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Verfasst am: 05.08.2007, 12:15 |
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| hwg (Moderator) hat Folgendes geschrieben: | Eine Frage dazu: Betrachtet Ihr das Nichtkommentieren Eures Beitrages (Lyrik, Prosa) bereits als eine Art von Kritik?
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Ich betrachte das Nichtkommentieren eines Beitrages als eine Frage des "Interessenkonfliktes".
- Interessiert mich der Text so weit, dass ich mir die Arbeit einer Kritik aufhalse?
- Interessiert den Verfasser des Ursprungstextes überhaupt eine Kritik?
- Wann wird eine Kritik als verletzend empfunden, wann ist eine Kritik völlig belanglos?
- ist der Kritiker, abgesehen vom Veröffentlichen belangloser Floskeln, in der Lage, einen Text über seine persönlichen Eindrücke hinaus zu kritisieren?
Ich nehme mich da gar nicht aus. Mit Lyrik z.B. kann ich überhaupt nichts anfangen. Das beruht vermutlich darauf, dass ich nicht weiß,was gute Lyrik und was schlechte Lyrik iat. Bei manchen "Amateur-Lyriker" drängt sich mir der Eindruck auf, möglichst wilde Wort-/Bildkonstrukte zu erzeugen und das als "Lyrik" zu verkaufen. Ist das z.B. Lyrik:
Ich springe in den Fluss
und kämpfe gehen die Strömung
mein Herz will frei sein
wie ein Blatt im Wind
meine Seele will stark sein
wie ein Baum im Sturm
(Text in Auszügen von einer Lyrik-Webseite entnommen)
Ich halte solche Texte
a) für verkappte Prosa, die in Versform gezwungen wurde
b) für banal (aus lyrischer Sicht)
c) für sprachlich misslungen, weil falsche Bilder benutzt werden (ein Blatt im Wind ist nicht frei, sondern wird vom Wind bestimmt; ein Baum im Sturm ist nicht stark, sondern biegt sich oder bricht)
Aber: Diese Kritik entspricht meinem Verständnis von Lyrik (bzw. dem Begriff "Gedicht", was wiederum eine Ableitung vom Begriff "verdichtete Sprache" ist.
Wenn jemand erklären kann, was gute Lyrik von schlechter unterscheidet, dann könnte auch ich Kritiken zu Gedichten schreiben. So halte ich lieber meinen Schnabel.
Bei Prosatexten habe ich meine eigenen Kriterien. Diese Kriterien habe ich auch bei der Bewertung der Beiträge zu unserer Anthologie herangezogen:
Das erste und wichtigste am Text ist für mich: Ist er unterhaltsam? Ist der Text die Zeit wert, die ich investieren muss während des Lesens? Ein Text muss nicht handlungsorientiert sei oder vollgestopft mit Action (nicht ohne Grund sind actionlastige Texte oftmals grottenlangweilig).
Weitere Komponenten sind:
- die Stimmigkeit im Text,
- eine dem Inhalt angepasste andäquate Sprache,
- eine weitestgehend korrekte Rechtschreibung und Grammatik (wenn ich nach einer Seite bereits feststellen muss, dass der Autor mit der Kommasetzung auf Kriegsfuß steht, dann lege ich den Text weg. Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung sind die absolut notwendigen Basics eines Schriftstellers; wer da bereits schlampt oder sich verweigert - nach dem vielgelesenen Motto: "Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten" -, den lese ich einfach nicht!),
- eine Logik ohne Brüche
- bei handelnden Figuren Mitgefühl und Nachvollziehbarkeit der Aktivitäten
Die Frage für mich ist, ob und wie man jemanden sein Scheitern in einem oder mehreren dieser Bereiche nahebringen kann. Soll ich jedes falsche Komma und jeden falsch benutzten Genitiv aufführen? Soll ich einem Autor raten, sich stärker mit den handwerklichen oder dramaturgieschen Aspekten zu befassen auf die Gefahr hin einer Antwort wie "Dramaturgie interessiert mich nicht, weil ich aus Spaß an der Freud' schreibe"? Soll ich also Texte kritisieren, wenn der Autor Kritik (im eigentlichen Sinne) gar nicht wünscht?
Es ist, wie ich zu Beginn schon schrieb, eben eine Frage des "Interessenkonfliktes".
Grüße
Siegfried |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 05.08.2007, 12:21 |
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| Bärentante |
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| Anmeldedatum | 30.05.2007 | | Beiträge | 727 | | Wohnort | bei Frankfurt/M. |
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| hwg (Moderator) hat Folgendes geschrieben: |
Eine Frage dazu: Betrachtet Ihr das Nichtkommentieren Eures
Beitrages (Lyrik, Prosa) bereits als eine Art von Kritik?
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Dafür sollten wir wohl ein neues Thema eröffnen. Nicht, dass jemand denkt, es sei eine Verantwortung, Texte zu kommentieren.
Als neugieriges Wesen lese ich hier alles, manchmal genau, wenn es um ein Thema geht, das mich nicht allzu sehr interessiert, nur oberflächlich.
Wenn ich persönlich ein Gedicht lese, gefällt es mir oder auch nicht. Das ist schwer zu begründen. Außerdem muss ich zugeben, dass ich manche lyrischen Beiträge nicht verstehe, nichts damit anfangen kann. Habe mich wohl in meinem Leben zu wenig damit beschäftigt, bekomme da keinen Zugang.
Prosa verstehe ich allerdings. Wenn ich (und zwanzig Personen nach mir) schreibe, das ist super toll, gefällt mir, ist es eine positive Kritik und schmeichelt. Allerdings wird sich die einundzwanzigste Person wohl kaum trauen, eine "negative" Kritik einzustellen, auch wenn sie berechtigt ist. Damit outet man sich ja selbst.
Wenn eine Textvorstellung aber fünfzig Mal gelesen wird und niemand antwortet, ist das so eine Sache. Ist der Beitrag uninteressant, schlecht, zu lang, zu primitiv?
Und wenn man einem Newcomer gleich den ersten Text um die Ohren haut, das müsste/sollte man aber so und so machen/schreiben, dann war das auch wohl sein letzter Beitrag.
Wenn jemand nur gelobt wird, hebt er ab und wundert sich später vielleicht, dass nicht die gesamte Menschheit so denkt, er nichts verkauft. :o
Ein endloses Thema. |
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_________________ Liebe Grüße
Christel |
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Verfasst am: 05.08.2007, 13:45 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 483 | | Wohnort | Hamburg |
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Hallo Grete, Rita, hwg, Siegfried und Bärentante!
Meiner Meinung nach weckt Ihr bereits den Appetit auf die Auseinandersetzung mit dem Kritisieren. Sobald das Thema Verantwortlichkeit abgeschlossen ist, startet das Thema "Fähig und bereit, zu kritisieren"; deshalb werde ich hier und heute nicht auf die aufgeworfenen Fragen eingehen. Ich gehe davon aus, dass etliches davon ohnehin angesprochen wird, und der Rest kann dann vor einem anderen Hintergrund behandelt werden.
Viele Grüße und einen sonnigen Rest vom Sonntag
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 05.08.2007, 14:15 |
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| hwg (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 24.04.2007 | | Beiträge | 3558 | | Wohnort | A 8786 Rottenmann |
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Danke für die unerhofft ausführlichen Antworten, freut mich!
Eine eigene Rubrik zum Thema begrüße ich. Für heute mache
ich eine Pause im Forum - habe viel "auf Papier" zu lesen.
Bis später - und herzliche Grüße! |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 07.08.2007, 09:47 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 483 | | Wohnort | Hamburg |
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Hallo!
Für eineinhalb bis zwei Wochen muss ich mich aus zeitlichen Gründen zurückziehen.
Viele Grüße
wgbajohr |
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Verfasst am: 12.08.2007, 13:07 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 483 | | Wohnort | Hamburg |
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Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Verantwortlichkeit ist ein umfangreiches Thema. So ist es auch kein Wunder, dass die Zusammenfassung ebenfalls umfangreich ist. Gemessen an der Originaldiskussion ist sie zwar nur ein kleiner Teil, doch im Vergleich zu den üblichen Beiträgen ist sie leider sehr lang. Ich meine zwar, es lohnt sich, die Ergebnisse der Diskussion zu erfahren, aber ich bin ja auch der Mensch, der die Diskussion ins Leben gerufen hat, ich bin also parteiisch.
Ich gehe davon aus, dass Ihr diesen Beitrag in Etappen lesen werdet. Alles in einem Stück erarbeiten zu wollen überschreitet sicherlich die Konzentrationsgrenze. Damit Ihr es etwas leichter habt, Euch zu orientieren, werde ich die Abschnitte nummerieren.
Doch seht selbst!
Viele Grüße
wgbajohr
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Verantwortlichkeit – Zusammenfassung
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Wem die Zusammenfassung immer noch zu aufwendig ist, der findet am Schluss eine sehr kurze Zusammenfassung der Zusammenfassung.
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1) In den Beiträgen zum Thema „Verantwortlichkeit“ geht es nicht um eine Beschreibung des Ist-Zustandes, sondern darum, wie es nach meiner Vorstellung in einer Gesellschaft mit starken Charakteren sein sollte oder könnte
2) „Verantwortlichkeit“ ist Teil einer umfangreicheren Ausarbeitung, in der es um Voraussetzungen für eine gerechtere Gesellschaft geht. Die anderen Teile sind:
„Fähig und bereit, zu kritisieren“;
„Achtung vor dem Andersartigen“;
„Abkehr von jeder Form der Gier“;
„Abkehr von Hass und Neid“
sowie
„Abkehr von jeder Gewalt“
3) NN
Mit diesem Begriff soll eine überaus wichtige Eigenschaft des Menschen in einer von Gerechtigkeit geprägten Leistungsgesellschaft beschrieben, das heißt definiert und von anderen Begriffen abgegrenzt werden
4) Zur Benennung der geforderten Eigenschaft
habe ich mich für den Begriff
„Verantwortlichkeit“
entschieden,
weil die Definitionen* für die deutsche Gemeinsprache
bereits weitgehend das aussagen,
was ich mir vorstelle,
sodass ich das theoretische Bedeutungsfeld fast unverändert übernehmen kann.
* Duden „Bedeutungswörterbuch“
5) In Einzelnen werden die folgenden Begriffe
in der jeweils angegebenen Bedeutung verwendet:
sich verantworten: sein Verhalten oder seine Absicht rechtfertigen
verantwortlich: Verantwortung tragend
Verantwortung: Verpflichtung, eine Entscheidung, eine Verhaltensweise,
eine Äußerung o. Ä. zu verantworten
sich rechtfertigen: sich verantworten
6) Wichtiger Hinweis
Im täglichen Gebrauch dieser Begriffe (selbst bei Presse, Funk und Fernsehen) wird häufig von den Definitionen der Gemeinsprache abgewichen, wobei insbesondere
verantwortlich in die Nähe von schuldig gerückt wird.
Im Gegensatz dazu gilt in unseren Beiträgen zur Verantwortlichkeit
per definitionem
die strikte Trennung von verantwortlich und schuldig
7) In den Beiträgen zur Verantwortlichkeit wird dargelegt, wer bei welcher Gelegenheit und warum dem Kreis der Verantwortlichen zugerechnet wird.
Dabei kommt es hin und wieder zu erheblichen Abweichungen
von den allgemein üblichen Zuordnungen,
was leicht zu Irritationen führen kann.
Ohne hier auf Einzelheiten eingehen zu können, sei zumindest die grundsätzliche Zuordnung eines Menschen zum Kreis der Verantwortlichen definiert:
8) Ein Mensch gehört zum Kreis der Verantwortlichen,
wenn es ihm zumindest theoretisch möglich ist, das Geschehen zu beeinflussen.
9) Was bedeutet es, zum Kreis der Verantwortlichen zu gehören?
Wer zu den Verantwortlichen gehört, hat die Verpflichtung,
sich vor seinem intakten Gewissen zu verantworten.
Dieses mahnende Gewissen drängt ihn,
im Rahmen seiner Möglichkeiten
alles zu unternehmen,
um etwas so zu beeinflussen,
dass er das Ergebnis
vor seinem äußerst kritischen Gewissen rechtfertigen kann.
10) Vielleicht etwas konkreter:
Im Rahmen seiner Möglichkeiten ist der Verantwortliche gehalten,
sich um das Vermeiden, Verhindern oder wenigstens Vermindern von
Ungerechtigkeiten zu bemühen.
„Möglichkeiten“ ist naturgemäß der Schlüsselbegriff:
Mancher hat kaum welche oder gar keine, ein anderer viele.
Das Urteil über die Qualität des Eingreifens fällt das eigene Gewissen.
11) Es sollte deutlich geworden sein, dass man zwar sehr leicht in den Kreis der Verantwortlichen gerät, dass die damit verbundenen Pflichten aber von den persönlichen Möglichkeiten abhängen.
12) Um auch letzte Zweifel zu zerstreuen,
sei explizit darauf hingewiesen,
dass die Zuordnung zum Kreis der Verantwortlichen
nur innerhalb des eigenen Kopfes stattfindet.
Niemand muss sich vor anderen rechtfertigen,
denn die hier gemeinte Verantwortlichkeit bezieht sich nur auf das eigene Gewissen.
Sollte jemand obendrein schuldig sein, indem er zum Beispiel einen Mord begeht, bleibt die Schuld selbstverständlich eine Aufgabe für Strafverfolgung und Justiz.
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13) Zwischen einer Ursache und der von ihr hervorgerufenen Wirkung
gibt es eine unbestreitbare Verbindung.
14) Wegen dieses Zusammenhangs
erwächst einem Menschen aus der Möglichkeit, etwas zu beeinflussen,
zwangsläufig die Pflicht,
sich nicht nur zu seiner Entscheidung zu bekennen,
sondern ebenfalls zu deren Auswirkung.
15) Diese Verpflichtung besteht unabhängig davon,
ob er sie nun ausdrücklich übernimmt oder nicht.
Wer vom Dach eines Hochhauses einen Stein wirft und damit einen Menschen erschlägt, muss sich nicht allein für das Werfen des Steines verantworten,
sondern auch für den Tod des Opfers.
16) Wie wir erkennen sollten,
ist die Forderung,
verantwortlich zu handeln,
viel umfassender als die,
nicht schuldig zu werden.
Sie verpflichtet,
alle Entscheidungen rechtfertigen zu können,
also Rede und Antwort zu stehen,
und sei es auch nur dem eigenen Gewissen gegenüber.
17) Entscheiden und verantworten gehören zusammen
Vorläufig gilt: Ein Mensch ist für etwas nicht verantwortlich,
wenn es ihm weder möglich noch zumutbar ist,
dieses Etwas zu beeinflussen.
Ebenfalls nur vorläufig: Wir erkennen die Existenz von Umständen an,
die jemanden a priori jeder Verantwortlichkeit entheben,
wie beispielsweise geistige Umnachtung.
18) Die Konsequenz davon muss allerdings sein,
dass die befreienden Umstände auch zu einem Verbot führen,
über irgendetwas zu entscheiden.
19) Niemandem darf erlaubt sein,
über etwas zu entscheiden,
falls er für die Folgen seiner Entscheidung nicht verantwortlich ist:
Entscheiden und verantwortlich sein
dürfen unter gar keinen Umständen getrennt werden.
20) Diese Forderung betrifft auch all die Menschen,
die in ihrer Entwicklung noch nicht weit genug vorangeschritten sind,
um den Zusammenhang
zwischen ihrem Tun und möglichen Folgen
realistisch einschätzen zu können:
unsere Kinder.
Der Reifegrad unserer Kinder gibt vor,
was ihnen schon erlaubt werden darf und was noch nicht.
21) Jetzt haben wir allerdings zu fragen,
ob eine Mutter ihrer Verantwortlichkeit enthoben sein sollte,
falls sie nach sorgfältigem Abwägen überzeugt ist,
ihr Kind sei nun für eine neue Freiheit reif genug,
und deshalb ein Verbot lockert.
Eine Mutter ist nicht nur für das verfrühte Aufheben eines Verbotes verantwortlich,
sie ist zudem mitverantwortlich,
wenn ihr Kind eine gerade erst gewonnene Freiheit missbraucht.
22) Wie sind Befehl und Ausführung
im Hinblick auf Verantwortlichkeit einzustufen?
Zwei Meinungen stehen sich gegenüber:
Die erste von ihnen besagt,
der Befehlende trage die Verantwortung für die Rechtmäßigkeit des Befehls,
der Befehlsempfänger sei hingegen für die befehlsgemäße Ausführung verantwortlich.
23) Ein Befehlsgeber ist für alles verantwortlich,
was durch seinen Befehl beeinflusst wird.
Wie steht es aber um seine Verantwortlichkeit,
wenn der Befehlsempfänger den Befehl verweigert?
24) Gemäß der Grundregel, dass jeder Einfluss mit Verantwortlichkeit gekoppelt ist,
bleibt nur festzustellen,
dass der Befehlende für die Folgen seines Befehls auch dann verantwortlich ist,
wenn sein Befehl gar nicht ausgeführt wird.
25) Seine Verantwortlichkeit wird genauso wenig eingeschränkt oder gar aufgehoben,
wenn sein Befehl zwar formal befolgt wird,
das Ergebnis allerdings anders ausfällt,
als er es geplant hat.
26) Wer Kindern Waffen gibt und zulässt,
dass sie wie Soldaten oder Partisanen kämpfen,
der trägt auch Mitverantwortung für alle Verletzungen,
die diesen Kindern zugefügt werden.
27) Jeder sei für alles verantwortlich,
was seinem Einfluss unterliegt.
Hieraus ergibt sich,
dass ein Befehlsgeber nicht allein für die Rechtmäßigkeit des Befehls,
sondern auch für alle Folgen verantwortlich ist.
28) Aber auch der Befehlsempfänger
kann sich nicht auf die ihn begünstigende Meinung berufen,
lediglich für die befehlsgemäße Ausführung verantwortlich zu sein.
Angefangen mit seiner Entscheidung,
einen Befehl tatsächlich befolgen zu wollen,
bis zur Art und Weise,
wie er ihm schließlich nachkommt,
alles und jedes unterliegt seinem Einfluss
und ist somit von ihm zu verantworten.
29) Den Meinungsstreit über Verantwortlichkeit
im Zusammenhang mit Befehl und Gehorsam
können wir somit nicht anders beenden,
als uns für die zweite Meinung auszusprechen,
nach der ein Beteiligter für das verantwortlich ist,
was er beeinflusst oder wenigstens beeinflussen könnte.
Verantwortlich oder mitverantwortlich
Ist eine Befehlskette lang genug,
kann sie ein Großteil der Beteiligten nicht mehr überblicken,
und der Einzelne gelangt zu der Überzeugung,
er hätte nur einen Bruchteil der Gesamtverantwortung zu tragen.
Verantwortung ist aber unteilbar.
Immerhin gilt es doch als eines der wesentlichen Merkmale einer Kette,
dass jedes einzelne Glied die Kette unterbrechen kann,
und zwar sogar dann,
wenn es die Länge nicht kennt.
Mitverantwortlich zu sein bedeutet nur,
dass es noch andere gibt,
die ebenso verantwortlich sind.
Jeder Einzelne dieser Mitverantwortlichen
trägt nun jedoch für alles, was er beeinflusst,
eine ungeteilte Verantwortung,
also genau so, als gäbe es die anderen nicht.
30) Wir müssen uns eingestehen,
dass wir zumindest auf längere Sicht
weniger Kraft, Zeit und auch Geld
auf das Suchen und Bestrafen von Schuldigen verwenden sollten
Darauf völlig verzichten werden wir in überschaubarer Zukunft vermutlich nicht können. Allerdings kommt dem derzeitigen Umgang mit Schuldigen
allenfalls die Qualität einer Hilfsmaßnahme zu:
sehr wohl geeignet, einen Notstand kurzfristig abzuwenden,
jedoch nicht wert, die Suche nach einer besseren Lösung zu ersetzen.
31) Zufall – nur eine billige Ausrede?
Anhand eines Beispiels wollen wir klären, inwieweit es gerechtfertigt ist, von einem Zufall zu sprechen, wenn es uns nicht gelingt, einen ganz bestimmten Menschen als verantwortlich zu identifizieren.
In einer ziemlich einsamen Gegend
schleudert ein Auto einen Stein
von der Straße in Richtung Bürgersteig,
trifft einen Fußgänger und verletzt ihn tödlich.
32) Gemäß der Grundregel,
nach der ein Mensch für alles verantwortlich ist,
was er beeinflusst,
muss folglich irgendein Mensch verantwortlich sein.
Die Suche nach dem Verantwortlichen
mit dem Hinweis auf einen unglücklichen Zufall zu beenden
ist uns folglich nicht erlaubt.
33) Allein die Tatsache,
dass die Autofahrer die Straße zur mutmaßlichen Unfallzeit passiert haben,
lässt sie zu Verantwortlichen werden,
denn für jeden von ihnen bestand die Möglichkeit,
den Passanten zu treffen,
und zwar ohne absichtlich auf ihn zu zielen.
Häufig sind die Einflussgrenzen nicht erkennbar
Sofern wir Menschen ein bestimmtes Geschehen überhaupt beeinflussen,
dann geschieht das unabhängig davon,
ob sich der Einfluss nachweisen lässt oder nicht. Gibt es Ausnahmen von der Verantwortlichkeit?
Insbesondere geht es dabei um Menschen,
deren Urteilsvermögen völlig fehlt oder noch nicht ausreichend entwickelt ist,
die Folgen ihres Handelns vorauszusehen.
34) Jeder atmet, nimmt Nahrung auf
und verunreinigt das immer mehr zur Mangelware werdende Wasser
mit ausgeschiedenen Resten seines Stoffwechsels;
er beheizt seine Wohnung,
nutzt für vieles elektrischen Strom,
bedient sich öffentlicher und privater Verkehrsmittel
und verwendet Produkte, die mit großem Energieaufwand hergestellt worden sind.
Sowenig jemand vollständig verfolgen kann,
was für Auswirkungen seine Einflüsse haben,
so unmöglich ist es ihm auch,
in jedem Fall festzustellen,
welche Auswirkungen auf seine Einflüsse zurückzuführen sind.
Folglich darf sich niemand als völlig unbeteiligt sehen.
Jeder Einzelne beeinflusst das gesamte Geschehen mannigfach;
deshalb ist auch jeder mitverantwortlich.
35) Wenn bereits die Existenz eines Menschen ausreicht,
um auf seine Einflussnahme zu schließen
und damit dann seine Mitverantwortlichkeit zu begründen,
ist es unerheblich,
ob er die Folgen seines Einflusses vorherzusehen vermag oder nicht.
Uns bleibt nichts anderes übrig,
als auch Kinder und sogar Geisteskranke
in den Kreis der für all ihr Tun und Lassen Verantwortlichen einzubeziehen.
Dürfen wir ihnen weiterhin zu entscheiden verwehren,
obwohl sie jetzt nicht mehr von der Verantwortlichkeit befreit sind?
Ja, wir dürfen.
Mitverantwortlich – auch für das Handeln anderer?
Selbst wenn wir uns an einer üblen Tat nicht beteiligen,
ergibt sich schon allein aus unserer Anwesenheit die Möglichkeit,
das Geschehen zu beeinflussen … und damit sind wir
nach allem, was wir über das Verantwortlichsein zusammengetragen haben,
eben auch mitverantwortlich für alle Folgen.
Dass wir den Menschen, für den die Grube als Falle gedacht ist,
vor einem Sturz bewahren müssen,
wird wohl überwiegend als selbstverständlich angesehen,
sogar ohne den ausdrücklichen Hinweis auf unsere Verantwortlichkeit.
Aber sind wir ebenfalls verpflichtet,
dem zu helfen,
der anderen eine Grube gräbt und nun selbst hineinzufallen droht?
Beide Fälle lassen sich auf einen gemeinsamen Tatbestand zurückführen:
Ohne es zu erkennen,
läuft ein Mensch Gefahr,
Schaden zu nehmen,
und braucht daher Hilfe.
Es mag uns zwar erheblich leichter fallen,
einem unschuldigen Opfer zu helfen als einem hinterhältigen Menschen,
aber unsere persönliche Einstellung berührt nicht unsere Verantwortlichkeit.
Sie hängt allein davon ab,
ob wir das Geschehen beeinflussen können oder nicht.
36) Als positiv wollen wir Hilfe werten,
wenn sie dem zuteilwird,
der wirklich der Hilfe bedarf,
und wenn sie den notwendigen Umfang nicht überschreitet.
37) Frage, ob wir auch für das Handeln anderer mitverantwortlich sind.
Die vorangehenden Ausführungen sollten uns überzeugt haben,
dass wir diese Frage jetzt eindeutig bejahen können.
Vielleicht wäre es sogar angezeigt,
sich mit dem Gedanken anzufreunden,
dass wir dereinst unserem Schöpfer nicht nur als Einzelwesen,
sondern ebenfalls als Menschheit gegenübertreten
und uns verantworten müssen,
das heißt Rede und Antwort stehen,
insbesondere erklären,
warum wir die uns eingeräumten Möglichkeiten,
etwas zu verbessern,
nicht genutzt haben.
38) Die drückende Last der Verantwortlichkeit
Der wahrhaft verantwortungsbewusste Mensch
darf sich von keiner noch so verbreiteten und eingängigen Meinung
daran hindern lassen,
alles Geschehen um ihn herum so sorgfältig wie kritisch zu beobachten.
Nichts sollte er als unveränderlich einstufen,
vielmehr bei allem fragen,
ob der Verlauf auf ein Ergebnis hoffen lässt,
mit dem er einverstanden sein kann.
39) Die folgenden Anregungen sollen nur Denkanstöße sein.
Offene und geschlossene Gesellschaftssysteme
Jedes theoretisch mögliche System lässt sich auf eine von zwei Grundformen zurückführen, nämlich auf ein offenes oder auf ein geschlossenes System.
Während offene Gesellschaftssysteme auf der Gleichwertigkeit der Menschen beruhen, erfordern die geschlossenen Ungleichheiten,
sogar Gegensätze,
wie Unterdrücker und Unterdrückte,
Reiche und Arme oder Privilegierte und Benachteiligte.
Offene Systeme bieten die Möglichkeit,
dass alle den Spitzenplatz in der sozialen Hierarchie einnehmen,
und zwar zur gleichen Zeit.
Dagegen ist das in einem geschlossenen Gesellschaftssystem grundsätzlich nicht möglich.
40) Der Mensch auf der Straße und die Politik
Es ist nicht unbillig,
vom geistig gesunden Menschen zu erwarten,
dass er seine persönliche Lage realistisch einschätzt
und sich danach insbesondere dazu durchringt,
sein Verhalten nicht auf Illusionen,
sondern auf erreichbare Ziele auszurichten.
Keine Partei wählen,
die unverhohlen für Ziele eines geschlossenen
und damit ungerechten Gesellschaftssystems eintritt.
Es wäre bereits ein großer Fortschritt,
würde jeder Mensch seine Stimme nur einer Partei geben,
die sich vornehmlich für genau die Gruppe einsetzt,
der er selbst tatsächlich angehört,
und nicht für eine Gruppe,
zu der er zwar gern gehören möchte,
aber aller Voraussicht nach nie gehören wird.
41) Wer nicht mitgestaltet,
riskiert dadurch,
dass politische Probleme ohne seine Mitwirkung gelöst werden,
sodass die gefundenen Lösungen seinen Interessen völlig zuwiderlaufen können.
Sein Mitverantwortlichsein schmälert das allerdings um keinen Deut.
42) Weil es jedoch für keinen Wähler die ideale Partei gibt
welchem Lager er auch immer angehören mag,
muss sich der Mensch darauf beschränken,
die Partei zu wählen,
deren politische Ziele vermutlich am wenigsten von seinen Wertvorstellungen abweichen.
Er überlegt sich daher sehr gründlich,
ob er es vor seinem Gewissen verantworten kann,
seine Stimme einer Partei zu geben, die zwar vorgibt,
für die Interessen der finanziell Benachteiligten ebenfalls einzutreten,
die diesem Ziel aber nur auf einem Umweg nahe zu kommen gedenkt.
Eine ideologische Rechtfertigung dafür liefert angeblich die Krümel-Theorie,
auch wenn sie selten so bezeichnet wird.
Nach dieser Theorie fallen umso mehr Krümel
für die Armen vom Tisch der Reichen,
je mehr dort abgelegt wird.
43) Zweitens wäre keinesfalls zu erwarten,
dass sich das Miteinander in unserer Gesellschaft verbessert,
würden wir auf Leistung verzichten.
Ganz im Gegenteil,
wir sind sogar darauf angewiesen,
dass möglichst viele Menschen möglichst viel leisten
aber Leistung muss sich selbstverständlich auch lohnen.
44) Manche Übel beginnen äußerst unscheinbar
Im Kampf gegen ein Übel
ist der direkte Weg allerdings nicht immer der richtige.
Hin und wieder empfiehlt es sich,
zunächst das Umfeld eines Übels zu verändern.
Anschließend lässt sich das eigentliche Übel
besser erkennen und auch leichter beseitigen.
45) Es mutet uns an wie eine Erfindung des Teufels,
dass Gewalt häufig nicht nur äußerst unauffällig und scheinbar völlig harmlos beginnt, sondern auch in derart winzigen Stufen wächst,
dass wir die Zunahme
sehr leicht übersehen können und plötzlich vor dem Ausbruch eines neuen Krieges stehen. Fassungslos fragen wir dann, wie es dazu kommen konnte.
46) Weil die einzelnen Stufen der Gewalt dicht beieinanderliegen,
sodass wir häufig erst dann aufmerksam werden,
wenn bereits größerer Schaden entstanden ist,
bleibt uns nichts anderes übrig,
als nach dem Ursprung der Gewalt zu suchen.
Er liegt genau dort,
wo der Unterschied zwischen zwei Stufen eindeutig auszumachen ist,
wo es nur ein Ja oder Nein gibt.
47) Wir müssen bei der Frage beginnen,
ob sich etwas gegen Menschen richtet oder nicht.
Nicht die Anzahl Verletzter oder Toter entscheidet,
ob ein Kampf positiv oder negativ zu werten ist,
der Unterschied ergibt sich allein daraus,
ob er für Menschen geführt wird oder gegen sie.
48) Selbst einen anscheinend unvermeidbaren Kampf
dürfen wir nicht einfach hinnehmen
und ihn erst recht nicht als positiv werten,
vielmehr müssen wir in ihm einen Beweis dafür sehen,
dass wir als Gemeinschaft bei dem Versuch versagt haben,
eine bessere Lösung für ein Problem zu finden.
Werbung als Ursprung von Fehlentwicklungen
Stellt uns Werbung ein bestimmtes Verhalten
als üblich oder sogar nachahmenswert hin,
obwohl es allgemein negativ gesehen wird,
ist das bereits ein hinreichender Grund,
sie und selbstverständlich das beworbene Produkt abzulehnen.
49) Wörter, die sich hinter einer Maske verstecken
Der Euphemismus ist sozusagen eine Maske,
hinter der sich Wörter verstecken können.
Ein solcher in Mode gekommener Euphemismus,
zunächst nur von materiell Bevorzugten verwendet,
inzwischen jedoch schon ebenso von resignierenden Benachteiligten
ist der Ausdruck „Besserverdienende“.
Der Begriff „Besserverdienende“ suggeriert folglich,
dass Bezieher eines höheren Einkommens
dieses tatsächlich durch entsprechend große Leistung verdient hätten,
und zugleich,
andere würden zu Recht benachteiligt.
Aus der Gehaltshöhe schließen wir auf die Leistung eines Menschen
und stellen das Ergebnis als vermeintliche Wahrheit hin.
für gewöhnlich steht lediglich fest,
dass manche mehr bekommen als andere,
sodass sie sicherheitshalber auch nur Mehrbekommende genannt werden sollten.
Fraglos gibt es unter den Mehrbekommenden Besserverdienende
und im Kreis der Wenigerbekommenden auch Schlechterverdienende,
aber gar nicht selten trifft eben das Gegenteil zu.
„Leistungsträger“
Dachten die Schöpfer des Ausdrucks vielleicht an einen Menschen,
dem die ihm aufgebürdete und von ihm zu tragende Last
aus Arbeit und Verantwortung
allzu schwer wird
und ihn deshalb bereits glauben lässt,
er leiste mehr als andere
und habe daher auch Anspruch
auf ein entsprechend hohes Einkommen?
50) Da gerade Mehrbekommende,
die sich natürlich zugleich für Besserverdienende halten,
mit Vorliebe von sich selbst als den Leistungsträgern sprechen,
ist es nicht unbillig,
eine Absicht zu vermuten,
die Ausdrücke „Besserverdienende“ und „Leistungsträger“
als fest zusammengehörend hinzustellen.
Anzunehmen ist außerdem,
dass es nicht allein darum geht,
bei dem Wort „Leistungsträger“ sofort an Besserverdienende zu denken,
was sich ja noch rechtfertigen ließe,
vielmehr soll uns bei dem Euphemismus „Besserverdienende“,
und zwar ohne die Verknüpfung zu hinterfragen,
sogleich der Begriff „Leistungsträger“ in den Sinn kommen.
Wer also in jedem Mehrbekommenden einen Leistungsträger sieht
und ihn daher zu einem Besserverdienenden erklärt,
unterstellt zugleich den Wenigerbekommenden,
und zwar unausgesprochen,
sie wären keine Leistungsträger.
Die unbewiesene, gleichsam automatisch ablaufende Verknüpfung
von Mehrbekommenden mit Besserverdienenden
und schließlich sogar noch mit Leistungsträgern
diskriminiert somit jeden Leistungsträger unter den Wenigerbekommenden.
51) „Sport“
ursprüngliche Bedeutung des Wortes:
Sich um der Zerstreuung und des Vergnügens willen
oder aus Freude an Bewegung und Spiel
oder auch zur körperlichen Ertüchtigung anzustrengen.
52) „Berufssportler“
ist eine völlig absurde Wortzusammensetzung.
Der Hauptzweck jeder Berufstätigkeit ist nicht,
sich selbst zu zerstreuen oder die Beherrschung des eigenen Körpers zu verbessern,
sondern ohne jeden Zweifel immer noch, das Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen.
53) Fluchtversuche – ignorieren oder verschleiern der Verantwortlichkeit
Leugnen einer Schädigung
Wie beharrlich sich charakterschwache Menschen
an einen Irrtum klammern können,
zeigt der mehr als peinliche Versuch,
den millionenfachen Mord an jüdischen Mitmenschen zu leugnen,
trotz unanfechtbarer Beweise, wohlgemerkt.
54) Auf einen dieser Fluchtversuche stoßen wir,
sobald das Gespräch auf die beängstigend große Arbeitslosenzahl kommt
und die Frage aufgeworfen wird,
ob es sich dabei überhaupt um ein gesellschaftliches Problem handelt.
Unter den ihre Verantwortlichkeit Fliehenden finden wir jedenfalls nicht wenige,
die genau das bestreiten.
Überzeugt davon,
es gebe genug Arbeit,
sehen sie in der Arbeitslosigkeit allenfalls ein Problem der Arbeitslosen selbst.
Wer Arbeit aufrichtig suche,
so behaupten sie,
der finde sie auch.
Oberflächlich betrachtet
ist die in diskriminierender Absicht gegen alle Arbeitslosen gerichtete Behauptung
sogar richtig.
Bestimmt könnte jeder,
ohne lange nachdenken zu müssen,
ein Dutzend Arbeiten aufzählen,
die er gern jemandem übertragen würde,
ohne ihn allerdings dafür zu bezahlen.
Diese Bezahlung ist jedoch von entscheidender Bedeutung,
schließlich darf kein Arbeitsloser seine Zeit damit vertun,
nur nach irgendeiner Arbeit zu suchen.
Der Tatbestand,
dass eine Arbeit bezahlt wird,
reicht allein aber noch nicht aus,
vielmehr muss sie so entlohnt werden,
dass Adam den eigenen Lebensunterhalt und gegebenenfalls den seiner Familie
bestreiten kann.
Uns mangelt es nicht an Arbeit,
sondern an Arbeitsplätzen,
die hinreichend bezahlt werden.
Dem einzelnen Arbeitslosen fehlt nämlich jede Möglichkeit,
die erforderlichen Arbeitsplätze entstehen zu lassen,
das kann nur die Gesellschaft als Ganzes.
55) Sanftmütige Menschen
Ob wir Menschen bewundern oder ablehnen,
hängt häufig davon ab,
wie groß wir ihre Stärke einschätzen.
Einerseits können sogar ausgesprochen rücksichtslose
und eben deshalb irrtümlich für stark gehaltene Menschen
einer großen Schar Bewunderer sicher sein,
andererseits muss ein sanftmütiger Mensch damit rechnen,
auf Ablehnung zu stoßen.
Von sanftmütigen Menschen droht uns keine Gefahr;
wir sollten ihnen daher wohlgesinnt sein
oder ihnen wenigstens neutral gegenüberstehen.
Wir können in ihm nämlich den ausgesprochen gut getarnten Versuch erkennen,
sich seiner Verantwortlichkeit zu entziehen.
Unser Mitverantwortlichsein für das Tun und Lassen anderer Menschen
kann eine Hilfestellung einschließen.
Bewusst vereinfachend und durchaus ein wenig provozierend,
könnten wir jetzt behaupten:
Einige lehnen den sanftmütigen Menschen ab,
weil er ihre Ruhe und Bequemlichkeit stört.
56) Selbstgerechtigkeit
Nicht selten der Verzweiflung nahe,
berichtet der eine oder andere
aufrichtig um Verbesserung des menschlichen Zusammenlebens Bemühte,
wie entmutigend der Umgang mit einem in Selbstgerechtigkeit Befangenen sein kann.
Was ein solcher Mensch nicht sehen will,
das sieht er auch nicht und leugnet es demzufolge,
völlig überzeugt davon,
sein verfälschtes Bild von der Welt wäre dasselbe wie die Welt.
57) Nicht zufällig begegnen wir Selbstgerechtigkeit
häufig in Begleitung
von Rücksichtslosigkeit und einer mangelhaft ausgeprägten Fähigkeit zur Selbstkritik.
Wer es vermeidet, zurückzusehen, also rücksichtslos vorgeht,
der sieht auch nicht, was er alles anrichtet.
Ist er überdies weder fähig noch bereit,
sein Verhalten selbstkritisch zu prüfen,
dann bestimmen letztendlich allein die von anderen verursachten Übel sein Weltbild.
Das von ihm selbst verursachte Unheil bleibt dagegen unberücksichtigt.
Rücksichtslosigkeit sowie der Mangel an Selbstkritik
bringen sozusagen als Eltern in einer unheiligen Familie
die Selbstgerechtigkeit hervor.
58) Im Gegensatz zu dem rechtskräftig verurteilten Verbrecher,
der seine persönliche Schuld und Verantwortlichkeit erkennt
und deshalb bereit ist,
sich zu bessern,
erscheint eben dieser Gedanke dem Selbstgerechten völlig abwegig,
was sollte er wohl auch verbessern,
wenn er bereits jetzt alles richtig macht?
59) Endkontrolle
Mitläufer sind keineswegs so harmlos,
wie sie häufig hingestellt werden,
sie sind die Ziegelsteine,
aus denen Diktatoren ihr Machtgebäude errichten.
Im Gegensatz zu den echten Steinen verfügen Menschen allerdings über Vernunft.
Gewissermaßen in der Funktion einer Endkontrolle,
erlaubt sie es ihnen,
jede Entscheidung vor Verlassen des Gehirns zu prüfen.
Lässt sich jemand von Fanatikern die eigene Vernunft betäuben,
sodass sie ihn nicht mehr vor unüberlegten Handlungen bewahren kann,
enthebt ihn das mitnichten der Verantwortlichkeit,
er verzichtet lediglich auf die Möglichkeit,
seinen Einfluss so auszuüben,
dass er dann das Ergebnis vor seinem Gewissen vertreten kann.
Aus eigenem Antrieb verantwortlich handeln
Dieser wahrhaft verantwortungsvolle Mensch
lässt sich nicht allein von Geboten und Verboten leiten,
er handelt vielmehr aus eigenem Antrieb verantwortlich.
Deshalb nutzt er von sich aus jede Gelegenheit,
das Geschehen um sich herum so zu beeinflussen,
dass das zu erwartende Ergebnis von seinem intakten Gewissen
als gerecht und richtig akzeptiert wird.
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60)
Zusammenfassung der Zusammenfassung
Wer vom Vorangehenden fast alles vergisst,
sollte zumindest behalten,
dass es für gewöhnlich fast unmöglich ist,
für ein größeres Geschehen nicht verantwortlich zu sein.
Jeder ist folglich gut beraten,
sich verantwortlich zu fühlen und sich zu überlegen,
auf welche Weise er dazu beitragen kann,
das auf den richtigen Weg zu bringen,
was jetzt falsch läuft.
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Viele Grüße
wgbajohr |
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Verfasst am: 14.08.2007, 11:56 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 23.05.2007 | | Beiträge | 1445 | | Wohnort | Fehmarn |
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Hallo Wolf-Gero,
der Endspurt zu diesem Thema beginnt. Viel gibt es nicht mehr zu sagen. Es ist alles gesagt worden. Deshalb hier meine abschließenden Worte:
Zu den Starken schaut man auf, nicht aber zu den Starken, die ihre Stärke nutzen um anderen zu schaden. Man sollte schon zwischen stark und furchtlos, und kaltblütig und brutal unterscheiden können (lernen). Auch ich schließe mich gerne Menschen an, die stark und mutig sind. Das nimmt mir meine eigene Angst. Mit ihnen fällt es leichter etwas durchzusetzen, was, wohlgemerkt, anderen dienlich sein sollte. Allerdings ist jeder, auch in einer Gruppe, für sein Handeln selbst verantwortlich.
Sicherlich wird jeder in seiner Verantwortlichkeit, seine Entscheidung eingehend prüfen. Den Schwachen weiterhin zur Seite zu stehen, ihnen Angst und Unsicherheit nehmen. Viele solcher „Schwachen“ haben mitunter gelernt, stark zu werden.
Unsere Kinder haben es leichter, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, an ihrer eigenen Stärke zu wachsen. Eltern, sollten ihre Kinder mit leichter Hand führen, ihnen unmerklich die Ängste nehmen, und sie zu einem verantwortungsbewussten Menschen erziehen. Ihnen klar machen, dass Furchtlosigkeit und Stärke, nicht gleichzusetzen ist, mit Habgier, Macht und Eigennutz. Sondern, mit ihrer Stärke, den schwächeren Menschen hilfreich zu unterstützen, damit ihnen kein Unrecht geschieht.
Allerdings ist kein Mensch ohne Fehler und sollte deshalb Vernunft walten lassen und genau prüfen, welche Entscheidungen er fällt.
Jeder normale Mensch, der sich als verantwortungsbewusst einstuft, wird sich danach richten. Wir werden immer mal wieder falsche Entscheidungen treffen, aber sicher nicht absichtlich. Auch der erwachsene Mensch muss weiter lernen. Vielleicht gelingt es dem einen oder anderen, durch Überzeugung, seine eher „schlechten“ Eigenschaften, zu ändern und mehr Verantwortlichkeit zu übernehmen. Es ist nie zu spät ein besserer Mensch zu werden. Jeder sollte an sich arbeiten. Die absolute Vollkommenheit wird es nicht geben. Aber allein sich zu bemühen, ist schon ein Anfang.
Es kommt schon vor, dass man aus irgendeinem Grund keine Verantwortung übernehmen kann oder will. Dann sollte man sie nicht ignorieren sondern an einen anderen abgeben, vorausgesetzt, er ist bereit, sie zu übernehmen. Innerhalb der Familie ist es bedeutend einfacher, sich gegenseitig zu helfen. In diesem Bereich werden wohl auch die meisten Menschen zum Einsatz kommen.
Immer im Bestreben ein besserer Mensch zu werden
Grüße ich herzlich
Rita |
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_________________ „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
www.ritahajak.de Wieder mal neu |
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Verfasst am: 14.08.2007, 23:10 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 08.04.2007 | | Beiträge | 483 | | Wohnort | Hamburg |
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Hallo Rita!
Für uns, die über das Thema gründlich diskutiert haben, sollte meine Zusammenfassung tatsächlich nicht mehr sein als eine Wiederholung in Riesenschritten.
Rita schreibt:
| Zitat: | | Es ist nie zu spät ein besserer Mensch zu werden. Jeder sollte an sich arbeiten. Die absolute Vollkommenheit wird es nicht geben. Aber allein sich zu bemühen, ist schon ein Anfang. |
Dem kann ich nur zustimmen. Hierher passt meines Erachtens auch die häufig zitierte Redewendung "Der Weg ist das Ziel."
Liebe Grüße
Wol-Gero |
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