, die den Kunden interessieren könnten)...., sieh Dir an, was ich so mache...., für Dich könnten wir noch dieses oder jenes erarbeiten..., vergleich mal die Preise.... und wenn das interessant sein könnte für Dich, dann komm einfach das nächste Mal zu mir.“ Alles ganz undramatisch und irgendwann fängt es sogar an Spaß zu machen. So kann man erfahren, dass man in der Lage ist, seine Lebenssituation zu verändern, Verantwortung zu übernehmen für das was man tut, dass man positive Ergebnisse erzielen kann, dass auch Niederlagen (die es natürlich auch gibt) kein Grund zum Aufgeben sind. Es gibt meiner Ansicht nach wenige Dinge, die man nicht lernen kann, wenn man es wirklich will. Entscheidend ist die innere Einstellung und der Wille etwas Bestimmtes zu erreichen. Vor einigen Jahren war eine junge Mutter bei mir, die sich als Naturtalent entpuppte in Sachen Aufträge einholen. Der große Anreiz, die Herausforderung anzunehmen, war die freie Zeiteinteilung, so dass sie Beruf und Kindererziehung unter einen Hut bekam. Ihr hat diese Erfahrung Flügel verliehen. Sie hat dann festgestellt, dass ihr zwar das selbständige Arbeiten Spaß macht, aber sie lieber in einer anderen Branche ihr Glück suchen wolle. Heute verkauft sie selbständig andere Produkte und steht auf eigenen Beinen.
| Zitat: | | Doch nimm mich, ich würde nicht einen Auftrag an Land ziehen, wenn mir nicht gerade der Zufall einen in den Schoß fallen ließ. Nicht etwa, weil ich zu faul, zu dumm oder sonst etwas zu sehr bin, irgendetwas in mir sträubt sich an den unpassendsten Stellen. |
Das wirst Du vermutlich irgendwann gelernt haben, dass es fast immer unpassend ist, Deine Sache anzupreisen, obwohl Du sie für gut und wichtig hälst. Wer kennt das nicht, man möchte etwas loswerden, weil man spontan das Gefühl hat, jetzt ist der richtige Augenblick - und schon blinkt ein inneres Licht auf, das sagt: "Nein, jetzt nicht!" Obwohl man kein logisches Argument dafür findet. Später dann ärgert man sich, dass man den Mund gehalten hat. Ich kann mir vorstellen, dass Du irgendwo ganz tief drinnen eine Sperre hast, die vielleicht so etwas ähnliches sagt wie: „Ach Du mit Deinen Spinnereien wieder...“, oder „Das gehört sich nicht, das tut man nicht...,“ oder „Das bringt doch nichts...“ „Das interessiert doch hier niemanden...“
Im Grunde machst Du doch hier mit Deinen Themen Werbung im Forum. Deine Themen allerdings sind anstrengend und führen zum Teil tief in die dunklen Ecken der eigenen Wahrnehmung. Diesen 'inneren Spaziergang' will sich längst nicht jeder antun!. Somit solltest Du diese Themen parallel auch in möglichst vielen anderen Foren anbieten, wo sich Menschen tummeln, die auf der Suche nach Auseinadersetzung mit sich und dem Dasein sind, da wirst Du auf größere Resonanz und sicher auch Käufer für Deine Bücher stoßen. Deine Themen sind zwar von Dir für die Masse geschrieben, aber die Masse möchte Fertigprodukte. Wenn Du z.B. gleich am Anfang Deines Buches preisgibst, dass Dein Buch kein Ratgeber ist, dann legen diejenigen, die nach patenten Lösungen suchen, es sofort wieder auf den Tisch. Einen gutwilligen Mann wünscht sich vermutlich jede Frau, das macht neugierig. Aber nur diejenigen, die danach suchen, weil sie keinen haben. Vermutlich hat Frau/Mann einen Partner zu Hause, der dieses Buch nicht einmal von außen ansehen würde, sonst bräuchte er/sie ein Buch zu diesem Thema nicht, weil ein Paar, das echtes Interesse füreinander hat, sich aus eigenem Bedürfnis heraus ständig auseinandersetzt.
| Zitat: | | Wenn ich manchmal in den Spiegel sehe, dann sage ich mir selbst, was ich für ein verrückter Kerl bin. Aber noch verrückter ist, dass ich nicht anders sein möchte. |
Tröste Dich Wolf-Gero: Die Welt braucht dringend ein paar mehr Verrückte, denn wohin uns die Unverrückten gebracht haben, das sehen wir ja täglich!
Auch Dir einen erholsamen Sonntag.
Liebe Grüße
Grete
N.S.: Noch ein Tipp: Verpacke doch Deine Überzeugungen mal nicht in Thesen und Behauptungen, sondern formuliere sie als Fragen! Es ist ein großer Unterschied in der Wirkung dieser beiden Sätze:
1. Du bist für alles was du beeinflussen kannst verantwortlich!
oder
2. Wer ist eigentlich verantwortlich für das, was Du unterlassen /getan hast? | | | | |