 | Wohin mit den "Alten" |  |
Verfasst am: 05.11.2007, 17:15 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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Wohin mit den „Alten“
Immer wieder werden sie abgeschoben. Abgeschoben in ein Altenheim. Sie sind uns lästig geworden. Zu schwierig, ein bisschen verdreht oder auch schwach und gebrechlich.
Wir haben zwar manchmal ein schlechtes Gewissen. Doch es wird damit abgetan, dass die „Alten“ im Heim viel besser aufgehoben sind. Sie haben ihre Versorgung und genügend Menschen um sich herum, mit denen sie sich unterhalten können.
Warum denken die Meisten so? Meinen wir wirklich die alten Menschen hätten im Heim das Paradies gefunden. Sicher, wer ganz alleine auf sich gestellt ist, findet im Heim einen Platz, wo für ihn gesorgt wird. Aber die anderen, die eine Familie haben, wären die nicht bei dieser am besten aufgehoben. Sie könnten teilhaben am Geschehen der Normalität. Das wachsen der Enkelkinder miterleben. Wärme, Geborgenheit und Fürsorge spüren. Sowie über alles Aktuelle informiert sein. Das würde ihren Geist länger fit halten. Aber nein! Man kommt mit allen möglichen Einwänden daher: Wir sind berufstätig, wir haben zu wenig Platz, wir müssen uns um die Kinder kümmern und Zeit haben wir sowieso keine. Alles Ausreden.
Wo ist unsere Verantwortung, unsere Liebe, und unser Respekt, vor Mutter oder Vater, geblieben? Haben nicht gerade sie, als sie jung waren, uns das alles gegeben. Waren sie nicht immer für uns da, wenn wir sie brauchten? Jetzt sind wir an der Reihe.
Ich habe mein Versprechen gehalten und meine Eltern bis zum letzen Atemzug versorgt. Aus Liebe, Verantwortung und Respekt. Ich bin froh darüber. |
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Zuletzt bearbeitet von Rita Hajak (Moderator) am 07.01.2008, 15:20, insgesamt einmal bearbeitet _________________ „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 05.11.2007, 19:10 |
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| Bärentante |
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Hallo Rita,
eine wahre Aussage, die ja auch in meinem Fall zutrifft.
Da der Text im Meinungspool steht, möchtest Du eine Diskussion darüber beginnen? Dann fange ich mal an: Warum schreibst Du die "Alten" in Gänsebeinchen? |
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_________________ Liebe Grüße
Christel |
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Verfasst am: 05.11.2007, 19:33 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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Hallo Christel,
ich habe gegen eine Diskussion nicht einzuwenden. Mal schauen ob es
Interessierte gibt.
Die "Alten" habe ich in Gänsefüßchen gesetzt, weil ich meinte dass es
ohne etwas abwertend klingt. Das soll es auf keinen Fall sein. Ich hätte auch: Die alten Menschen schreiben können, wollte aber das Alte etwas hervorheben.
Ich weiß, dass auch Du eine schwere Zeit mit Deiner Mutter erleben musstest.
Gruß Rita |
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_________________ „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
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Verfasst am: 06.11.2007, 00:07 |
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| Bärentante |
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| Von meiner Seite aus gibt es zu diesem Thema wenig zu diskutieren. Ich habe wie Du gehandelt, viele Jahre lang, aber ich bin deshalb noch lange kein Engelchen. Ich kann auch Leute verstehen, die die Alten in Heime geben, weil ihnen andere Dinge, ihre eigene Familie, ihr eigenes Leben wichtiger sind. Mit meiner Mutter war bis zur letzten Minuten ein normales Gespräch möglich, die Behinderung war rein körperlich. Hätte sie mich nicht mehr erkannt, wir nicht mehr reden können, wäre auch ich zur Heimvariante übergegangen, da ich dies nicht ertragen hätte. |
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_________________ Liebe Grüße
Christel |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 06.11.2007, 03:36 |
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| Thomas Becks |
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Hallo Rita,
Du packst hier ein sehr heißes Eisen an. Man hört heraus, dass Du eine glückliche und behutsame Kindheit erlebt hast. Die habe ich auch gehabt. Ich habe meine lieben Eltern sehr früh verloren. Deshalb kann ich nicht, was Altersheime angeht, mitreden. Doch nicht jeder hatte das Glück, eine intakte Familie zu haben. Ich möchte es mal so auf den Punkt bringen: es gibt gute wie fiese Beziehungen, ob zu den Eltern oder zum Lebenspartner. Aus meiner (Taxi) Erfahrung heraus, gibt es alle Facetten von Beziehungen, die wir Autoren gerne aufnehmen und verarbeiten.
Meiner bisherigen Erfahrung nach kommt immer das alles zurück, was Eltern ihrem Kind gegeben oder nicht gegeben haben.
Gruß
Thomas |
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Verfasst am: 06.11.2007, 06:57 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Guten Morgen, Rita!
Da Eltern nicht immer den Ideal-Vorstellungen von Eltern entsprechen, sind wir geneigt, unseren Einsatz für sie von unserer Wertung abhängig zu machen. Wer gute Eltern hatte, kümmert sich um sie, wer schlechte hatte, überlässt sie ihrem Schicksal. Ist das richtig?
Wir haben ausführlich über Verantwortlichkeit diskutiert und sind dabei auf das Gebot der Hilfe zur Selbsthilfe gestoßen. Danach ist die Qualität der Eltern irrelevant für unsere moralische Verpflichtung. Wir müssen somit unseren Eltern im Rahmen unserer Möglichkeiten Hilfe zur Selbsthilfe zukommen lassen.
So weit sei das aufgeführt, worauf selbst die Eltern einen Anspruch haben, die sich zwar weigerten Liebe und Geborgenheit zu säen, die nun aber trotzdem ernten wollen.
Wer dagegen ein liebevolles Elternhaus hatte, schert sich nicht um irgendwelche ethischen Gebote, er fühlt im Innersten seine Verpflichtung, den Eltern etwas von dem zurückzugeben, was sie ihm einst gaben.
Viele Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 06.11.2007, 07:16 |
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| hwg (Moderator) |
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Meine Mutter war nach einem längeren Spitalsaufenthalt ebenfalls fünf Jahre hindurch pflegebedürftig. Sie verbrachte ihren mitunter schmerzvollen Lebensabend zu Hause und hatte eine gute Betreuung durch sachkundige Pflegekräfte. Auch ich war ständig an ihrer Seite.
Mit einem Erstickungsanfall musste sie nochmals rasch ins Krankenhaus, wo sie dann sechs Tage später knapp vor Weihnachten im 91. Lebensjahr für immer einschlief. Ich hatte ihr schon vor Jahrzehnten versprochen, dass sie, geht es nach mir, niemals in ein Altenheim, das neuerdings ja oft vornehm als Seniorenresidenz bezeichnet wird, kommt.
Obwohl sie nicht zu Hause starb, war und bin ich froh, dass ich mein Versprechen halten konnte. Die "Familie" bestand nur aus uns beiden.
Ich kenne genügend wohlhabende Familien, von denen Mutter oder Vater im Alter gegen deren Willen in ein Heim abgeschoben werden, obwohl genügend Geld für Pflegepersonal und auch Platz im Haus (Villa) vorhanden ist. Reichtum verdirbt offenbar doch hin und wieder den Charakter. |
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Verfasst am: 06.11.2007, 09:34 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Wer seine Eltern im Alter begleitet und ihnen dort Hilfe gibt, wo er es möglich machen kann, der bekommt nach ihrem Tode ein Geschenk für sein weiteres Leben und eigenes älter werden.
Auch ich habe meine Eltern gepflegt bis zu ihrem Lebensende. Und es war manche Zeit dabei, wo ich dachte, ich schaffe es nicht mehr. Die seelische und körperliche Belastung kann enorm hoch sein.
Dass ich nicht aufgegeben habe, hat mir die Trauerzeit erleichtert und heute bin ich überaus dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte.
Wer es allerdings nur macht, weil es sich so gehört, der tut weder sich noch den alten Menschen einen guten Gefallen. Auch in der Pflege durch Angehörige geschehen schlimme Misshandlungen und Vernachlässigungen, die aber selten an die Öffentlichkeit gelangen. Deshalb ist es wünschenswert, dass ein Mensch, der sich mit der Pflege überfordert fühlt, aus welchem Grund auch immer, dazu steht und alles unternimmt, ein gutes Pflegeheim zu finden und diese Pflege regelmäßig zu kontrollieren.
LG Grete |
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Verfasst am: 06.11.2007, 11:20 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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Guten Morgen, Euch allen,
danke für Euren Beitrag.
Eigentlich sind wir alle selbst Betroffene, die aus eigener Erfahrung sprechen. Jeder hat Recht, mit seinen Argumenten.
Ich denke schon, dass es eine Rolle spielt in welcher Beziehung man mit seinen Eltern stand. Aber das allein ist nicht unbedingt entscheidend. Was ich in Heimen schon mitbekommen habe, ließ mich erschaudern.
Eine Woche ehrenamtliche Tätigkeit haben mir zusätzlich die Augen geöffnet. Ich durfte mich nicht länger als fünf Minuten bei den einzelnen alten Menschen aufhalten, obwohl sie gerne noch mit mir geredet hätten. "Wo kämen wir denn da hin", bekam ich von der Leiterin zu hören. Das machte mich betroffen, denn diese Menschen verlangen nicht viel. Nur ein wenig Zuspruch und Aufmerksamkeit. Ich hätte dort nicht länger bleiben können, ohne mir den Mund zu verbrennen. Dann hätte man mich ohnehin rausgeworfen.
Ich war mir mehr als sicher, dass ich meinen Eltern so etwas nie antun würde.
Selbstverständlich gibt es Fälle, in denen es nicht anders möglich ist. Das muss man respektieren. Dennoch sollte man die Menschen im Heim nie vergessen und sie so oft wie möglich besuchen, ihnen das Gefühl geben, dass sie uns noch wichtig sind.
Wie ich hier bei jedem einzelnen feststellen konnte, sind wir alle froh darüber, dass wir uns entschieden haben, die Pflege selbst zu übernehmen.
Gruß Rita |
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_________________ „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
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Verfasst am: 06.11.2007, 13:01 |
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| hwg (Moderator) |
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In meiner journalistischen Arbeit bin ich schon oft auf Missstände in Altersheimen gestoßen und habe darüber auch berichtet. Gerade jetzt beschäftigen einige Vorfälle in unserer Region wieder die Behörden.
Dabei sind die Heime nun durchwegs freundlich eingerichtet und zum Teil auch großzügig ausgebaut, ganz im Gegensatz zu früher, wo schon das Hineingehen den Besuchern mitunter schwer fiel, weil sie mit den Insassen mitlitten.
Aus meiner Sicht fehlt es an qualifiziertem Personal, das auch über "Herzenswärme" verfügt. Noch so perfektionierte "technische" Handhabung der sicher schweren Aufgabe allein genügt nicht.
Allerdings muss ich auch sagen, dass von außen betrachtet, manches sich ärger darstellt, als es die Heiminsassen (vielleicht) empfinden. Denn auf Befragung zeigt sich doch eine überwiegende Mehrheit davon mit dem Aufenthalt zufrieden.
Meine Mutter wollte jedoch - noch bei bester Gesundheit, aber auch während ihrer Krankheit - niemals in ein "Seniorenheim", und ich bin in der glücklichen Lage gewesen, ihr den Aufenthalt bis sechs Tage vor ihrem Tod im Krankenhaus in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.
Selbstverständlich hätte ich, wäre ihr ein Heimaufenthalt lieber gewesen, ihr auch diesen Wunsch erfüllt. |
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 | Weihnachtszeit |  |
Verfasst am: 28.11.2007, 16:47 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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| Anmeldedatum | 23.05.2007 | | Beiträge | 1584 | | Wohnort | Fehmarn |
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Jetzt beginnt für viele alte Menschen, die alleine leben, wieder eine schwere Zeit.
Melancholisch, sich ihrer Einsamkeit bewusst, sitzen sie in ihrem Zimmer und hängen vergangenen Zeiten nach. Wie es war in ihrer Kindheit. Auch ohne viel Geld und Geschenke, eine glückliche Zeit. Mit ihren Eltern, Geschwistern und Verwandten.
Aber nun ist keiner von ihnen mehr am Leben. Wie gerne würden sich die Alten an einen gedeckten Tisch setzen, umgeben von fröhlichen Kindern und Erwachsenen. Mit leuchtenden Augen den Weihnachtsbaum bewundern. Den Duft der Tannen, des Gebäcks und der Weihnachtsganz einatmen. Sie können sich kaum noch an die Düfte ihrer eigenen Weihnachtzeit erinnern. Es schmerzt, wenn man daran denkt, dass auch wir in solch eine Situation geraten können. Auch wenn man eigene Kinder hat, ist es nicht in jedem Fall eine Garantie für ein glückliches Alter.
Haben wir vielleicht in der Nähe einen alten, einsamen Menschen wohnen? Warum besuchen wir ihn nicht und bringen ihm ein kleines Geschenk? Oder was noch viel wichtiger ist: Ein wenig Zeit zum Zuhören, liebe Worte und eine frohe Weihnacht.
Gruß Rita |
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Verfasst am: 05.01.2008, 23:17 |
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| arno63 |
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| Anmeldedatum | 12.12.2007 | | Beiträge | 144 |
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Ich entdecke diesen Thread jetzt erst und denke, er gehört zu den wichtigsten hier im Unterforum. Erstens weil er uns alle betrifft (mitunter in absehbarer Zeit) und – damit verbunden – zweitens, weil er von so wichtiger human-gesellschaftlicher Relevanz ist wie kaum ein anderes Thema.
Es hat also nicht nur einen individuell-ethischen Aspekt, sondern auch besonders einen gesamtgesellschaftlichen Aspekt, der Auskunft über die Humanität unserer produktions- und konsumorientierten Gesellschaft gibt.
Wie sagt man so schön: Die Kinder und die Alten haben keine Lobby. Den „unproduktiven Altersstufen“wird wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Der produktive „Mittelbau“ steht in Vordergrund mit seiner Konsumfähigkeit. Kinder treten mediengepuscht in den kurzfristigen Vordergrund, wenn wieder einmal eine Vernachlässigung mit Todesfolgen entdeckt wird – die Alten erfahren Medienpräsenz, wenn nachlässige und unverantwortliche Altenheime entdeckt werden.
Dabei erfahren die Kinder weit mehr Resonanz als die Alten, was menschlich verständlich ist, da in ihnen die individuelle und gesellschaftliche Hoffnung liegt. Bessere Rahmenbindungen (familiäre Umsorgung, Erziehung, schulische Bildung) erscheinen hier sehr nützlich für die Zukunft einer ökonomisch orientierten Gesellschaft.
Die Humanität einer Gesellschaft zeigt sich aber entscheidend in der Behandlung der ganz Alten, die weder die Produktion noch den Konsum bestimmen und auch keine gesellschaftliche Hoffnung mehr darstellen.
Hier muss – abgesehen vom Idealfall der individuellen aufopfernden und häuslichen Betreuung durch Angehörige – ein Heimaufenthalt für die Betroffenen geschaffen werden, der einen gültigen und annehmbaren Lebensabend darstellt.
Dies meine anfänglichen und unvollständigen Gedanken dazu. |
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Manche haben eine so dicke Haut, dass sie ohne Rückgrad aufrecht stehen können. |
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Verfasst am: 05.01.2008, 23:26 |
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| CeKaDo |
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| Anmeldedatum | 15.11.2007 | | Beiträge | 411 | | Wohnort | Schwelm |
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Ich bin 48.
Ich möchte nicht, daß meine Kinder mich pflegen müssen. Ich möchte ebenfalls nicht, daß sie durch mich in einer der schönsten Erlebenszeiten ihres Lebens einen sabbernden und gedächtnisschwachen Hosensch...er windeln und beaufsichtigen müssen.
Ich will selbständig bleiben, so lange es nur irgendwie geht. Ich möchte meinen aktiven Lebensabend am liebsten in einem Hause verbringen, wo ich lebe und noch schaffen kann, was Hände und Geist hergeben. Gemeinsam mit vielen anderen Menschen, die sich gegenseitig unterstützen können, ohne ihre Unabhängigkeit aufzugeben.
Ich möchte im Alter Ruhe und Weisheit geben können und dennoch für mich so leben dürfen, wie ich es will.
Und wenn ich nicht mehr kann, dann will ich von Fachkräften mit dem Nötigsten versorgt werden bis ich sterben darf.
Doch niemals will ich die Veranwortung und die Last eines abwesenden Geistes oder hoffnungslos defekten Körpers an meine Kinder abgeben. Das möchte ich ihnen nicht antun. Das haben sie nicht verdient. |
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Verfasst am: 06.01.2008, 01:46 |
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| julia07 |
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| Anmeldedatum | 22.05.2007 | | Beiträge | 1316 | | Wohnort | 87700 Memmingen |
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Vor einiger Zeit hatte ich in einer Diskussion zu eben diesem Thema einmal meine Idee vorgetragen:
"Man löse die bisherigen Abschiebe-Einrichtungen für Weisenkinder, Behinderte, Alte und Tiere auf und errichte stattdessen Gemeinschaftseinrichtungen, wo alle miteinander leben und etwas voneinander haben oder füreinander tun können..."
Was dann kam, war ein Schwall von Gegenargumenten im Stil "Das geht aus rein juristischen Gründen niemals! Was ist, wenn was passiert? Wer trägt da die Verantwortung? usw.
Ich habe nur gefragt, wer diese Verantwortung früher getragen hat. Früher, wo z. B. auf dem Bauernhof die uralte Oma, die nur noch auf der Bank vor dem Haus sitzen konnte, so hervorragend auf das Enkelchen im Sandkasten aufgepasst hat und jeder dabei dem anderen seine spannenden Geschichten "erzählt" hat - und keiner hat auch nur ein Wort verstanden. Aber zufrieden und glücklich waren sie beide.
Mach das mal heute im Altenwohnheim...
LG, Julia |
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Verfasst am: 06.01.2008, 03:01 |
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| Gerhard |
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| Anmeldedatum | 07.12.2007 | | Beiträge | 416 |
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| hwg (Moderator) hat Folgendes geschrieben: | | Reichtum verdirbt offenbar doch hin und wieder den Charakter. |
Nee, es bringt ihn zum Vorschein.
Meine Mutter ist nun 87 und kann ihren Haushalt noch fast selbständig schmeißen. Sie kocht und backt wie eine Verrückte und freut sich wenn die Kinder und Enkel kräftig zugreifen. Das Ergebnis ihrer Bemühungen sehe ich täglich, wenn ich auf der Waage stehe
Ich bin unendlich dankbar, dass sie noch so gut drauf ist.
Liebe Grüße
Gerhard |
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