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wgbajohr: Vorauseilender Gehorsam

BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 12:03
wgbajohr (Moderator)
 
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Verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Wer sich einmal Aussagen von Verlegern und Literaturagenten kritisch ansieht, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Autoren zu Auftragsschreibern werden sollen. Diese Pseudo-Auftragsschreiber erhalten allerdings keine festen Aufträge, ebenso wenig eine Garantie, dass ihre Produkte abgenommen werden. Dafür erwarten Verleger und Agenten, dass sich die Autoren sogar noch um mögliche Buchkäufer kümmern. Selbst BoD passt in dieses Schema. Ein Autor wird nicht etwa deshalb lobend erwähnt, weil er ein Problem der Menschheit auf hervorragend gute Weise literarisch verarbeitet hat, sondern weil ihm ein gutes Marketingkonzept eingefallen ist.

Ich wende mich jetzt nur an die Autoren, die ihre Einnahmen aus dem Verkauf ihrer Bücher nicht zum Überleben brauchen, das sind wohl die meisten BoD-Autoren und natürlich einige finanzielle Giganten, wie zum Beispiel Nobelpreisträger. Wenn wir uns nicht einmal aussuchen dürfen, worüber wir schreiben, dann gibt es irgendwann niemanden mehr, der es wagt, seinem inneren Drängen zu folgen. Wo bleibt die Vielfalt, wenn wir alle nur noch über etwas schreiben, von dem wir annehmen, dass es für einen Verlag ein gutes Geschäft werden könnte. Ich habe zwar irgendwo gelesen, dass sich einige Verlage neben den Erfolg versprechenden Autoren auch um Autoren kümmern, die noch keine großen Gewinne verheißen, aber mir scheint, das ist unzureichend.

Was können wir tun? Ich verstehe, dass sich jeder über seine verkauften Bücher freut und darüber, dass er vielleicht seine Kosten herausbekommt. Aber dennoch warne ich vor dem vorauseilenden Gehorsam. Wir BoD-Autoren sind am ehesten in der Lage, darüber zu schreiben, was uns am Herzen liegt. Das muss gar nicht immer allerhöchste literarische Kunst sein. Wenn sich jemand gern Witze ausdenkt, dann soll er das machen. Er sollte es nach Möglichkeit aber nicht nur deshalb machen, weil es auf dem Gebiet einen guten Markt gibt. Ich rufe allen zu: Habt Mut, über das zu schreiben, was Euch am Herzen liegt! Kümmert Euch nicht darum, ob es jemanden gibt, der das unbedingt lesen will. Ihr seid die Autoren, Ihr entscheidet, worüber Ihr schreibt. Wenn Leser Schwierigkeiten haben, Eure Gedichte zu verstehen, kümmert Euch nicht darum! Schreibt, wie Ihr schreiben möchtet! Die Vielfalt wächst und wird Euch dankbar sein. Wer weiß, vielleicht ist es die große Chance für BoD-Autoren, das Vorurteil loszuwerden, sie seien schlechte Autoren, denn die guten seien schließlich alle bei Verlagen unter Vertrag. Irgendwann sagen dann Buchhändler zu potenziellen Kunden: „Na sicher, Grass ist ein guter Schriftsteller, immerhin hat er ja sogar den Nobelpreis erhalten, aber wenn Sie einmal etwas Außergewöhnliches wollen, dann greifen Sie zu einem BoD-Autor. Hier habe ich gerade ein neu erschienenes Buch. Die Autorin schreibt da auf eine wahrlich verrückte Art über die Folgen eines Verkehrsunfalls, dass sich Ihnen die Haare verbiegen werden. Man muss das einfach gelesen haben!“ Möglicherweise werden dann Agenten und Verleger auch risikofreudiger, wenn die Zahl der befreiten Autoren wächst und wächst.

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen.

Viele Grüße
Wolf-Gero

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Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 12:20
Bärentante
 
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Hallo Wolf-Gero,

ich denke, dass gerade wir BoD-Autoren Deine Empfehlung bereits beherzigen. Das sieht man doch an der Vielfalt der Buchthemen, die hier vorgestellt werden. Unter den "Hobbyautoren" findet man meiner Meinung nach niemand, der über ein vorgegebenes Thema schreibt. Jeder beschäftigt sich ausschließlich mit seinem Projekt.

Ich persönlich könnte kein Buch schreiben, um eine Marktlücke zu füllen. Es muss mich selbst überzeugen, ein Bezug zum Inhalt vorhanden sein, sonst wird es sowieso nichts.

_________________
Liebe Grüße
Christel

BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 12:20
Judith
 
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WohnortSchwobaländle


Dein Wort in Gottes Ohr... cheezy grin

Schönes Wochenende wünscht
Judith

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Du willst mehr wissen? Bitte hier - meine Website.

vorauseilend? nein - hinterherlaufend...

BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 12:31
matthiasgerschwitz
Gast
 


Hallo Wolf-Gero,

wie war das mit der Kunst, den Hacken und den schiefen Sohlen?

Du greifst ein Thema auf, dass sich leider mittlerweile durch viele Bereiche der künstl(er)i(s)chen Tätigkeit zieht. Ich schreibe das extra so, weil viele Künstler - auch "Schreiberlinge" sich den Notwendigkeiten des Überlebens glauben unterwerfen zu müssen und ebenso viel Artifizielles produzieren.

Ein Beispiel: Drehbuchautoren für Fernsehserien/-filme haben heute überhaupt kaum noch Gelegenheit, richtige Ideen unterbringen zu können, weil sie in ein Raster von Quotendruck und Erwartungshaltung gezwängt werden. Und hast Du eine - wie Du glaubst - tolle Idee für eine Fernseh-Serie, ist die erste Frage: Für welchen Sender soll die denn sein? Ist es intellektuell, reicht es gerade mal für die Dritten (nein, nicht Zähne) - aber die haben kein Geld und keinen Spielraum. Soll es für die Privaten sein, muss die Idee mainstream-fähig sein, und damit verliert sie fast jedes eigene Gesicht.

Warum sollte das bei Buchautoren anders sein? Sehen wir es doch einmal so rum: Wir haben wenigstens via BoD und dergl. die Möglichkeit, unsere Ideen zu verwirklichen - auch wenn wir im Wesentlichen auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen sind, selbst am Erfolg - zumindest versuchsweise - zu stricken. Damit sind wir vielen anderen meilenweit voraus.

Und allein das ist doch schon Ansporn, genauso weiterzumachen...!

Beste Grüße
Matthias

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 12:51
julia07
 
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Hallo Wolf-Gero,

mit dieser Meinung rennst Du bei mir offene Türen ein, denn jeder sollte veröffentlichen dürfen. Nur so kann man dem vorgekauten und die Masse beeinflussenden Mainstream entgegenwirken. Das betrifft allerdings die gesamte Kunstszene, also auch die Musik und Malerei etc. Auch dort hat schon längst nur derjenige Erfolg, der mit Glanz und Gloria aufs Pferd gehoben wird.

Aber ich habe noch ein paar persönliche Anmerkungen:

1. Da ich mich nicht nur selbst verwirklichen, sondern auch anderen zu etwas Unterhaltung, Information, Kurzweil etc. verhelfen will, bemühe ich mich aber schon, eine gewisse Qualität zu liefern Wink

2. Ich bin der Meinung, dass jeder, der seine Texte veröffentlicht, eine gewisse Verpflichtung seinen Lesern gegenüber hat. Wie weit die reicht, hängt für mich ausschließlich von den eigenen Möglichkeiten ab, nicht aber vom Willen. Wenn mir ein Autor erzählt, dass es ihm piepegal ist, ob seine Texte grammatikalisch O.K. sind, denn es zähle ja nur die geniale Aussage, dann winke ich ab, denn das ist arrogant. Wenn mir aber jemand, dem die Möglichkeit zu einer etwas besseren Schulbildung leider verwehrt geblieben ist, seine zu Papier gebrachten Gedanken preisgibt, dann sind sie mir willkommen, denn sie helfen sicher auch mir, meinen Horizont zu erweitern.

3. Ich benütze keine "unlauteren" Methoden, um mein/e Werk/e bekannt zu machen. Damit meine ich all die gefakten Rezensionen und stündlichen Bewertungsklicks bei Buchvorstellungen etc. Mir reichen die normalen Mittel, wie Internetforen, Homepage, Werbezettel, Werbebeiträge in Zeitungen, Veranstaltungen, Mundpropaganda, etc.

LG, Julia

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BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 13:22
hwg (Moderator)
 
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Eine Gegenmeinung darf hier wohl angebracht sein. Zu unterstellen, dass alle auf Honorarbasis arbeitenden Autoren, so wie ich es einer bin, sich "unterordnen" müssen, entspricht, jedenfalls meinen Empfindungen nach, überhaupt nicht der Realität.

Natürlich bleibt es jedem Autor unbenommen, das zu schreiben, wovon er überzeugt zu sein scheint. Doch stets auf die Qualität des eigenen Schaffens zu pochen, wenn das Ergebnis des Schreibens von den Lesern nicht goutiert wird, trifft nicht den Kern.

Schafft man es schon nicht, überhaupt alles das, was in herkömmlichen Verlagen veröffentlicht wird, einigermaßen zu überblicken, wie soll das bei der Menge an von sicher - und das setze ich voraus - begabten Autoren bei BoD, in Eigenverlagen und Druckkostenzuschussunternehmen auch nur ansatzweise möglich sein?

Ich bin zweifellos für Vielfalt in der Literatur, aber der Eindruck wird mir immer leichter gemacht: Es gibt schon mehr Autoren als deren Leser.

Das soll zwar keinen vom Schreiben abhalten, doch die Schuld daran
den bösen "richtigen" Verlagen, den Buchhändlern oder gar den Lesern zuzuschreiben, hilft so gut wie gar nichts.

Es ist immer schon so gewesen und wird auch so bleiben: Auch unter dem Autoren schlägt irgendwann "dem Glücklichen die Stunde", allein schon durch die Tatsache, dass "sein Buch" das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat.

BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 17:58
wgbajohr (Moderator)
 
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Hallo Hans!

Wenn ich keine Gegenmeinung vertragen würde, dürfte ich keine derartig provozierenden Themen aufgreifen. Gegenmeinungen zwingen mich dazu, meinen eigenen Standpunkt zu überprüfen. Entweder wird er bestätigt oder revidiert.

Zitat:
Zu unterstellen, dass alle auf Honorarbasis arbeitenden Autoren, so wie ich es einer bin, sich "unterordnen" müssen, entspricht, jedenfalls meinen Empfindungen nach, überhaupt nicht der Realität.


Den Literaturbetrieb kenne ich natürlich nicht aus Deiner Sicht. Der Ausgangspunkt meiner Überlegungen war das, was ich kenne, nämlich den Status eines Angestellten oder freien Mitarbeiters einer gewöhnlichen Firma. Angestellte oder freie Mitarbeiter brauchen zwar nicht jede Aufgabe zu übernehmen, aber ihre Selektionsmöglichkeit ist doch ziemlich eingeschränkt. Genau diese Situation habe ich auf Autoren übertragen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Autor so hartnäckig auf die Realisierung seiner eigenen Vorstellungen pocht, wenn er damit riskiert, keine Zeile mehr loszuwerden.

Es ist manchmal so, dass eine geänderte Situation eine geänderte Reaktion erfordert. Um es noch deutlicher zu sagen: Wenn ich vor Jahrzehnten die Möglichkeit gehabt hätte, Deinen Weg einzuschlagen, dann wäre ich ihn mit Freuden gegangen. Mit Schreiben und Lesen seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist eine schöne Aufgabe, aber ich hätte dann den Weg zu totaler Freiheit auf literarischem Gebiet nicht gefunden und auch nicht dazu aufgerufen.

Zitat:
Schafft man es schon nicht, überhaupt alles das, was in herkömmlichen Verlagen veröffentlicht wird, einigermaßen zu überblicken, wie soll das bei der Menge an von sicher - und das setze ich voraus - begabten Autoren bei BoD, in Eigenverlagen und Druckkostenzuschussunternehmen auch nur ansatzweise möglich sein?


Das ist ein sehr gutes Argument. Es war eines unter anderen, die mich zu meinem Aufruf bewogen. Da die Anzahl der aus herkömmlichen Verlagen kommenden Schriften bereits so gewaltig ist, dass niemand alles überblicken kann, sollte sich nach Möglichkeit niemand verbiegen, vielleicht in der Hoffnung, in die Gruppe der Gelesenen zu rutschen. Ich bin sogar überzeugt, dass der nicht angepasste Schreiber nicht weniger Chancen hat als der angepasste. Sie sind in beiden Fällen sehr gering. Zu hoffen ist jedenfalls, dass das Werk des nicht angepassten Schreibers authentischer ist.

Zitat:
Es gibt schon mehr Autoren als deren Leser.


Ich glaube, Hans, da hast du recht, zumindest sind wir auf dem Wege. Allerdings ziehe ich wohl einen anderen Schluss. Ich sage, wir BoD-Autoren brauchen uns darum nicht zu kümmern. Wer unter die Fittiche eines herkömmlichen Verlages rutschen kann, wird das höchstwahrscheinlich tun, aber er tauscht dann nicht das absolut Schlechte gegen etwas Schönes ein, vielmehr wechselt er von einem Schönen zum anderen. BoD-Autoren sind nicht die dummen und schlechten Autoren und alle anderen die guten. BoD-Autoren haben einen großen Vorteil, den sie gegen einen anderen eintauschen. Für diesen Vorteil will ich die Werbetrommel rühren. Wer keinen herkömmlichen Verlag findet, hat keinen Grund, depressiv zu werden, er sollte es vielmehr genießen, ein freier Autor zu sein.

Zitat:
Das soll zwar keinen vom Schreiben abhalten, doch die Schuld daran
den bösen "richtigen" Verlagen, den Buchhändlern oder gar den Lesern zuzuschreiben, hilft so gut wie gar nichts.


Auf keinen Fall geht es hier um Schuld, zumal ich ohnehin nichts von diesem Wort halte. Ich würde auch nicht von bösen Verlagen, Buchhändlern oder Lesern sprechen. Diese Gruppen befinden sich in Situationen (ich bin fast versucht, von Zwangslagen zu sprechen), die ihnen kaum ermöglichen, zu agieren, sie können fast nur reagieren. Abhängigen oder gar Gefangenen vorzuwerfen, sie würden nicht so handeln, wie ich es mir vorstelle, hielte ich nicht für fair – obwohl ich zugeben muss, diese Regel nicht immer zu beherzigen. Meine wirklichen Adressaten sind alle, die einen gewissen Spielraum haben. In dieser Runde hatte ich manchmal den Eindruck, dass sich nicht alle dieses Spielraums bewusst sind.

Zitat:
Es ist immer schon so gewesen und wird auch so bleiben: Auch unter dem Autoren schlägt irgendwann "dem Glücklichen die Stunde", allein schon durch die Tatsache, dass "sein Buch" das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat.

Wenn das geschieht, ich bin darauf schon eingegangen, dann muss der Autor entscheiden. Allerdings wird es ihm in fast allen Fällen nicht schwer fallen, die Freiheit gegen die Vorteile, die ein herkömmlicher Verlag bietet, einzutauschen. Das ist völlig in Ordnung.

Wer frei ist oder gezwungen ist, frei zu sein, der sollte die Vorteile, die ihm die Freiheit offeriert auch nutzen und genießen!

Viele Grüße
Wolf-Gero

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BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 18:25
hwg (Moderator)
 
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Guten Abend Wolf-Gero!

Also, das muss ich jetzt festhalten: Mit Dir zu diskutieren, bereitet mir großes Vergnügen. Du eröffnest mir Überlegungen, die in dieser Form
bei mir bisher noch nicht eingelangt sind.

Von "meinem Weg" als Autor bin ich weiterhin tief überzeugt, erblicke aber durch Deine Aussagen auch für mich wichtige Erkenntnisse. Immerhin eine Bestätigung meiner Ansicht, dass man immer etwas dazu lernen kann, wenn man nur will.

Besonders beeindruckt mich in diesem Zusammenhang der von Dir bestens formulierte "Freiheitsbegriff".

In diesem Sinn diskutieren wir hier wohl eifrig weiter!

Herzlichen Gruß!
Hans

BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 19:24
wgbajohr (Moderator)
 
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Hallo Christel!

Zitat:
Ich persönlich könnte kein Buch schreiben, um eine Marktlücke zu füllen. Es muss mich selbst überzeugen, ein Bezug zum Inhalt vorhanden sein, sonst wird es sowieso nichts.


Aus Deinen Diskussionsbeiträgen durfte ich Dich bereits etwas kennen und schätzen lernen, sodass mich Dein Bekenntnis nicht überrascht.

Wären alle so konsequent, wäre mein Aufruf fast überflüssig. Ich habe das Wort fast hinzugefügt, weil mein Aufruf ja keineswegs eine Forderung im engen Sinne sein soll. Meine Intention geht vielmehr in eine andere Richtung: Mein Aufruf soll im weitesten Sinne ein Trost sein. Wenn wir immer nur auf die herkömmlichen Verlage schielen und auf einen Vertrag von ihnen hoffen, dann kann es geschehen, dass wir das, was wir haben, gering erachten, nämlich die volle Freiheit, über das zu schreiben, was uns in den Sinn kommt.

Ein schönes Wochenende und liebe Grüße
Wolf-Gero

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BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 19:26
wgbajohr (Moderator)
 
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Hallo Judith!

Zitat:
Dein Wort in Gottes Ohr ...


Damit habe ich leider ein Problem, ich weiß nicht, wie Du das meinst. Was genau soll in Gottes Ohr gelangen? Meinst Du vielleicht den Teil, in dem es um die Aufwertung der BoD-Autoren geht?

Ein schönes Wochenende und liebe Grüße
Wolf-Gero

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BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 19:33
wgbajohr (Moderator)
 
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Hallo Matthias!

Ich weiß, der Streit um die Frage, was künstlerisch und was künstlich ist, wird seit Langem geführt. Aber so tief oder so hoch wollte ich gar nicht einsteigen. Mir geht es tatsächlich - zumindest im Augenblick - nur um die BoD-Autoren, die irgendwelche Bücher verfassen. Ob der Inhalt künstlerisch oder eher künstlich ist, ist mir in diesem Zusammenhang unwichtig. Ganz abgesehen von dem Aufruf an jeden, der irgendetwas produziert, sein Bestes zu geben, kann er bringen, was er will.

Zitat:

Drehbuchautoren für Fernsehserien/-filme haben heute überhaupt kaum noch Gelegenheit, richtige Ideen unterbringen zu können,


Den Bereich kenne ich nun gar nicht, ich leite aus Deiner Schilderung aber ab, dass es doch ziemlich schwer ist, beim Fernsehen etwas unterzubringen.

Zitat:
Warum sollte das bei Buchautoren anders sein?


Als Buchautor lässt Du Dein Buch drucken und hoffst darauf, dass wenigstens einige dieses Buch erstehen. Aber selbst wenn niemand Dein Buch kauft, so kannst Du immer noch einige verschenken und auf diese Weise Dein Gedankengut in die Welt bringen. Aber was machst du mit einem Fernsehspiel? Ich weiß es nicht.

Zitat:

Wir haben wenigstens via BoD und dergl. die Möglichkeit, unsere Ideen zu verwirklichen – [...] Damit sind wir vielen anderen meilenweit voraus.

Und allein das ist doch schon Ansporn, genauso weiterzumachen...!


So ist es!

Ein schönes Wochenende und viele Grüße
Wolf-Gero

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BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 19:35
wgbajohr (Moderator)
 
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Hallo Julia!

Zitat:

1. Da ich mich nicht nur selbst verwirklichen, sondern auch anderen zu etwas Unterhaltung, Information, Kurzweil etc. verhelfen will, bemühe ich mich aber schon, eine gewisse Qualität zu liefern


Ich meine, dass das eine Forderung an jeden ist, der etwas produziert. Er sollte sich ständig fortbilden, um eine gewisse Qualität liefern zu können.

Zitat:
2. Ich bin der Meinung, dass jeder, der seine Texte veröffentlicht, eine gewisse Verpflichtung seinen Lesern gegenüber hat. Wie weit die reicht, hängt für mich ausschließlich von den eigenen Möglichkeiten ab, nicht aber vom Willen. Wenn mir ein Autor erzählt, dass es ihm piepegal ist, ob seine Texte grammatikalisch O.K. sind, denn es zähle ja nur die geniale Aussage, dann winke ich ab, denn das ist arrogant. Wenn mir aber jemand, dem die Möglichkeit zu einer etwas besseren Schulbildung leider verwehrt geblieben ist, seine zu Papier gebrachten Gedanken preisgibt, dann sind sie mir willkommen, denn sie helfen sicher auch mir, meinen Horizont zu erweitern.


Das gefällt mir ausgesprochen gut. Wir sind nicht alle Genies. Es gibt etliche, die Probleme hatten und haben. Da ist es völlig richtig, den Menschen so zu akzeptieren, wie er ist. Was ich aber auch nicht leiden kann, sind Menschen, die ihre Unwissenheit oder sogar Dummheit zu einer wertvollen Eigenschaft hochstilisieren wollen.

Zitat:

3. Ich benütze keine "unlauteren" Methoden, um mein/e Werk/e bekannt zu machen. Damit meine ich all die gefakten Rezensionen und stündlichen Bewertungsklicks bei Buchvorstellungen etc. Mir reichen die normalen Mittel, wie Internetforen, Homepage, Werbezettel, Werbebeiträge in Zeitungen, Veranstaltungen, Mundpropaganda, etc.


So habe ich Dich auch eingeschätzt.

Ein schönes Wochenende und liebe Grüße
Wolf-Gero

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BeitragVerfasst am: 20.10.2007, 19:38
wgbajohr (Moderator)
 
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Guten Abend Hans!

Ich freue mich auf viele fruchtbare Diskussionen mit Dir.

Herzliche Grüße
Wolf-Gero

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BeitragVerfasst am: 21.10.2007, 08:48
hwg (Moderator)
 
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An alle Qualitätsbewussten!

Was Qualität ist, bleibt wohl hauptsächlich der Beurteilung des Lesers überlassen, denke ich. Und dass beinahe jeder Autor von der Qualität seines Werkes überzeugt ist, liegt in der Natur seiner Betrachtensweise (oder auch Eitelkeit Laughing ).

Logischer Weise gibt es diesbezüglich auch gegenteilige Meinungen, denn sonst gäbe es in den Verlagen ja auch kein Ausleseverfahren. Und dass es (auch) in der Literatur (so wie in jeder Kunstgattung) zu jeder Zeit "Modeströmungen" gegeben hat und auch immer geben wird, ist wohl unbestreitbar. Wenn sich ein Autor daran orientiert, halte ich das eher für professionell und finde daran nichts unehrenhaftes.

Mit dem Auseinanderdividieren von "hoher" Literatur und so genannter unterhaltsamer Lektüre mögen sich die selbst ernannten "Qualitätsforscher" ein Denkmal setzen wollen, ich vertraue der Urteilskraft von vorurteilsfreien, aufgeklärten Lesern (und damit Buchkäufern). Die bisherigen Irrtümer von Experten sind, blättert man in der Literaturgeschichte, ohnehin sattsam bekannt. Laughing

BeitragVerfasst am: 21.10.2007, 15:23
wgbajohr (Moderator)
 
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Hallo Hans!

Zitat:
Was Qualität ist, bleibt wohl hauptsächlich der Beurteilung des Lesers überlassen, denke ich.


Mancher mag darüber vielleicht die Nase rümpfen, aber Literatur ist nun einmal keine exakte Wissenschaft. Man könnte allenfalls exakte Kriterien aufstellen, die als Maßstab dienen, aber über die Frage, wie gut die Kriterien erfüllt sind, käme das Subjektive wieder zurück. Mir fällt zumindest keine Möglichkeit ein, wie man Literatur objektiv beurteilen wollte.

Zitat:

Und dass beinahe jeder Autor von der Qualität seines Werkes überzeugt ist, liegt in der Natur seiner Betrachtensweise (oder auch Eitelkeit ).


Wäre er nicht von der Qualität überzeugt, müsste er sich die Frage anhören, warum er an seinem Werk nicht weiterschreibt, bis es die Qualität erreicht, die ihn selbst überzeugt.

Zitat:

Und dass es (auch) in der Literatur (so wie in jeder Kunstgattung) zu jeder Zeit "Modeströmungen" gegeben hat und auch immer geben wird, ist wohl unbestreitbar. Wenn sich ein Autor daran orientiert, halte ich das eher für professionell und finde daran nichts unehrenhaftes.


Wer im Literaturbetrieb als Profi sein Geld erarbeitet, wird kaum anders können, als sich danach zu richten, was gerade verlangt wird. Daran ist selbstverständlich nichts Unehrenhaftes, und das gilt sogar für die Nichtprofis. Wer die Möglichkeiten des ungebundenen Autors nicht sieht oder nicht wahrnehmen will, der handelt nicht unehrenhaft, er verschenkt nur eine Chance.

Zitat:

Mit dem Auseinanderdividieren von "hoher" Literatur und so genannter unterhaltsamer Lektüre mögen sich die selbst ernannten "Qualitätsforscher" ein Denkmal setzen wollen, ich vertraue der Urteilskraft von vorurteilsfreien, aufgeklärten Lesern (und damit Buchkäufern).


Würden wir über die Frage, was gute Literatur ist, eine Umfrage starten, käme vermutlich heraus, dass jeder das für gut hält, was ihn selbst anspricht. Dabei brauchen wir gar nicht zu verhehlen, dass die Anforderungen an den Intellekt sicherlich große Unterschiede aufwiesen. Aber wer sind wir, dass wir jemanden nur deshalb gering schätzen, weil er nicht die Möglichkeiten hatte, zur geistigen Koryphäe zu werden? Der Begriff „Möglichkeiten“ schließt dabei die äußeren Gegebenheiten ebenso ein wie die ererbten geistigen Fähigkeiten. Meiner Überzeugung nach sollten wir als Schreiberlinge – an unserem eigenen Maßstab gemessen – stets das Beste geben. Ich weiß nicht, ob es überhaupt vorkommt, aber kein Autor ist gut beraten, wenn er unter seinen „handwerklichen Fähigkeiten“ bleibt, indem er bewusst schlampiges Deutsch schreibt, weil er der Meinung ist, seine Leser würden die Fehler ohnehin nicht bemerken.

Ich wünsche Dir noch einen angenehmen Rest vom Sonntag!

Viele Grüße
Wolf-Gero

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