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Wortimigranten

BeitragVerfasst am: 08.05.2008, 19:59
HeinzB.
 
Anmeldedatum06.05.2007
Beiträge17
WohnortLinz - Donau


Das Goethe-Institut und der Deutsche Sprachrat hatten aufgerufen, die schönsten "eingewanderten Wörter" zu küren. Jetzt stehen diese fest und eine kurze Vorstellung sollte hier Platz haben:
Auf Platz 1 kam das Wort "Tollpatsch". Es wurde im 17. Jahrhundert aus Ungarn entlehnt. Ursprünglich hieß es "talpas", bedeutete breitfüßig und bezeichnete die ungarischen Fußsoldaten. Platz 2 wurde der "Currywurst" zugewiesen. Seit den späten 40er-Jahren des 20. Jhdts. serviert man die deutsche Wurst mit dem Curry-Gemisch, das seine Wurzeln in der Tamilensprache Südindiens hat. Über die Schönheit dieses Wortes kann man ..., aber die Mehrheit hat entschieden. Auf Platz 3 ist der "Engel" sanft eingeschwebt, der einst als griechischer "angelos" (Bote) seinen Siegesflug antrat!

Welche (Lehn-) Wörter hätten bei Euch gesiegt?
Mit lieben Grüßen
Heinz

Verfasst am:
 


Re: Wortimigranten

BeitragVerfasst am: 08.05.2008, 21:11
hawepe
 
Anmeldedatum15.04.2007
Beiträge1251
WohnortBerlin


Hallo Heinz,

HeinzB. hat Folgendes geschrieben:
Auf Platz 1 kam das Wort "Tollpatsch". Es wurde im 17. Jahrhundert aus Ungarn entlehnt. Ursprünglich hieß es "talpas", bedeutete breitfüßig und bezeichnete die ungarischen Fußsoldaten.


Welchen Rechtschreibbanausen darf man eigentlich steinigen?

Wie kann man nur aus "talpas" ein "Tollpatsch" machen? Twisted Evil

Okay, das hat jetzt nichts mit deiner Frage zu tun, aber manchmal finde ich andere Dinge viel spannender.

Beste Gruesse,

Heinz.

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BeitragVerfasst am: 08.05.2008, 21:19
Hakket (Moderator)
 
Anmeldedatum14.09.2007
Beiträge414
WohnortBremervörde


Erst heute hatte ich ein Gespräch mit einem alten Engländer (nicht den Schraubenschlüssel).
Es ging um Anglizismen usw.
Im plattdeutschen gibt es das Wort "Buddel" - Flasche. Wahrscheinlich dem englischen "bottle" entlehnt.

Oder das norddeutsche "schnacken" - reden, palavern. Es gibt im dänsichen das Wort "snakke" - reden. Oder genauer: "Sludder snakke" - Unsinn reden.

War da jetzt aber wo "geklaut" hat - keine Ahnung.

Gruß
Hakket

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BeitragVerfasst am: 08.05.2008, 22:33
Haifischfrau
 
Anmeldedatum04.02.2008
Beiträge206
WohnortBerlin


Hallo Heinz,

vielleicht verstehe ich einfach dein Problem nicht. Fakt ist, dass die ungarische Aussprache nicht der deutschen entspricht.
Talpas spricht man Toll-posch (wobei das O offen - und kurz - ist und ein wenig ins A gleitet). Vielleicht ist damit deine Frage schon beantwortet?

Mir gefällt das Wort übrigens sehr gut.

Schöne Grüße
Maryanne

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Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 08.05.2008, 23:21
hawepe
 
Anmeldedatum15.04.2007
Beiträge1251
WohnortBerlin


Hallo Maryanne,

Haifischfrau hat Folgendes geschrieben:
vielleicht verstehe ich einfach dein Problem nicht.


Oder ich habe mich schlecht ausgedrueckt.

Zitat:
Fakt ist, dass die ungarische Aussprache nicht der deutschen entspricht.
Talpas spricht man Toll-posch (wobei das O offen - und kurz - ist und ein wenig ins A gleitet). Vielleicht ist damit deine Frage schon beantwortet?


Von der Aussprache mag es hinkommen, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob das a wirklich als so kurzes o ausgesprochen wird.

Aber mir ging es ja auch um die Verdoppelung des l, die den Talpas in die Naehe von Verrueckten (Tollen) rueckt, obwohl er eigentlich nur ungeschicklich ist. Es mag zwar auch mal vorkommen, dass einen Tolpatsch die Tollheit gepackt hat, aber den Wortstamm deshalb so zusammenzuwerfen ...?

Okay, ich gebe ja zu, dass ich, was Sprache angeht, ziemlich konservativ bin.

Beste Gruesse,

Heinz.

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BeitragVerfasst am: 09.05.2008, 02:00
HuWes
 
Anmeldedatum03.02.2008
Beiträge32


hawepe hat Folgendes geschrieben:
Aber mir ging es ja auch um die Verdoppelung des l, die den Talpas in die Naehe von Verrueckten (Tollen) rueckt, obwohl er eigentlich nur ungeschicklich ist. Es mag zwar auch mal vorkommen, dass einen Tolpatsch die Tollheit gepackt hat, aber den Wortstamm deshalb so zusammenzuwerfen ...?


Mir geht es genau so wie dir. Dieses Unter-den-Tisch-fallen-lassen der Etymologie eines Wortes durch die Rechtschreibreform finde ich ziemlich widerlich - aber was soll man erwarten von einer Gesellschaft, in der gesundes Halbwissen zur Popularität verhilft (wer erinnert sich noch an die Dumpfbacke bei "Big Brother" Staffel 1, wo jemand aus Shakespeare ein Bier gemacht hat).

Der "Tollpatsch" hat weder was mit toll (wie verrückt) noch mit patschen zu tun. Den gleichen Fehler hat man beim "einbläuen" begangen, was nun wirklich nichts mit "blau" zu tun hat (sondern mit dem mittelhochdeutschen Wort "bliuwen", was soviel wie "schlagen" bedeutet).

Ein "Maulwurf" hat kein besonders großes Mundwerk, der Name wird von "Mull" abgeleitet, was eine bestimmte Erdform beschreibt (vgl. "Nacktmull"). Selbst so ein allgemein bekanntes Wort wie "Hängematte" hat eine gänzlich andere Herkunft, als man glaubt. Es ist nämlich keine Matte, die hängt. sondern eine Herleitung aus der Sprache der Erfinder der Hängematte, und das waren die Indianer Amerikas. Da hieß das Ding "Hamaka". So ein Etymologie-Wörterbuch ist schon recht spannend (aber wen interessiert's. wenn sich so ein Sprachgremium seine eigenen Regeln bastelt).

BeitragVerfasst am: 09.05.2008, 21:07
hawepe
 
Anmeldedatum15.04.2007
Beiträge1251
WohnortBerlin


Hallo HuWes,

HuWes hat Folgendes geschrieben:
Dieses Unter-den-Tisch-fallen-lassen der Etymologie eines Wortes durch die Rechtschreibreform finde ich ziemlich widerlich - aber was soll man erwarten von einer Gesellschaft, in der gesundes Halbwissen zur Popularität verhilft (wer erinnert sich noch an die Dumpfbacke bei "Big Brother" Staffel 1, wo jemand aus Shakespeare ein Bier gemacht hat).

...

So ein Etymologie-Wörterbuch ist schon recht spannend (aber wen interessiert's. wenn sich so ein Sprachgremium seine eigenen Regeln bastelt).


Ganz so negativ sehe ich es nicht. Es gibt doch noch recht viele Menschen, die sich diesem Trend widersetzen.

Die reformierte reformierte Rechtschreibung brachte immerhin als Verbesserung, dass jetzt vielfach Wahlfreiheit herrscht. Man muss sie nur nutzen und dieses Recht verteidigen. Unsere beiden Kinder (10. und 13. Klasse) hatten damit bislang selbst im Deutschunterricht Erfolg. Natuerlich steht dann mal am Rand, das irgendein Ausdruck oder eine Formulierung veraltet seien, aber damit muessen die Lehrer eben leben.

Beste Gruesse,

Heinz.

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BeitragVerfasst am: 09.05.2008, 21:57
mtg
 
Anmeldedatum04.02.2008
Beiträge558
WohnortBerlin


Ob ich "Currywurst" als "Wortimmigrant" bezeichnen möchte, sei einmal dahingestellt. Ich halte Curry für einen Eigennamen und Wurst nicht für sonderlich immigrant.

Aber lecker isse schon - aber das war wohl kein Kriterium...

_________________
Beste Grüße, Matthias

Die Würde des Menschen ist unfassbar.

BeitragVerfasst am: 10.05.2008, 17:53
Arachne
 
Anmeldedatum28.03.2008
Beiträge16


Also ich habe schon immer "Pullover" faszinierend gefunden, ist m.E. so um 1930 aus dem Englischen eingeführt worden (einfach von to pull over), aber dort gar nicht bekannt, würde als Sweater bezeichnet.
Sehr viel älter z.B. "Fenster" von lat. fenestra, während das Englische da ausnahmsweise den germanischen Ausdruck Windauge (window) beibehalten hat.



Sigrid
Wortimigranten
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