 | wgbajohr: Verantwortlichkeit |  |
Verfasst am: 04.06.2007, 22:24 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Liebe Mitmenschen von der schreibenden Zunft!
Wie ich in meinem Beitrag vom 4.6.2007 zum Thema „Wem müssen wir helfen? bereits ausführte, möchte ich Euch ermuntern, die Funktion eines Multiplikators für die hier im Pool gewonnenen Erkenntnisse zu übernehmen. Dabei multipliziert Ihr selbstverständlich nur die Erkenntnisse, von denen Ihr überzeugt seid und die Ihr plausibel erklären könnt. Hier werden keine Mehrheitsmeinungen gebildet. Vielmehr werden Meinungen und dazugehörende Begründungen zur Auswahl angeboten. Ob jemand davon Gebrauch macht und welche Aussage er übernimmt, sollte einzig und allein davon abhängen, wie gut ihn persönlich die Begründung überzeugt.
Wir werden nach und nach gesellschaftsrelevante Themen aufgreifen und in diesem Forum diskutieren. Wenn sich das Diskussionsende eines Themas abzeichnet, stellen wir die noch vorhandenen Meinungen und die dazugehörenden Begründungen zusammen.
Beginnen möchte ich mit einem Thema, das nach meinen Erfahrungen extrem unterschätzt und häufig mit Schuld verwechselt wird. Es geht um Verantwortlichkeit. Um eine gute Ausgangsbasis und außerdem eine Vergleichsmöglichkeit für das Ende der Diskussion zu haben, möchte ich Euch bitten, in zwei, drei kurzen Sätzen zusammenzufassen, was Verantwortlichkeit für Euch bedeutet. Es müssen keine geschliffenen Sätze sein, ebenso wenig wird höchste Präzision erwartet. Ich stelle mir vor, dass Ihr bis zum Ende dieser Woche fertig sein könnt, also bis zum 10.06.2007.
Ich danke jedem, der sich darauf einlässt, im Voraus, und zwar in meinem Namen als auch im Namen aller Mitbürger, auch wenn sie es gar nicht ahnen, dass wir uns um sie Sorgen machen.
Viele Grüße
wgbajohr |
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Zuletzt bearbeitet von wgbajohr (Moderator) am 05.06.2007, 15:18, insgesamt einmal bearbeitet _________________ Die Veränderung der Welt beginnt bei jedem Einzelnen
Für etwas verantwortlich sein heißt, dieses Etwas beeinflussen können
http://www.leistung-und-gesellschaft.de/ |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 05.06.2007, 10:03 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Hallo Wolf-Gero,
ich habe zwar nicht den Anspruch die Welt zu verbessern, weil ich sie eigentlich ganz OK finde (die Menschen machen halt zuviel Blödsinn – aber die Welt finde ich gelinde ausgedrückt: gelungen.)
Verantwortlich bin ich für mich und für alles was ich tue oder unterlasse. Dann bin ich verantwortlich für meine Kinder solange, bis sie das selber übernehmen können. Außerdem bin ich verantwortlich dafür, dass meine Eltern im Alter die Zuwendung und Betreuung bekommen, die sie brauchen um in Würde alt zu werden. Verantwortlich bin ich dafür, dass durch meine Schuld keiner anderer zu Schaden kommt und für Dinge die ich zu beeinflussen vermag und nicht zuletzt auch in meinem Interesse stehen. Allerdings will und kann ich nicht für alles die Verantwortung übernehmen was von der Menschheit umgesetzt wird. Ich beschränke mich also auf mein persönliches Umfeld, beteilige mich an Wahlen und schreibe den einen oder anderen Leserbrief an die Lokalzeitung, wenn ich das Gefühl habe, dass es nötig ist, ich bringe mich in der Schule ein, im Kindergarten und übernehme für meine Arbeit die volle Verantwortung und trage für das was ich tue (oder nicht tue) die Konsequenzen. Ich bin auch der Ansicht, dass es einfach persönliche Grenzen gibt und wenn mir einer eine Grube gräbt und anschließend selber hineinfällt - ganz ehrlich - dann finde ich das in Ordnung.
Einen schönen Tag
Grete |
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Verfasst am: 05.06.2007, 11:33 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Grete!
Es ist schön, dass Du wieder dabei bist. Du hast bereits sehr detailliert geantwortet. Den Inhalt werde ich ganz bewusst nicht kommentieren, zumindest nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Es kann sein, dass wir auf das eine oder andere Argument im Rahmen der Diskussion zurückgreifen. Zur Form habe ich allerdings eine Bitte. Aus bestimmten Gründen, die erst später erkennbar werden, möchte ich Dich um zwei, drei kurze Sätze bitten, die das zusammenfassen, was Du geschrieben hast. In diesem Fall gilt ausnahmsweise: je weniger, desto besser, vielleicht wie die Parolen auf einer Demonstration.
Den Begriff Weltverbesserer habe ich gewählt, weil er sich eingebürgert hat und ich für unser Vorhaben keinen neuen Begriff kreieren wollte. Du hast natürlich völlig recht mit Deinem Hinweis, dass es nämlich gar nicht um die Welt, sondern um uns Menschen geht. Aber es ist so wie in anderen Bereichen: die Herrschenden setzen sich und das Beherrschte häufig gleich. Schon der Sonnenkönig Ludwig XIV. soll behauptet haben: "L'etat c'est moi!" (Der Staat, das bin ich). Was uns Menschen auf der kleinen Erde betrifft, das ist für uns die Welt.
Auch Dir einen schönen Tag und liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 05.06.2007, 13:24 |
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| hwg (Moderator) |
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Verantwortung tragen? Nicht leicht zu beantworten für einen wie ich es bin. Lebe jetzt komplett solo, habe weder Eltern noch Verwandte, schon gar nicht Kinder (jedenfalls weiß ich nichts davon ).
Bezüglich meines hoffentlich noch lange nicht bevorstehenden Ablebens lautet mein Motto: Hinter mir die Sintflut. (Die soll selbstverständlich nicht kommen, auch wenn manche Klimaexperten davor warnen ).
Verantwortung übernehme ich für alles, was ich tue. Wer soll das sonst bewerkstelligen? Bin weder obrigkeitshörig noch abhängig (außer von Honorarzahlern für meine Texte).
Es wäre anmaßend, für wen anderen die Verantwortung für sein Verhalten oder seine Taten übernehmen zu wollen. Allerdings, wer mich um etwas ersucht, dem helfe ich, so gut ich kann.
Außerdem, wer möchte sich (von mir) schon bevormunden lassen? Ich würde es auch nicht wollen, wenn mich wer anderer "behütet".
Soviel für den Augenblick. Bin neugierig auf Reaktionen. |
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Verfasst am: 05.06.2007, 21:02 |
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| MM |
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Als erstes muß ich für meine Person (Körper, Geist und Seele) die Verantwortung übernehmen können, denn sonst kann ich m. E. nach für nichts und niemanden Verantwortung übernehmen.
LG
Marliese |
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Verfasst am: 06.06.2007, 10:00 |
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Zuletzt bearbeitet von Susanne Henke am 07.06.2007, 15:46, insgesamt einmal bearbeitet |
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Verfasst am: 06.06.2007, 10:14 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Hallo Wolf-Gero,
Kurzversion:
Verantwortlich bin ich für alles was ich tue oder unterlasse - unter Berücksichtigung meines Kenntnisstandes zum jeweiligen Thema.
Einen schönen Tag
Grete
N.S.: Kannst Du mich aufklären, wofür Du diese Antworten sammelst? - Ich meine, wenn ich einen Kuchen backen will, und frage den Bäcker nach den Zutaten, dann muss er auch wissen, was für einen Kuchen ich backen will...
LG Grete |
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Verfasst am: 06.06.2007, 12:20 |
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| Bärentante |
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Verantwortlichkeit, mmh, dieses Wort habe ich noch nie benutzt.
Ich bin verantwortlich für die, die sich nicht selbst helfen können, auf mich angewiesen sind. In meinem Falle die Haustiere, im Sommer die Blumen im Garten, die Topfpflanzen im Haus, drei Jahre lang meine Mutter.
Aus egoistischen Gründen bin ich natürlich auch verantwortlich für das Reinholen der Post und der Tageszeitung, es sollen ja keine Diebe auf das Haus aufmerksam werden, das Auffüllen der Heizung mit Wasser, damit sie lange lebt, ...
Verantwortlich bin ich für mich, und rauche trotzdem weiter.
Verantwortlich fühle ich mich (immer mal wieder) für Mitmenschen und höre ihnen zu, was wahrscheinlich unterschätzt wird. Jeder möchte sich ja gerne selbst mitteilen.
Verantwortlich bin ich für alle meine Entscheidungen. |
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_________________ Liebe Grüße
Christel |
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Verfasst am: 06.06.2007, 17:38 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Liebe Diskutantinnen und Diskutanten!
Der von mir vorgegebene Zeitraum ist zwar noch nicht erschöpft, aber ich möchte Euch trotzdem schon einmal für Eure Beiträge danken. Was ich besonders bemerkenswert finde, ist die inhaltliche Nähe einiger Beiträge zu dem, was wir schließlich gemeinsam erarbeiten wollen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Drumherum und das Vorab oft wenig Feuer entfacht, sodass jeder denkt: "Hoffentlich geht es bald los!". Auf der einen Seite könnten wir zwar schon beginnen, denn einige Antworten haben wir ja bereits, auf der anderen Seite würde ich doch noch gern einigen potenziellen Mitdiskutanten Gelegenheit geben, uns ihre Antwort unvorbelastet zu geben. Sofern nicht irgendetwas Unvorhergesehenes geschieht, werde ich das Thema am kommenden Sonntag eröffnen.
Bis dahin seid herzlich gegrüßt
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 06.06.2007, 17:52 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Liebe Mitautorinnen und Mitautoren!
Bis zum Ende dieser Woche habt Ihr noch Gelegenheit, ganz am Anfang einzusteigen. Es geht um Verantwortlichkeit.
Um eine gute Ausgangsbasis und außerdem eine Vergleichsmöglichkeit für das Ende der Diskussion zu haben, möchte ich Euch um Folgendes bitten:
Fasst bitte in zwei, drei Sätzen zusammen, was Verantwortlichkeit für Euch bedeutet. Hier gilt einmal: Je kürzer, desto besser.
Es müssen keine geschliffenen Sätze sein, ebenso wenig wird höchste Präzision erwartet. Ich stelle mir vor, dass Ihr bis zum Ende dieser Woche fertig sein könnt, also bis zum 10.06.2007.
Ich freue mich auf Eure Beiträge!
Liebe Grüße
wgbajohr
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Verfasst am: 06.06.2007, 18:00 |
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| Bärentante |
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Es sollte zwar kurz sein, ich habe aber etwas vergessen:
Ich bin verantwortlich für das, was man mir anvertraut. (Geldbörse, Hausschlüssel, Kinder) |
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_________________ Liebe Grüße
Christel |
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Verfasst am: 06.06.2007, 18:06 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Grete!
Du schreibst:
| Zitat: | | N.S.: Kannst Du mich aufklären, wofür Du diese Antworten sammelst? - Ich meine, wenn ich einen Kuchen backen will, und frage den Bäcker nach den Zutaten, dann muss er auch wissen, was für einen Kuchen ich backen will... |
Im Grunde habe ich bereits angedeutet, wofür ich die "Rezepte" sammle. Wollte ich jetzt noch mehr sagen, müsste ich auf Bereiche vorgreifen, die später ohnehin ausführlich behandelt werden. Es verbirgt sich dahinter kein wirkliches Geheimnis. Um in Deinem Bild zu bleiben, ich habe nach dem Rezept für Stachelbeertorte gefragt. Dabei ist es, wie ich meine, zunächst belanglos, bei welcher Gelegenheit ich die Torte Stück für Stück verputzen werde. Hmm!
Reicht es Dir zunächst als Antwort?
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 06.06.2007, 22:23 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Hallo Wolf-Gero,
schöne Antwort, reicht natürlich nicht, aber ich kann mich gern noch etwas gedulden - vorausgesetzt wir kriegen alle ein Stück von der - vermutlich süßsauren Torte! Ich bring die Schlagsahne gern mit!
LG Grete |
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Verfasst am: 10.06.2007, 12:44 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Unser Kampf gegen Vorurteile
1. Verantwortlichkeit 1
Unseren Kampf gegen Vorurteile beginnen wir heute – wie angekündigt – mit „Verantwortlichkeit“. Im Laufe der Diskussion kann jeder für sich selbst feststellen, ob sich seine bisherige persönliche Einstellung auf Vorurteile zurückführen ließ oder bereits das Ergebnis intensiver Überlegungen war.
Behauptung 01: Wir sollten uns stets bewusst sein, dass wir für alles verantwortlich sind, was unserem Einfluss unterliegt, und zwar unabhängig davon, ob wir unseren Einfluss geltend machen oder nicht.
Diese Forderung wird allzu oft unterschätzt. Wie groß ihre Bedeutung tatsächlich ist, zeigt sich spätestens dann, wenn das Wissen um diese Forderung fehlt. Während der NS-Diktatur beteiligte sich ein nicht geringer Teil des deutschen Volkes an grausamen Verbrechen, und zwar entweder direkt als Ausführender oder indirekt als Mitläufer. Indem die angeblich harmlosen Mitläufer Hitler und seine Helfershelfer lautstark bejubelten und dadurch Zustimmung zu seinen Taten bekundeten, trugen sie zur Festigung von Hitlers Machtbasis bei. Da die Gesellschaft nach dem sogenannten Führerprinzip organisiert war, beriefen sich die Menschen auf Hitlers Befehle und leugneten jede eigene Verantwortlichkeit. Der einzige Mensch, dem dieser vermeintliche Ausweg nicht offen stand, war Hitler … und bekanntlich entzog er sich der Verantwortung durch Suizid.
Hätte das Wissen um die eigene Verantwortlichkeit den beteiligten Menschen ausreichend Kraft verliehen, um die Hitlerdiktatur zu verhindern? Mit letzter Sicherheit lässt sich diese Frage nicht beantworten. Hingegen können wir aber als gesichert erachten, dass es den NS-Machthabern umso schwerer gefallen wäre, ihre verhängnisvolle Diktatur zu errichten, je mehr Menschen sich ihrer Verantwortlichkeit bewusst gewesen wären. Um diese Behauptung nachvollziehen zu können, müssen wir uns über die Bedeutung des Begriffes „verantwortlich“ klar werden und außerdem, worauf er sich erstreckt.
Behauptung 02: Per definitionem gibt es eine Verbindung zwischen einer
Ursache und der von ihr hervorgerufenen Wirkung.
Auf eines Menschen Handlung übertragen, bedeutet dieser Tatbestand, dass jemand über seine Einflussnahme hinaus auch mit den sich daraus entwickelnden Folgen verbunden ist. Wegen dieses Zusammenhangs zwischen Ursache und Wirkung erwächst einem Menschen aus der Möglichkeit, etwas zu beeinflussen, zwangsläufig die Pflicht, sich nicht nur zu seiner Entscheidung zu bekennen, sondern ebenfalls zu deren Auswirkung. Seine Verantwortlichkeit ist allerdings unabhängig davon, ob er die Verantwortung ausdrücklich übernimmt oder nicht. Wer vom Dach eines Hochhauses einen Stein wirft und damit einen Menschen erschlägt, muss sich nicht allein für das Werfen des Steines verantworten, sondern auch für den Tod des Opfers. Das gilt sogar dann, wenn Entscheidung und Folgen nicht so offensichtlich zusammenhängen wie im vorstehenden Beispiel.
Wer bis hierher aufmerksam gefolgt ist, hat sicherlich längst selbst herausgefunden, dass es keinesfalls reicht, sich seiner Verantwortlichkeit bewusst zu werden. Das kann selbstverständlich nur der erste Schritt sein. Wirkt sich jemandes Wissen nicht auf sein Verhalten aus, ist es für eine Gemeinschaft ohne Belang. Das Gegenteil zu erreichen, sind wir jedoch angetreten: Die gesicherte Erkenntnis, für alles verantwortlich zu sein, was wir beeinflussen können, soll unser Handeln bestimmen.
Wir sind aufgerufen, verantwortlich zu handeln. Bevor wir uns jedoch damit auseinandersetzen, was wir darunter im Einzelnen zu verstehen haben, müssen wir noch unbedingt einer möglichen Begriffsvermischung vorbeugen: Obwohl die Adjektive „verantwortlich“ und „schuldig“ häufig gemeinsam auftreten, sind sie streng voneinander zu trennen. Während „schuldig“ auf einen verbotenen und nicht selten zugleich strafwürdigen Tatbestand hinweist, also in hohem Maße von Regeln und Gesetzen einer Gesellschaft abhängt, beschränkt sich „verantwortlich“ darauf, den Zusammenhang von Ursache und Wirkung aufzuzeigen, und zwar unabhängig von jeglicher Schuldfrage. Wie wir erkennen sollten, ist die Forderung, verantwortlich zu handeln, viel umfassender als die, nicht schuldig zu werden. Sie verpflichtet, alle Entscheidungen rechtfertigen zu können, also Rede und Antwort zu stehen, und sei es auch nur dem eigenen Gewissen gegenüber.
Behauptung 01: Wir sollten uns stets bewusst sein, dass wir für alles verantwortlich sind, was unserem Einfluss unterliegt, und zwar unabhängig davon, ob wir unseren Einfluss geltend machen oder nicht.
Behauptung 02: Per definitionem gibt es eine Verbindung zwischen einer
Ursache und der von ihr hervorgerufenen Wirkung.
Da diese Diskussionsrunde angetreten ist, Vorurteilen den Garaus zu machen, seid Ihr alle eingeladen, jede Behauptung zu hinterfragen. Schließlich wollen wir ja nicht erreichen, dass ein Vorurteil lediglich durch ein anderes ersetzt wird.
Beim nächsten Mal geht es um die Behauptung „Entscheiden und verantworten gehören zusammen“
Bis dahin hoffe ich auf rege Beteiligung.
Viele Grüße
wgbajohr
PS Vielleicht könntet Ihr einen Hinweis geben, in welchen Abständen Ihr die neuen Beiträge erwartet. Ich selbst dachte an drei bis vier Tage, sodass Mittwoch oder Donnerstag mein nächster Beitrag käme. |
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Verfasst am: 10.06.2007, 13:07 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Grete!
Ich hatte Dir ja noch eine Antwort versprochen.
Es ging um die Frage, warum ich kurze Definitionen haben wollte, ohne Euch zu informieren, wofür ich sie brauche. Ich wollte die Antworten im Rohzustand haben, ohne dass sie an irgendeinen Zweck angepasst werden, also genau das, was einem bei einem Begriff spontan einfällt. Denn das Idealziel, das wir erreichen könnten, wäre, das die Menschen, nach Verantwortlichkeit gefragt, mit dem Ergebnis unserer Diskussion antworten, und zwar spontan, also ohne lange zu überlegen. Unser Ergebnis sollte den Menschen sozusagen in Fleisch und Blut übergehen.
Habe ich damit Deine Frage erschöpfend beantwortet? Noch schöner wäre es sicherlich, wenn ich bereits das Ergebnis unserer Diskussion hätte einsetzen können. Aber ich glaube, es geht auch so.
Ach ja, da wäre ja noch die Stachelbeertorte. Dabei handelt es sich leider um eine sehr aufwendige Torte, sodass die meisten Konditoren sie nicht herstellen. Als meine Frau und ich Silberne Hochzeit hatten, waren wir in Westerland auf Sylt. Dort gab es die Stachelbeertorte, und ich habe sie mit großem Vergnügen verputzt. Sie ist halt nicht so süß wie eine der üblichen Torten, aber sie vermittelt das Gefühl von etwas Erfrischendem. Jetzt überlegen meine Frau und ich, ob wir unsere in ein paar Jahren anstehende Goldene Hochzeit auch in Westerland verbringen. Wir müssten uns natürlich vorher erkundigen, ob es die Torte wirklich noch gibt. Ha, Ha!
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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