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Würdet ihr es tun?

BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 16:46
Siegfried
 
Anmeldedatum09.07.2008
Beiträge452


Hi!

Mal eine Frage an euch (auf Ehre und Gewissen sozusagen cheezy grin )

Stellen wir uns folgendes Szenario vor:

Du hast einen Roman (belletristische Unterhaltungsliteratur) geschrieben und ihn dann auch noch tatsächlich bei einem bekannten Publikumsverlag untergebracht.

Und aus welchem Grund auch immer - das Buch verkauft sich wie geschnitten Brot. Nach einem Jahr ist die vierte Auflage raus und die Verkaufszahlen bewegen sich jenseits der 200.000er Grenze. Auf deinem Konto hat sich dadurch eine sechsstellige Summe an Tantiemen angehäuft.

Wie es dann so häufig ist, zieht der Erfolg des Buches Fernsehproduktionsfirmen an. Eine Firma will die Filmrechte kaufen und bietet eine Viertelmillion (nur zur Erläuterung: Einnahmen aus Nebenrechte, wie etwa Filmrechte, werden zwischen Verlag und Autor geteilt). Du und der Verlag stimmen zu. Weitere 125.000 Euronen rieseln auf dein Bankkonto.

Ob des Erfolges will der Verlag dich als Autor langfristig halten und bietet dir folgenden Vertrag an: Drei Bücher in den nächsten sechs Jahren bei einer Vorauszahlung von 180.000 Euro (60.000 pro Buch).

Und nun die Gewissensfrage: Machst du das? Rolling Eyes

Worauf ich hinaus will: Das erste Buch war ein Buch, dass du mehr oder minder alleine geschrieben hast. Deine Idee, deine Umsetzung - vom Verlagslektor mit dir zusammen überarbeitet.

Jetzt aber sollst du Auftragsschreiber werden. Drei Romane in sechs Jahren, möglichst natürlich mit den gleichen Erfolgsaussichten wie der Erstling. Bei sehr guter Bezahlung.

Gehst du darauf ein? Und wenn ja, schreibst du dann plötzlich anders?

LG
Siegfried

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 16:51
Judith
 
Anmeldedatum05.08.2007
Beiträge2654
WohnortSchwobaländle


Hallo Siegfried,

es käme auf die Vorgaben an. Aber bei 125.000 Euro ist man ja schon mal gut gepolstert, da muss man sich auf nichts einlassen, was man nicht unbedingt will. Außerdem würden einen auch andere nehmen. Razz

Grüßle,
Judith

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Du willst mehr wissen? Bitte hier - meine Website.

BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 16:55
LOFI (Moderator)
 
Anmeldedatum29.04.2008
Beiträge2877


Hi,

nein, ganz klar. ich schreibe, was ich möchte und nicht, was man mir vorschreibt. Wenn ich mit dem Geschriebenen diesen Erfolg haben würde, wie du ihn oben vorrechnest, dann hätte ich ja leicht ausgesorgt. Warum sollte ich mich hinterher noch verbiegen?

Nö, ich würde die piepen gut anlegen (wenn das heute überhaupt noch möglich ist) und weiterhin das schreiben, was ich mag.

VG

Lorenz

BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 17:14
Klaus D. Klimke
 
Anmeldedatum18.09.2008
Beiträge101
WohnortHamburg


Ein klares "Nein".
Unter Zeitdruck und Themenvorgabe läuft bei mir nichts.
Ein Buch ist erst dann fertig, wenn ich es sage. Und das kann halt manchmal auch recht lange dauern.
Gruß von
Klaus

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Ignoranz ist der schleichende Tod jeder Gesellschaft
http://www.klaus-d-klimke.de/

Verfasst am:
 


BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 17:29
Hakket (Moderator)
 
Anmeldedatum14.09.2007
Beiträge981
WohnortBremervörde


Auf jeden Fall!
Nicht, weil ich Geldgeil bin, sondern weil meiner Meinung nach diese Vorgehensweise wohl am ehesten dem "Beruf" Autor am nächsten kommt.
Letztlich ist es wohl auch unwahrscheinlich, dass man sich völlig verändern müsste - sprich: Das Genre bleibt das gleiche.

Ich kann (gehe zumindest davon aus, da teilweise schon so gewesen) auf Abruf schreiben. Und drei Bücher in sechs Jahren ist echt nicht viel.

Wobei man sich fragen müsste, ob die Kohle, die man schon gemacht hat, nicht schon ausreichen würde. Aber wenn mir das Schreiben noch Spaß machen würde, warum nicht? Spaß haben und dabei noch Geld verdienen - prima Sache!

Gruß
Hakket

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In jedem Menschen existieren dunkle Orte, für die es keine offizielle Wegbeschreibung gibt. Und wer glaubt, keinen dieser Orte in sich zu tragen, hat den Weg dorthin nur noch nicht gesucht.
www.tordenfjord-verlag.de

BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 17:40
g.c.roth (Moderator)
 
Anmeldedatum01.05.2007
Beiträge1733
WohnortEmden


Hallo,
wenn ich ein Buch schreibe, weil es aus mir heraus will, dann schreibe ich anders, als wenn jemand sagt: Schreibe über dies oder jenes auf diese oder andere Weise. Ich könnte das tun, es hätte aber sicher eine andere Qualität, weil die Identifikation mit dem Thema nicht mehr so ist, wie beim ersten Buch.

Auf drei oder vier Bücher würde ich mich nicht einlassen, wenngleich es Serien gibt (Lindenstraße) die scheinbar endlos immer ihre Leser/Zuschauer finden, ist es doch oft so, dass beim zweiten oder dritten Buch vom Autor, zum gleichen Thema, das Herzblut verschossen ist. Der Leser merkt das sofort. Dann droht auch das Aus für das erste Buch.

Anders wird es vielleicht sein, wenn man von Anfang an in diese Richtung zielt. Also schon das erste Buch mit der Absicht schreibt, das Thema zum Dauerbrenner werden zu lassen. Dann ist so, dass man eine Art Strickmuster hat, dass sich alle zehn Reihen wiederholt. In dem Fall würde ich meinen Stift zur Unterschrift sicher zücken cheezy grin

LG Grete

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BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 17:49
Conny
 
Anmeldedatum07.10.2008
Beiträge394
WohnortEifel


Interessante Frage, damit hab ich mich noch nie auseinandergesetzt (und auch nicht müssen, hä hä).

Aber ich glaube, dass es ganz auf das erste Buch ankäme. Wenn mir beim Schreiben noch viele Ideen im Kopf rumgeschwirrt wären und ich genügend "Stoff" hätte, vielleicht. Da sehe ich es ähnlich wie Hakket.

Wenn man mir bezüglich des Inhaltes auch nicht zu konkrete Vorgaben machen würde, wäre das vermutlich für mich auch in Ordnung.

Auch die Zeitvorgabe ist eigentlich ganz angenehm. Literarisch "austoben" könnte ich mich immer noch in meiner "Freizeit", wenn mir nach anderen Geschichten wäre.
Doch, ich glaube, ich würde das tun.
Einzige Bedingung: Kein Job mehr nebenher. Aber bei dem guten Kontostand könnte man sich das ja dann erlauben.

LG, Conny

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"Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann."
Antoine de Saint- Exupéry

www.kundenkoller.over-blog.de

BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 18:07
Siegfried
 
Anmeldedatum09.07.2008
Beiträge452


Vielleicht als Ergänzung:

Die drei Romane in den sechs Jahren sollen keine Fortsetzung des ersten sein. Oder dass aus dem ersten Roman plötzlich eine Tetralogie wird.

Nur mal so als Beispiel in Blaue hinein:

Der erste Roman ist ein Öko-Thriller, der sich um Umweltverschmutzung oder globale Erwärmung dreht (oder so was) und deshalb irgendwie den Nerv der Zeit (oder der Leser) trifft.

Nun erwartet die Leserschaft (und ganz besonders der Verlag) weitere Bücher zum Thema Ökologie & Thriller - etwa so, wie man von King Mystery/Horror erwartet oder von Dan Brown irgendwelche geheimnisvollen Verschwörungstheorien usw.

Also neue Romane aus einem bestimmten Themenbereich, keine Fortsetzung des ersten Romanes.

Oder würdet ihr das Risiko eingehen, trotz oder wegen des Erfolges einen vollständigen Bruch des Genres vorzunehmen (statt Öko-Thriller eine Liebesgeschichte zwischen einer europäischen Frau und einem japanischen Krieger im 19. Jahrhundert)?

LG
Siegfried

BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 18:27
Hakket (Moderator)
 
Anmeldedatum14.09.2007
Beiträge981
WohnortBremervörde


Ich schätze, sowas ergibt sich automatisch.
Wenn man das Glück hatte, z.B. mit Horror einen Erfolg zu landen, wird der Verlag auch wieder Horror erwarten. Egal ob Vortsetzung oder nicht.
Und da man von sich aus mit dem Genre angefangen hat, dürfte es nicht so schlimm sein, dabei zu bleiben.

Etwas anders sieht die Sache aus, wenn man das Genre wechseln will.
Dass das geht, zeigt zB. Paul Wilson. Er schreibt Medizinthriller und die Handyman Jack-Reihe. Beides ist völlig unterschiedlich. Auch Koontz würde ich einen Science-Fiction abnehmen. King aber keine Lovestory.

James Rollins, der bekannt durch Wissenschftsthriller wurde, schreibt - glaube ich - unter anderen Namen Liebesgeschichten.

Letztlich muss man sich die Frage stellen, ob man, wenn man kommerziell schreibt - sich auch selbst ein stückweit verkaufen will. Wenn ja, muss man eben Kompromisse machen.

Früher wollte ich das nicht - jetzt schon cheezy grin

Gruß
Hakket

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BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 18:35
Klaus D. Klimke
 
Anmeldedatum18.09.2008
Beiträge101
WohnortHamburg


Hallo Siegfried,
du wirst dir doch sicher bei deinen Fragen etwas gedacht haben.
Welche Beweggründe haben dich dich also veranlasst, diese Fragen zu stellen? Oder besser: was bezweckst du damit?
fragt sich
Klaus

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BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 19:58
g.c.roth (Moderator)
 
Anmeldedatum01.05.2007
Beiträge1733
WohnortEmden


Zitat:
Oder würdet ihr das Risiko eingehen, trotz oder wegen des Erfolges einen vollständigen Bruch des Genres vorzunehmen (statt Öko-Thriller eine Liebesgeschichte zwischen einer europäischen Frau und einem japanischen Krieger im 19. Jahrhundert)?


Nein, die meisten haben doch so ein bis zwei Genres, die sie gut bedienen können. Ich glaub, das Risiko würde ich nicht eingehen. Man schmeißt ja auch nicht einfach seinen Job hin, nur weil man in einem anderen Job, den man nicht beherrscht, 5000 Euro mehr im Monat verdienen *könnte*.

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BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 20:02
Siegfried
 
Anmeldedatum09.07.2008
Beiträge452


Klaus D. Klimke hat Folgendes geschrieben:
Welche Beweggründe haben dich dich also veranlasst, diese Fragen zu stellen? Oder besser: was bezweckst du damit?


Ich wollte mit dieser Frage einfach mal die Fühler ausstrecken, wie groß die Bereitschaft unter den Autor/innen hier ist, eine Art "Auftragsschreiberei" anzunehmen - ob man sich so etwas überhaupt vorstellen kann oder ob man das für sich kategorisch ablehnt.

Ich bin in einem Arbeitskreis von engagierten Hobbyautoren (neun Leute), wo einem (genauer: einer) von einem Verlag ein Angebot gemacht wurde, gegen Geld einen Roman zu schreiben - allerdings mit thematischer Vorgabe und einem Zeitplan: Abgabe des Exposés, Fortschrittsüberwachung, Fertigstellung des Manuskriptes. Bei Erfolg würden weitere Aufträge vom Verlag kommen.

In der Gruppe brach darüber eine heftige Diskussion aus, ob man so einen Auftrag annehmen sollte. Und ob so ein Schreibauftrag dann nicht nahezu ausschließlich Handwerk verlangt und weniger die Muse bemüht. Deshalb auch meine Frage, wie man sein Schreiben bei Erteilung des Auftrages ändern würde.

Oder in anderen Worten: Wie würde man einen Romanauftrag angehen - so wie alle sonstigen Texte auch (z.B. Suche nach einer Idee und dann drauflos schreiben) oder deutlich mehr nach der Theorie des Schreibhandwerks?

LG
Siegfried

BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 20:06
MW
 
Anmeldedatum08.10.2008
Beiträge259


klares JA.

wenn meine schreibe beim ersten thriller für erfolgt gesorgt hat, erwartet der verlag ja "nur", dass ich mir treu bleibe.

und 1 buch in 2 jahren sollte ja wohl zu schaffen sein. insbesondere da mit 30.000 euronen pro jahr schon ein schönes polster vorhanden ist, um sich zumindest halbtags mit dem schreiben auseinanderzusetzen.

also: ich bin dabei! wann geht´s los? thumb up

_________________
www.angenehme-vorstellung.de
"Der Ventriloquist" (Illustrierte Erzählung)
"Rote Zitrone" (Humoristische Kurzgeschichten)

BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 20:12
Judith
 
Anmeldedatum05.08.2007
Beiträge2654
WohnortSchwobaländle


Hallo Siegfried,

ich habe schon mehrmals beteuert, dass ich mich gerne nach Verlagsvorgaben richte. Jetzt habe ich auch wieder mit einem Manuskript für Erstleser begonnen, mit eingeschränkter Thematik, vom Niveau der Leser vorgegebenem Schwierigkeitsgrad und Wortschatz und vom Verlag festgelegter Zeichenzahl. Lieber richte ich meine Arbeit nach Vorgaben und finde einen Verlag als vogelfrei für die Schublade zu schreiben. Aber ich muss mich mit den Vorgaben wohl fühlen, sonst funktioniert es nicht.

Grüßle,
Judith

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BeitragVerfasst am: 29.10.2008, 09:25
PvO
 
Anmeldedatum21.10.2007
Beiträge693
WohnortOstseebad Prerow


Ich habe mal von einer solchen Erfolgsautorin ein Interview gelesen. Sie hatte sich wieder ihrem ursprünglichen Brotberuf zugewandt, weil ihr das mit dem Verlag zu stressig war. Sie sagte: ich möchte schreiben, wenn ich schreiben will und nicht dann, wenn ich es muss.

_________________
Ab November 07 erschien eines meiner Bücher auf dem amerikanischen Markt .

www.peters-buchladen.de
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