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BeitragVerfasst am: 06.01.2008, 03:07
Gerhard
 
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CeKaDo hat Folgendes geschrieben:
Ich möchte nicht, daß meine Kinder mich pflegen müssen. Ich möchte ebenfalls nicht, daß sie durch mich in einer der schönsten Erlebenszeiten ihres Lebens einen sabbernden und gedächtnisschwachen Hosensch...er windeln und beaufsichtigen müssen.


Doch niemals will ich die Veranwortung und die Last eines abwesenden Geistes oder hoffnungslos defekten Körpers an meine Kinder abgeben. Das möchte ich ihnen nicht antun. Das haben sie nicht verdient.


Im Prinzip stimme ich dir ja zu, nur..... hast du nicht auch mal vor ein paar Jahren einen oder mehrere kleine sabbernde und schreiende Hosensch*** gewindelt, sie gefüttert und ängstlich am Bett gewacht, wenn sie krank waren? Warum können wir das nicht auch unseren Kindern zumuten?

Liebe Grüße
Gerhard

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 06.01.2008, 06:13
g.c.roth (Moderator)
 
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WohnortEmden


Guten Morgen,
leider wird Krankheit, Alter und Tod aus unserer Leistungsgesellschaft schon viel zu lange ausgeklammert. Die Generation, die nach 1960aufgewachsen ist, hat es nicht vorgelebt bekommen, dass man sich um die alt und hilflos gewordenen Menschen kümmmert.
Viele stellen es sich entsetzlich vor, und der erste Gedanke dabei ist das Sabbern und Hosensch***.
Von den meisten Menschen, die sich dennoch der Aufgabe gestellt haben, hört man oft andere Erfahrungen. Sie waren überrascht, wie gut sie damit umgehen können, schon allein, weil es eine Menge Hilfsmittel gibt, mit denen man dieses Problem händeln kann.

Einen alten Menschen zu Hause pflegen, ist eine Gemeinschaftsaufgabe der Familie, der Nachbarn - der Gesellschaft. Und jeder Einzelne, der sich einbringt, zieht für sich und sein Leben Gewinn daraus. Das gilt vor allem für Kinder, die man in die Pflege einbeziehen kann, die ein Bewusstsein für Verantwortlichkeit bekommen, die eine Vorstellung von Altsein bekommen sowie begreifen, dass Menschen aufeinander angewiesen sind.
Nicht jeder alte Mensch wird auf Jahre bettlägerig. Und freut sich, wenn er im Haushalt noch das eine oder andere übernehmen kann! (Auch wenn vielleicht die Messer dann mal falsch herum in der Schublade liegen und die Karotten anders geschnitten sind, als man es selber machen würde.)

Natürlich möchte jeder solange wie möglich selbstbestimmt leben (zumindest so, wie er glaubt es in jüngeren Jahren getan zu haben). Doch wer das 50./55. Lebensjahr überschritten hat, wird schon mal hin und wieder ins Grübeln kommen, weil er mitbekommt, dass doch das eine oder andere "irgendwie" nicht mehr so leicht von der Hand geht, wie noch vor wenigen Jahren. Und bekommt eine Ahnung davon, welche Möglichkeiten ihm noch offen stehen zur Selbstbestimmung, wenn er körperlich dazu nicht mehr in der Lage ist. Wer dann mit Menschen zusammenleben darf, die um die diese körperlichen und seelischen Nöte wissen, der darf sich glücklich und aufgehoben fühlen.

Ein Heimplatz kostet ca. 4000 Euro monatlich!
Wenn man den pflegenden Angehörigen für die Zeit der Pflege eine angemessene finanzielle Unterstützung geben würde, käme unser Staat günstiger davon. Das hätte aber vermutlich zur Folge, dass die Menschen (weil glücklicher) noch älter würden ... Das aber ist gar nicht erwünscht.

Jeder vernachlässigte Mensch, egal ob Säugling oder Senior - ist ein Verlust und ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die sich nicht mehr sozial ihren Mitgliedern gegenüber verhält, hat keine Zukunft.
Das gilt im Übrigen meiner Meinung nach auch für den Rest des Globus. Für augenscheinlich nutzloses (weil nicht gewinnbringend) Getier und Pflanzen. Es fehlt an der Achtung vor dem Leben in jeder Form.

LG Grete

_________________
Individuelle Buchcover zu fairen Preisen: http://www.satzstudio-roth.de

BeitragVerfasst am: 06.01.2008, 07:50
SandraR
 
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Beiträge349
WohnortMoskau


Grete Deinen Ausfuehrungen kann ich nur zustimmen. Ergaenzend, in anderen Gesellschaften wird mit Aelteren anders umgegangen. Als Beispiel Osteuropa, wo alte Menschen ueblicherweise zu Hause sterben und Krankenhaus nicht mit Tod gleich gesetzt wird.

Eine menschliche Eigenart und durch die Massenmedien gefuettert, ist nun mal Alter als Schicksal fuer fast jeden zu verdraengen. Jugend, um jeden Preis, entspricht dem Zeitgeist.

Allerdings sollte man die seelische Belastung fuer Menschen, (wie so oft im Leben vorallem der Frauen) bei der Pflege von Alten und sehr Alten, nicht verniedlichen.

Sterben, in Wuerde und zu Hause, wuensche ich jedem.

_________________
russland-buecher.ru

BeitragVerfasst am: 06.01.2008, 08:03
g.c.roth (Moderator)
 
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WohnortEmden


Hallo Sandra!
Zitat:
Allerdings sollte man die seelische Belastung fuer Menschen, (wie so oft im Leben vorallem der Frauen) bei der Pflege von Alten und sehr Alten, nicht verniedlichen.


Je weniger Menschen sich zuständig fühlen, desto größer ist die Belastung für den Einzelnen. Es ist schmerzhaft, zusehen zu müssen, wie aus den einstmals starken Eltern, hilflose Menschen werden, die vielleicht noch nicht einmal wissen, wer sie pflegt, oder ob sie überhaupt Kinder haben. Ich kenne die Probleme sehr gut. Und die Belastung ist umso größer, je weiter man diese Tatsachen von sich fortschiebt.

Natürlich ist es in einer Gesellschaft wie der unseren für manche schier unmöglich die häusliche Pflege zu übernehmen. Darum: es ist eine Gemeinschaftsaufgabe - die jeden etwas angeht und berühren sollte. Die, die jetzt noch fit sind müssen sich dafür einsetzen, dass sich die Umstände in denen sich alte Menschen befinden ändern, sonst finden sie sich sehr bald selber in der gleichen Situation.

LG Grete

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Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 06.01.2008, 11:43
Gerhard
 
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Beiträge416


g.c.roth (Moderator) hat Folgendes geschrieben:
Ein Heimplatz kostet ca. 4000 Euro monatlich! LG Grete


Vielleicht ist Ironie an der Stelle fehl am Platz, aber irgendjemand hat mal ausgerechnet, dass man, anstatt für 4000 € ins Altersheim zu gehen, lieber eine Kreuzfahrt antreten sollte. Man hatt Vollpension, einen Arzt an Bord und immer frische Luft und sieht noch was von der Welt.

Aber im Ernst, diese Kosten für einen Heimplatz sind unverschämt, noch dazu wenn man auch sieht, dass das Personal keine Zeit (und öfter auch keine Lust hat) sich um die Menschen im Heim wirklich zu kümmern.

Liebe Grüße
Gerhard

BeitragVerfasst am: 06.01.2008, 11:48
CeKaDo
 
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WohnortSchwelm


Meine Säuglinge zu windeln, war mir eine Freude und immer wieder ein Pool der kraftschöpfung. Sie wachsen zu sehen und ihre kindliche Freude zu erleben, war die schönste Zeit meines Lebens. Es ist etwas anderes, alte Leute zu pflegen, als Säuglinge zu Schulkindern werden zu lassen.

Die rücksichtslose Kälte unserer Zeit macht den Wunsch nach "back to the roots", den alten Bauernhöfen mit vier Generationen unter einem Dach wieder lebendig. Doch das wird in unserer Zeit nicht mehr funktionieren können. Wir sind, dank der enormen Pflicht zum Geldanschaffen, einfach nicht mehr in der Lage, unser Leben im alten Rythmus zu leben. Die Zeiten haben sich gewandelt, die Menschen ebenfalls.

Heute wird es darauf hinaus laufen, daß sich alte Menschen in Lebens- und Hilfsgemeinschaften zusammen schließen. Es werden immer mehr dieser Häuser unter dem Begriff "betreutes Wohnen" gebaut, um das finanzielle Defizit der heute alten Generation abzufangen.

Wir werden nicht umhin kommen, so gesund und mobil zu bleiben, wie es nur irgend geht. Und wir müssen der Gesellschaft beweisen, daß wir keine Last sind. Es gibt genug erschreckende Prophezeiungen in der Literatur, daß irgendwann eine Lebensgrenze eingeführt wird, an der alle Menschen zwangsweise sterben müssen. Wenn wir dem nicht entgegen steuern, indem wir zeigen, was wir noch drauf haben, dann dauert es keine 20 Jahre mehr und wir haben eine Lebenskontrolle statt Geburtenkontrolle.

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"Nur Dumme trauen sich alles!"

http://www.uebernaechtliches.de

Der Blog zum CeKaDo: http://www.tagesblog.de

BeitragVerfasst am: 06.01.2008, 12:13
Gerhard
 
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Beiträge416


[quote="CeKaDo"]Meine Säuglinge zu windeln, war mir eine Freude und immer wieder ein Pool der kraftschöpfung. Sie wachsen zu sehen und ihre kindliche Freude zu erleben, war die schönste Zeit meines Lebens. Es ist etwas anderes, alte Leute zu pflegen, als Säuglinge zu Schulkindern werden zu lassen.[quote]

Und genau das finde ich so entsetzlich an unserer "zivilisierten" Art zu leben. Kleine sabbernde Hosensch*** finden wir süß und niedlich, große sabbernde Hosensch**.... nee, die sollen gefälligst in ein Heim. Was ist nur in eine Gesellschaft gefahren, die so reagiert? Säuglinge zu Schulkindern werden zu lassen, ist OK, sogar toll.... aber die eigenen Eltern auf ihrem letzten Weg zu begleiten, kann man dann nur "Profis" zumuten. In einer solchen Gesellschaft leben zu müssen, finde ich entsetzlich.

Liebe Grüße
Gerhard

BeitragVerfasst am: 06.01.2008, 12:40
CeKaDo
 
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WohnortSchwelm


Gerhard,
darüber sind wir uns einig, es ist entsetzlich. Doch dagegen könne wir nur selbst etwas unternehmen, indem wir anders sind und anders handeln.

Wir brauchen Vorbilder (oder sollte ich sagen: Vorleber?) ebenso, wie es die Generationen nach uns brauchen. Letztendlich ist die heutige Gesellschaft durch unsere Einstellung, unser Handeln entstanden.

Ich gehörte selbst noch vor wenigen Jahren zu denen, die drei Arbeitsplätze ausfüllten, um mit einer Ehefrau, die ebenfalls mehrere Stellen hatte, monatlich rund 8.000 Euro netto zu schaffen. Wozu das alles?

Wir haben mit Geld, das wir nicht hatten
Dinge gekauft, die wir nicht brauchten,
um Leuten zu imponieren, die wir nicht mochten.

Die Kinder wurden überhäuft und dennoch ging alles "den Bach herunter".

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BeitragVerfasst am: 06.01.2008, 12:48
Gerhard
 
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CeKaDo, da widerspreche ich dir jetzt in keinem einzigen Satz. Genau so ging es mir in den letzten Jahren.

"In der einen Hälfte seines Lebens opfert man die Gesundheit um Geld zu verdienen, die andere Hälfte opfert man das Geld um die Gesundheit wiederzuerlangen." Weiß jetzt nicht mehr, von wem das ist.... kann es Voltaire gewesen sein????

Liebe Grüße
Gerhard

BeitragVerfasst am: 06.01.2008, 15:15
arno63
 
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Eine kleine Korrektur:

4000 Euro p.Monat als Regel für einen Platz im Altenheim ist nicht korrekt. Ich habe das auch mal gelesen, aber es stimmt nicht. Nach meinen Erfahrungen mit mehreren Alten- und Pflegeheimen gilt ein Satz von um die 3000 Euro in der höchsten Pflegestufe III, d. h. „hilflos“ und rein alles muss vom Pflegepersonal gemacht werden. Die 4000 kommen vielleicht in ganz luxuriösen Heimen zustande.
Die Heimkosten setzen sich zusammen aus Kosten für die Unterkunft (sog. Hotelkosten) und Verpflegung und dann noch die Investitionskosten. Diese Posten können in luxuriösen Häusern hoch sein. Die eigentlichen Pflegekosten sind sehr ähnlich in allen Heimen, nur für sie zahlt die Pflegeversicherung. Die anderen Kosten muss der Bewohner oder müssen seine Angehörige selbst tragen.

Bei 4000 Euro Gesamtkosten und Pflegestufe III zahlt die Pflegekasse maximal 1.432 Euro. (feststehender Satz) Die restlichen 2568 muss der Bewohner zahlen, was natürlich die wenigsten könnten, deshalb schon kann es nicht die Regel sein.

Es gibt auch Alten- und Pflegeheime mit Gesamtkosten (Pflegestufe III) von um die 2000 Euro. Dort sind dann Gebäude, Zimmer und evtl. Verpflegung nicht topp, die Pflege kann aber vergleichbar mit den teureren Heimen sein.

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Manche haben eine so dicke Haut, dass sie ohne Rückgrad aufrecht stehen können.

BeitragVerfasst am: 07.01.2008, 09:08
Amos
 
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Und da gibt es noch die andere Sicht.
Alte möchten weiterhin ihr individuelles Leben führen wie bisher.
Das ist nachvollziehbar.
Deshalb ist es nun auch in den Sozialregeln vorgesehen:
Ambulant vor Stationär.
Insgesamt sind wir sehr individuell erzogen, aufgewachsen.
Der soziale Aspekt wird hier in Deutschland nicht gelehrt.
Einige Jahre habe ich in Afrika un in Asien gelebt und gearbeitet( in der Landwirtschaft, also auf dem dicksten Dorf), da ist das soziale Miteinander ein Muß und gleichzeitig auch in der staatlichen Konstruktion verankert.
Die zukünftigen Alten, Jahrgang ab 1950, Joschka Fischer oder auch ganz normale Bürger , werden ein anderes Maß an Anforderung stellen als die Älterngeneration.
Nicht nur Pflegeleistung körperlicher Art, sondern auch geistiger Natur.
Ein Berufszweig der sich in den nächsten Jahren gut einrichten wird ist der Casemanager, der von Theaterbesuch, über Fensterputzer und Pleger alles besorgt und koordiniert.
Schwarz sehen ist die eine Sicht der Dinge, die Veränderungen mitgestalten die Andere, für mich die interessanterer, ich bin schon 57 Jahre.
Gruß Amos

_________________
Das aktuelle Buch: Die bösen Tage sind vorbei Planungshilfen für den beruflichen Erfolg.
ISBN 3-8334-4103-8
www.amos-ruwwe.de

BeitragVerfasst am: 07.01.2008, 10:46
dbs
Gast
 


Hi!

Hier werden eine Menge wunderbare Ansichten vertreten, wie man mit alten Menschen umgehen sollte. Vieles, wenn nicht alles davon könnte man blind unterschreiben.

Ich möchte nicht als kalt oder gefühllos dastehen, aber die Realität bremst all diesen "good will" mehr als aus.

Wer seine alt gewordenen Eltern versorgen oder gar pflegen will, der muss vor allem eines sein: ständig zuhause verfügbar. Und da gibt es bereits den ersten Stolperstein. Welche Familie kann es sich heute noch leisten, als Erwachsener nicht berufstätig zu sein? Der Regelfall ist das Ehepaar, das Vollzeit im Job eingespannt ist. Sind Kinder da, ist im besten Falle ein Elternteil nur halbtags beschäftigt und am Nachmittag daheim. Was aber geschieht mit pflegebedürftigen Alten während des Vormittags?

Oftmals besteht auch eine große räumliche Distanz zwischen den alt gewordenen Eltern und ihren zur Pflege bereiten Kindern. Meine Mutter z.B. lebt ca. 200 km von mir entfernt. Sollte sie zum Pflegefall werden, kann ich mir aussuchen, in ihren Wohnort zu ziehen (was einen Verlust meines Arbeitsplatzes nach sich zieht - und was mache ich mit meiner besseren Hälfte? Soll sie mit umziehen und ihren Job aufgeben?) oder ich hole sie zu mir (was sie von allen ihren sozialen Kontakten abschneidet)? Noch schlimmer wird es, wenn man einen Job hat, der einen unter der Woche kreuz und quer durch Deutschland treibt (meine Schwägerin lebt z.B. in Bielefeld, arbeitet aber in Frankfurt/Main bzw. hat davor ein Jahr lang in einem Projekt in Bern in der Schweiz gearbeitet -wie soll sie ihre Mutter bei sich zu Hause betreuen?).

Die Berufswelt verlangt immer größere Mobilität. Arbeitslose dürfen keine Jobs ablehnen, auch wenn sie dafür mehr als 100 km pendeln müssen. Die eigenen Kinder bringen immer schlechtere Schulleistungen nach Hause, weil sie während ihrer Schullaufbahn drei Mal die Schule wechseln müssen, da Pappi oder Mami wegen der Karriere umziehen müssen (von der Belastung für die Ehe mal ganz zu schweigen).

Logische Folgerung: Zugunsten besseren sozialen Zusammenlebens auf beruflichen Fortschritt verzichten. Auf Einommen verzichten. Der Familie vielleicht über Jahre drastische Einschränkungen zumuten.

Zurück zur Großfamilie mit drei oder gar vier Generationen unter einem Dach. Aber geht das wirklich? Ist so ein "starres", an einen Ort gebundenes Familienleben in den Zeiten von Globalisierung und ständiger Angst vor einem Arbeitsplatzverlust machbar?

Irgendwie ist das die Quadratur des Kreises. Die Arbeitswelt, die Welt schlechthin verlangt Flexibilität und Mobilität ohne Ende bei gleichzeitig zunehmenden sozialen Verpflichtungen etwa Alten gegenüber.

Wie gesagt, ich möchte nicht kalt und gefühllos dastehen, aber wie will man das alles unter einen Hut bekommen, ohne sich selbst, seinem Ehepartner oder den Kindern alle Chancen zu verbauen?

So bemerkenswert eure Ansichten sind - wie soll das praktisch gelöst werden?

LG
Siegfried

BeitragVerfasst am: 07.01.2008, 11:51
Rita Hajak (Moderator)
 
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Hallo Siegfried,

Du schreibst:
Zurück zur Großfamilie mit drei oder gar vier Generationen unter einem Dach. Aber geht das wirklich? Ist so ein "starres", an einen Ort gebundenes Familienleben in den Zeiten von Globalisierung und ständiger Angst vor einem Arbeitsplatzverlust machbar?

Es ist machbar. Ich habe die Beweise in meinem Bekanntenkreis. Ein älteres Ehepaar, beinahe Neunzig, gebrechlich und schwach, ein Fall für das Pfegeheim. Der eine Sohn vor Ort, lehnte weitere Verantwortung ab.

Der andere Sohn 100 km entfernt, kam in Gewissenskonflikt, denn die Eltern weinten und wollten in kein Pfegeheim. Ein Gespräch mit Ehefrau und Tochter, brachte die Lösung. Eine kleine Wohnung wurde gemietet, in der Straße des Sohnes. Eine Pflegehilfe wurde eingestellt. So konnten die anderen Familienmitglieder ihrer Arbeit nachgehen. Am Nachmittag schaute die Enkelin nach den "Alten" und abends Sohn und Schwiegertochter.
Man wollte dem alten Ehepaar die letzten Monate so angenehm wie möglich gestalten. Aber es geschah etwas, was keiner voraussehen konnte. Das Ehepaar blühlte auf, erholte sich und ist in einer glücklichen Verfassung. Natürlich braucht es weiterhin Betreuung. Die Nähe der Angehörigen gibt ihnen viel Kraft.

Das ist inzwischen 3 Jahre her und die alten Leutchen leben immer noch. Es ist wie ein Wunder und ein beglückendes, zufriedenes Gefühl, für die Kinder.

Werden die alten Menschen in einem Plfegeheim versorgt, fehlt ihnen das persönliche Umfeld, die ständig vertrauten Gesichter ihrer Familie. Sie leben bei weitem nicht so lange, wie in der eigenen Wohnung. Hier bekommen sie alles mit, was sich in der Familie bewegt, sie werden vielleicht auch nach ihrer Meinung gefragt, fühlen sich nicht überflüssig.

Sicherlich ist das nicht überall machbar. Die Familie muss zusammenstehen und gegeseitig einspringen, wenn Not am Mann ist.

So ein Leben wünsche ich allen alten Menschen.



LG, Rita

_________________
„Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann

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BeitragVerfasst am: 07.01.2008, 12:05
g.c.roth (Moderator)
 
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WohnortEmden


In der Tat sind die Probleme durch unsere Gesellschafts- und Wirtschaftsstruktur anders als früher. Deshalb gerade muss man nach alternativen Lösungen suchen. Ich würde auch nicht pauschal behaupten, dass nur die Pflege zu Hause das gelbe vom Ei ist. Aber dort, wo es möglich und gewollt ist, muss der Staat die Familien ausreichend unterstützen. Eben damit jemand zu Hause sein kann.

Wenn es aber so ist, dass eine Betreuung durch Heime oder fremde Personen eingerichtet werden muss, dann darf es nicht so sein, dass man viel Geld bezahlt und trotzdem täglich kontrollieren muss, ob die betreute Person gefüttert wurde, genug Flüssigkeit bekommen hat, neu gepampert wurde, Medikamente korrekt verabreicht wurden, Gymnastik gemacht wurde und auch die menschliche wie geistige Ebene angesprochen wurde.

Genau das alles geschieht aber nicht in allen Institutionen. Sobald sich herausstellt, dass die Familie nur sonntags alle 14 Tage kommt, wird nur das Nötigste an Pflege geleistet. Steht man als Familie aber täglich auf der Matte und kontrolliert, dann funktioniert auch die Pflege im Heim. Ich habe es bei einer Tante so erlebt.

Meine Freundin ist exam. Altenpflegerin. Sie hat ihren Job aufgegeben, weil sie das Leid der Alten nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren konnte. Die pflegenden Kräfte werden oft genötigt, Papiere falsch auszufüllen, damit Heime gute Leistungen vorweisen können. Der Rubel muss rollen. Kriminalisierte Pflege. Kontrollen werden vorher angekündigt. Wenn der Medizinische Dienst kommt, werden die Alten entsprechend hergerichtet und manches wunderliche geschieht! Täten sie das nicht, würden Pflegegelder gestrichen. Das ist der Skandal.

Natürlich ist es allemal besser einen Menschen in die Obhut einer guten Pflege zu geben, wo er liebevoll und menschlich betreut wird, als ihn zu Hause mal nebenbei mit abzufüttern oder ihm das Gefühl zu geben: "Deinetwegen müssen wir auf so vieles verzichten". Auch kann eine Pflege in zerstrittenen Familien nicht wirklich funktionieren.
Doch Aufenthaltsorte, die den alten Menschen gerecht werden sind Perlen in der Wirtschaftsbranche "Alten- und Pflegeheime".

Wir würden unsere Kinder nicht in Kindergärten schicken, wo sie den ganzen Tag ohne Ansprache sind, ihnen keiner Anregungen zum Spielen gibt und sie abends noch die volle Pampers von morgens tragen. Warum wird bei den Alten weggesehen?

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BeitragVerfasst am: 07.01.2008, 12:51
Amos
 
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WohnortBad Mergentheim


Vielen Dank an alle für die lesenswerten Beiträge zum Thema alte Menschen.
Wir befinden uns ja in einem Autorenforum, da gehören dann auch mal Hinweise auf lesenswerte Bücher zum Thema dazu

Henning Schref:
Grau ist bunt
Was im Alter möglich ist

Lesenswert, Henning Scherf beschreibt das Altern an seiner eigenen Person und wie er sich damit beschäftig und welche Möglichkeiten er für sich gefunden hat und für andere mit erarbeitet.
Insgesamt eine unterhaltsame und lehrreiche Lektüre,ohne je belehrend zu wirken.
Herder -Verlag

Klaus Dörner
Leben und sterben wo ich hingehöre
Dritter Sozialraum und neues Hilfesystem
Paranus Verlag

Ausgangspunkt von Dörner ist der Beatlessong von 1966 :
when Im siyty-four, will you still need me, will you still feed me....

In diesem Buch kann die gesamte Pallette der hier geführten Diskussion nachgelesen werden. E
Einmal aus der Sicht der Betroffenen , der Alten und auch aus der Sicht der anderen Betroffenen, nämlich die restlichen Mitmenschen in der Gesellschaft.
Keine Patentrezepte werden hier vorgeschlagen, aber reichlich Gedankenanstösse gegeben und Möglichkeiten vorgestellt.

Ich erzähle oft Märchen in Altenheime und beschäftige mich als Sohn einer fitten Mutter (88Jahre) schon lange mit älteren Menschen.

Das ist für mich so, als wenn meine Kinder und Enkelkinder zu mir kommen, die Älteren und die Jüngeren öffenen mir Fenster und ich kann dann in eine mir bis dahin unbekannte Welt hinaus sehen.

Das ist immer eine Bereicherung, für mich als Mensch sowieso und für mich als Autor auch.
Gruß Amos

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